Beeindruckende Prosit-Penetranz

Depressionen. In die möchte man verfallen, wenn man der „Bachler Band(e)“ zuhört. Die hat am Freitag die ehrenvolle Aufgabe übernommen, den politisch prominent besuchten Dult-Auftakt im Hahn-Zelt musikalisch zu umrahmen. Der Oberbürgermeister hat gerade den Festzug begleitet, und gemeinsam mit seiner Gattin den Zaungästen huldvoll zugewunken (viele winken zurück, ein paar winken ab). Hinterdrein trippeln ein paar Komparsen von der großen Koalition und der Freie Wähler Ludwig Artinger (Bürgermeister Wolli hat anscheinend eine andere Route genommen.). Beeindruckt schießen ein paar Japaner in Dirndl und Trachtenanzug Fotos für ihren Lieben zuhause in Osaka. Knallvoll ist das Zelt, als die Prominenz eintrifft. Der eine oder andere Stadtrat muss aber doch zwei, drei Mal den Weg in die Ehrenloge hinter sich bringen, um von den Anwesenden auch wahrgenommen zu werden. Das Anzapfen gelingt dem Oberbürgermeister wieder einmal so gut – drei (!) Schläge –, dass die zunächst aufkommenden Buh-Rufe dem donnernden Applaus Dutzender weichen, er vor lauter Freude ein „Ein Prosit der Gemütlichkeit“ singt, den Defiliermarsch dirigiert und noch ein „Prosit“ nachlegt. Draußen: Blauer Himmel, strahlender Sonnenschein. In der Ehrenloge: Alles, was in der CSU Namen und Rang hat(te), Seit an Seit mit den Koalitionären. Etwas abseits vergnügt sich auch die Opposition bei Bier und Brotzeit. So schön kann Bayern sein! Könnte. Denn das blonde Gift, das die „Bachler Band(e)“ als Sängerin engagiert hat, trifft die Töne so selten, dass ihr die anderen Banden-Mitglieder schon mal das Mikro ausschalten. Der wohlbeleibte Banden-Chef ist so lustig, dass man Zahnweh kriegt. Zum Glück fordert die Bande in einer beeindruckenden Penetranz ungefähr alle fünf Minuten zu einem neuerlichen „Ein Prosit“ auf. Das hebt die Stimmung – mit dem entsprechenden Pegel kann sich Geschrei wie Gesang anhören, mit genug Promille in der Blutbahn es lässt sich auch trefflich über schlechte Witze lachen. Und diese „Prosit“-Penetranz rechtfertigt irgendwie doch noch die vermutlich recht hohe Gage. Dass es dazu nicht mehr Talent braucht – ob nun musikalisch oder politisch – verursacht: Depressionen. (Ent)spannende Lektüre.

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