Eisenberg-Gutachten: Prüfung soll
„mehrere Wochen“ dauern

IMG_0982Die Regensburger Staatsanwaltschaft will das neue Gutachten zu den tödlichen Schüssen auf Tennessee Eisenberg vorerst nicht bewerten. Die Prüfung könne mehrere Wochen dauern, so der Leitende Regensburger Oberstaatsanwalt Günther Ruckdäschel „Wenn da wirklich etwas anderes drinsteht, werden wir die anderen Gutachter dazu befragen müssen.“ Innenminister hatte sich auf Notwehr festgelegt Der Polizeieinsatz liegt mittlerweile fast fünf Monate zurück. Hätte die Familie kein eigenes (über Spenden finanziertes) Gutachten in Auftrag gegeben, stünde das Ergebnis wohl bereits fest: Notwehr. Nicht nur der Leitenden Oberstaatsanwalt hatte schon kurz nach dem Einsatz davon gesprochen. Auch Innenminister Joachim Herrmann hatte in einem Interview mit der Mittelbayerischen Zeitung keine Zweifel daran, dass hier „Notwehr oder Nothilfe vorlagen“. Für ihn stellte sich demnach nicht mehr die „Schuldfrage“ sondern es gehe nur noch um eine „konkrete Tatbestandsaufnahme“ (mehr dazu). Diese vorzeitige Festlegung verwunderte nicht nur Abgeordnete im Bayerischen Landtag. Alle Beamten außer Gefahr: Dann fielen die tödlichen Schüsse Nach dem Privatgutachten der Münsteraner Gerichtsmediziner erscheint sie umso fragwürdiger. Eisenberg erlitt demnach die tödlichen Treffer in die Brust erst ganz zum Schluss. Abgesehen vom Schützen und Eisenberg befand sich kein weiterer Polizeibeamter mehr im Haus. Der Schütze stand an der offenen Eingangstür, von wo aus er dem Studenten vier Mal in die Brust schoss. Der 24jährige war zuvor bereits acht Mal getroffen worden. Schütze: Ausbildung bei Spezialeinheit USK „Er hatte ein zerschossenes Kniegelenk und einen durchschossenen Oberarmknochen, einen Steckschuss in der Lunge sowie weitere Treffer an den Extremitäten erhalten“, teilen die Rechtsanwälte der Familie in einer Presseerklärung mit. Bei dem Schützen handelt es sich um einen Polizeibeamten mit Spezialausbildung in Selbstverteidigung, der fast sechs Jahre lang bei der Spezialeinheit USK Dienst getan hatte. Die Rechtsvertreter Helmut von Kietzell, Thomas Tesseraux und Andreas Tronicsek haben nun die Staatsanwaltschaft um ein Gespräch gebeten. Sie fordern eine Tatrekonstruktion vor Ort. Davon werde man alle weiteren Schritte abhängig machen. Ein Einsatz ohne Leitung Der Einsatz am 30. April scheint insgesamt völlig unkoordiniert abgelaufen zu sein. Nach dem Notruf des Mitbewohners (Wortlaut: „Mein Mitbewohner hat mich grad ne Stunde lang mit’n Messer bedroht, wollt mich abstechen und jetzt konnt ich aus der Wohnung fliehen. Er sagt immer, er ersticht sich selber oder so was.”) wurden insgesamt acht Polizeibeamte per Funk zu der Wohnung geschickt. Einen Einsatzleiter gab es nicht.

Bitte unterstützen Sie eine unabhängige Berichterstattung in Regensburg.

 
Verein zur Förderung der Meinungs- und Informationsvielfalt e.V.
IBAN: DE14750900000000063363
BIC: GENODEF1R01

Kommentare (15)

  • eduard buchinger

    |

    @all

    ##Leitende Regensburger Oberstaatsanwalt Günther Ruckdäschel „Wenn da wirklich etwas anderes drinsteht, werden wir die anderen Gutachter dazu befragen müssen.”##

