Hochschule Regensburg: Bei Baustopp Aufnahmestopp?

Hochschulpräsident Professor Josef Eckstein (Foto) spricht von einer „Katastrophe“. Im Rahmen seiner Sparbeschlüsse hat das Bayerische Kabinett auch vor den Universitäten und Hochschulen nicht halt gemacht. Noch ist nichts endgültig beschlossen, doch eines scheint klar: Entgegen aller Sonntagsreden wird es auch hier Einschnitte geben. Insbesondere davon betroffen ist die Hochschule Regensburg: Planungsmittel für lange geplante Baumaßnahmen mit Gesamtkosten von 56 Millionen Euro wurden auf Eis gelegt. Das Finanzministerium hat sich bislang nicht dazu geäußert, ob die eigentlich zugesagten Gelder fließen werden oder nicht. Welche endgültige Entscheidung bei der Haushaltsklausur des Kabinetts im November fällt, steht in den Sternen. Eines macht Eckstein deutlich: „Sollte das Geld nicht fließen, wird auch nicht gebaut und dann können wir die Studierenden nicht wie vorgesehen aufnehmen.“ Ein Fakultätsgebäude für Informatik und Mathematik sowie ein neues Laborgebäude sollten eigentlich bis 2014 fertiggestellt sein. „Wir brauchen das Geld jetzt und nicht erst in ein paar Jahren“, fordert Eckstein, der darauf hinweist, dass die Kapazitäten an der Hochschule Regensburg bereits jetzt ausgereizt seien. „Die Studierenden sind schon da und es wird immer enger.“ Für dieses Semester konnte die Hochschule vermelden, dass die Marke von 7.000 Studierenden geknackt wurde. Damals noch mit Stolz geschwellter Brust, hoffte man doch auf die versprochenen Baumaßnahmen. Bis 2013 soll die Hochschule gar 8.000 Studierende aufnehmen, um den doppelten Abiturjahrgang im kommenden Jahr auffangen zu können. Das sieht wenigstens eine Zielvereinbarung vor, die man 2008 mit dem bayerischen Wissenschaftsministerium geschlossen hat. Im Gegenzug wurde die Finanzierung der Neubauten zugesichert. Doch während man bei der Hochschule auf dem besten Weg ist, die Vereinbarung zu erfüllen, sieht es ganz so aus, als würde die Staatsregierung Hochschule und Studierende im Regen stehen lassen. Immer wieder wurde die Freigabe der Gelder nach hinten verschoben, zuletzt auf den Doppelhaushalt 2011/12. Das steht nun erneut auf der Kippe. Das Wissenschaftsministerium hatte 2008 noch zugesagt, sich „mit Nachdruck“ für die „zeitnahe Realisierung“ der Bauvorhaben einzusetzen; auch die konkreten Summen sind genannt. Durchsetzen konnte sich Wissenschaftsminister Wolfgang Heubisch (FDP) bei den Verhandlungen im Kabinett damit nicht. Die Regensburger Landtagsabgeordnete Margit Wild (SPD) spricht von einem „Skandal“. Heubisch habe „den Kampf für die Hochschulen und Universitäten bisher auf ganzer Linie verloren“. Für kommenden Donnerstag hat die SPD eine Ministerbefragung im Bayerischen Landtag beantragt. Unterdessen machen auch Unternehmen aus der Region Druck auf die bayerische Staatsregierung.

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Kommentare (4)

  • Veits M.

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    Ich schlage vor, dass ein regionales Bankenkonsortium (von der Politik mit Milliarden gehätschelt) den notwendigen Betrag der Hochschule zur Verfügung stellt – zum derzeit üblichen Zins, den ein Sparbuch bringt (0.2500 %) – und damit Verantwortung für die Bildung der jungen Generation übernimmt.

    Die in der IHK organisierten Unternehmen, insbesondere jene, die seit vielen Jahren eine letztendlich vom Bürger zu finanzierende Stadthalle fordern, gründen unter Einbezahlung des ZEHNTEN eine Hochschulstiftung, die die Kreditzinsen übernimmt. Bürgerschaftliche Zustiftungen werden ermöglicht.

    Man könnte den einzelnen Mitgliedern des zu gründenden Konsortiums bzw der Stiftung schon heute den Bürgerpreis der Regensburger in Aussicht stellen.

  • grace

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    Ganz ketzerisch gefragt:
    „Warum eigene Leute für teuer Geld erst ausbilden,
    wenn die ausgebildeten Osteuropäer etc. fürn appel undn ei
    hier arbeiten wollen“.
    Eben: Wenns um niedrige Lohnkosten geht, ist die Qualität der Bildung
    ned immer sooo wichtig.
    Und die Politik kanns Geld dann den Bedürftigen geben (HRE etc.)

  • Veits M.

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    Die Wut wächst allerorten – viele Institutionen fühlen sich von der Staatskanzlei getäuscht – ausführlich daszu heute die SZ
    http://www.sueddeutsche.de/bayern/2.220/sparplaene-der-staatsregierung-kahlschlag-wie-unter-stoiber-1.101

    Eine Art „Konzertierte Aktion“ sollte jedenfalls unter den Hochschulen im Verbund mit den Studenten möglich sein.

    Im Zusammenhang mit der Verleihung des Friedensnobelpreises war in diesen Tagen zu lesen:
    „China ist mehr als die Kommunistische Partei“.

    Auch Bayern ist mehr als eine immer noch von der CSU dominierte Staatsregierung : Bayern als FREISTAAT hat sich selbst das Markenzeichen KULTURSTAAT in seine Verfassung geschrieben.
    Daran gilt es mutig anzuknüpfen.

    Ist das Land auf dem Weg zu „Bayern 21“, nachdem die Staatsregierung den Ast (Bildung als unser „Rohstoff“) absägt, auf den alle sitzen – offenbar auch um den Milliarden-Gau um die BayernLB zu kompensieren …

  • grace

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    Bayern im Olympia-Rausch:
    Offenkundig ist unter „Kulturstaat“ ab sofort nur noch „Olympiastaat“ zu verstehen
    -was alle finanziellen Mittel auf Jahrzehnte binden wird.

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