Analyse

Anmerkungen zum Domspatzen-Abschlussbericht

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Über zwei Jahren nachdem Rechtsanwalt Ulrich Weber in ein Becken sprang, dessen Tiefe er nicht kannte, ist er mit einem herausragenden Abschlussbericht aufgetaucht. Seine Bedeutung ist umso höher zu bewerten, da seine diözesanen Auftraggeber mit ihren zeitlichen, örtlichen und personellen Einschränkungen bezogen auf die Domspatzen-Einrichtungen offenbar keine umfassende Aufklärung angestrebt, sondern eher einen Befreiungsschlag und wohl eine taktische Befriedung der öffentlich aufgetretenen Betroffenen angestrebt haben. Eine kritische Auseinandersetzung.

Weber und sein der Co-Autor Johannes Baumeister, der die wissenschaftliche Auswertung und Bearbeitung der erhobenen Datenschätze leistete und bis 2016 fünf Jahre lang Finanz-Geschäftsführer des SSV JAHN Regensburg war, haben die Stimmen der von sexualisierter und körperverletzender Gewalt Betroffenen gebündelt und das seit 2010 vielfach und massiv geschilderte Ausmaß der Übergriffe bestätigt.

Rechtsanwalt Ulrich Weber und sein der Co-Autor Johannes Baumeister haben in ihrem Bericht die Stimmen der von sexualisierter und körperverletzender Gewalt Betroffenen gebündelt und das seit 2010 vielfach und massiv geschilderte Ausmaß der Übergriffe bestätigt. Foto: Werner

Der neulich veröffentlichte Abschlussbericht von Rechtsanwalt Ulrich Weber („Vorfälle von Gewaltausübung an Schutzbefohlenen bei den Regensburger Domspatzen“) hat die Debattenlage in Regensburg wesentlich verändert. Seine sehr reichhaltige Materialfülle und wichtigen Ergebnisse sind von wegweisender Bedeutung und dürften das diffamierende Gerede, die öffentliche auftretende Betroffenen seien vor allem Kirchenfeinde, geldgierige Figuren und oder Trittbrettfahrer, zumindest eindämmen.

Mit einem Wink gegen den vormaligen Regensburger Bischof Gerhard Ludwig Müller stellt der Bericht fest: Die Vorfälle in den Einrichtungen der Domspatzen haben „nichts mit postfaktischen Angaben zu tun, um die Kirche oder die Domspatzen in Misskredit zu bringen“, sondern seien trauriger Teil der Domspatzen-Geschichte, der eine entsprechende Aufklärung, Aufarbeitung und Würdigung verlange. (S. 17)

Bemerkenswerterweise kommen im Bericht auch viele ehemalige Domspatzen zu Wort, die sich aus ihrer Erfahrung und Sichtweise heraus für eine positive Bewertung des Schulinternats einsetzen. Viele dieser Ehemaligen versuchten nach 2010 mit ihrer Sicht die leidvollen Erfahrungen anderer zu übertünchen oder zumindest zu relativieren. Nicht wenige tun dies bis heute, etwa in der identitären Facebook-Gruppe, die den programmatischen Namen „Ehrengruppe für Georg Ratzinger“ trägt auch von prominenten Mitgliedern, wie dem Leiter der Staatlichen Bibliothek Regensburgs und dem MZ-Redakteur Helmut E. Wanner, unterstützt wird.

Erste Einordnungen und Würdigungen

Weber und sein der Co-Autor Johannes Baumeister, der die wissenschaftliche Auswertung und Bearbeitung der erhobenen Datenschätze leistete und bis 2016 fünf Jahre lang Finanz-Geschäftsführer des SSV JAHN Regensburg war, haben die Stimmen der von sexualisierter und körperverletzender Gewalt Betroffenen gebündelt und das seit 2010 vielfach und massiv geschilderte Ausmaß der Übergriffe bestätigt. Ebenso wurde eine Vielzahl von Tätern in abgekürzter, teils verschlüsselter Form benannt.

In ihrer juristisch gehaltenen Analyse zeigen die Berichterstatter Weber und Baumeister neben den Taten und ihren Folgen für die Betroffenen auch das Versagen der damals Verantwortlichen und das problematische Ziel eines leistungs- und erfolgsorientierten Chorbetriebs sehr eindrücklich auf. Diesem habe man das Wohl der einzelnen Schüler untergeordnet und damit Gewalt als Erziehungsmittel legitimiert. Andere systemische Gründe oder persönliche Motive der Täter zu erforschen, überlässt der Bericht ausdrücklich den nachfolgenden Sozialwissenschaftlern.

AbschlussberichtDer Abschlussbericht selber dient aktuell auch als Grundlage für die vom Bistum 2016 in Auftrag gegebene und laufende sozialwissenschaftliche Studie der Kriminologischen Zentralstelle e.V. Wiesbaden (KrimZ). Die KrimZ wird zur vertiefenden Analyse unter anderem Interviews mit Betroffenen führen, Abschlussergebnisse werden zum Januar 2019 erwartet.

In einer moderaten Kritik rekapitulieren Weber und Baumeister den Umgang des Bischöflichen Ordinariats mit den Vorfällen ab 2010 und bestätigen der heutigen Domspatzen-Leitung einen Wandel und ein Umdenken in der Führung ihrer Einrichtungen. Eigenartigerweise ohne diesen Aspekt näher untersucht zu haben bzw. die Bewertung nachvollziehbar belegen zu können.

Der Bericht wurde alsbald von vielen Seiten gewürdigt. Am Aufklärungs- und Aufarbeitungsprozess beteiligte ehemalige Domspatzen zollten den Berichterstattern bereits kurz nach der Präsentation Respekt und äußerten Genugtuung hinsichtlich der Bestätigung ihrer Sicht. Bischof Voderholzer dankte in einem Hirtenwort den beteiligten Betroffenen, die den „wichtigsten Beitrag zu dieser Arbeit“ geleistet hätten. 

Dem Missbrauchsbeauftragten der Bundesregierung, Johannes-Wilhelm Rörig, zufolge könne man dem Bericht „richtig lehrbuchhaft“ entnehmen, dass bei den Domspatzen klare Abhängigkeitsstrukturen und ein System der Angst geherrscht habe. Rörig erklärte dem Kölner Domradio gegenüber, es sei ihm wichtig, dass auch andere „im kirchlichen wie außerkirchlichen Bereich Tätigen genau schauen, was in Regensburg jetzt ans Licht gekommen ist“, um zu verhindern, dass Kinder in Familien und anderen Einrichtungen eine ähnliche Gewalt erleiden müssen.

Der Sozialpsychologe Dr. Heiner Keupp, der an Studien über sexualisierte Gewalt in dem Benediktinerstift Kremsmünster und der Benediktinerabtei Ettal mitarbeitete, 
bezeichnete den Abschlussbericht von Weber und Baumeister gegenüber unserer Redaktion als „herausragend wichtige Arbeit“ und reichhaltige Grundlage für weitere wissenschaftliche Forschungen. Heiner Keupp, seit 2008 emeritierter Hochschullehrer, ist unter anderem Mitglied der Unabhängigen Kommission zur Aufarbeitung sexuellen Kindesmissbrauchs und würde es begrüßen, wenn der Domspatzen-Abschlussbericht in der von ihm herausgegeben Buchreihe zur Aufarbeitung sexueller Gewalt publiziert werden könnte.

Das Geplänkel um eine geforderte (und im Gegenzug ebenso eingeforderte) Entschuldigung des ehemaligen Regensburger Bischofs Gerhard Ludwig Müller für sein damaliges Verhalten und die Fixierung auf die Rolle des Domkapellmeisters a.D. Georg Ratzinger bestimmen die Medienberichte seither. Was fehlt, ist eine differenzierte öffentliche Auseinandersetzung mit den Resultaten der Studie und den möglicherweise zu ziehenden Konsequenzen.

Einige Aspekte des Berichts werden daher im Folgenden näher und kritisch beleuchtet.

1. Vorgeschichte des Auftrags

„Im Bistum Regensburg wurde von Anfang an alles getan, um die schrecklichen Geschehnisse kleinzureden und unter den Teppich zu kehren.“ Die ehemaligen Domspatzen Udo Kaiser, Georg Auer, Alexander Probst und Michael Sieber beim Katholikentag 2014 in Regensburg. Foto: Archiv/ as

Die ehemaligen Domspatzen Udo Kaiser, Georg Auer, Alexander Probst und Michael Sieber beim Katholikentag 2014 in Regensburg. Foto: Archiv/ as

Im Bericht räumt der (noch vom damaligen Bischof Gerhard Ludwig Müller) im Jahre 2010 mit der Aufklärung von sexuellen und körperlichen Gewalttaten beauftragte Generalvikar Michael Fuchs unverblümt Ratlosigkeit ein. Bald nach den ersten Anerkennungszahlungen für erlittenes Leid aus sexuellen Übergriffen, die gemäß der Empfehlung der Deutschen Bischofskonferenz von Mitte 2010 geleistet worden seien, habe man gemerkt, dass die angedachte Abarbeitung von Einzelfällen nicht ausreichen werde. Die Meldungen von Betroffenen rissen nicht ab, viele Vorfälle konnten nicht wie vorgesehen aufgelöst werden, so Fuchs. Eine Änderung im Vorgehen wurde daraus jedoch nicht abgeleitet. Die Pressekonferenz von November 2014, als der Ansprechpartner des Bistums Regensburg für sexuellen Missbrauch, Dr. Martin Linder, die nicht vorankommende Aufklärung und die dubiosen Zahlen des Generalvikars positiv darstellen sollte, scheiterte grandios. 

In Webers Bericht heißt es dazu: „Gerade die Pressekonferenz von 2014 zeigt auch ein Stück weit Ratlosigkeit, wie wir [das Ordinariat] denn da weiterkommen können, damit es bei den vielen Opfern auch zu einer Heilung und zu einer Genugtuung kommen“ könne (S. 393). Der eigentliche Tiefpunkt in der öffentlichen Wahrnehmung der Diözese kam bald darauf, mit der ARD-Dokumentation „Sünden an den Sängerknaben“ von Mona Botros. Die weitreichende Wirkung der in der Doku gezeigten erschütternde Auftritte von mehreren betroffenen Domspatzen – darunter Georg Auer, Udo Kaiser und Alexander Probst – zwang das Bistum zum Umdenken. Vor allem löste das im Film augenfällig vorgeführte Verhaltensmuster von Vertretern einer offenbar angeordneten Linie der Anerkennungsverhinderung und Relativierung der Übergriffe großes Entsetzen aus. Hervorgetan haben sich dabei seitens der Diözese: der Pressesprecher Bistums Clemens Neck, der Missbrauchsbeauftragte Dr. Martin Linder und beauftragte Rechtsanwalt Geedo Paprotta.

Bald nach dem Film dachte man im Bischöflichen Ordinariat an, einen externen Rechtsanwalt mit dem zu beauftragen, was man selber nicht glaubwürdig leisten konnte: der Aufklärung und Dokumentation aller bekannten körperverletzenden und sexuellen Straftaten. Der letzte Impuls für eine externe Beauftragung kam mit dem Ergebnis einer internen Wahrnehmungsstudie, die Anfang April 2015 ergab: 80 Prozent der Befragten aus diversen Gruppen, die mit den Einrichtungen der Domspatzen geschäftlich zu tun hatten, kritisierten eine mangelnde Aufklärung der Vorfälle und vermuteten ein bewusstes Verzögern durch Verantwortliche (S. 390).

2. Grenzen des Auftrag und Schutz der Institution

Der genaue Wortlaut und die Bedingungen des Vertrags zwischen Rechtsanwalt Weber und der Regensburger Diözese sind nicht bekannt. Die Berichterstatter sollten auftragsgemäß „die Vorfälle von Gewaltausübung durch Erziehungspersonal an Schülern der Regensburger Domspatzen im Zeitraum von 1945 bis 2015“ untersuchen. (S.1) Diese zeitliche, örtliche und personelle Beschränkung ist, wie sich an konkreten Punkten noch zeigen wird, überaus problematisch. Nicht zuletzt deshalb, weil mehrere der in Frage kommenden Täter schon vor 1945 und auch außerhalb der Domspatzen-Einrichtungen übergriffig und straffällig wurden, so etwa die Domspatzen-Direktoren Georg Zimmermann und Franz-Xaver Kolbeck.

Eine Untersuchung der Lebensläufe einiger Täter und Verantwortlicher, die über die zeitlichen und örtlichen Grenzen des Auftrags hinausgeht, hätte zudem eine Vielzahl von personellen Abhängigkeiten und institutionellen Verstrickungen ergeben, die etwa um das ehemalige Regensburger Bischöfliche Knabenseminar Obermünster als Sozialisations-Ort kreisen. Es gibt auffällig viele Personen, die als Zöglinge oder Verantwortliche am Obermünster-Studienseminar und später am „Gewaltsystem Domspatzen“ beteiligt oder damit befasst waren: der Domkapellmeister und Täter Theobald Schrems, der Domspatzendirektor und Täter Friedrich Zeitler, der Domspatzendirektor und Täter Georg Zimmermann, der Domspatzendirektor und Täter Siegfried Lintl, der Domspatzendirektor und Täter Johann Meier, der Domspatzendirektor und (mutmaßliche Täter) Josef K. Der jetzige Leiter der diözesanen Gerichtsbehörde (Gerichtsvikar) in Regensburg, Josef Ammer, war ein Obermünster-Zögling, der aktuelle stellvertretende Leiter des Domspatzen-Internats, Christian Vieracker, publizierte 1999 eine Studie zum Obermünster-Seminar, in der er Kritiker von Prügelstrafen diffamierte. 

Dass Rechtsanwalt Weber auftragsgemäß nur die sexuelle und körperverletzende Gewalt seitens des Personals untersuchen sollte, und nicht auch die innerhalb der Schülerschaft oder die von externen Personen ausgeübte, dürfte ein Versuch der Auftraggeber gewesen sein, eine noch höhere Opferzahl und die damit einhergehende Schädigung des Rufs der Institution „Domspatzen“ zu verhindern. Weber hat diese tendenziöse Grenzziehung im Bericht leider nur ansatzweise problematisiert aber darauf hingewiesen, dass mehrere von ihm nicht überprüfte, aber angedeutete Übergriffe „zwingend für eine entsprechende Sensibilisierung der Verantwortlichen und eine Berücksichtigung in Präventionskonzepten sorgen“ sollten. (FN 1602, S. 227)

Zu verantworten haben die zeitlichen, örtlichen und personellen Beschränkungen die diözesanen Auftraggeber und die aktuelle Leitung der Domspatzen, die trotz ihrer Kenntnis von sexualisierten Gewaltübergriffen gegen Schüler, diese nicht untersucht haben wollten – dazu später ausführlich. Ob und inwieweit Bischof Voderholzer darüber Bescheid wusste, ist unklar.

3. Reflexion und Prävention

Es ist dennoch der Verdienst von Bischof Rudolf Voderholzer, dass er das Gespräch mit Betroffenen bald gesucht und im April 2015 Foto: Archiv/ Staudinger

Es ist der Verdienst von Bischof Rudolf Voderholzer, dass er das Gespräch mit Betroffenen bald gesucht und im April 2015 eine grundlegende Wende eingeleitet hat. Foto: Archiv/ Staudinger

Die von Bischof Voderholzer seit 2013 besonders herausgestellten Gespräche mit Betroffenen dürften bei der externen Vergabe zwar nicht unbedeutend, aber nicht entscheidend gewesen sein. Dies wird gerade daran deutlich, dass Voderholzer sich selbst vor allem als „Leidenden“ oder um Verzeihung Bittenden darstellte und er einen womöglich stattgefundenen persönlichen Bewusstseinswandel nicht nachvollziehbar formulierte. Bei Voderholzer ist, soweit bekannt, keine intellektuelle oder pastoral-theologische Reflexion über lange Zeit vorherrschenden Strukturen erkennbar, aufgrund derer sexueller Missbrauch und systematische Körperverletzungen in kirchlichen Einrichtungen zumindest geduldet, wenn nicht befördert wurde.

