81 Jahre Abwehr: Der Kunst- und Gewerbeverein Regensburg und sein Umgang mit NS-Belastungen
Die Jubiläumsausstellung des Kunst- und Gewerbevereins und der flankierende Katalog belegen eindrucksvoll, dass der Verein sich nicht mit seiner NS-Vergangenheit auseinandersetzen will. Den Gestalter der Ehrenbürgerurkunde für Adolf Hitler stellt man aus, ohne seine Rolle zu thematisieren. Die Gründe dafür reichen tief.

Kommt weder in der Ausstellung noch im Katalog des KGV vor: die Ehrenbürgerurkunde für Adolf Hitler des Künstlers Franz Ermer, der aktuell gezeigt wird. Foto: Anzeige in Nazizeitung Bayerische Ostwacht von 11. November 1933.
Vor 100 Jahren präsentierte der Regensburger Kunst- und Gewerbeverein (KGV) seine erste Jahresschau. In seiner aktuell laufenden Jubiläumsschau, 100 Jahre Jahresschau, feiert man diese Tradition mit 99 Bildern aus den jeweiligen Ausstellungen. Man ist stolz auf „diese Kontinuität im wilden Wandel der Zeiten“. Dass es zwischen 1933 und 1945 eine „dunkle Zeit“ (KGV-Chronik) gegeben hat, thematisiert man in der Ausstellung nicht. So als ob das NS-Regime an Regensburg und dem KGV einfach vorbeigegangen wäre.
Der schick aufgemachte und vorzüglich gestaltete Jubiläums-Katalog mit den 99 ausgewählten Bildern aus den Jahresschauen (1945 fiel sie wegen dem Ende der „dunklen Zeit“ aus) kann sich sehen lassen. Man kann dem Kunst- und Gewerbeverein dafür gratulieren. Gratulieren zur neuerlichen peniblen Auflistung der Künstler der jeweiligen Ausstellungen, zur Organisation von rund 130 Beiträgerinnen und Beiträgern, die aus der Mitte der Kunst- und Kulturszene kommen und die jeweiligen Kunstwerke vorstellen. Darunter der ehemalige und aktuelle Kulturreferent, ein Theater- und Kasperltheatermacher, der derzeitige Museumsleiter und die geschasste Vorgängerin, Vorsitzende und Leiter diverser Einrichtungen, Galeristen, Journalistinnen und Journalisten, usw. Insgesamt elf Sponsoren ließen sich nicht lumpen und ermöglichten einen aufwendigen Katalog. Papier: Magno Volume 150 g/m2.
Nur dünne Hinweise auf NS-Belastungen im Katalog
Die thematische Einführung (Hundert Jahre Gegenwart: Die Jahresschauen des Kunst- und Gewerbevereins Regensburg 1926–2025) stammt von Prof. Dr. Christoph Wagner, Leiter des Lehrstuhls für Kunstgeschichte an der hiesigen Universität. Auf vierzehn Katalogseiten, unterteilt in zwölf Kapitel, handelt er überblicksartig die besagten 100 Jahre ab.

Zur Eröffnung der Ausstellung 100 Jahresschauen am 18. September 2026 begrüßte der KGV-Vorsitzende Georg J. Haber auch Oberbürgermeister Thomas Burger. Den Festvortrag hielt Prof. Christoph Wager (v.l.). Foto: Julia Knorr.
Der Nazizeit widmet er unter der Überschrift Gleichschaltung, ideologische Verengung und Krieg, 1933–1945 zwei Seiten. Die Verstrickungen des KGV im NS-Regime könne man, so Wagner, in einer Einführung nicht „im Detail ausbreiten“. Es sei uns aber wichtig gewesen, „in unseren Anmerkungen zu den Texten diesbezügliche Hinweise zu geben“.
In den jeweiligen Beiträgen finden sich aber nur vereinzelte, dünne „Hinweise“ auf NS-Belastungen. Bei mehreren Künstlern, die als NS-Profiteure und Naziaktivisten gelten müssen, fehlen sie komplett. Neuere Erkenntnisse zur Geschichte und Verstrickungen des Vereins im Nationalsozialismus oder gar eigene Forschungen bringt Wagner nicht.
Dergleichen gehört auch nicht zu seinem Forschungsgebiet. Wenn der Anschein nicht trügt, wurde er auch deshalb in die Redaktion und Projektleitung geholt, nicht zuletzt, um die altbekannten Eigendarstellungen des Vereins als Gleichschaltungs-Opfer des NS-Regimes wieder einmal zu referieren und mit professoralem Segen zu zementieren. So stimmt auch Wagner das selbstbetrügerische Lied von einem unpolitischen Verein an, der in der NS-Diktatur gleichgeschaltet wurde.
Mit den Lobeshymnen auf Walter Boll ist es vorbei
Bei einem prominenten Akteur weicht Wagner aber von den bisherigen KGV-Erzählungen, Lobeshymnen und Geschichtsklitterungen ab: In der Causa Walter Boll (hier zum Kunstprojekt Erl/Friedl), dem ehemaligen 2. Vorsitzenden des KGV (1932–1945), Direktor des NS-Museums und NS-Multifunktionär.

Walter Bolls NS-Belastung und Rolle im Kunst- und Gewerbeverin wird derzeit erfoscht und aktuell thematisiert in der Ausstellung: Tanzen und Taumeln – Die 1950er Jahre in Regensburg. Die bis 2025 im Treppenhaus verehrte Boll-Büste auf dem Sockel rechts von 1970 ist nun Gegenstand der Ausstellung. Foto: RW.
Anders als die Günstlinge, Bewunderer und Verteidiger Bolls lässt Wagner den „am deutlichsten institutionell belasteten Akteur“ fallen. Wer genau hinsieht, findet in Wagners Fußnote 15 sogar dezente Kritik: Dass der KGV noch 1986 Bolls Darstellung der Vereinsgeschichte publizierte, zeige, „wie wenig man Walter Bolls unrühmliche Rolle im Nationalsozialismus reflektierte.“
Woher Wagner die für den KGV neue Erkenntnis von Bolls unrühmlicher Rolle hat, verrät er der interessierten Leserschaft leider nicht. Auch das von der Stadt finanzierte und derzeit laufende Forschungsprojekt zu Boll an seiner Universität bleibt unerwähnt. Dem Vernehmen nach werden in dem Forschungsprojekt neben Bolls nationalsozialistischen Netzwerken und Kunstpolitik auch Bedeutung und Funktion des KGV untersucht.
Nazifizierung erwuchs aus der Mitte der Kunst- und Kulturszene
Mit Blick aufs Ganze geht es aber nicht nur um einen zum Nazifunktionär gewordenen Bösewicht namens Boll. Die „Gleichschaltung“ des KGV und ihre maßgeblichen Akteure, Walter Boll und der völkische Verleger Gustav Bosse, kamen nicht von außen wie ein alternativloser Zwang. Die Nazifizierung der Regensburger Stadtgesellschaft trugen die gesellschaftlichen Eliten und die zeitgenössischen Honoratioren vielmehr selbst. Sie erwuchs aus der Mitte der Kunst- und Kulturszene. Die historische Forschung sprich von deshalb Selbstgleichschaltung.

Foto der Hochzeit von Richard Wiedamann und Johanna Cetto 1931 in Saal an der Donau. Hintere Reihe stehend in der Mitte: Max Wissner. Sitzend in der Mitte: Elfriede und Kommerzienrat Ernst Catto, schräg dahinter stehend: Johanna Wiedamann, geb. Cetto, und Richard Wiedamann. Erste Reihe stehend: Hanns von Walther, Gustav Bosse, Eugen Wiedamann (v.l.). Foto: Historisches Museum Stadt Regensburg.
Annalen des Vereins stellen NS-Profiteur Wiedamann als Opfer dar
Ein Beispiel dafür ist die Familie Wiedamann. Sie diente sich bereits bei der ersten Gelegenheit, dem Besuch Hitlers in Regensburg 1933, mit ihrem aufpolierten Zinngeschirr an, was ihr einen steilen Aufstieg im NS-Regime bescherte. Die Wiedamanns traten mit ihrer Produktion in deutschen und internationalen Kunstausstellungen auf, fertigten für führende NS-Figuren und Hitler und durften an sie verkaufen.

