Der MZ ist ein Gemälde aufgefallen

Der künstliche Skandal

Es ist vielleicht nicht das schönste Gemälde Regensburgs, mit Sicherheit aber das geheimnisvollste: das Triptychon „Rotunde“ im Plenarsaal des Rathauses. Ein paar Jahre nachdem es aufgehängt und kontrovers diskutiert wurde, ist auch der Mittelbayerischen Zeitung aufgefallen, dass man irgendetwas darüber schreiben könnte.

morgen1Manchmal gibt es Rätsel, die sich nicht so ohne weiteres lösen lassen. So weiß man nicht genau, wann der Regensburger Künstler Peter Wittmann auf die Idee kam, Bilder zu malen, die frappierend an jene des Amerikaners Cy Twombly erinnern und was daran besonders künstlerisch sein soll. Man weiß nicht, warum die Stadt Regensburg auf die Idee kam, dass ein solches Bild – sein Name ist „Rotunde“ – besser in den Plenarsaal des Rathauses passt als ein ehemals dort angebrachter Spiegel. Und man weiß auch nicht, wer der anonyme Mäzen war, der diesen Ankauf mit einem gleichfalls nicht bekannten Betrag unterstützt hat.

Ein Geheimnis, das keines ist

Was man allerdings schon weiß, ist der Teilbetrag, den die Stadt Regensburg selbst für dieses Bild investiert hat: 32.100 Euro. Das ist nicht nur kein Geheimnis, das steht in einer öffentlich zugänglichen Unterlage. Bereits vor zwei Jahren hat Regensburg Digital über Sinn und Unsinn jenes Ankaufs berichtet. Bereits vor zwei Jahren wurde darüber im Kulturausschuss des Stadtrats heftig diskutiert.

Aus dieser Erkenntnis aber ergeben sich neuerliche Rätsel.

Wir basteln uns einen Skandal

So weiß man nicht, warum die Mittelbayerische Zeitung nun einen vermeintlichen Skandal daraus konstruiert, dass die Stadt 10.000 Euro für das Bild bezahlt haben soll. „Erst auf hartnäckiges Nachfragen“ habe Oberbürgermeister Joachim Wolbergs der Mittelbayerischen Zeitung diese Zahl genannt, heißt es in einem Bericht vom 29. Oktober. Klemens Unger, der noch vor zwei Jahren zum wiederholten Male dem Kulturausschuss jene Unterlage vorgelegt hatte, in der ein Teilbetrag von sogar 32.100 Euro ausgewiesen wird, den die Stadt für für das Bild ausgegeben habe, wird in der MZ glatt der Lüge bezichtigt. Schließlich habe er behauptet, der Ankauf sei komplett aus Spenden finanziert worden. Wem gegenüber Unger das gesagt haben soll, bleibt das Geheimnis der MZ. Garniert wird das Ganze noch mit der Behauptung, dass „die Stadt 14.600 Euro für die Abmontage des Spiegels aufbringen“ musste.

Die Regensburger Rotunde: Eine rätselhafte Schönheit.

Die Regensburger Rotunde: Eine rätselhafte Schönheit.

Eine Nachfrage bei der städtischen Pressestelle ergibt: Tatsächlich hatte die Stadt 2010 diese 32.100 Euro investiert, um das Gemälde zu kaufen. Der Rest des weiter öffentlich verschwiegenen Gesamtpreises kam von jenem anonymen Spender. Später habe sich der städtische Teilbetrag durch weitere Spenden auf 10.000 Euro reduziert. In den 14.600 Euro, die laut MZ angeblich ausschließlich für die Demontage des Spiegels angefallen sein sollen, sind Kosten für eine komplett neue Holzakkustikwand enthalten, die im Zuge des Umbaus des Plenarsaals angebracht wurde. Bleibt also allenfalls die Frage nach dem Verbleib des alten Spiegels, der einst dort hing, wo jetzt die bunten Kleckse prangen. Der sei tatsächlich verschollen, heißt es dazu aus der Pressestelle. Vermutlich habe man ihn entsorgt.

Zwei Jahre zu spät

Was bleibt ansonsten von dem angeblichen Skandal? Bürgermeister Jürgen Huber, der seinerzeit als Grünen-Stadtrat immer wieder wegen des Gesamtpreises nachgefragt und nun von der MZ als einer der Kronzeugen für die „mangelnde Transparenz“ angeführt wird, sagt zu unserer Redaktion: „Klemens Unger hat uns nie verschwiegen, dass die Stadt etwas für das Gemälde bezahlt hat.“ Nur was das Bild tatsächlich insgesamt gekostet habe, wisse man nicht. Zwischenzeitlich, nachdem man auch wisse, was Wittmann-Bilder üblicherweise kosten, gehe das Skandalpotential dieser Angelegenheit „gegen Null“.

Die Frage freilich, ob man das Witttmann-Bild im Rathaus hängen haben will oder nicht, darf man schon stellen. Vor zwei Jahren aber, als das Thema aktuell war und im Stadtrat diskutiert wurde, schwieg die MZ das Thema tot.

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Kommentare (6)

  • Kommentator

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    Zitat aus diesem Artikel: „die bunten Kleckse“. Für „progressiv“, finde ich, halten sich die Erwerber der „bunten Kleckse“. Was man hierorts als „progressiv“ versteht.

  • Weltscherbe

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    Asche zu Asche, Staub zu Staub, Altpapier zum Altpapier!

  • Birzer

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    Hallo Stadt Regensburg

    Man könnte soviel oder hätte mit diesem Geld machen, aber warum auch Selbsthilfegruppen arbeiten ja eh errenamtlich.
    So was braucht man nur zum Gewählt werden.
    Und der Huber bläst die Tuba, das sagt man doch so „oder“
    Birzer

  • Veronika

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    Kommen wir hier doch zum Wesentlichen: Wolbergs war in letzter Zeit zu oft auch im TV zu sehen. Gerade zum Thema „Flüchtlinge“, deren Unterbringung und der hier wirklich generösen Haltung von Wolbergs (Im Gegensatz zum „Schachterl“, scheint man anderswo anderer Meinung zu sein, und deshalb sucht man jetzt, bis man was findet.

  • uhu

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    Ich bin mir sicher, die geheimnisvollen Spenden stammen, wenn es sie geben sollte, von einem oder meheren städtischen Unternehmen. Am wahrscheinlichsten dürfte dafür die Sparkasse in Frage kommen. Der Kulturreferent spricht immer von einem Fond, auf den der OB Zugriff habe. Nur wie sieht das das Finanzamt, wenn ein städtisches Unternehmen der Eigentümerin Stadt etwas spendet, das zu deren Ausstattung gehört?

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