Anders als etwa bei jesuitischen Führungskräften in ähnlicher Lage hat in Regensburg bislang kein Bischof oder ein Verantwortungsträger der Domspatzen sein eigenes Tun und (Nicht-)Handeln über eine bloße Betroffenheits- und Entschuldigungsgeste hinaus selbstkritisch und substanziell öffentlich reflektiert.

Dass die Gespräche, die Bischof Voderholzer auch mit Betroffen aus anderen kirchlichen Einrichtungen geführt haben soll, nicht auch in diesem Bereich zu einem offen kommunizierten und klar strukturierten Kurswechsel und der Beauftragung eines externen Rechtsanwaltes führte, bestätigt diese Annahme. Es ist dennoch der Verdienst von Bischof Rudolf Voderholzer, dass er das Gespräch mit Betroffenen bald gesucht und im April 2015, über zwei Jahre nach seiner Inthronisierung als Regensburger Bischof, eine grundlegende Wende im Umgang mit den strafrechtlich relevanten Übergriffen in den Domspatzen-Einrichtungen vollzogen hat. Die externe Vergabe der Aufklärung hat ihm nicht nur Freunde und Zustimmung beschert.

In hohem Maße zweifelhaft sind die seit 2010 öffentlich vorgetragenen Erklärungen des Chor-Managements und der Internatsleitung, die bei jeder Gelegenheit einen angeblich längst stattgefundenen Wandel reklamieren und auf die schon längst aufgestellten Präventionskonzepte verweisen, ohne die dafür zugrundeliegenden und die in der Folge trotzdem erneut auftretenden Gewaltvorfälle zu benennen.

Wie der Vortrag von Domkapellmeister Roland Büchner, gehalten im Februar 2017 auf dem Leipziger Symposium zur Kinder- und Jugendstimme, zeigt, hat man sich bei den Domspatzen zwar viel und auch Wichtiges überlegt. Aber zu glauben, dass man Mitarbeiter präventiv und zielführend dazu verpflichten kann, dass sie „pädophile Neigungen“ melden müssen, so sie welche verspüren, klingt in diesem Zusammenhang unbedarft.

Wer fundierte Prävention betreiben will, wird gut daran tun, den nun vorliegenden Bericht (und später die Folgestudie) alsbald auszuwerten und in selbstkritischer Auseinandersetzung zusammen mit externen Fachleuten ein entwicklungsfähiges Präventionskonzept zu erarbeiten, das Vorfälle benennt und nicht verschweigt.

4. Plausibilität und Zahlen

Die wesentliche Grundlage für Webers Bericht sind die Schilderungen von ehemaligen Domspatzen. Die Berichte von 460 Ehemaligen, 41 Zeugen und 29 Verantwortlichen aus Domspatzen-Einrichtungen belasten 115 Personen körperverletzender und sexualisierter Gewalt. Die im Zuge der Ermittlungen angefallenen Unterlagen und erhobenen Berichte bleiben bis zur Vernichtung in seiner Kanzlei, teilte Rechtsanwalt Weber auf Anfrage mit.

Wie viele Täter konnten ermittelt werden? Nach der Überprüfung von 106 Bezichtigten beziffert Weber die als hoch plausibel eingestuften Täter mit 49 – neun davon gelten als sexuelle Täter. Neben diesen Personen gibt es Beschuldigte, die im Bericht mit einer mittleren (28) oder geringen (12) Plausibilität als Täter eingestuft werden. Bei 17 Beschuldigten betrachtet der Bericht die Vorwürfe als „unplausibel“. Anders gesagt gibt es 40 weitere Beschuldigte, die als nicht entlastet gelten müssen und mutmaßlich zu den Tätern zu zählen sind. Jedenfalls aus der Sicht jener Betroffenen, die die Beschuldigungen vortragen haben.

Bewertung der Beschuldigungen

Aufgrund welcher Vorgehensweise wurden die 49 Beschuldigten als (sehr) „hoch plausibel“ eingestuft? Wie in einem Strafprozess gingen Weber und Baumeister bei der Überprüfung eines Vorwurfs gegen einen Beschuldigten zunächst von dessen Unschuld aus. Erst wenn die gesammelten Fakten nicht mehr mit dieser Unschuldsannahme vereinbar waren, wurden sie verworfen. Nur wenn die gesammelten Informationen und belastenden Angaben mit einer (sehr) hohen Wahrscheinlich für den Strafbestand sprachen, wurde der Beschuldigte als Täter klassifiziert. Bleiben Widersprüche oder Unklarheiten, wird ein Beschuldigter mit der Bewertung „mittel“ oder „gering“ plausibel als Täter eingestuft. Auf diese Weise konnte der Untersuchungsbericht neben den bereits erwähnten 49 Tätern mit einer gewissen Plausibilität 40 weitere (mutmaßliche) Täter ermitteln.

Diese Plausibilitätsprüfung erhebt jedoch laut Untersuchungsbericht keinen Wahrheitsanspruch: „Ein faktischer Beleg für das tatsächliche Geschehen ist damit nicht gegeben.“ (S. 8) Weder für die Täterschaft noch für den eigentlichen Vorfall bzw. gemeldeten Übergriff.

Glaubhaftmachung

Bei „der Beurteilung der Opferstellung“ (S. 259) legt der Untersuchungsbericht einen anderen Maßstab an. Auch hier folgt zunächst eine Beurteilung der objektiven Tatsachen, wie etwa die Angaben zu Schuljahr, Anwesenheitszeiten, Tatort, Tatzeit etc., und dann eine Analyse des Opfergesprächs auf Stimmigkeit. Für eine abschließende Beurteilung lehnt sich Rechtsanwalt Weber dann an das höchstrichterlich bestätigte Entschädigungsrecht des Opferentschädigungsgesetzes (OEG) an, das als Beweismaßstab „nur“ eine Glaubhaftmachung fordert. Wenn die Angaben der Opfer „mit relativer Wahrscheinlichkeit als erlebnisfundiert angesehen werden können“ (S. 259), gelten sie demnach als wahr.

Da die Kriterien des OEG eher erfüllt werden können als die des Strafprozesses, ist der Anteil der als „mittel“, „gering“ oder „unplausibel“ eingestuften Opferberichte geringer als bei der Täterbeschuldigung.

Körperverletzung

Konkret: bei den 540 geprüften Meldungen zu körperlicher Gewalt wurden 500 als hoch plausibel, 21 als „mittel“ und nur 13 als „gering“ plausibel eingestuft. Sechs der Vorwürfe als „unplausibel“. Der Großteil dieser gemeldeten körperlichen Übergriffe bezieht sich auf die Domspatzen-Vorschulen in Etterzhausen und Pielenhofen.

Die Frage nach der Dunkelziffer bei Köperverletzungen kann hier direkt angeschlossen werden. Rechtsanwalt Weber ging bereits im Januar 2016 von mindestens 700 Betroffenen sexueller und körperlicher Gewalt aus. Legt man die Einschätzung jener Ex-Domspatzen zugrunde, die sich an Weber wandten und von ihm daraufhin nach dem Anteil der Opfer körperlicher Gewalt befragt wurden, ergeben sich viel höhere Zahlen. Demnach wären mehr als die Hälfte der Vorschüler aus Etterzhausen und Pielenhofen Opfer von körperverletzender Gewalt gewesen – was Weber im Bericht als eine vorsichtige Schätzung betrachtet. (S. 139) Konkret für die 35-jährige Direktorenzeit des Täters Johann Meier bedeutet das: bei einer Schülerzahl von rund 2100 Schülern wären allein für die Grundschule in Etterzhausen und später Pielenhofen von 1957 bis 1992 fast 1200 Gewaltopfer zu beklagen. Die Gesamtzahl aller Domspatzen-Vorschüler beträgt für den Zeitraum 1945 bis 2014 etwa 3300.

Sexuelle Übergriffe

Nach der Überprüfung von 107 Vorwürfen sexueller Gewalt taxiert der Bericht 67 Vorfälle als hoch plausibel, 13 als „mittel“ und 12 als „gering“ plausibel. Das heißt, zu den 67 „hoch plausiblen“ sexuellen Übergriffen, die nach der Veröffentlichung des Berichts durch alle Medien gingen, kommen 25 weitere Vorfälle hinzu, die mit einer gewissen Plausibilität im Raum stehen.15 vorgetragene Vorfälle sexueller Gewalt werden im Bericht als „unplausibel“ betrachtet.

Darüber hinaus gibt es laut den Berichterstattern weitere sexuelle Missbrauchsopfer, die trotz eingegangener Meldungen auftragsgemäß weder untersucht noch quantitativ erfasst worden sind, da die Taten außerhalb der Domspatzen-Einrichtungen geschehen sind. Genannt werden: „beispielsweise Vorfälle im Rahmen der Reisen zwischen Elternhaus und Internat, Vorfälle bei Gasteltern auf Konzertreisen, privater Musikunterricht außerhalb des Internats sowie reine Kontaktanbahnungen im Musikgymnasium zum Zwecke sexueller Handlungen“. (S. 227) Hinzu kommen sexuelle Übergriffe innerhalb der Schülerschaft oder durch erwachsene Schüler, die ebenfalls auftragsgemäß nicht quantifiziert und untersucht worden sind.

Die Gesamtsumme der im Rahmen des Berichts bekannt gewordenen ehemaligen „Domspatzen“, die sexualisierte Gewalt erleiden mussten, dürfte somit die 100er-Grenze weit überschreiten – wobei nur die Meldungen und Nennung mit zumindest geringer Plausibilität berücksichtigt und die als „unplausibel“ eingestuften aussortiert worden sind.

Die darüber hinaus anzunehmende Dunkelziffer von Missbrauchsopfern beträgt laut anerkannten wissenschaftlichen Studien ein Vielfaches der bekannt gewordenen Opfer. In den Dunkelziffern sind das x-fache persönliche Leid von Betroffenen, die sich nirgendwo melden, und die wahre gesellschaftliche Dimension der sexualisierten Gewalt zu erahnen.

5. Eckdaten der finanziellen Anerkennungsleistung und Beratung

Bislang haben rund 300 betroffene Domspatzen beim Bistum einen Antrag auf finanzielle Leistung gestellt. Über die Höhe der Anerkennung entscheidet ein vom Bistum unabhängiges Gremium, bestehend aus Dr. Barbara Seidenstücker (OTH Regensburg), Dr. Knud Hein (Hochschule Darmstadt) und Rechtsanwalt Ulrich Weber.

Dr. Barbara Seidenstücker (OTH Regensburg), Dr. Knud Hein (Hochschule Darmstadt) und Rechtsanwalt Ulrich Weber

Dr. Barbara Seidenstücker (OTH Regensburg), Dr. Knud Hein (Hochschule Darmstadt) und Rechtsanwalt Ulrich Weber entscheiden über die Anerkennungsleistungen. Foto: Werner

Nach Auskunft von Barbara Seidenstücker wird im Gremium über „ausnahmslos alle Anträge“ gemeinsam entschieden, egal ob und wie der jeweilige Fall im Abschluss-Bericht bewertet wurde. Je nach Schwere, Häufigkeit und Folgeschäden der Übergriffe werden vom Anerkennungsgremium zwischen fünf- und zwanzigtausend Euro bewilligt. Ausnahmen soll es nur in besonderen Einzelfällen geben. Etwa fünfzig Anerkennungsleistungen sollen bereits bei den jeweiligen Betroffenen eingegangen sein. Insgesamt rechnet man mit einer Gesamtsumme von 2,5 bis 3 Millionen Euro, die das Bistum an Betroffene zahlen müsste. Bis Ende diesen Jahres (2017) will das Gremium alle gestellten Anträge bearbeitet haben.

Da das Bistum voraussichtlich ab 2018 wieder selber über eingereichte Anträge entscheiden wird, sollten noch unentschiedene Betroffene ihre Anträge bald stellen, so sie eine Entscheidung vom unabhängigen Gremium haben wollen.

Unabhängige Hilfestellung bei der Antragstellung leistet das „Münchner Informationszentrum für Männer“ (MIM), das bis September 2018 für Beratungsgespräche oder auch betreute Gruppengespräche für Betroffene (nur Domspatzen!) zur Verfügung steht. Da der Auftrag von Rechtsanwalt Ulrich Weber mit seiner Berichterstattung beendet ist, steht seine Kanzlei nicht mehr als Anlaufstelle zur Verfügung.

6. Gesäuberte Akten und leugnende Täter

Was trugen die Akten der Diözese und Domspatzen zur Ermittlung der Täter und ihrer Opfer bei? Bezeichnenderweise fast gar nichts. Wie aus dem Abschlussbericht hervorgeht, waren die Weber zur Verfügung gestellten Personalakten durchgehend entweder unvollständig und schludrig geführt oder vom belastenden Material gesäubert worden. Der Abschlussbericht zeigt dies deutlich am Beispiel der verurteilten und schon im Jahr 2010 vom Bistum präsentierten verstorbenen Täter auf: dem Domspatzendirektor Direktor Z. (Friedrich Zeitler) und dem eigentlich als Domkapellmeister vorgesehenen Direktor G. (Georg Zimmermann). Den Namen des über Jahrzehnte schädigenden Missbrauchstäters Zimmermann, der nur eines knappes Jahr als Direktor amtierte, tilgte man sogar aus der Festschrift „ 50 Jahre Musikgymnasium“ (1998). Diese tat- und täterverschleiernde Verwaltungspraxis hat, wie die bis heute zumeist leugnenden Täter, unmittelbare und äußerst negative Folgen für die Betroffenen, da sie eine Bestätigung der Opfer-Berichten teilweise verunmöglicht und bis heute verhindert.

Geheimarchiv und Verantwortung

Nach der Lektüre des vorliegenden Domspatzen-Abschlussberichts sieht sich Dr. Thomas Schüller, Professor für Kirchenrecht an der Universität Münster
in seiner Einschätzung bestätigt, dass wohl einige Bistümer in Deutschland Personalakten von Missbrauchstätern unvollständig geführt oder nach 2010 einer Kassation unterzogen haben. Im Gespräch mit regensburg-digital benannte Schüller als eine weitere Schwachstelle des Domspatzenberichts, dass die Personalakten von Mitarbeitern des diözesanen Archivs ausgewählt bzw. übergeben und nicht vom Rechtsanwalt persönlich eingesehen oder eingeholt wurden.

Persönlichen Zugang hatte Rechtsanwalt Weber tatsächlich nur zu den Archiven der Domspatzen. Er geht aber davon aus, dass ihm ansonsten alle relevanten Unterlagen zur Verfügung gestellt wurden.

Generalvikar Michael Muchs. Frage nach persönlichen Konsequenzen. Foto: Archiv/ as

Generalvikar Michael Muchs. Frage nach persönlichen Konsequenzen. Foto: Archiv/ as

Des Weiteren wies Thomas Schüller im Gespräch mit unserer Redaktion auf den fehlenden persönlichen Zugriff Webers auf das bischöfliche Geheimarchiv hin, in dem sich nach geltendem Kirchenrecht Unterlagen zu sexuellen Übergriffen befinden müssten. Schüller, der bis 2009 als Kirchenanwalt am Bischöflichen Offizialat in Limburg mit Plausibilitätsprüfungen befasst war, konnte dabei mit Hilfe des ihm zugänglichen bischöflichen Geheimarchivs nicht selten Meldungen von Missbrauchsbetroffenen an das Bistum verifizieren.

