„Gemütlich hier! Wir kommen wieder!“ Besetzung vorerst beendet

Genau ein Jahr her: Bildungsproteste am 17. November 2010 in Regensburg. Foto: Archiv
Die Besetzung der Regensburger Universitätsverwaltung ist beendet – vorerst. Gegen acht Uhr morgens haben die letzten Studierenden das Gebäude verlassen. Sie haben ein Schild hinterlassen mit den Worten: „Gemütlich hier, wir kommen wieder.“ Man habe die Zeit genutzt, um sich zu vernetzen und neu zu organisieren, heißt es in einer Mitteilung der Besetzer. In den kommenden Wochen werde es weitere Protestaktionen geben. Am Mittwochabend hatten etwa 50 Studis das Verwaltungsgebäude besetzt. Das darauf folgende Spiel erinnerte an das Jahr 2009. Nach längeren Gesprächen, bei denen Rektor Thomas Strothotte vergeblich versucht hatte, die Besetzer zum Verlassen des Gebäudes zu bewegen, setze er diesen mehrere Ultimaten und drohte mit der Räumung durch die Polizei. Zwar gab es anschließend die ganze Nacht hindurch Gerüchte vom Eintreffen der Polizei, aber schlussendlich blieb alles friedlich. Von außen wurde die Verwaltung mit Beginn der Besetzung durch den Sicherheitsdienst verriegelt: Medienvertreter durften das Gebäude nicht betreten.

Uni Berlin mit Gewalt geräumt

Zeitgleich mit Regensburg wurde auch die Verwaltung der Freien Universität Berlin besetzt. Am frühen Morgen räumte die Polizei das dortige Gebäude, in dem sich rund 60 Besetzer befanden. 140 Polizeibeamte waren nach offiziellen Meldungen dort im Einsatz. Studenten sprechen von unverhältnismäßiger Gewalt, auch Hunde sollen vor Ort gewesen sein. Gespannt darf man darauf sein, wie viele Studenten sich an der heutigen Demonstration beteiligen, die um 14 Uhr von der Universität zum Domplatz ziehen wird. Die Demo ist Teil bundesweiter Proteste in rund 40 Städten. Zentrale Forderungen sind die Abschaffung der Studiengebühren und eine Demokratisierung der Hochschulen. In den letzten Jahren wurden die Mitbestimmungsrechte der Studierenden kontinuierlich beschnitten. Vielsagend dazu ist ein Zitat des früheren bayerischen Wissenschaftsministers Thomas Goppel aus dem Jahr 2006: „Wir haben unsere Zeit nicht mit Gruppenuniversitäten und Mitbestimmung verschwendet, sondern uns ganz auf Wissenschaft und Forschung konzentriert“. Demokratie scheint eben ineffizient und hinderlich für den Wettbewerb zu sein.

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Kommentare (17)

  • NannyOgg07

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    Schön für Herrn Goppel.

    Und eine solche Äußerung macht die Demokratieferne unserer herrschenden Klasse verständlicher. Wer Kundgebungen für Zeitverschwendung hält hat wohl den Grundgedanken der Demokratie nicht verstanden.

    Gruß mone

  • Tommy

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    Das sind die Forderungen des Regensburger SprecherInnenrats:

    „Die Abschaffung der Studiengebühren!
    Die Ausfinanzierung der Hochschulen!
    Demokratische Mitbestimmung der Studierendenschaft!
    Masterplätze für alle!
    Eine angemessene Überarbeitung von Bachelor- sowie Masterstudiengängen und der neuen Lehramtsprüfungsordnung!“

    Und das hier die Forderungen der bundesweiten Vernetzung Bildungsstreik:

    „Abschaffung aller Bildungsgebühren – Kostenfreie Bildung für alle

    Geld für Bildung statt für Banken und Konzerne

    Weg mit dem mehrgliedrigen Schulsystem – Eine Schule für alle

    Studien- und Ausbildungsplätze für alle

    Alle Zulassungs- und Zugangsbeschränkungen, auch für Masterstudiengänge, abschaffen

    Die Übernahme nach der Ausbildung

    Eine gesetzliche Umlagefinanzierung – Wer nicht ausbildet muss zahlen

    Kleinere Klassen und Kurse mit max. 20 SchülerInnen – mehr LehrerInnen in allen Bildungseinrichtungen
    Weg mit dem Turbo-Abitur (G8)

