Von Sprechverboten und Lautsprechern

Aus dem Redaktionstagebuch (10/18)

Fragen Sie Ihren Busfahrer bloß nicht, warum derzeit immer wieder Fahrten ausfallen. Er darf es Ihnen nämlich nicht sagen. Die RVB haben nach einem Bericht des BR ein Sprechverbot über ihre Fahrer verhängt. Klar ist aber: Die Grippewelle allein ist nicht der Grund für die Probleme der städtischen Verkehrsbetriebe. Kein Sprechverbot hat dagegen der populistische Lautsprecher Rainer Wendt. Den hat der Bundestagsabgeordnete Peter Aumer nach Regensburg eingeladen. Offenbar muss Aumer sich etwas um Aufmerksamkeit bemühen, wo er doch seinen ersten wichtigen Termin – die Wahl der Bundeskanzlerin – schlicht verpennt hat. Bislang verpennt hat nach einem Bericht von Report Mainz das Bistum Regensburg die Aufarbeitung von Übergriffen unter Mitschülern bei den Regensburger Domspatzen. Das Magazin greift dabei auch auf Recherchen von regensburg-digital zurück. Zurück greift der Bund für Geistesfreiheit am Karfreitag auf eine Performance, die dem Kulturamt zu heiß war. An fünf Orten treten beim „Freigeistertanz“ die bambule.babys mit „My home is not my home“ auf. Mehr in unserem aktuellen Tagebuch.

Regensburg lahmgelegt I: Sprechverbot für Busfahrer

Seit Wochen fahren in Regensburg Busse vor allem an Samstagen nur eingeschränkt, doch auch während der Woche kommt es immer wieder zu Ausfällen. Die Regensburger Verkehrsbetriebe (RVB) begründen dies via laminierter Aushänge an den Haltestellen immer wieder mit der aktuell grassierenden Grippewelle. Doch das ist nur die halbe Wahrheit, wie der BR vergangene Woche aufdeckte. Tatsächlich herrscht nach Angaben der Gewerkschaft ver.di deutlicher Personalmangel bei der RVB. Gewerkschaftssprecher Patrick Rostek spricht von Dutzenden Überstunden, die zahlreiche Busfahrer vor sich herschieben. Trotz mehrfacher Hinweise durch Gewerkschaft und Betriebsrat hätten die Verkehrsbetriebe aber nicht reagiert. Dafür reagierte die RVB jetzt prompt und verhängte gegenüber den Busfahrern ein Sprechverbot. In einer Dienstanweisung vom Donnerstag wird ihnen untersagt, sich gegenüber Medien, aber auch Fahrgästen zu der Situation zu äußern. Bravo!

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Regensburg lahmgelegt II: Spürbarer Warnstreik

Rund 650 Menschen sind am Dienstag dem Streikaufruf der Gewerkschaft ver.di gefolgt. Neben den Beschäftigten der Stadt Regensburg – unter anderem Kitas, Horte, Krabbelgruppen, Mittagsbetreuung, Verwaltung, Müllabfuhr und Straßenreinigung – traten daneben auch Mitarbeiter von Jobcenter, REWAG, Landratsamt und Wasser- und Schifffahrtsamt in einen ganztägigen Warnstreik.

Auch in Regensburg herrsche Wohnungsmangel und die Mieten seien deutlich zu hoch, so ver.di-Geschäftsführer Alexander Gröbner. Deshalb müsse man gerade die mittleren und unteren Einkommen stärken. Der stellvertretende Oberpfalz-Vorsitzende Stefan Dietl macht vor allem die Schieflage in der Vermögensverteilung in Deutschland für die Situation verantwortlich. „Wer in Bayern auf Steuerfahnder und Betriebsprüfer verzichtet, darf nicht an den Löhnen der Beschäftigten sparen“, so Dietl.

ver.di fordert für die Beschäftigten im öffentlichen Dienst sechs Prozent mehr Gehalt, mindestens aber 200 Euro. Auszubildenden sollen 100 Euro monatlich mehr sowie eine Übernahmegarantie erhalten. Bislang aber habe die Arbeitgeberseite „kein verhandlungsfähiges Angebot“ vorgelegt, so Gröbner.