Mit Zinngeschirr von Eugen Wiedamann geschmückter Reichssaal zum Besuch Hitlers im Oktober 1933. Quelle: Museen der Stadt Regensburg.
Sie waren an der Ausbeutung und Vernichtung von NS-Zwangsarbeitern in ihren Wohn- und Werkstätten profitabel beteiligt. Eugen Wiedamann und sein Sohn Richard gehörten vor, während und nach der NS-Zeit zu den tonangebenden Bürgern, sie hatten vor, während und nach der NS-Zeit eine Führungsposition im KGV inne.
In die selbstbetrügerischen Annalen des KGV gingen die Wiedamanns aber nicht als Akteure und Nutznießer des NS-Regimes ein, sondern als dessen Gegner und Gleichschaltungs-Opfer. Der KGV-Funktionär Stefan Reichmann, wie vormals Boll und Wiedemann Mitglied des Männerbunds Schlaraffia, trat dabei mit gewissem Eifer hervor.
Rolle der Wiedamanns wird im Katalog nicht thematisiert – nur ein Chanukka-Leuchter
Regensburg-digital berichtete mehrfach über die profitable Position und den gewichtigen Beitrag der Wiedamanns im und fürs NS-Regime und über den gescheiterten Versuch, sie posthum zu „Judenschützern“ zu machen.
Im aktuellen 100 Jahre-Katalog wird der Aufstieg der Wiedamanns als NS-Profiteure bezeichnender Weise überhaupt nicht thematisiert. Da man aber die Kunstwerke Wiedamanns, die in den Jahresschauen über Jahrzehnte hinweg gezeigt und hervorgehoben wurden, nicht gänzlich weglassen wollte, präsentiert man in der aktuellen Schau etwas Unverdächtiges und Vorzeigbares: einen achtarmigen Chanukka-Leuchter, den Eugen Wiedamann um 1914 gestaltete.

Linkes Gemälde Die Schaukel, Jo Lindinger 1931, links auf Podest Messing-Leuchter Franz Weichmann (1930) und in der Mitte Chanukka-Leuchter Wiedamann (1914); Foto: Julia Knorr.
Der Entwurf stammte von Friedrich Adler (1878–1942), der wegen seiner jüdischen Herkunft bereits 1933 als Professor der Kunstgewerbeschule Hamburg Berufsverbot erhielt, von der Reichskulturkammer ausgeschlossen, 1942 nach Auschwitz deportiert und ermordet wurde. Der Leuchter wurde in der Jahresschau von 1928 gezeigt, im aktuellen Katalog stellt ihn Ilse Danziger vor.
Boll-Protegé Franz Ermer: ein ganz besonderer „Heimatkünstler“
Ein weiteres Beispiel für einen über Regensburg hinaus bekannten Künstler, der laut eigenen Angaben immer im Vorstand des KGV aktiv war und im 100 Jahre-Katalog ohne jedweden Hinweis auf eine NS-Belastung präsentiert wird, ist der Maler Franz Ermer (1886–1976). Ermer, Gründungs- und Ehrenmitglied des KGV und ein Spezl von Museumsdirektor Walter Boll, war wohl der einzige Künstler, der auf allen Jahresschauen von 1926 bis 1951 ausstellen durfte. Für den Katalog wählte man eine Winterlandschaft im Donautal von 1940, vorgestellt von Christoph Maltz.

Von Boll protegiert: Franz Ermer. Hier seine Winterlandschaft (1940) präsentiert in der Jubiläumsschau des KGV, ohne Hinweis auf seine NS-Belastung. Foto: RW
Ermer hat unzählige Landschaftszeichnung und Skizzen von Regensburg und Kallmünz gefertigt, gedruckt und verkauft und arbeite eng mit dem Zinngießer Wiedamann zusammen. Seit 1920 wirkte er als Kunstlehrer am Alten Gymnasium, wo man ihn im Oktober 1935 zum Studienprofessor ernannte.
Von Walter Boll protegiert, durfte Ermer sich beispielsweise im Kunstring der NS-Kulturgemeinde im Rahmen der Gauwoche im Mai 1936 an der Verkaufs-Ausstellung Kunstschaffen in der Bayerischen Ostmark beteiligen. Diese Ausstellung stand unter dem Protektorat des Gauleiters Fritz Wächtler, die künstlerische Leitung lag in den Händen des damaligen zweiten Vorstands des Kunst- und Gewerbevereins, dem Direktor des Ostmarkmuseums und Nutznießer des Naziregimes Walter Boll.
Fürs Historische Museum kaufte Boll von Ermer mehrere Werke an und nicht zuletzt dadurch konnte er sein Jahreseinkommen von 1938 innerhalb von fünf Jahren fast verdoppeln. Ermer verdiente laut Angaben des Finanzamts im Jahre 1943 über 15.200 Reichsmark. Zum Vergleich: das damalige Durschnittseinkommen lag laut Bundesjustizministerium bei 2.324 Reichsmark.
Unter dem vormaligen Nazi-Bürgermeister Hans Herrmann verlieh ihm die Stadt (wie vielen anderen NS-Belasteten, darunter Walter Boll, Florian Seidl, Theobald Schrems, Heinz Schauwecker) 1958 die Albertus-Magnus-Medaille. Eingefädelt vom „lieben Walter“ (so Ermers Anrede von Boll) ehrte ihn der KGV 1967 mit einer Kollektivausstellung, bereits ein Jahr nach seinem Tod mit einer Gedächtnisausstellung (1977).
Ermer: Gestalter der Ehrenbürgerurkunde für Adolf Hitler
Doch Ermer war mehr als ein Künstler, der durch Protektion gutes Geld verdiente. Er war nicht nur an NS-Ausstellungen beteiligt, sondern wurde von der Nazi-Stadtverwaltung und Walter Boll auch für die Gestaltung der Ehrenbürgerurkunde für Adolf Hitler erwählt.
Dass es der Regensburger Studienrat Ermer war, der Hitlers Urkunde in Form einer geätzten Solnhofener Platte ausführen durfte, war im Jahr 1933 kein Geheimnis, sondern eine ehrenvolle Aufgabe für den „Heimatkünstler“. Die Platte wurde im August 1933 im Rathaus zur allgemeinen kostenlosen Besichtigung freigegeben und alle Regensburger Zeitungen machten unter der Überschrift Ausstellung der Ehrenbürgerurkunde Werbung für die Besichtigung.

Regensburger Stadtanzeiger vom 9. August 1933 macht Werbung für die ausgestellte Ehrenbürgerurkunde von Franz Ermer.
Besonders gedankt wird darin dem Künstler, „unser feinsinniger Heimatkünstler, Studienprofessor Franz Ermer“, der die Urkunde entworfen und gestaltet habe, so der Zeitungstext von Anfang August 1933. Die in monumentalen Buchstaben gehaltene Inschrift lautet:
„Die Stadt Regensburg verleiht hiermit dem Führer zu Deutschlands Einheit und Grösse Reichskanzler Adolf Hitler in treuer Gefolgschaft das Ehrenbürgerrecht. Stadtrat Regensburg am 27.April 1933.“
KGV thematisiert Ermers Rolle nicht
Stellt sich die Frage, warum der KGV Ermers freiwilliges Engagement bei der Verehrung Hitlers nie von sich aus thematisiert hat?
Eine Anfrage beim KGV-Vorstand nach dessen Kenntnisstand zu Ermers Engagement für die Ehrenbürgerurkunde Hitlers und nach eventuell vereinsintern gelaufenen Auseinandersetzungen zu Ermer wurde mit einem Ablenkungsmanöver und dem Verweis auf staatliche Archive brüsk abgewehrt:
„Der Kunst- und Gewerbeverein Regensburg ist als privater Verein weder Archiv noch öffentliche Auskunftsstelle für personenbezogene historische Recherchen.“ Insbesondere führe der Verein „keine Personal-, Partei-, Entnazifizierungs- oder sonstigen behördlichen Unterlagen zu früheren Mitgliedern oder Künstlern“, teilt der 1. Vorsitzende des Vereins Dr. Georg J. Haber mit. Er verrät nicht, ob ihm die NS-Belastung Ermers längst bekannt ist oder ob er davon zum ersten Mal hört.
