Fragwürdiger Doktortitel

Affäre Götz: Ein „ziemlich aufwändiges Verwaltungsverfahren“

Die fragwürdige Dissertation von Putzunternehmer Karlheinz Götz wird in Regensburg heiß diskutiert. Die Mittelbayerische Zeitung schweigt den Fall tot und veröffentlichte am Donnerstag eine veraltete Meldung über das Bundesverdienstkreuz für Götz in einem groß aufgemachten Artikel. Der Betroffene selbst gibt keine Stellungnahme ab und ist am Freitag nach Kanada verreist.

Beim Neujahrsempfang der Stadt Regensburg schüttelte Karlheinz Götz (li.) viele Hände. Seine Doktorarbeit war indes in aller Munde. Foto: as

Beim Neujahrsempfang der Stadt Regensburg schüttelte Karlheinz Götz (li.) viele Hände. Seine Doktorarbeit war indes in aller Munde. Foto: as

„Herr Götz wird den Tag, an dem er die Runtinger-Medaille bekommen hat, vielleicht noch verfluchen. Ohne diese Ehrung hätte sich doch nie jemand für seine Doktorarbeit interessiert.“ Solche und ähnliche Bemerkungen hört man beim Neujahrsempfang der Stadt Regensburg vergangene Woche öfter.

Die fragwürdige Dissertation („Die Entwicklung des Schulwesens in der Oberpfalz und in der freien Reichsstadt Regensburg bis 1810 sowie in Salzburg bis 1816.“) des Reinigungsunternehmers Karlheinz Götz ist ein recht häufiges Gesprächsthema. Und während auch Götz selbst vor Ort ist und zahlreiche Hände schüttelt, freut mancher sich im Zwiegespräch diebisch über das, was unser Autor Robert Werner tags zuvor aufgedeckt hat. Andere schüttelten verwundert, manchmal schockiert den Kopf über das, was Götz da als Doktorarbeit abgeliefert hat.

All diese Kritik und Häme wird allerdings nur hinter vorgehaltener Hand formuliert. Öffentlich äußern will sich bislang kein lokaler Funktionsträger zu den Plagiaten und anderen Abgründen in der Götz-Arbeit, die Werner im Rahmen einer akribischen Recherche offengelegt hat. Die lokalen Medien schweigen das Thema tot. Götz selbst hatte bereits im Vorfeld der Veröffentlichung jede Stellungnahme verweigert.

Die Universität Regensburg, an der die Firmengruppe Götz putzt, hält sich heraus und verweist (korrekterweise) darauf, dass die spanische Universität Oviedo für eine eventuelle Überprüfung zuständig sei. Dort hat Götz die Doktorarbeit eingereicht, mit der er im Jahre 2005 promoviert wurde. Einige Dozenten aber, mit denen wir gesprochen und denen wir die Dissertation vorgelegt haben, zeigen sich im persönlichen Gespräch bestürzt. „So etwas genügt nicht einmal den Maßstäben einer Diplomarbeit“, sagt uns einer.

Wann darf ein in Spanien erworbener Doktortitel hierzulande geführt werden?

Die Kultusministerkonferenz der deutschen Bundesländer (KMK) hat sich im Jahr 2000 darauf geeinigt, dass das Führen von im europäischen Ausland erworbenen Doktorgraden ohne Genehmigung erlaubt ist, wenn die Titel an einer ordnungsgemäß akkreditierten Hochschule „in einem wissenschaftlichen Promotionsverfahren erworben wurden“.

Um das Verfahren zur Eintragung dieser Doktorgrade ins deutsche Melderegister zu vereinfachen, wurde seinerzeit auch der Aufbau einer Datenbank vereinbart, in der alle akkreditierten Hochschulen gelistet werden sollen. Anhand dieser sogenannten ANABIN-Liste (Anerkennung ausländischer Bildungsnachweise) können die jeweils tätig werdenden Meldeämter eigenständig prüfen, ob eine Universität den Anforderungen der KMK entspricht. Da die ANABIN-Liste nicht vollständig ist, wird sie bei Bedarf durch entsprechende Gutachten fortgeführt. Fachlich zuständig dafür ist die „Zentralstelle für ausländisches Bildungswesen“, kurz ZAB, die bei der ständigen Kultusministerkonferenz angesiedelt ist.

