Nach Domspatzen-Abschlussbericht

Bischof Voderholzer wendet sich an Opfer anderer Einrichtungen

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„Helfen Sie mit, dass alle, die in anderen kirchlichen Einrichtungen Opfer von Misshandlungen oder sexueller Gewalt geworden sind und die sich bislang nicht gemeldet haben, den Mut aufbringen, sich uns anzuvertrauen.“ Foto: Archiv/ Staudinger

„Helfen Sie mit, dass alle, die in anderen kirchlichen Einrichtungen Opfer von Misshandlungen oder sexueller Gewalt geworden sind und die sich bislang nicht gemeldet haben, den Mut aufbringen, sich uns anzuvertrauen.“ Foto: Archiv/ Staudinger

Wenige Tage nach dem Domspatzen-Abschlussbericht geht Bischof Voderholzer mit einem erweiterten Aufruf an die Öffentlichkeit. In seinem aktuellen Hirtenwort ruft er neben den Betroffenen, die in kirchlichen Einrichtungen körperverletzende Gewalt erleiden mussten, erstmals auch Opfer sexueller Übergriffe auf, sich an die zuständigen Stellen des Bistums zu wenden. In Sachen Aufklärung der Vorfälle bei den Domspatzen stellt Voderholzer sich schützend vor seinen Vorgänger Gerhard Ludwig Müller.

An diesem Wochenende wurde in den katholischen Messfeiern der Diözese Regensburg ein Hirtenwort des Bischofs verlesen. Darin wendet sich Rudolf Voderholzer „mit einem sehr ernsten Thema“, sprich mit einer eher wissenschaftlich gehaltenen Zusammenfassung des Abschlussberichts von Rechtsanwalt Ulrich Weber, an seine „Liebe(n) Schwestern und Brüder in Christus, dem Herrn!“

Der Bericht des „vom Bistum beauftragten, aber unabhängig arbeitenden Rechtsanwalts“ Weber habe, so der Regensburger Bischof, auftragsgemäß „die Gewalttaten, die Kindern und Jugendlichen bei den Domspatzen in der Vergangenheit angetan wurden“ dokumentiert und „die Strukturen und Zusammenhänge, die diese Taten ermöglicht oder gar noch gefördert haben“, durchleuchtet. Den „wichtigsten Beitrag zu dieser Arbeit haben die Betroffenen geleistet“, so Voderholzer. Dafür spreche er ihnen seinen aufrichtigen Dank aus. Die von Rechtsanwalt Weber ausführlich geschilderten Übergriffe (in Summe: über 500 Körperverletzungen, 67 sexuelle Missbrauchstaten und 115 einer Tat beschuldigte Personen) würden ihn zutiefst zerknirschen und mit Scham erfüllen. Im Anschluss an das Hirtenwort seines Vorgängers, das Bischof Gerhard Ludwig Müller im März 2010 verfasste, sagt Voderholzer, den Opfern gelte unser tiefes Mitgefühl. Und: „Ihrer Ehre und Würde schulden wir, dass ihnen Gerechtigkeit widerfährt“.

Voderholzer lobt sich in die eigene Tasche

Einer Kritik an Kardinal Müller, so wie sie derzeit landläufig zu vernehmen ist, enthält sich Voderholzer. Stattdessen verweist er im Hirtenwort darauf, dass sein Vorgänger Müller schon 2010 die entsprechenden Strukturen für die Aufarbeitung geschaffen habe. Eine geschönte Lesart, die schon letztes Jahr von Generalvikar Michael Fuchs vorbereitet wurde und von Betroffenen alles andere als geteilt wird.

Weist jede Kritik von sich: Gerhard Ludwig Müller. Foto: Archiv/ Staudinger

Weist jede Kritik von sich: Gerhard Ludwig Müller. Foto: Archiv/ Staudinger

Ansonsten lobt Voderholzer sich selbst und schönt die Vorgeschichte des Aufklärungsprozesses. In Gesprächen mit einzelnen Opfern sei ihm, Voderholzer, schnell deutlich geworden, „dass ein gemeinsames Vorgehen mit den Betroffenen, ein Hinhören auf ihre Erwartungen und Nöte ebenso wichtig“ sei, „wie ein unabhängiger Blick auf die Strukturen und Zusammenhänge“. Die Einsicht, „dass das Bistum Hilfe von außen und von unabhängiger Seite in Anspruch nehmen müsse“, sei gewachsen und daraufhin Rechtsanwalt Weber beauftragt worden.

Tatsächlich leitete Bischof Rudolf Voderholzer, seit Januar 2013 Bischof von Regensburg, eine Wende nicht schnell, sondern erst über zwei Jahre nach seinem Amtsantritt im April 2015 und unter massiven öffentlichen Druck ein. Im Oktober 2016 wurden die Ergebnisse aus diesem gemeinsamen Vorgehen, die im Wesentlichen von den Vertretern ehemaliger Domspatzen erarbeitet wurden, präsentiert: finanzielle Anerkennungsleistungen von fünf- bis zwanzigtausend Euro, Einrichtung einen externen Beratungsstelle und sozialwissenschaftliche Studien zur Erforschungen der Gewaltbedingungen. 

Regensburger Salamitaktik

Schon Anfang Januar 2017 vermeldete das Bistums Regensburg ganz nebenbei auf seiner Internetseite unter der Rubrik „News“, dass ein neues Projekt zur Anerkennung von Leid durch „massive Körperverletzung“ im kirchlichen Bereich eingerichtet worden sei. Es gehe um in strafrechtlicher Hinsicht verjährte Taten an Minderjährigen, die von Klerikern oder weltlichen Mitarbeitern des Bistums außerhalb der Einrichtungen der Domspatzen verübt wurden seien. Betroffene sollen sich an die vom Bistum beauftragten Personen wenden. Opfer sexualisierter Gewalt wurden in der „News“ von Anfang 2017 („Neues Bistumsprojekt zur Aufarbeitung von Körperverletzung“) allerdings nicht angesprochen, ebenso wenig eventuelle Tatorte.

Gemeint waren vermutlich die Einrichtungen der Katholischen Jugendfürsorge (KJF), bischöfliche Knabenseminare (Regensburg, Straubing und Weiden), kirchliche Schulen, Heime und Kindergärten der Diözese. Jedoch nicht klösterliche Einrichtungen, denn diese sind dem Diözesanbischof kirchenrechtlich und administrativ nicht untergeordnet.

Hochwürdige Herrn und Gewalttäter

Beispielsweise geht es um die Opfer des damaligen Präfekten des bischöflichen Knabenseminars Obermünster, Paul Mai. Nach Aussagen von Betroffenen habe dieser willkürliche und körperverletzende Prügelstrafen vollzogen. Im Gespräch mit regensburg-digital zeigte sich Paul Mai uneinsichtig und negierte ein gegen ihn bereits laufendes kirchenrechtliches Verfahren. 

2014 wurde Paul Mai (re.) von Bischof Voderholzer in allen Ehren und mit viel Lob bedacht in den Ruhestand verabschiedet. Zöglinge Mais im Knabenseminar beschreiben ihn als sadistischen Schläger. Foto: Bayer

2014 wurde Paul Mai (re.) von Bischof Voderholzer in allen Ehren und mit viel Lob bedacht in den Ruhestand verabschiedet. Zöglinge Mais im Knabenseminar beschreiben ihn als sadistischen Schläger. Foto: Bayer

Dr. Paul Mai ist ein höchstdotierter Monsignore und war wie der ebenfalls körperverletzende ehemalige Domkapellmeister Georg Ratzinger Kanonikus im Kollegiatsstift St. Johann Baptist (bis zu seinem Verzicht zum 01.03.2017). Bischof Voderholzer persönlich verabschiedete Paul Mai im Jahr 2014 in allen Ehren und mit viel Lob in den Ruhestand. Darüber hinaus gab es Täter, etwa leitende Domspatzen-Angestellte, die vor oder nach ihrer Domspatzenzeit in anderen kirchlichen Einrichtungen gewalttätig oder sexuell übergriffig wurden.

Opfer sexueller Gewalt zunächst ausgeblendet

Regensburg-Digital berichtete Anfang 2017 ausführlich über das damals angekündigte und nun erweiterte neue Projekt und kritisierte unter anderem die klammheimliche Art der Bekanntgabe und die Beschränkung auf den Strafbestand der Körperverletzung.

Was seinerzeit nicht vorgesehen war, hat Bischof Voderholzer nun nachgeholt: Er spricht im aktuellen Hirtenwort neben den so genannten Gewaltopfern auch jene an, die von sexuellen Übergriffen und Missbrauch betroffen sind. Da Voderholzer anscheinend davon ausgeht, dass diese Personen keine katholischen Gottesdienste (mehr?) besuchen, richtet er seine Bitte nicht direkt an die Betroffenen sondern an die Besucher des Gottesdienstes:

„Helfen Sie mit, dass alle, die in anderen kirchlichen Einrichtungen Opfer von Misshandlungen oder sexueller Gewalt geworden sind und die sich bislang nicht gemeldet haben, den Mut aufbringen, sich uns anzuvertrauen.“.

