Colosseum: Bürgermeister fordert Eigentümer zum Einlenken auf

„Ich fordere den Eigentümer auf, eine Gedenktafel zuzulassen.“ Bürgermeister Joachim Wolbergs.
„Wir haben Fehler gemacht. Dafür bin auch ich verantwortlich.“ Der offene Brief mehrerer Initiativen an die Regensburger Stadtspitze scheint gewirkt zu haben – zumindest beim einen oder anderen. Bei einer Kundgebung vor der ehemaligen KZ-Außenstelle Colosseum in Stadtamhof hat sich Bürgermeister Joachim Wolbergs (SPD) den Kritikern der dort verlegten Bodenplatte gestellt. Er warb um Verständnis für das Verhalten der Stadt, räumte Fehler ein und versprach Abhilfe. Den Eigentümer des Gebäudes, Develey-Boss und CSU-Politiker Michael Durach, forderte Wolbergs auf, „endlich eine Gedenktafel am Colosseum zuzulassen“. Doch dazu später.

„Die Heimlichkeit macht Sinn“

Rund 120 Menschen waren gekommen, um ein angemessenes Gedenken für die Gefangenen und Toten des Colosseum einzufordern, darunter Vertreter aller im Stadtratsfraktionen, mit Ausnahme von FDP und CSU. Entlang der Hauptstraße entrollten Jugendliche ein Transparent mit den Namen der 65 getöteten Häftlinge. In Reden von Luise Gutmann (Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes) und Reinhard Kellner (Soziale Initiativen) hagelte es Kritik an der Erinnerungspolitik der Stadt Regensburg. Wie berichtet wurde die Platte am 23. April in aller Stille verlegt. Dieses heimliche Vorgehen geriet in den letzten Wochen ebenso in die Kritik, wie der Text der Platte (Foto), der am Stadtrat vorbei von einer Verwaltungsrunde und den drei Bürgermeistern abgesegnet worden war.
„Anders gemeint“: die Bodenplatte vor dem Colosseum.
„Die Heimlichkeit macht Sinn“, sagt Luise Gutmann am Freitag, „denn der Text der Bodenplatte ist zum Schämen.“ Es werde verschwiegen, dass das Colosseum für 400 Menschen „ein Ort der Hölle“ war. Auch dass 65 von ihnen hier an den Folgen von Zwangsarbeit und Misshandlung starben, bleibt auf der Tafel unerwähnt. Das Verhalten beim Colosseum sei symptomatisch für die Erinnerungspolitik der Stadt Regensburg, so Gutmann. „Es wird verharmlost, beschönigt und verschwiegen, wenn es um Nazis und deren Verbrechen geht.“ In Regensburg fehle ein authentischer Ort, der Widerstand und Verfolgung während der NS-Zeit dokumentiere. „Nach dem Mittelalter ist Schluss mit der Stadtgeschichte.“

Jahrzehntelange Diskussion

Die Veranstaltung am Freitag war weiterer Höhepunkt einer Diskussion, die seit mehr als 30 Jahren in Regensburg schwelt. Die Existenz des KZ-Außenlagers war nach dem Krieg über Jahrzehnte verschwiegen worden. Es dauerte bis 1983, ehe das Thema einer etwas breiteren Öffentlichkeit bekannt wurde: Schülerinnen und Schüler der 11. Klasse an der Berufsfachschule für Wirtschaft hatten eine Arbeit zur Geschichte des Colosseum geschrieben und damit den „Preis des Bundespräsidenten“ beim Wettbewerb für Deutsche Geschichte gewonnen. Das Preisgeld stifteten sie für eine Gedenktafel – es gibt sie bis heute nicht. Ein in Stadtamhof 1994 platzierter Gedenkstein hat keinerlei Bezug zum Gebäude, das Colosseum wird darauf auch nicht erwähnt.