    Kostenlose Mahlzeiten und kostenlose Nutzung des öffentlichen Nahverkehrs an allen und für alle Schulen, KiTas und Hochschulen

    Demokratie statt Repression – Demokratisierung aller Bildungseinrichtungen und Lebensbereiche

    Gegen die Militarisierung von Bildungseinrichtungen – Für die Zivilklausel, Kooperationsvereinbarungen kippen“

    Regensburg: Wie 2009 null gesamtgesellschaftlicher Ansatz. Null Systemkritik. Null Solidarität mit anderen Betroffenen von Bildungs- und Sozialabbau.

  • Vom Regen in die Aug

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    Auch der einstige Prorektor der Uni Regensburg, Herr Prof. Dr. Bierling, fand im Wintersemester 2009/10 schöne Worte, als er dem Verlangen nach einer Demokratisierung der Uni Regensburg sinngemäß entgegnete:
    Demokratie kann es nur unter Gleichen geben!!

    Aber wer schon ‚ganz‘ oben ist (auch wenn ich als sein ehemaliger Student nicht verstehe, wie er es inhaltlich soweit schaffen konnte), der muss seine Pfründe natürlich für sich und seinesgleichen verteidigen. Wo kämen wir hin, wenn auf einmal auch Nicht-Akademiker_innen-Kinder auch etwas zu sagen hätten. Es sind eben nicht alle gleich! Es gibt Eliten und den Pöbel. Wenn alle die gleichen Chancen hätten, das wäre dann bestimmt… hm?… Sozialismus oder sonst irgendetwas ganz Schreckliches vielleicht sogar Demokratie? Gott sei Dank sind wir nicht alle gleich.

    Statt sich in seinem Fach, der Internationalen Politik, zu profilieren, grinst der nette Herr derzeit lieber aus der Süddeutschen und veröffentlicht dort gerne Artikel, in denen er die bayerische Bildungspolitik rechtfertigt:

    http://www.sueddeutsche.de/karriere/zahlen-fuers-studium-studiengebuehren-abschaffen-eine-katastrophe-1.1166224

  • frage

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    Weltfremd!

  • schallundrauch

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    Bravo Berlin! Genauso sollte es Hotte machen!

    Liebe Studenten,

    durch eure dämlich Blockade an der Cinemax-Kreuzung ging mir ein Auftrag im Wert von ca 1500 € flöten. Ich setz mich jetzt solange bei euch vors Auto bis mir einer von euch das Geld gibt. Soziale Leistungen aufs dreisteste einfordern und dabei denen die den Rest auf eure Studiengebühren mit finanzieren noch schaden dabei! Demos und Besetzungen auflösen, notfalls mit Gewalt.

  • schallundrauch bla

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    Liebe Studenten,

    durch eure dämlich Blockade an der Cinemax-Kreuzung ging mir ein Auftrag im Wert von ca 1500 € flöten. Ich setz mich jetzt solange bei euch vors Auto bis mir einer von euch das Geld gibt. Soziale Leistungen aufs dreisteste einfordern und dabei denen die den Rest auf eure Studiengebühren mit finanzieren noch schaden dabei! Demos und Besetzungen auflösen, notfalls mit Gewalt.

  • Dämlicher Student

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    So leid es mir um ihren Auftrag tut. Stellt die Frage, inwiefern eine Demonstration etwas bewirken soll. wenn sie von niemandem wahrgenommen wird.
    So weit ihnen die Universitätswelt auch entfernt sein mag, sind auch sie Teil der hiesigen Gesellschaft. Durch welche Faktoren glauben sie, ist Deutschland künftig als Industriestandort in der globalen Welt haltbar?
    a) Billige Arbeitskräfte
    b) Bildungs- und Wissensvorprung

    Die Zustände die an der Regensburger Universität herrschen, können allerdings keinerlei Indizien dafür geben, inwieweit das bayrische Bildungssystem dem eines x-beliebigen Schwellenlandes noch überlegen sein sollte. Indem wir uns als Studenten um unser eigenes Wohl sorgen, kümmern wir uns folglich um den Erhalt bzw. die Restaurierung qualitativ hochwertiger Bildung in Bayern und somit letztendlich der Lebensqualität in Deutschland. Es mag ja für unsere Herren Politiker ganz schön und populär sein, das Haushaltsdefizit zu verringern, in dieser Form aber wird die künftige internationale Konkurrenzfähigkeit Deutschlands aufs Spiel gesetzt.
    MfG