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Neue Missbrauchsvorwürfe bei den Domspatzen

In einem zehnminütigen Beitrag griff am Dienstag „Report Mainz“ ein bislang wenig beleuchtetes Thema in der Diskussion um die Missbrauchsvorwürfe bei den Regensburger Domspatzen auf. Ein früherer Schüler, der von 1987 bis 1992 bei den Domspatzen war, schildert Gewalt und sexuelle Übergriffe von älteren auf jüngere Domspatzen-Schüler. Unter anderem berichtet Thomas M. in dem Beitrag, dass es sich dabei nicht um Einzelfälle gehandelt habe:

„Und nicht nur einer mit einem, sondern mehrere Acht-, Neunt-, Zehntklässler, die sich dann die Sechst- und Siebtklässler geangelt haben. Also, von sich gegenseitig mit der Hand befriedigen hin zu Oralverkehr und auch Analverkehr.“

regensburg-digital hatte bereits Anfang August anlässlich des Abschlussberichts von Rechtsanwalt Ulrich Weber zu den Missbrauchsvorwürfen kritisiert, dass Übergriffe innerhalb der Schülerschaft explizit nicht vom Aufklärungsauftrag des Bistums umfasst waren. Ausführlich thematisiert hatte unser Autor Robert Werner auch den Fall Christian F.. Der ehemalige Domspatz war 2016 zu einer zweijährigen Bewährungsstrafe verurteilt worden – unter anderem wegen sexuellen Übergriffen auf zwei jüngere Mitschüler. Bereits in Jahresberichten des Domspatzen-Gymnasiums wird F.s Nähe zu jüngeren Mitschülern mehrfach thematisiert, wie Werner im August aufdeckte. Unter anderem wird F. in darin als „Kindergärtner“ bezeichnet. Der Abschlussbericht setzt sich mit diesem Fall allerdings kaum auseinander. Bislang hatte das außer uns kein anderes Medium thematisiert.

Die Journalistin Mona Botros greift in der Reportage von „Report Mainz“ auch unsere Recherchen auf (vielen Dank für den Verweis auf der Homepage) und setzt sie in einen Gesamtzusammenhang. Das Bistum Regensburg wollte sich auf Nachfragen von Botros dazu offenbar nicht äußern. Rechtsanwalt Ulrich Weber hat heute als Reaktion auf den Bericht gegenüber der Katholischen Nachrichtenagentur erklärt, dass „dieser Aspekt in der laufenden sozialwissenschaftlichen Studie des Bistums Regensburg aufgegriffen und weiter untersucht“ werde.

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Bambule am Karfreitag

Die Performance: vom Kulturamt zensiert, die Künstlerin: vom Bistum gefeuert – dabei hat das (angeblich) so skandalträchtige Werk noch niemand gesehen, das die bambule.babys Anfang März im Kunstforum Ostdeutsche Galerie zeigen wollten. Das ändert sich am 30. März. Im Rahmen des „Freigeistertanzes“, den der Bund für Geistesfreiheit in diesem Jahr zum zweiten Mal am Karfreitag veranstaltet, wird unter dem Titel „My home is not my home“ gleich mehrfach an verschiedenen Orten jeweils 15 Minuten performed.

Die Künstlerin Anna Valeska Pohl beschreibt die von ihr entwickelte Performance als „radikale Verhandlung von Heimatideologien anhand von Mythen, Körpern und symbolischen Akten“. Als Propheten einer „Zivilisation am Abgrund“ treten auf: eine verletzliche und heruntergekommene Madonna sowie Jesus als nackter, blinder, gescheiterter Märtyrer, der von der Madonna an der Leine geführt wird. „Die Madonna betet für alle Verlassenen und Geschundenen dieser Welt, bis sie und ihr Jesus selbst zu geschundenen Körpern werden.“ Dazu gibt es Sound des Komponisten Justin Hill aus Los Angeles. Gezeigt wird das Ganze um 22 Uhr im Tiki Beat, 23 Uhr in der Heimat, 0 Uhr im Vinyl, 1 Uhr in der Alten Filmbühne und 2 Uhr in der Wunderbar.

