„Darauf können wir, darauf können Sie stolz sein.“

Stilles Job-Aus für 1.000 Unsichtbare

Rund 1.000 Beschäftigte haben Ende Oktober mit dem Ende der Nachtschicht im BMW-Werk Regensburg ihre Arbeit verloren. Weil es sich aber um Leiharbeiter handelt, wird davon kaum Notiz genommen. Für die Stammbelegschaft gab es eine Erfolgsprämie, für die Leiharbeiter warme Worte zum Abschied. Mittlerweile wird ein weiterer Personalabbau befürchtet, der erneut eine erhebliche Zahl von Leiharbeitern betreffen dürfte.

Das BMW-Werk in Regensburg hat eine Stammbelegschaft von 9.000 Beschäftigten. Dazu kommt eine unbekannte vierstellige Zahl von Leiharbeitern, die auf einiges verzichten müssen. Foto: BMW/ Archiv

„Eine echte Erfolgsgeschichte.“ „Eine großartige Leistung.“ „Darauf können wir, darauf können Sie stolz sein. Vielen Dank für Ihr Engagement und Ihren individuellen Beitrag zur Nachtschicht.“ So viel Lob findet man eher selten in einer Kündigung.

Wobei es keine Kündigung ist, die Frau K. erhalten hat. Knapp eineinhalb Jahre war sie als Leiharbeiterin im BMW-Werk Regensburg beschäftigt. Eine Dienstleistung, die BMW bei ihrem Arbeitgeber – einer großen Zeitarbeitsfirma – seit 2016 eingekauft hatte, um eine Dauernachtschicht in der Fahrzeugproduktion zu fahren. Am 28. Oktober wurde diese Schicht nach 27 Monaten eingestellt, die Verträge mit den Zeitarbeitsfirmen wurden gekündigt. Frau K. braucht nicht mehr zu kommen, ebenso wie mindestens 1.000 weitere Betroffene. Einige Insider nennen sogar eine Zahl von 1.300. Von BMW erhielten sie wenige Tage zur noch das oben zitierte Dankesschreiben.

Anfang Juli wurde das Nachtschicht-Aus noch schöngeredet

Doch trotz der Tatsache, dass über 1.000 Menschen in Regensburg ihren Arbeitsplatz verloren haben – wenngleich einige wenige über die Leiharbeitsfirmen woanders untergekommen sein mögen – bleibt es in Regensburg erstaunlich ruhig. Als die Nachricht Anfang Juli dieses Jahres erstmals bekannt wurde, wollten ohnehin weder der Betriebsrat noch die Unternehmensleitung dies als schlechte Nachricht verstanden wissen.

Das Aus für die Nachtschicht habe nichts mit einem Produktionsrückgang oder gar sinkender Nachfrage zu tun, ließ Unternehmenssprecher Andreas Sauer damals gegenüber der Mittelbayerischen Zeitung verlauten. Die Sonderschicht sei 2016 als „Flexibilitätsinstrument“ eingeführt worden, um auf die große Nachfrage nach dem BMW X1 zu reagieren und um Spitzen abzufangen. Inzwischen aber werde man „mit den klassischen Kapazitäten gut auskommen“. Im Übrigen gebe es auch zyklische Entwicklungen in der Branche und eine Nachfrage, die von Jahreszeiten abhängt. Ein Cabrio beispielsweise werde im Winter in Mitteleuropa nicht verkauft. Ähnlich äußerte sich damals auch noch der Betriebsratsvorsitzende Werner Zierer.

Weitere Produktionsrückgänge befürchtet

Mittlerweile klingen die Einschätzungen etwas weniger rosig. Ende September hat die BMW-Group eine Gewinnwarnung herausgegeben. Das Konzernergebnis vor Steuern werde um fünf bis zehn Prozent schrumpfen und nicht – wie bis dahin noch erwartet – mindestens die 10,7 Milliarden Euro wie 2016 erreichen. Gründe dafür sind Rabattschlachten als Auswuchs der Dieselaffäre, der bevorstehende Brexit, aber auch Handelsstreitigkeiten mit den USA und mit China, wo BMW etwa 25 Prozent seiner Fahrzeuge absetzt.