Gefragt nach personellen Konsequenzen aus dem Abschlussbericht, meinte Thomas Schüller, dass aus kirchenrechtlicher Sicht für die mangelhafte Aufklärung der Gewalttaten Generalvikar Michael Fuchs, vor allem in seiner Zeit als Generalvikar von Bischof Müller, die Verantwortung trage und sich fragen lassen müsse, welche persönliche Konsequenzen er daraus ziehen sollte.

Ein Täter, der ausnahmsweise mit Hilfe von Akten ausfindig gemacht werden konnte, ist der Präfekt Ambros Pfiffig. Pfiffig wurde 1948 nach seiner Flucht aus Etterzhausen, wo er im Domspatzen-Internat als Missbrauchstäter aufflog, vom Regensburger Generalvikar Josef Franz nach Tirschenreuth zur Jugendseelsorge versetzt und erst 1958 in Österreich zu einer zweijährigen Haftstrafe verurteilt (Siehe hierzu die Recherchen von regensburg-digital von März 2013). Da sich kein von Pfiffig geschädigter „Domspatz“ bei Weber gemeldet hat, wäre der Abschlussbericht ohne den Archivfund um einen Täter geringer ausgefallen.

Hier wird eine strukturelle Problematik in der Daten- und Quellengrundlage des Ermittlers Webers deutlich: Opfer, die sich nicht melden konnten oder wollten und auch nicht von anderen Personen detailliert genannt wurden bilden sich im Abschlussbericht nicht ab. Die Verwaltungspraxis der Institution und Diözese schützt also ihre Täter immer noch, sie dürfte nicht wenige Betroffene in existenzielle Nöte gebracht, wenn nicht retraumatisiert haben.

7. Diskriminierung von Homosexuellen

Der Abschlussbericht definiert sexuelle Gewalt gegenüber Kindern als „alle sexuellen Handlungen, die an oder vor einem Kind vorgenommen werden und in denen der Täter seine Macht- und Autoritätsposition ausnutzt, um seine eigenen Bedürfnisse auf Kosten des Kindes zu befriedigen.“ Auch anzügliche Blicke, verbale Belästigungen und Diskriminierungen „aufgrund des Geschlechts oder der sexuellen Orientierung zählen als Formen sexualisierter Gewalt“. (S.18)

Die dogmengleiche Haltung der katholischen Lehre gegenüber (gelebter) Homosexualität wird von den Berichterstattern nicht angesprochen. Ebenso wenig das diskriminierende Klima, das bis in die Direktorenzeit des jetzigen Schulleiters, Berthold Wahl, dazu führte, dass schwule und/ oder lesbische Lehrkräfte aus dem Lehrerkollegium gedrängt worden sein sollen, oder das Haus entnervt verlassen haben. Unserer Redaktion liegen entsprechende Informationen vor. Die Besonderheit eines extraordinären katholischen Arbeitsrechts würde es auch erlauben, homosexuelle Angestellte ohne Weiteres zu entlassen. Geschieht dies auch mit Schülern?

Laut dem Leitbild der „Institution Domspatzen“ soll „Schülern, auch wenn sie nicht von Haus aus christlich geprägt sind,“ womöglich Fähigkeiten „zum bewussten Vollzug des Glaubens in Gebet und Gottesdienst, im Dienst am Menschen“ vermittelt werden. Heißt das, Schüler sollen im Vollzug des Glaubens auch homosexuelle Mitschüler ausgrenzen? Das Leitbild schweigt sich darüber aus, was in der Schwulenszene vielfach und seit Jahren kommuniziert wird: Als homosexuell geoutete oder verdächtigte Schüler würden demnach von Mitschülern, Lehrern und Personal diskriminiert; zur menschlichen Entwicklung gehörender körperlicher Kontakt unter Internatszöglingen werde als schwule Praxis kritisch beäugt, wenn nicht im Sinne der katholischen Glaubenslehre verhindert oder gar verfolgt.

Der Vorstand der Regensburger Schwulen- und Lesbeninitiative (RESI), die gegen die Diskriminierung von Homosexualität eintritt, begrüßt gegenüber unserer Redaktion den vorliegenden Domspatzen-Bericht, da dieser den „Opfern bei der Bewältigung ihrer Schmerzen zumindest helfen kann“. Scharf kritisiert wird hingegen seitens des RESI-Vorstands, dass der Bericht nicht eingehe auf die Lebensrealität von Jungen, „die bemerken, dass sie homosexuell empfinden und in dieser schwierigen Lebenslage sich an niemanden wenden können“. Diesen Jungen raube man einen Teil ihrer Kindheit und Jugend, wenn ihre Empfindungen oder Homosexualität generell diffamiert werden. Der RESI-Vorstand beklagt weiter, dass im Bericht „Pädophilie“ nicht von „Homosexualität“ abgegrenzt werde.

Obwohl der Bericht von Weber und Baumeister den Anspruch formuliert, auch die spezifischen Bedingungen eines katholischen Schulinternats zu untersuchen, wird darauf nicht eingegangen. Insbesondere fehlt im Bericht die Problematisierung der im katholischen Leitbild implizit enthaltenen (und auch von Bischof Voderholzer vorgetragenen) homophoben Haltung, die laut eigenen Kriterien als Diskriminierung und sexualisierte Gewalt anzusprechen wäre. Hier haben die Berichterstatter ihre eigenen Kriterien ignoriert.

Homosexuell ist nicht gleich pädophil

Hoch problematisch ist es, dass es die Berichterstatter unterlassen, begrifflich zwischen Homosexualität und Pädophilie zu unterscheiden. Vielmehr reproduzieren sie die homophoben Pseudoerklärungen ehemaliger geistlicher Verantwortungsträger, ohne dass irgendeine Klarstellung vorgenommen wird. So heißt es etwa resümierend über den Mehrfachtäter und Präfekten J. (= Sturmius W.): „Damalige Mitarbeiter und Verantwortungsträger äußern zwar Kenntnisse von seiner Homosexualität und teilweise eigenartigen Verhaltensweisen, jedoch betonen sie durchwegs, von sexuellen Übergriffen nichts mitbekommen zu haben.“ (S. 371)

Der im Bericht zitierte Verantwortungsträger „668“ gibt beispielsweise an: Die Neigung des Präfekten J., der kurz zuvor mit der Begründung, er sei homophil veranlagt, aus dem Regensburger Priesterseminar entlassen wurde, sei schon bekannt gewesen, „auch während seiner Zeit bei den Domspatzen als Präfekt.“ Unverkennbar versucht ein solcher Konnex die vom Präfekten J. ausgeübten sexuellen Straftaten (nachträglich) in einen kausalen Zusammenhang mit dessen angeblicher Homosexualität zu stellen.

Der Vollständigkeit halber sei festgehalten, dass auch deutsche Gerichte sexuelle Missbrauchstäter lange Zeit als „homosexuell“ bezeichneten und unter anderem gemäß dem unseligen § 175 verurteilten: „homosexuell“ und „Unzucht“ mit Abhängigen, Kindern und Männern heißt es etwa im Urteil gegen den oben erwähnten ehemaligen Internatsleiter Friedrich Zeitler, der mindestens über zwanzig Jahre hinweg Domschüler sexuell missbrauchte und im April 1959 zu drei Jahren Haft verurteilt wurde.

Eine Studie, die sexualisierte Gewalt aufklären und dokumentieren will, hätte dieses homophobe Ideologie aufgreifen, einordnen und deutlich zurückweisen müssen. Dennoch: Die Schilderung der Betroffenen, die der Präfekt Sturmius W. für seine sexuellen Interessen emotional an sich band und missbrauchte, gehören zu den eindrücklichsten Abschnitten des Berichts (S. 183 – 189), nicht zuletzt, weil darin auch das Ausgeliefertsein und die unterschiedlichsten Umgangsversuche der Betroffenen deutlich werden.

Die Debatten um Homosexualität und schwule Priester in der katholischen Kirche sind omnipräsent und teils bemerkenswert. Der Kapuzinerpater Herman van de Spijker etwa, der in seiner theologischen Abhandlung „Die gleichgeschlechtliche Zuneigung“ (1968), gegen die Diskriminierung von Homosexuellen und Homophilen anschrieb, brachte die auf homophober Ideologie basierenden Pseudoerklärungen bereits vor 50 Jahren kritisch auf den Punkt: „…während man den heterosexuellen Kindesvergewaltiger nur als eine unglückliche Ausnahme“ (S. 39) betrachte, gelte der homosexuelle Mann, der ein Jungen missbraucht, als „als Stellvertreter seiner Gruppe“.

8. Sensibilisierung oder katholisches Krisenmanagement?

Obwohl die Berichterstatter Weber und Baumeister für die zwischenzeitlich in den Domspatzen-Einrichtungen eingeführten Präventionsmaßnahmen keine inhaltliche Bewertung abgeben wollten, tun sie genau dies mit einem positiven Ergebnis.

Als Beleg für eine angeblich schon vor 2010 gelungene Sensibilisierung der Verantwortlichen dienten dem Bericht der Umgang mit Vorfällen im Internat aus dem Jahr 2002, als „ein minderjähriger, strafunmündiger Schüler gegenüber gleichaltrigen Mitschülern sexuell gewalttätig“ geworden sein soll. (S. 423) Damals habe das Internat, so der Bericht, eine adäquate Reaktion gezeigt: die Kriminalpolizei sofort ins Haus geholt, die Eltern der Opfer informiert, die Schulpsychologin habe Täter und Opfer betreut und abschließend seien alle Eltern der entsprechenden Jahrgangsstufe informiert worden. Auf Basis dieses Vorfalls seien „in den Folgemonaten und -jahren Handlungspläne bei Missbrauchsverdacht erstellt, Aufklärungsprojekte für die Schüler konzipiert, Verhaltensrichtlinien für Aufsichtspersonal vorgegeben und Präventionskonzepte eingeführt“ worden. (S. 423) Ebenso regelmäßige themenspezifische Fortbildungen für die Mitarbeiter.

Stutzig macht, dass die Berichterstatter nicht einmal erwähnen, dass dieses Konzept hausintern von in die Vorfälle dienstlich verstrickten Personen erarbeitet wurde: namentlich dem Chormanager Christof Hartmann, dem Internatsleiter Rainer Schinko und der Schulpsychologin Gudrun R.

Die Berichterstatter Weber und Baumeister folgen in ihrer diesbezüglichen Darstellung ausschließlich den Angaben und Unterlagen der Internatsleitung der Domspatzen, Gespräche mit den diesbezüglichen Betroffenen und dem tatsächlichen oder vermeintlichen Täter wurden offenbar nicht geführt. Die Zahl der Opfer des strafunmündigen Täters wurde nicht in die Statistik des Berichts aufgenommen.

13jähriger als „Sündenbock“?

Im Bericht wird zudem verschwiegen, dass der als sexueller Gewalttäter bezeichnete Junge, geboren 1988 und seit Herbst 2001 Internatszögling, erst zum „Täter“ abgestempelt und dann der Schule verwiesen wurde, obwohl beteiligte Schüler und Stimmen aus dem Personal von einem freiwilligen, eher spielerischen sexuellen Umgang zwischen den beteiligten Jungen gesprochen haben sollen.

Eine Person aus dem seinerzeitigen Personal des Schulinternats berichtete gegenüber regensburg-digital, dass der damals neue geistliche Internatsleiter Rainer Schinko, der ab September 2001 die laxen Verhältnisse unter seinem Vorgänger, dem Priester Matthias E., auf Linie bringen sollte, vor allem am Ruf seines Hauses interessiert gewesen sei und daran, dass von den Vorfällen ja nichts an die Öffentlichkeit dringe. Da genaue Details nicht vorliegen und der Ablauf auch intern unterschiedlich gesehen und bewertet wurde, muss die Frage offenbleiben, was genau geschah und ob es eine adäquate Reaktion darstellt, einen 13jähriger als Missbrauchstäter gegen mehrere Gleichaltrige einzustufen und ihn dann vom Schulinternat auszuschließen.

Problematisch erscheint hierbei vor allem, dass die Berichterstatter den fraglichen Umgang der Internatsleitung mit einem strafunmündigen Schüler als positives Beispiel herausheben, ohne die zugrundeliegende Sachlage offenzulegen und die Maßnahmen im Einzelnen dargelegt zu haben. Da sexualisierte Gewalt zwischen Schülern explizit nicht zum Auftrag der Studie gehört und ansonsten auch nicht untersucht wurde, scheint es sich bei dieser positiven Bewertung um eine Gefälligkeit gegenüber dem Auftraggeber handeln. Andere Beweggründe oder ein nennenswerter Erkenntnisgewinn für die Studie und seine Leserschaft sind jedenfalls nicht ersichtlich.

Hausverbot und Abmahnung wegen sexualisierter Gewalt?

Weitere Beispiele für einen „Wandel im Umgang mit sexueller Gewalt“ zeigten sich für die Berichterstatter angeblich sehr deutlich bei der Auswertung des Archivmaterials: etwa bei „Entlassungsandrohungen und Elterninformationen bei unnatürlicher Nähe von Domspatzen zu jüngeren oder gleichaltrigen Schülern oder einer vollzogenen Entlassung bei einem übergriffigen Schüler“, oder bei einem Hausverbot für unter anderem ehemalige Domspatzen. (S. 423) Auch diese Beispiele gehören nicht zum eigentlichen Auftrag, der auf Täter innerhalb des Erziehungspersonals begrenzt ist. Ob die Begrifflichkeit „unnatürliche Nähe“ von der Internatsleitung übernommen wurde, oder von den Berichterstattern stammt, konnte nicht geklärt werden – die fragliche Wirkung bleibt die gleiche.

Besonders problematisch ist, dass die Berichterstatter als Beleg für einen angeblichen Wandel im Umgang mit sexuellem Missbrauch die Abmahnung und Kündigungsandrohung eines Mitarbeiters des Musikgymnasiums anführen. Diese seien aufgrund seines Verhaltens im privaten Bereich, sprich nach einem „Verstoß gegen die katholische Glaubens- und Sittenlehre“ ergangen. (S. 424)

Der Bericht deutet diese Androhung als „zielgerichtetes und konsequentes Vorgehen“. Was damit gemeint ist, wird in einer Fußnote angedeutet: „Es handelte sich hierbei um den Betrieb einer privaten Homepage mit sexuellen Inhalten.“ An dieser Stelle stellen sich zwei Fragen: Wenn auf dieser Homepage strafbare Inhalte verbreitet oder konsumiert wurden, warum hat man den besagten Mitarbeiter nicht sofort entlassen? Oder, die gegenteilige Variante: wenn KEIN strafbarer Inhalt verbreitet oder konsumiert wurde, warum haben die Berichterstatter diesen Vorgang überhaupt unter dem Motto „zielgerichtetes und konsequentes Vorgehen“ gegen sexualisierte Gewalt aufgenommen?

Soweit sich der Sachverhalt von außen recherchieren lässt, handelt es sich bei dem besagten Mitarbeiter um den Chorleiter M., der 2006 als 39jähriger plötzlich eines natürlichen Todes gestorbenen ist. M. war selber von 1977 bis 1986 Internatsschüler bei den Domspatzen (nur in Regensburg) und soll sich bereits als solcher zu seiner schwulen Orientierung bekannt haben, wie jemand aus dem kirchlichen Umfeld unserer Redaktion mitteilte. Nach seinem Musikstudium, unter anderem an der Kirchenmusikhochschule bei Roland Büchner, kam er 1992 ans Domgymnasium als Chorleiter zurück.