Firma Brandner stellte Goldarbeiten für Ehrenbürgerurkunde her
Dass Haber sich partout nicht äußern will, könnte mit dem von ihm mit aufgebauten Firmenimperium Haber & Brandner zu tun haben. Denn das Unternehmen Brandner war ebenfalls an der Herstellung Ehrenbürgerurkunde beteiligt.
Laut den bereits erwähnten Presseberichten, die für die Besichtigung der Ehrenbürgerurkunde warben, wurde der vergoldete Metallrahmen um die Platte nämlich von der „Firma Brandner in Regensburg durch den Kunstgewerbler Franz Weichmann ausgeführt.“ Das auf der Plattenrückseite unter dem Stadtwappen platzierte Hakenkreuz stammte ebenso von Weichmann, es wurde zur Hervorhebung in Glanzgold ausgeführt. Ob der KGV-Vorsitzende Haber von der Beteiligung seiner späteren Partnerfirma Brandtner Kenntnis hatte?
Unklar bleibt auch, ob Georg J. Haber einfach nichts (mehr) davon weiß, dass nicht nur Franz Ermer sich dem Nazibürgermeister Otto Schottenheim andiente, sondern der gesamte Kunst- und Gewerbeverein.
KGV diente sich Nazibürgermeister Schottenheim an
Jedenfalls geht aus den im Stadtarchiv erhalten geblieben Dokumenten hervor, dass der Vereinsvorstand Gustav Bosse sich am 4. August 1933 an den „Herrn Oberbürgermeister Dr. Schottenheim Hochwohlgeboren“ mit einem Ersuchen wandte: „… es wolle ihm [dem Verein] gestattet werden, die von Herrn Prof. Ermer für unseren Reichskanzler Adolf Hitler gefertigte Ehrenbürger-Urkunde als ein Beispiel Regensburger angewandte Kunst in einem der Schaufenster des Gewerbehauses etwa 14 Tage auszustellen.“

Das “ergebene Ersuchen” des KGV-Vorsitzenden Gustav Bosse an Nazibürgermeister Schottenheim vom 4. 8.1933 mit dem Wunsch, die Ehrenbürger-Urkunde im KGV zeigen zu dürfen. Quelle: Stadtarchiv ZR 2 2127.
Was laut Bosse „sicher von vielen Kreisen dankbar begrüsst werden“ würde, blieb dem KGV aber versagt. Die von Studienrat Ermer geätzte Tafel wurde stattdessen in der Kriegergedächtniskappelle im Rathaus gezeigt, flankiert von zwei SA-Wachen.
Als Trost bekam Ermer aber postwendend ein persönliches Dankesschreiben von Nazibürgermeister Schottenheim: „Mit besonderer Befriedigung“ habe er die „Ehrenurkunde für unseren Führer Reichskanzler Adolf Hitler erhalten“. Er, Schottenheim, gestattete sich, Ermer „für diese schöne künstlerische Schöpfung“ seine „vollste Anerkennung auszusprechen“ und bedankte sich herzlich dafür, dass Ermer „in edler Begeisterung für die Sache sowohl Entwurf wie Ausführung der geätzten Platte der Stadt kostenlos zur Verfügung gestellt“ habe. Noch Mitte November 1933 warb das Naziblatt Ostwacht mit der eingangs gezeigten Fotografie für die Besichtigung der Urkunde im Rathaus.

Dankesschreiben von Nazibürgermeister Schottenheim an Studienrat Ermer, für dessen edle Beigeisterung für die Sache vom 9. August 1933. Quelle: StAR ZR 2 2127
Nachdem Nazibürgermeister Schottenheim den Wert von KGV-Künstlern wie Ermer erkannte, die bereits im Sommer 1933 mit „edler Begeisterung für die Sache“ der Nationalsozialisten einstanden, dürfte es ihm leichtgefallen sein, als er sich Ende 1933 anlässlich gewisser Begehrlichkeiten von Berliner Nazi-Behörden für den KGV einsetzte:
„Der Kunst- und Gewerbeverein Regensburg ist als Gruppe des Kampfbundes für deutsche Kultur der wichtigste Träger unserer heimischen Kunst nicht nur für Regensburg, sondern für die ganze Bayerische Ostmark.“
An diesem Vorgang zeigt sich abermals: Für die an der Herstellung der Platte beteiligten Akteure Ermer, Weichmann, Boll und die Firma Brandner hat die Teilhabe am NS-Regime keinesfalls eine „dunkle Zeit“ bedeutet, sondern Aufstieg und Anerkennung. Wie zu erwarten, war auch Franz Weichmann vor, während und nach der Nazi-Zeit auf fast allen Jahresschauen vertreten. Im aktuellen Katalog und in der Ausstellung findet sich kein Hinweis auf sein Engagement für Hitlers Urkunde, ausgestellt ist sein Messingleuchter von 1932, vorgestellt von Kerstin Pöllath.
Franz Ermer: Entnazifiziert im dritten Anlauf
Bleibt noch zu schildern, was die in staatlichen Archiven erhaltenen Unterlagen über Franz Ermers NS-Belastung verraten. In den in Amberger Staatsarchiv verwahrten Entnazifizierungsakten finden sich sowohl die üblichen Mitgliedschaften und Entlastungsnarrative, als auch wohl kalkulierte Lügen und Bizarres. In die Gliederungen der Nazipartei ist Ermer etappenweise eingetreten: 1933 NS- Volkswohlfahrt, 1934 NS-Lehrerbund und Reichs-Luftschutzbund mit Blockwartamt, 1935 Reichskammer der Bildenden Künste, Mai 1937 NSDAP und NS-Reichskolonialbund.
Ins Auge springt, dass Ermer erst im dritten Anlauf im Januar 1948 von der Spruchkammer III unter dem Vorsitzenden Michael Kaunzinger als Mitläufer in die alt-neue Mitte der Gesellschaft rechtskräftig entlassen wurde. Zwei zuvor ergangenen Sprüche gleichen Inhalts waren „zu Unrecht“ erlassen und deshalb aufgehoben worden.
Der Grund dafür war, dass Ermer zur Entnazifizierung mehrere Meldebögen mit falschen Angaben abgegeben hatte. So reduzierte er wahrheitswidrig sein auffällig hohes Einkommen und ließ seine hochproblematische Funktionsstelle im NS-Lehrerbund weg.
Fälschungen blieben ohne Konsequenz
Da Ermer als Lehrkraft einer staatlichen Schule neben dem deutschen Meldebogen auch einen detaillierteren des US-Military Goverment ausfüllen musste und er von der Special Branch der Militärregierung etwas genauer und mit Konsequenzen überprüft wurde, stand er seit September 1946 unter dem Verdacht der „Falsification“, der Fragebogenfälschung. Diese führte in der Regel zu einem Gerichtsverfahren und mehrmonatigen Haftstrafen (wie etwa bei Walter Boll, hier genauer).
Ermer hatte aber Glück und vermutlich gewichtige Schutzherren. Jedenfalls konnte, vielmehr durfte er innerhalb von 14 Monaten viele Erklärung darüber nachtragen und beibringen, warum es zu den Falschangaben gekommen sei. Er führte dabei mehrere unwissentliche Missgeschicke an, auch eines seiner Frau.
Die Funktion des Kreissachbearbeiters beim NS-Lehrerbund sei ihm bloß zugetragen, der Parteieintritt von der Schulleitung nahegelegt worden. Letztere habe statt ihn, den eigentlich besser Qualifizierten, angeblich andere Parteigenossen befördert. Am Ende kam die für Ermer zuständige Spruchkammer zu dem Ergebnis, dass er als „tiefgläubiger Mann“ sich in keiner Weise dem Nationalsozialismus angeschlossen habe, zumal er ja als Zeichenlehrer auch die Zöglinge des Bischöflichen Knabenseminar Obermünster im Alten Gymnasium unterrichtete.