Develey-Boss will keine Tafel

Zuletzt scheiterte die Forderung nach einer Tafel am Widerstand des Gebäudeeigentümers: Michael Durach, Geschäftsführer der Senffabrik Develey und CSU-Gemeinderat in Unterhaching. Er versuchte zunächst das Thema intern über Kontakte zu CSU und Regensburger Stadtverwaltung vom Tisch zu bekommen. Als das nicht klappte und seine Weigerung öffentlich wurde, begründete Durach diese mit der Angst vor „randalierenden Gruppen“. Schließlich beschloss der Stadtrat auf Druck der Grünen 2009, eine Bodenplatte anstelle der Gedenktafel zu verlegen. Das geschah, wie erwähnt, in aller Stille, am Stadtrat vorbei und mit besagtem Text. Dem Vernehmen nach soll es von Durach eine Geldspende an die Stadt gegeben haben, um die Verlegung zu unterstützen.

„Das war anders gemeint.“

Wolbergs, der am Freitag (nach einer Abstimmung durch die Anwesenden) gegen Ende der Kundgebung das Wort ergriff, räumte ein, dass bei Text und Verlegung der Platte Fehler gemacht worden seien. „Es war aber anders gemeint.“ Die Stadtverwaltung habe immer noch gehofft, den Gebäudeeigentümer davon überzeugen zu können, doch noch eine Tafel zu akzeptieren. Vorerst habe man aber mit der Platte „einstweilen an den Appellplatz vor dem Colosseum erinnern“ wollen. „Das hat sich im Nachhinein als Fehler herausgestellt.“ Für sich allein genommen wirke die Platte tatsächlich unangemessen. „Politisch war etwas anderes gewollt.“
Mit einem Transparent erinnerten Jugendliche am Freitag an die 65 Toten des KZ-Außenlagers.
Wie soll nun Abhilfe geschaffen werden? Entfernen und ersetzen lassen will Wolbergs die Tafel nicht. Als Erinnerung an den Appellplatz sei sie „historisch korrekt“. Allerdings soll nun noch eine Ergänzung her. Eben in Form einer Gedenktafel am Gebäude, die Durach „endlich zulassen“ solle. Falls das nicht klappt, werde eventuell der bereits existierende Gedenkstein versetzt und direkt vor dem Colosseum aufgestellt. Ausdrücklich in Schutz nahm Wolbergs den städtischen Archivleiter Heinrich Wanderwitz. Dieser war zuletzt auch aus den Reihen der SPD-Stadtratsfraktion wegen des Textes auf der Gedenkplatte in die Kritik geraten. „Er hat den Text weder formuliert noch überhaupt gesehen“, so Wolbergs. Politisch verantwortlich dafür seien er und seine Bürgermeisterkollegen Gerhard Weber und Hans Schaidinger (beide CSU).

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Kommentare (20)

  • Neuromancerr

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    Gespannt warten die Wähler auf die Bewertung der Jury als sich Joachim Wolbergs (SPD) erneut in seiner Königsdisziplin versucht:
    Dem politischen Spagat!
    Aber Herr Wolbergs, gehören KZ-Opfer nicht zu denen, die nicht auf der Sonnenseite des Lebens stehen und die nicht für sich selbst einstehen können?
    Sind nicht das genau diejenigen, denen Sie ihr Dasein verschrieben haben?
    Ihr Auftritt bei der Kundgebung ist abzuhaken unter:
    Schön, dass Sie dort gesprochen haben, ABER…

  • Weiße Rose

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    Wolbergs soll lieber Dirndlköniginnen küren, das kann er besser. Hier hat er wieder einmal sein Unvermögen gezeigt und wie unglaubwürdig er ist. Er sieht prinzipiell jeden Pressetermin, jeden Auftritt nur als „Wahlveranstaltung“. Peinlich!
    So dann: Öffnet endlich die Archive! Es gab neben dem Colosseum weitere Stellen in Regensburg, wo KZ-Häftlinge eingtepfercht waren. Es gab zig Regensburger Familien, die noch heute „einen guten Namen“ und Ansehen genießen, und die sich bei den Nazibonzen KZ-Häftlinge für Arbeiten an und in Haus und Garten regelrecht bestellten. Die Dokumente existieren. Herr Wanderwitz, öffnen Sie die Archive!

