Katholische Taliban

Man könnte auch Optimismus daraus ziehen, dass der Papst seinen persönlichen Beitrag dafür leistet, modern denkende Menschen aus seiner Institution zu verjagen, die selbst historisch stark kompromittiert ist.“ Das schreibt die Kopenhagener Zeitung „Information“ in ihrer heutigen Ausgabe. Optimistisch dürfen aber auch die Erzreaktionäre in der katholischen Kirche sein. Dass die Pius-Bruderschaft, die der Papst gerade wieder in den Schoß der Kirche heimgeholt hat, mit Vollgas zurück ins Mittelalter will, ist eigentlich kein Geheimnis. Der Holocaustleugner Williamson ist nur der Gipfel, aber bei weitem kein Einzelfall. Nur wenige Tage nachdem das Interview mit Williamson bekannt geworden war, hat ein weiterer Piusbruder ähnlichen Schwachsinn verzapft. Auch ansonsten vertritt die Bruderschaft Ansichten, die eher eine Nähe zu den Taliban vermuten lassen als zu einer katholischen Kirche, die – laut Papst Benedikt – die Vernunft als oberste Richtschnur haben soll (Erhellend dazu ein Bericht von Spiegel online). ratziUngeachtet dessen hält man im Vatikan jede Kritik für unangebracht. Das durfte Bundeskanzlerin Angela Merkel erfahren. Der Vatikan ließ sie wissen, dass die Rehabilitierung Williamsons nichts damit zu tun habe, dass seine Positionen legitimiert werden sollte. Merkels Forderung nach einer Klarstellung sei unangebracht. Punkt. Unterstützung für diese Position kommt auch aus Regensburg. Mit seinen „idiotischen Äußerungen“ habe Williamson den Papst „hereingelegt“, sagt der hiesige Bischof Gerhard Ludwig Müller. Benedikt habe zuvor nichts von der Haltung Williamsons gewusst. Und auch Papstbruder Georg Ratzinger ist höchst verärgert über die Kritik an Bruder Josef. Es ärgert ihn, „wie unvernünftig und schlecht informiert viele Leute sind, die ihn jetzt angreifen“, sagte er der Leipziger Volkszeitung. Schlecht informiert scheint aber auch der Papst selbst zu sein. Wenn er nicht mitbekommen hat, dass es unter den Piusbrüdern regelmäßig zu antisemitischen, frauenfeindlichen und rassistischen Ausfällen gekommen ist, dann fehlt ihm entweder der Überblick oder er sieht das nicht so tragisch, so lange gegenüber den Medien der Mund gehalten wird. Mal abgesehen von Williamson, abgesehen von der Leugnung des Holocaust – eigentlich sollte schon ausreichen, was offiziell bekannt ist, um der Pius-Bruderschaft die Rückkehr unter den päpstlichen Rock zu verweigern. Dafür reicht allein die Ablehnung der Religionsfreiheit. Aber wie gesagt: Den einen oder anderen in der katholischen Kirche mag diese erzreaktionäre Verstärkung durchaus optimistisch stimmen.

„Du hast das ganze Land verzückt, heiliger Vater Benedikt.“

aus dem Lied, das die Regensburger Königstreuen Benedikt anlässlich seiner Ernennung gewidmet haben
(Ent)spannende Lektüre! Nachtrag am 04.02.09, 17.20 Uhr: Zwischenzeitlich hat der Vatikan reagiert. Der Papst hat Williamson aufgefordert, seine Holocaustleugnung zu widerrufen.

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Kommentare (27)

  • Günter Mühlbauer

    |

    Film Tipp zu dem Thema.

    Morgen Bayerisches Fernsehen 20.15 Quer

    Gläubige in der Krise:

    Filmbeitrag unter anderem auch aus Regensburg

    http://www.br-online.de/bayerisches-fernsehen/quer

    mfg Günter Mühlbauer

  • Joachim Datko

    |

    Zu „Du hast das ganze Land verzückt, heiliger Vater Benedikt.“
    aus dem Lied, das die Regensburger Königstreuen Benedikt anlässlich seiner Ernennung gewidmet haben“
    ===
    Siehe auch:
    http://www.spiegel.de/unispiegel/studium/0,1518,437357,00.html
    UNI REGENSBURG NACH PAPST-REDE

    „1500 Zuhörer folgten den Ausführungen des Papstes, die Stimmung sei wohlwollend gewesen, berichten Teilnehmer. Am Ende gab es stehende Ovationen.“
    ===
    Das darf nicht wahr sein: Stehende Ovationen für einen katholischen Papst an einer Universität, die naturwissenschaftliche Fakultäten hat!