Laut dem Hirtenwort will der Bischof, dass auch diese Betroffenen Anerkennung und Gerechtigkeit erfahren würden, und ihnen geholfen werde.

„Als ob es keine Auseinandersetzung gegeben hätte“

Dass der indirekte Hirtenwort-Aufruf Voderholzers nun kurz nach dem Abschlussbericht von Rechtsanwalt Ulrich Weber kommt, ist sicherlich kein Zufall. Nach Informationen unserer Redaktion musste Weber während seinen zweijährigen Ermittlungen Betroffene sexualisierter und körperlicher Gewalt abweisen, wenn diese außerhalb der Einrichtungen der Domspatzen verübt wurde. Webers aktueller Bericht schweigt sich darüber aber absolut aus.

Wie im März 2010, als die Meldungen von sexuellen und körperverletzenden Übergriffen in kirchlichen Einrichtungen nicht verstummten, glaubt man im bischöflichen Ordinariat nun erneut, was es bis 2015 keineswegs erfüllen konnte: Das Vertrauen von möglichst allen Betroffenen zu gewinnen und die Aufklärung in Eigenregie zu leisten. Dass Voderholzer die Betroffenen aus kirchlichen Einrichtungen aktuell nicht direkt anspricht, keinen unabhängigen Rechtsanwalt beauftragt, keine externe Beratungsstelle für Betroffene einrichten lässt, ist nach der Domspatzen-Affäre ein desaströser Rückschritt. Udo Kaiser, der von 2016 bis 2017 im Beratungskuratorium von Rechtsanwalt Weber als Vertreter der misshandelten und missbrauchten Domspatzen saß, zeigt sich im Gespräch mit regensburg-digital entsetzt über das aktuelle Vorgehen Voderholzers: „Als ob es keine Auseinandersetzung gegeben hätte, wiederholt das Bistum dieselben Fehler“.

Kommentar: Unfähigkeit auf Kosten von Betroffenen

Generalvikar Michael Fuchs: "Nach bestem Wissen und Gewissen gehandelt." Foto: Werner

Generalvikar Michael Fuchs: „Nach bestem Wissen und Gewissen gehandelt.“ Foto: Werner

Haben Bischof Voderholzer und seine Gehilfen im bischöflichen Ordinariat tatsächlich aus den Fehlern gelernt, die die Aufklärungen der vielfältigen und weitreichenden Gewalt in den Domspatzen-Einrichtungen erst verhindert und dann verschleppt haben? Offenbar nicht. Das zuletzt via Rechtsanwalt Weber bei Betroffenen gewonnene Vertrauen wird mit dem unseligen Aufruf an die Gottesdienstbesucher gnadenlos zerstört.

Gleich nach der Vorstellung von Webers Abschlussbericht von letzter Woche erklärte Generalvikar Fuchs auf die freundliche Nachfrage des BR hin, die Diözese wolle sich nach den Domspatzen auch anderen, von sexualisierter Gewalt und Körperverletzung Betroffenen aktiv und planmäßig zuwenden, wenn es sich hierbei nicht nur „um Einzelfälle“ handle.

Eine Stunde vorher hat Rechtsanwalt Weber bei der Vorstellung seines Domspatzen-Aufklärungsberichts verdeutlicht, die Annahme des bischöflichen Ordinariats, es handle sich nur „um Einzelfälle“, habe den Blick auf die Bedingungen und Strukturen der Gewalt verstellt und somit eine tatsächliche Aufklärung nicht zugelassen. Dass Generalvikar Michael Fuchs eben diese unselige Annahme erneut bemühte, ist dumm und verhöhnt all jene erneut, die unter dem Täter wie Institution schützenden Ammenmärchen vom Einzelfall litten.

Hätte es noch eines Beleges dafür bedurft, dass der verantwortungsvolle Stuhl des Generalvikars mit Michael Fuchs falsch besetzt ist, in seiner neuerlich betroffenenfeindlichen Aufklärungsverhinderungspolitik wäre er zu finden.

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Kommentare (58)

  • jurist

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    Ich vertrete einen in einem katholischen Kinderheim viele Jahre mit System von ,mallersdorfer Schwestern, gequalten Menschen.
    Auf den genannten Aufruf des Bistums hin habe ich beim RA Scheulen, der hier für das Bistum als vorsortierstelle fungiert, Schmerzensgeld geltend gemacht
    Nachdem RA Weber (zu) selbständig agiert hat, hat sich das Bistum hier die letzte Entscheidung vorbehalten . Das alte Lied, die Kirche will nun wieder im Griff behalten, wie mit ihren opfern umgegangen wird.
    Antwort einige Monate später null, die Kirche hat es nicht eilig

  • Herbert Turetschek

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    Wie wäre es mit einer Entschuldigung?! Also ich meine mit einem Brief in dem drinsteht „es tut uns Leid“?

  • Coffin Corner

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    Herr Fuchs schwadronierte doch auf Der Pressekonferenz so intensiv darüber, was er nun alles dazu gelernt hätte.
    Ich denke er hat gelernt, daß der Nürnberger Anwalt, den er da bestellt hatte mit der Aufgabe, den Opfern klar zu machen, daß das Stöhnen eben doch vom verprügeln und nicht vom Orgasmus kommt, wenn sich der Präfekt gleichzeitig noch einen herunter …, einfach nicht gut genug war und deshalb beim nächsten mal ein besserer Anwalt gesucht werden muss. Der kann dann auch gleich die Serienbriefe mit übernehmen.

  • Rosalia Genoveva

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    @Herbert Turetschek

    „Es tut uns leid, dass ihr nicht einsehts, dass wir die eigentlichen Aufklärer sind“, so ähnlich wird das jetzat gesagt. Von Purpur begleitet.

    Knapp daneben ist auch vorbei…

  • Angelika Oetken

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    Schlimm und grausam, wenn Eltern ihre Kinder derart verraten, wie es viele der Opfer der Domspatzeneinrichtungen, insbesondere die, welche in Etterzhausen/Pielenhofen interniert waren erinnern.
    Man muss sich dabei vor Augen halten, dass einige der Jungen nicht mal jemanden hatten, den sie um Hilfe anflehen konnten. Dazu gehörten die Heimkinder, Priesterkinder, unehelichen Kinder und manche der Bauerskinder, für die die Jugendfürsorge zuständig war. Von denen wird es in den anderen Einrichtungen des Bistums auch reichlich gegeben haben.

    Vollkommen ihren Tätern ausgelieferte Jungen.

  • hutzelwutzel

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    @Jurist:

    Warum sollte es die Kirche auch eilig haben. Manche sterben weg, andere Leute schämen sich und haben Angst deren Anstellung zu verlieren. Schliesslich gibt es auch noch die spezielle bayerische Politik, die der Kirche helfen dürfte auch da wieder heil rauszukommen. Hat schon mal jemand recherchiert, warum gerade im Freistaat Bayern pro Jahr die meisten Suizid-Fälle zu beklagen sind?

    Mein Vorschlag speziell an Sie: Versuchen Sie es direkt beim Vatikan. Da besteht derzeit vielleicht sehr großes Interesse die Kath. Kirche Deutschlands „unter Kontrolle bringen“ zu können.
    Ich hätte durchaus ein paar Kontakte für Sie. ;-)

  • Herbert Turetschek

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    „…Aufgabe, den Opfern klar zu machen…“ – das ist auch mein Gefühl. Es soll uns Trostknaben etwas klar gemacht werden. Anders bei der Aufarbeitungskommission des Herrn Rörig „Kein Raum für Missbrauch“, denn da werde ich ernst genommen und keiner will mir was klarmachen – das ist der Unterschied. Vielleicht wird den Herren ja mal was klar! Nämlich: Sie haben missbraucht und geprügelt!

  • Nemo Udeis

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    Eine inhaltliche Detailkorrektur sei angebracht: Dr. Mai ist laut Amtsblatt seit 1. März nicht mehr Kanonikus in St. Johann.

  • Robert Werner

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    Nemo Udeis, Vielen Dank für den Hinweis, der in den Text aufgenommen wird.

  • R.G.

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    Werter Herr Turetschek!

    Es tut mir LEID, dass ihnen als Kind LEID geschehen ist!

    Es tut mir LEID, falls bis heute abend niemand aus der Hierachie der Kirche Verantwortungsgefühl zeigte, und die dringend erforderlichen Worte des Mitgefühls an Sie hervorquetschte.

    Das zeugte von schwachem und menschlich unzureichendem Führungsstil.