Im BMW-Werk Regensburg, wo vor der Nachtschicht täglich 1.100, bei deren Einführung täglich 1.400 Fahrzeuge, produziert wurden, bedeutet das eine weitere deutliche Reduzierung des Produktionsvolumens. In der letzten Betriebsratszeitung sprach Werner Zierer bereits davon, dass „dem Wunsch vieler Kolleginnen und Kollegen entsprochen“ worden sei, „in den heißen Sommerwochen im Juli keine Spätschichten am Samstag zu fahren“. Rechnet man aber dann alles zusammen, was Zierer anschließend auflistet, kann man etwas weniger beschönigend davon sprechen, dass die Produktion 2019 bis zu zwei Monate unterbrochen sein und insgesamt deutlich verringert werden wird, es also weniger Arbeit gibt. Das dürfte erneut das Aus für eine erhebliche Zahl von Leiharbeitern zur Folge haben.

Leiharbeiter bei BMW – eine unbekannte Größe

Wie viele Leiharbeiter im BMW-Werk Regensburg insgesamt beschäftigt sind, ist nicht zu erfahren. Pressesprecher Andreas Sauer verweist auf Nachfrage darauf, dass „es sich beim Einsatz von Zeitarbeitskräften um ein Flexibilitätsinstrument handelt“, dass deren Zahl je nach Bedarf variiere und man daher „keine absolute Zahl nennen“ könne.

Intern ist allerdings von etwa 3.000 Leiharbeitern die Rede, die auch nach dem Ende der Nachtschicht nach wie vor zusätzlich zur Stammbelegschaft von 9.000 Beschäftigten im BMW-Werk Regensburg zum Einsatz kommen. Rund 800 Leiharbeiter habe man seit Einführung der Nachtschicht 2016 fest übernommen, so Sauer gegenüber regensburg-digital. Mittlerweile ist aber firmenintern bereits die Rede davon, dass angesichts der aktuellen Entwicklungen die Stammbelegschaft als zu hoch eingeschätzt und sogar hier ein Stellenabbau befürchtet wird.

Ohnehin ist bei BMW – trotz der Regelungen im Arbeitnehmerüberlassungsgesetz, die vorsehen, dass Leiharbeiter maximal 18 Monate im selben Betrieb eingesetzt werden dürfen, ehe sie entweder übernommen werden oder wechseln müssen – eine weitaus längere Einsatzzeit möglich. Der entsprechende Tarifvertrag der IG Metall erlaubt einen Einsatz von bis zu 24 Monaten, verbunden mit einer Öffnungsklausel für Betriebsvereinbarung, die BMW ebenso nutzt wie die meisten größeren Arbeitgeber in der Metall- und Elektroindustrie, sind sogar 48 Monate möglich.

Prämie für die einen, warme Worte für die anderen

Der Stammbelegschaft hat die nun eingestellte Nachtschicht in diesem Jahr übrigens noch eine Rekord-Erfolgsprämie eingebracht, die je nach Gehaltsstufe bei um die 9.000 Euro brutto liegen dürfte. Die Leiharbeiter, die dies mit ermöglicht hatten – unter anderem durch 35- anstatt der üblichen 33-Stunden-Schichten – haben davon übrigens nichts. Sie haben bei gleicher Qualifikation zwar Anspruch auf in etwa denselben Stundenlohn, allerdings nicht ansatzweise auf dasselbe Weihnachts- oder Urlaubsgeld und vor allem nicht auf jene Erfolgsprämie. Doch immerhin gab es zum Abschied ein lobendes Dankeschön.

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Kommentare (30)

  • Joachim Datko

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    Kommentar gelöscht. Bitte beim Thema bleiben.

  • Rincewind

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    Ich halte grundsätzlich nichts vom Leiharbeiter-als-verlängerte-Probezeit-System. Aber dieser Fall hier ist einer, für den tatsächlich das System Leiharbeit erfunden wurde: ein von Anfang an klar zeitlich befristeter Mehrbedarf. BMW kann doch wohl kaum 10% mehr Leute aufbauen, von denen sie wissen, dass sie nach spätestens drei Jahren (eigentlich war es kürzer geplant), nicht mehr verwendet werden können! Was sollen sie denn machen? In der Tagschicht Böden wischen?

  • joey

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    Leiharbeiter können sich ja auch anderswo bewerben. Haben wir denn nicht Fachkräftemangel? Wie hoch ist die Arbeitslosenrate?

    Ich bin für die 1000 zuversichtlich, wünsche ihnen trotzdem das Beste.

  • Kernel

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    Wie schaut es mit den Werkverträglern aus? Die sind ja nochmal eine Stufe unter den Leiharbeitern. Wurde hier ebenso ein solcher Kahlschlag angesetzt? Dieses System haben wir leider der damaligen Rot-Grünen Regierung zu verdanken.