Götzsche Alleinstellungsmerkmale

Als Karlheinz Götz im Jahre 2005 mit seiner Promotionsurkunde im Meldeamt seiner Heimatgemeinde Sinzig auflief, blieb ihm der direkte Eintrag seines Doktortitels verwehrt. Der Grund: Seine Alma Mater, die spanische Universität Oviedo, war damals nicht in der ANABIN -Liste verzeichnet. Und so musste ein „ziemlich aufwändiges Verwaltungsverfahren“ in Gang gesetzt werden, wie von einer daran beteiligten Behörde zu erfahren war. Das damalige Verfahren sei jedoch völlig regulär, wie in solchen Konstellationen üblich, verlaufen.
Bemerkenswert: Offenbar war Karlheinz Götz seinerzeit der erste deutsche Doktorand, der in Oviedo promovierte und – legitimiert durch das ANABIN-Verfahren – den Titel in Deutschland führen wollte.

Zum Eintrag des Götzschen Doktorgrades wandte sich die Meldebehörde von Sinzing hilfesuchend an das Regensburger Landratsamt, welches wiederum die für die Fortführung der ANABIN-Liste zuständige ZAB kontaktierte. Dort prüfte und begutachtete man zunächst generell die Promotionsverfahren der Universität im spanischen Oviedo. Im Anschluss daran wurde ein weiterer Durchgang notwendig. In dieser zweiter Begutachtung überprüfte die ZAB auch den Studiengang, den Götz laut Promotionsurkunde absolvierte: angeblich Erziehungswissenschaften. Da die von der ZAB gestellten Anforderungen erfüllt waren, nahm man die Universität Oviedo anlässlich des „Falls Götz“ schließlich in die ANABIN-Liste auf. Die Gemeinde Sinzing konnte den Eintrag vollziehen.

Wo Karlheinz Götz Quellen nicht angegeben hat: eine Auswahl (zum Vergrößern klicken). Zusammenstellung: Robert Werner

Zum Vergrößern anklicken. Zusammenstellung: Robert Werner

Über die Qualität und Hintergründe einer in Oviedo absolvierten Dissertation sagen diese Gutachten allerdings nichts aus, da nur die Universität bzw. der entsprechende Studiengang, und nicht die Arbeit bzw. Hintergründe, begutachtet werden. Obwohl solche Verfahren üblich sind, bleibt der Fall Götz für Regensburg singulär. Laut Auskunft des Regensburger Landratsamts wandte man sich in den gut acht Jahren, die seit der Causa Götz bis Januar 2014 verstrichen sind, kein weiteres Mal an die ZAB. Götz verfügt also auch in dieser Hinsicht über ein gewisses Alleinstellungsmerkmal.

ANABIN-Voraussetzung erfüllt?

Die näheren Umstände der Promotion von Karlheinz Götz sind bislang nicht bekannt. So ist z.B. nicht geklärt, ob er ein wissenschaftliches Promotionsverfahren durchlaufen und sich dafür länger in Spanien aufgehalten hat. Weiterhin bleibt im Dunkeln, in welcher Sprache Götz seine Arbeit eingereicht hat? Laut Deckblatt seiner Dissertation dankt Götz einer Dolmetscherin „für die Übersetzungsarbeiten und die für Zusammenstellung des spanischen Textes.“

Ebenso interessant wäre es zu erfahren, in welcher Sprache Götz seine Dissertationen vor der fünfköpfigen Prüfungskommission „verteidigt“ hat. Offenbar ist er des Spanischen nicht mächtig.

Die Kernfrage lautet: Hat Karlheinz Götz überhaupt ein reguläres wissenschaftliches Promotionsstudium absolviert? Es solches dauerte damals in Spanien fünf Jahre. Wobei innerhalb der ersten zwei Jahre Vorbereitungskurse mit mindestens 320 Stunden zu besuchen gewesen wären, wie aus einer GEW-Studie aus dem Jahr 2004 hervorgeht. Nur unter diesen Voraussetzungen hätte der Doktortitel über das ANABIN-Verfahren in Deutschland anerkannt werden dürfen.