Damit habe „er schon seine antinationalsozialistische Weltanschauung und seine Mitwirkung zur christlichen Erziehung der Jugend“ bekundet, was ihm der Obermünster-Direktor Anton Meindl blumig bestätigte. Von einer Weitergabe der Fragebogenfälschung an das zuständige Gericht sah die Spruchkammer ausdrücklich ab. Als Sühnebetrag legte sie 500 Reichsmark fest, ein Drittel des vom Kläger geforderten Betrags. Ob Ermer, entnazifiziert und tiefgläubig, wieder in den Schuldienst ans Alte Gymnasium zurückkehren durfte, bleibt vorerst ungeklärt.

Bereits 1946 durfte der noch nicht “entnazifizierte” Franz Ermer wieder ausstellen. Eines von vielen Kallmünz-Bildern (1919). Foto: privat.
Nach der Wiederzulassung des KGV durfte Ermer bereits 1946, wie immer schon, seine Landschaftsdarstellungen zur Schau und Werke zum Verkauf anbieten. Obwohl er damals noch der Fragebogenfälscherei bezichtigt wurde und noch nicht entnazifiziert war.
KGV: Neubeginn mit NS-Profiteur als Vorsitzendem
Als im Jahre 1952 der Kunst- und Gewerbeverein unter dem neuen Vorsitzenden, dem Kreishandwerksmeister Franz Gerstl (1893-1967), umstrukturiert wurde, präsentierte sich der damals 66jährige Ermer nicht mehr. Dabei hätte Ermer sich mit dem ehemaligen Obermeister der NS-Schreiner-Innung Gerstl wohl gut verstanden. Als Inhaber einer großen Schreinerei in der Lappersdorfer Straße konnte Franz Gerstl unter anderem durch die Ausbeutung von NS-Zwangsarbeitern auch ein relativ hohes Jahreseinkommen (das von 1934 vervierfachte er im Jahr 1942 auf über 10.800 RM) erzielen.
Gerstl, der bereits im Mai 1933 in die NSDAP eintrat, wurde bereits im Oktober 1946 und ohne den Vorwurf der Fragebogenfälschung als „Mitläufer“ eingestuft. Seine NS-Verstrickungen und Nazi-Auszeichnungen hielt man in der Folge allerdings im Verborgenen, bis heute. Was wiederum gut zu dem in den KGV-Analen propagierten Neubeginn unter dem Vorsitzenden und Handwerksinnungsmeister Franz Gerstl passte.
Der KGV betreibt Vergangenheitsabwehr
Was der renommierte Historiker Dr. Klaus-Dietmar Henke in einem SZ-Interview (vom 29. August 2026) zum westdeutschen Umgang mit NS-Belasteten Personen und Institutionen sagte, kann man am Beispiel des Regensburger Kunst- und Gewerbevereins bis heute trefflich beobachten.
Laut Henke (79) sei das allgemeine Verhaltensmuster nach 1945 „keineswegs eine mehr oder weniger unbewusste ‚Verdrängung‘ der Vergangenheit gewesen, sondern deren aktive Abwehr durch Nichtthematisierung, Verschleierung, Verharmlosung, Umdeutung oder Verleugnung: ‚Vergangenheitsabwehr‘ eben.“
Die vernebelnde Rede von der Verdrängung sei „eine Verharmlosung der tatsächlichen Haltung der damaligen Mehrheitsgesellschaft und selbst Indiz für die Vergangenheitsabwehr.“ So Henke, der seit der Mitte der 1970er Jahre zu diesen Problemlagen forscht und publiziert (zuletzt zu: Adenauers Staatssekretär Hans Globke, der BND und der Eichmann-Prozess, 2026).
Nun kann man freilich nicht behaupten, dass der Kunst- und Gewerbeverein (KGV) sich zur Nazi-Vergangenheit gar nicht äußern würde. Zu seinem 175-jährigen Gründungsjubiläum veröffentlichte der Verein 2013 eine Festschrift, die laut Buchdeckel „ungeschönt, fundiert und abwechslungsreich“ ist. Laut der darin abgedruckten kurzen Chronik hätten sich mit der Machtübernahme der Nationalsozialisten auch im Verein die „Verhältnisse grundlegend“ geändert: „Ein dunkles Kapitel in der Vereinsgeschichte begann“, heißt es darin.
Auch die Rede vom „dunklen Kapitel“ gehört zum Standardrepertoire der Vergangenheitsabwehr. Ebenso die Eigendarstellung, man habe die eigene Geschichte „ungeschönt“ aufgearbeitet.
Vorbild Nürnberger Kunstverein?
Der Regensburger Kunst- und Gewerbeverein steht mit seiner Nicht-Aufarbeitung in Eigenregie freilich nicht alleine da. Der vergleichsweise bedeutsamere Nürnberger Kunstverein scheute sich bis 2022 davor, die historische Aufarbeitung seiner Rolle und Beteiligung im NS-Regime von einem externen Gutachter untersuchen zu lassen. Dann berief man aber den Kunsthistoriker Wolfgang Brauneis für ein Jahr in den Vereinsvorstand und gewährte ihm Zugang zu allen Unterlagen. Die Ergebnisse der Aufarbeitung von Brauneis präsentierte man in Form einer Veranstaltungsreihe mit Ausstellung.
Der von der Stadt Regensburg alimentierte Kunst- und Gewerbeverein sollte sich daran ein Beispiel nehmen und unter anderem die für das Jahr 2027 vorgesehenen 36.150 Euro Förderung nicht für geschönte Außendarstellungen, sondern für eine wirklich „ungeschönte“ Aufarbeitung seiner vielfältigen NS-Belastungen durch ausgewiesene Experten und Expertinnen nutzen.




Paul
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Ein Jubiläum, das die eigene Geschichte im Dienst der Harmonie kastriert, verdient keine uneingeschränkte Gratulation.
Eine Kulturszene, die sich heute als progressiv versteht, darf nicht wegschauen, wenn vor ihrer eigenen Haustür geschichtspolitische Amnesie betrieben wird.
Kunst darf und muss gefeiert werden – aber niemals auf Kosten der historischen Wahrheit.
Der Kunst- und Gewerbeverein Regensburg (KGV) erhält eine maßgebliche finanzielle Unterstützung durch die Stadt Regensburg, wobei für das Haushaltsjahr 2027 eine Förderung in Höhe von 36.150 Euro vorgesehen ist. Angesichts dieser Verwendung öffentlicher Mittel stellt sich die Frage, inwieweit die Vergabe von Fördergeldern an Kriterien einer kritischen historischen Aufarbeitung gekoppelt sein müsste, um dem demokratischen Bildungsauftrag der Kommune gerecht zu werden.
Günther Herzig
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Danke für den Aufruf dieses Themas.
Paul
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Ergänzung
Beispiele für verfemte und betroffene Künstler
Während jüdische Kulturschaffende komplett unsichtbar gemacht wurden, traf der rassistisch und ideologisch motivierte Ausschluss im KGV auch progressive („entartete“) sowie mit jüdischen Partnern verheiratete Künstler:
• László Moholy-Nagy / Internationale Avantgarde:
jüdische und avantgardistische Künstler, deren Werke zuvor in fortschrittlichen Kunstkreisen präsent waren, wurden rigoros verbannt. Im Januar 1936 organisierten die KGV-Vorstände Bosse und Boll in den Vereinsräumen in der Ludwigstraße sogar eine Schulungs-Ausstellung zur „Entarteten Kunst“, bei der moderne und jüdische Kunst gezielt als „krankhaft“ und „jüdisch-bolschewistisch“ diffamiert wurden.
• Xaver Fuhr:
Er war zwar selbst nicht jüdisch, wurde jedoch von den Nationalsozialisten als „Kulturbolschewist“ gebrandmarkt. Die Nationalsozialisten belegten ihn mit einem strikten Arbeits- und Ausstellungsverbot. Die Gestapo überwachte ihn konsequent, wodurch er in völlige Armut getrieben wurde. Er durfte erst 1946 wieder beim KGV ausstellen, um dessen demokratischen „Neuanfang“ zu inszenieren.