Soweit bekannt gab und gibt es gegen M. hinsichtlich sexuellen Missbrauchs oder dem Besitz kinderpornographischer Filme keinerlei Beschuldigungen, auch der Bericht von Weber und Baumeister erhebt gegen ihn offensichtlich keine diesbezüglichen Vorwürfe. Die oben erwähnte Homepage dürfte vielmehr zur Kontaktaufnahme im schwulen Umfeld gedient haben. Wer M. bei seinem Arbeitgeber, der Domspatzen-Stiftung, denunzierte, ist unbekannt.

Zusammenfassend ist festzuhalten: M. wurde nach Stand der Dinge wegen seiner sexuellen Orientierung abgemahnt, die Aufnahme in den Abschlussbericht über die Vorfälle von Gewaltausübung bei den Domspatzen ist irreführend und unangebracht – insbesondere die hierbei verteilte positive Bewertung für das Handeln der Internatsleitung.

Wer detailliert in den Abschlussbericht gehört hätte, ist der ehemalige Domspatzen-Schüler und verurteilte Missbrauchstäter Christian F..

9. Der Domspatz Christian F. – ein Regensburger Tabu?

Bewährungsstrafe für Christian F.. Foto: as

Christian F.. Der „Kindergärtner der Domspatzen“ wurde zu zwei Jahren auf Bewährung verurteilt. Foto: Archiv/ as

Das bereits erwähnte Hausverbot für ehemalige Domspatzen bezieht sich, soweit erkenntlich, auch auf den im November 2016 verurteilten Christian F. (S. 423). Dieser wurde nach Geständnissen wegen mehrfachen sexuellen Missbrauchs von Mitschülern, wegen dem Besitz von sogenannten kinderpornographischen Filmen und wegen vorsätzlicher Körperverletzung zu zwei Jahren Bewährungsstrafe verurteilt.

Diese Straftaten waren Zufallsfunde im Zuge der seit 2012 gegen F. laufenden staatsanwaltschaftlichen Ermittlung wegen Verdachts auf Tötung seiner damaligen Verlobten Maria Baumer. In diesem Zusammenhang klagte die Staatsanwaltschaft den approbierten Krankenpfleger F. unter anderem an, weil er eine ehemalige Patientin von ihm verfolgt und sexuell missbraucht haben soll, nachdem er sie mit Medikamenten wehrlos gemacht habe. Darüber hinaus fanden die Ermittler 2013 Filmmaterial mit sexuellen Handlungen zwischen F. und einem ehemaligen Domspatzen-Mitschüler unter 14 Jahren. Ein weiterer von Christian F. missbrauchter „Domspatz“ konnte daraufhin von der Kripo ermittelt werden. 

Soweit bekannt, wurde erst nach dieser staatsanwaltschaftlichen Ermittlungen gegen F. von der Internatsleitung im Jahre 2013 das von den Berichterstattern ausdrücklich positiv gewürdigte Hausverbot ausgesprochen. Zuvor hatte die Internatsleitung gegen Christian F. offenbar nichts unternommen.

Obwohl die Staatsanwältin des Prozesses von 2016 Christian F. als „Kindergärtner der Domspatzen“ bezeichnete, grenzte sie die Causa F. mehrfach ausdrücklich von dem laufenden Aufklärungsprozess des Rechtsanwalts Ulrich Weber ab. 

Weil der Schüler F. nicht zu der zu überprüfenden Gruppe, dem Personal, gehört habe, gehöre er auch nicht zur Domspatzen-Affäre, so die etwas beschränkte Logik.

Der vorliegende Domspatzen-Abschlussbericht setzte sich mit der Causa F. mit der gleichen Begründung, F. sei Schüler und kein Personalmitglied gewesen, genauso wenig auseinander, würdigt aber dennoch das Hausverbot von 2013 gegen F. als „zielgerichtetes und konsequentes Vorgehen“. Ob Christian F. dabei, wie zu erwarten wäre, als homosexueller Täter eingestuft wurde, ist unbekannt. Im öffentlichen Diskurs wird er nicht als solcher bezeichnet, vermutlich weil er zur Tatzeit mit seiner weiblichen Verlobten zusammenlebte und weil wegen deren gewaltsamen Todes gegen ihn ermittelt wird.

Den Kosenamen „Kindergärtner der Domspatzen“ bekam Christian F., weil er sich als Tutor in den Einrichtungen des Domchors außergewöhnlich um die „Kleinen“ gekümmert habe. Zum Zeitpunkt seines Abiturs (Sommer 2004) hatte Christian F. bereits mehrere Neulinge unter den Domspatzenschülern emotional an sich gebunden und – laut Geständnis – einen von ihnen außerhalb der Einrichtungen sexuell missbraucht.

Sein Vorgehen blieb innerhalb der Schülerschaft nicht unbemerkt. In der regensburg-digital vorliegenden Abiturzeitung, Absolvia 2004, konstatiert der Mitschüler „Uli“, dass das Engagement von Christian F. „für die kleinen Domspatzen bemerkenswert“ sei und viele seiner „charakterlichen Vorzüge“ widerspiegle. Selbstlos bringe er, F., einen beträchtlichen Teil seiner „Zeit für das Wohl anderer auf, ohne groß nach einem ‚Wofür‘ zu fragen“.

„Zörni & Joe“ porträtieren Christian F. folgendermaßen: Er sei „wohl der einzige, der es vermag die gesamte Unterstufe beim Namen zu nennen“ und mit den Kleinen sogar kommuniziere. Er sei „stets präsent“ gewesen, „und das auch spät nachts noch, wenn längst alles schlief.“ „Nach einer durchzechten Nacht“ sei er als erster wieder fit gewesen. Offenbar übernachtete der Tutor F. im Internat, obwohl ihm, einem zuhause nächtigenden Stadtschüler, dies gemäß des von Direktor Rainer Schinko erstellen Präventionskonzepts und der gültigen Hausordnung verboten gewesen wäre. In der Folge wurde das Präventionskonzept von 2003 hinsichtlich potentieller, von außen kommenden erwachsenen Täter überarbeitet.

Hätten die Berichterstatter Weber und Baumeister ihren Auftrag nicht so eng sondern dem Thema angemessen etwas weiter gefasst, hätten sie die Handlungen von Christian F. in seiner Funktion als Tutor, als Quasi-Angestellten, durchaus näher untersuchen müssen. Die vergebene Bewertung, die Leitung des Domspatzen-Internats habe in der Causa F. „zielgerichtetes und konsequentes Vorgehen“ gezeigt, wäre dann etwas weniger gefällig ausgefallen und das entsprechende Präventionskonzept bzw. die Herangehensweise wohl mit „mangelhaft“ zu bewerten gewesen.

Weber: „Springe in ein Becken, dessen Tiefe ich nicht kenne“

Über zwei Jahren nachdem Rechtsanwalt Ulrich Weber in ein Becken sprang, dessen Tiefe er nicht kannte, ist er mit einem herausragenden Abschlussbericht aufgetaucht. Auch wenn eine abschließende Einordnung des Berichts von Ulrich Weber und Johannes Baumeister noch nicht möglich ist, dürfte der Bericht einen Meilenstein im noch laufenden Aufklärungs- und Aufarbeitungsprozess darstellen. Seine Bedeutung ist umso höher zu bewerten, da seine diözesanen Auftraggeber mit ihren zeitlichen, örtlichen und personellen Einschränkungen bezogen auf die Domspatzen-Einrichtungen offenbar keine umfassende Aufklärung angestrebt, sondern eher einen Befreiungsschlag und wohl eine taktische Befriedung der öffentlich aufgetretenen Betroffenen angestrebt haben. Die Aufklärung aller, teils intern längst bekannter, sexuellen Übergriffe bzw. die quantitative Ermittlung von allen sexuell missbrauchten Domspatzen wurde per Auftragsbeschränkung nicht ermöglicht, sondern bewusst vermieden. Ebenso durch den fehlenden Zugang zum bischöflichen Geheimarchiv. Vor allem mit diesen Einschränkungen setzten die Auftragsgeber Rechtsanwalt Weber bewusst in eine Zwickmühle, die Spuren hinterlassen hat.

An hier besprochenen Beispielen und Aspekten sollte deutlich werden, dass die Berichterstatter teilweise zur Gefälligkeit oder zumindest unkritischen Übernahme von Darstellungen ihrer Auftraggeber neigten. Deutlich wurde zudem, dass alle Präventionskonzepte der Domspatzen und ihre auf Vertuschung basierende öffentliche Anpreisung überprüft gehören und, dass dies nicht ohne Beauftragung externer Fachleute und die offene Kommunikation aller relevanten Hintergründe möglich ist.

Der Bericht von Ulrich Weber und Johannes Baumeister hätte jedenfalls das Potential für eine grundsätzliche Hinterfragung der bisherigen Konzepte und beschönigenden Sprachregelungen, die bis in diese Tage aus der Institution der Domspatzen und aus dem bischöflichen Ordinariat zu hören sind. Es liegt an den jeweils Verantwortlichen es zu nutzen.

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Kommentare (49)

  • R.G.

    |

    Nicht mehr 29, erinnere ich mich gut an die Atmosphäre der 80er Jahre: So frei, so offen, spricht man heute über Sexualität in ihren wohltuenden und schädlichen Formen nicht mehr.

    Die Gefahr von Kindesmissbrauch wurde damals in Gesprächen von den Eltern zu den Verantwortungsträgern (wovon ich einer war) laufend thematisiert, aber man versicherte seitens der Amtskirche, sich des Problems bewusst zu sein und Maßnahmen getroffen zu haben, dass derlei nie wieder vorkommen könne.

    Wir wissen heute, was ich damals schon befürchtete und anhand von Indizien beobachtet zu haben glaubte, die Achtziger waren weiter Hochzeit für Täter, sie wurden, bis auf ganz rare Ausnahmefälle, weder an Widerlichem gehindert, noch nach Übergriffen angezeigt.

    Wer seine Sorgen – so wie ich – im beruflichen Umkreis offen äußerte, hatte empfindliche berufliche und private Nachteile.

    Ich höre wie heute wieder, mit der gleichen verdächtig drüberwischenden Art behauptet wird, dass etwas wie Kindesmissbrauch durch kirchliches Personal nicht wieder vorkommen könne, man habe perfekte Präventionsmaßnahmen geschaffen…und dann erzählt man wie ehemals Alibigeschichten, so in Ihren Beispiel, von einem Dreizehnjährigen, den man wegen etwas Schlimmem erwischt habe.

    Wer auf diese in meinen Augen betont kindische und hoch unfaire Art, auf eine, die die kindlichen Heranwachsenden (einer davon 13) als eigentliche und gefährliche Täter stigmatisiert, über Prävention spricht, hat noch nicht einmal begonnen, sich aus einer erwachsenen Verantwortung mit dem Thema „MIssbrauch durch Priester, Lehrer oder Erzieher an KIndern“ zu beschäftigen.

    Vorgesetzte haben verdammt noch mal Vorsorge zu tragen, dass männliche und weibliche Täter mit vorübergehendem oder ausschließlichem Interesse an Kindern als Sexualpartner, und Sadisten mit Freude an der Beschädigung des kindlichen Körpers wissen: Das ist in der Kirche gesellschaftlich nicht mehr geduldet und wird nicht mehr entschuldigt!

    Gleichzeitig soll eine Stimmung der Offenheit erzeugt werden, damit Opfer nur ja lange darüber sprechen dürfen (wenn sie denn möchten), was sie durch die Übergriffe im Augenblick damals, und langfristig und andauernd an Lebensqualität einbüßten. Es wird eben nicht nur der Körper geschädigt, wenn man Kindern sexuell Unrecht antut.

    Auch die EMPATHIE mit Opfern muss GELEHRT werden. Von der Kirche, die vorher KIndern über Jahrzehnte beibringen ließ, sich nicht schützend vor Mitschüler oder Internatskollegen stellen zu dürfen.

    Statt diesen offenen und wertenden, somit Normen stärkenden Umgang mit dem Problem zu pflegen, geht man sichtlich konsequent in ein neues Zeitalter der Prüderie, des informellen Redeverbots , und des Rumgealbers.

    Die von MIssbrauch betroffenen Kinder von damals sehe ich, passend zu der mich befremdenden Grundhaltung, seitens der kirchlichen Sprecher eigentlich nur dargestellt als:
    monetäres Problem
    einer teuren Therapie Bedürftige
    noch immer nicht zur Heilung Bereite

    Jetzt sage mir ein Mensch: Was hat man dann eigentlich seit den Achzigern dazugelernt?

  • Nocheinüberlebender

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    @R.G „…was ich damals schon befürchtete und anhand von Indizien beobachtet zu haben glaubte, die Achtziger waren weiter Hochzeit für Täter…“ Ich war damals auch Verantwortlicher und ich kann mich sehr gut an Gespräche in der Supervision und mit der Leitung erinnern, in denen ich immer und immer wieder versuchte, das Thema anzusprechen und ich regelmäßig abgeblockt wurde!
    „Statt diesen offenen und wertenden, somit Normen stärkenden Umgang mit dem Problem zu pflegen, geht man sichtlich konsequent in ein neues Zeitalter der Prüderie, des informellen Redeverbots , und des Rumgealbers…“ Das sehe ich genauso. Prüderie muss weg und ein aktiver Kinderschutz her. Warum tut sich Julia von Weiler so schwer, den Kinderschutz politisch durchzusetzen? Innocence in Danger bemüht sich jahrelang darum und kommt nur in ganz kleinen Schritten vorwärts?

  • Angelika Oetken

    |

    Kinderschutz ist eine Haltung. Wer sie hat, benötigt gar kein Präventionskonzept mehr. Wer sie nicht hat, aber trotzdem Schutzkonzepte vorhält, betrügt. In erster Linie sich selbst.

    Zur Frage der für jedermann offenen Türen zum Domspatzeninternat empfehle ich diesen Film https://www.youtube.com/watch?v=K-3-HMvcAVA

    Immer wieder sehenswert. Ich hoffe, es geht denen, die an seiner Produktion beteiligt waren gut.

  • Ungläubige Thomas

    |

    Krass!
    Ich fasse die Sachlage, so wie ich sie verstanden habe, mal frei als Plot zusammen, ohne den wesentlichen Verlauf zu verfälschen:

    Ein musikbegabter Junge wird vom Pfarrer aus dem Stiftland nach Regensburg ins Knabenseminar Obermünster- geschickt. Der Zögling wird wie gewünscht Priester und aus welchen Gründen auch immer, irgendwann vor der Nazizeit, Domkapellmeister und Leiter eines katholischen Sänger-Internats –der T. Schrems wird also Domspatzen-Cheef, eine Erfolgsgeschichte? Dem Führer des 12-jährigen-Reichs- A.H. biedert Schrems sich auf allen Ebenen an, verkauft seine Spatzen an ihn und sein Naziregime, kommt dadurch zu Geld und Ruhm und zu einem Professortitel. Die verkauften Spatzen vergöttern ihren Prof. Schrems dafür, auch die nachfolgenden Sänger-Generationen, manche bis heute.

    Für den Betrieb des Domspatzen-Internats holt Schrems sich andere ehemalige Obermünster-Zöglinge, die auch Priester wurden, in sein Haus, lässt sie Domspatzen missbrauchen und befördert manche von ihnen trotzdem (oder deswegen?) sogar zu Direktoren. Sogar einen Nachfolger für den Cheef-Posten findet er so. Über 50 Jahre nach dem Tod von Schrems findet der Rechtsanwalt W. heraus, dass auf diesem Weg fünf oder sechs zu Domspatzen-Direktoren und zu Tätern wurden. Das kann W. aber nicht in seinen Bericht schreiben, weil ihm das kein Schwein glauben möchte, am allerwenigsten sein Auftraggeber, der Bischof und der aktuelle Internatsleiter S., ein Spätberufener Priester aus dem Stiftland.