  • Lothgaßler

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    Auch bei einem Leiharbeiter kommt es eben darauf an, ob und was er gemacht und gelernt hat. Nur weil einer bei BMW schafft (egal ob Stammbelegschaft oder Arbeitnehmerüberlassung), bedeutet dies noch lange nicht, dass er/sie eine gesuchte Fachkraft ist. Die Zeiten sind aber günstig unterzukommen, auch als nicht Leiharbeitskraft. Für die Betroffenen mag das alles nicht schön sein, aber diese Arbeitsstellen waren ohnehin nie auf Dauer angelegt. Die eigentliche „Sauerei“ ist, dass die hoch flexiblen Überlassungs-Arbeitskräfte schlechter gestellt sind als die weniger flexible Stammbelegschaft. Eigentlich müsste es anders herum laufen: Flexibilität und Unsicherheit müsste durch höhere Löhne ausgeglichen werden.
    Zum Thema Prämien bei BMW: Auch deshalb wollen die Leute zu BMW (oder Audi), auch wenn der Job dort evtl. recht öde ist. Wo sonst dürfen solche Prämienzahlungen erwartet werden? Die Immobilienwirtschaft lassen wir da mal außen vor, die wären verstört, weil das liegt ja unter der üblichen Partei-Spenden-Prämien-Summe ;-)

  • Ernst

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    Wenn ich das richtig verstehe, dann kann ich also mittels Betriebsvereinbarungen und TarifVertrag Leute schlechter stellen wie es das Gesetz vorsieht. Das darf doch nicht rechtens sein. Das ist ja das totale Versagen des Sozialstaats

  • Sabine

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    Jede Arbeit ist so gut wie die andere, konkrete Arbeit gilt dabei als unterschiedslose menschliche Arbeit.

  • Schaller Thomas

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    Ich war 4 Jahre als LW in der BMW tätig. Zum Winter wurden immer LW „abbestellt“. Seit Jahren wird geredet das man als LW keine Zukunft hat.
    Ich habe 2016 gekündigt und fahre jetzt Mobiltoiletten, davon kann man halten was man will, aber ich hab mehr Geld in der Tasche und einen festen Vertrag.
    Ich bereue es nicht eine Minute Bmw verlassen zu haben.
    Mir tun die LW leid, aber in meinen Augen, ist Leiharbeit eine überbrückungsmöglichkeit, mehr nicht.

  • Thik

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    @ Ernst 16. November 2018 um 20:50
    „Wenn ich das richtig verstehe, dann kann ich also mittels Betriebsvereinbarungen und TarifVertrag Leute schlechter stellen wie es das Gesetz vorsieht.“

    Nicht ganz, denn das Gesetz sieht ja diese Schlechterstellung vor, wenn sie denn vereinbart wird.

  • R.G.

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    @Schaller Thomas

    Wissen sie, was ich jetzt von Ihnen halte?
    Dass Sie einen enorm wichtigen und achtenswerten Beruf ausüben, so wie jeder der uns ermöglicht, den notwendigen Hygienestandard zu erhalten!

    Ein europäischer Fernsehkoch legt stets höchsten Wert darauf, in seiner Ministeriums-Mittagskantine hohe Beamte neben Toilettenfrauen, Kanalräumern und Müllwerkern sitzen zu sehen.

    Jeder mit einem Funken Hirn wird begreifen, wie wichtig die Tätigkeit aller „Hygienesicherer“ ist.

    Danke, dass Sie mit Ihrem Beispiel anderen Leiharbeitern Mut machen, eine Gelegenheit auf einen ordentlichen, ihnen gut erscheinenden festen Vertrag zu nutzen, egal was andere von der Arbeit halten.

  • erich

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    kürzlich war in einer großen online Zeitschrift zu lesen:
    Auszüge:
    Frage: Gibt es Vorteile für die Leiharbeiter?
    Jahn: Der überwiegende Teil der Leiharbeiter, etwa 60 Prozent, war zuvor arbeitslos. Sie hoffen darauf, einen Arbeitgeber kennenzulernen, der sie später übernimmt…
    Frage:Wie viele Leiharbeiter würden von der 18-Monats-Frist profitieren?
    Jahn: Etwa 25 Prozent der Leiharbeiter sind länger als neun Monate bei einem Zeitarbeitsbetrieb beschäftigt.
    Nur 14 Prozent der Beschäftigungsverhältnisse im Zeitarbeitssektor dauern länger als 18 Monate….
    Frage:Aber dann dürften doch immerhin die 14 Prozent künftig fest angestellt werden?
    Jahn: Das ist nicht gesagt, auch wenn sich Frau Nahles das erhofft. Die Frage ist, ob wirklich jeder Leiharbeiter nach Ablauf von 18 Monaten als regulärer Arbeitnehmer angestellt wird. Das ist eher unwahrscheinlich….
    Quelle:Zeit
    Zeitarbeit „Es gibt nach wie vor Schlupflöcher“