  • Bernhard Segerer

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    Ich fand es gut dass sich Wolbergs dem Thema gestellt hat. Einen Fehler zugeben zu können ist mehr als man von den meisten Politikern gewöhnt ist. Hoffen wir, daß die Konsequenzen gezogen werden und es nicht bei Verlautbarungen bleibt.

  • Twix Raider

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    Also das katzenhafte Geschleiche um den heissen Brei nebst Hüh & Hott ist schon überaus armselig. Andererseits bezweifle ich, das die Fraktion der Mahner mit einem Version zufrieden gewesen wären, der auch in die Tafel gepasst hätte. Irgendwie muss man Abstriche machen, das ist ja kein Star Wars-Rolltext. Und ehrlich gesagt hätte ich mir als Hausbesitzer auch ein gewisses Mitspracherecht bei den Formulierungen ausgebeten. Die Wahrheit ist wichtig, aber man muss es auch nicht so darstellen, als hätte der Besitzer eine untilgbare Erbschuld wie in den Geschichten von Edgar Allen Poe. Ich weiss, wovon ich spreche, mein Grossvater väterlicherseits war ziemlich hardcore, nach seinem Verschwinden bei Stalingrad hiess es noch ewig „das braune Haus“ und „die Nazi-Brut“…

  • Neuromancerr

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    Armleuchter!

  • Neuromancerr

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    Du hast es irgendwie nicht begriffen. Der Hausbesitzer hatte keine Mitsprache an dem Text. Es gibt auch keinen Grund dafür. Und bloß weil Dir in der Kürze keine passende Formulierung einfällt heißt es noch lange nicht dass es keine gibt.
    Der Versuch mit Deinem Ahnen Deine unqualifizierte Kritik weiß zu waschen ist erbärmlich.

  • Neuromancerr

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    „Ihr Auftritt bei der Kundgebung ist abzuhaken unter:
    Schön, dass Sie dort gesprochen haben, ABER…“

  • Jochen Schweizer

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    Wolbergs soll lieber weiter Seniorenheime und Kindergärten besuchen, das kann er besser als den Winerdienst organisieren oder sich mit der deutschen Geschichte zu beschäftigen.
    Hier hat er wieder einmal sein Unvermögen gezeigt, von einem Abiturienten mit der einzigen Ausbildung Führerscheininhaber ist aber auch nicht mehr zu erwarten!

  • Jürgen Huber

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    … man möchte den SPD Bürgermeister Wolbergs fragen, welche Rolle der Kulturreferent – der ja für Gedenk-Kultur zuständig ist – spielt, man möchte fragen, was seine eigne Abwehrhaltung auf die Anträge der Grünen und die mehrfache Erinnerungen an den Antrag „Collosseum“ für eine Rolle spielen, man möchte fragen, warum bis heute kein Konzept vorliegt, die Gedenkorte in Regensburgs dunkler Nazi-Zeit zu dokumentieren, wenigstens aufzulisten (auch da hat der Kulturreferent mit Zustimmung der SPD und unter der schützenden Hand des BM Wolbergs eine nur sehr dürftige Schülerarbeit abgeliefert), man möchte fragen, warum sich die Rathaus-SPD so schwer tut, ihrem Koalitionspartner und dem Kulturreferenten Beine zu machen, wenn es um Erinnerungskultur an das 1000jährige Reich geht. Das unsägliche Reiterstandbild Ludwig I. konnte der Kulturreferent in der Stadt herumschieben und mit grossem Königs-Pomp und Weissblau-Trara einweihen … Aber wenn es um republikanische Bürger-Kultur geht, dann wird’s düster. Leider auch bei der Rathaus-SPD.
    jürgen huber