    S. steht bei seinem Amtsantritt 2001 unter Druck, weil er es besser machen hätte wollen als seine Vor-, Vor-vor-, Vor-vor-vor-, Vor-vor-vor-vor- usw…. –Gänger. Da sein direkter Vorgänger, der Internatsleiter E. mit den Zöglingen gesoffen hatte, wurde er ins Priesterseminar befördert. S. musste deshalb endlich Ordnung ins Haus bringen. Zum Amtsantritt führte S. Alkoholtests ein und legt Wert auf die katholische Sitten- und Glaubenslehre. Das heißt, er verfolgt seine (vor-)pubertären Jungs wegen ihren körperlichen Intimbeziehungen, macht einen von ihnen zum 13jährigen Missbrauchstäter und schmeißt ihn aus dem Haus. Den Erwachsenen Schüler F. hingegen lässt der Internatsleiter S. als „Kindergärtner“ und Tutor tätig werden, was hier heißt, der „Kindergärtner“ sucht sich seine Missbrauchsopfer nach Belieben aus und nimmt sie dann mit nach Hause.

    Ein paar Jahre später, wir schreiben das Jahr 2010, melden sich Ehemalige, teils alte und gezeichnete Herren zu Wort und berichten von den Gewaltexzessen unter dem Gründungshelden Schrems und vom sexuellen Missbrauch durch Personal und andere Schüler. Der aktuelle Internatsleiter S. reagiert auf diese Vorwürfe, wie seine Vorgänger: das stimmt doch gar nicht! Ihr seid doch alles Kirchenfeinde! Dann: Jedenfalls stimmt es nicht mehr und jetzt ist alles anders! Wir haben ein, nein wir sind ein leibhaftiges PRÄVENTIONSKONZEPT! Dann muss er zugeben, dass da schon etwas war: alte Einzelfälle, die verurteilt worden waren und längst verstorben sind. Also basta.

    Da die Sache sich nicht beruhigen und aussitzen lässt, trotz fünf Jahre intensivster Bemühungen, lenkt auch Internatsleiter S. ein und der Bischof, mit dem er in den Öffentlichkeit auch mal schäkert, beauftragt 2015 den Rechtsanwalt W. mit der Aufklärung. Dem W. kann und darf man freilich nicht Alles sagen, denn es soll ja auch nicht Alles ans Licht kommen. Bei der katholischen Aufklärung, da muss immer ein bisschen im Vorborgenen bleiben, sonst ist´s ja auch nicht mehr katholisch. Also Auftrag an W. – schaumer-mal wie weit er kommt, ob der RA das mit dem 13jährigen zum Missbrauchstäter-Machen und dem Domspatzen-„Kindergärtner“ überhaupt herausfindet. Für den Fall, dass er darauf kommt, muss natürlich Vorsorge getroffen sein. Sprich in den Auftrag an den Rechtsanwalt W. müssen entsprechende Grenzen und Einschränkungen geschrieben werden. Es soll ja nicht alles rauskommen, vor allem darf die schöne Fassade des quasi-leibgewordenen Präventionskonzepts keinesfalls darunter leiden.
    Kaum zu glauben, aber nicht erfunden.

    Kommissar Schneehuhn, ermitteln Sie bitte die Hintergründe!

  • Ernst Seler

    |

    Die Aussage des Films SUPERGEIL bleibt irgendwie nebulos. Netter Mann tanzt sich durch die Räumlichkeiten. Da würde Jeder gerne dabeisein. Auffallend die fast schüchternen kleinen Jungs auf ihren Stuhlreihen, der alte Mann am Klavier dem wirklich nichts Böses anhaftet, eine Heile Welt, richtig sympathisch die Katholische Kirche. Der Beginn mit dem Hosenstall ist eine positive Werbemaßnahme, alle Berufsgruppen spielen mit, zur Befriedigung des schwarzgekleideten Herrn, dem Priester, tatsächlich SUPERGEIL, ein Wohlfühlprogramm, ist doch nicht so schlimm?!

    Kontrastprogramm durch Christian Eckl in Welt:

    „Und erlöse uns von den Priestern“

    „Schläge, Missbrauch, Sadismus: Der Domspatzen-Skandal hat größere Ausmaße als bekannt. Ein Bericht zählt 547 Opfer“

    https://www.welt.de/print/welt_kompakt/vermischtes/article166783132/Und-erloese-uns-von-den-Priestern.html

    Die kleinen Jungs auf den Stuhlreihen in dem Film wirken irgendwie verschüchtert. Ist es die strenge Pädagogik, die Anwesenheit des Filmteams. Sie wirken wie unnatürlich, gar nicht Jungs aus der Gegenwart. Ist das gestellt?! Wirkt so, als gehe es bei den Kleinen noch sehr streng zu. Die Älteren werden sich schon durchwursteln, wenn sie nicht durch supergeiles Anfassen im Hosenstall…. .

    Jetzt erst erfasse ich, warum auch ein offizieller Kirchenvertreter aus Regensburg meinen Vergleich eines Kruzifixes mit einem „Geschlechtsorgan“ (schrieb die Staatsanwaltschaft) als Anlaß nahm, eine Strafanzeige zu stellen. Aber so wie bei der Demonstration das rießige Kruzifix in Miesbach („Kruzifixdemonstration“) vorneweg zwischen den Beinen hing, baumelte, das passt zur Bewegung des „Hosenstalls“ am Anfang von SUPERGEIL.

  • Coffin Corner

    |

    Da ja auch schon geäussert wurde, wie „zufrieden“ Herr Probst doch mit den erreichten Fortschritten sei: Die Herren Probst, Schmitt etc. haben klar gesagt, daß die ganze Angelegenheit schon 2010 mit einem angemessenen Gespräch zzgl. Entschuldigung der damaligen Bistumsleitung hätte beendet werden können.
    Also hat man 7 Jahre die Opfer gequält, die Kirche beschädigt, die Domspatzen beschädigt, Gläubige vertrieben und Unmengen an Geld vergeudet: für rein gar nichts.
    Nur für die Rechthaberei, den Dickschädel und den Klerikalismus einiger weniger Herren, wovon einer mittlerweile vom Papst nicht mehr beschäftigt wird und der sich nun in seinem ehemaligen Bistum wieder umtut. Und dessen „10 jähriges segensreiches Wirken“ mit Festgottesdiensten begangen wird.

    Wer übernimmt eigentlich dafür die Verantwortung resp. wird dafür zur Verantwortung gezogen ?

  • Angelika Oetken

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    Was den Fall des Christian F. angeht, lohnt es sich, die Berichterstattung um den Prozess zu lesen. Das, was auf dem Rechner dieses Mannes gefunden wurde, lässt erahnen, in welcher Dimension F. in seiner Persönlichkeit beschädigt ist. Und welche Gefahr der von seinen Mitschülern als „Kindergärtner“ bezeichnete junge Mann für die Schüler der Unterstufe darstellte
    http://www.regensburg-digital.de/teilgestaendnis-plus-9-000-euro-bewaehrungsstrafe/21112016/

    Interessant, dass das Wochenblatt schon vor dem Prozessbeginn eine Kernfrage anführte
    „Dem Vernehmen nach wird es beim Prozess auch darum gehen, ob bei den Domspatzen ein sexuell aufgeheiztes Klima herrschte, in dem die älteren Schüler die Jüngeren verführten.“
    http://www.wochenblatt.de/nachrichten/regensburg/regionales/Baumers-Ex-Verlobter-vor-Gericht-Sexuell-aufgeladene-Stimmung-bei-Domspatzen-oder-Missbrauch-;art1172,404416

    Bei sexuellem Missbrauch durch ältere Peers handelt es sich zwar um etwas ganz anderes als die normalen sexuellen Experimente unter gleichaltrigen Minderjährigen. Aber angesichts dessen, was allein über die Veröffentlichungen schon über heraus kam, sollte man der Frage nachgehen, inwieweit es bei den Regensburger Domspatzen eine Kultur der frühen Sexualisierung gibt. Von der natürlich längst nicht alle Schüler geprägt sein müssen. Die aber entscheidend dazu beitragen könnte, dass sich erstaunlich wenig Männer bei Herrn Weber gemeldet haben, die sich als Opfer von Missbrauch zu erkennen gaben. Für missbrauchte Männer wiegt das Tabu, sich zu offenbaren schwerer als für weibliche Betroffene. Gemäß den gängigen Klischees kommen männliche Opfer schnell in den Ruch homo- oder bisexuell zu sein bzw. selbst Missbrauchstaten zu begehen. Gerade Letzteres führt in unserer Gesellschaft zum sofortigen Ausschluss.

  • Robert Werner

    |

    @ Coffin Corner bei Schmitt und Probst liegen sie falsch, bitte nicht alles zu einem wüsten Brei verrühren.

    Die „Zufrieden“-Aussagen von Schmitt und Probst bezogen sich auf die Ergebnisse des Aufarbeitungsgremiums von Oktober 2016 (finanz. Anerkennung, zwei Studien, MIM).

    Der Text, „dass die ganze Angelegenheit schon 2010 mit einem angemessenen Gespräch zzgl. Entschuldigung der damaligen Bistumsleitung hätte beendet werden können“, bezog m.E. sich nur auf die Auseinandersetzung mit Bischof GL Müller. Schmitt und Probst haben m.W. immer Aufklärung und Aufarbeitung als Ziele verfolgt. Wie die teils vorliegenden Ergebnisse einzuschätzen sind, darüber kann man geteilter Meinung sein.

  • Angelika Oetken

    |

    @Ernst Seler,

    versetzen Sie sich bitte mal in die Zeit zurück, als sie so alt waren wie die Jungen, die die Domspatzeneinrichtungen besuchen: wie hätten Ihre Mitschüler und Sie auf solche Zustände und Behandlung reagiert? Unter diesem Gesichtspunkt sollte man sich den Film „Supergeil“ ansehen. Hinter mit sexuellen Anzüglichkeiten garniertem provokativem Gehabe steckt tiefe Verunsicherung. Nicht zuletzt, was die eigene sexuelle Identität und Kompetenz angeht. Egal ob es sich um einen Teenager handelt oder um einen schlecht frisierten 70jährigen. So betrachtet werte ich den Supergeil-Film als weiteren Appell von Domspatzen-Insassen an die Öffentlichkeit, diese Einrichtung mal näher unter die Lupe zu nehmen.

    VG
    Angelika Oetken

  • Ernst Seler

    |

    Der Kommentar von „Ungläubige Thomas“ erhellt die Situation hinter den Kulissen. Es war dem Anwalt Weber ins Gesicht geschrieben, er weiß viel, viel mehr, als in dem Abschlußbericht steht. Der Generalvikar Fuchs strahlte bei der Veröffentlichung des Abschlußberichtes die Angst und das Wissen über viel „mehr“, was unter der Bettdecke köchelt. Mir waren die Zusammenhänge mit dem Dritten Reich noch nicht bekannt. Ist auch hart. Will nicht esoterisch werden, aber meine Schwiegermutter mußte einst als kleines Mädchen Hitler in Nürnberg einen Blumenstrauß überreichen. Sicher strich er mit seiner Hand über das Haupt, oder tätschelte das Gesicht. Das „Böse“ als wesenhaftes Wirken zu durchschauen, es gelingt schon der Katholischen Kirche, doch benutzt sie auch das Böse, um die Menschen nach ihren Vorstellungen zu prägen. Ich wußte wirklich nicht, welche Anspielung „SUPERGEIL!“ mit sich bringt, in welche Richtung der Film in seiner Wirkung gehen soll, bewußt, oder unbewußt. – 1995 reiste eine ältere Psychologin extra von München zu uns, sie wollte unbedingt mit Gast bei Biolek sein (war es nicht). Von ihr erfuhr ich doch sehr Merkwürdiges, das mir nicht bekannt war: es gibt Frauen, welche ein kleines Kruzifix an ihr Geschlechtsteil befestigen, als Liebkosung und Kasteiung zugleich… …aber hoppla, vielleicht liest die Staatsanwaltschaft mit. Der Kommentator „Ungläubige Thomas“ kündet mit seinem Text an, es ist viel, viel, viel Schlimmer, als der Abschlußbericht aufdeckt… …wer aber wissen will, wie schlimm es ist, der erblicke das Gesicht des Generalvikars Herrn Fuchs.. …es ist, als öffnen sich die Geheimarchive des Bistum Regensburg…. . Herr Fuchs ist selbst entsetzt, über seine Kirche, über den Abgrund der Hölle.

    Danke für den Hinweis auf „Schneehuhn“, kannte das Projekt noch nicht. Die Arbeit des Anwaltes Weber, der Film, alles entblättert sich zu einem Mysterium. Es wäre die Frage, wer kriegt die künstlerische Verbindung zu Wolbergs, Staatsanwaltschaft, Bayerische Staatsregierung, als wissende Zentrale und am Ende der merkwürdige Tod des Superstars Franz Joseph Strauß in Regensburg, als er mit dem Fürsten der zwei Herzen auf die Treibjagd gehen will, jämmerlich verreckt, bei den Barmherzigen Brüdern, vom Oktoberfest, dem heiligen Mysterium der Bayern kommend, das Gewehr in der Hand….. . Da bleibt nur: „Shit happens“ während im Hintergrund, Untergrund… …ein Vulkan erwacht.
    Kommissar „Schneehuhn“ lässt grüßen.

  • Angelika Oetken

    |

    Im Austausch mit Opfern der Katholischen Kirche fiel mir auf, dass angesichts der 400 000 katholischen Priester, von denen 14 000 in Deutschland leben, erstaunlich wenige Kleriker sich als von sexueller Gewalt betroffen zu erkennen gegeben haben. Ich weiß nur vom Eifeler Pfarrer Bruno Ix, der als Kind missbraucht wurde und dem australischen Bischof Vincent Long Van Nguyen, der als junger Mann einem Priester zum Opfer fiel.

    Aufgrund der typischen Lebenswege von Priestern der Katholischen Kirche sollte man von einer eher überdurchschnittlichen Opferrate unter ihnen ausgehen. Folglich muss die Energie, die Kleriker insgesamt aufwenden, um diesen Umstand vor sich, ihresgleichen und der Öffentlichkeit zu vertuschen und zu verleugnen, überdurchschnittlich sein. Vielleicht trägt genau dieser Umstand zu der Verunsicherung bei, die wir gerade aktuell bei den Verantwortlichen und Beauftragten der Katholischen Kirche beobachten können.

  • Ernst Seler

    |

    @Angelika Oetken

    Danke für Ihre Hinweise.
    Natürlich ist es seltsam, die Räumlichkeiten im Film zu „erleben“. Als Aufforderung für Erwachsene, Verantwortliche müsste der Film anders aufgezogen werden. Etwas schräg könnte der Film auch als musikalisch versüsste Verführung gesehen werden. Also Ziel, Aussage und Wirkung gehen bei diesem Film ihre eigenen Wege.