  • Joachim Datko

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    Sollten Leiharbeiter arbeitslos werden, können sie Arbeitslosengeld beantragen. Voraussetzung für Arbeitslosengeld ist eine Beschäftigung von zwölf Monaten innerhalb der letzten 24 Monate. So interpretiere ich entsprechende Informationen aus dem Internet.

  • erik

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    @erich @datko
    „Voraussetzung für Arbeitslosengeld ist eine Beschäftigung von zwölf Monaten innerhalb der letzten 24 Monate.“

    die Baumwollpflücker des 21 Jahrhunderts, immer am sozialen Aus und Abgrund entlang und vor den Augen um sie in prekäre Arbeitsverhältnisse pressen und erpressen zu können!

  • Tobias

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    @Ricewind:
    Wie wär’s mit entsprechenden Verträgen mit einer Befristung von 3 Jahren?!
    Dann gäbe es auch dasselbe Urlaubs- und Weihnachtsgeld, Prämien etc. Und nicht billige Abzocke.

    BMW und deren Fahrer haben eben doch einiges gemeinsam, und der Ruf von beiden ist ohnehin eher in Richtung Pimp/Bonze gehend. Aber ja, ich verstehe Kapitalismus; Nein, ich verstehe keine Werks- oder Leiharbeitsverträge (also warum diese existieren).

  • highwayfloh

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    @RG:

    Danke für diesen wirklich super Kommentar (ehrlich gemeint)!

    @RD-Redaktion / Stefan Aigner:

    Der Kommentar von R.G. gehört dauerhaft hervorgehoben:

    R.G. 17. November 2018 um 13:33

    Manche Themen verleiten uns alle aufeinander einzuhauen, virtuell, intellektuell, real. Dieser Kommentar zeigt, dass es eigentlich Wichtige, nämlich dass es ohne gegenseitigen Respekt und Achtung NICHT geht, egal ob man bezüglich diverser Themen persönlich einer Meinung sein mag oder nicht.

    Danke nochmals an R.G. für diesen wirklich tollen Kommentar!

  • Barnie Geröllheimer

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    Die Ursache sind die von den Gewerkschaften hochgepumpten Löhne der Stammbelegschaft für Einfachsttätigkeiten in der Automobilmontage. Um international konkurrenzfähige Lohnstückkosten zu erhalten müssen kostengünstigere Arbeitskräfte in Form von Leiharbeitnehmern oder Werkverträglern -die ihrerseits wieder mit einem großen Teil Leiharbeitnehmern arbeiten – beigestellt werden. Nur die Stammbelegschaft erhält eine Erfolgsprämie. So kommt ein Autoschraubenschrauber dann im Schnitt auf brutto € 30,-/h, der Leiharbeitnehmer der Werkverträgler auf brutto € 12,–. Darauf angesprochen, dass ein Handwerker, der sich täglich auf neue Aufgaben und Kundenbedürfnisse einstellen müsse, aufgrunddessen € 35,-/h verdienen müsse und dessen Stundensatz dann € 100,-/h betrage, meinte einer der „Besserverdienenden“, dann könne er sich ja nichts mehr leisten. Unsere Arbeitsgesellschaft ist gespalten in Konzern und Nicht-Konzernbelegschaften. Gewerkschaften interessieren sich aber nur für Konzernbelegschaften und nehmen für den Vorteil Ihrer Klientel billigend in Kauf, dass es einen schlecht bezahlten Leiharbeitsmarkt gibt.