  • Twix Raider

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    Seit wann duzen wir uns?
    Auch die Stadt darf nicht ungefragt irgendwas an Privatbesitz nageln, da muss man sich immer mit dem Haussherrn absprechen, historische Relevanz hin oder her. Das Argument „…da könnten ja Randalierer kommen!“ war zwar schwach, aber nicht völlig unbegründet. Dabei spielt es keine Rolle, ob der Text der Gedenktafel nun sachlich und informativ ist oder in Schwulst und Horror ausartet, er provoziert immer. Linksaussen schmeisst vielleicht Farbbeutel, Steine oder Mollies, Rechtsaussen veranstaltet vielleicht „Nestbeschmutzer“-Gegengedenkfeiern. Bei einem solchen Restrisiko einer Kontroverse verdient der Hausherr ein gewisses Mitspracherecht. Wäre ich Besitzer des Ratzinger-Geburtshauses, würde ich als allererstes die Hinweistafel abschrauben. Meine persönliche Einstellung zum Papst spielt da auch keine Rolle, ich will nur keine Pilger, die ständig klingeln. Das man mit dem Kauf einer historischen Stätte eine gewisse Verpflichtung eingeht, ist klar. Nur die praktische Umsetzung muss Verhandlungsache bleiben, gleiches Recht für alle. Wenn die Parteien dabei auf stur schalten oder sich dumm stellen, gerät das Andenken zum Mittel zum politischen Zweck. Die 65 Toten würden wahrscheinlich sagen „Wenn ihr euch nicht gütlich einigen könnt, könnt ihr euch eure Tafel/Platte sonstwo hinstecken, wir sind doch nicht eure Kasper!“
    Im übrigen habe ich nicht von Ahnen gesprochen, sondern von meinem Grossvater, Singular. Seine Ideologie wurde frei nach dem Prinzip „Sippenhaft“ auf sein Haus, seine Frau, seine Kinder und sogar noch auf seine Enkel projeziert. Herrgott, ich kenne den Mann nur von Fotos und Geschichten, ich teile mit ihm nur die DNS. Eine Erbsünde existiert nicht, ich bin weder stolz auf ihn noch schäme ich mich 24/7. Aber nein, man spricht ja generationenübergreifende Flüche nach Art der Vendetta aus. DAS ist erbärmlich!

  • Ratisbonicus

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    Also – dem Hausbesitzer gehört das Haus (Colosseum), aber definitiv nicht der Bürgersteig in dem die unsägliche „Gedenkplatte“ mit dem absolut verharmlosenden Text eingelassen ist.
    Dem Hausbesitzer nimmt auch niemand in Sippenhaft, wie Sie es bezeichnen. Er wird nur wegen seines Verhaltens kritisiert. Sie sollten obigen Text vielleicht nicht nur lesen, sondern auch verstehen.
    Und was die Menschen angeht, die Sie und die ihren wegen Ihres Großvaters verurteilen: Die sind warscheindlich des selben Geistes Kinder wie Sie!

  • Immanuel K. Anti

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    Als würde irgendjemand hinschreiben wollen „In diesem Gebäude, dessen Eigentümer heute der bekannte Senffabrikant Durach ist, war während der NS-Diktatur (…)“.
    Ich weiss erst seit seiner Weigerung, eine Gedenktafel anbringen zu lassen, von ihm und demzufolge auch von seiner Einstellung. Soviel zu Ursache und Wirkung.