    In Ihrem anderen Beitrag sind Sie auf den Fall Baumgartner eingegangen. Hatte damals die Hintergründe nicht gekannt, merkwürdig hier in Schwandorf das Schicksal der jungen Frau erlebt, der merkwürdige Auftritt des später Beschuldigten bei „stern“, der merkwürdige (angebl.) Anruf der Vermissten mit der Auszeit…. …erfahre nun erstmals von dem Schicksal des „Täters“ im BKH usw.. Das sind wahrhafte Schicksalsdramen wo viele „Schuldige“ neben sich stehen, der Faden hin von Schuld zu Schuld sich spinnt, es bedarf eines viel tiefer Blickenden. Durch Ihren Hinweis erfahre ich von der damaligen Abhöraktion mit Christian Eckl, dem wochenblatt. Natürlich ahnte die Staatsanwaltschaft, da könnte mehr hinter dem Beschuldigten stecken, den kriegen wir, wir erforschen sein ganzes Leben. Ich gehe davon aus, die Staatsanwaltschaft hat viel früher, schon lange von den Verdachtsmomenten bei den Domspatzen „gehört“. Damals wirk-t-en Staat und Kirche noch fest miteinander. – Wer auf anderen Plattformen vom Schicksal der Domspatzen erfährt, der kommt einfach nicht herum, die Katholische Kirche muß endlich das Individuum anerkennen, Papst Franziskus versucht dies auf seine Weise. Obwohl ich selbst kein Katholik bin, habe ich mich intensiv mit dem Kultus verbunden. Das „Licht“ erscheint während der „Wandlung“, doch zieht es nicht mehr in den Kelch ein. Die Menschen gehen genauso betrübt vom Altar, wie sie hingegangen sind. Der Priester Herr Denk sprach mich nach der Wahrnehmung dieses inneren Geschehens am Altar an – hatte mit ihm vereinabart, darf seine Gottesdienste besuchen: „wir arbeiten mit denselben Kräften“. Da ich stets als Letzter die Kirche verließ, hatte er mich extra abgepasst. Durch die erschütternde Wahrnehmung, der Ritus funktioniert nicht mehr, konnte ich Herrn Denk nicht antworten, um herauszufinden, warum seine Worte. Jedenfalls weiß ich nicht, ob er meine Anfrage an Bischof Gerhard Müller weiterleitete. Ich war damals bereit, sogar in die Katholische Kirche einzutreten, Bedingung jedoch war ein Geistiger Lehrer, da es spirituelle Wahrnehmungen gibt.
    (Es sieht alles Besser aus als es scheint)

  • eingeborener

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    Wie immer gut recherchiert, aber viel viel zu lang, um es zu Ende zu lesen
    Warum nicht in mehreren Teilen veröffentlicht, dann lesen es mehr Menschen?

  • R.G.

    |

    @Ernst Seler
    Sie sind ein lebendiges Beispiel dafür, was Anthroposophie mit und aus einem Menschen macht.

    Eine Freundin wie Ihre Psychologin, die beim Kaffee von Kreuzlein auf katholischen Geschlechtsteilen phantasiert, würde ich augenblicklich auffordern, sich entweder zu entschuldigen und ab sofort normal zu äußern, oder das Haus zu verlassen.

    Denn wenn ich eines nicht leiden kann, dann ist das diese bei Anthroposophen übliche Schlechtmacherei anderer Weltanschauungen mittels sexuellen, widerlichen oder unappetitlichen Anschuldigungen. Möglichst beim Kaffee.

    Nicht alles, was in esoterisierten Köpfen weht, hat ein Mysterium, manches ist schlicht ein auf Unfairness gegenüber Katholiken aufbauender Versuch, etwas mehr Erotik in den verkopften Alltag der längst volljährigen Steiner-Diener zu bringen.

    Wie auch immer, man sollte hier nicht irgendwann erlebte frivole Gespräche von Erwachsenen unter Erwachsenen anführen, das ist nämlich ein Blog mit einem Kapitel über konkreten Kindermissbrauch.

    Demnach sollte es kein Ort zum Assoziieren und Plaudern über frivole Gespräche von Erwachsenen mit Erwachsenen sein.

  • Robert Werner

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    @Eingeborener. Ja, der Text ist sehr lang, zum einfach so mal nebenbei Lesen zu lang, stimmt. Eine Zweiteilung haben wir überlegt aber verworfen. Warum nicht morgen fertiglesen? Schönes WE

  • Angelika Oetken

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    Zur Länge des Textes: die ganze Angelegenheit ist so komplex, dass sie sich nur einigermaßen erschließt, wenn man sie in Gänze darstellt. Mir gefällt an Herrn Werners Artikel, dass er die wesentlichsten Punkte klar benennt und übersichtlich auflistet.

    @Ungläubige Thomas: auf „Schneehuhn ermittelt“ bin ich jetzt schon gespannt. Schon im Teaser gab es ja gewisse Wiedererkennungseffekte ;-)

    @Ernst Seler: dafür, wie Maria Baumer zu Tode kam, gibt es mehrere gleichermaßen plausible Erklärungen. Die Funktion des Umfeldes der toten jungen Frau und das von Christian F., den Mannes, mit dem sie verlobt war und den sie, glaubt man den Berichten, einige Zeit nach ihrem Verschwinden hätte heiraten wollen, machen die Ermittlungen für die Behörden nicht einfacher. Es gibt im Netz die Homepage eines Hobbyermittlerteams, das viele wichtige Informationen und Thesen zusammen getragen hat. Die MZ hat dem Fall Baumer ein Schwerpunktthema. Abgesehen davon, dass es immer schrecklich ist, wenn ein junger Mensch zu Tode kommt und man davon ausgehen muss, dass er einem Gewaltverbrechen zum Opfer fiel, wäre ohne die Ermittlungen der Polizei wohl bis heute ein wesentlicher Aspekt der Missbrauchskriminalität an den Domspatzeneinrichtungen nicht offenbar geworden. Und die Bevölkerung hätte darüber weiterhin höchstens hinter vorgehaltener Hand gesprochen. Für Eltern, die sich bis zum Bekanntwerden der Geschichte um den „Domspatzenkindergärtner“ noch mit dem Gedanken trugen, ihren Sohn an dieser Einrichtung anzumelden, hätte es dann eine wichtige Entscheidungsgrundlage weniger gegeben. Wie ich hörte, besuchen aktuell vor allem Kinder aus Familien, die dem Alumnikreis eng verbunden sind das Internat und die Schule. Da sich in solchen Fällen Kinderschutzaspekte und Eigeninteressen der verantwortlichen Erwachsenen zuwider laufen können, hoffe ich im Sinne des Kindeswohls, dass die Behörden diesen Einrichtungen die angesichts der besonderen Umstände nötige Aufmerksamkeit schenken. Ersatzschulen wie es die Domspatzenschulen sind, benötigen eine Betriebserlaubnis durch die zuständige Landesbehörde http://www.gesetze-bayern.de/Content/Document/BayEUG-92 Diese führt auch die Aufsicht aus.

    VG
    Angelika Oetken

  • Ernst Seler

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    @R.G

    Ihre ersten Worte, erster Beitrag:

    „Nicht mehr 29, erinnere ich mich gut an die Atmosphäre der 80er Jahre: So frei, so offen, spricht man heute über Sexualität in ihren wohltuenden und schädlichen Formen nicht mehr“

    Sie schreiben an meine Person:

    „Eine Freundin wie Ihre Psychologin, die beim Kaffee von Kreuzlein auf katholischen Geschlechtsteilen phantasiert, würde ich augenblicklich auffordern, sich entweder zu entschuldigen und ab sofort normal zu äußern, oder das Haus zu verlassen.“

    Es war eine sehr alte Dame, eine Psychoanalytikerin. Sie kam extra aus München, in Begleitung eines Herrn, beide mir nicht bekannt, keine Anthroposophin.. Es gab weder Kaffee noch Kuchen, Ob sie „katholische Geschlechtsteile“ meinte, weiß ich nicht, oder Sie – im Sinne Ihrer ersten Zeilen, erster Beitrag, „beschlagnahmen“ mit dem unschuldigen kleinen Kruzifix gleich das Geschlechtsteil an sich, als „katholisch“.

    Im Ernste, persönlich würde das Gespräch sicherlich lebendig werden, so wie während der zwei Live-Gespräche im Morgenmagazin 1995, als unvermutet mir Prof. Hengsbach, katholischer Sozialethiker vorgesetzt wurde. Wir haben uns sehr gut verstanden. Auch als der katholische Priester mich 1989 im psychiatrischen Gefängnis besuchte, fand ein gutes Gespräch statt, das der Priester mit den Worten „schade“ beendete. Vieles kann sich nur in lebendiger Begegnung entwickeln. Vielleicht haben beide versagt, die Katholische Kirche und meine Person. Aber verschiedene Gespräche mit dem Ortspriester Herrn Denk zeigen, es gibt doch eine gewisse Vernunft, erkennend, die leider erst dann zum Vorschein kommt, wenn das Kind in den Brunnen gefallen ist. Bischof Gerhard Müller (Vorgänger von Ludwig Müller) hat einmal nachher süffissant im Fernsehen gesprochen: ja für die Seelers hätten wir schon ein buntes Kreuz gefunden. Es ist wie bei den Domspatzen. Nachher lässt sich leicht reden, der Konflikt hätte nicht eskalieren müssen, wie die Anwürfe an Herrn Propst dem nun von manchem Katholiken nur Mediengeilheit vorgeworfen wird. Sie kennen mich nicht persönlich. Ich hatte einige Zeit mail-Kontakt mit Franz Xaver Schmid von Regensburg. Fragte ihn, ob er den Text „Die Weihnachtstagung Rudolf Steiners im Lichte der Gegenwart“ lesen will. Habe sie ihm zugeschickt. Von ihm erfuhr ich, er habe das Gesamtwerk Rudolf Steiners als Erbschaft von einer Regensburger Anthroposophin erhalten. Ich schrieb ihm damals, ich würde gerne den alten Ritus innerlich miterleben, vielleicht funktioniert die „Wandlung“ noch. Es kam nicht dazu. Einen der tiefsten Bewußtseinsmomente erlebte ich in einer Krypta in Regensburg. Kam verspätet, die Plätze fast alle belegt. Da sprach mich Jemand von hinten an, solle mich bitte woanders hin setzen. Es war nur ein alter Steinsitz vorhanden. Setzte mich. Ein flüchtiger Bekannter flüsterte, „der Sitz des Albertus Magnus“. Dies versetzte mich in tiefere Meditation. Der Priester am Altar später in der Predigt…. Gerade heute öffneten sich die Tore des Himmels.
    Dazu muß man wissen, in der Anthroposophie wird in einem Buch von Jelle van der Meulen dargestellt, wie Albertus Magnus der Lehrer von Thomas v. Aquin war. Es handelt sich um wissenschaftliche Fakten. In der anthroposophischen Literatur „inkarniert“ Albertus Magnus in einer Russin, der späteren Marie Steiner. Thomas v. Aquin inkarniert in der Person, die Rudolf Steiner wird. Rudolf Steiner hatte Bezugspunkte gerade auch zu Regensburg, deren dumpfe Aura er beschreibt, da die Menschen ganz in der Gefangenschaft der Priesterschaft leben.

    Insofern sind Ihre Eingangsworte als allgemeine Feststellung der möglichen freien Rede geradezu der Teppich, auf dem sich furchtbar-fruchtbare „Gespräche“ entwickeln können.
    Vielleicht haben Sie ja zu meiner Person recherchiert. Focus berichtet, ich hätte an dem Kruzifix eines Nachbarn gerüttelt. Das ist eine frei erfundene Geschichte, um zu stigmatisieren. Man/frau muß bei gedruckten Texten immer vorsichtig sein. Da Franz Joseph Strauß -laut Aussage eines Beamten an uns als Ehepaar- in die Wegnahme unserer Kinder eingewilligt hatte (der Beamte erzählte dies uns just in der Todesstunde von F.J.S. im Landratsamt Schwandorf) kann das ganze Geschehen in und um Regensburg auch als ein besonderes Lebensdrama betrachtet werden.
    „Anthropsophie“ hat mir innere Gewissheit gegeben. Die spirituelle Kraft kommt aus dem Vorgeburtlichen. Verdanke vielen Menschen meine Freiheit.
    Wenn Sie den angegebenen Text lesen, dann erfahren Sie von Zeugen, welche berichten, Rudolf Steiner sah die „Weihnachtstagung“ als „zerschellt“, gescheitert an. Den Anthroposophen Herrn Jakob Streit, traf ich persönlich in Regensburg. Vielleicht hat es etwas ganz Positives, wenn das Drama mit den Domspatzen so offenbar wurde. Ein kirchlich-gesellschaftliches Drama. Nun ein politisch-gesellschaftliches Drama. Es regt fast an, falls es zum Prozeß kommt, als Zeuge anwesend zu sein, denn was Medien berichten, das muß nicht die Wahrheit sein, oft die halbe, oder gar die Lüge wie in Focus. Es wurde nicht recherchiert.

  • R.B.

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    Der Münchner Merkur schreibt heute:
    Domspatzenbericht entlastet Papstbruder
    https://www.merkur.de/welt/interview-domspatzen-bericht-entlastet-papst-bruder-georg-ratzinger-zr-8569733.html

    Der ehemalige Domkapellmeister Georg Ratzinger war lange Jahre im Kuratorium der Domspatzen -Stiftungen vertreten. Er hatte deshalb auch von allen Domspatzeneltern das Vertrauen und auch die Aufgabe sich um das Kindswohl eben aller Domspatzen ( von Etterzhausen/Pielenhoten und Regensburg ) zu kümmern.
    Anscheinend geht es bis heute nur um den Fortbestand des Domspatzenchores. Schon damals Ende der 60er Jahre hat man aus dem damaligen dortigen Etterzhausener Spielzimner eine zweite vierte Klasse aus dem Boden gestampft, nur um noch mehr Knabenstimmen für den Regensburger Chor heranzuzüchten!

  • R.G.

    |

    @Ernst Seler

    Gehe ich richtig in der Annahme, dass Sie der fröhlichen Plauderei über eine frivole Kaffeezene aus Ihrem Leben, jetzt noch ein egozentrisches Anekdötchen draufsetzten?

    In ihrem lässigen Satz:

    „vielleicht hat es etwas ganz Positives, wenn das Drama mit den Domspatzen so offenbar wurde. Ein kirchlich-gesellschaftliches Drama. Nun ein politisch-gesellschaftliches Drama. Es regt fast an, falls es zum Prozeß kommt, als Zeuge anwesend zu sein,… “

    …degradieren Sie das Leid der Missbrauchten zu einer Ihnen gefälligen, weil Ihrer Weltanschauung nützlichen Szenerie.
    Wie es bei Unfällen Menschen gibt, die ungeniert gaffen.

    Ich bezweifle, dass wir uns in einem Gespräch gut verstehen würden, wenn wir uns anlässlich einer Veranstaltung zum Thema „Missbrauch an Schutzbefohlenen: Sachlage, Vermeidung!“ träfen, und Sie so wie hier gar keinen Ernst im Umgang mit dem Problem zeigten.

  • Ernst Seler

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    Das innere Aufnehmen der Schicksale der Domspatzen bedeutet Verantwortung übernehmen. Das Durchgehen durch die Nacht vermittelt tiefere Einsichten. Christus „besuchte“ Menschen oft im Traum. Kath.net veröffentlichte vor Jahren einen Text, ohne Träume gäbe es kein Christentum. In der Gegenwart sich auf Träume als Inspiration zu berufen, kann letztlich nur dann anerkannt werden, wenn in Folge sich daraus Taten ergeben. Es wurde von R.G. darauf verwiesen, es handelt sich um einen blog über den Missbrauch der Domspatzen. Das ist klar und wer im Internet den veröffentlichten Buchausschnitt „Das Klassenzimmer“ fand, der weiß, es geht grundlegend um Gewaltausübung auf kleine Kinder. Diese „christliche“ Gewalt wurde bisher im Christentum nicht genug beachtet. Die Aufmerksamkeit, welche die Veröffentlichung des Abschlußberichtes von Anwalt Herrn Weber bis in die Tageszeitungen in Pakistan hervorrief, kann auch Gelegenheit bieten, ganz im Sinne des jetzigen Papstes Franziskus, die eigene Position, was ist Gewalterziehung zu hinterfragen. Heute Morgen scheint mir doch, die kleinen Jungs in dem Film, ihnen mangelt es vielleicht doch viel mehr der mütterlichen Zuneigung?! Früher gab es Kastraten, welche als Kinder ausgesucht wurden, zum Frommen der Hohen Geistlichkeit zu singen. Ihnen wurde Gewalt angetan. In der Gegenwart ist es selbstverständlich, diese Gewalt war ein Verbrechen an Menschen.