  • Cobert

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    Tja jetzt werden die restlichen Leiharbeiter auch noch gehen und danach die jungeren frichlinge fest übernomene . Traurig

  • Thik

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    @Barnie Geröllheimer 18. November 2018 um 18:26
    Die Ursache ist der Kapitalismus, nach dem der Mensch für die Arbeit da ist, statt die Arbeit für den Menschen. Den Gewerkschaften kann man vermutlich schon auch vorwerfen, dass sie sich über den Tisch haben ziehen lassen und damit zur Spaltung der Gesellschaft beigetragen haben, siehe auch Ihre Unterstützung für Hartz IV, mit der sie den Arbeitslosen in den Rücken gefallen sind, ihr Kampf gegen die GdL oder ihre Tarifbeschlüsse im Zustellerbereich, mit denen sie denjenigen die die Tarife der sogenannten christlichen Gewerkschaften weggeklagt haben, ihren Sieg genommen haben und Vieles dergleichen mehr.

  • Thik

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    @Joachim Datko 18. November 2018 um 11:46
    ALG I bei Niedriglohn ist wenig hilfreich.

    „Stellen Sie zusätzlich einen Wohngeldantrag und, wenn Sie Kinder haben, einen Antrag auf Leistungen zur Bildung und Teilhabe bei der örtlich zuständigen Kommune. Den Kinderzuschlag beantragen Sie bei der örtlich zuständigen Familienkasse der Agentur für Arbeit. Falls der Kinderzuschlag aufgrund zu niedrigen Einkommens abgelehnt wird, stellen Sie innerhalb eines Monats nach der Ablehnung einen Antrag auf Arbeitslosengeld II beim örtlich zuständigen Jobcenter. Beachten Sie, dass Wohngeld dann nicht mehr gewährt wird, da angemessene Mietkosten bei der Gewährung von Arbeitslosengeld II berücksichtigt werden.“

    https://www.caritas.de/hilfeundberatung/onlineberatung/allgemeine-sozialberatung/haeufiggestelltefragen/61767

    Man beachte, wie unkompliziert das alles ist. „Weniger Bürokratie, weniger Vielfachzuständigkeit, Leistung aus einer Hand, ein persönlicher Ansprechpartner für alles“, waren damals die großen Versprechen von Hartz IV und erst kürzlich hat sich Rot-Grün speziell dafür, wie Ihnen das gelungen ist nochmals selbst gefeiert.

  • dugout

    |

    @Barnie Geröllheimer

    „Die Ursache sind die von den Gewerkschaften hochgepumpten Löhne der Stammbelegschaft für Einfachsttätigkeiten in der Automobilmontage“

    Bravo, wer als Unternehmer solche Untertanen als Belegschaft hat darf sich wahrlich glücklich schätzen.

  • erich

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    @Thik
    „Man beachte, wie unkompliziert das alles ist. „Weniger Bürokratie, weniger Vielfachzuständigkeit, Leistung aus einer Hand, ein persönlicher Ansprechpartner für alles“, waren damals die großen Versprechen von Hartz IV“

    die Agenda 2010 Reformen waren meiner Meinung nie dazu gedacht für die Arbeitslosen oder Unterbeschäftigten etwas zu verbessern sondern dienten und dienen nur dazu Sozialkosten einzusparen um finanzielle Mittel für andere Bereiche frei zu machen, zB. regelmäßige und saftige Tariferhöhungen im öffentlichen Dienst , einen Teil der Bevölkerung in prekäre Beschäftigungen zu drücken um mit Billiglohnländern in Osteuropa, Südamerika, Nordafrika konkurrieren zu können und der Finanzindustrie, siehe Altersvorsorge, neue Einnahmequellen zu schaffen.

    kürzlich war zu lesen:
    „Das ganze System Hartz IV ist darauf ausgelegt, es den Menschen möglichst schwer zu machen, Geld vom Staat zu bekommen“, sagt Steidl. „Man nennt das ,vertreibende Hilfe’. Das bedeutet, die Hürde, die man überwinden muss, um Unterstützung zu bekommen, ist so hoch, dass viele Leute es gar nicht erst versuchen.“
    Quelle:
    Abendzeitung München:“Ein Tag im Jobcenter
    Am kürzeren Hebel: Der Münchner Hartz-IV-Report“

    Laut einer Meldung (basierend auf einer Berechnung des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung, eine staatliche Behörde) verzichten 3.100.000 bis 4.900.000 Antragsberechtigte auf Hartz IV und leben so in verdeckter Armut und erscheinen in keiner Statistik mehr.