    (Könnte mal jemand allen Priestern und hohen kirchlichen Würdenträgern einen Benimmkurs sponsern?)

  • Angelika Oetken

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    Martin Lohmann setzte in der „Junge Freiheit“ zu einer Verteidigungsrede für Georg Ratzinger an https://jungefreiheit.de/kultur/gesellschaft/2017/domspatzen-bericht-ueber-missbrauchsfaelle-entlastet-ratzinger/

    Lohmann gehört zu den UnterzeichnerInnen dieses als „Brief der 500“ in die traurige Geschichte der Missbrauchsvertuschung und -verharmlosung eingegangenen, 2010 veröffentlichten Schreibens
    http://www.presseanzeiger.de/pm/Diskussion-um-Vorwuerfe-sexuellen-Missbrauchs-am-Aloisiuskolleg-322656

    So dull, so sad!

    Soweit ich informiert bin, gibt es mittlerweile Menschen, die heute, ausgestattet mit neuem Wissen und aus einem gesünderen Abstand heraus, zutiefst bereuen, damals ihre Unterschrift unter den offenen Brief gesetzt zu haben. Falls es AnstifterInnen gab: wie mögen die wohl argumentiert haben? Und: ob die untereinander womöglich vernetzt sind?

  • Heinz A. Höver

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    Man reibt sich verwundert die Augen! Da lässt Voderholzer einen „Hirtenbrief“ verlesen, er stellt sich keiner Presse, gibt selbst keine öffentliche Erklärung ab und schwadroniert wie seit Jahren.

    Kein Wort davon,

    dass er selbst die Aufarbeitung so lange verhindert hat wie nur eben möglich

    dass er sich für den Prügel- und Lügenschorsch entschuldigt (der Typ hat vor Jahren gesagt, dass ihm nichts von Missbräuchen bekannt sei,obwohl er mit einem wegen Kindsmissbrauchs verurteilten Täter Tür an Tür wohnte) Dieser Georg Ratzinger ist eben
    ein verlogenes Subjekt, das einen Hang zur Gewalt hat. Warum schreit Regensburg nicht einmal auf, sondern „ehrt“ diesen misslichen Menschen zum 90sten mit einem für den
    Steuerzahler teuren Besuch mit Heizefeiz in Rom? Das verstehe, wer will!

    dass Müller im Verdacht der Beihilfe zum Missbrauch stand. Es gab und gibt auch außerhalb der Domspatzen Missbrauchsfälle. Ich erinnere an den Fall eines Priesters, der lt. Urteil des Gerichts nicht mehr für Kinder eingesetzt werden sollte. Müller wusste dies
    und schickte den Täter in eine entfernte Ecke des Bistums, wo er massiven Missbrauch beging und zu Jahren Haft verurteilt wurde. Die beiden Opfer waren im „Nachtcafé“ des SWR, ihre Geschichte ist bekannt. Meine Strafanzeige gegen Müller kam wegen Verjährung zu spät.

    dass Müller 2010 die Medienberichte über die Missbräuche als – so meine ich mich zu erinnern – als eine Verfolgung der Kirche wie in Nazizeiten bezeichnet hat

    dass es genügend Akten im Generalvikariat gibt, die Missbrauchsfälle in der Diözese außerhalb der Domspatzen betrifft

    dass er diese Akten gerne zur Auswertung zur Verfügung stellt

    So schön dieses Regensburg ist, so sehr liebenswürdig die Menschen sind, so verwunderlich ist es, dass es nie eine echte Initiative gegen den braunen Müller und den homophoben Mitläufer Voderholzer gegeben hat.

    Kann sich auch vielleicht noch jemand an die bischöfliche Initiative gegen Schwulen-Lokale in der Stadt erinnern?

    Diese Bischofs-Vögel verdienen eben nicht ihre Gehälter aus Steuerzahlermitteln!

    Wie sagte schon Stephané Hasselt, geb. 1917, „Empört Euch!

  • aucheinehemaliger

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    Man sollte sich immer bemühen, in Allem etwas Positives zu finden. Gemäß der alten Schülerweisheit, dass keiner unnütz ist, da man ja immer noch als schlechtes Vorbild dienen kann, haben uns viele Kirchenvertreter einen wahrhaft unschätzbaren Dienst erwiesen.

  • Warner Brother

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    Im Text wird behauptet, dass der Bischof Voderholzer erst im April 2015 mit der Aufklärung begann. Wer allerdings googelt, stößt auf einen Bericht der Mittelbayerischen vom 14.6.2013, wo davon die Rede ist, dass er schon mit der Aufklärung begonnen habe: http://www.mittelbayerische.de/region/regensburg-stadt-nachrichten/voderholzer-laesst-missbrauchsopfer-hoffen-21179-art926586.html
    Das lässt mich an der Seriösität des Herrn Robert Werner ernsthaft zweifeln und rückt natürlich auch den Rest seiner Behauptungen in ein zweifelhaftes Licht.
    Schade, nachdem Regensburg digital sich mit einem Zitat von Horacio Verbitzky im Titel schmückt, den ich sehr verehre! Wenn er in den siebziger Jahren mit solchen Mitteln gegen Leute wie General Videla gekämpft hätte, wäre ihm die Niederlage wohl sicher gewesen…

  • Stefan Aigner

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    @Warner Brother

    Im Text schreibt Robert Werner:

    „Tatsächlich leitete Bischof Rudolf Voderholzer, seit Januar 2013 Bischof von Regensburg, eine Wende nicht schnell, sondern erst über zwei Jahre nach seinem Amtsantritt im April 2015 und unter massiven öffentlichen Druck ein.“

    Das steht in keinerlei Widerspruch zu dem Artikel von 2013 in der MZ. Bei dem damaligen Termin im Presseclub war ich selbst dabei (siehe hier: http://www.regensburg-digital.de/bischof-rudolf-und-sein-fragwurdiger-berater/14062013/).

    Herr Voderholzer sagte Einiges zu, u.a. dass er die Fälle der Empfänger diözesaner Serienbriefe überprüfen wolle. Das ist nicht geschehen. Im Grunde ist die folgende zwei Jahre überhaupt nichts geschehen. Reden und Handeln von Herrn Voderholzer stimmten nicht überein.

    Nicht umsonst haben Missbrauchsopfer beim Katholikentag 2014 deshalb demonstriert: http://www.regensburg-digital.de/katholikentag-missbrauchte-domspatzen-stoeren-feierstimmung/29052014/

    Erst nach der Dokumentation „Sünden an den Sängerknaben“ wurde eine tatsächliche Kehrtwende bei der Müllerschen Nicht-Aufklärung eingeleitet. Doch zuvor – Februar 2015 – gab es immer noch Presseschelte statt Aufklärung:

    http://www.regensburg-digital.de/und-die-stadt-schaut-schweigend-zu/09022015/

    Das Verzögern damals lässt sich auch aus direkten Aussagen von Betroffenen – Udo Kaiser, Georg auer, Alexander Probst, um nur einige zu nennen – belegen.

  • Robert Werner

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    Werter Warner Brother, oder wie immer Sie heißen mögen.

    Wenn Sie eine Kritik an meinem Text vorbringen, sollten Sie ihn schon auch gelesen und in der Sache verstanden haben.
    Ich habe geschrieben:
    „Tatsächlich leitete Bischof Rudolf Voderholzer, seit Januar 2013 Bischof von Regensburg, eine Wende nicht schnell, sondern erst über zwei Jahre nach seinem Amtsantritt im April 2015 und unter massiven öffentlichen Druck ein.“
    Ich spreche also von einer „Wende“ 2015.

    Ihr Verweis auf den MZ-Bericht ist hier belanglos.
    Lesen Sie doch zunächst einmal die 440 Seiten Bericht von RA Ulrich Weber, bevor Sie meinen, anscheinend ohne jegliche Sachkenntnis, die Glaubwürdigkeit anderer anzweifeln zu können.

  • GSA-TD

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    Bei den Domspatzen wurde mit großers Verzögerung aufgeklärt, aber längst nicht aufgearbeitet. Es fehlen ja noch die zwei in Auftrag gegebenen Studien. Und dazu kommt das individuelle Verhalten der Akteure über die letzten Jahre. Serienbriefe und das ewige „hier ist ein top Gymnasium“ erwecken nicht den Eindruck, dass jemals der aufrichtige Wille bestanden hat, aufzuräumen.

  • Angelika Oetken

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    Warum sollte Rudolf Voderholzer sich anders verhalten als seine Kollegen? Bevor er irgendwelche Zugeständnisse in Sachen Aufklärung, Aufarbeitung und Zahlungen machte, wird er sich erkundigt haben, was in der Hinsicht drin ist. Und sowas scheint zu dauern.