Promotionsurkunde bleibt unter Verschluss

Einige dieser Fragen ließen sich möglicherweise durch einen Blick in die Promotionsurkunde beantworten. Doch in Sinzing, wo Götz die notwendigen Unterlagen für einen Eintrag des Titels ins Melderegister vorlegen musste, verweigert man uns – mit Verweis auf Persönlichkeitsrechte und Datenschutz – die entsprechende Einsichtnahme. Genau so ergeht es uns bei der übergeordneten Behörde, dem Landratsamt Regensburg.

Bereits im August 2013 hatte sich SZ-Journalist Thomas Urban unter der Überschrift „Abschreiben mit Auszeichnung“ intensiv mit dem Promotionswesen in Spanien beschäftigt. Sein Fazit: Dort befindet sich ein Eldorado für Plagiate und Auszeichnungen.

Karlheinz Götz hat sich am Freitag zu einer länger geplanten Reise nach Kanada aufgemacht und wird angeblich vor März nicht zurückkehren.

Die Mittelbayerische Zeitung hat unterdessen über „Eine große Ehre für Dr. Karlheinz Götz“ berichtet und die mehr als eine Woche alte Meldung zur Verleihung des Bundesverdienstkreuzes an den Unternehmer zu einem groß aufgemachten Artikel verarbeitet.

„Eher wie Propaganda denn Journalismus.“

Der freie Journalist Thomas Mrazek, der auch die Fachgruppe Online beim Bayerischen Journalistenverband leitet und unsere Berichterstattung zu Karlheinz Götz verfolgt hat, schreibt zu dieser Reaktion der Mittelbayerischen Zeitung unter anderem:

„Von den (…) Zweifeln an der Integrität des Herrn Götz ist darin (in dem Artikel der MZ, Anm. d. Red.) nichts zu lesen. Der Platz reichte wohl nicht aus für sämtliche Huldigungen für Götz. Ich bin deswegen irritiert, denn für mich als Leser wirkt das eher wie Propaganda denn Journalismus.“

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Kommentare (33)

  • Studentin

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    Was ich nicht verstehe: ein Dr. aus Oviedo, da gehen doch sofort die Augenbrauen hoch, auch wenn es eine gute Promotion gewesen wäre!
    Warum hat es denn kein Dr.h.c. getan? Fand sich wirklich keine bayerische oder sonst wie gut katholische Uni, die zu einem so kleinem Freundschaftsdienst einem so verdienstvollen Manne gegenüber bereit gewesen wäre? Oder war ein hc nicht genug? Doktor ist doch Doktor!

  • Don Quixote

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    Ein weiterer Skandal ist die Hofberichterstatung der MZ.
    Mit diesem Verhalten kann man die MZ endgültig nicht mehr ernst nehmen.

  • Jochen Schweizer

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    Wer nimmt in Regensburg die Inhalte de „Mittelmäßigen“ überhaupt noch ernst? In diesem OB Schaidinger Hofberichterstattungsblatt gibt es keine kritischen Nachrichten über Vorgänge und Personen die glauben sehr wichtig zu sein. Mann könnte fasst meinen die „Mittelmäßige“ ist ein Tagesblatt der Redaktion des wöchentlich erscheinenden Bayernkuriers.

  • Urs Bali

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    Als ‚Die Woche‘ noch erschien war Regensburg ganz närrisch auf ‚Den Donnerstag‘. Ansonsten verzichteten wir auf Regensburger Printmedien, die wie wir unter vorgehaltener Hand flüsternd die ‚Mittelnarrische‘ nannten. Das alles noch schlimmer wird, konnten wir nicht mal in Ansatz denken.
    P.s. Eine Bitte an den damaligen Redakteur Jupp und Koll. schreibt doch bitte in Wiki eure „Taten“.

    http://wissen.spiegel.de/wissen/image/show.html?did=45966343&aref=image036/2006/02/17/PPM-SP196803400460048.pdf&thumb=false

  • Remission

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    Übrigens: Den Dr.-Titel kann man auch ohne Eintrag ins Melderegister/in den Personalausweis führen. Den Aufwand hätte sich Herr Götz sparen können.

    Erfolgreiche Unternehmer sind aber wohl nie verlegen, wenn es darum geht, ihre Ziele durchzusetzen. Deswegen gibt es nun mal den Erkenntnisdrang solcher Wissenschaftler, die echte Doctores sind – und die scheinbar kriminelle Energie solcher erfolgreichen Menschen in der Wirtschaft oder Politik, wie sie uns die Tage wieder beschäftigen.