  • maddin

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    Herr Datko, könnten Sie vielleicht ne eigene Website aufmachen, und Ihre geistigen Ergüsse woanders ins Tempo wixen? Ich verfolge diese Website nun schon eine Weile – mit großer Freude wie ich meine, weil es endlich alternative Medien in Regensburg gibt, aber die Penetranz die Herr Datko an den Tag legt ist mehr als nervig. Sorry, musste mal gesagt werden, Postings lassen sich teilweise nicht mehr in Ruhe lesen, ohne ständig mit Herrn Datkos Tiraden belästigt zu werden… An die Redaktion – könnten Sie freundlicherweise einen Ignorknopf oder dergleichen für die Kommentar einführen? Würde die Nutzung Ihrer Seite um Einiges erleichtern. Vielen Dank und schönen Abend.
    Martin

  • Roland Hornung

    |

    Über die deutlichen und wichtigen und richtigen Worte von Frau Dr. Merkel sind wir erfreut und danken ihr ganz herzlich. Leider braucht man inzwischen wieder Zivilcourage, um gegen extrem dubiose Holocoust-Leugner und -verniedlicher etwas sagen zu dürfen.

    Wenn irgendwelche Hinterbänkler aus der CSU jetzt an Frau Merkel herumnörgeln, soll und darf sie das nicht von ihrer klaren guten Linie abbringen lassen !

    Euer Roland Hornung

  • mündiger bürger

    |

    Merkel wollte ein öffentliches Zeichen setzen gegen das Handeln einer Institution die anders handelt als spricht. In Bayern nennt man das scheinheilig. Am erschreckensten sind mittlerweile zwei Dinge. Wieviel Einfluss die Kirche auf Parteien, insbesondere die Christdemokraten hat. Kurz zusammengefasst; die Politik, die Kanzlerin hat die Kirche nicht zu kritisieren, dies steht ihr nicht zu auch wenn die Kirche Einfluss auf politische Themen nimmt. Der politische Diskurs zwischen unterschiedlichen aber gesellschaftlich relevanten Institutionen wird einach untersagt, von der Kirche. Und zweitens, während die konservativen Kräfte dies untersagen beziehen sie wiederum gesellschaftspolitisch Stellung. Beispiel gestern in den Tagesthemen der Kirchenexperte Prof. … aus Münster. Sinngemäß, es gibt keinen Straftatsbestand im Kirchenrecht der die Holocaustleugnung beinhaltet, also ist dies auch kein Grund die Bischöfe zu maßregeln. Der Vatikan ist offiziel zwar anderer Meinung aber die andere Interpretation von geschichtlichen Ereignissen (= Leugnung der Ermordung)ist kein Grund jemanden aus der Kirche auszuschließen.
    Politisch wird von fortschrittlichen Kreisen die gesellschaftliche Ächtung und Zivilcourage gegen Nazis gefordert und nun wird alles verharmlost. Weltanschauliche Interpretationen sind keine Sünde. Für den Vatikan ist eben Faschismus eine Meinung und kein Verbrechen.
    Und das vor der eigenen Verwicklung der katholischen Kirche während des Nationalsozialismus. Naiv wer nichts böses dabei denkt. Dieser Pabst ist ein konservativer Dogmatiker, der Wolf im Schafspelz.

  • Roland Hornung

    |

    Lieber mündiger Bürger,

    ich kann und will Ihren Worten voll zustimmen !

    Danke.

    Ihr Roland Hornung

  • Roland Hornung

    |

    “ Wir wollen Extremismus jeder Art keine Chance geben “

    liest man u.a. auf unserer homepage

    http://www.israelfreunde.eu

    Ganz deutlich heist das, dass wir gegen JEDEN
    EXTREMISMUS sind: Gegen islamistische Fundamen
    talisten,gegen jüdische Extremisten wie „Kach “
    gegen hinduistische Extremisten – warum sollten wir dann nicht gegen katholische Extremisten sein ? Das wäre doch inkonsequent !!!