    Entsprechend sieht das Ergebnis auch aus:

    – ganz wesentliche Aspekte der Missbrauchskriminalität, die an den Einrichtungen des Bistums Regensburg unterhalten wurde, sind im Abschlussbericht nicht aufgeführt

    – wer in dem ganzen Gefüge welche Daten und Unterlagen bekommt und wie mit ihnen umgegangen wird, scheint außerhalb des Bistums niemand so genau zu wissen

    – dafür soll aber die gesamte Höhe der Zahlungen an die Opfer von Gewalt und Missbrauch schon feststehen: ich hörte etwas von 3 Millionen Euro

    Wie viele Kinder und Jugendliche waren eigentlich ab 1945 bis heute in den Einrichtungen der Domspatzen?

  • Werner Brother

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    @ Stefan Aigner:

    ich gehe davon aus, dass die Tatsache, dass der Bischof Dr. Voderholzer Gespräche mit den Opfern geführt hat, schon eine Wende zum Vorgängerbischof darstellt, die nicht unerheblich ist, so wie es auch von den Opfern selbst in der Pressekonferenz am 12.10.2016 betont wurde, wie Sie ja selbst berichteten: http://www.regensburg-digital.de/ein-gespraechspartner-dem-sie-vertrauen-koennen/13102016/

    Oder hatte der damalige Bischof Müller auch schon das direkte Gespräch mit den Opfern gesucht?

    @Robert Werner

    Sehr geehrter Herr Werner,
    ich glaube nicht, dass Sie in der Lage sind, mir vorzuwerfen, ich hätte irgendetwas nicht gelesen oder – noch unverschämter – nicht verstanden. Ich habe Ihren Artikel sehr genau gelesen. Sie sind der Überzeugung, dass Herr Voderholzer erst im Jahr 2015 unter massivem öffentlichen Druck die „Wende“ eingeläutet hat. Vielleicht lesen Sie mal besser den Abschlussbericht von Herrn Weber und Herrn Baumeister, wo es auf Seite 416 heißt (nicht nur den ersten Satz lesen, bitte):

    „Mit Amtsübernahme durch Bischof V. Anfang 2013 änderte sich am Aufarbeitungsprozess selbst zunächst nichts. Unter Berücksichtigung der negativen Wahrnehmung des mittlerweile rund drei Jahre andauernden Aufarbeitungsprozesses bekundete er frühzeitig sein Interesse und seinen Willen an persönlichen Gesprächen mit einzelnen Opfern. Diese fanden teilweise noch 2013 und dann vor allem ab der zweiten Jahreshälfte 2014 statt.
    […]
    Dieser sehr entscheidende Schritt der persönlichen Opfergespräche führte bei ihm zu einem deutlich tieferen Verständnis für die Tragweite der Vorfälle bei den Domspatzen und insbesondere in der Vorschule.“ (Weber / Baumeister, S. 416)
    Es wäre eine absolute Geringschätzung der Opfer, wenn man den Grund für eine Änderung oder „Wende“ im öffentlichen Druck sehen würde. Denn genau diese Gespräche mit den Opfern – und nicht irgendein öffentlicher Druck – haben dazu geführt, dass die Art der Aufarbeitung geändert wurde. Dies bestätigt der unabhängige Bericht. Und er selbst hat es am 12.10.2016 in einer Pressekonferenz gesagt: https://www.youtube.com/watch?v=MYTjYUsJQsY

    Und da werfen Sie mir „fehlende Sachkenntnis“ vor? Vielleicht versuchen Sie mal, die Komplexität der Wirklichkeit wahrzunehmen und nicht alles durch Ihre Schwarz-weiß-Brille zu sehen.

  • Robert Werner

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    @ Warner Brother
    Danke für den Hinweis auf Webers Bericht, den ich freilich kenne, aber nicht an allen Punkten zustimmen kann. Nebenbei: Es gäbe darin auch Aussagen von Weber, die der diözesanen Selbstdarstellung widersprechen.

    Nochmals. Ich widerspreche zunächst nur der selbstgefälligen Aussage von Bf. Voderholzer, wonach ihm schnell deutlich geworden sei, „dass ein gemeinsames Vorgehen mit den Betroffenen, ein Hinhören auf ihre Erwartungen und Nöte ebenso wichtig“ sei, „wie ein unabhängiger Blick auf die Strukturen und Zusammenhänge“.

    Dazu habe ich geschrieben: „Tatsächlich leitete Bischof Rudolf Voderholzer, seit Januar 2013 Bischof von Regensburg, eine Wende nicht schnell, sondern erst über zwei Jahre nach seinem Amtsantritt im April 2015 und unter massiven öffentlichen Druck ein.“

    Im Übrigen glaube ich, dass Voderholzer ohne den öffentlichen Druck, der allein auf die Betroffenen Domspatzen zurückzuführen ist, keinesfalls einen externen Rechtsanwalt beauftragt hätte. Die Aufarbeitung der Übergriffe in den Einrichtungen der Katholischen Jugendfürsorge (KJF), den bischöflichen Knabenseminaren (Regensburg, Straubing und Weiden), den kirchlichen Schulen, Heimen und Kindergärten der Diözese scheint Voderholzer nicht so am Herzen zu liegen. Obwohl er auch in diesem Bereich Gespräche geführt hat. Hier fehlt der öffentliche Druck.

  • mkv

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    Meine heutige Zeitungslektüre führte mich zu:

    „Kriminalgeschichte der Christentums“
    von Karlhein Deschner

    Dazu ein Zitat aus einem ZEIT-Artikel von 2013:
    „Unnötig zu sagen, dass es bei einem Riesenwerk [10 Bände] dieses Zuschnitts, das einem Einzelnen eine schier unglaubliche Arbeitsleistung abverlangt, immer etwas richtigzustellen gibt. Und ganz gewiss ist und schreibt Karlheinz Deschner angreifbar. Schwerlich aber lässt sich behaupten, dass sein Werk nur Karikatur bietet. Wer der von Deschner nachgezeichneten Gewaltchronik folgt, wird sich dem abgründigen, beklemmenden Schrecken kaum entziehen können. Am Schluss steht ein in der Diktion unerhörtes Resümee, das bitterböse die grausame »Kriminalgeschichte des Christentums« bilanziert. Der Historiker wird hier fast zum Exorzisten, aber einem, der weiß, dass man den Teufel nicht austreiben kann – weil er auf Erden nur zu viele Stellvertreter hat. “
    Quelle:
    http://www.zeit.de/2013/13/Karlheinz-Deschner-Kriminalgeschichte-Christentum/komplettansicht

  • Angelika Oetken

    |

    Zur Frage, wann Verantwortliche im Falle institutioneller Missbrauchskriminalität einlenken: sobald so viel öffentlicher Druck entstanden ist, dass sie Nachteile für sich selbst oder ihre Organisation befürchten müssen, wenn sie nicht jedenfalls so tun, als ob sie zu handeln gedenken.

    Das war bisher bei jeder Welle des so genannten „Missbrauchstsunami“ so, der im Januar 2010 losbrach, übrigens ebenfalls auf Initiative von Betroffenen (1). Und bei jedem anderen institutionellen Tatort auch, über den danach in den Medien berichtet wurde. Die spielen bei der Aufklärung als Voraussetzung für Aufarbeitung eine ganz zentrale Rolle. Ebenso wie die Mitbetroffenen, bei denen es sich sehr oft um Whistleblower aus den „Täter“-Organisationen selbst handelt.

    Wenn ich mich in die Lage eines Kirchenfunktionärs hinein versetze, der durch externe Personen mit Missbrauchsfällen konfrontiert wird, dann wäre ich doch wahnsinnig, würde ich von mir aus, ohne öffentlichen Druck, mit deren Aufklärung beginnen. Ich weiß doch gar nicht, was auf mich zukommt. Schließlich bin ich für die Institution verantwortlich. D.h. zuerst muss ich mir einen Überblick verschaffen und gleichzeitig dafür sorgen, dass Ruhe einkehrt. Dann versuche ich die Kontrolle über die Informationen zurückzuerhalten, die Lage zu sondieren und spreche mich über das weitere Vorgehen mit meinen Kollegen und Vorgesetzten ab. Wenn ich das nicht tue, bin ich ein schlechter Krisenmanager.

    (1) http://www.eckiger-tisch.de/wp-content/uploads/2011/06/Dokumentation_ECKIGER-TISCH_September-2010.pdf (S. 15 – 48, man beachte bitte den auch in diesem Falle „kreativen“ Umgang mit den Persönlichkeitsrechten der Betroffenen, die sich an die Kirchenfunktionäre und -beauftragte gewandt hatten. Hätten diese Opfer im umgekehrten Fall den Datenschutz derart dreist missachtet, wäre bei ihnen vermutlich umgehend Post von einer der Anwaltskanzleien, die den Jesuitenorden vertreten eingetrudelt. Bei der damaligen Missbrauchsbeauftragten Ursula Raue handelt es sich um eine Rechtsanwältin)

  • Mr. T

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    Ja, Deschner ist sehr zu empfehlen! Auf jeden Fall mehr als die Nachdenkseiten ;-)
    Äuerst interessant diese Aufarbeitung von 2000 Jahren organisiertem Verbrechen. Schlimm genug, wenn nur ein Bruchteil davon stimmen würde. Aber es wird wohl deutlich mehr sein …

  • R.G.