    Nie hätte ich mich getraut, unter solchen Umständen ergaunerte Titel in der Öffentlichkeit wie eine Monstranz vor mir herzutragen. „Wer betrügt, der fliegt…!“

  • Bernd Neumann-Henneberg

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    Bringt es halt auf den Punkt: der war halt zu blöd um so eine Arbeit selber zu schreiben! Um seinen Arbeitnehmern anständige Löhne zu bezahlen, so blöd war er nicht!

  • Fr.Streng

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    Wenn die Kernfrage lautet: Hat Karlheinz Götz überhaupt ein reguläres wissenschaftliches Promotionsstudium über fünf Jahre absolviert?
    Dann ist die unzweifelhafte Antwort : Nein er kann keine fünf Jahre promoviert haben. Zu dieser Zeit – vor 2005 – hat er sein Firmenimperium geleitet, andere Geschäfte geführt und z.T. in Rom bei den LC geweilt.

    Dass Götz überhaupt an einer Doktorarbeit sitzt, erfuhr man in Regensburg- soweit mir bekannt ist – nicht während der Promotion sondern erst hinterher. So als ob er den Titel in einem einzigen Akt erwoben hätte! ;)

    Hier ist m.E. nicht die MZ gefordert (das überstiege deren Kapazitäten, falls sie überhaupt recherchieren wollte!) , sondern die Staatsanwaltschaft.

  • Dubh

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    Fr.Streng:“Hier ist m.E. nicht die MZ gefordert (das überstiege deren Kapazitäten, falls sie überhaupt recherchieren wollte!) , sondern die Staatsanwaltschaft.“

    § 106 des Urheberrechtsgesetzes ist aber ein eingeschränktes Antragsdelikt, d.h. Geschädigte müssen anzeigen, oder die StA muss ein besonderes öffentliches Interesse im Fall sehen.
    Letzteres halte ich in Regensburg für ausgesprochen unwahrscheinlich.

    „Wenn die Kernfrage lautet: Hat Karlheinz Götz überhaupt ein reguläres wissenschaftliches Promotionsstudium über fünf Jahre absolviert?………..“
    Na ja er könnte zu jeder Veranstaltung gejettet sein und einen Simultanübersetzer permanent mit sich geführt haben :-)
    Schreiben jedenfalls kann er ja offensichtlich nicht spanisch.

    „So als ob er den Titel in einem einzigen Akt erwoben hätte! ;)“

    Eine kleine Spende vielleicht?
    Wäre aber weniger auffällig auch hierzulande gegangen – allerdings wohl kaum mit dem Inhalt und der Form
    http://www.zeit.de/online/2009/35/betrug-doktortitel-promotion

    Hätte zudem den Nachteil, dass eventuell zusätzlich strafrechtlich Relevantes wie z.B. die falsche Abgabe einer eidesstattlichen Versicherung wenigstens in Deutschland begangen worden wäre – so ja in Spanien, das dürfte deutsche StAs erstmal auch nicht jucken.

    Die Uni Oviedo macht ohne Druck von außen aber garantiert auch nichts.

    Die könnte schon bei der Form dieser Arbeit nicht behaupten, sie habe darauf vertraut, dass die Regeln eingehalten worden wären.

    Also wenn nicht Leute, die fachlich kompetent sind, und/oder durch Verletzung des Urheberrechts geschädigt wurden, aktiv werden, passiert da fürchte ich rein gar nichts.

    Ich würde auch nicht drauf wetten, dass diesem Herrn die Sache wenigstens grässlich peinlich ist, und er sich fürchterlich schämt – nein, das würde ich nicht!

  • Dubh

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    Bernd Neumann-Henneberg: „Bringt es halt auf den Punkt: der war halt zu blöd um so eine Arbeit selber zu schreiben!“

    Um einen Ghostwriter zu finden, der so eine Arbeit abliefert, müsste man den schon willkürlich im Dunkeln auf der Straße kidnappen und erst wieder auslassen, wenn er irgendwas geschrieben hat!

    So eine Arbeit abzugeben, geschweige denn als Uni 2005! das anzunehmen, spricht allerdings für sich!