    Am 8.April 2016 veröffentlichte die Mittelbayerische Zeitung Worte des Regensburger Theologen Wolfgang Beinert:

    „Er höhlt den legalistischen, kasuistischen Geist des Kirchenrechts von innen her aus. Das ist so, wie wenn man ein Haus innen entkernt und neu baut, aber außen die Fassade lässt“.

    Der Theologe Beinert beurteilt Taten des Papstes Franziskus. Beinert hatte den Dogmatik Lehrstuhl an der Regensburger Universität inne. Sein Wort, Beurteilung der spirituellen Lage der Katholischen Kirche hat also einiges Gewicht. Als vor Tagen in der Nähe von Passau der brennende Corpus am Kreuz groß in der Bildzeitung abgedruckt wurde, kurz darauf Kardinal Müller von seiner weiteren Aufgabe als Wächter des Glaubens entbunden wurde, da telephonierte er an einem Abend mit Kardinal Meisner, der in der Nähe von Passau Urlaub machte. Sogar im Deutschlandfunk wurde orakelt, ob es da zwischen dem Telephonat und dem Tode einen Zusammenhang gäbe. Zufällig wachte ich an jenem Morgen mit der elementaren Gewissheit auf, wie die Aufgabe des Menschen darin besteht, das Dreieck in das Viereck zu verwandeln. Erst später wurde mir bekannt, es war die Todesstunde von Kardinal Meisner. Mit seinem Tode ging mir auf, wie das Dreieck, das in vielen Kirchen abgebildet ist, mit dem göttlichen Auge oftmals, wie dieses Göttliche in das Menschliche verwandelt werden muß. Kardinal Meisner lebte ganz dieses Göttliche Dreieck. Als Mensch war er milde im Umgang so wird berichtet. Mit dem Worte konnte er gewaltig sein und so legte er unserer Familie ja eine Bürde auf, als er davon sprach: „Ein schwarzer Tag für unser Volk“. Ich erhielt damals mehrere Briefe von katholischen Priestern, welche ausdrücklich den Kruzifix-Beschluß 1995 befürworteten. Ich denke, diese Priester erkannten die Tatsache, wie müssen kleine Kinder die ständige Präsenz des Leichnams auf einem Kreuze erleben. Ja, mit der Zeit stumpft sich das ab, aber prägend bleibt der optisch-bildliche Eindruck, so prägend wie die körperliche, die sexuelle Gewalt an kleinen Kindern. Dieser Zusammenhang von Gewalt und Psyche ist ja bei den Domspatzen so offensichtlich.

    Habe den Hinweis von R.G. erst nach Erstellung obigen Textes gelesen. Text ist also keine Reaktion auf seine Inhalte.

    Ich denke Sie sind männlich, R.G.
    Für Sie der link:
    http://www.dreigliederung.org/religionsfreiheit/kruzifixbuchausschnitt01.html

  • Ernst Seler

    |

    von R.G.:

    „…degradieren Sie das Leid der Missbrauchten zu einer Ihnen gefälligen, weil Ihrer Weltanschauung nützlichen Szenerie.“

    Ich kannte den Hinweis von Rudolf Steiner nicht, kleinen Kindern bis zur Geschlechtsreife kein Kruzifix zu zeigen. Offensichtlich gibt es geisteswissenschaftliche Zusammenhänge zwischen dem Leichnam und dem Kreuz und der Sexualität des Menschen. Das Perfide des Domspatzenskandals ist doch, es haben Priester sexuelle Gewalt an kleinen Kindern vor der Geschlechtsreife ausgeübbt. Das sind Tatsachen. Es ist doch für geschichtlich interessierte Menschen auffallend, wie Regensburg ein Schnittpunkt besonderer Ereignisse ist. Die Gegenwart formt sich ja aus den Leistungen der Vergangenheit. Mollath, ein ehemaliger Waldorfschüler, ist ja Opfer von Menschen geworden, die zuvor kirchlich-religiös durch das Christentum geprägt wurden. Es ist die „Fassade“ die steht, aber innerlich bricht das Gebäude zusammen, wird auch durch Franziskus umgebaut. Die Dinge sind verwobener. Bereite gerade eine größere Schrift vor. In ihr wird eine nächtliche Begegnung mit dem früheren Oberbürgermeister Viehbacher geschildert, Worte von Oberbürgermeisterin Christa Meier, die sie mir an der Donau während eines Bürgerfestes sagte. Mein Anliegen ist, Menschen zu verstehen. Als ich bewußt einen katholischen Priester während der Fahrradfahrt nach Kelheim aufsuchte, ihn während des Abendessens sprach, weil ich auf der Fahrt in das Haus des Landrates von Kelheim fuhr, der sich zuvor erhängt hatte, dort die Tochter kennenlernte, später auf Bitten der Verwandtschaft neben ihr in der Kirche saß, sie zum Begräbnis begleitete, da flüsterte Jemand hinter mir, nachdem ich bewußt während dem Gang zum Grabe zum großen goldenen Kruzifix ging, mich verneigte: „aber Katholik ist er doch“. Äußerlich sah ich damals wie ein Mönch aus, hatte bewußt eine Glatze, einen indischen Schal um den Hals, bedachte aber nicht, der Landrat hatte sich erhängt. Die Tochter hatte mich zum Dachboden geführt, der umgestoßene Stuhl, die Hausschuhe standen noch daneben. Am Morgen kam ein Brief aus dem Bezirkskrankenhaus. Wir konnten ihm leider nicht helfen.
    Hinter den Kulissen sieht es anders aus, als es scheint. Die Fassaden brechen doch jetzt auch weg, ob bei den Domspatzen, oder beim Oberbürgermeister. Der Schein fliegt der Stadt Regensburg um die Ohren, die Scheinheiligkeit. Das ist doch, was in der Seele der Domspatzen brennt, bis ans Lebensende, die Verlogenheit der Katholischen Kirche als Institution. Wer die Worte von Kardinal Müller kennt, die er im Zusammenhange des Missbrauches gesprochen hat, der ahnt, warum Papst Franziskus nicht mehr sein Amt verlängerte. Der Bruder des deutschen Papstes wird öffentlich als „Schläger“ bezeichnet. Verstecken sich die hohen Priester weiter nur hinter der noch leidlich bestehenden Fassade?!

  • Ernst Seler

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    Nachtrag:

    die „nächtliche“ Begegnung mit Herrn Viehbacher fand in der realen Welt statt, als gegen Mitternacht der Oberbürgermeister zu uns Zwillingen trat, wir in ein Gespräch kamen. Herr Viehbacher war wegen des Hochwassers zur Donau gekommen, nahe dem Bratwursthäusl.

  • Urschreier

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    mann.. bin ich nachträglich froh, dass ich ein Schreikind war – und meine Mutter bei dem Versuch, mich da reinzukriegen, abblitzte..

  • Michael Bauer

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    Das Problem der institutionsschützenden Eingrenzung des Auftrags zeigt sich auch am Titel des Abschlussberichts „Vorfälle von Gewaltausübung durch Erziehungspersonal an Schülern der Regensburger Domspatzen im Zeitraum von 1945 bis 2015“., der seine Einschränkungen teils verbirgt.

    Näherer an der tatsächlich geleisteten Arbeit wäre folgender, freilich hopprige Titel, gewesen:
    „Vorfälle von Gewaltausübung an Schutzbefohlenen in den Einrichtungen der Regensburger Domspatzen (Etterzhausen, Pielenhofen und Regensburg) durch Lehrkräfte und Erziehungspersonal im Zeitraum von 1945 bis 2015. Unter NICHT-Berücksichtigung der Gewaltausübung durch Mitschüler, ehemalige Schüler, Gasteltern, Fahrpersonal und anderen externen Personen und Orte.“

  • R.G.

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    @Michael Bauer
    „Näherer an der tatsächlich geleisteten Arbeit wäre folgender, freilich hopprige Titel, gewesen:……“

    Wenn man Jahrzehnte die Aufklärung krimineller Taten schleifen lässt, kommt nachher eine unbewältigbar große Menge an Taten in sehr kurzer Zeit ans Licht.
    Man musste einschränken.

    Der Titel wäre dennoch kürzer zu fassen:
    13 jähriger Schüler als Stellvertreter-und Projektionsobjekt?

  • GSA-TD

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    „Hier ist ein Top Gymnasium. Hier ist ein Top Internat“ – C. Hartmann, Chormanager …

  • Ebba Hagenberg-Miliu

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    Gratulation zur klaren Analyse. Der nicht nur für Regensburg wichtige Dialog hat gerade erst begonnen, wie man auch an den Kommentaren sieht.

  • Angelika Oetken

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    Was den Versuch der „taktischen Befriedung“ angeht, den Herr Werner oben eingangs anführt: wenn ich verschiedene Projekte miteinander vergleiche, die von ihren institutionellen AuftraggeberInnen als Aufarbeitung bezeichnet werden, dann kommt es mir beinahe so vor, als hätten die sich heimlich vorher miteinander abgesprochen. So viele Parallelen tun sich auf.

    Anders betrachtet: wie lange braucht eine Organisation, in der über Jahrzehnte hinweg, vor den Augen der Verantwortlichen, Kinder und Jugendliche Gewalt, Misshandlung und Missbrauch ausgesetzt waren, um eine Haltung zu entwickeln, aus der heraus sie ehrlich aufarbeiten kann? Und das heißt, nicht aus einer strategischen Motivation heraus, sondern im festen Willen, sich mit Verbrechen der älteren und jüngeren Vergangenheit auseinander zu setzen, um denen der Gegenwart besser begegnen und zukünftig welche zu vermeiden?

    Wie soll sie denn entwickelt werden, diese „Kultur der Achtsamkeit“, die Stephan Ackermann, der Missbrauchsbeauftragte der DBK so oft beschworen hat? Und: was kennzeichnet das, was sie angeblich ablösen soll? Übrigens: hat sich Bischof Ackermann überhaupt schon zum Abschlußbericht zu Wort gemeldet?

    Hier ein Experte zu einem anderen, vergleichbaren instititutionellen Tatort
    Dazu http://www.3sat.de/mediathek/?mode=play&obj=51119

  • RB

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    @ Abschlußbericht
    Der Georg Ratzinger mit seinem Kuratorium kommen in diesem Abschlußbericht sehr sehr billig davon, denn davon liest man im Bericht nicht viel.
    Auch wenn der RA Weber zum Thema nicht mehr viel zutun hat, trotzdem alle Anträge an den RA Weber schicken. Betreff Anerkennungsstelle
    Herrn
    Rechtsanwalt
    Ulrich Weber

    Anerkennungsstelle

    Harzstraße 22
    93057 Regensburg

    Einen sehr großen Dank an das Team von RA Weber, denn dieser Abschlußbereicht ist ein Meilenstein
    ( Meilenstein…Ein Meilenstein, auch Postmeilensäule (auch Halbmeilenstein bzw. Posthalbmeilensäule), ist ein in regelmäßigen Abständen an Straßen errichteter Entfernungsanzeiger. Meilensteine gehören wie Wegkreuze oder Bildstöcke zu den Kleindenkmälern.

  • Ernst Seler

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    Kommentar gelöscht. Bitte bleiben Sie beim Thema.

  • Angelika Oetken

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    „80 Prozent der Befragten aus diversen Gruppen, die mit den Einrichtungen der Domspatzen geschäftlich zu tun hatten, kritisierten eine mangelnde Aufklärung der Vorfälle und vermuteten ein bewusstes Verzögern durch Verantwortliche (S. 390).“

    Bei Geschäftsleuten handelt es für gewöhnlich um „gut informierte Kreise“. Die hohe Quote von 80 Prozent ist ein Indikator dafür, dass die Menschen, die in der Region leben, sich nichts vormachen lassen.

  • R.G.

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    Nach jahrelangen Überlegungen, wo der Hauptansatzmoment wäre, meine ich seit wenigen Tagen für mich klar zu sehen.
    Der Kernpunkt ist die Beichte.

    Kirchen, die z.B. im Beichtstuhl das Leben der Menschen abfragen, und diese Seelenpflichtschau als Dauer-Basisprogramm anbieten, gefolgt von einer Vergebungsszene, werden zwangsläufig immer im möglichen Gegensatz zur staatlichen Gerichtsbarkeit stehen.

    Wo ein Kollegium, ein Orden, eine Schülerschaft den gleichen Beichtvater aufsuchen muss – häufig erreicht man das durch Exerzitien – ist ER die oberste moralische Instanz, seine Mittel der Verweigerung oder Gewährung von Lossprechung haben gegenüber einem abstrakten Hirtenwort das größere Gewicht.

    Ich schreibe aus einer anderen Diözese, aus einem Nachbarland.
    Mich wunderte ständig, weshalb ausgerechnet in der Diözese Regensburg die gleichen randkatholischen Bewegungen Zuwachs erhielten wie bei uns, und wieso die Bigottesten bei euch drüben auf den menschlichsten Bischofsvikar bei uns wiederholt medial losgingen.

    Was kümmert es „die Ausländer von über der Grenze“, wenn bei uns einer einen sozialen Jesus Christus predigt und selbst solidarisch mit den Armen lebt? Der tut doch keinem was, oder?

    Oh, doch, das tat er.
    Er stieg trotz seiner anständigen Art in seiner Karriere höher und höher, während der Star der Kinder- und Jugendseelsorge der Nachkriegs- und Wirtschaftswunderjahre plötzlich vom Thron fiel, und nicht mal mehr irgendwie mit Kindern und Jugendlichen arbeiten sollte.

    Das war der Beginn der Vergrößerung der subtilen Macht dieses geschassten Priestermenschen und seiner immer mehr werdenden Anhänger in unseren beiden Diözesen:
    Er erwies sich in seiner zweiten Karriere als genialer Exerzitienmeister. In der Beichte formte er in zwei Ländern die sich ihm anvertrauenden Menschenseelen, die Mitbrüder, Priester, Theologen aus den Hochschulen, Lehrer und Erzieher.

    Wie sich das mir darstellte, fragte ein Erzieher oder Lehrer einer erzkatholischen Einrichtung immer zuerst den Beichtvater, wie er mit den „Problemen“ eines Kollegen umgehen soll.

  • Angelika Oetken

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    „Die sozialwissenschaftliche „Regensburger Aufarbeitungsstudie“ gliedert sich in zwei aufeinander aufbauende Teile. Der erst Teil umfasst die Auswertung von Dokumenten und Akten. Aufbauend auf den Erkenntnissen des ersten Teils werden im zweiten Teil der Studie Interviews mit Betroffenen, evtl. deren Angehörigen und anderweitig Beteiligten geführt, die zur wissenschaftlichen Aufarbeitung beitragen können.“
    http://www.krimz.de/forschung/opfer-von-straftaten/regensburger-aufarbeitungsstudie/

    Ich halte es für ein gutes Zeichen, dass das Bistum ein renommiertes kriminologisches Institut hinzugezogen hat. Da die Grundlage jeder ergiebigen wissenschaftlichen Arbeit ein möglichst umfassendes und aussagekräftiges Datenmaterial ist, frage ich mich, was in diesem Fall unter„Dokumenten und Akten“ verstanden wird. Etwa alle Unterlagen, die die Einrichtungen der Domspatzen betreffen und die ihrer beiden Stiftungen? Oder ist nur ein Teil davon gemeint? Wie können die ForscherInnen überhaupt sicher stellen, dass ihnen in die jeweils tatsächlich vorhandenen Dokumente und Akten vollständig Einsicht gewährt wird? Etwas, das unabdingbar ist, um den Untersuchungszweck zu erfüllen. Wenn ich da nur an die vielen unterschiedlichen Papiere denke, welche ökonomische Aspekte betreffen. Wo befinden die sich überhaupt? Die Jahresabschlüsse, Kassenbücher, Kontoauszüge? Nicht, dass sich in Regensburg plötzlich wieder die Feinstaubbelastung vorübergehend erhöht, so wie der Forist Lothgaßler in einem Zusammenhang von ähnlicher Brisanz hier auf Regensburg Digital mal gemutmaßt hatte.

