Interview mit Gertrud Maltz-Schwarzfischer

„Die Trennung in Menschen mit geringer und größerer Bleibeperspektive ist problematisch.“

Maltz-Schwarzfischer: "Eine persönliche Haltung kann man immer entwickeln und sagen Afghanistan ist nicht sicher. Als Stadt, als Behörde muss man sich aber immer an Gesetze halten und die sicheren Herkunftsstaaten werden unabhängig von meiner persönlichen Haltung definiert." Foto: Archiv/ Staudinger

Maltz-Schwarzfischer: „Eine persönliche Haltung kann man immer entwickeln und sagen Afghanistan ist nicht sicher. Als Stadt, als Behörde muss man sich aber immer an Gesetze halten und die sicheren Herkunftsstaaten werden unabhängig von meiner persönlichen Haltung definiert.“ Foto: Archiv/ Staudinger

Seit einem knappen halben Jahr gibt es das „Transitzentrum“ in der Zeißstraße. Hier werden Asylsuchende untergebracht, die kaum eine Bleibeperspektive haben und bald wieder abgeschoben werden sollen. Wie steht die Stadt zu dieser Einrichtung? Und wie passt das „Abschiebelager“ mit der Resolution des Stadtrats gegen Abschiebungen nach Afghanistan zusammen? Ein Interview mit Bürgermeisterin Gertrud Maltz-Schwarzfischer (Anmerkung: Das Gespräch fand bereits Anfang Januar statt.).

Frau Bürgermeisterin, seit August ist das Transitzentrum in der Zeißstraße in Betrieb. Derzeit leben dort circa 150 Personen. Waren Sie selbst schon in der Zeißstraße?

Ich werde demnächst das Transitzentrum und die Ombudsstelle besuchen und mich darüber informieren, wie die Situation derzeit ist.

Einige Initiativen und Bündnisse, kirchliche Verbände und Einzelpersonen üben scharfe Kritik an dieser Einrichtung. Wie steht die Stadt dazu, dass in Regensburg eine solche Unterkunft für Asylsuchende installiert wurde?

Als deutlich wurde, dass mehr Flüchtlinge kommen und die Stadt mehr in die Pflicht genommen werden wird, war von Anfang an klar: Die, die hierher kommen werden von uns anständig behandelt. Das sind Menschen und unsere Mitbürger. Wir als Stadt werden den Aufenthalt menschlich und anständig gestalten.Da ist die Stadt in Vorleistung gegangen und hat viel mehr getan, als der Freistaat Bayern auferlegen kann. So gibt es mittlerweile ein Amt für Integration und Migration. In diesem gibt es eine eigene Abteilung für die Asylsozialberatung und die Unterstützung von ehrenamtlichem Engagement. Die Kosten hierfür übernimmt die Stadt Regensburg. Zudem wurde eine eigene Abteilung Willkommenskultur geschaffen und ein eigenes Patenschaftssystem ins Leben gerufen, das nach wie vor sehr gut angenommen wird. Die Stadt Regensburg ist also mit einer ganz bestimmten Haltung in Vorleistung gegangen.

Aber was sagt die Stadt nun zu diesem Abschiebelager?

Die Stadt wurde weder in die Entscheidung miteinbezogen, noch sind wir in die operative Abwicklung in irgendeiner Form eingebunden. Zudem sind wir als Stadt öffentliche Verwaltung und da geht es auch um den rechtlichen Rahmen, vor dem man sich bewegt.

Uns wurde damals mitgeteilt, dass die bayerische Regierung hier ein Transitzentrum errichten wird. Ich habe dann sofort persönlich der Ministerin gegenüber meine Bedenken geäußert. Denn ein Transitzentrum bedeutet, dass Menschen dort einquartiert werden, die eine geringe Bleibeperspktive haben und dort bleiben müssen, bis über sie entschieden wird. Ich persönlich halte allein diese Trennung in Menschen mit geringer und Menschen mit einer etwas größeren Bleibeperspektive für problematisch.