    Hätte überhaupt je jemand in diese Arbeit hineingesehen, sollte man doch meinen, man hätte dem „Doktoranden“ ein paar Tipps gegeben, dass die Geschichte nicht sofort jedem ins Auge springt, der – und sei es aus Versehen – reinguckt.
    Thema und Uni an sich sind ja schon wundersam genug.

    Vermutlich war der Herr DR. Götz bis zur Veröffentlichung des Artikels von Robert Werner voll stolz auf seine homemade super Diss – weil Anfang der 1960er an der PH ham ses doch auch so g’macht, mit de Zitate und so?
    Mei und a bisserl was kann man ja immer vergessen beim Quellen angeben – der Jüngste war er ja auch nicht mehr.

    Vielleicht hat er weiland ein Referat, eine Zulassungsarbeit falls das damals schon nötig war – oder was immer – zum Thema geschrieben………..woher sollte er wissen, dass das an der Uni anders geht…………..auch in Spanien, soweit ich weiß.

  • Lothgaßler

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    @Studentin:
    Wäre doch ein reizvoller Gedanke ihm jetzt noch zusätzlich den Dr. h.c. Plagiatus zu verleihen, den hätte er sich verdient. Fasching ist, er würde sich sicher freuen ;-))))

  • quodlibet

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    H. c. könnte man in diesem Fall in „humoris causa“ umbenennen.

  • Fr.Streng

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    @Dubh
    Ja, soweit stimme ich schon zu.

    Ich sehe die ganze Sache bzw. die „Schwachstelle“ der Methode Götz jedoch wo anders. Nämlich darin, dass Götz sich vermutlich in seiner Promotionsurkunde etwas bestätigen hat lassen, dass er zeitlich, organisatorisch nicht erfüllt haben kann: fünf Jahre Promotionsstudium mit Pflichtstunden etc. Nur damit konnte er über das ANABIN-Verfahren an den Titel kommen – scheint mir. Jedenfalls lese ich die Sache so. Steht da nicht Urkundenfälschung im Raum?

  • Tatortreiniger

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    Was heißt hier ein Fall für den Staatsanwalt?, Fr. Streng. Die Jungs und Mädels bei der Staatsanwaltschaft Regensburg müssen doch schon aktiv gewesen sein, auch wenn sie sich sonst eher durch Gründlichkeit als Schnelligkeit auszeichnen. „Herr Dr. Götz“, werden sie ihm im Laufe der Woche haben wissen lassen, „Ihre Hütte steht in Flammen und brennt inzwischen lichterloh. Sie müssen sich jetzt unbedingt öffentlich erklären. Wir können nicht länger als bis Ende dieser Woche zuwarten!“ Und sein Rechtsanwalt wird ihm daraufhin geraten haben: „Nach Lage der Dinge ist es jetzt höchste Zeit, Karlheinz, dass Du Land gewinnst!“

    In unserem Rechtsstaat gilt die Unschuldsvermutung eines Beschuldigten bis zur rechtskräftigen Verurteilung. Aber wenn jemand das Weite sucht und ins Ausland flüchtet, um sich einer Vernehmung durch die Strafverfolgungsbehörde zu entziehen, statt die in die Welt gesetzten Vorwürfe überzeugend zu widerlegen, wird man das doch wohl als Schuldeingeständnis (Dokumentenfälschung, Betrug, Titelmissbrauch etc.) ansehen dürfen. Oder?

    Es wird Zeit, dass in unserer Stadt endlich reiner Tisch gemacht wird. Mit einigen locker-flockigen Sprüchen im small talk „hinter vorgehaltener Hand“ ist auch unsere Uni auf keinen Fall bereits aus dem Schneider. Warum eigentlich in die Ferne schweifen und nur auf andere (Oviedo/Spanien) zeigen, wenn ein Teil der Aufklärung im Fall Götz so nahe liegen könnte? Wir Studis wollen deswegen wissen:

    „War ‚Dr.‘ Götz vor 2005 jemals als ‚Feierabend-Student’ in der Fachrichtung ‚Erziehungswissenschaften‘ an der Universität Regensburg ordentlich immatrikuliert?“ und „Ist Herr ‚Dr.‘ Götz im Besitz einer offiziellen Bescheinigung der Universität Regensburg, in der ihm vor 2005 der Abschluss eines erfolgreichen wissenschaftlichen Fächerstudiums in Regensburg bestätigt wird?“.

