SOZIALES SCHAUFENSTER

Malkampf statt Wahlkampf

Der Ribisl-König und sein Gefolge

Bereits im April versuchte Jakob Friedl mit dem Slogan „Ribislhecken um alle Ecken“ erste Mitstreiter für seine Sache zu gewinnen. Nun kam es am Samstag zu einer zweiten Auflage des Pizzabackofenfestes in Burgweinting. Dabei wurde auch der Ribisl-Partie e.V. gegründet. Als Liste Ribisl für Diverses, Übriges und Sonstiges möchte man am 15. März 2020 zur Kommunalwahl antreten. Wenn alles nach Plan läuft möchte man gar den künftigen Oberbürgermeister stellen.

Jakob Friedl nimmt das Rathaus ins Visier. Fotos: Bothner

Es ist Samstagnachmittag. Der Regen ist mittlerweile abgeklungen und die selbstgebaute, mit Planen überspannte Holzkonstruktion hat gut gehalten. Aus dem städtischen Backofen am Islinger Weg in Burgweinting duftet es nach selbst gebackener Pizza. Diese kann man gegen eine Spende individuell belegen. Jakob Friedl ist umringt von seinem Gefolge. Wenige Minuten zuvor hat der stadtbekannte Künstler zusammen mit acht Mitstreitern offiziell den Verein Ribisl-Partie e.V. gegründet. „Wir fordern die Gestaltbarkeit des öffentlichen Raums an selbstgewählten Orten und wollen alle Menschen dazu ermuntern kreativ und aktiv mitzumachen“, erklärt Friedl das grundlegende Anliegen seiner politischen Bewegung.

Die Motivation bei Teilen seiner Mitstreiter bleibt vorerst noch vage. Die frisch gewählte Beisitzerin etwa – sie möchte namentlich nicht genannt werden – müsse erst einmal sehen, wie sie sich einbringen möchte. „Die bisherigen Aktivitäten haben mich neugierig gemacht.“ Und während Frank Schlüter, auch als Punk-Musiker Roman S bekannt, sich selbst als Teil der Regensburger Kreativwirtschaft versteht, haben die Ribislianer Marlene Stecher, Dominik Fessmann und Manuel Binegger mit der hiesigen Kunstszene nichts am Hut. „Sie wohnen aber bereits im zukünftigen Sondergebiet Hafen, unmittelbar gegenüber des zukünftigen Kreativspeichers Stadtlagerhaus“, teilt Friedl mit. Die persönlichen und beruflichen Hintergründe zu Florian Fuchs, ein weiteres Gründungsmitglied sind der Redaktion derzeit noch nicht bekannt. Das Kompetenzteam wird durch Sabine Kowoll, Krankenpflegerin, Lehrerin und bald auch Psychologin abgerundet.

„Er hat enorm hohe Qualitäten“

Sven, der Lagerist, betont die hohen Führungsqualitäten seines Vorsitzenden Friedl. „Er hat eine enorm hohe Qualität.“ Am 8. September führe daher auch kein Weg an der charismatischen Identifikationsfigur Friedl vorbei. An diesem Tag wird die Ribisl-Partie ihren OB-Kandidaten küren. Doch auch Dominik Feßmann scheint Ambitionen auf die OB-Stelle zu haben, wie intern gemunkelt wird.

Jakob Friedl und sein Kompetenzteam.

Nun stehe aber zunächst der „Malkampf“ an, gibt Friedl klar zu verstehen. Ab Mitte September dürfen die Parteien 100 Wahlplakate in der Stadt aufhängen. „Nun sind alle Bürgerinnen und Bürger aufgerufen, unsere Wahlplakate zu gestalten.“ Einzige Vorgaben: Sie sollen aus recycelten Materialien, wie alten Holzresten gestaltet sein und das Wort Ribisl prägnant beinhalten. „Inhaltlich wollen wir keine Vorgaben geben“, sagt Friedl. Die Malkampfaktion soll auch als Outdoor-Ausstellung und kreative Nutzung des öffentlichen Raums verstanden werden. „Alle, die mindesten zwei Plakate beisteuern dürfen dann auf unserer Liste für den Stadtrat kandidieren“, erklärt Friedl.