Paul
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„Das verharmlosende Argument, der KGV habe in der ‚dunklen Zeit‘ schlicht ‚nicht anders gekonnt‘ und sich nur äußeren Zwängen gebeugt, bricht angesichts der historischen Fakten in sich zusammen. Die Nazifizierung des Vereins kam nicht von außen wie ein alternativloser Befehl – sie war eine aktive, bereitwillige ‚Selbstgleichschaltung‘ aus der Mitte der Regensburger Kulturszene heraus. Wenn Funktionäre wie Boll und Bosse im Jahr 1936 in den eigenen Vereinsräumen Hetzausstellungen gegen moderne Kunst organisierten, war das kein Überlebenskampf, sondern ideologischer Übereifer. Wer diese Taten heute im Jubiläumsraum verschweigt, schützt nicht die Kunst vor der Politik, sondern deckt die historische Feigheit von damals mit der geschichtspolitischen Ignoranz von heute.“
Paul
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Fragen Fragen ,
Zu der
Im Januar 1936 organisierten die KGV-Vorstände Bosse und Boll in den Vereinsräumen in der Ludwigstraße sogar eine Schulungs-Ausstellung zur „Entarteten Kunst“, bei der moderne und jüdische Kunst gezielt als „krankhaft“ und „jüdisch-bolschewistisch“ diffamiert wurden.
Katalog ?
Berichterstattung?
Zur städtischen Kulturförderung:
Für das Haushaltsjahr 2027 ist eine städtische Förderung für den KGV in Höhe von 36.150 Euro vorgesehen.
Wie rechtfertigt die Stadt Regensburg die Vergabe öffentlicher Steuermittel an einen Kulturverein, der eine wissenschaftliche Aufarbeitung seiner NS-Vergangenheit in Eigenregie ablehnt und stattdessen eine unkritische Geschichtsdarstellung präsentiert?
Kopplung an geschichtspolitische Auflagen:
Andere Kunstvereine (wie z. B. in Nürnberg) haben ihre NS-Historie erfolgreich durch eine unabhängige Experten- oder Historikerkommission untersuchen lassen.
Plant das Kulturreferat, künftige finanzielle Zuwendungen an den KGV oder Andere an die verbindliche Auflage einer solchen unabhängigen, wissenschaftlichen Aufarbeitung und der Erforschung der Opfernamen zu knüpfen?
Zum Mitwirken des Kulturreferat
Das Kulturreferat treibt auf städtischer Ebene die Neukonzeption der NS-Aufarbeitung im Historischen Museum voran. Gleichzeitig wirkte er jedoch laut Medienberichten mit einem eigenen Textbeitrag am Jubiläumskatalog des KGV mit, welcher die Systembrüche der Diktatur im Ausstellungsraum vollständig ausspart.
Wie positioniert sich die Stadt zu diesem Widerspruch im Umgang mit der lokalen Erinnerungskultur?
Paul
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Weitere Frage
„Das Argument des KGV, man sei ein privater Verein und daher kein öffentliches Archiv, ist ein durchschaubares Ablenkungsmanöver.
Wer jährlich über 36.000 Euro an Steuergeldern kassiert, unterliegt der moralischen und politischen Pflicht zur Transparenz.
Die Stadt müsste lediglich die Auszahlung der Fördergelder für 2027 an die Bedingung knüpfen, dass eine unabhängige Historikerkommission Zugang zu den Mitgliederlisten erhält. Schließt der Verein die Türen, schließt die Stadt den Geldhahn. So einfach ist das im kommunalen Kulturrecht. Dass dies nicht geschieht, liegt vielleicht , nicht an mangelnden rechtlichen Möglichkeiten – sondern am mangelnden Willen ,
Daniela
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Vielen Dank für diesen Beitrag.
Fördergeld aus Mitteln der Stadt sollte hier dringend überdacht werden. Ein Verein, der so wenig gewillt ist, sich mit seiner Stellung während der NS Zeit selbstkritisch auseinander zu setzen, sein eigenes Wirken zu reflektieren, hat nach meinem Dafürhalten, keine Förderung aus städtischen Mitteln zu erhalten.
Sigi Meyer
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Das große Thema Regensburg in der Nazizeit wird recht unterschiedlich beachtet.
Während vermutlich (leider) die allermeisten Bewohner des kleinstädtisch gebliebenen, seit dem Krieg Großstadt gewordenen Regensburg (was Dank der Nazi-Rüstungsfabrik Messerschmitt geschah) weder Bezug noch Interesse daran haben dürften, hofften gestern im EBW einige Dutzend innbrünstig, dass das Stadtmuseum Museum sich des Themas endlich annimmt. Als ob dadurch alles gut werden würde.
Tatsächlich gibt es aber in dieser Stadt Familien, Sippen, Vereine, ganze Sektoren und parteipolitisch Interessierte, die „ihre“ NS-Belastungen nur abwehren wollen, wie es im Text so treffend heißt.
Der fatale Umgang mit der Nazi-Zeit (Leiter der Museen Dr. Karnatz) hält in ganz vielen Bereichen an. Siehe KGV.
Paul
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Servus
Wenn ich schon mal dabei bin:
Kunst- und Gewerbeverein Regensburg: 100 Jahre Jahresschau
“ (herausgegeben von Antonia Kienberger, Georg Haber und Christoph Wagner).
Die Autoren haben das Thema also nicht „gewagt“, sondern vielmehr aktiv umschifft, um das harmonische Bild einer unpolitischen Traditionslinie nicht zu gefährden
Keine historische Chronik:
Laut Eigendarstellung der Herausgeber sollte explizit „keine lückenlose Chronik“ entstehen. Auf jedes der 99 ausgewählten Kunstwerke reagieren die rund 130 Beiträger stattdessen auf „ganz persönliche Weise – mit Erinnerungen, Geschichten, Fragen, Zweifeln oder Liebeserklärungen“
Flucht in die Ästhetik:
Durch diesen essayistischen Ansatz wird die Kunst als eine von der Politik isolierte, „lebendige Gegenwart“ inszeniert. Das Team wählte damit den Weg des geringsten Widerstands: Man konzentrierte sich auf die formale Schönheit der Kunstwerke und blendete die politisch unangenehmen Entstehungskontexte der Jahre 1933–1945 im Buch und im Ausstellungsraum aus.
Frage : Ist das Gefälligkeitsjournalismus statt Aufklärung ?
Der Band versammelt rund 130 prominente Stimmen der Stadtgesellschaft (Kulturreferenten, Museumsleiter, Galeristen). Weil alle Beteiligten nur nette, persönliche Anekdoten zu den Kunstwerken beisteuern, entsteht ein Gefälligkeitswerk.
Die Autoren degradieren sich selbst zu PR-Gehilfen der Vereinsführung, anstatt die Rolle der Institution im NS-Regime kritisch zu hinterfragen.
Die 133 Beiträger sollten lediglich „auf ganz persönliche Weise“ per Essay auf die Bilder reagieren. Dieser rein subjektive, feuilletonistische Ansatz dient als methodischer Trick, um sich der Pflicht zu entziehen, unbequeme historische Fakten überhaupt recherchieren zu müssen.
„Das Buch erscheint im renommierten Morsbach Verlag, dessen im Frühjahr 2025 verstorbener Gründer Prof. Dr. Peter Morsbach zeit seines Lebens für schonungslose wissenschaftliche Tiefenbohrungen und historische Wahrheit stand.
Ob ein so harmoniesüchtiges und unkritisches Werk, das die NS-Brüche ausblendet, entspricht dem wissenschaftlichen Vermächtnis und Geist des Verlagsgründers ?
Fragenkatalog
Zur Täter-Opfer-Asymmetrie:
„Wie rechtfertigen Sie als Herausgeber die Tatsache, dass die Namen der damaligen NS-Akteure und Profiteure des Vereins – von den Vorsitzenden Bosse und Boll bis zum Hitler-Urkunden-Maler Ermer – historisch bestens bekannt sind, während die Namen Ihrer jüdischen Opfer, die ab 1933 durch den Arierparagraphen verbannt wurden, im Buch und in der Ausstellung vollständig unerwähnt bleiben?