    Mit diesen öffentlich zu machenden Auskünften braucht die Universitätsspitze nicht zu warten, bis die Regensburger Staatsanwaltschaft zum Jagen getragen worden ist. Die schnelle hauseigene Aufhellung dieser ungeklärt im Raum stehenden Befürchtungen ist sie den Hochschulangehörigen und der Öffentlichkeit mehr als schuldig.

  • JUler

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    Amen, Amen, ich sage Euch, es ist noch nicht aller Tage Abend!

  • Dr. Kaiser Karl V.

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    Affäre Doktor Karlheinz Götz. Das kommt mir irgendwie alles spanisch vor.

  • Fr.Streng

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    Hat Herr Götz Spanisch-Kenntnisse in mündlicher bzw. schriftlicher Form?

  • Don Quixote

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    Ich schlage vor, wir schimpfen uns fortan alle Doktor, dann gibt es keinen Streit ;-)

  • JUler

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    Bloß nicht, dann wäre der binnen kürzester Zeit Professor…

  • Heidi

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    Vielleicht eine Werbeanzeige in der MZ schalten?

    Dr. Götz´s (*)(**)
    * Enthält Plagiate für noch mehr Glanz
    **Nicht für Edelmetalle geeignet

  • bürgerblick

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    Konsul Weyer:

    Angebot: Preis verhandelbar
    Titel:
    z.B.

    Dr.( Universitäten- aus Übersee bzw. Entwicklungsländern)

    Graf von…..(Beliebige Landstriche wählbar /Empfehlung
    unbewohnt).

    Freiherr von……(Wie oben)

    Konsul von …(Namen von Drittländern bevorzugt)

    etc.

  • Urinstein

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    Naja das Thema wird offensichtlich weiterhin von allen totgeschwiegen. Ob da überregional noch was kommt, wage ich zu bezweifeln. (Außer vielleicht, wenn ihm ein neuer Faschingsorden umgehängt wird).

  • Miguel Moreira

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    Stimmt es, dass Dr. Götz aufgrund seiner hervorragenden Dissertation sogar in den Fakultätsbeirat der Universität Ovideo berufen wurde? Das stand irgendwo geschrieben. Wenn das so ist, kann die Dissertation ja so schlecht nicht sein.

  • Dubh

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    @ Miguel Moreira

    Dem nach was Robert Werner hier im Artikel dargelegt hat, was von anderen Wissenschaftlern bestätigt wurde, und jeder HIER sehen kann, der selbst des wissenschaftlichen Arbeitens mächtig ist, handelt es sich es sich schlicht NICHT um irgendeine Art wissenschaftlicher Arbeit – somit schon gar nicht um eine Dissertation!

    Völlig davon abgesehen, ob überhaupt die Voraussetzungen für eine Promotion vorlagen, ein Promotionsstudium erbracht wurde etc., kann ohne Vorliegen einer Dissertation, die die Voraussetzungen einer solchen erfüllt, vom unberechtigten Tragen eines akademischen Grades ausgegangen werden.

    Nur beim Verdacht und eigentlich offensichtlicher Ironie, ergibt das anderswo in Deutschland Hausdurchsuchungen.

    http://www.spiegel.de/unispiegel/wunderbar/gekaufter-doktortitel-hausdurchsuchung-bei-bloggerin-a-895217.html

    Warum die Uni Oviedo akademische Grade an Personen verleiht, die recht augenscheinlich die wissenschaftlichen Qualifikationen dafür NICHT erbracht haben und nicht erbringen, dazu müsste sich diese Uni äußern – sofern sie jemand fragen würde…………..

    Warum die hiesige StA nicht tätig wird ist hingegen nicht rätselhaft – die ist ja letztlich an die Weisungen des Bayerischen Innenministeriums gebunden.

    „Auf Vorschlag des Bayerischen Ministerpräsidenten hat der Bundespräsident Dr. Karlheinz Götz mit dem Verdienstkreuz 1. Klasse des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland ausgezeichnet. “
    – den der Bayerische Innenminister am 8.01.2014 überreicht hat………..

    http://www.stmi.bayern.de/med/pressemitteilungen/pressearchiv/2014/3/index.php

    Offensichtlich recherieren auch die Mitarbeiter des BUNDESpräsidenten nicht wem Orden verliehen werden, denn außer der Doktorgeschichte hätte es ja noch so einiges gegeben was keineswegs lobend erwähnt werden könnte!