    Ein Mitspracherecht besitzt er in keinster Weise, denn er ist Senffabrikant, nicht Historiker. Würde er in den Pachtvertrag für die Gaststätte schreiben, dass nur Durach-Senf vertrieben werden darf, wäre das möglich. Er darf aber seinen Mietern nicht vorschreiben, dass sie nur noch Durach-Senf essen dürfen. Wenn er eine Hinweistafel anbringen will „Dieses Gebäude befindet sich im Besitz des Senffabrikanten Durach“, dann darf er sich mit den entsprechenden Vorschriften auseinandersetzen. Genauso wie mit den Vorschriften, in welchem Senfton er seine Fassade streichen darf und in welchem Rotton er sein Dach decken darf. Das würde alles genauso gelten, wenn der Eigentümer Historiker wäre.

    Verhandlungssache ist so ein Text durchaus – aber da müßte erstmal erkennbar sein, dass irgendjemand verhandlungswillig wäre. Der Hausbesitzer ist es nicht, die Verantwortlichen in der Stadtverwaltung sind es auch nicht. Beide verhalten sich ziemlich dämlich und müssen sich halt jetzt gefallen lassen, dass man das als dämlich beschreibt.

    Und selbstverständlich ist es im Bereich des Möglichen, dass brandschatzende Horden vor dem Gebäude Straßenschlachten beginnen, die in einen Bürgerkrieg münden, der schließlich im dritten Weltkrieg endet, in dessen nuklear geführten Stahlgewittern alles Leben auf diesem Planeten endet. Das ist möglich! Weil Linke immer einen Molli dabeihaben. Zumindest aber Transparente, die man in Streifen reissen kann, um damit Mollis herzustellen. So ein Linker war ja auch für den ersten Weltkrieg verantwortlich.

    Zu Ihrer Familiengeschichte: Ich finde unter „braunes Haus“ dieses: http://www.ns-dokumentationszentrum-muenchen.de/ns_in_muenchen/geschichte-des-braunen-hauses-chronologie
    Angenommen, Ihre Familie wäre hier betroffen, Sie hätten nicht das geringste Recht, bei einer Gedenktafel mitzureden. Ganz einfach.
    Ihre persönliche Geschichte wäre durchaus relevant, denn sie wäre ausserst erhellend in Sachen Umgang mit der Geschichte – der Verdacht, dass sich viele, die ein schlechtes Gewissen wegen ihres langen Wegschauens/Maulhaltens hatten, nach 1945 einen Sündenbock brauchten, drängt sich auf.
    Man kann sich seine Verwandtschaft halt nicht aussuchen. Es gibt ja eine Reihe Enkel von NS-Größen, die ihren Familiennamen offen tragen, obwohl sie in ihrem Gewerbe einen Künstlernamen annehmen könnten (z.B. den Techno-DJ). Passt schon, denn hätten sie einen Künstlernamen, würden sie des Verschweigens verdächtigt, jetzt verdächtigt man sie vielleicht des Kokettierens mit der Verwandtschaft. Und beides ist auf unterschiedliche Art und Weise doof.

  • Gabriel Robichaux

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    Meinen Glückwunsch.
    Unter den vielen differenzierten und argumentativ bestechenden Kommentaren sticht diese herausragende Antwort absolut heraus.

  • Leopold von B.

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    sapere aude
    Toller Kommentar Immanuel K. Anti. Trefflich formuliert.

  • Heinz Zacke

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    Das Gedenken an die Opfer des Nationalsozialismus spielt in Regensburg seit Jahren eine beschämende Rolle. Die Stadtspitze sowie Teile der Verwaltung tragen die Verantwortung.

    Dem „wichtigen Standortfaktor Ironman“ fiel unlängst sogar der Respekt vor den Toten des KZ – Außenkommandos im Colosseum zum Opfer. Der Platz des ohnehin bescheidenen Mahnmals an die Geschundenen und Ermordeten am Nordende der Steinernen Brücke wurde anlässlich einer inzwischen recht fragwürdigen Sportveranstaltung zu einem großen öffentlichen WC umfunktioniert!

