Kein Frühling für Faschisten

Gerhard Beham hat früher als Assistent für Joachim Fest gearbeitet. Bei den Dreharbeiten für den Film „Hitler – eine Karriere“ hat er gemeinsam mit Fest zahlreiche Filmarchive gesichtet. „Dort habe ich Dinge gesehen, die bis heute nicht in der Öffentlichkeit gezeigt wurden und die man wahrscheinlich auch nicht öffentlich zeigen kann. Sie sind zu brutal.“ Spätestens seit dieser Zeit beschäftigt sich der Künstler mit dem Thema Faschismus. „Das Hauptproblem sind nicht DVU und NPD, sondern dass sich ein latenter Faschismus zunehmend durch alle Schichten der Gesellschaft zieht – vor allem in der Mittelschicht.“ In der Angst, ihr bisschen Wohlstand zu verlieren, schrien immer mehr Menschen nach einer starken Führung, so Beham. NPD und DVU profitierten nur von dem Spannungsfeld, in dem verschiedene Gesellschaftsschichten, wie etwa Hartz IV-Empfänger und Niedriglohnempfänger, gegeneinander ausgespielt würden. „Kein Frühling für Faschisten“ heißt denn auch die Ausstellung, die er im Mai 2009 zum ersten Mal öffentlich gezeigt hat und die seit Freitag im Café Picasso hängt. Comicartige, bunte Scherenschnitte – vor allem für Jugendliche gedacht. „Auf sie zielt die NPD ab.“ Und die Leute sollten wissen, dass diese Partei für die Todesstrafe, Revanchismus und in der Tradition eines menschenverachtenden Systems stehe. Anlass der Ausstellung ist die Aktion „Keine Bedienung für Nazis“. Nach dem Überfall einer Gruppe von Neonazis auf das Picasso, bei dem ein Barkeeper krankenhausreif geprügelt wurde, haben sich mittlerweile 110 Wirte zusammengeschlossen und eine entsprechende Erklärung unterzeichnet. Beham hat aus den Medien von der Aktion erfahren und seine Ausstellung kostenlos zur Verfügung gestellt, die bis zum 18. Oktober zu sehen sein wird. Das Bündnis scheint sich mittlerweile zum Selbstläufer zu entwickeln – mehrere Brauereien wollen ihre Abnehmer über das Bündnis informieren, die Tourismus GmbH hat die Aktion als überregionalen Werbeträger für Regensburg entdeckt und schreibt Hotels an, mit der Bitte, die Erklärung zu unterzeichnen. Freilich stellen sich auch erste Probleme ein – ein Aufkleber, mit dem ein sichtbares Zeichen an Kneipen und Gaststätten zeigt, wer hier eigentlich unerwünscht ist, wird nach wie vor diskutiert. „Der Aufkleber soll nicht zu aggressiv sein“, so Sprecher Juba Akili. Vielleicht findet sich ja bei Gerhard Beham eine Anregung.

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Kommentare (4)

  • Stefan Pfandl

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    „…mehrere Brauereien wollen ihre Abnehmer über das Bündnis informieren, die Tourismus GmbH hat die Aktion als überregionalen Werbeträger für Regensburg entdeckt…“

    Das ist an Verlogenheit kaum zu überbieten.

    So wird aus einer Selbstverständlichkeit Kapital geschlagen.
    Es ist kaum anzunehmen, dass sich wirklich jeder Wirt, der diese Erklärung unterzeichnet hat, auch daran hält. Und den scheinheiligen Brauereien ist es doch wurscht, wer ihr Bier säuft.

  • grace

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    Bei den Vorgängen in z.B. Stuttgart und Berlin frage ich mich eher: „Herbst für Demokraten?“

  • George Bush

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    @Stefan Pfandl: Du hast nicht recht.

  • Stefan Pfandl

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    @George Bush

    Ach so! Du kommst jetzt wohl in keine Regensburger Kneipe mehr rein?

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