Akzeptieren Sie den Vorwurf, diese Menschen durch Ihr Schweigen ein zweites Mal in die Anonymität zu verbannen?“
Akademischen Skandal ?
Anstatt studentische Forschungsprojekte zu initiieren, um die weggewischten jüdischen Mitglieder zu rekonstruieren, Frage legitimiert die universitäre Elite das unkritische Wohlfühl-Narrativ des Vereins?
Hibulazultasbellinger
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Ganz neu, Nazis von 1933 bis 1945 im Kunst- und Gewerbeverein und dies nach dem Krieg nicht tief, ernst und betroffen genug aufgearbeitet!!??
Diese Disskussion hatten wir in Regensburg-Digital doch schon ab dem 02. Oktober durch den Meinungsartikel von Paul Casimir Marcinkus.
Was soll das nochmalige Wiederaufwärmen, alle Argumente sind bereits ausgetauscht.
Man muss nicht überall das Schild “Nazivergangenheit” draufschrauben, weiß man was Oma und Opa getan haben? Wer frei ist von jeglicher Vergangenheit, der werfe den ersten Stein.
Paul
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Klarstellung zu meinen Kommentaren hier bei RD:
„Ich stelle hierbei keine Tatsachenbehauptungen auf, sondern kritisiere die argumentative Basis des Werks: Dass das Buch keine Chronik sein soll, ist kein mildernder Umstand, sondern Teil des Skandals?
Es ist der methodische Trick?, mit dem sich die Autoren aus der Affäre gezogen haben.
Frei nach Walter Benjamin gilt:
‚Es ist niemals ein Dokument der Kultur, ohne zugleich ein solches der Barbarei zu sein.‘ Die Ausrede des ‚Konzepts‘ kann diese geschichtliche Verantwortung nicht aufheben.“
schauen wir mal, wie die Verantwortlichen reagieren
Die historische Wahrheit lässt sich auf Dauer nicht hinter einer schönen Hochglanzfassade verstecken.
gibts was in den Archiven in Regensburg ODER KGV zu der Ausstellung Januar 1936?
Wuzzi
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Es ist fatal, dass wir es deutsche Erinnerungskultur nennen, aber diese Kultur der Erinnerung nur auf 12 schreckliche Jahre beziehen. An etwas anderes dürfen wir uns nich erinnern.
Wer ist eigentlich auf die brilliante Idee gekommen, eine Schule nach dem anerkannten Antisemiten Albrecht Altdorfer zu benennen, der im Stadtrat für die Vertreibung der Juden und Zerstörung ihres Viertels gestimmt hat?
Ach ja, er ist ein in der Welt der Kunst großer Maler und hat auch noch schöne Stiche vor Zerstörung des Viertels gefertigt?
Da hält man sich wohl lieber still.
Daniela
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@ Hibulazultasbellinger
21. Oktober 2026 um 13:23 | #
Vielleicht die Erkenntnis, dass der KGV Regensburg eine städtische Förderung von knapp 37 000 € in 2027 erhalten soll. Jetzt könnte es Bürger*Innen geben, die fänden das gar nicht gut, wenn hier öffentliche Gelder für den Verein gezahlt werden.
Schelm
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Stimme Wuzzi zu:
Die furchtbaren Verbrechen des Kolonialismus aus Deutschland und seine bis heute fatalen Folgen sollten viel mehr aufbereitet, verarbeitet und breiter thematisiert und veröffentlicht werden.
Paul
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Servus
Nachtrag zu der Ausstellung entartete Kunst 1936
Ein zentraler Punkt der Gegenperspektive stützt sich oft darauf, dass der Verein durchaus Beiträge zur eigenen Geschichte veröffentlicht hat.
Dazu zählt beispielsweise der historische Essay von Ulrich Kelber mit dem Titel “Wie ‚Entartete Kunst‘ nach Regensburg kam”, den der Kunst- und Gewerbeverein Regensburg (KGV) selbst auf seiner Webseite zugänglich macht.
https://www.kunst-und-gewerbeverein.de/ueber-uns
Der Autor Ulrich Kelber war als Leitender Redakteur viele Jahre für den Kulturteil der „Mittelbayerischen Zeitung“ verantwortlich. Seit 2010 im
Ruhestand schreibt er seitdem freiberuflich über kulturelle Themen.
Auf das Thema „Entartete Kunst in Regensburg“ wurde er 2005 durch eine im Museumsbereich tätige Dame aufmerksam gemacht, die aber
ungenannt bleiben wollte. Sie stellte wichtige Unterlagen zur Verfügung. Der Autor dankt außerdem dem Historiker Roman Moosbauer, der die
Dokumente des Kunst- und Gewerbevereins ausfindig gemacht hat und viele Tipps gab.
Weitere Quellen waren u. a. Bücher und Aufsätze von Christoph Zuschlag („Entartete Kunst: Ausstellungsstrategien in Nazi-Deutschland“ und
„Die Dresdener Ausstellung Entartete Kunst 1933-1937“), der Katalog des Frankfurter Kunstvereins zur Ausstellung von 1974 „Kunst im 3.
Reich – Dokumente der Unterwerfung“, das Buch „Die Kunst im Dritten Reich“ von Reinhard Müller-Mehlis, Helmut Halters RegensburgBuch „Stadt unterm Hakenkreuz“ , Peter Heigls „Regensburg unterm Hakenkreuz – ein Stadtrundgang 1933-1945“ sowie Dirk Heißerers „Im
Zaubergarten – Thomas Mann in Bayern“.
Paul
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Nachtrag
Ein investigativer Diskussionsbeitrag, der die Debatte versachlicht.
Er beweist, dass beim KGV historisches Material vorhanden ist, verschiebt den Streitpunkt nun aber von der Frage „Wird die Wahrheit verschwiegen?“ hin zu der Frage „Wie prominent wird diese Wahrheit heute präsentiert?“
Zusammenfassung, welche Kernpunkte Ulrich Kelber in seinem Essay über das Jahr 1936 in Regensburg aufdeckt
In seinem historischen Essay „Wie ‚Entartete Kunst‘ nach Regensburg kam“ deckt der Journalist und Autor Ulrich Kelber die genauen Mechanismen und Hintergründe auf, wie sich der Kunst- und Gewerbeverein Regensburg (KGV) im Nationalsozialismus andiente.
Die zentralen Kernpunkte und historischen Enthüllungen seines Textes lassen sich wie folgt zusammenfassen:
1. Keine „Gleichschaltung“ von außen, sondern Initiative aus eigenem Antrieb
Die Entlastungslüge widerlegt:
Nach dem Krieg wurde oft behauptet, die Vereine seien von den Nationalsozialisten unter Druck „gleichgeschaltet“ worden. Kelber belegt anhand von Briefen das Gegenteil: Der KGV handelte aus eigenem Antrieb und ohne äußeren Zwang.
Der Fund: Briefe vom 15. Januar 1936 (drei Tage nach Ausstellungseröffnung) zeigen die tiefe Enttäuschung der Vereinsführung darüber, dass die NS-Organisationen die Schau nicht noch stärker unterstützten – ein klarer Beleg für vorauseilenden Gehorsam und eine bewusste Selbstgleichschaltung.
2. Die Schlüsselrollen von Gustav Bosse und Dr. Walter Boll
Gustav Bosse (Vereinsführer 1933–1941): Der völkisch gesinnte Verleger trieb die Nazifizierung des Vereins massiv voran. Um den Verein vor der Einverleibung in die Handwerkskammer zu schützen, gliederte er ihn als Repräsentanten in den „Kunstring der NS-Kulturgemeinde“ ein. Damit verpflichtete sich der KGV offiziell dazu, kulturpflegerisch im Sinne der NS-Ideologie tätig zu sein.
Dr. Walter Boll: Der einflussreiche Regensburger Kulturfunktionär und spätere Museumsdirektor agierte als NS-Obmann im Verein. Zusammen mit Bosse bildete er das organisatorische Rückgrat für die NS-Propaganda in den Vereinsräumen.
