Banal, schwül, peinlich

„Gero oder Der leichte Sommer“ ist der erste Roman der Lappersdorfer Autorin Angelika Seitz, die sich bisher in anderen literarischen Genres (v.a. Gedichten, aber auch Heimatkundlichem) sowie in anderen Kunstformen wie der Malerei versucht hat. Inhaltlich geht es um eine Dreiecks-Liebesgeschichte zwischen dem freiheitsliebenden Maler Gero, der schönen, aber allzu abhängigen Elsa und der Ich-Erzählerin Vera, die über diese Geschichte einen Roman schreibt und dadurch die Handlung noch einmal bricht. Vera kommt mit Geros Unverbindlichkeit besser zurecht als Elsa und wird mit seiner Zuwendung belohnt, während Elsa einen appellativen Selbstmordversuch macht und, als das auch nichts nützt, Gero erschießt. Es bleibt allerdings offen, ob das Teil von Veras Romanhandlung im Roman ist oder „wirklich“ passiert. Diese an sich eher banale Konstellation wird mythisch und metaphysisch in schwer erträglicher Weise überhöht sowie in Bezug zu Kunst und Philosophie gesetzt – nicht ohne seitenlang Dichter und Philosophen zu zitieren oder über Kunstgeschichte zu dozieren, so dass das Buch auch noch einen offenbar selbstgesetzten bürgerlichen Bildungsauftrag erfüllt. Besonders dick aufgetragen und bisweilen richtig peinlich sind die erotischen Passagen, die schwül und zugleich etwas in die Jahre gekommen wirken. Wenig passend zum vorher erwähnten Bildungseifer ist auch die Illustration in der linken oberen Ecke jeder Doppelseite, die eine stilisierte weibliche Brust darstellen soll. Die Sprache, in der sich die Handlung mit all ihren Einschüben und Zitaten präsentiert, scheint eine Mischung aus Lyrik und Prosa, allerdings gelegentlich durchsetzt von umgangssprachlichen Ausdrücken. Sie wirkt gespreizt und unnatürlich, die Dialoge sind schwülstig, altmodisch und nicht leicht lesbar. Dies steht in einem merkwürdigen Gegensatz zur Flachheit der gezeichneten Charaktere – der ungestüme, spontane Künstler, die seelisch labile Rothaarige und die gereifte Ich-Erzählerin, die sich allerdings unhinterfragt den Unverbindlichkeitswünschen des Partners völlig unterordnet. Auch die Botschaften über die Liebe oder über Beziehungen zwischen Liebenden kommen über banalste Sentimentalitäten nicht hinaus. Bezeichnend ist das Erscheinen des Romans bei Books on Demand, auch aus den zahlreichen Rechtschreib- und Tippfehlern und dem unangenehmen, unruhigen Schriftbild spricht die wenig sorgfältige Herstellung. Angelika Seitz: Gero oder Der leichte Sommer. Books on Demand. Norderstedt 2011.

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Kommentare (3)

  • peter sturm

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    jetzt reicht es aber herr aigner!
    wie kann man eine kulturpreisträgerin der stadt regensburg nur so verreißen.
    im „kulturjournal“ wäre das nicht passiert.

  • VonFernSeher

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    Mag ja sein, dass das Buch schlecht ist, aber was ist bitte am unterstützten Selbstverlag „bezeichnend“? Sollte man Bücher schon deshalb nicht lesen, weil kein Verlag dahintersteht?

  • Peter Lang

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    Richtig bemerkt, Herr Sturm.
    Der kostbare Platz im Kulturjournal ist viel zu schade, um auf ein schlechtes Buch hinzuweisen.
    Ferner: Frau Seitz wurde lediglich ein KulturFÖRDERpreis zuerkannt, wollen wir doch bitte bei der Wahrheit bleiben.
    mfg

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