Diese Menschen leben von vornherein mit einer größeren psychischen Belastung, das heißt sie brauchen eine andere Art der sozialen Betreuung. Auch die Kinder brauchen eine Betreuung und eine Beschulung. Diese Menschen sind zum einen durch ihre Flucht oft traumatisiert und psychisch labil. Nun kommen sie in eine Situation, in der sie keine Perspektive sehen, was durchaus zu Situationen führen kann, in denen diese Menschen überfordert sind und es womöglich zu Ausrastern kommt.

Wir haben dann mit dem Freistaat Bayern eine Vereinbarung aufgesetzt, in der sich der Freistaat verpflichtet hat, für die soziale Betreuung, die Beschulung der Kinder und ein Sicherheitskonzept zu sorgen. Auch eine Ombudsstelle wurde daraufhin umgesetzt. Es ist auch sehr problematisch, dass das Transitzentrum und die Erstaufnahmeeinrichtung so nahe beieinander sind. So etwas müsste entzerrt werden.

Die Verantwortung für das Abschiebelager liegt bei der Regierung der Oberpfalz und dem bayerischen Sozialministerium. Welche Rolle kann die Stadt einnehmen?

Wir als Stadt müssen uns insbesondere um die Menschen kümmern, die langfristig hier bleiben werden. Wir müssen uns aber auch im Interesse der Menschen und im Interesse der Stadt um die kümmern, die nur eine geringe Bleibeperspektive haben. Daher wurde auch die zusätzliche Beratungsstelle “Poor Peoples Refugee“ an den Berufsschulen ermöglicht. Gerade hier merken wir, wie die Probleme größer werden und unter welchem Stress die Schülerinnen und Schüler stehen, die natürlich immer im Kontakt mit der Heimat sind. Sie sollen sich hier auf das Lernen konzentrieren, gleichzeitig müssen sie Angst haben, dass sie abgeschoben werden.

Aus der ursprünglichen Erstaufnahmeeinrichtung in der Zeißstraße ist mittlerweile ein "Transitzentrum" geworden. Foto: Archiv/ Weber

Aus der ursprünglichen Erstaufnahmeeinrichtung in der Zeißstraße ist mittlerweile ein „Transitzentrum“ geworden. Foto: Archiv/ Weber

So eine permanente Ausnahmesituation führt natürlich zu Konfliktpotential und zu Verhaltensweisen, die für uns nicht erklärlich sind. Wir wollen präventiv entgegenwirken. Frustration hilft den Menschen nicht und auch uns nicht. Wir versuchen soviel wie möglich präventiv zu arbeiten, um den jungen Erwachsenen zu helfen, unabhängig davon, ob sie eine Bleibeperspektive haben oder nicht. Es kann schließlich nicht schaden, den Menschen die hier sind, während dieser Zeit eine Ausbildung zukommen zulassen, die ihnen im Zweifel auch in der Heimat nützt. Man sagt immer, man muss an der Wurzel ansetzen und die Fluchtursachen vor Ort bekämpfen. Damit können wir hier zumindest anfangen. Gemeinsam mit der Lernwerkstatt haben wir daher auch nun einen Kurs “Bildung und Qualifizierung BiQu“ für Jugendliche mit geringer Bleibeperspektive eingerichtet. Dort sollen diese Menschen beschult und ausgebildet werden, anstatt in den Gemeinschaftsunterkünften rumzuhängen.

Was für eine Bedeutung hat der Beschluss, in dem sich der Stadtrat gegen Abschiebungen nach Afghanistan ausgesprochen hat? Hat er überhaupt irgendeine Relevanz oder ist er nur ein Stück Papier, das die Stadt gut dastehen lässt?

Eine persönliche Haltung kann man immer entwickeln und sagen Afghanistan ist nicht sicher. Als Stadt, als Behörde muss man sich aber immer an Gesetze halten und die sicheren Herkunftsstaaten werden unabhängig von meiner persönlichen Haltung definiert.