Ein Best-Of der Wahlversprechen

Im Laufe der kommenden Wochen wolle man dann auch ein Wahlprogramm erstellen. „Wir lesen uns alle Wahlprogramme der anderen Parteien durch und nehmen uns die besten Stücke davon heraus. Das wird sozusagen ein Best-Of.“ Daher hält sich der Ribisl-König aktuell noch mit politischen Forderungen zurück. Lediglich mit Bezug auf den Ernst-Reuter-Platz erwartet er eine „anhaltende große Depression“.

Dass man bereits Kompetenzen im Abschreiben von anderen Parteien hat zeigt sich an der Vereinssatzung. „Die haben war fast eins zu eins von Wolbergs Brücke übernommen.“ Wolbergs scheint aus Friedls Sicht der größte Konkurrent auf den Posten des OB zu sein. „Die Mitgliedschaft bei Wolbergs kostet 60 Euro im Jahr. Bei uns lediglich fünf Euro“, wirbt er für eine Mitgliedschaft in seinem Verein. Qualitativ sehe man sich „auf Augenhöhe“. Andere OB-Kandidatinnen und -Kandidaten werden an diesem Tag nicht erwähnt.

Friedl kündigt Social Media-Kampagne an

Wie ernst es Friedl mit seiner politischen Bewegung ist, will er auch mit der bald startenden Social Media-Kampagne zum Ausdruck bringen. „Ich habe bereits in ein Smart-Phone investiert“, verkündet er stolz. „Mit diesem möchte ich künftig den Kontakt zur potentiellen Stammwählerschaft aufnehmen und die kreativen Beiträge des Malkampfes breit streuen.“

Die Sympathien von Uli Teichmann hat er bereits sicher. Das linke Urgestein hat sich am Samstag unter die Anwesenden gemischt. Eine Mitgliedschaft strebe er jedoch nicht an – aus Verbundenheit zur Linkspartei. Am 17. Dezember geht es dann für Friedl und seine Liste Ribisl um einen ersten Stimmungstest. Ab dann sind alle Wahlberechtigten dazu aufgerufen, ihre Unterschrift zu leisten, damit die Wahlliste überhaupt zur Kommunalwahl am 15. März 2020 zugelassen wird.

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Kommentare (22)

  • Mr. T.

    |

    Der bisher glaubwürdigste OB-Kandidat! Ich wünsche ihm viel Erfolg. Friedels Persönlichkeit und Wolbergs‘ Programm wären eine unschlagbare Kombination.

  • GSH

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    Gab’s nicht mal einen Bewerber um das OB-Amt mit dem Slogan: Schweinsbraten für DM 2,50 (oder so ähnlich…)

  • Jonas Wihr

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    Stadtrat und -verwaltung sind jetzt schon chaotisch genug. Ich wünsche mit Geist statt Gags. Kompetenz statt Klamauk – ich könnte ewig so weiter schreiben.

  • Giesinger

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    @GSH: Das war die Liste ALZ

    @Mr. T. : Sind Sie etwa Uli Teichmann?

  • Mr. T.

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    Giesinger, Herr Teichmann bin ich sicher nicht. Ich kenne ihn auch nur vom Hörensagenlesen, habe aber große Achtung vor seiner Lebensleistung. Tun Sie ihm bitte kein Unrecht, ihn mit mir zu vergleichen.

  • Giesinger

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    Nun gut, Sie alter „Linker“ , @MR. T. :

    Ich hoffe, wir sehen uns irgendwann mal auf einem entspannten Forums-Treffen, ohne uns gleich zu zerfleischen.

    Mit freundlichen, Grüßen, da Giesinger

  • R.G.

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    Herr Wihr, in Regensburg können Sie eigentlich wählen zwischen:
    Nabelschau-Partei
    Mia-san-mia- Partei
    Werwarnwirdochmal?-Partei
    Wasistgrün?-Partei
    Ribisl-Party
    Und das ist eine verdammt ernste Sache.

