CSU: Selbstzerfleischung bleibt die Königsdisziplin

Foto: Archiv. Die zwei Wahlpartys sind wohl noch das kleinste Problem der Lager-Partei. Die CSU zerfleischt sich auch nach der gewonnenen Stichwahl weiter selbst. Am Sonntag gab es zwei Wahlpartys – eine offizielle, zu der der Kreisvorsitzende Franz Rieger eingeladen hatte, eine exklusive, die Christian Schlegl veranstaltete (wir berichteten gestern). Schlegl bestreitet das freilich, spricht von einer „privaten Feier für Freunde und Helfer” und fühlt sich offenbar regelrecht verfolgt, weil er nicht mehr feiern könne wo und mit wem er wolle. Was die Kraftausdrücke anbelangt, die bei der Privatfeier – unter anderem mit Blick auf Rieger – fielen, sollte man tatsächlich den Mantel des Privaten darüber legen. Der Umgangston in der CSU ist rauh geworden. Vorbei sind die Zeiten, in denen Schwarzer mit Schwarzem verbal über die Stränge schlagen konnte, herzlich über „Kuttenbrunzer” oder „Dreckhammel” lachte, wo man gemeinsam die Reichskriegsflagge hisste und „Bomben auf England” sang. Seit die CSU-Schlammschlacht vor eineinhalb Jahren in Gang gekommen ist, verging kaum ein Tag, an dem nicht ein Lager das andere des Fehlverhaltens oder der Überwachung eines solchen bezichtigt. Ein Streit, der auch nach der Wahl weiter zu gehen scheint. Ein Streit, der in der konsequenten Gegnerschaft zwischen Christian Schlegl und Franz Rieger seine Symbolfiguren hat. Rieger machte den Fehler, sich gegen den Willen des Oberbürgermeisters als Kandidat für das Amt des Kreisvorsitzenden aufstellen zu lassen – auf Initiative des zum Paria („rechtslastig”) abgestempelten Thomas Fürst. Der nächste Fehler war es offenbar diese Wahl zu gewinnen – just gegen Christian Schlegl, einst bester Freund, heute ärgster Feind von Fürst. Dann machte Rieger den Fehler, zu glauben, in der CSU würde Ruhe einkehren, seine Wahl würde akzeptiert. Es folgten Pressemitteilungen von Christian Schlegl und den „Sieben Jungen Ortsvorsitzenden”, die Rieger der Unfähigkeit bezichtigten oder ihn als „Marionette von Thomas Fürst” bezeichneten. All diesen Anwürfen zum Trotz hatte Rieger auch bei der Wahl des Landtagskandidaten die Mehrheit der Partei auf seiner Seite und setzte sich deutlich gegen den als „Versöhner” angetretenen Philipp Graf Lerchenfeld durch. Gegen den Willen von Oberbürgermeister Hans Schaidinger, sehr zum Unmut von Christian Schlegl, der allerorten Verschwörung und Feindschaft wittert. Es folgte die Affäre um ein vermeintliches „Dossier Rieger”, einer E-Mail in der Christian Schlegl vermeintliche Fehler des Kreisvorsitzenden im Wahlkampf zusammengestellt hatte. Der CSU-Kreisvorstand um Rieger gab daraufhin eine Erklärung heraus, die man als Aufruf, Schlegl nicht zu wählen, interpretieren kann. Schlegl kam trotz aller Widrigkeiten von Listenplatz 17 aus in den Stadtrat. Versöhnt hat ihn das nicht. Foto: Archiv. Auf seiner „privaten Feier” war neben „Freunden und Helfern” wie dem Oberbürgermeister auch Philipp Graf Lerchenfeld nebst Wahlkampfmanager zugegen. Dort wurde – wie mehrere der Anwesenden, offenbar nicht alles „Freunde” – gegenüber unserer Zeitung angeben offen darüber gesprochen, wie man Rieger die Landtagskandidatur wieder streitig machen könnte. Lerchenfeld bangt noch um seinen Wiedereinzug. Schlegl bezeichnet solche Behauptungen als „an den Haaren herbei gezogen”. Als „an den Haaren herbei gezogen” bezeichnen wiederum Leute aus dem Umfeld von Rieger die Behauptung, es sei eine Schlegl-Feier gewesen. Man vermutet den OB als Strippenzieher. Verschwörungstheorien allerorten. Während Schlegl und die „Sieben Jungen” in jedem, der Rieger nicht in Bausch und Bogen verdammt, einen Feind von Schlegl, Schaidinger und der gerechten Sache identifizieren, wartet man auf Rieger-Seite darauf, dass „abgerechnet wird”. Ein Zitat, das Schlegl zugeschrieben wird, was der wiederum bestreitet. Eine Aussprache zwischen Schlegl und Rieger hat es bislang nicht gegeben. Die nichtssagende Vokabel „sachlich” benutzen beide, um ihr gegenseitiges Verhältnis zu beschreiben. Der eine – Rieger – hat bislang die Mehrheit der Partei auf seiner Seite. Das zeigen seine Wahlergebnisse als Kreisvorsitzender und Landtagskandidat. Der andere – Schlegl – ist beim Wahlvolk offenbar nicht unbeliebt – das zeigt sein Sprung in den Stadtrat. Auch dürfte er in der Fraktion den besseren Stand haben. Ein Moderator wäre gefragt, um beide zu versöhnen. Ein erster Test für Hans Schaidinger könnte das sein, der mit dieser Rolle die nächsten sechs Jahre konfrontiert sein wird. Das klappt allerdings kaum, wenn Schlegl in Schaidingers Sinne handelt. Das gilt als sicher. Und so zerfleischt man sich weiter selbst.

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Kommentare (2)

  • Jaqueline

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    Hat sich der Schlegl auf dem Foto vergessen abzuschminken, oder warum ist der so rosig im Gesicht???

  • Gugau weg, Wolbergs im Visier | Regensburg Digital

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    […] obwohl er während seiner Zeit als Kreisvorsitzender genau denselben Kurs verfolgt hatte. Obwohl er lange der zentrale Gegenpart von Hans Schaidinger und Christian Schlegl war. Obwohl er selbst eine Klage gegen die Stadtratsfraktion, Parteiausschlussverfahren gegen drei […]

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