In der Resolution „Keine Abschiebung nach Afghanistan“ haben die Stadträte ihre persönliche Haltung ausgedrückt. Ich habe diese an die entscheidenden Stellen in Bund und Land weitergeleitet und hoffe, dass sie bei neuen Entscheidungen berücksichtigt wird. Aber wenn einmal eine Entscheidung getroffen ist, dann müssen sich unsere Behörden daran halten. Wir werden uns nicht gegen das Recht stellen. Schließlich ist die Grundlage unserer Freiheit und Sicherheit eine funktionierende Justiz. Man kann sagen, dieses Gesetz ist nicht richtig und je mehr solche Stimmen kommen, desto weniger kann der Freistaat sich davor verschließen.

Eine Kritik an die Stadt lautet, dass man sich zu wenig mit den Initiativen zusammen tue und sich der Kontakt etwas schwer gestalte.

Ich glaube, dass hier unterschiedliche Sichtweisen vorherrschen. Die Stadt hat sich von Anfang an bereit erklärt, zu unterstützen und Dinge, wie das Patensystem anzustoßen. Das geschah immer in Kooperation mit Initiativen. Die Stadt bindet sich aber nicht in die Lenkungsgruppe unter anderem des Flüchtlingsforums ein. Denn die Stadt ist eben auch Verwaltung und die Arbeit kann – glaube ich – klarer strukturiert werden, wenn die Stadt nicht gemeinsam mit freien Träger und anderen Organisation Dinge organisiert.

Wir sind auch Ausländerbehörde und können bestimmte Dinge nicht tun, die freie Träger eben tun können. Wir arbeiten aber gerne auf Augenhöhe zusammen und unterstützen, wo möglich. Dennoch sollte man öffentliche Verwaltung, Behörde und freie Organisationen nicht in einen Topf schmeißen, denn da könnten bestimmte Aktionen im Zweifel verhindert und gewisse Diskussionen gehemmt werden. Die Stadt will sich hier in keinster Weise aus der Verantwortung ziehen. Ganz im Gegenteil muss unser Amt für Integration und Migration an diesem Flüchtlingsforum teilnehmen. Auch an anderen Punkten sind die entsprechenden behördlichen Stellen immer auch vertreten.

Neben dem Abschiebelager in der Zeißstraße existiert in unmittelbarer Nähe die neu errichtete Erstaufnahmeeinrichtung in der Bajuwarenstraße, von wo aus die Asylsuchenden verteilt werden. Ist Regensburg eine Durchlaufstation für Geflüchtete? Wie viel Bleibeperspektive bietet Regensburg?

Das Signal der Stadt war und ist, dass Menschen hierher kommen können. Derzeit leben etwa 2.000 Geflüchtete in der Stadt, davon der Großteil bereits mit einem Bleibestatus in den Gemeinschaftsunterkünften. Auch aus dem Landkreis haben wir Menschen die nach Regensburg ziehen, sobald ihr Antrag durch ist. Als Stadt haben wir jetzt alle Hände voll zu tun Wohnraum zu schaffen, damit auch diese Menschen hier leben können. Der Wohnungsmarkt in Regensburg ist derzeit für alle ein Problem und auch durch die Geflüchteten ist der Druck hier gestiegen. Aber da sind wir dran, das braucht aber Zeit.

Vielen Dank für das Gespräch.

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Kommentare (17)

  • Magnus

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    Ich halte den Begriff „Abschiebelager“ für sehr problematisch und zudem für überzogen polemisch. Da hätte ich mir besonders vonseiten regensburg-digital eine differenziertere Berichterstattung gewünscht. Mit dem Begriff wird meiner Meinung nach eine zu ablehnende Haltung demonstriert, die einer objektive Sichtweise im Wege steht.

  • Peter

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    „Als Stadt, als Behörde muss man sich aber immer an Gesetze halten…“

    Komisch, dass man diesen Satz immer nur dann hört, wenn es darum geht, Gesetze auf **andere** Menschen anzuwenden. In einer Stadt, die in den letzten Jahren nicht arm war an -sagen wir mal- lockeren Interpretation von Gesetzen auch durch ihre Repräsentanten klingt der Satz doch erbärmlich opportunistisch.