Ursprünglich sollte die Performance im Rahmen des Treffpunkt-Festivals in der Ostdeutschen Galerie gezeigt werden. Nachdem Anna Valeska Pohl eine 15sekündige Videosequenz online gestellt hatte, die eine kaputte Plastikmadonna im Schritt einer jungen Frau zeigte, sagte das Kulturamt den Auftritt kurzfristig ab. Wenige Tage später stoppte das Bistum Regensburg die Zusammenarbeit mit Anna Valeska Pohl bei einem zunächst hochgelobtem Theaterprojekt zur modernen Darstellung von Bibelszenen.

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Wahl-Versäumer trifft rechten Lautsprecher

Die Wahl der Bundeskanzlerin hat der frisch in den Bundestag gewählte Regensburger CSU-Politiker Peter Aumer schlicht verpennt – übrigens als einziger aller Bundestagsabgeordneten. Dafür will Aumer nun offenbar woanders der erste sein und lädt mit einer zweifelhaften Veranstaltung zum ersten öffentlichen Termin ins neue Marina-Forum im Alten Schlachthof. Zu Gast bei seinem „Zukunftsforum“ hat Aumer Rainer Wendt, den Vorsitzenden der Deutschen Polizeigewerkschaft, der immer wieder mit großmäuligen Thesen zum Rechtsstaat von sich Reden macht, eine recht düstere Zukunft Deutschlands malt und zuletzt dadurch auffiel, dass er in den letzten Jahren nicht nur das Gehalt eines Polizeihauptkommissars einstrich, ohne dieser Tätigkeit nachzugehen, sondern auch noch jährlich fast 80.000 Euro für Posten in fünf verschiedenen Gremien bezog, unter anderem im Aufsichtsrat des Versicherungskonzerns Axa. Pflichtgemäß angegeben hatte er diese Nebeneinkünfte nicht. Jährlich verdiente Wendt der FAZ zufolge so rund 124.000 Euro.

In seiner Einladung für den Abend mit Wendt (28. März, 19.30 Uhr) verspricht Aumer nun, dass hier ein Mann komme, der dafür bekannt sei, „klar und deutlich zu sagen, was sich ändern muss, damit wir weiterhin in einem wohlhabenden, sicheren und freiem Land leben können“. Ah ja!

Zuletzt „klar und deutlich“ gesagt hat Wendt seine Ansichten dazu in seinem untergangsheischendem Buch „Deutschland in Gefahr“. Der frühere BGH-Richter Verfassungsrichter Thomas Fischer beurteilt Wendts Geschreibe als eine „Endlosschleife, die aus wenig Fakten und umso mehr Bewertung besteht“ und in der die Sicherheitslage in Deutschland „auf ein befremdliches Gegenüber von ‚wir‘ und ‚ihr‘ reduziert“ werde. Dass Wendt die Interessen der deutschen Polizei vertrete sei eher zweifelhaft, so Fischer. „Sicher ist nur eines: Er vertritt die Interessen des Rainer Wendt.“

So wird es denn auch am Mittwoch sein und auch Peter Aumer darf seine Interessen gut vertreten fühlen. Denn dass Wendt mit seinen steilen und am rechten Rand fischenden Thesen immer auf ein irgendwie dankbares Publikum stößt und für Aufmerksamkeit sorgt, ist gewiss. Und um nichts anderes geht es Aumer offenbar. Moderiert wird das Ganze übrigens von JU-Chef Michael Lehner. Der will es über de Liste ja auch noch irgendwie in den Landtag schaffen. Und der Weg dorthin scheint für die Regensburger CSU – das zeigt auch die aktuelle Debatte zur DITIB-Moschee – über die rechtspopulistische Schiene zu laufen.

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Kommentare (13)

  • mkv

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    MdB Aumer: Welch ein Alleinliege-Merkmal! Und so schlaf-wandlerisch. In der Ruhe liegt die Kraft. So kann es weitergehen – mit der „konservativen Revolution“ (Dobrindt).

  • Georg Tretter

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    Das dürfte vermutlich einmalig sein, das seit Tagen RVB Busse ausfallen. Wenn Mitarbeiter sogar Redeverbot (Sprechverbot für Busfahrer) haben, dann liegt es bestimmt nicht an der Grippe. Was sagt denn unsere Bürgermeisterin zum Bertriebsklima.