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    Die konservativsten Kräfte der Diözese Regensburg scheinen sehr mit den katholischen Führern aus österreichischen Kirchenhierarchien verbunden gewesen zu sein, der Kommunikationsweg wäre als kurz anzunehmen.

    Ich wundere mich daher sehr, dass man nach Bekanntwerden der damatschen Erziehungsunfähigkeit mancher Erzieher und Lehrer der Domspatzen, keine Verbindung mit österreichischen Hochleistungs-Kinderchören aufnahm, um zu sehen, wie man beim positivsten aller Beispiele, mit weniger Druck auf die kleinen Sänger, schöne Musikleistungen erbringen und trotzdem Kindheit ermöglichen kann.

    Ich weiß gar nichts von einem Bemühen um dass Erlernen von gewaltfreier Pädagogik. Zuerst müsste man die Bischöfe samt dem in der Frage unbedarften Papst in die Kurse schicken, damit sie kapieren, wie es auch geht.
    Danach könnte man erst was weiterbringen, weil man endlich einen neueren Standard hätte.

    Mit der Bewertung des Missbrauchsgrades und der Auszahlung von Symbolsummen an austgewählte Opfer, werden die sozialen Fähigkeiten der selbst oft durch Prügel ihrer Gefühle beraubten Höchsten einer Diözese noch nicht gesteigert, man müsste ihr Problem extra angehen.

    Therapie ist zuwenig, die Gehirne brauchen neues Futter.

  • Coffin Corner

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    Die Regensburger PR-Show in Sachen Missbrauchsaufklärung ist doch nur der Tatsache geschuldet, daß die Eltern Angst bekommen haben, ihre Kindern diesem System aus Gewalt, Missbrauch und Druck auszuliefern.
    Ein Knabenchor, dem nicht jährlich 15 % neue Mitglieder zugeführt werden, ist in 7 Jahren am Ende. Er ist dann noch ein Chor, aber eben kein Knabenchor mehr. Da die Herren mit den Kalkleisten den Knabengesang zur Begleitung ihrer Liturgien aber so sehr lieben, muss eine Lösung her. Also wird man gewisse Zugeständnisse machen, bis die Zahlen wieder stimmen.
    Im übrigen finde ich es bedauerlich, wie sich da ein Domkapellmeister wie ein Fähnchen im Winde dreht, wenn der Arbeitsplatzverlust wegen kritischer Äusserungen droht.
    Da können dann auch tolle Aussagen unter dem Motto „alles ist wieder gut“ auf der PK nichts retten.

  • Angelika Oetken

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    In der SZ erschien vorgestern dieser Artikel http://www.sueddeutsche.de/panorama/missbrauch-in-der-katholischen-kirche-warum-es-der-katholischen-kirche-so-schwerfaellt-missbrauch-einzugestehen-1.3593107

    Zitat daraus:
    „Jedes Bistum habe sein eigenes System bei den Personalakten gehabt, viele Akten seien „nicht mehr jungfräulich“ – „wir werden wohl den Eisberg nie exakt vermessen können, wir werden aber viele belastbare Daten haben“, so der Forscher.
    Eines zeichne sich schon nach der Auswertung der bereits erschienenen Studien ab: Nur eine Minderheit der Täter in der katholischen Kirche ist tatsächlich pädophil. Ihre Opfer sind überwiegend männlich, oft älter als zwölf Jahre. „Unreife, verdrängte Homosexualität von Männern, die sich in den Priesterberuf flüchten – das könnte schon ein Risikofaktor für Missbrauch sein“, sagt Dreßing. Erschütternd sei auch, welch tiefe Spuren sexuelle Übergriffe im Leben der Opfer hinterließen: „Es ist eine doppelte Traumatisierung – es zerbricht die sexuelle und die religiöse Identität, wenn ausgerechnet die Menschen, denen man sich anvertraut, einem Gewalt antun.“
    Aber er als Wissenschaftler liefere nur Daten, Fakten, Hypothesen. „Die Schlüsse müssen andere ziehen.“’

    Sofern das Material, das Prof. Dreßing und seine MitarbeiterInnen gesammelt haben, auch nur einigermaßen repräsentativ ist, würde das viel von dem erklären, was sich im Zuge des Missbrauchstsunamis offenbarte, der im Jahre 2010 auch Deutschland erreichte. Und angesichts dessen sich die Führungsebene der Katholischen Kirche damals so überrascht und überwältigt gab.

    Meine Frage wirkt sicherlich provokativ, aber müsste nicht einer dieser Schlüsse von denen Prof. Dreßing im Interview spricht, für die gesamte Katholische Kirche darin bestehen, dass die nachhaltigste Prävention von sexuellem Missbrauch wäre, sich vorbehaltlos der Idee der „Ehe für alle“ anzuschließen? Nicht zuletzt, indem sie auch für den Priesterstand geöffnet wird, sexualpädagogische Maßnahmen inklusive. Sexuell Unreifen sollte man die Möglichkeit der Nachreifung geben. Und zwar bevor sie auf die Idee kommen, sich an Schwächeren vergehen.

  • Angelika Oetken

    |

    @R.G.,

    was die Kooperation mit anderen Kinderchören angeht, war einem Mitstreiter aufgefallen, dass die Domspatzen bei Veranstaltungen so gut wie immer für sich zu bleiben scheinen. Auch früher, als sie häufiger in TV-Shows auftraten, boten sie ihr Können zwar oft gemeinsam mit prominenten Schlagerstars dar, aber selten gemeinsam mit gleichaltrigen Sängern. Das gilt auch für Einspielungen. Die wurden zusammen mit erwachsenen Showgrößen wie z.B. Ivan Rebroff produziert. Aber hätte es nicht viel näher gelegen, etwas mit den Wiener Sängerknaben aufzunehmen?

    VG
    Angelika Oetken

  • R.G.

    |

    Ich meinte nicht, dass der Kinderchor mit anderen Kinderchören singen sollte,
    sondern dass sich die Regensburger Diözesanen Führer angesehen hätten, wie die Pädagogik in anderen gleichwertigen Kinderchören profaner und kirchlicher Art, die schon früher auf zeitgemäßere Mehoden umstellen wollten oder mussten, jetzt aussieht.

    In der Regel begegnen sich Spitzenkräfte von europäischen Schulen mit besonderen Zusatzangeboten im Bereich Sport oder Musik, mindestens jährlich bei internationalen Fortbildungsveranstaltungen.

    Spitzenniveau hält sich nicht von selbst in lichten Höhen, man braucht ständig fachlichen Austausch auf kongnitiver Ebene.
    Das Ziel muss sein, die Kinder musisch zu fördern, ohne dabei für sie die alltägliche Lebensqualität und den Freizeitspaß flöten gehen zu lassen.

    (Jährliche Exerzitien wären das Gegenteil von fachlichem Austausch, das ist absolut nicht gemeint.)

  • Angelika Oetken

    |

    @R.G.,

    und mein Beitrag zielte auf die Frage ab, ob es sich bei dem Phänomen, dass andere Kinderchöre offenbar nicht mit den Domspatzen zusammen auftreten bzw. aufgetreten sind, vielleicht um eine Form von informell betriebener Prävention handelt. Auch bei den für Knabenchöre Verantwortlichen wird es sowas wie Buschtrommeln geben. Wer durch sie informiert wird, also gut vernetzt ist, kann seine Schützlinge behüten.

    Die Methode ist auch aus dem Jugendleistungssport bekannt. Es gibt Vereine und Verbände, deren inoffizielle Informationsflüsse so gut sind, dass TäterInnen bei ihnen wenig Chancen haben. Bei anderen funktioniert es nicht. Und dort besteht ein regelrechter Tätertourismus. Man schickt die MissbraucherInnen weg und dann gehen sie zum nächsten Verein und dort suchen sie ihre nächsten Opfer.

    VG
    Angelika Oetken

  • R.G.

    |

    @Angelika Oetken

    Das, was Sie in meine Worte hineinzulegen suchten, war nicht meine Frage, und wenn sie meine Beiträge nur annähernd sinnerfassend gelesen hätten, wüssten Sie es.

    Ich finde es untragbar, wie Sie meine Worte missbrauchen, um sie als Aufhänger zum Abspielen einer Ihrer „Schallplatten“ zu benutzen.

    Ich dachte, Sie hätten sich inzwischen vielleicht doch für einen faireren Diskussionsstil entschieden, eine Chance gebe ich ihnen noch. Nur deshalb sprach ich Sie mit einem @ an.