    Ich könnte mir nicht mehr in den Spiegel schauen.

  • eingeborener

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    Wenn man in die Lücken schaut, die die Antworten der Bürgermeisterin lassen, ist die Bilanz sehr gemischt. Wie konnte es dazu kommen, dass es für die Mehrheit der anerkannten Flüchtlinge keine Wohnungen gibt ? Wurden die Verantwortlichen dafür zur Rechenschaft gezogen ? Was ausser ,wir bauen‘ passiert denn nun konkret, damit sie eine Wohnung bekommen ? Warum ist die Erfahrung mit der Ausländerbehörde der Stadt unverändert die, dass die hinten und vorn mit der Bearbeitung nicht nachkommen ? Warum wird die Behörde nicht entsprechend aufgestockt ? Warum bietet die Stadt für die im Abschiebelager untergebrachten keine Rechtsberatung an ?
    Was hat die Stadt getan, damit die schikanöse und unfähige Arbeit der Zentralen Ausländerbehörde ZAB bei der Regierung der Obpf geändert wird ?

  • erich

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    „Als Stadt, als Behörde muss man sich aber immer an Gesetze halten“
    das sehen und sahen aber andere Funktionsträger in der Stadt ganz anders, wenn man die Presse der letzten Zeit in Verbindung mit Regensburg verfolgt

  • uwe

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    @eingeborener: mal ganz ehrlich: warum sich um Wohnungen für Flüchtlinge bemühen, wenn genug andere in Notunterkünften wohnen müssen?
    Aufgabe der Stadt ist sicherlich auch nicht die Rechtsberatung von Flüchtlingen/Abgeschobenen/Wartenden und die Arbeit der REg.der Oberpfalz kritisieren ebenfalls nicht. Die Stellen bei der Stadt, die sich um die Flüchtlinge kümmern, will keiner – trotz relativ hoher Eingruppierungen- haben, die Krankheitsrate und der Personalwechsel an diesen STellen ist enorm. Und warum wo einmischen, wo die Stadt gar nicht zuständig ist?

  • blauäugig

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    @uwe
    Vielleicht kommen die Flüchtlinge gerade recht, um abzulenken, dass seit vielen Jahren zu wenig Wohnraum geschaffen wurde. Schauen Sie sich doch die Entwicklung des sozialen Wohnungsbaus an, bundesweit, landesweit und speziell in Regensburg. Sogar Söder will das Versagen der Bundesregierung (bestehend aus CDU, SPD, CSU) im sozialen Wohnungsbau neuerdings auffangen mit der Gründung einer „Bayernheim“.
    Rechtsberatung von Abgeschobenen – mehr Hetze geht ja nicht, oder glauben Sie, dass da städtische Mitarbeiter die Abgeschobenen in den Heimatländern aufsuchen?
    Um Ihren Mut etwas abzukühlen, empfehle ich Ihnen den Leitfaden, welchen die Hanns -Seidel-Stiftung herausgegeben hat – https://www.hss.de/publikationen/engagiert-fuer-fluechtlinge-ein-ratgeber-fuer-ehrenamtliche-pub77/ – da können Sie nachvollziehen, wie schnell die CSU nach rechts gerückt ist.

  • Mr. T

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    Richtig, blauäugig, dankbare Sündenböcke, die sich kaum wehren können.
    Söder will jetzt gemeinnützigen Wohnungsbau fördern? Derselbe Söder, der die GBW verscheppert hat? Schmarrn, oder?

  • Rosalia Genoveva

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    Das war ein schööönes Interview, wahrscheinlich mitten aus dem Kompetenzzentrum für pfeilschnelle Problemlösung!
    Der Bonifaz hat gmeint, er hab auf einmal an seine Jugend denken müssen. Damals haben die Muatter und er viel mitgmacht miteinander.
    Immer wenn er ausschlafen wollt, ist die Alte ins schon ab Mittag ins Zimmer neigfetzt und hat gruafn, ob er nicht endlich aufwachen möcht, der Saustall, den was er mit seine Freund beim Feiern und Protzn hinterlassn hat, wär zum Aufräumen.
    Und er hat allweil, „Glei, i bin ja schon dabei!“, gantwortet, und sich noch tiafer in den Polster neikuschelt.
    Vier ganze Jahr hat er so rumbracht, in einem somnambulen Zuastand, zwischen Traum und Möglichkeit…
    Es wär eingtlich eine Spanne der inneren Beschäftigung mit dem Problem von der Unordnung gwesn, sagt er .

