Nach Gutachten: Ostenturm vor dem Aus?

108 Meter soll er hoch werden – der Ostenturm, den Alexander Ruscheinsky und Konrad Habbel im Businesspark Regensburg in der Nähe der Osttangente errichten wollen. Vor gut fünf Jahren haben die beiden ihre Hochhaus-Idee der Öffentlichkeit vorgestellt, das fünfthöchste Gebäude in Bayern soll es werden. Nun sieht es ganz so aus, als müssten die beiden Investoren ihre Pläne begraben. Zumindest dann, wenn man die „Stadtbildverträglichkeitsuntersuchung“ als Maßstab nimmt, die am Dienstag den Stadträten im Planungsausschuss vorgestellt wird. In der 110seitigen Untersuchung kommt das von der Stadt beauftragte Münchner Büro Eisenlauer Voith zu dem Ergebnis: Der Ostenturm in seiner aktuellen Planung ist „in Bezug auf das Erscheinungsbild der Stadt Regensburg als unverträglich einzustufen“. Mit 108 Metern werde der Turm das bislang höchste Regensburger Bauwerk, den Dom, um einen Meter überragen. Trotz drei Kilometern Entfernung stelle das eine Gefahr für den Welterbetitel dar, resümieren die Gutachter: „Das Alleinstellungsmerkmal des Doms, der als das alles überragende Wahrzeichen den´außergewöhnlichen universellen Wert´ (AUW) des Weltkulturerbes repräsentiert“, werde dadurch „eliminiert und seine Bedeutung nachhaltig tangiert“. Allenfalls eine Höhe von 65 Metern sei demnach denkbar. Abschließend entschieden ist trotz dieser klaren Aussagen allerdings noch nichts: Dem Welterbe-Steuerungskomitee wurde die Untersuchung bereits vergangenen Mittwoch vorgelegt; eine Aussage zu den Hochhausplänen hat das Gremium nicht getroffen und sich auf November vertagt. Das Ergebnis dürfte Wasser auf die Mühlen von Stadtheimatpfleger Werner Chrobak sein. Der hatte den Bau des Ostenturms in der Vergangenheit stets kritisch beurteilt. Dies sei „mit der Altstadt nicht vereinbar“. Ein interessantes Detail: Das Büro Eisenlauer Voith hatte schon das umstrittene „Welterbeverträglichkeitsgutachten“ zu den Ersatztrassen erstellt. Hier hatten die Gutachter – entgegen den Stimmen der Denkmalpflege – keine Gefährdung für den Welterbetitel gesehen.

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Kommentare (11)

  • ÖPNV-Nutzer

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    na und? Das ist es, was mir zu dieser Fragestellung der Überschrift einfällt.

    Wer braucht denn dieses Monstrum? Wer glaubt denn, dass es ggf. bei dem einen bleiben würde?

    Niemand braucht ein Ruscheinsky-Denkmal in Regensburg. Die heute von diesem Herrn in der Tageszeitung zur Schau gegebene Überheblichkeit ist bezeichnend und genau so unpassend wie dieses Gebäude in dieser Stadt.

  • Harald Klimenta

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    Wenn dieser Turm nicht gebaut wird, werden Büroräume tendenziell knapper und die Büromieten überdurchschnittlich steigen, was zur Abwanderung von Teilen gerade der hochinnovativen Dienstleistungsunternehmen führen kann. Dadurch würde die Weiterentwicklung der Wirtschaftsstruktur Regensburgs behindert und selbst auf hochinnovative Dienstleistungen angewiesene Unternehmen könnten ihre Unternehmenssitze in andere Zentren mit modisch-modernen Bürokomplexen verlagern. Zweitrundeneffekte nennt man das. Das Eintreten solcher Szenarien hätte schwerwiegende Folgen für das Ansehen Regensburgs im Allgemeinen und würde mittelfristig auch die Wirtschaftskraft Regensburgs gefährden. Vor allem wäre der Reputationsverlust auf Jahrzehnte hinaus nicht umkehrbar, da es in Regensburg schon ein halbes Jahrzehnt dauert, eine beschädigte Brücke zu ersetzen.

    Ich hätte nicht gedacht, dass ich innerhalb von 2 Minuten einen so toll klingenden Schwachsinn verzapfen kann. Wie nahe ist denn meine wundervolle Argumentation an der offiziellen Begründung?

    Harry

  • Barbara Junghans

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    In Sichtweite der Ostumgehung gibt es bereits eine blaue Bauruine, als Bürohaus gedacht, die seit langer Zeit leer steht. Das sind nicht die einzigen leeren Büroflächen. Brauchen wir da noch ein 108-Meter hohes Monstrum im Osten, das dann evtl. auch wieder leer steht?

    Wenn die Investoren als Argument anführen, dass man von oben einen Blick bis in die Alpen habe, dann frage ich mich, wer steigt schon in Regensburg auf einen Turm, um die Alpen zu sehen?

  • grace

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    Klimenta, Sie haben vergessen jeden Satz mit „… ist ALTERNATIVLOS“ zu beginnen.