  • Affäre Götz: Unter Cartellbrüdern | Regensburg Digital

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    […] Die Mittelbayerische Zeitung, deren Herausgeber Peter Esser unter anderem über die IHK eng mit Götz verbandelt ist, hat bislang kein Sterbenswörtchen über die Affäre verloren. Dort wurde letzte Woche lediglich über die Verleihung des Bundesverdienstkreuzes an Karlheinz Götz… […]

  • JUler

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    Die hiesige StA ist für die Frage des Titels nicht zuständig. Hinsichtlich der Urheberverletzung sind nur die Geschädigten antragsberechtigt. Die StA kann ohne entsprechende Anzeige nicht von sich aus tätig werden.

  • JUler

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    Da stimmt doch was hinten und vorne nicht! Gegenüber der MZ
    erzählt Dr. (sic!) Götz, dass er Professoren der Universität Oviedo
    kennen gelernt hätte, als er in den 70ern und 80ern für eine
    „Wirtschaftsgesellschaft“ in Madrid tätig war. Andererseits
    berichtet die MZ im selben Artikel, dass er bis 1980 als Lehrer
    tätig gewesen wäre. Diesen Umstand muss mir jetzt mal einer
    erklären.

  • Veronika

    |

    @Dubh:

    “Auf Vorschlag des Bayerischen Ministerpräsidenten hat der Bundespräsident Dr. Karlheinz Götz mit dem Verdienstkreuz 1. Klasse des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland ausgezeichnet. ”
    – den der Bayerische Innenminister am 8.01.2014 überreicht hat………..
    ————————-
    und dies hat jetzt sicher auch damit zu tun, dass:

    1. S.H. Seehofer von Benedikt XVI. die Mundkommunion überreicht bekam, obwohl er geschieden wiederverheiratet ist.
    2. S.E. der Bayer. Innenminister den erlauchten Rittern vom Hl. Grab zu Jerusalem angehören soll.

  • Veronika

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    ernsthafter Zusatz:

    Eigentlich muss man Dr. Götz ja zugute halten, dass er nicht wie andere in Dogmatik eine Promotion absolviert hat. Was sollte man in Dogmatik schon wissenschaftlich arbeiten, wenn es doch das unumstössliche Kochbuch der Röm.-Kath. Kirche ist. Keines der Dogmen lässt sich doch mit Vernunft erklären.

  • RuhigBlut

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    Meine liebe Veronika, was haben Sie eigentlich die ganze Zeit mit der Mundkommunion?! Ist das jetzt für Sie ein positives Zeichen der Frömmigkeit oder ein Kritikpunkt. Abgesehen davon laufen Sie hinsichtlich Dr. Karlheinz Götz in die falsche Richtung. Er ist Ritter des Deutschen Ordens und nicht Ritter des heiligen Grabes. Darauf legen die Grabesritter in Regensburg übrigens ziemlichen Wert, da dieser Orden nicht derart konservativ ist wie der DO… Sie gehen i.Ü. auch fehl in der Annahme, dass Götz die CSU unterstützen würde. Das war früher einmal. In diesem Kommunalwahlkampf bekam die CSU keinen müden Cent, dafür wurden CSB (Schreiber [Rupertia]) und die SPD mit horrenden Summen unterstützt. Jaja, wer hat damals die Huntinger Medaille für Götz beantragt und ihn dann im nachhinein am lautesten verteidigt? Achja, die SPD. Ist ja klar, Götz ist ja auch wirklich ein Paradebeispiel für arbeitnehmerfreundliche Unternehmung.

  • Lügen oder Realitätsverlust? | Regensburg Digital

    |

    […] mit Vorkurs und Prüfungen tatsächlich absolviert hat, ist denn auch von zentraler Bedeutung. Denn nur dadurch hätte er die unerlässliche Voraussetzung für die deutsche Anerkennung des Doktor…. Und genau hier scheint es gravierende Unregelmäßigkeiten gegeben zu haben, die weiterhin einer […]

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