    Er will ja vor mir das Gsicht net verliern…

  • eingeborener

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    @ Uwe: warum Wohnungen für Flüchtlinge, wo doch die Leute in der notunterkunft der Stadt …? Mir fallen da zwei antworten ein : ein Teil der Menschen in der notunterkunft sind junkies und Alkis, da ist doch so ein knackiger junger Flüchtling für das deutsche bruttozialprodukt mehr wert ! Oder : wir sind alle Menschen. Und es ist genug Geld für Wohnungen für alle da. Na, welche Antwort wählen Sie, Herr Uwe ?…Sie haben recht,nur noch wenige reissen sich um Stellen der Stadt im Ausländerbereich .ich habe live miterlebt, wie sich viele stadtbedienstete für die ,willkommenskultur‘ der Stadt reingekniet haben – und im Stich gelassen worden sind.

  • Lothgaßler

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    @Mr T.: Nein, kein Schmarrn, sondern etwas das man dem Söder im Wahlkampf ununterbrochen um die Ohren hauen muss!

    Zu Frau Maltz-Schwarzfischer:
    Erst einmal sehe ich es auch so, dass jenen die hier sind mit Respekt, Freundlichkeit und Hilfsbereitschaft begegnet werden muss. Dann aber muss der Mut folgen den Menschen mitzuteilen, dass nicht jeder als Asylant oder Flüchtling anerkannt wird und nicht jeder als Armuts-/ Arbeitsmigrant bei uns leben und arbeiten kann. Es folgen Bewertungen und dann auch Abweisungen (passiert mir auch ständig). Das alles muss zügig erfolgen! Lagerkoller und eingeschränkte Freiheiten (dazu gehört Wohnung, Ausbildung, Berufsausübung) bringen auch friedfertige Menschen in Rage!
    Wer dann abgelehnt und zur Ausreise aufgefordert wurde, dem muss klar sein, dass die Hilfestellungen beendet werden und Sanktionen erfolgen. Wir können keine Parallelgesellschaft der Ausgeschlossenen entstehen lassen, das bringt vorhersehbar Probleme mit sich. Ohne Perspektiven sind diese Menschen dankbare Opfer für Kriminelle, mit der Gefahr selbst kriminell zu werden. Das ist mit der Würde des Menschen nicht zu vereinbaren.

    Und ach ja, die Bleibeperspektive! Was soll das denn sein? Solange alles durcheinander gewurschtelt wird (Asyl, Flucht, Migration) wirds ein Chaos bleiben. Ein Asylant kriegt Asyl, solange er in seiner Heimat verfolgt wird. Ein Flüchtling erfährt Schutz und Aufnahme, solange die Fluchtursachen in seiner Heimat fortbestehen. EIn Armuts- oder Arbeitsmigrant bekommt Arbeit, wenn er gebraucht wird (unschön, aber so gehts Einheimischen auch). Ein Einwanderer wird eingebürgert, wenn er bestimmte Voraussetzungen erfüllt (d.h. aus unserer Sicht ein Zugewinn ist). Wenn anerkannte Asylanten, Flüchtlinge oder Arbeits- bzw. Armutsmigranten dann im Laufe ihres legitimierten Aufenthaltes in Deutschland das Bedürfnis verspüren eingebürgert werden zu wollen, dann kann das nach wohl definierten Kriterien entschieden werden (passt/ passt nicht). Wo ist das Problem? Die Politik will es nicht!
    Schon alles schwierig mit der Bleibeperspektive? Nein! Schwierig ist derzeit das Abweisen, Zurückweisen bzw. Zurückbringen, weil entweder die Identität ungeklärt ist, das Herkunftsland übles erwarten lässt, oder das Herkunftsland nichts von seinen Bürgern wissen will (bzw. auf deren Geldüberweisungen hofft).