  • Rauch und Schall

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    Liebe Studenten,

    durch eure Blockade an der Cinemax-Kreuzung kam ich 10 Minuten zu spät zu einem wichtigen Auftrag. Ich war schon sauer auf Euch und so geknickt, dass ich bereits Gewaltphantasien entwickelte. Doch plötzlich, wie aus dem Nichts, stand ein Kobold vor mir und übergab mir einen Topf voll Gold.
    Bei der Bank erklärte man mir, dass dieser Topf voll Gold umgerechnet einen Wert von 15000 € hat.

    Da ich zehnmal so viel gewonnen habe, im Vergleich zum Betrag, den mein Vorredner verlor, schließe ich, dass sich die Aktion gesamtwirtschaftlich gesehen gelohnt hat! Ich muss jetzt etwas mehr Steuern zahlen und finanziere so den Rest auf Eure Studiengebühren mit.

    Also, falls jemand vor Eurem Auto sitzt. Dann freut Euch! An der nächsten Ecke wartet schon die nächste Chance! Ein Hoch auf das Leben im Kapitalismus!

  • domiNO

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    Um wahrgenommen zu werden, organisieren unbedarfte Jugendliche ihre Geburtstagsfeier über fakebook und bekommen mehr Gäste als der SprecherInnenrat für eine Demo, die angeblich auf die Interessen der Studierenden aufmerksam machen soll.
    Eine der Forderungen ist mehr Mitspracherecht und Demokratie. In der Demokratie muss man sich aber auch an Spielregeln halten und darf ein offensichtlich nicht beschlussfähges Gremium – wie es die Vollversammlung war – Beschlüsse fassen lassen.
    Zur Falsi- oder Verifizierung des Vergleichs mit Schwellenländern empfehle ich ein Auslandsstudium ebendort, Positiver Nebeneffekt: Auslandsstudium soll die Berufschancen erheblich verbessern.

  • Paragraphenscheißer

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    Du checkst es einfach nicht oder?
    Die Vollversammlung hat – auch wenn sie „beschlussfähig“ ist, NICHTS zu sagen.
    Die Entscheidungen, die bei der VV getroffen werden, sind NIE gültig. Das ist nur eine Show, um den bayerischen Studierenden vorzugaukeln, sie hätten demokratische Rechte. Lies das Hochschulgesetz, lies die GO der Uni Regensburg, lies die lächerliche GO die sich der Konvent selbst gegeben hat.

  • frage

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    glaub ich nicht.

  • frage

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    und wenn sie es 10 mal posten. es wird deshalb nicht glaubwürdiger.

  • Dubh

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    Glauben Sie nicht?
    Nun ja, glauben heißt nichts wissen, nicht wahr?

    Dass man das Internet auch nutzen kann sich zu informieren über das was man so glaubt, wie es generell ihre Art ist, scheint Ihnen komplett entgangen zu sein.

    Die verfasste Studentenschaft in Bayern wurde bereits 1973 abgeschafft, und bis zum heutigen Tag existiert keine!

    Was das nun ist wissen Sie auch nicht?
    Tja blöd, was?

  • domiNO

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    Und du checkst einfach nicht, dass der Sprecherrat in der Eigenschaft als Studerendenvertretung gerade mit Einberufung der Vollversammlung diese legitimiert hat – egal ob es sich dabei um ein demokratisches Feigenblatt handelt oder nicht. Lass dir doch mal vom Sprecherrat erklären, weshalb man ein derartiges Gremium einberuft. Wenn man diesen formalen Weg beschreitet, sollte man sich auch an die Formalien halten.

  • Paragraphenscheißer

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    Eine VV kann durch einen verschwindet geringen Prozentsatz der Studierenden einberufen werden, z. B. durch Unterschriften oder durch Konventsbeschluss. Nie aber durch den SprecherInnenrat.

  • Alexander Gruber

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    Gegen was demonstrieren die Studenten? Im Vergleich zum UK ist studieren doch billig.

  • frage

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    bitte lesen sie erst die legende. ich glaube nicht, dass hier ein 1500 € auftrag verloren gegangen ist.

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