    In unserer Gesellschaft hat Holocoust-Leugnung
    nichta, absolut nichts verloren – auch nicht unter dem Deckmäntelchen “ Katholische Kirche“
    und auch nicht unter dem scheinheiligen Etikttenschwindel “ Meinungsfreiheit “ !

    Euer Roland Hornugn

  • Sir Sonderling

    |

    @ maddin:

    Wahr gesprochen!

    Mann muss mit Herrn Datko nicht geteilter Meinung sein um seine Beiträge hier zunehmend als penetrant zu empfinden.

    Servus,
    Sir

  • Neuregensburger

    |

    @ maddin & Sir Sonderling

    im Gegensatz zu uns 3en outet er sich wenigstens.

  • mündige bürgerin

    |

    Es wird doch niemand so einfältig sein zu glauben, daß diese päpstliche Entscheidung ohne konkrete Absicht geschehen ist. Der Beweggrund für diesen Schritt war
    nicht Ratzingers Angst von einer Kirchenspaltung, wie es Konservative uns nun weismachen wollen. Vielmehr sind diese Erzreaktionäre die willkommenen Helfers-
    helfer, um die Kirche zurück ins Mittelalter zu „reformieren“. Der ehrwürdige Kardinal König („offen für Gott und offen für die Welt“) würde sich im Grabe herum-
    drehen, müßte er mit ansehen, wohin die von ihm so geliebte Kirche hindriftet. Und – anstatt sich mit den eigenen Fehlern auseinanderzusetzen, wird jetzt wieder
    mal jeder, der diese Zustände kritisiert, als Kirchenfeind diffamiert. Das ist bequemer und entbindet vom Nachdenken.

  • seppl

    |

    Ich weiß nicht, was ihr habt. Lest doch in der Offenbarung – da ist das genau beschrieben (Spaltung der Kirche / Hure Babylons / etc.). Nun trifft es halt langsam ein – es kann nur besser werden

  • Roland Hornung

    |

    Liebe mündige Bürgerin,

    ich stimme Ihnen zu !

  • Roland Hornung

    |

    @ Datko

    Sollen wir statt der deutschen u n d israelischen Flaggen ( als Symbol für deutsch-israelische Völkerverständigung ) lieber Schornsteinfeger auf unsere website stellen, damit Sie zufrieden sind ???

  • Joachim Datko

    |

    Zu 06. Feb 2009, 13:51 „Sollen wir statt der deutschen u n d israelischen Flaggen ( als Symbol für deutsch-israelische Völkerverständigung“
    ===
    Meiner Ansicht nach geht es nicht um ein „Symbol für deutsch-israelische Völkerverständigung“
    ===
    Meine Ansicht:
    Es ist das uralte Spiel von Menschen, die Ihre Interessen ( ihre Weltsicht ) auf andere Menschen ausdehnen wollen, die die Meinung anderer nicht respektieren.

    Das sieht man auch an den Religionen. Sie sind oft bestrebt die jeweilige Gesellschaft zu dominieren.

  • Roland Hornung

    |

    Lieber Herr Datko,
    wir dominieren niemand! Wir lassen Ihnen auch Ihren Lieblings-Schornsteinfeger :-)

    Ihr Roland Hornung

  • Bernhard Segerer

    |

    Ich störe mich nicht an den Beiträgen von Herrn Datko (auch wenn ich nicht alle lese). Ich finde sie eigentlich auch knapp genug, das man sie leicht ignorieren kann wenn man will. Es steht doch jeder/m frei sich ebenso engagiert an der Diskussion zu beteiligen. Das heisst jetzt nicht das ich seine Meinung in allen Punkten teile, dafür habe ich mich auch mit seinen Beträgen zu wenig auseinandergesetzt.