  • Ebenhofer

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    Solange alles durcheinander gewurschtelt wird (Asyl, Flucht, Migration) wirds ein Chaos bleiben. Ein Asylant kriegt Asyl, solange er in seiner Heimat verfolgt wird. Ein Flüchtling erfährt Schutz und Aufnahme, solange die Fluchtursachen in seiner Heimat fortbestehen. EIn Armuts- oder Arbeitsmigrant bekommt Arbeit, wenn er gebraucht wird (unschön, +++aber so gehts Einheimischen auch). Ein Einwanderer wird eingebürgert, wenn er bestimmte Voraussetzungen erfüllt (d.h. aus unserer Sicht ein Zugewinn ist). Wenn anerkannte Asylanten, Flüchtlinge oder Arbeits- bzw. Armutsmigranten dann im Laufe ihres legitimierten Aufenthaltes in Deutschland das Bedürfnis verspüren eingebürgert werden zu wollen, dann kann das nach wohl definierten Kriterien entschieden werden (passt/ passt nicht). Wo ist das Problem?+++ Ganz genau so isses. Das Problem scheint mir zu sein, dass vielen Zuwanderungswilligen unsere Gesetze und Regeln völlig wurscht sind. Wie lautet doch deren Slogan: „Wir sind gekommen um zu bleiben“.

  • joey

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    lieber Lothgaßler,

    Sie haben in vielen Punkten völlig Recht: aber der „Lagerkoller“…

    Denken wir mal an die vielen Bundeswehr Soldaten (wie ich mal einer war). Die haben regelmäßig Entzug bestimmter Freiheiten, sitzen in irgendeinem Camp und dürfen / können nicht raus. Wohin denn, da draußen ist ja nichts…

    Warum hat man eigentlich nie was Negatives von Frauen aus dem Kreis der Geflüchteten gehört? Die verüben keine Attentate, sie verüben auch keine Ehrenmorde an Verflossenen und vergewaltigen auch niemanden. Zur Diebstahlstatistik sagt man uns nix – man hat aber auch noch nix Schlechtes gehört.
    Vielleicht eine Art Disziplin, die man auch von Soldaten erwartet?

    Vielleicht muß man einfach nur klarmachen, daß wir hier keine Störer „nehmen“, die sich zwecks der Gaudi auf Polizeiautos setzen und bei nächster Gelegenheit Polizisten stiefeln.

    Übrigens: als zu meiner BW Zeit jemand zahlreiche Nazi Schmierereien ins WC gepostet hat, hat der Chef eine intensive Aufklärung betrieben und für die ganze Kompanie 2 Wochen lang Ausgangssperre verhängt, inkl. Wochenende (und ganz ohne Therapeuten und so…). Wir haben es mit einer Art stolzer Betroffenheit ruhig ertragen – die unsäglichen Schmierereien waren in einer gewissen Art zu sühnen.
    Der Schuldige wurde nie gefunden, aber es ist auch nie wieder sowas passiert – denn es wurde nicht geduldet!

  • R.G.

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    Ein Vergleich:
    1944 kommt eine Familie >Volksdeutscher< an.
    Ein Kind ist vor der Vetreibung geboren, im fremden Land, es hat die Widrigkeiten der Flucht zu ertragen; eines hier im beginnenden Wirtschaftswunder.

    Zwei werden direkt nach dem Krieg in die Enge des winzigen Stübchens eines Durchgangslagers hineingeboren. Vor der Baracke warten damals Verführer jedweder Art auf Frischfleisch. Von Kinderschändern bis zu Werbern für fremde Armeen oder Söldnertruppen.
    Nur der Beitritt zu einer starken Gruppe schützt leidlich. Um die zwei auffallend hübschen Jungs bemühen sich Priester, sie bieten als Lockmittel Zugang zu einem Ordensinternat mit Höherer Schule.