    Aber Ihre Antwort zeigte unmissverständlich, Ihr Diskussionsstil will keinen Dialog. Sie bleiben beim Predigen.

  • Angelika Oetken

    |

    Es tut mir leid, dass Sie sich von mir missverstanden fühlen @R.G. Ich empfinde Ihre Beiträge als großen Gewinn für dieses Forum.

    Allerdings ist es auch so, dass man bei online geführten Debatten immer damit rechnen muss, dass die Diskussion nicht nach Wunsch verläuft.

    VG
    Angelika Oetken

  • Bruno Schillinger SAFOB

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    Dieser Aufruf liest sich irgendwie wie: ‚Misshandler aller Länder vereinigt euch – gemeinsam sind wir gegen die Opfer stark‘. Oder will die Kirche aufrechnen?
    Persönlich halte ich sowohl die angeboteten Summen noch das Rumgeseiere für einer Kirche würdig. Vor allem da z.B. die Kosten für Behandlungen, usw. ja von der Krankenkasse getragen wurden und so auch alle Bürger geschädigt wurden – zum Vorteil der Kirche.
    Die Forderung nach Entschuldigung wird NICHT unterstützt – denn dadurch werden die Schritte Aufklärung und vor allem Wiedergutmachung übersprungen – wieder zum Vorteil der Kirche.
    Außerdem BITTET man um Entschuldigung, nachdem man von sich aus alles aufgeklärt und den Schaden so gut es ging behoben hat. Die Floskel ‚habe mich doch entschuldigt‘ ist leider ausgeseucht und jeder Räuber zieht daraus die Berechtigung, das Raubgut zu behalten, in Saus und Braus weiterzuleben und über das Opfer zu lachen.
    PS Wir befürchten aber, dass am Ende die steuerzahler für die Entschädigungen aufkommen müssen, weil das im Reichskonkordat mit einem gewissen Adolf H. 1933 so vereinbart wurde. Die Gehälter der Bischöfe werden aj auch so finanziert.

    Exkurs Vor ca. 2 Jahren hat mal jemand gesagt, dass so eine Psychologenstunde um die 80,- € kostet (nicht nachgeprüft) – doch da kommt dann sicher einiges zusammen. Oder erteilt die Kirche einfach einen Segen und alles ist vergessen, die Kindheit zurückgegeben?

  • R.G.

    |

    “ Oder erteilt die Kirche einfach einen Segen und alles ist vergessen, die Kindheit zurückgegeben?“

    Tatsächlich tauchen überall da, wo Entschädigungen oder Anerkennungszahlungen in Aussicht gestellt werden, die immer gleichen ach so selbstlosen Anbieter, Heiler, Berater und Sensthilfegruppen-Aktivisten auf.

    Kirchen verschiedenster Art und Herkunft, bieten Heilungskurse an, einzelne Bildungshäuser passgenaue Exterzitien.

    Am Ende des Geldes stehen die Betroffenen erst recht wieder allein da. Im Entschädigungsprozess werden sie so gegeneinander ausgespielt, dass die Solidarität verunmöglicht ist.

    Das ist meine persönliche Meinung dazu, ich habe sie im Kontakt mit Aktivisten erworben.

    Auch hier müsste man sich international fortbilden, welche in anderen Staaten von Betroffenen gesetzten Schritte sich nachträglich als kontraproduktiv erwiesen.

    Als die größte Katastrophe schlechthin sehe ich, dass die Opfer auf der Suche nach Entschädigung Ihre ganze Geschichte eigentlich zur freien Verwendung vergeben, an eine Institution , die sie früher nicht vor Übergriffen schützen konnte, und etwas- was eigentlich genau?- mit den Daten machen wird, ohne irgendwelche Schranken.

  • Herbert Turetschek

    |

    „Es tut mir LEID, dass ihnen als Kind LEID geschehen ist!“
    Ich fühle mich nicht als Opfer und werde es auch niemals sein! Mich stört, dass viele zu wenig der Begriff Trostknaben oder Überlebende vorkommt, denn das ist es was wir sind!
    Opfer sind die anderen, denn sie haben grottenschlechte Arbeit abgeliefert. Anders ich, der ich eine Kinderdorffamilie führte. Und die anderen rudern jetzt und versuchen sich zu verteildigen – anders ich, denn ich habe nichts zu bereuen oder zu rechtfertigen, denn alles was geschah war gut. Ein gutes Gewissen ist ein sanftes Ruhekissen!

  • Franz Meyer

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    Ein toller BR-Kommentar von Zametzer zu Glorias Wortmeldung. Die ist nicht nur peinlich , sondern hat auch eine Ablenkungsfunktion , da Gloria als Problem eher die falsche Offenheit gegenüber Schwulen und Gendermainstreaming beklagt und nicht den sexuellen Missbrauch in kirchlichen Einrichtungen und der „heiligen Familien“.
    „Perverse gibt es überall“ sagt die Gloria und der Zametzer gibt es ihr zurück.

    http://www.br.de/radio/bayern2/politik/orange/gloria-von-thurn-und-taxis-das-it-girl-und-die-kinderschaender-102.html

  • Angelika Oetken

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    Aus vielen Kommentaren zu diesem Artikel geht hervor, dass offenbar deutlich mehr Menschen über die Interessenkonflikte Bescheid wissen, in denen sich prominente Personen befinden, die am Domspatzennetzwerk teilhaben und sich jetzt, wo darüber zunehmend offener debattiert wird, zu Wort melden, als diese wahr haben wollen.

    http://www.br.de/nachrichten/oberpfalz/inhalt/gloria-von-thurn-und-taxis-missbrauch-regensburg-domspatzen-100.html

    Die Luft da oben könnte dünner werden.

  • Angelika Oetken

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    „Ein Rätsel ist, warum Müller die Leidtragenden der Vorfälle immer stark auf Distanz gehalten hat.“
    http://www.zeit.de/2017/31/gerhard-ludwig-mueller-missbrauch-bischof-regensburg

    Vielleicht, weil Gerhard Ludwig Müller auch nichts anderes als einfach ein Mensch ist. Viele haben Angst vor Missbrauchsopfern. Ich erkläre mir das so, dass in erster Linie die Betroffenen als solche wahrgenommen werden, denen man ihre Beschädigungen deutlich anmerkt. Das begründet ein bestimmtes Opferbild. Dabei lebt das Gros der Millionen von Missbrauchsbetroffenen, die es in unserem Land gibt, vollkommen unauffällig mitten in der Gesellschaft.

    Dazu passt auch:
    „Doch unbemerkt von der Öffentlichkeit praktizierte Voderholzer einen neuen Stil, traf sich diskret mit mehreren Opfern, von denen einige noch heute unter den Spätfolgen wie Depressionen und Panikattacken leiden. Dabei spielte auch sein Bruder, ein Psychotherapeut und Arzt für Psychosomatik, eine Rolle. Bei ihm hatte sich Voderholzer intensiv über die Gefahren einer Retraumatisierung informiert.“
    http://www.zeit.de/2017/31/rudolf-voderholzer-missbrauch-skandal-kirche-auftraggeber

    Warum sollten ausgerechnet hohe Kirchenfunktionäre, was den Umgang mit Missbrauchsopfern angeht, nicht erstmal genauso überfordert sein wie so viele andere Leute? Erst recht wenn es ihre eigene Institution ist, die die Untaten zu verantworten hat?

  • R.G.

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    Ich meine, dass die konservativst auftretenden Bischöfe und Kardinäle sehr wohl auf das Missbrauchstema reagierten, und zwar emotional überschäumend, sogar wie selbst unmittelbar oder mittelbar Betroffene, denen man das Reden über ihr Leid schon früh verbot.

    Anders kann ich mir nicht erklären, weshalb sie Homosexualität als die schlimmste Sünde herausarbeiten, und dieses Thema regelmäßig, nachdem das Kirchenvolk „Sexuelle und körperliche Übergriffe an Kindern in kirchlichen und kirchennahen Umgebungen“ thematisierte, hochkochen lassen.

    Die Fixierung auf Kinder als einzige Lustobjekte (immer sind die Kinder dabei Opfer!), aber auch der gelegentliche oder phasenweise Missbrauch an Kindern (wieder sind Kinder die Opfer) durch Personen, die auch Hingezogenheit zu erwachsenen Partnern verspüren (zum Beispiel vorkommend in Gesellschaften, wo das Ausleben der Sexualität verboten oder weitestgehend verunmöglicht wird) ist weder aus einer heterosexuellen, noch aus einer homosexuellen Orientierung zu rechtfertigen.