  • Emanuel

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    Betrachten wir den Geist der Zeit, dann scheint der Bau eines den Dom überragenden Büroturms äußerst konsequent, selbstehrlich und eine angemessene historische Würdigung der aktuellen Verhältnisse. Es ist nicht mehr die Kirche, sondern das Kapital, das uns beherrscht.

    Aber, aber.. : „Ich liebe – Ich liebe doch alle – alle Menschen…“

  • Emanuel

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    @grace:
    Tata!! There are thousand alternatives. Macht sich doch auch schick für die Bürgerinnen- und Bürgerschaft, äh, Menschen (Wir wollen ja keine französischen Verhältnisse…)?

  • Lug ins Land

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    @Barbara Junghans
    Seien Sie doch nicht immer so miesmacherisch! Denken Sie auch mal an all die Investoren, die vielleicht auch einfach mal so Gelder versenken wollen, an unsere Lokalpolitiker, die auch gerne groß und hoch und alpenweit denken wollen; denken Sie an die Aufträge für die Bauindustrie und deren in den Startlöchern stehenden ausländischen Sub-, Sub-, Sub-, Sub-Unternehmer, denken Sie einfach mal global. Und wenn der Turm dann fertig ist, dann fahren wir beide ganz hinauf, den OB und seinen Lieblingsfraktionschef nehmen wir auch mit, und dann schauen wir mit dem Ofenrohr in die Alpen; vielleicht sehen wir dann bis nach Kroatien zu den Investitionsruinen der Hypo-Alpe-Adria, und dann kommt das Gemeinschaftsgefühl, das monetäre-europäische-globale, so richtig auf, und dann sagen wir, schaut her, wir können’s auch!

  • Beobachter

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    Tja, welch eine Überraschung!

    Ich komme gerade aus Australien von einem mehrmonatigen Arbeitsaufenthalt zurück (ING.) und es ist erschreckend wie engstirnig Deutschland ist. Wegen eines lächerlichen Gebäudes 5 Jahre herumzueiern ist erbärmlich. In D. lebt man in einem Museum, das in wenigen Jahren nur noch von Alten und unqualifizierten bewohnt wird. Eigentlich traurig – aber das ganze zeigt, dass trotz des trügerischen Aufschwungs im Moment D. als Wirtschaftsstandort in wenigen Jahren keine Rolle mehr spielen wird. Zumindest nicht mehr für mich.

  • Lothgaßler

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    Würde der Büroturm wirklich das Weltkulturerbe stören? Wie sehr stören dann die Gewerbegebiete und die Mischbebauung um das Weltkulturerbe drumherum? Muss der Fernsehturm demnächst abgerissen werden? Zumindest die Arcaden müssen abgerissen werden ;-)))
    Weltkulturerbe ist die Altstadt, nicht der restliche 0815-Siedlungsbrei.

    Gibt es schon wieder geschlossene Immobilienfonds, oder wer finanziert so ein Gebäude?
    Der Ostenturm wäre erst lange nach der Umgestaltung des Zuckerfabrikgeländes und der von einigen ersehnten Marina bezugsfertig. Ob sich dann noch zahlungskräftige Kundschaft in den abseitig gelegenen Ostenturm verirren will?

    Vielleicht aber ist dem Projekt Glück beschieden und der Turm zieht die Mieter an wie die Motten das Licht.
    Ich könnte mit dem Projekt leben.

  • Bernd Henneberg

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    In 200 Jahren wird der bis dahin leerstehende Turm dann eine tolle Aktion für die Historiker sein. Sie werden weit in die Geschichte zurückgehen müssen und beim Turmbau zu Babel fündig werden. Im damaligen Zweitstromland wollte man auch hoch hinaus. Im Dreistromland ( Donau/Naab/Regen) hat man die Ideen der Babylonier wohl missverstanden. Hoch hinaus genügt nicht mehr. Die Geschlechtertürme der anderen Patrizier (Obag/Eon) sind ja auch nicht zur Vollendung geraten. Und übrigens: Wenn schon, denn schon. Dann bitte doch Twin-Towers, damit Regensburg doch endlich das Niveau von Neuyork bekommt.

  • Veits M.

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    Die Frage ist: Wann fällt der Dom – als sog. Alleinstellungsmerkmal? Im globalen Standortwettbewerb („Standort“ ist ein Begriff aus dem Militärischen) verlieren die Städte ihre erste Bestimmung als Lebensort. Über Jahrhunderte schenkten die Gotteshäuser auch als Vertikale den Menschen Orientierung – sie wiesen ihnen den rechten Weg in ein besseres jenseitiges Leben.

    Der Turmbau zu … Regensburg wäre nur ein konsequenter Schritt des Schmidt´schen Raubtierkapitalismus´.

    Warum so schüchtern: Bauen wir Neu-Manhattan in das Areal des im Norden gelegenen Kalkabbaus: dort gäbe es im Ausmaß der gesamten Altstadt Raum für eine weitere dem Zeitgeist geschuldete urbane Entwicklung.

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