  • erich

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    @dugout
    nur so nebenbei kürzlich war zu lesen:

    -Nur noch 53 Prozent mit Tarifvertrag: „Gesellschaftlicher Skandal“
    „In Bayern arbeiten mittlerweile nur noch 53 Prozent der Beschäftigten in einem Betrieb mit Tarifvertrag. Dies ist ein gesellschaftlicher Skandal, der auf viel zu wenig Empörung stößt“
    Quelle: Merkur

    Jobcenter: 1,5 Milliarden Euro aus Hartz IV Topf in Verwaltung umgeschichtet.
    Wie es in der Antwort heißt, steigen die Beträge, die regelmäßig aus dem Hartz IV Budget zur Eingliederung von Langzeitarbeitslosen entnommen werden, um die eigenen Verwaltungskosten der Jobcenter zu decken. Waren es im Jahr 2013 etwa 462,2 Millionen Euro, wurden bereits im Jahr 2014 522,5 Millionen Euro umgeschichtet. Im vergangenen Jahr 2015 sogar schon 605 Millionen Euro.
    Quelle: hartziv org

  • Barnie Geröllheimer

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    „In Bayern arbeiten mittlerweile nur noch 53 Prozent der Beschäftigten in einem Betrieb mit Tarifvertrag. Dies ist ein gesellschaftlicher Skandal, der auf viel zu wenig Empörung stößt“. Satz 1 ist Fakt. Satz 2 eine unbewiesene Behauptung. Ein gesellschaftlicher Skandal ist es über Tarifverträge Mehrleistungswillige zu begrenzen, in ihren Möglichkeit und ihrem Einkommen. Jetzt muß natürlich die Sicht auf die Dinge differenziert werden: Menschen , die ihre Selbstverwirklichung darin sehen von den wirtschaftlichen Leistungen anderer zu leben, werden immer nur den Fehler in den sozialen Bedingengen sehen. Den fehlenden Halbsatz führe ich nicht weiter aus.

  • xy

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    Bei den großfürstlichen Löhnen der Stammarbeiter incl. 15. Monatgehalt etc. und mehr bleibt für die Leiharbeiter einfach nichts mehr übrig. Auch BMW kann jeden Cent nur einmal ausgeben…

  • dugout

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    @xy:

    Es ist ja geradezu rührend wie sie hier von “ Cent“ sprechen, bei 6 Milliarden Gewinn nach Steuern allein 2017 und dem 7 Rekordjahr in Folge.
    Geradezu beschämend ist der hier mehrfach geäußerte Unfug, die Tariflöhne wären Schuld an der schlechten Bezahlung der Leiharbeit. Diese Annahme ist genauso dämlich wie die hier zum besten gegebene Satire von den“ Mehrleistungswilligen“ die in ihren Möglichkeiten begrenzt werden. Zum totlachen.
    Ihr seid der feuchte Traum eines jeden Unternehmers ihr Untertanen.

  • xy

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    @dugout, ist doch wohl klar, je teurer der Personalbestand ist, desto eher wird man ihn ausdünnen, erst recht bei großfürstlichen Löhnen, 15,5 Monatsgehältern und vierstelligen Boni und Prämien etc. Wer solche Tariffürsten großzügig zu alimentieren hat, hat natürlich kein Geld mehr für normale Arbeiter, die dann in die Röhre schauen müssen, that’s life!

  • Leiharbeit: Arbeitsleistung, von der andere profitieren | ZWEITLESE

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    […] „Rund 1.000 Beschäftigte haben Ende Oktober mit dem Ende der Nachtschicht im BMW-Werk Regensburg ihre Arbeit verloren. (…). Für die Stammbelegschaft gab es eine Erfolgsprämie, für die Leiharbeiter warme Worte zum Abschied.“ ↗regensburg-digital.de […]

  • Leiharbeit: „Gewerkschaften sind auch Teil des Systems“ (Professor Sell) – Herner Sozialforum

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    […] Dass das keineswegs nur theoretische Denkübungen sind, kann man vielleicht an diesem Beispiel aus der betrieblichen Praxis ablesen: »Rund 1.000 Beschäftigte haben Ende Oktober mit dem Ende der Nachtschicht im BMW-Werk Regensburg ihre Arbeit verloren. Weil es sich aber um Leiharbeiter handelt, wird davon kaum Notiz genommen. Für die Stammbelegschaft gab es eine Erfolgsprämie, für die Leiharbeiter warme Worte zum Abschied. Mittlerweile wird ein weiterer Personalabbau befürchtet, der erneut eine erhebliche Zahl von Leiharbeitern betreffen dürfte«, so  Stefan Aigner unter der bezeichnenden Überschrift Stilles Job-Aus für 1.000 Unsichtbare: […]

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