    Vorgesetzte und Leiter von Einrichtungen mit Kindern könnten aber ganz gewiss die Wahrscheinlichkeit von Missbrauchsgeschehen reduzieren, wenn sie darauf achteten, Angestellte mit einer glaublich positiv GELEBTEN erwachsenen Sexuaität, und guter pädagogischer Ausbildung (mit verpflichtend regelmäßiger Fortbildung) zu beschäftigten.

    Kirchenobere, die sich der Verantwortung nicht stellen können oder dürfen, die geeignetsten und erwachsensten Bewerber, eben die mit gesunder Erwachsenensexualität, für die Arbeit mit Kindern zu wählen, werden sehr häufig und folgerichtig von den Opfern als „Entscheider“ erlebt.

    Sie erwarten, dass endlich aus Verantwortung gegenüber den Schutzbedürftigsten, radikal gegen die sexualfeindliche und oder verlogene Atmosphäre in der Kirche angegangen wird, und bis das fruchtet, Kinder nicht mehr von verklemmten und in ihrer eigenen sexuellen Entfaltung gehinderten Erwachsenen, erziehen lassen.

  • Angelika Oetken

    |

    „Vorgesetzte und Leiter von Einrichtungen mit Kindern könnten aber ganz gewiss die Wahrscheinlichkeit von Missbrauchsgeschehen reduzieren, wenn sie darauf achteten, Angestellte mit einer glaublich positiv GELEBTEN erwachsenen Sexuaität, und guter pädagogischer Ausbildung (mit verpflichtend regelmäßiger Fortbildung) zu beschäftigten.“

    Souveräne und mental gesunde Personalverantwortliche handeln genauso @R.G. Wenn innerhalb kirchlicher Institutionen wider besseren Wissens trotzdem anders agiert wurde oder wird, sollten wir uns fragen warum. Genau dieser Punkt wird in der Debatte um kirchlichen Missbrauch und Prävention viel zu wenig berücksichtigt. Gut, dass Sie darauf hingewiesen haben.

    VG
    Angelika Oetken

  • Angelika Oetken

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    „Und wie ihnen das Bistum Beträge in vier- oder fünfstelliger Höhe zahlte, die Voderholzer ausdrücklich nicht als Entschädigung, sondern als Anerkennung von Leid und „Zeichen unserer Zerknirschung“ verstanden wissen will.“
    http://www.zeit.de/2017/31/rudolf-voderholzer-missbrauch-skandal-kirche-auftraggeber

    Soweit ich informiert bin, zahlt die Katholische Kirche Deutschlands, wie jede andere Institution auch, wenn es um Missbrauchsfälle geht, grundsätzlich keine Entschädigungen an ihre Opfer. Denn das deutsche Haftungsrecht sieht keine institutionelle Haftung für Kindesmissbrauch vor. Würde irgendeine Stelle der Katholischen Kirche Zahlungen an Missbrauchsopfer als „Entschädigung“ oder „Schmerzensgeld“ bezeichnen, käme das meiner Kenntnis nach der „Anerkennung einer Rechtspflicht“ nach. D.h. diese kirchliche Institution würde im juristischen Sinne ihre Verantwortung für den Schaden, der ihren Opfern entstanden ist übernehmen. Deshalb wurden Zahlungen an Opfer von der Katholischen Kirche immer als „Anerkennungszahlung“ bezeichnet.

    Zu den Zahlungen: gibt es eigentlich eine Aufstellung darüber, wie viel in welchem Zeitraum ausgezahlt wurde und wonach sich die Höhe der Beträge richtet?

  • R.G.

    |

    Wenn Frau Gloria von Thurn und Taxis aktuell Spaß dran empfindet, mit ihren Worten Opfer zu beschämen, so sagt das nur über ihre Persönlichkeit etwas aus, über niemanden sonst.

    Sie scheint schlechte Berater zu haben, und auch keine ihr moralisch überlegenen Vorbilder, sonst würde sie sich nicht wiederholt öffentlich von ihrer mutmaßlich nachteiligsten Seite gezeigt haben.

    Diskussionswürdig kann ich ihre Behauptungen daher nicht sehen.

  • Mathilde Vietze

    |

    Bischof Voderholzer ist zwar ein konservativer Kirchenmann;
    ich weiß aber von Leuten, die der Kirche eher kritisch gegen-
    überstehen, daß es ihm ganz wichtig ist, den Opfern bei jedem
    Treffen von Anfang bis Ende zuzuhören.
    In diesem Zusammenhang ist ein Aspekt noch nicht erwähnt
    worden: Ein Bischof kann sich zwar vorstellen, daß ein Pfarrer,
    der den Zölibat nicht halten will, mit seiner Haushälterin schläft
    oder in den Puff, bzw. in den Swingerclub geht. Aber solche
    sadistischen Sauereien übersteigen eigentlich das Vorstellungs-
    vermögen jedes normal „gestrickten“ Menschen.

  • Angelika Oetken

    |

    ProtagonistInnen der konservativen Kreise der Katholischen Kirche haben auf den „Missbrauchstsunami“ offensiv, im Sinne der Strategie „Angriff ist die beste Verteidigung“ reagiert. Dazu gehören Bischof Mixa, Kardinal Müller, Bischof Andreas Laun und Gloria von Thurn und Taxis. Von ihnen wurde eine rhetorische Strategie genutzt, die man als „Whataboutism“ bezeichnet, die „Ablenkung von unliebsamer Kritik durch Hinweise auf andere wirkliche oder vermeintliche Missstände“ (Quelle: Wikipedia). Frau von Thurn und Taxis in diesem Sinne provokativ gehaltene mediale Intervention stieß auf großen Widerstand in der Bevölkerung. Hier ein Beispiel

    http://www.idowa.de/inhalt.offener-brief-das-phaenomen-missbrauch-gibt-es-keinesfalls-in-jedem-verein.d4aca6db-6f28-424a-9c57-0e09c0504302.html

  • hutzelwutzel

    |

    @R.G.:

    Wenn man berücksichtigt, welche professionelle Höhe die Domspatzen bisher erreichten, und wieviele dort Ausgebildete dann wirklich auch im zivilen Leben zu einer Art „Elite“ aufgestiegen waren, hält sich die Leistung einer solchen Einrichtung durchaus in Grenzen.
    Für ein paar Wenige sicher vorteilhaft, aber nur wenn auch die Eltern das richtige Maß an Förderung mitbringen können. Der Rest läuft – wie auch sonst – mit, und ermöglicht erst bei Einigen herausstechende Spitzenleistungen.

  • hutzelwutzel

    |

    Da ich es gerade bei Radio Vatikan gelesen hatte:

    Domspatzen-Mißbrauch lässt Christen in Pakistan fürchten.
    http://de.radiovaticana.va/news/2017/07/28/pakistan_domspatzenberichte_beunruhigen_christen/1327539

    Sicher nicht nur in Pakistan, sondern auch Afghanistan, Indien (Kerala etc.), Myanmar und wo die reichen deutsch-bayerischen Diözesen noch so überall „investieren“, Schulen gründen um gleich noch jede Menge Land aufkaufen zu können.

    Es wäre doch schön, wenn sich die RKK, vor allem die in Deutschland und Bayern erst einmal um deren eigentlichen Dinge kümmern würde, anstatt eine Art „Kulturimperialismus“ auf anderen Kontinenten zu betreiben.
    Es war bereits nicht berauschend, als sich noch während der Maidan-Unruhen der Vatikan dazu entschloss in der Ost-Ukraine eine neue Diözese gründen zu lassen, und es sich damit für einige Zeit mit der Russ.-Orthod. Kirche „verscherzte“.

  • R.G.

    |

    @hutzelwutzel
    Ihre Worte hören sich missgünstig an.
    Dass der Chor Spitzenleistungen erzielte, kann man den kleinen Sängern doch neidlos lassen.

    Weshalb sie das Errungene schlecht machen, durch Vergleich mit den Ihnen nicht genügenden Leistungen als Erwachsene, entzieht sich meiner Kenntnis.

    Ich finde es logisch, dass von den früh ins Rampenlicht gezerrten Menschen viele entscheiden, ein kleineres Leben ohne Öffentlichkeit, dafür mit mehr privater Qualität, zu führen.
    Sie kennen schließlich alle Schattenseiten eines öffentlichen Lebens.

    Im Fall der von Cholerikern und Missbrauchern erzogenen Domspatzen besteht die von mir hoch gewertete Spitzenleistung der inzwischen Erwachsenen, in ihrem bloßen Überleben.

    Mit der Grundlast zu leben, keine Kindheit gehabt, keine normalen sozialen Fertigkeiten entwickeln gedurft zu haben, und trotzdem die Existenz zu erkämpfen Tag für Tag, vielleicht noch für eine eigene Familie zu sorgen: Meine Hochachtung!