3. Die Regensburger Schau im Januar 1936: Vorläufer der Münchner Ausstellung
Frühe Hetze: Die berüchtigte große Wanderausstellung „Entartete Kunst“ in München fand erst 1937 statt. Der KGV Regensburg zeigte jedoch bereits im Januar 1936 eine offizielle Vorgängerversion dieser Schau in seinen Vereinsräumen in der Ludwigstraße. [1, 2]Verlängerung wegen „Erfolgs“: Die Ausstellung war ursprünglich nur für 14 Tage geplant, wurde aber aufgrund des enormen Zulaufs bis zum 2. Februar 1936 verlängert. Hier wurden moderne, avantgardistische und jüdische Kunstwerke gezielt als „krankhaft“ und „jüdisch-bolschewistisch“ diffamiert.
4. Schulterschluss zwischen Verein und lokaler NS-Politik
Politisches Lob:
Anlässlich der Ausstellungseröffnung im Januar 1936 kam es zum öffentlichen Schulterschluss mit der Regensburger Politik. Der damalige Bürgermeister Hans Herrmann (NSDAP-Mitglied) lobte Walter Boll ausdrücklich für dessen Verdienste um die „Wiederaufrichtung einer reinen und echten“ deutschen Volkskultur.Radikale Rhetorik: Herrmann nutzte die Räumlichkeiten des KGV für antisemitische und kulturradikale Reden, in denen er offen die „Ausmerzung und Überwindung aller artfremden Elemente“ forderte.
5. Die Tragik und Ironie des Gustav Bosse
Ausschluss und späte NS-Härte: Kelber beschreibt auch die bittere Ironie am Ende von Bosses Leben. Obwohl er den Verein jahrelang auf NS-Linie gehalten hatte, bekam der schwerkranke Bosse kurz vor seinem Tod 1943 Probleme mit der Reichsschrifttumskammer. Die Nationalsozialisten stuften ihn plötzlich als „politisch unzuverlässig“ ein, da er in der Weimarer Republik Mitglied einer Freimaurerloge gewesen war.
Fazit des Essays
Kelbers Text räumt radikal mit dem Mythos auf, der Kunst- und Gewerbeverein sei ein unpolitischer Zufluchtsort für die Kunst gewesen. Er dokumentiert lückenlos, dass der KGV unter Bosse und Boll zu einem aktiven Werkzeug und regionalen Vorreiter der nationalsozialistischen Kulturvernichtung wurde.
Hibulazultasbellinger
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@Daniela 21. Oktober 2026 um 14:56 |
Förderungsentzug, da stimme ich Ihnen voll zu.
Allen Sport-, Kultur-, Sozial- und sonstigen Vereinen, die vor 1945 gegründet wurden und sich nicht notariell beglaubigt von ihrer unglaublichen Nazivergangenheit ausdrücklich distanziert haben und zur Aufarbeitung nicht mindestens 2 festangestellte Historiker brschäftigen, sollte man sofort alle öffentlichen Mittel entziehen.
Daniela
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@ Hibulazultasbellinger
21. Oktober 2026 um 17:36 | #
Mir dünkt, wenn es ums Geld geht, zeigt der KGV ganz schnell mit Fingern auf Andere. Schaut Euch doch die Anderen an…, die könnten auch Dreck in ihrer Vergangenheit haben.
Aber um die geht es gerade nicht.
@ Paul
21. Oktober 2026 um 17:13 | #
Super Recherche, super Beitrag, danke.
Hoffen wir einmal, dass unser Kommentator Hibulazultasbellinger fleißig mitliest.
Der KGV war 1936 schon mit dem Thema ‘entartente Kunst’ zugange, während die Ausstellung in München erst 1937 stattfand. Das dürfte schon etwas mehr, wie Andienen sein. Man kann dem KGV wirklich nur anraten, sich diesen 12 Jahren als Verein selbstkritisch zu stellen. Ich verstehe nicht, warum der KGV dieses Thema nicht angeht. Die damaligen Altvorderen/ Verantwortlichen dürften mittlerweile alle verstorben sein, sodass man doch wirklich offen mit diesem Abschnitt des Wirkens des KGV aufräumen könnte.
Mr. T.
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Hibulazultasbellinger schrub:
Diese Disskussion hatten wir in Regensburg-Digital doch schon ab dem 02. Oktober durch den Meinungsartikel von Paul Casimir Marcinkus.
Was soll das nochmalige Wiederaufwärmen, alle Argumente sind bereits ausgetauscht.
Hat wohl komplett ignoriert, dass im Artikel deutlich tiefer recherchiert wurde und die Kritik argumentativ verstärkt wurde. Geht anscheinend nur um das Thema und die Diskussion dazu.
Auch irgendwie entlarvend …
Echt schade vom Kunst- und Gewerbeverein. Er vertut eine Gelegenheit nach der anderen, die Vergangenheit anständig zu verarbeiten. Für das, was damals passiert ist, kann keins der aktuellen Mitglieder was dafür. Am Umgang damit können sie doch gemessen werden.
Hibulazultasbellinger
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@Mr. T. 21. Oktober 2026 um 19:23
“Er (der Kunst- und Gewerbeverein
vertut eine Gelegenheit nach der anderen, die Vergangenheit anständig zu verarbeiten.”
Was verlangen Sie da eigentlich? Dann sollten Sie hier mal ein kleines Exposé einstellen, was ihrer Meinung nach unter anständiger Aufarbeitung im Allgemeinen und im Besonderen zu verstehen ist.
Es ist äußerst unanständig, wie hier in den Kommentaren auf den Kunst- und Gewerbeverein eine wahre Hexenjagd veranstaltet wird. Dachte immer, die Inquisition wäre schon längst vorbei.
Schämt euch.
(PS.: Bin weder Mitglied beim Kunst- und Gewerbevereins, noch bei der AFD, und bei beiden auch nicht irgendwie befreundet, verwandt oder verschwägert).
Wuzzi
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@Sigi Meyer 21. Oktober 2026 um 10:40
„Der fatale Umgang mit der Nazi-Zeit (Leiter der Museen Dr. Karnatz) hält in ganz vielen Bereichen an. Siehe KGV.“
An einem Textbeitrag in einem Jubiläumskatalog zu einem anderen Thema machen Sie Ihre üble Nachrede fest?
Das reicht Ihnen anscheinend den Versuch zu starten, sein Ansehen zu schmälern, seinen Ruf zu schädigen und ihn zu demontieren. Und das, obwohl ein Konzept für das Museum überhaupt erst noch erarbeitet werden muss.
SIe stellen mit Ihrer Aussage Herrn Dr. Karnatz in eine Linie mit Dr. Boll!
Ich bin entsetzt, wie pervers ist das denn.
Sigi Meyer
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Wuzzi, Sie regen sich auf, ohne informiert zu sein!
Das könnte nicht nur schlecht sein für ihren Blutdruck, es hat auch keine tatsächliche Grundlage.
Gehen Sie in die derzeitige Ausstellung im Historischen Museum (1950er-Jahre) , dann können sie sehen und bestauen, dass dort endlich Rolle des NS-Funktionärs und Nazi-Museumsdirektor Boll thematisiert wird. Ebenso sein Netzwerk zum Kunst- und Gewerbeverein, mit den NS-affinen Malern Wissern und dem “alten Nazi” (Berlinger) Jo Lindinger.
Ich wünsche Ihnen Interesse und Erkenntnis!
Wuzzi
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@Sigi Meyer 22. Oktober 2026 um 08:51
Natürlich habe ich eine Erkenntnis gewonnen, nämlich was Sie mit Ihren Aussagen bezwecken wollen.
Lenken Sie bitte nicht ab. Wenn das so ist, wie sie darstellen, dann ist das, wenn ich mich recht erinnere, bereits vor der Ägide von Dr. Karnatz geschehen. Um so verwerflicher ist Ihre schamlose Aussage, die ich hier wiederholen möchte:
„Der fatale Umgang mit der Nazi-Zeit (Leiter der Museen Dr. Karnatz) hält in ganz vielen Bereichen an. Siehe KGV.“
Sigi Meyer
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Wuzzi, vielleicht habe ich mich unklar ausgedrückt, deshalb noch ein letztes Mal:
Dr. Karnatz und die aktuelle Ausstellung (1950er Jahre) spricht von “fatalen Umgang mit der Nazi-Zeit” in Regensburg.
