SOZIALES SCHAUFENSTER

Archiv für 27. März 2011

Soeben erschien mit „Herzstich“der erste Roman der jungen Regensburger Autorin Sonja Silberhorn. Er gehört zur immer beliebter werdenden Gattung der Heimatkrimis, auf die sich der Kölner Emons-Verlag spezialisiert hat. „Herzstich“ spielt und wurzelt in Regensburg. Dem Charme des Lokalkolorits kann man sich als Regensburger schwer entziehen – ein wichtiger Schauplatz ist zum Beispiel die Ostengasse, die Kommissarin Sarah Sonnenberg wohnt in der Altstadt und kennt sich mit Parkplatzproblemen bestens aus, da sie zur Dienststelle der Kriminalpolizei in der Bajuwarenstraße mit ihrem alten Golf namens Wenzel fährt. Die regionalen Bezüge werden jedoch nicht zu dick aufgetragen, so dass sich der Krimi zunächst gut und flüssig liest. Im weiteren Verlauf der Geschichte tritt jedoch die Ermittlung in der Serie von gewaltsamen Todesfällen von Männern in sexuell eindeutigen Positionen mehr und mehr zurück, zugunsten der sich anbahnenden Liebesgeschichte zwischen Sarah Sonnenberg und ihrem gutaussehenden, aber an gebrochenem Herzen leidenden Kollegen Raphael Jordan. Die Autorin wechselt im Dienste dieser keimenden Romanze verschiedentlich die Perspektive, wirft einen Blick auf das Innenleben des grünäugigen Polizisten und spricht die Leserin als Sarah Sonnenberg und Ich-Erzählerin sogar direkt an: „Hand aufs Herz, kennen Sie das auch?“. Die Ermittlung wird dagegen recht knapp abgehandelt, und insbesondere die Einschätzung der Motivlage der (vermeintlichen) Täterin entspringt direkt dem Handbuch des Hobby-Psychologen. Auch das Vorgehen der Hauptperson Sarah Sonnenberg wirkt sehr unprofessionell, sie läuft der Täterin ganz allein direkt in die Arme, wohl vor allem damit ihr Kollege sie retten und so zum Helden werden kann. Auch hier regiert die Provinz, diesmal aber nicht im positiven Sinne; dieser Roman bleibt hinter fortschrittlichen Frauen- und Gesellschaftsbildern weit zurück, die gerade über den Kriminalroman Eingang in die Literatur gefunden haben. Er bietet auch keinen ungewöhnlichen, spannenden Kriminalfall, sondern ist diesbezüglich sehr einfach gestrickt, sehr konventionell wirken auch Prolog und Epilog aus der Sicht der Täterin. Einzig die Beschreibung der Kriminalkommissare und ihr Umgang miteinander sowie das Privatleben der Ich-Erzählerin haben Unterhaltungswert als witziges, mit leichter Hand geschriebenes Lesefutter. Sonja Silberhorn: Herzstich. Emons Verlag Köln, 271 S., 10,90 €.

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