    Im Jahr 1956 ist man endlich auf dem Weg zur Einschiffung nach Lateinamerika, mit nichts als einem Koffer voll Dokumenten und Papieren.

    Ein Schreiben mit Bewilligung zum Bleiben kommt in letzter Minute an, wegen des besonderen Einsatzes des Vaters für dieses Land. Die Familie beginnt in größter Armut, hier ein eigenes Leben aufzubauen…

    Vierzig Jahre später.
    Die zwei ohne Bleibeperspektive im Lager Geprägten haben inzwischen sehr hohe Positionen in der Kirche bzw. in einem Staatsbetrieb. Nur nach außen hin sind sie angepasste Bürger.
    Beim Erben und bei allen nicht mal denkbaren Möglichkeiten in Betrieb und Familie offenbart sich erschreckende Ferne von den mitteleuropäischen Normen. Sie pendeln, wie es ihnen konkret Vorteile bringt, zwischen von anderen Flüchtlingen gelernten archaiischen Stammesregeln , wie sie in den 14 Jahren Lager draußen galten, und dem Überregulierungstrieb ihrer erzkatholischen Erzieher in Internat und der Pfarre. Der Einfluss der Eltern ging an ihnen vorbei.
    Obwohl es rein materiell dem Ältesten und dem Jüngsten am schlechtesten ging, hängen sie mit großer Liebe an der neuen Heimat.
    Gesetzestreue, Fleiß und Fairness sind ihnen wichtige Werte.

    Die zwei in der zwölf Jahre dauernden Spanne ohne Bleibeperspektive Sozialisierten mühen sich dagegen redlich, rund um sich Unsicherheit und Angst zu verbreiten…
    Der Staat kommt ihnen etwas fehlkonstruiert vor…
    Bis zu den Enkelkindern der vier Geschwister ist ein himmelweiter Unterschied zu spüren…
    _____________
    Fazit: Davor habe ich Angst, vor einem neuen Menschenschlag, den man in der Unsicherheitszeit in einer Lagerumwelt so sehr fehlprägt, dass jede innere Bindungsfähigkeit an das neue Land und seine Gesetze unmöglich wird.

  • Schwalbe

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    @R.G.
    Sie sprechen hier ein ganz wichtiges Thema an, nämlich die Folgen von Flucht über jedwede aktuelle „Problemlösung“ hinaus. Wenn man bedenkt, wieviele Millionen Menschen in diesem Land von Flucht und Vertreibung betroffen waren, kann man die Wirkungen davon bis Heute gar nicht hoch genug einschätzen (sei es im Negativen oder Positiven). Flucht und Verteibung sind nicht gesund, nicht für die unmittelbar Betroffenen, nicht für die Umgebung in der sie ankommen, nicht für die Länder aus denen sie weggehen. Unsere Geschichte ist unter diesem Aspekt leider viel zu wenig beleuchtet, zweifellos hätten wir daraus für die gegenwärtige Situation einiges lernen können.
    @joey
    Also, mir fallen spontan zahlreiche unangenehme Gefühlslagen aus meiner Bundeswehrzeit ein, Lagerkoller gehört nicht dazu. Warum auch? Selbst der langweiligste Dienst oder der aufreibendste Übungsplatz gehen einem sicheren, meist nahen und einigermaßen genau festgelegten Ende entgegen; ich sehe mich keinen nennenswerten Ungewissheiten ausgesetzt; keineswegs muss ich hoffen, dass das gegenwärtige Elend im günstigeren Fall noch Monate oder Jahre erhalten bleiben möge, noch muss ich fürchten, dass es beendet werden könnte, indem ich in ein Flugzeug gesetzt werde, um wieder dort zu landen, wo ich herkomme. Sie vergleichen hier nicht einmal Äpfel mit Birnen, Sie vergleichen eigentlich garnichts; Sie versuchen vor allem, zu vermeiden, dass Sie sowas wie Empathie empfinden könnten mit Menschen, die zu verachten Sie sich nun mal entschlossen haben (was im Übrigen Ihr gutes Recht ist, aber halt nicht als Basis für politische Entscheidungen taugt). Dabei ist es garnicht gefährlich, in dieser Weise mit anderen Menschen mitzufühlen, man muss diesen deswegen weder Recht geben, noch sich von ihnen übern Tisch ziehen lassen, man muss sie nicht mal mögen, sogar dem größten Arschloch kann man mit einer gewissen Empathie begegnen, ohne dass man dabei zu Staub zerfällt. Versuchen Sie es mal.
    Zum Interview selbst: die Bürgermeisterin sagt das, was sie sagen kann/ muss, mehr war wohl nicht zu erwarten. Den Begriff „Abschiebelager“ finde ich auch unnötig. Man mag es so sehen, aber hier sollten doch die Aussagen der Bürgermeisterin präsentiert werden, eine derartige Stellungnahme des Interviewers ist da nicht hilfreich. Und falls es als Provokation gedacht war, ging diese ins Leere.