  • Barnie Geröllheimer

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    @Mr.T.
    Dann doch Bedingungsloses oder Respektsrente für Herrn Teichmann. Als tragende Stütze des großen Ganzen hat er sich das verdient.

  • Lothgaßler

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    Das stärkste Argument pro Jakob Friedl wird gar nicht beworben: unangepasst und er traut sich was. Damit wirds zwar nicht für den OB-Posten reichen (auch dann würde Regensburg nicht untergehen oder hinter Ribisl-Hecken verschwinden), aber im Stadtrat wäre die Ribisl-Party ein belebendes Element, das zusammen mit anderen weniger Angepassten mehr bewegen könnte als die folgsamen und schweigsamen angepassten Parteigänger auf ihren „sicheren“ Listenplätzen.

  • Jonas Wihr

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    R.G.: Da haben Sie leider verdammt recht!
    Frei(willige) Wähler, Neo-Turbo-Liberale und öde Partei nicht zu vergessen

  • Jürgen

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    @ GSH / 5. August 2019 um 16:43| #
    Und, was ist daraus geworden? Nichts!
    Auf dem ehemaligen Bombentrichter (Donauparkplatz) steht jetzt statt einer Stadthalle ein CSU-Museum.
    Gut gemacht!

  • Christa

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    Ich halte Dominik Fessmann für einen starken Kandidaten.
    Hoffentlich setzt er sich durch.
    Es bleibt spannend.
    Auch Schlüter ist nicht zu unterschätzen!
    Dieses Grinsen, dieser Schalk im Nacken!
    Und Gesslein erst!
    Eine starke Gruppierung!

  • Mathilde Vietze

    |

    Soll jetzt der Stadtrat zu einem Kasperltheaterverein degradiert werden?

  • dünnster Künstler

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    Für das Wahlprogramm wird die Ribisl-Partie (e.V.) bis zum Spätherbst (wenn dann wohl alle Programme vorliegen) die schönsten und besten Inhalte der anderen Parteien zitieren.

    Mit dem Malkampf der Liste RIBISL für Diverses, Sonstiges und Übriges beginnen wir schon jetzt. Ich bin gespannt auf die unterschiedlichen Herangehensweisen, Formen, Farben, Materialexperimente, Slogans und Inhalte des Malkampfs. Zur Ideenfindung genügen Buntstifte. In meinem kleinen Atelier in Burgweinting oder sonstwo können wir dann z.B. mit Lackresten auf zusammengeschraubten und ausgesägten Sperrholzresten malen. Der Malkampf kostet 0 €.

    Im August freue ich mich sehr über spontane Einladungen zum gemeinsamen Skizzieren, z.B. bei einem Kaffee zu Hause oder im Biergarten (Anruf genügt und ich radle los! 0176 97 87 97 27 Email an: weihrauchschleuder@gmx.de ). Bereits ein halbes Jahr vor der Wahl, also theoretisch ab dem 15. September dürfen wir die ersten ?ortsspezifischen? Unikate in den Stadtraum hängen….und damit auch das III. Ribisl-Backofenfest am 3. Oktober bewerben, bei dem es noch mehr Blasmusik geben wird.

    Die Satzung der noch in das Vereinsregister einzutragenden Wähler*innen-Gemeinschaft Ribisl-Partie (e.V.) haben wir der Einfachheit halber vom Verein „Brücke Regensburg – Ideen verbinden Menschen“ abgeschrieben und um ein paar, kursiv dargestellte Passagen, inhaltlich ergänzt: 1.1. Ribisl / 2.2….nicht nur OB-Kandidatur sondern auch Stadtratsliste / 2.3. Malkampf & Programmfindung / 3.4. Rassismusklausel ) …so auch den Mitgliedschaftsantrag: http://europabrunnendeckel.de/download/ribisl/mitgliedsantrag_ribisl_partie.pdf

    Fotos, Videos und Skizzen vom Ribisl-Fest pflege ich bald ein….
    Infos zur Ribisl-Partie und Malkampf siehe Blogeintrag:
    http://europabrunnendeckel.de/?p=7817

    In absehbarer Zeit, wenn ich alle Telefonnummern übertragen habe, gibt es alles auch leicht konsumierbar portioniert und getaktet auf Twitter, Tinder, Whatsapp, Instagram, Snapchat etc….