  • Mr. T

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    Dass er die Wahl verbrunzt hat, hat Aumer aber medientechnisch sehr gut verkaufen lassen. Das hat sich ja so gelesen, wie wenn ihm die Schulkinder wichtiger als die Kanzlerette gwesen wären.
    Definitiv viel zu spät ist er mit Wendt dran. Mittlerweile weiß auch der letzte, dass er nicht der führende Gewerkschaftsvertreter der Polizisten ist, sondern nur einer. Und die restlichen Aspekte, die ihn eigentlich unmöglich für einen öffentlichen Auftritt machen, hat Stefan Aigner ja schon ausgeführt. Mit Lehner wird er sich aber wohl prächtig verstehen ;-)
    All das passt aber gut ins Bild des Provinzpolitikers.

  • mkv

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    Abend mit Wendt, 28. März, 19.30 Uhr, Marina-Forum am Alten Schlachthof
    Termin bitte notieren und hingegen! Zuhauf!

    Will MdB Aumer mit seiner Veranstaltung auch dem „Stammtisch Zunder geben“, wie jüngst der CSU-Vorsitzende Seehofer? Was diese Leserbriefe zeitigte:
    http://www.sueddeutsche.de/kolumne/horst-seehofer-religion-und-populismus-1.3913589

    Will er den Sicherheits- oder besser: Überwachungsstaat Bayern bei weiterer Einschränkung der bürgerlichen Freiheitsrechte forcieren, um die „rechte Flanke zu schließen“, wegen ein paar Stimmen von jenen, die gerne ausgrenzen, und vergessen wollen, wie es einst im Dritten Reich begann?

    Beispiel zu weiteren Eingriffen in unsere Grundrechte:
    http://www.sueddeutsche.de/bayern/kriminalitaet-bayern-will-die-befugnisse-der-polizei-massiv-ausweiten-1.3912091

    Was sagte selbst CSU-Parlamentspräsidentin Stamm zu diesem Bay. Polizeiaufgaben-Gesetz (PAG)? Claudia Stamm kommentiert dieses Gesetz so:
    „Eigentlich sollten Gesetze eine gewisse Bestandskraft haben. Doch beim PAG kommen die Änderungen mittlerweile im Halb-Jahres-Takt. Offensichtlich möchte das Innenministerium die bayerische Polizei möglichst schnell und umfassend mit geheimdienstlichen Befugnissen aufrüsten. Mit dem neuen PAG schafft die CSU eine Polizeibehörde, deren Vollmachten einzigartig in Deutschland sind. Nie hat es in Deutschland seit 1945 eine Polizei mit so umfassenden Rechten gegeben, in die Grundrechte der Bürger einzugreifen. Und alles, ohne dass eine Straftat geschehen wäre, auf bloßen Verdacht hin.“
    Quelle:
    https://police-it.org/seehofers-homeland-und-die-security

    Erinnert sei an die von der AG 3 organisierten Diskussion an der Regensburger Uni mit Wendt und L-Schnarrenberger (Ex-Justizministerin) am 7. Mai 2015, an der ich zugegen war. Titel: „Demokratie im 21. Jahrhundert – zwischen Freiheit und Sicherheit“.

    Schnarri hatte genug zu tun, diesem Hartliner Wendt Einhalt zu gebieten. Es sei angeregt, die aktuell angekündigte Veranstaltung kritisch zu begleiten. Wer informiert bitte die AG 3 an der Uni?
    http://www.uni-regensburg.de/universitaet/sprecherrat/arbeitskreise/ag3/

    Wer heute noch CSU wählt, sollte sich fragen, was er „dafür“ bekommt und ob der „das“ überhaupt will und vor seinen Nachkommen vertreten kann. Es ist Zeit, die freiheitliche demokratische Grundordnung zu verteidigen.

    „Die Geschichte zeigt, dass die Ziele solcher Gesetze am Ende nicht Terroristen, sondern normale Bürger sind, die eine andere Meinung als die Regierung haben.“
    David Kairys, Jura-Professor,Temple University

    „They who can give up essential liberty to obtain a little temporary safety, deserve neither liberty nor safety.“
    Benjamin Franklin (1775)
    (Etwa: „Wer wesentliche Freiheit aufgeben kann, um eine geringfügige bloß vorübergehende Sicherheit zu bewirken, verdient weder Freiheit, noch Sicherheit.“)

  • Bla Bla Regensburg

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    @ mkv: „Was sagte selbst CSU-Parlamentspräsidentin Stamm zu diesem Bay. Polizeiaufgaben-Gesetz (PAG)? Claudia Stamm kommentiert dieses Gesetz so: (…)“.