    Nicht genug: trotz Jahrzehnte langer Mahnungen und Forderungen verschiedener Regensburger Organisationen gelang bis heute das Selbstverständliche nicht: die Errichtung einer ansprechenden Mahn-und Gedenkstätte für die Opfer des Nazi – Terrors in unserer Stadt. Die vorhandenen Erinnerungen am Dachauplatz, der vorübergehend als WC umfunktionierte Platz in Stadtamhof und die unter Ausschluss der Öffentlichkeit errichtete Gedenktafel (mit verharmlosendem Text) vor dem Colosseum befinden sich in einem erbärmlichen Zustand, einer Stadt mit Welterbestatus unwürdig.

    Zu denken geben mir ferner eigene Beobachtungen. Stadtführer laufen immer wieder mit Touristen im Tross stramm am Colosseum und der gegenüber liegenden Gedenkstätte vorbei, ohne einen Blick nach links oder rechts zu werfen, ohne eine Wort über den Naziterror in Regensburg zu verlieren. Um den Dachauplatz machen die Stadtführungen ohnehin einen Bogen. Unlängst konnte ich sogar beobachten, wie eine Gruppe von Touristen an der Gedenktafel für Oskar Schindler in der engen Altstadtgasse Am Watmarkt ohne ein Wort des Erklärens vorbei gelotst wurde.

    Wiederholt habe ich die Mängel bei den Führungen im Touristikbüro am alten Rathaus zur Sprache gebracht. Ich erlebte Überraschung und Ratlosigkeit; mir wurde Abhilfe zugesagt, geschehen ist allerdings nichts.

    Erinnern und Mahnen scheinen in Regensburg nicht zu klappen, wie soll das „Nie wieder“ bei so viel Oberflächlichkeit Wirklichkeit werden?

  • Regensburger

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    Regensburg hat ein schwieriges Verhältnis zur Geschichte des 1000jährigen Reiches. Über Jahrzehnte wurde so getan, als sei alles, was damit zu tun hatte, gan woanders geschehen. Deshalb hat man Hitler nicht durch einen Stadtratsbeschluss aus der Ehrenbürgerliste gestrichen, sondern durch schlichtes Verwaltungshandeln die Liste korrigiert. Der zwischenzeitlich verstorbene Altbürgermeister Weber war es, der die Initiative für den Gedenkstein in Stadtamhof ergriff. Das passte überhaupt nicht in das Konzept des Geschichtsvereins Stattamhof und seines zwischzeitlich ebenfalls verstorbenen Vorsitzenden. Günstig war es, dass sein ehemaligen „persönlicher Referent“ zum Hauptamtsleiter aufgestiegen war und somit dafür sorgen konnte, dass die Angelegenheit möglichst niedrig gehalten werden konnte, wenn sie schon wegen einer SPD-Oberbürgermeisterin nicht zu verhindern war. Wer erinnert sich noch an die Umbenennung der Florian-Seidl-Straße und die Wehrmachtsausstellung, die über Monate Regensburg überregionale Beachtung schenkte, die nicht imageförderlich war. Andererseits: Ausländische Unternehmen haben sich davon nicht schrecken lassen.

  • Erich Tolli

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    Ja H. Huber das wären gute Fragen für die nächste Kulturausschuss-Sitzung!

    Weiter wäre interessant, was aus der Ankündigung von Bgm Wolbergs wurde, dass sich Ungers Tarnverein „Welterbe Kulturfonds Regensburg – die Förderer e.V.“ um diese Belange kümmern soll.
    Ein wichtiger Aspekt ist angeblich schon ausgearbeitet: Hermann Goß bzw. die Brauerei Bischofshof sorgen bei der nächsten gedenkpolitischen Veranstaltung der Stadt für schlechtes Bier. Prost!

  • grace

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    Na da wird der Durach aber schlottern vor Angst, wenn der Wolbergs….

  • fh

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    ist dieser durach eigentlich schon mal kofrontiert worden?

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