Archiv für 6. Februar 2009

Haben Konzepte gegen ästhetisches Analphabetentum: Morsbach, Götz und Brekle. Fotos: AignerErfreut war der eine oder andere Hausbesitzer in der Regensburger Altstadt, als er vom Vorstoß des CSU-Fraktionsvorsitzenden Christian Schlegl erfuhr. Der hatte Mitte Januar einen Antrag an die Verwaltung gerichtet, um Konzepte zur Bekämpfung von Graffiti-Schmierereien prüfen zu lassen. Von Zuschussmodellen für private Hausbesitzer ist die Rede, von einem Graffiti-Beauftragten und von sozialpädagogischen Maßnahmen. Das klingt vielversprechend und freut nicht nur Hausbesitzer, sondern auch die Regensburger Altstadtfreunde. Der traditionsreiche Zusammenschluss Regensburger Bürgerinnen und Bürger hatte der Stadtverwaltung Ähnliches bereits im Juli 2006 vorgeschlagen. Doch weder bei der Verwaltung, noch bei den Stadtratsfraktionen oder in bürgermeisterlichen Büros stießen die Denkanstöße auf nennenswerte Resonanz. Und so trafen sich am Freitag Dr. Peter Morsbach, Professor Herbert Brekle und Dr. Thomas Götz am Freitag mit Medienvertretern, um ihr Konzept im Kampf gegen Schmierereien nach langem Warten auch der breiten Öffentlichkeit vorzustellen. Vorneweg: Als Graffiti wollen die drei besagte Schmierereien nicht bezeichnet wissen. „Das ist eine Kunstform. Was sich in der Altstadt abspielt, ist ästhetisches Analphabetentum“, sagt Thomas Götz am „Tatort“ Einhorngässchen, wo sich diese Einschätzung eindrucksvoll belegen lässt. Aus zehn europäischen Städten – von Pforzheim bis Bologna – haben die Altstadtfreunde Erfahrungen und Konzepte zusammengetragen, die sich bewährt haben. Nun werde es Zeit, diese Anregungen auch in Regensburg aufzugreifen, fordern die drei. „In den letzten Jahren hat das Problem erkennbar zugenommen“, so Morsbach. Das habe auch mit einer gewissen Tatenlosigkeit der drei größten Immobilienbesitzer – Stadt, Freistaat und Kirchenverwaltung – zu tun. Insbesondere das schnelle Entfernen von Tags, überdimensionierten Penissen oder Sprüchen wie „Fick Türke“ (an der Stadtmauer beim Peterstor) sei ein wesentlicher Baustein, um langfristige Erfolge zu erzielen, erläutert Götz die gesammelten Erfahrungen. „Wo nichts passiert, nehmen die Schmierereien zu.“ Das zeige unter anderem der bunt besprühte Trunzerblock am Donaumarkt. „Das greift mittlerweile in die ganze Ostnerwacht aus“, so Morsbach. Und abgesehen davon, dass das für Privatbesitzer ein zeit- und kostenaufwändiges Prozedere ist, die Fassaden regelmäßig zu reinigen, fehle es eben vor allem bei den Immobilien von Stadt, Freistaat und Kirchenverwaltung an einem konsequenten Vorgehen. „Man bekommt den Eindruck, als hätten die drei schon resigniert“, sagt Brekle. Erst wenn hier ein Umdenken einsetzt, machen auch Anstrengungen privater Hauseigentümer wirklich Sinn. Zur Galerie im Einhorngässchen ...Ein paar Beispiele aus anderen Städten: In Bologna arbeitet die Stadt mit den dortigen Handwerkervereinigungen zusammen, um Hausbesitzern Sondertarife für eine schnelle und kostengünstige Reinigung bieten zu können. Die Stadt hat dafür einen Geldtopf von 170.000 Euro bereitgestellt. In Bielefeld gibt es ein sogenanntes stadtklar-Mobil, eine schnelle Eingreiftruppe qualifizierter Handwerker, die aus einem Topf finanziert werden, in den jeder Hauseigentümer jährlich 30 Euro einzahlt. Ebenso in Pforzheim oder Freiburg. Da wäre doch ein ähnliches Modell für Regensburg denkbar, oder? Einer der darauf wartet, ist Erich Gerlach. Von der Fassade seiner Schmuckwerkstatt in der Weingasse entfernt er alle vier bis sechs Wochen die Sprühereien. Was die Stadt tun soll? „Wichtig ist, dass endlich irgendetwas passiert“, sagt er sichtlich genervt. Das könnte nun der Fall sein. Immerhin hat Christian Schlegl einige Vorschläge der Altstadtfreunde in seinem Antrag aufgenommen. „Bei Vorschlägen die von außen kommen reagiert die Verwaltung inklusive Spitze immer etwas zurückhaltend“, meint Professor Brekle. Nun kommt die Anregung von der Mehrheitsfraktion. „Das begrüßen wir und hoffen, dass nun endlich gehandelt wird.“ P.S.: Dass der Ordnungsdienst, den die Stadt Mitte des Jahres zum Einsatz bringen will, die Situation in Sachen Schmierereien entspannen könnte, wie zuletzt von Oberbürgermeister Hans Schaidinger prophezeite, glauben die Altstadtfreunde übrigens nicht. Thomas Götz: „Ein Ordnungs- und Sicherheitsfanatismus bringt gar nichts. Es geht darum, dass die Gebäude gereinigt werden. Das sind auch die Erfahrungen anderer Städte.“ Ein Katz-und-Mausspiel mit den städtischen Ordnungshütern könnte für manche Sprayer dagegen erst der „richtige Kick“ sein.

Paranoide Speichelsammler

Sicherheit geht uns alle an. Deshalb ist folgender Bericht, der heute in der Auto Bild erschienen ist, durchaus erwähnenswert. Er zeigt nämlich, wie wenig manchen unserer Volksvertreter der Datenschutz ihrer Auftraggeber wert ist. Auto Bild zufolge fordern mehrere Unionspolitiker „freiwillige“ Speichelproben, die Autofahrer im Rahmen von Verkehrskontrollen abgeben könnten. Im Raum Ludwigsburg – dort wird […]

Bischof Müller: Holocaustleugner raus aus dem Klerikerstand

Erneut hat der Regensburger Bischof Gerhard Ludwig Müller eindeutig Stellung bezogen und den Ausschluss von Holocaustleugner Richard Williamson aus dem Klerikerstand gefordert – „freiwillig oder zwangsweise“. In einem Brief, der auf Bitte von Müller bei allen Sonntagsmessen im Bistum verlesen werden soll, nimmt der Regensburger Bischof aber auch erneut den Papst in Schutz und spricht […]

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