    Lesen Sie doch Ihre eigene Quelle einfach nochmal nach und finden Sie den Fehler selbst!

  • mkv

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    Dass ich Mutter und Tochter Stamm und deren Vornamen durcheinander gebracht habe, ergibt sich aus dem Kontext, @BBRegensburg. Danke für Ihren charmanten Hinweis. Zu fragen ist, warum nicht Mutter Stamm diese Kritik ihrer Tochter in den Sinn kam …. Es wäre vielleicht ein „Ruck“ durch die CSU gegangen.

  • Piedro

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    mkv
    22. März 2018 um 07:56 | #

    Will MdB Aumer mit seiner Veranstaltung auch dem „Stammtisch Zunder geben“, wie jüngst der CSU-Vorsitzende Seehofer? Was diese Leserbriefe zeitigte:
    http://www.sueddeutsche.de/kolumne/horst-seehofer-religion-und-populismus-1.3913589

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    Sehr lesenswert, gute, kontroverse Argumente, die solche Äußerungen und Bestrebungen gut auf den Punkt bringen.

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    Will er den Sicherheits- oder besser: Überwachungsstaat Bayern bei weiterer Einschränkung der bürgerlichen Freiheitsrechte forcieren, um die „rechte Flanke zu schließen“, wegen ein paar Stimmen von jenen, die gerne ausgrenzen, und vergessen wollen, wie es einst im Dritten Reich begann?

    Beispiel zu weiteren Eingriffen in unsere Grundrechte:
    http://www.sueddeutsche.de/bayern/kriminalitaet-bayern-will-die-befugnisse-der-polizei-massiv-ausweiten-1.3912091

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    Das ist wirklich heftig!

    „Die Polizei kann: …“

    Kaum zu glauben. Besonders im Kontext des Umgangs im Freistaat mit Polizeigewalt (war ja hier auch schon Thema) mehr als bedenklich.

    „Mit dem neuen PAG schafft die CSU eine Polizeibehörde, deren Vollmachten einzigartig in Deutschland sind. Nie hat es in Deutschland seit 1945 eine Polizei mit so umfassenden Rechten gegeben, in die Grundrechte der Bürger einzugreifen. Und alles, ohne dass eine Straftat geschehen wäre, auf bloßen Verdacht hin.“

    Ein Fazit von Frau Stamm wäre wünschenswert. Das Fazit des Autors ist immerhin deutlich.

    „Ob Seehofer damit Erfolg hat, wird die Zukunft zeigen. Sollte er damit durchkommen, kann er zumindest eine Tradition seiner Vorgänger aufrechterhalten. Gesetze vorzulegen, die Jahre später das Bundesverfassungsgericht kassiert. Doch bis dahin, so zeigt es die Erfahrung mit der Vorratsdatenspeicherung oder dem BKA-Gesetz, können die Sicherheitsbehörden ganz trefflich mit den (eigentlich verfassungswidrigen Bestimmungen) arbeiten. “

    Vielleicht arbeiten die Verfassungsrichter in diesem Fall schneller. Es wäre wünschenswert, daß dieser Bundeshorst seinen Dämpfer noch während seiner Amtszeit erlebt.

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    Wer heute noch CSU wählt, sollte sich fragen, was er „dafür“ bekommt und ob der „das“ überhaupt will und vor seinen Nachkommen vertreten kann. Es ist Zeit, die freiheitliche demokratische Grundordnung zu verteidigen.

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    Vor allem nötigen diese Wähler der Republik Minister auf, die bisher nichts halbwegs vernünfiges auf die Kette gebracht haben. Immer wieder gibt es CSU-Bonbons, die der Bedeutung dieser Partei für die Republik nicht gerecht werden. Jede Ankündigung der Kanzlerin, deren Pläne seien mit ihr nicht zu verwirklichen, waren hinfällig, weil sie ohne die „Christsozialen“ Bayern keine Mehrheit zustande brächte.