  • Mathilde Vietze

    |

    Zu „R.G.“ – Heute geht kaum noch einer in den hölzernen alten
    Beichtstuhl, sondern bestellt beim Seelsorger ein Beichtge-
    spräch. Und hier wird nicht „abgefragt,“ hier wird beraten.
    Ein höherer katholischer Würdenträger hat sogar beklagt,
    daß die Leute beim Beichten „in ihren Kinderschuhen“
    steckengeblieben sind und gedankenlos den Beichtspiegel
    herunterleiern, anstatt dem Pfarrer von ihren Problemen,
    die sie gelöst haben möchten, zu erzählen. Gute und weniger
    gute Beichtväter gab es zu allen Zeiten.

  • Angelika Oetken

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    Bei Missbrauchsverbrechen gibt es selten nicht beteiligte Dritte, die als Zeugen fungieren könnten. Genauso verhält es sich mit Spuren. Selbst physische Beweismittel in Form von körperlichen Substanzen fallen entweder gar nicht an oder vergehen in ihrer Auswertbarkeit sehr zügig. Verletzungen, die im Zusammenhang mit den strafbaren Sexualhandlungen entstehen, heilen rasch. Je jünger das Opfer, um so schneller. In den vergangenen Jahren wurde Bildmaterial bei der Beurteilung der Frage der Plausibilität und Glaubhaftmachung immer wichtiger. Denn noch gilt nicht nur juristisch die so genannte „Nullhypothese“, der zu Folge Opfern so lange unterstellt wird, dass sie die Unwahrheit sagen, bis man sich vom Gegenteil überzeugt glaubt.

    Missbrauchstäter neigen dazu, die Verbrechen an ihren Opfern auf Fotos und Filmen zu bannen. In der Absicht, sich später damit zu stimulieren oder die Dokumente mit anderen zu tauschen bzw. Handel zu treiben. Inwieweit einige der vielen Personen, die innerhalb der Einrichtungen der Domspatzen Kinder und Jugendliche missbraucht haben, das filmten oder fotografierten, sollte unbedingt genauer untersucht werden. Die Straftaten, für die der Ehemalige Domspatz Christian F. im vergangenen Jahr verurteilt wurde, bieten auf jeden Fall ein Indiz in diese Richtung. Warum sollte F. der einzige Täter gewesen sein, der so genannte „Kinderpornografie“ produzierte? Und falls dem so ist: Wie viel davon mag wohl im Umlauf sein? Immerhin möchten nicht nur die Produzenten solcher Filme und Photos nicht identifziert werden, sondern auch deren menschlichen Objekte.

    Ich verweise nur auf das Bühnenstück „Bilder von uns“ http://www.faz.net/aktuell/feuilleton/buehne-und-konzert/thomas-melles-bilder-von-uns-am-theater-bonn-14029091.html

  • R.G.

    |

    @Mathilde Vietze

    Männer und Frauen aus der Kirchenhierarchie haben konkrete Beichtväter, von denen sie im besten Fall sanft geführt, im schlimmsten manipuliert werden wie eine Marionette.

    Ein früherer Star der Jugendarbeit, seines Zeichens Priester und Erzieher, wurde von seinen eigenen Ordensbrüdern aufgefordert aus bestimmten Gründen ab sofort seine Arbeit mit Kindern bleiben zu lassen.

    Bald hatte er einen neuen Bereich erobert, in dem er wieder als Ausnahmetalent galt, er wurde zum Exerzitienmeister in einem Bildungshaus, und zum beigestellten Beichtvater für mindestens zwei Frauenorden in zwei Ländern, einer davon in Bayern.

    Nun nahm er AUF DIE ERZIEHUNG in den von den geistlichen Frauen geführten Schulen mit Öffentlichkeitsrecht Einfluss.
    Das Ergebnis war wie ehemals, als er noch selbst an Kindern wirkte. Das mündete nun endlich einen Riesenskandal, ihm wurde weiteres Wirken in einer Diözese untersagt. In einer anderen empfing man ihn dafür mit umso offeneren Armen.

    Seine hartherzige, rückwärtsgewandte, sexualfeindliche, homophobe, fundamentalistische, frauenverachtende Art wirkte sichtlich inspirierend.

    Man feiert ihn heute als Initiator wichtiger vorkonziliär orientierter Gruppen, Gemeinschaften und Netzseiten.

    Kein einziger der mir bekannten, von ihm „Beichtvater“ geführten Männer aus der kirchlichen Hierarchie, zeigte einen Priester oder Erzieher wegen Übergriffen an Kindern an. Keiner stellte sich jemals öffentlich auf die Seite der Opfer.

    Wohl aber betätigen sich mehrere seiner Schützlinge beispielsweise als Verharmloser der gewaltsamen und/oder sexuell motivierten Übergriffe an Zöglingen des Domspatzeninternates.

    Wir dürfen den Einfluss der Exerzitienmeister und Beichtväter auf die Bewertung von Gewalt an Kindern nicht unterschätzen, vielleicht kommt den „Seelenführern“ sogar eine viel zentralere Rolle zu, als wir bisher dachten.

    Ich füge noch hinzu, werte Frau Vietze, ob Sie persönlich von Unbill verschont wurden, weiß ich nun schon.

    Dass anderen Menschen, dass Kindern im kirchlichen Bereich schwerstes Unrecht angetan wurde, steht für mich außer Zweifel.
    Diesen gilt mein Interesse und mein Mitgefühl.

  • Angelika Oetken

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    „Verletzungen, die im Zusammenhang mit den strafbaren Sexualhandlungen entstehen, heilen rasch.“

    Ergänzung: das gilt natürlich nur für äußerlich sichtbare Schäden. Langzeitfolgen und innere Schädigungen können solche körperlichen Traumen natürlich trotzdem nach sich ziehen. Für weibliche Opfer ist das schon relativ gut erforscht. Vor allem gynäkologische Probleme sind als langfristige direkte rein körperliche Missbrauchsfolge bekannt. Aber auch Schluckstörungen, Atemwegsprobleme und proktologische Krankheiten. Je nachdem, wie der sexuelle Missbrauch durchgeführt wurde.

    Im Abschlussbericht werden Opfer zitiert, die von den körperlichen Folgen berichten, die direkt nach den jeweiligen Missbrauchshandlungen auftraten. Soweit mir bekannt, stellte das keine Ausnahme dar, sondern war häufig. Bei sadistischen Tätern ist das auch zu erwarten und korrespondiert mit den Schilderungen von Betroffenen anderer institutioneller Tatorte an denen Täter mit ähnlichem Profil ihr Unwesen trieben. Tauscht man die gynäkologischen gegen urogenitale aus, müssten unter den Opfern der Einrichtungen der Domspatzen ähnliche physische Erkrankungen gehäuft auftreten, wie bei von weiblichen Opfern bekannt sind.

  • Mathilde Vietze

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    Zu „R.G.“ – Ich habe in all den Jahren n u r gute Beichtväter erlebt. Und dies, obwohl ich
    allseits als widerspenstige und kritische Katholikn bekannt war. Bei einem „Beichtvater“,
    der versucht hätte, mich zu manipulieren, wäre ich einfach „abgehau’n“, aber das war
    nie nötig.

  • Nocheinüberlebender

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    Angelika Oetken: „Für weibliche Opfer ist das schon relativ gut erforscht.“ Wir hinken da den Frauen noch ca. zwanzig Jahre hinterher.
    Ich kann das nur bestätigen: Meine ständigen Durchfälle kommen sicherlich davon.

  • R.G.

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    @Mathilde Vietze

    Es handelt sicht auch hier nicht um einen Artikel, was hat Mathilde Vietze Gutes erlebt und wo wäre sie frei abgehauen, sondern um Missbrauch und Duldung von körperlicher und sexueller Gewalt sowie das verklemmte Wegschauen, bei den Donauspatzen und in ihrem Umkreis, und in Bayern überhaupt.

    Da z.B. Ordensangehörige oder Schüler bzw. Studenten kirchlicher Einrichtungen nicht nur bei Exerzitien einen ausgewählten Priester vorgesetzt bekommmen können, bei dem sie die Beichte ablegen mögen (in Wirklichkeit wird es oft als Pflicht gehandhabt), ist für diese Gottesmänner enorme Einflussmöglichkeit auf die menschen in den Einrichtungen gegeben.

    Wenn nun, mal angenommen, ein Herr selbst von seinem eigenen Orden in keinem von dessen Heimen mehr als Erzieher zugelassen wird, aber in seinem nächsten Job als Exerzitienmeister und überregional empfohlener Beichthörer sich Opfer aus kirchlichen Einrichtungen und Vereinen ihm anvertrauen, was man ihnen zufügte, und Täter, was sie anrichten, und Kollegen, was sie beobachtet haben: In welche Richtung wird er die Leute beeinflussen?
    In eine, die seine eigenen Vorgehensweisen, damals in einem Heim, mit aufrühren könnte?
    Wird er nicht eher auf ein schnelles „Vergeben“ hinleiten?

    Deshalb meine Frage an die Opfer aus diversen Einrichtungen aus Bayern: Gab es im Rahmen der Ausbildung Exerzitien, wurde man zur Beichte bei bestimmten Priestern angehalten?
    Wo waren sie zuvor tätig gewesen?

    Gehören aus der Ausbildung bekannte Priester inzwischen (vermeintlich) elitären Sondergemeinschaften zu?
    Zählte der Exerzitienmeister bzw. Beichtpriester zu den gleichen Gruppen oder gilt er als deren Mitgründer?

  • Angelika Oetken

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    „In einem Kommentar für die neueste Ausgabe der „Katholischen SonntagsZeitung“ ruft Gloria von Thurn und Taxis zu Gebeten gegen Schulaufklärung über sexuelle und geschlechtliche Vielfalt auf.“
    http://www.queer.de/detail.php?article_id=29466

  • Angelika Oetken

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    „Nach der Lektüre des vorliegenden Domspatzen-Abschlussberichts sieht sich Dr. Thomas Schüller, Professor für Kirchenrecht an der Universität Münster, in seiner Einschätzung bestätigt, dass wohl einige Bistümer in Deutschland Personalakten von Missbrauchstätern unvollständig geführt oder nach 2010 einer Kassation unterzogen haben. Im Gespräch mit regensburg-digital benannte Schüller als eine weitere Schwachstelle des Domspatzenberichts, dass die Personalakten von Mitarbeitern des diözesanen Archivs ausgewählt bzw. übergeben und nicht vom Rechtsanwalt persönlich eingesehen oder eingeholt wurden.“

    Es wäre interessant, mehr über Prof. Schüllers Einschätzung zu erfahren.
    Unvollständige Aktenführung kann verschiedene Gründe haben. Von Faulheit bis Vorsatz. Präventiv Akten zu vernichten oder Einträge unkenntlich zu machen, lag doch angesichts des am 28. Januar 2010 einsetzenden Missbrauchstsunami nahe.

  • Angelika Oetken

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    Zum viel beschworenen „Bischöflichen Geheimarchiv“ eine Anekdote, die mir ein Mitstreiter berichtete:

    Eine Schar StudentInnen habe vor ca. 20 Jahren einen Studienausflug ins Regensburger Ordinariat unternommen. Der sie begleitende Kirchenrechtler soll nach dem Bischöflichen Geheimarchiv gefragt haben. Dieses habe dann der damalige Offizial unter Öffnung eines nicht oder nur mit einem einfachen Schrankschlüssel verschlossenen Einbauschrankteils präsentiert. Was den, auch als Legat des Papstes tätigen Kirchenrechtler in höchste Rage versetzt haben soll. So dass er den Verantwortlichen mit deutlich über das Büro hinaus hörbaren Worten zurechtgewiesen habe.

    Also eher „Otto Office“ als „Dan Brown“.

  • Mathilde Vietze

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    Zu Angelika Oetken: Frau Gloria sollte mal selbst fleissig zur Gottesmutter
    Maria beten; ich weiß allerdings nicht, ob diese für die Zuteilung von
    Verstand zuständig ist. Ansonsten möge sie bitte ihr Fenster stets weit
    geöffnet halten, damit der Heilige Geist bei seinem nächsten Rundflug
    ihr Haus nicht wieder übersieht.

    Zu „R.G.“ – Die Tatsache, daß ich – zufällig – in einigen Fällen gute Er-
    fahrungen gemacht habe, bedeutet nicht, daß ich meine Augen vor
    den Sauereien, die da passiert sind verschließe. Und dieser Sau-
    stall muß rigoros ausgeräumt werden.

  • Angelika Oetken

    |

    Frau Vietze: zu wem die Fürstwitwe betet, weiß ich nicht.

    Aber dass sie die Vorsitzende eines religiösen Frauenverbandes ist, der regelmäßig Treffen abhält und Wallfahrten unternimmt, steht fest https://www.bing.com/videos/search?q=Gloria+von+Thurn+und+Taxis%2c+marianische%2c+Youtube&view=detail&mid=6EA7062B1A0795DC52016EA7062B1A0795DC5201&FORM=VIRE

    Man beachte den groß gewachsenen Mann in roter Gewandung, am Anfang des Filmclips links im Bild.

    VG
    Angelika Oetken

  • Angelika Oetken

    |

    Und noch was zu dem Besuch der StudentInnen und ihres Professors im Regensburger Ordinariat: der damalige Offizial soll, nachdem der Professor für Kirchenrecht sich vorerst wieder beruhigt hatte, die Sache zu relativieren versucht haben, indem er erklärte, dass man ein ganz modernes System der Zeugenvernehmung etabliert habe. Man würde die Zeugenvernehmungen nämlich auf Band aufzeichnen und aus Effektivitätsgründen einer „vertrauenswürdigen Frau außer Haus zum Abtippen geben“. Laut Überlieferung soll diese Verfahrensweise den Kirchenrechtsexperten nicht überzeugt haben…

    Da die Angelegenheit noch nicht so lange zurück liegt, müssten sich eigentlich noch ein paar Personen finden lassen, die ihre Zeugenaussagen damals auf Band gesprochen hatten.

  • Mathilde Vietze

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    Zu Angelika Oetken: Der hochgewachsene Mann im roten Gewand ist der
    klerikale Frühstücksdirektor Imkamp. Er hat bisher die Wallfahrten des
    Betschwestern-Vereins spirituell begleitet.

  • R.G.

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    @Mathilde Vietze
    „Zu „R.G.“ – Die Tatsache, daß ich – zufällig – in einigen Fällen gute Er-
    fahrungen gemacht habe, bedeutet nicht, daß ich meine Augen vor
    den Sauereien, die da passiert sind verschließe. Und dieser Sau-
    stall muß rigoros ausgeräumt werden.“

    Danke für diese Worte!

    „Zu „R.G.“ – Die Tatsache, daß ich – zufällig – in einigen Fällen gute Er-
    fahrungen gemacht habe,“(Mathilde Vietze)
    …zeigt uns, dass sehr wohl ein Spielraum besteht, wie ein Priester mit seinen ihm anvertrauten Gläubigen umgeht.
    Im Negativen bekamen ihn viele Kinder bei den Domspatzen und in anderen Einrichtungen zu spüren.

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