  • R.G.

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    @Schwalbe

    Es wäre, um im @joey Vergleich zu sprechen, wie eine Kaserne mit gemischtgeschlechtlicher Besetzung, darin Geflüchtete ohne irgendeine verbliebene Person in der Heimat; weiters Geschleppte mit Reise-Restschulden – bei Nichtbezahlung wird ein Familienmitglied von der eigenen Sippe drangsaliert; Glücksritter; vor der Justiz in ihrem Land Geflohene; für Anschläge in Europa vorbereiteten Kämpfer; unter Posttraumatischem Belastungssyndrom Leidende, und daher von den eigenen Launen Überraschte; u.v.a.m.
    Drinnen der unerträgliche Gewürzgeruch immer gleicher Speisen. Ein alter Herr nannte das “ Einheitsgeschmack“.

    Aber draußen vor dem Tor warten Menschen mit verlockenden Angeboten jenseits des Erlaubten. Sie suggerieren Freiheit von…

  • joey

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    @Schwalbe
    und was ist mit den weiblichen Geflüchteten – die ich genannt habe?
    Die treten nicht oder kaum kriminell hervor.

    Aktueller „Lagerkoller“:
    zwei Afrikaner schlagen in Plattling vor einem Markt einen Deutschen zu Boden, nehmen ihm die Geldbörse und gehen ganz ruhig im Markt einkaufen. Als er sie auf die Geldbörse anspricht, bedanken sie sich bei ihm.

  • Gotthold Streitberger

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    Ich danke RD und der Bürgermeisterin für dieses Interview.

    Dabei habe ich mehr Erwartungen an die Stadt, um dem selbst formulierten städt. Anspruch gerecht zu werden, „jede/n Geflüchtete/n willkommen zu heißen und Integration und Teilhabe am gesellschaftlichen Leben ermöglichen.“
    Genau das Gegenteilt ist Ziel, Konzeption und Realität vom Transitzentrum . Die Stadt (und auch die Bürgermeisterin) kann sich der Forderung vieler „Schließung Transzitzentrum“ anschließen, zumal dafür auch zahlenmäßig dafür überhaupt kein Bedarf besteht. Ziel von TZ ist es, die dort zwangsweise untergebrachen Menschen – in Rgbg. Stand 8.1.2018 ca. 270 – zu isolieren, zu zermürben und wenn möglich abzuschieben. Schüler/innen dürfen deshalb nicht in in reguläre Schulen, stattdessen wurde eine Lagerschule eingerichtet. Kindergarten und Asylsozialberatungsstellen gibt es immer noch nicht, trotz Versprechungen seit Sommer 2017.
    Transitzentrum ist ein beschönigender Begriff, inhaltlich richtiger ist „Abschiebelager“ . Wer mehr dazu wissen will, kann z.B auf den homepages von Bayer. Flüchtlingsrat und Pro Asyl vieles lesen.

    Auch die sehr begrüßenswerte Stadtratsresolution „Keine Abschiebung nach Afghanistan“ sollte mehr sein, als die persönliche Haltung von Stadträten.

    Gotthold Streitberger, Mitglied BI Asyl und im Sprecherrat Bayer Flüchtlingsrat)

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