    Immerhin ist erkennbar, dass immer mehr bayrische Wähler merken, dass ihre Vorstellungen von Christentum mit Füßen getreten werden, und ihre Ansprüche an den demokratischen Rechtsstaat konterkariert werden. Auf Dauer wird es hoffentlich nicht viel bringen, Tradition und Kultur und Glauben anzuführen, wenn diese Vokabeln letztlich propagandistisch zweckentfremdet werden.

    „Die Geschichte zeigt, dass die Ziele solcher Gesetze am Ende nicht Terroristen, sondern normale Bürger sind, die eine andere Meinung als die Regierung haben.“
    David Kairys, Jura-Professor,Temple University

    „They who can give up essential liberty to obtain a little temporary safety, deserve neither liberty nor safety.“
    Benjamin Franklin (1775)
    (Etwa: „Wer wesentliche Freiheit aufgeben kann, um eine geringfügige bloß vorübergehende Sicherheit zu bewirken, verdient weder Freiheit, noch Sicherheit.“)

  • Musonius

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    Nur am Rande: Thomas Fischer war nie Verfassungsrichter. Er war zuletzt Vorsitzender Richter am Bundesgerichtshof (Strafsenat). Dort nicht unumstritten, weil er wegen zahlreicher Nebentätigkeiten, u.a. Kolumnen in der Zeit, mit seiner Haupttätigkeit ziemlich in Verzug geriet. Sein Schreibstil ist ziemlich polemisch geprägt, aber durchaus erfrischend, nicht immer pc.

  • Stefan Aigner

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    @Musonius

    Danke. Ist korrigiert.

  • Nocheinüberlebender

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    „In einem zehnminütigen Beitrag griff am Dienstag „Report Mainz“ ein bislang wenig beleuchtetes Thema in der Diskussion um die Missbrauchsvorwürfe bei den Regensburger Domspatzen auf.“ „Bislang hatte das außer uns kein anderes Medium thematisiert.“

    Hallo Robert Werner, hallo Stefan Aigner,

    was halten Sie eigentlich sonst noch davon https://www.br.de/nachrichten/regensburger-domspatzen-missbrauchsfaelle-104.html

    Alle anderen Ihrer Kommentarfunktionen zu den Domspatzenbeiträgen sind gesperrt (sicher hätte das auch in: „Auftragsarbeit zu Domspatzen weist gravierende Mängel auf“ gepasst).

    Bei mir war es so: Als ich damals meine Geschichte vortrug, wurde ich massiv angegriffen, also ich zöge die Jungen, die bei den Domspatzen waren, in den Schmutz. Das eine hat doch mit dem anderen gar nichts zu tun: Wenn Herr Meier danebenstand, weil er ja beim Duschen stets dabei war, dann können doch die Jungs nichts dafür. Und jetzt greift die Diözese das auf und sucht nach den schuldigen (!) Jungs (siehe Kommentar von Herrn Neck) – das ist pervers.

    Sie haben das mit den Schülern ja schon vor Jahren aufgegriffen und es muss klargestellt werden: Kinder sind in so einem Fall nie (!) schuldig, denn es ist für sie nicht bekannt, dass es um Sexualität und all die Dinge geht, denn sie wissen gar nichts davon – das ist wie damals, als man die Kinder wegen Homosexualität dann auch noch vor Gericht zerrte – ein neuer Skandal.

    Pädophile haben ausgeklügelte Systeme und eines davon ist das, den Kindern eine Mitschuld zu geben und das muss verhindert werden.

    Sie, lieber Robert Werner, haben schon angekündigt, dass alles zu den Themen gesagt ist, meine Mutter ist schon krank, ich lebe von Sozialhilfe (durch die Umstände des ganzen Geschehens) und bin auch krank.

    Jeder ist für sich verantwortlich und jeder entscheidet für sich – aber unseriös und pervers ist das schon: UND ZWAR VON DER DIÖZESE und von niemandem anderen sonst.

  • Nocheinüberlebender

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    So, jetzt reicht es mir aber! Wenn sich wieder nichts tut (siehe oben), obwohl mir das versprochen wurde, dann werde ich stinkesauer! Worum geht es? Mir wurde versprochen, dass es bis Dezember entschieden ist, dann wurde es verschoben auf April und jetzt wieder nichts! Es nervt, macht kaputt und es ist ein skandalöser Vorgang. Ich kündige Widerstand an. Was mir da geboten wird, das entbehrt jeder Grundlage.

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