  • Mathilde Vietze

    |

    Ich stimme in vielen Dingen nicht mit den Ansichten von
    Bischof Voderholzer überein. Trotzdem hat er – im Gegen-
    satz zu manchen seiner verbohrten Amtsbrüder – erkannt,
    daß nur die restlose Aufklärung der Sauereien das ange-
    schlagene Bild der Kirche wieder „gesunden“ läßt. Und
    deshalb hat er darum gebeten, daß auch die Opfer an-
    derer Einrichtungen sich melden.

  • Angelika Oetken

    |

    „Bei den ersten beiden Säulen handelt es sich um zwei Studien, die im Frühjahr 2017 beginnen und zwei Jahre dauern: eine historische, um die personellen und internen Strukturen bei den Domspatzen aufzuarbeiten. Unter anderem soll dabei auch beleuchtet werden, welche Rolle Georg Ratzinger inne hatte. Eine zweite Studie befasst sich mit den sozialwissenschaftlichen Aspekten. Diese Studie befasse sich allgemein mit Mechanismen, die Missbrauch begünstigen, außerdem werden Profilanalysen der Täter und der Opfer angefertigt. Daraus sollen dann auch Präventionsmaßnahmen abgeleitet werden.“
    http://www.br.de/nachrichten/oberpfalz/inhalt/domspatzen-missbrauch-kirche-110.html

    Wir haben Hochsommer, das Frühjahr ist vorbei. Weiß jemand, was mit den angekündigten Studienvorhaben ist? Sind sie schon angelaufen? Wer führt sie durch?

  • SeelVorsorge

    |

    Bitte erst auf Argumentation des Artikels eingehen, wenn gegensätzliche eigene Ansichten ins Artikelforum gestellt werden:

    „… sich melden“ zu verkünden, ohne zu sagen bei welchem voellig unabhängigen Experten, kann ja laut Artikel als weitere Verhöhnung der Opfer wirken.

    Vertrauen einer Institution da zu schenken, wo die sich Misstrauen verdient hat, sollten seelsorgend Leidtragende, aber auch Eltern und Politiker zur Ausnahme machen.

  • Nocheinüberlebender

    |

    „Dass der Chor Spitzenleistungen erzielte, kann man den kleinen Sängern doch neidlos lassen.“
    Ja und nein. Der Missbrauch ist durch nichts zu rechtfertigen, auch nicht durch die hervorragenden Leistungen.
    „Im Fall der von Cholerikern und Missbrauchern erzogenen Domspatzen besteht die von mir hoch gewertete Spitzenleistung der inzwischen Erwachsenen, in ihrem bloßen Überleben. … Meine Hochachtung!“
    Volle Zustimmung, denn wir sind alle Helden und das ist keinesfalls übertrieben, nur untertrieben und leider sieht es die Gesellschaft (noch) nicht so, denn sonst würde es Bundesverdienstkreuze und Ehrungen nur so hageln. Leider sehe nur ich das so und viele „Kämpfer/Helden“ stapeln da tief und viel zu tief, wie ich meine!
    Mehr Vertrauen in Euch, meine Überlebenden und nicht so viele Zweifel!

  • Angelika Oetken

    |

    Ich möchte das, worauf der Forist hutzelwutzel in seinem Kommentar vom 31. Juli 2017, 00:12 Uhr angespielt hat, noch mal aufgreifen. Soweit ich informiert bin, war die Domspatzenvorschule unter Monsignore Johann Meiers Regime immer voll besetzt. Ein Ehemaliger Etterzhauser berichtete mir, wenn ich mich recht erinnere, dass dort mit wenigen Ausnahmen immer ca. 100 Jungen interniert waren. Über die Jahrzehnte müssen also Tausende von Kindern dieses Internat besucht haben. Zwar gab es auch viele Abgänge bzw. Abmeldungen, aber trotzdem werden die meisten Kinder diese Grundschule beendet haben. Das Konzept der Stiftung Etterzhausen war, sofern ich das richtig einschätze, Eltern und Vormündern der Jungen weis zu machen, dass der Besuch dieses Internates für den weiteren Lebensweg des Kindes (karriere-)förderlich sei.

    Deshalb finde ich schon, dass man sich näher mit der Frage befassen sollte, was denn aus den Ehemaligen des Internates Etterzhausen/Pielenhofen geworden ist. Inwieweit die Hoffnungen der Eltern (und ggf. auch der Kinder) sich erfüllt haben. Immerhin haben sie Platzgelder, so genannte Pensionen bezahlt. Mit Beträgen, die für damalige Verhältnisse hoch waren. Ein qualitativer Gradmesser dafür, was Etterzhausen für den Lebensweg all seiner kleinen Internierten bedeutet hat, wäre z.B., wie viele Domspatzenvorschüler auf eine höhere Schule wechselten und dort das Abitur machten. Oder wie viele von den Ehemaligen einen ihrer Neigung und Begabung entsprechenden Beruf erlernen und später ausüben konnte. Und ob das von irgendwelchen weiteren Faktoren abhing.

    Das Bistum hat zwar eine sozialwissenschaftliche Studie angekündigt und ich gehe mal davon aus, die würde sich solchen Fragen widmen, aber bis dahin könnte man ja schon vorhandene Daten informell zusammen tragen. Was hier auf Regensburg Digital und an anderen Orten sowieso schon Jahre betrieben wird und bisher gute Wirkungen entfaltet hat.

  • Robert Werner

    |

    @AOetken. Das mit dem informellen Datensammeln ist eine gute Idee – allerdings sieben Jahre zu spät! Es gibt verschiedene Sammlungen, die Leute schon ab 2010 zusammengetragen haben. Zwischenzeitlich wurden auch Schülerzahlen veröffentlicht, so dass Sie darüber keine Vermutungen und Spekulationen mehr anstellen bräuchten und sollten.

    Zu den Zahlen der Domspatzen-Vorschüler in Etterzhausen und Pielenhofen, lt. PK Ulrich Weber von Januar 2016 gab es:

    von 1945 bis 2014 ca. 3300,
    von 1945 bis 1992 rund 2450,
    und in der Zeit von J. Meier (1953 – 1992) etwa 2100 Vorschüler.

  • Angelika Oetken

    |

    Danke für den Hinweis Herr Werner.
    Wenn Herr Weber auf der Pressekonferenz 2016 Gesamtschülerzahlen genannt hat, warum wurden die dann nicht im Abschlussbericht veröffentlicht? Wissen Sie zufällig, ob auch irgendwann einmal Angaben über Zahl an erwachsenen Personen, die in Etterzhausen/Pielenhofen als Betreuer eingesetzt waren gemacht wurden?
    Was Daten- und Dokumentensammlungen betrifft: ich weiß von vier Personen, die privat Archive angelegt haben. Bei zweien davon rechne ich damit, dass sie dem Bistum keinen Zugriff darauf gewähren. Auch nicht über Mittelsmänner. Und ich bin fest davon überzeugt, dass es noch viele weitere Personen gibt, die für den Fall, dass irgendwann einmal eine vom Bistum unabhängige Aufklärung statt findet, ihre Sammlungen zur Verfügung stellen würden.

    VG
    Angelika Oetken

  • Anmerkungen zum Domspatzen-Abschlussbericht » Regensburg Digital

    |

    […] Der Bericht wurde alsbald von vielen Seiten gewürdigt. Am Aufklärungs- und Aufarbeitungsprozess beteiligte ehemalige Domspatzen zollten den Berichterstattern bereits kurz nach der Präsentation Respekt und äußerten Genugtuung hinsichtlich der Bestätigung ihrer Sicht. Bischof Voderholzer dankte in einem Hirtenwort den beteiligten Betroffenen, die den „wichtigsten B… […]

  • MaurerMeister

    |

    @Coffin Corner:

    Die Regensburger PR-Show in Sachen Missbrauchsaufklärung ist doch nur der Tatsache geschuldet, daß die Eltern Angst bekommen haben, ihre Kindern diesem System aus Gewalt, Missbrauch und Druck auszuliefern.
    Bezweifle ich, lieber Coffin Corner.
    Eher geht es darum den früheren Papst Benedikt XVI. herauszuhalten. Dieser mußte, sieht man es oberflächlich über seinen Bruder von diesen Dingen wissen.
    Aufgemerkt „wenn man es oberflächlich betrachtet“.
    Joseph Ratzinger hatte trotzdem mit der Diözesenverwaltung nichts zu tun, sein Bruder – Stiftskanoniker der „Alten Kapelle“ (Wir merken uns den Namen Hubert Schöner) – durchaus.
    Was Georg Ratzinger wußte, mußte Joseph Ratzinger noch lange nicht wissen, war aber über seinen älteren Bruder deshalb „anzugehen“.
    Wer Joseph Ratzingers Rolle – diese sehe ich in einem kirchenpolitischen Kontext mit viel größerer Tragweite – nicht klärt, wird ihm nicht gerecht, kann ihn nicht schützen, und beschädigt damit das Papstamt als Ganzes.

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