  • maddin

    |

    Hallo Herr Segerer,
    nur um es nochmal klarzustellen, auch ich bin für freie Meinungsäußerung und mir Herr Datko darf sagen was er will. Mein Beitrag war eher eine Überreaktion meinerseits, nachdem ich mich bereits Tage zuvor über die Postings oder sollte man sagen FreieMeinungsSPAM des Herrn Datko zum Artikel „Bischof: Hausverbot für Holocaustleugner“ aufgeregt habe. Wenn Sie die Posts des Herrn Datko hier verfolgen, dann kann es schon leicht sein, dass einem die Hutschnur zum Brennen anfängt. Egal, alles is vorbei und wieder gut. Von daher weitermachen, schönen Abend/Wochenende…
    An die Redaktion: Einen IgnorDatko Button hätte ich aber doch noch gern :)

    Nix für unguat.
    Maddin

  • Mathilde Vietze

    |

    Lieber Roland Hornung, ich möchte Dir auf die-
    sem Wege ein Dankeschön sagen für Deine fun-
    dierten und sachlichen Diskussionsbeiträge.
    Bis bald!

  • Roland Hornung

    |

    Liebe Mathilde,

    vielen Dank !

  • Sir Sonderling

    |

    Das preisgeben des eigenen Namens hat bei Herrn Datko in meinen Augen weniger mit Courage als mit pathologischen Faktoren zu tun.
    Insofern bleibe ich gerne in meinem Pseudonym, ich muss nicht überall meinen Namen lesen.
    Sicher, Bernhard – freie Meinungsäußerung ist absolut selbstverständlich und unverzichtbar. Aber wie Maddin geschrieben hat – es grenzt an Spam wie Herr Datko hier alle Diskussionen an sich reissen und vereinnahmen will. Manchmale erinnert er mich an den guten alten Dr. Ben – denn der hat auch „zu allem etwas zu sagen“. ;-)

    Servus,
    Sir

  • Bernhard Segerer

    |

    [offtopic]
    Dr. Ben! Auch ich war eine kleine Schleimischnecke die dessen „Lebenshilfe“ immer wieder gern in Anspruch nahm! Vielleicht bin deshalb so resistent gegen Vielschreiber?
    [/offtopic]

  • Joachim Datko

    |

    Zu „#Lieber Roland Hornung, ich möchte Dir auf diesem Wege ein Dankeschön sagen für Deine fun-
    dierten und sachlichen Diskussionsbeiträge.
    Bis bald!
    Von Mathilde Vietze am 07. Feb 2009, 09:09 Uhr“
    =====
    Die Beiträge von Herrn Roland Hornung sind meiner Meinung nach zum Teil nicht fundiert und nicht sachlich.
    =====
    Beispiel:
    =====
    Ich hatte folgendes zur Webseite http://www.israelfreunde.eu
    geschrieben:
    ===
    Eigenartig, meiner Ansicht nach versuchen sie auf der Webseite massiv Fahne und Wappen der Bundesrepublik Deutschland zu vereinnahmen ( 18 x auf der Startseite). So etwas habe ich bisher auf keiner anderen Webseite gesehen.
    ===
    Die meiner Meinung nach nicht fundierte und nicht sachliche Antwort darauf:
    ===
    „# @ Datko
    Sollen wir statt der deutschen u n d israelischen Flaggen ( als Symbol für deutsch-israelische Völkerverständigung ) lieber Schornsteinfeger auf unsere website stellen, damit Sie zufrieden sind ???
    Von Roland Hornung am 06. Feb 2009, 13:51 Uhr“

  • Adalbert Singhuber

    |

    @ Dakto:

    Der Jammer mit den Weltverbesserern ist, daß sie nicht bei sich selber anfangen.

    Mark Twain

  • maddin

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    er kanns nicht lassen. Redaktion – wo ist der IgnorDatko-Knopf?

  • Schlechte Nachricht für Williamson-Fans | Regensburg Digital

    |

    […] Williamson ist beileibe nicht der erste und einzige Piusbruder, der in der Vergangenheit mit Volksverhetzung und antisemitischen Äußerungen aufgefallen wäre. Allerdings war wohl es erst die gesteigerte Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit gegenüber der Bruderschaft, die schließlich zu zwei Ausschlüssen und deutlich distanzierenden Aussagen führte. Kurz vor Veröffentlichung von Williamsons Aussagen in Fernsehen und Internet hatte Papst Benedikt die Exkommunizierung der Piusbruderschaft aufgehoben und sie wieder in den Schoß der… […]

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