    „…kalte Hundeschnautze – fehlende Empathie
    für das Opfer und die Angehörigen?“ JA… „Herr LOSTA Günther Ruckdäschel, …da steht wirklich etwas anderes drin.!“ Und wer ist da eigentlich „wir“, sprechen Sie endlich einmal für sich selbst Herr Ruckdäschel, und nicht immer wie ein ängstlicher Schüler im Plural!
    Es reicht mit Ihren Vorverurteilungen und
    permanenten Abwertungen des Opfers und seinen Angehörigen. Im Übrigen schließe ich mich aus tiefer innerer Überzeugung, der hier bereits mehrmals vertretenen Meinung: „Treten Sie endlich zurück Herr LOSTA“, bevor es „durch Andere“ in die Wege geleitet wird, entschieden an.
    Eigentlich kann man sich als anteilnehmender und engagierter Regensburger, hier „nur stellvertretend“ für Sie bei den Angehörigen entschuldigen! :-(

  • Arbeiterstimme

    |

    Ruckdäschel: WEG, aber sofort. Der Mann ist nicht mehr tragbar.

  • Sternenfee

    |

    Wie war das noch? Die Familie zieht die Ermittlungen in die Länge? Warum muß Ruckdäschel lange prüfen, was er doch schon kennen müßte?

  • Bert

    |

    Wenn das Gutachten zutrifft, dann kann man nur noch von Hinrichtung sprechen. Der Schütze hatte eine Ausbildung beim USK? Was ist das für eine Ausbildung? Was ist das für eine Spezialeinheit? Wo bleibt Innenminister Herrmann mit seiner nächsten Kehrtwende? Wessen Köpfe werden rollen?

  • Sauer

    |

    Jetzt müssen Köpfe rollen!

  • Bert

    |

    @waldorf

    Wieder einmal behaupten Sie irgendwas. Der vorangegangene Verlauf wird unterschlagen? Wo? Interessant finde ich übrigens den Wortlaut des Notrufs. Das hört sich nsach angekündigtem Suizid an. Kein Grund, um Polizeipsychologen hinzu zu ziehen (die haben wir auch in Regensburg.) Und überhaupt: Die bei Ihnen immer wieder anklingende Einstellung – der hat ein Messer, also darf geschossen werden – ist schwachsinnig. Da kann ich einfach irgendwem mit Knarren in die Wohnung schicken. Schlimmer hätte es auch nicht ausgehen können.

  • Michael Hedenus

    |

    Es ist ein Skandal!

    Es ist verdammt noch mal nicht die Aufgabe des Staates alles zu vertuschen! Mit der Haltung des Ministers und der Staatsanwaltschaft wird der Staat ja der FEIND des Bürgers. Gibt es überhaupt keine Aufrichtigkeit mehr?

  • hans

    |

    Ja bin ich denn im falschen Film?!
    Das stelle man sich bitte einmal bildlich vor: da ist einer schon mindestens 8 mal getroffen und kämpft schon ums blanke Überleben, da setzt der Herr Spezial-Polizist den Fangschuss, nein 4 Fangschüsse!
    Bitte genau feststellen weshalb der spezielle Spezial-Polizist die Spezialeinheit verlassen hat. Waren es die Nerven oder hat er einen zuckenden Zeigefinger oder warum wollte man in da nicht mehr haben?

  • britt

    |

    Interessant ist, was man so über das USK bei wikipedia erfährt:

    „Beamte des USK haben ein weit größeres Schießpensum als reguläre Polizisten. Statt der üblicherweise vorgeschriebenen 50 Schuss pro Jahr sind es bei dem USK 2.500.“

    „Neben den üblichen Zielscheiben werden Diaserien und Filme (sog. Schießkino) verwendet, die eine bestimmte Situation zeigen und in denen der Schütze in Sekundenbruchteilen entscheiden muss, ob er schießt.“

    http://de.wikipedia.org/wiki/Unterst%C3%BCtzungskommando_(Bayern)

  • kyra

    |

    meiner meinung nach war es absoluter mord was die polizei da abgezogen hat.
    im fernsehen hab ich gesehen das die polizei aus rgbg auf anfragen diesbezüglich nur blöd gegrinst hat…
    warum muss auf jemanden 10 mal geschossen werden????