Dem stimme ich zu!
M.E. gibt es aber auch ganz aktuell im Kunst- und Gewerbeverein einen FATALEN UMGANG MIT DER NAZI-ZEIT.
So meine Meinung, an einer weiteren Auseinandersetzung bin ich nicht interessiert.
Daniela
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@ Hibulazultasbellinger
21. Oktober 2026 um 23:40 | #
Ihr Eifer erschreckend…, wenn Sie nicht zum KGV gehören.
Aber sei es drum. Egal.
@ Sigi Meyer
22. Oktober 2026 um 09:36 | #
…’M.E. gibt es aber auch ganz aktuell im Kunst- und Gewerbeverein einen FATALEN UMGANG MIT DER NAZI-ZEIT.’…
Ich bin ganz bei Ihnen.
Wuzzi
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Sigi Meyer 22. Oktober 2026 um 09:36
Danke für die Richtigstellung.
Geht doch, die sehr missverständliche Aussage zum Leiter der Museen anständig zu formulieren, aber gleichzeitig die Hexenjagd gegen den KGV auf hohem Niveau weiter zu betreiben.
Maria Brandl
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Guter Kommentar. Es scheint in Regensburg und Bayern ja immer noch recht schwierig zu sein, adäquate Worte für die NS-Geschichte zu finden. Ich konnte dieses Jahr nicht so recht nachvollziehen, warum die Ausstellung im Museum der Bayerischen Geschichte unter „Brennpunkt Bayern. Hitler und der Kampf um die Demokratie“ lief. Klingt ein bisschen wie “Emil und die Detektive” und ist in sehr bizarrer Weise zweideutig.
Meier mit „ei“
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In diesem Zusammenhang würden mich interessieren, wie weit
Hanns Neudecker hier bekannt ist:
Er hat ja nach dem Krieg bis zu seinem Tod im Jahr 1973 in Regensburg gelebt und gehörte da zur ostbayerischen Kunstszene.
Zwischen 1938 und 1944 stellte er im Haus der Kunst in München aus und NS-Größen kauften seine Bilder. Albert Speer allein kaufte acht Werke Neudeckers.
Mitlesend
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Han(n)s Neudecker, geb. 28.11.1906?
War in den KGV-Jahresschauen 1938, 1941, 1942, 1943, 1944, 1952-4.
War in der SS und/oder SA.
Erst 1949 entnazifiziert.
Hibulazultasbellinger
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Was will uns “Mitlesend” damit sagen?
Etwa die unglaubliche Neuigkeiten
– dass es Nazis während der Nazizeit auch im Kunstbetrieb gab?
– und das auch noch ausgerechnet in Regensburg?
– und dass Künstler auch nach der Nazizeit weiter tätig waren und ihre Werke ausgestellt wurden?
Bert
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Ich übersetze das von Hibulazultasbellinger mal:
Schlussstrich!!!! Schlussstrich!!!
Hibulazultasbellinger
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@Bert
Richtig, solange es sich nicht um Verbrechen handelt.
Ganz böse gesagt, aber nicht so gemeint:
Ein Teil der Kunst- und sonstigen Historiker hat eh schon erkannt, dass man jetzt auch Steuermittel für die Aufarbeitung des Kolonialismus abgreifen kann und so ein neues Thema für unsere Erinnerungskultur gefunden, an dem man sich abarbeiten kann.
Stefan Aigner
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@Hibulazultasbellinger
Nachdem Sie hier unter zwei verschiedenen Namem mit derselben IP auftreten, ein Hinweis, bevor Sie noch anfangen mit sich selber zu diskutieren: Nur ein Pseudonym! Das sollte nicht so schwer sein.
Bert
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@Hibulazultasbellinger
Eben. Wer braucht schon historische Forschung und Aufarbeitung. Selten so einen Stuss gelesen.
„Mit kleinen Kuchenstücken“ zum Stadtmuseum Regensburg: Das Warten auf den großen Aufschlag ist vorbei » Regensburg Digital
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[…] Lindinger und Walter Boll mit ihrer NS-Vergangenheit entsprechend eingeordnet werden, während das bei der Jubiläumsschau des KGV am anderen Ende der Altstadt unterbleibt, kann man als aktive Beteiligung am städtischen Diskurs über Verdrängung und […]
Hibulazultasbellinger
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Der ganze Text
[…] Dass bei der Ausstellung Exponenten des Kunst- und Gewerbevereins (KGV) wie Max Wissmer, Jo Lindinger und Walter Boll mit ihrer NS-Vergangenheit entsprechend eingeordnet werden, während das bei der Jubiläumsschau des KGV am anderen Ende der Altstadt unterbleibt, kann man als aktive Beteiligung am städtischen Diskurs über Verdrängung und Vergangenheitsbewältigung verstehen. […]
Kann mich nicht erinnern, dass im Stadtrat oder bei der Veranstaltung zum Stadtmuseum solche Aussagen gemacht wurden.
Stefan Aigner
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Das steht da auch nicht. Lesen hilft. https://www.regensburg-digital.de/mit-kleinen-kuchenstuecken-zum-stadtmuseum-regensburg-das-warten-auf-den-grossen-aufschlag-ist-vorbei/23102026/
Joe S.
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Die Recherche kommt zur rechten Zeit!
Bzw. zur Unzeit für den KuGV.
Dessen Vorstand und allen voran S. Reichmann basteln seit Jahrzehnten an der Inszenierung von Regensburg als traditionsreichen und exquisiten Ort der Kunst – über Jahrzehnte gewachsen und toll anzusehen. Man will stolz auf „diese Kontinuität im wilden Wandel der Zeiten“ sein.
Da die Nazigeschichte des KuGV dabei wie ein Vogelschiss stört, wird sie ausgeblendet, klein geredet oder um umgeschrieben. Wenn man sieht, wie Reichmann 2006 (im Katalog zu 80 Jahre Ausstellung) mit List und Lüge versucht die Nazis Boll und Gustav Bosse zu selbstlosen KuGV-Vorständen in Notjahren umzudeuten, wird deutlich, wie stark der Wunsch nach Abwehr der eignen Nazizeit ist.
Zur Unzeit kommt der Text gerade auch, weil die nächste Ausstellung im KuGV der Metallkunst der Werkstätte Weichmann gewidmet ist. Sie trägt den programmatischen und vergangenheitspolitischen Titel: „Über die Zeit erhaben.” Kurator ist Reichmann.
Nicht das ich die Weichmann-Werke nicht ausstellungswürdig fände. Zur Geschichte der Weichmanns gehört aber auch, dass Franz Weichmann als leitender Gestalter der Werkstätten bei Haber & Brandner 1933 für Hitlers Ehrenbürgerurkunde Band und Hakenkreuz vergoldet hat.
Das ist noch kein Verbrechen – es auszublenden ist aber verlogen, heuchlerisch und Teil einer breiten Strömung, die die Nazizeit als Vogelschiss darstellen will.
Mann/Frau wird sehen, ob/wie Reichmann in der Weichmann-Schau im November diesen Aspekt anspricht.
M. Lang
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Habe eben im schön aufgemachten Katalog gestöbert und dabei ist mir aufgefallen, dass die im Text zurecht vorgetragene Kritik am Umgang mit den Zinn-Wiedamanns eine weitere verblüffende Dimension hat. Es gab ja doch mal (2015?) ne städtisches Ausstellung im KunstundGewerbeHaus kuratiert von Dr. Ebeling, die zu Wiedamann ihre ForschungsDissertation vorgelegt hat. nun lese ich, dass Ebeling, die WiedamannExpertin schlechthin, im Katalog einen Künstler namens Keuchl vorstellt und nicht Wiedamann. Wieso bitte, lässt man die ausgewiesene Zinn-Wiedamann-Expertin Ebeling nicht bei ihrem Forschungsthema zu Wort kommen? Komme nicht aus Regensburg und bin gelinde gesagt verwundert.