    Am 8. September, dem Tag des offenen Denkmals sehen wir uns wieder in Burgweinting beim unbenutzbaren städtischen Maibaumständer in der Käthe-Kollwitz-Siedlung: Ribisl-Frühstück / Fontana Suburbia (blaues Wasserrohr) / OB-Kandidat*innen Wahl.

    Viele Grüße von einem eurer Beerger*innen Meisterkandidat*innen.

  • Mr. T.

    |

    Ich erlaube mir, Sie zu korrigieren, Frau Vietze: der Stadtrat soll zu einem Kasperltheaterverein empor gehoben werden. Das wäre schon ein erster Fortschritt!
    Ich hoffe, Sie haben das Wort nicht despektierlich verwenden wollen.

  • Giesinger

    |

    Mathilde Vietze
    6. August 2019 um 16:57 | #

    Soll jetzt der Stadtrat zu einem Kasperltheaterverein degradiert werden?
    ——————————————–

    Sehr geehrte Frau Vietze. Sie habe die richtigen Worte schon gefunden. Ein Kasperltheaterverein, der auch schon lange geschlossen zurücktreten hätte müssen.

    Ich halte nichts von den Piraten, aber Tina Lorenz bewieß Edelmut und Stolz!

    Ich bin ja kein Jurist und kann mich daher nicht mehr, als lächerlich machen, mit meiner Meinung:

    Hätte ein vernünftiger Stadtrat nicht auch jetzt noch die Möglichkeit, über ein Amstenthebungsverfahren den selbstherrlichen Herrn Wolbergs aus seinem Amt zu entfernen?

  • Giesinger

    |

    bewies… sorry…

  • XYZ

    |

    Gerade im Bayerischen Wörterbuch des Oberpfälzers Johann Andreas Schmeller von 1877 nachgeschaut, Band II/9: “ Das Ribizl . . oder das anderwärts vorkommende Fürwitzl“ und Band I/746: „Fürwitz, Vorwitz, . . das firiuuizzo meista des Wessobrunner Gebets wäre vielleicht zu geben durch: der Wunder grösstes“ – dann warten wir es nicht verwundert ab.

  • Christian Feldmann

    |

    Warum soll man den Ribisln keine Chance geben? Selber Kultur zu machen, ist jedenfalls nicht schlechter für Regensburg, als auf die neuesten (eigentlich die immer gleichen) Ideen-Attrappen der Ungers und Kittels zu warten. Für mich liegt der Unterschied zu Mierswas Blödel-Liste darin, dass die Alzheimers von vornherein keinen Zweifel daran ließen, sinnfreien Dummsinn liefern zu wollen, was dann darin gipfelte, dass der Alzheimer-Stadtrat Lankes – als er überhaupt noch dem Plenum seine Anwesenheit schenkte – in genialer Kreativität bei jedem Tagesordnungspunkt abwechselnd mit „Ja“ und mit „Nein“ stimmte. Erinnere ich mich da richtig? Kittel preist den kleinen Überraschungserfolg der Alzheimer-Liste aktuell in seiner Jubiläums-Stadtzeitung als strategisch meisterlichen Beitrag zur Schwächung der SPD-Kandidaten (damals gab es die SPD in Bayern und Regensburg noch).

  • XYZ

    |

    Noch nachzutragen:
    Die wohl älteste bair. Sprachüberlieferung des Wessobrunner Gebets, von J. Andreas Schmeller in seinem Wörterbuch zitiert, gebietet einfach christliche Bescheidenheit:
    „Als Erde noch Himmel waren noch Sonne schien oder Mond leuchtete: gib mir Gnade und guten Willen, Weisheit und Klugheit, das erfuhr ich unter den Menschen als grösstes Wunder“ – davon ist kaum etwas zu bemerken . . .

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