  • peter sturm

    |

    „Was ist das für eine Spezialeinheit?“
    soweit ich weiß eine martialisch gedrillte sondereinheit der bayerischen polizei.
    ein langhaariger musikstudent, könnte bei so einem ehemaligen(!) elitepolizisten(2500 schuß im jahr) tiefsitzende reflexe ausgelöst haben.
    makaber!
    ich habe bisher nicht an eine hinrichtung geglaubt. nach diesem gutachten werde ich nachdenklich.

  • eduard buchinger

    |

    @all

    „Die jetzt befugte Stelle ist lt. RA Tronicsek
    der Herr OSTA Zach, dieser prüft nun (sorgfältig) das neue Gutachten der Rechtsmedizin der Uni Münster!“ Jetzt schon weise ich darauf hin, dass der nun Befugte, ein unmittelbarer Nachbar des Regensburger LG Richters Nußstein (große Stafkammer) ist.
    Es würde nicht verwundern, wenn der Benannte, auch dem (jetzt nicht mehr abwendbaren) Stafverfahren gegen die bzw. den Polizeibeamten (dann auch noch) vorsitzen würde.“
    Regensburg ist nur ein Dorf, indem jeder, jeden
    kennt. Gefährlich wird`s dann, wenn ein öffentliches Amt durch „mitunter auch parteipolitischen (empfundenen) Verpflichtungen“, tangiert, womöglich beschädigt würde. Bei RA’s spricht man dann von sogenannten Interessenskolisonen!
    Mein Apell: „Ungeteilte Aufmerksamkeit für das jetzige Vorgehen der Regensburger Justiz im „Fall: Tennessee Eisenberg!“ Jetzt zählts!!!

    Wir @all empfinden eigentlich das Gleiche,
    Tennessee müsste heute noch leben, wenn’s den
    in unserem „CSU Nest“ mit rechten Dingen zuginge! :-(
    ;-)

  • eduard buchinger

    |

    an peter sturm

    #ich habe bisher nicht an eine hinrichtung geglaubt. nach diesem gutachten werde ich nachdenklich.#

    Wohl nachdenklich ist auch der verantwortliche
    und entscheidungsbefugte Regensburger LOSTA Günther Ruckdäschel, nach dem Bekanntwerden obigen Münsteraner Gutachtens, dass von keiner
    Notwehr bzw. Nothilfesituation ausgeht, geworden!?!
    Vielmehr als -einschlägig abwertende und das eigentliche Opfer Tennessee Eisenberg und seine Anghörigen verunglimpfende Töne, aus seiner Stellungnahme vom 18.09.09, hier in O-Ton: „Die fehlende Reaktion auf das Pfefferspray und der Umstand, dass Herr Eisenberg trotz der Schussverletzungen bis zum Schluss aufrecht stand, deute auf das Bestehen eines akuten Schubes einer Erkrankung aus dem psychotischen Formenkreis hin.“, konnte die Öffentlichkeit von LOSTA Günther Ruckdäschel bis dato. nicht vernehmen!

    Hier schließt sich ein Kreis, bereits im November 2007 hat derselbe, mögliche Ermittlungsverfahren, wie folgt: „Polizeihundeschule Herzogau „Keinerlei Anhaltspunkte für Straftaten“ – 02.11.2007

    …keinerlei Anhaltspunkte“ für Straftaten. Ein förmliches Ermittlungsverfahren werde deshalb nicht eingeleitet, teilte Günther Ruckdäschel, der Leiter der Staatsanwaltschaft, am Freitag mit. Trotz der Einstellung des Verfahrens forderten SPD und Grüne, dass Innenminister…“, niedergeschlagen
    und wohl dadurch auch der Öffentlichkeit vorenthalten.
    Nach dem Motto, …was hier in „seinem Bayern
    nicht sein darf, dass kann auch nicht sein…“!

    Ja Prost Mahlzeit, wo kämen wir dahin, wenn
    man die Dinge beim Namen nennen würde und diese
    nicht permanent im sauberen CSU-Bayern vertuschen wollte!
    So können wir @all, auch das schlampige und
    viel zu einseitige Ermittlungsverfahren bezüglich der Ereignisse bei der(sinnlosen) Tötung von T.Eisenberg, des Günther Ruckdäschel’s deuten, wenn’s denn der
    StA erlaubt…? ;-)

Kommentare sind deaktiviert