Koalition kickt Gottl aus dem Gutachterausschuss

Das Thema war rasch abgehandelt. Reiner Gottl gehört dem Gutachterausschuss ab dem 1. November nicht mehr an. Das langjährige Mitglied wurde im Vorfeld – offenbar auf Drängen von Hans Schaidinger – von der Liste der Mitglieder gestrichen. In der Sitzung des Planungsausschusses am Donnerstag nickte die große Koalition die Liste – mit den Stimmen von FDP und Grünen – pflichtgemäß ab. Wie mittlerweile bekannt wurde, hatte die Causa Gottl auch innerhalb der SPD für einige Diskussion gesorgt. Um die große Koalition nicht zu gefährden, knickte man aber offenbar ein. Stadtrat Dr. Gero Kollmer (CSB) hatte im Vorfeld der Abstimmung dafür plädiert, Gottl wieder in das Gremium aufzunehmen. Man solle das Thema Gutachterausschuss und Konflikte bei der Stadtbau voneinander trennen, so Kollmer. Reiner Gottl war – als ehemals leitender Angestellter bei der Stadtbau – jahrelang Attacken des mittlerweile gefeuerten Geschäftsführers Martin M. Daut ausgesetzt gewesen. Es gab mindestens 26 Arbeitsgerichtsprozesse, von denen Gottl nahezu alle gewann bzw. Vergleiche zu seinen Gunsten erzielte. Oberbürgermeister Hans Schaidinger war – in seiner Eigenschaft als Aufsichtsratsvorsitzender der städtischen Tochtergesellschaft – untätig geblieben (Ein vertonter Kommentar dazu). Nachdem Gottl sich – im Rahmen von Kommentaren und Leserbriefen – öffentlich zu der Affäre äußerte, veranlasste der OB während des Kommunalwahlkampfs eine Pressemitteilung, in der eine Niederlage Gottls vor dem Arbeitsgericht öffentlich gemacht wurde. Unter voller Namensnennung Gottls. Der kandidierte seinerzeit für die CSB. Auf den Einwand von Kollmer reagierte der OB am Donnerstag gelassen. „Die Verwaltung ändert ihre Vorlage nicht.“ Der Gutachterausschuss könne Gottl ja, wenn er wolle, nachträglich aufnehmen. „Falls der Vorschlag von Herrn Kollmer keine Mehrheit findet“, so ein zufrieden grinsender Schaidinger. Dass Irmargard Freihoffer (Linke) die Ablösung Gottls für „sehr sonderbar“ hielt – die Verwaltungsvorlage weise schließlich ausdrücklich darauf hin, dass man nicht genügend qualifizierte Sachverständige für den Ausschuss habe finden können – nötigte Schaidinger keine Reaktion ab. Er rief zur Abstimmung. „Gibt es Gegenstimmen. Das ist nicht die Mehrheit.“ Nächstes Thema. Die Koalition musste nicht einmal die Händchen heben, um einer jahrelangen Mobbing-Affäre eine weitere Fortsetzung zu verschaffen.

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Kommentare (6)

  • Uwe Fritz

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    Da sitzen die gescheiten Politiker nach der Stadtratssitzung im Hofbräuhaus. Einer jammert das ihm die Frau abgehauen ist. Er fragt in die Runde, kann mir wer sagen wo ein Waschsalon zu finden ist? Sagt da Sell, da gehst zur Stadtbau runter. Sagt da Ander, du Depp, der meint doch nicht fürs Geld.

    Der Sell und der Ander könnten reale Personen sein. Es entsteht irgendwann die Möglichkeit, dass ein Haus, eine Liegenschaft oder vielleicht sogar eine marode GmbH zum Kauf ansteht. Da ist es doch prima wenn keiner sachverständig oder kompetent ist. Also von da her, läuft doch prima.

    Hat eigentlich irgendwer nachgefragt, ob am Donaumarkt der Boden kontaminiert sein könnte oder ob im überteerten Kriegsschutt Blindgänger zu befürchten sind. Ist ja eh Wurscht, sind wir froh das diese GmbH mehr als einen Euro einbrachte, zum Skaten ist die Hugelpiste gut genug. Die teuerste Skatebahn Europas mit Ausblick zu Kunst am Bau. Die Holzbalken sind doch Kunst? Oder nur Fachwerk stilisierend? Wie auch immer, liebe Stadtbau wir anken dir dafür.

    Wenn jetzt keiner einen Fehler machen will und dennoch eine Begutachtung von Nöten ist, was dann? Gut wenn man dann verlässliches Seilschaften hat, warum soll sich ein Fremder abmühen müssen, wenn es ein Kumpel viel besser und gefälliger machen kann. Schließlich kostet das nicht mal des Doppelte.

    Man traut dem Streithansel alles zu und wird enttäuscht. Wieder mal untätig geblieben.

    „sehr sonderbar“, irgendetwas irritiert mich noch. Ach, schon wieder die Abstimmung. Die Gegenstimmen waren nicht die Mehrheit. Gab es Enthaltungen? wenn ja, wie viele? An welchen Merkmalen wurde die Mehrheit erkannt? Sehe ich schon wieder ein sehr eigenwilliges Demokratieverständnis? „Schaidi, Schaidi“ bist ein ganz ein krummer ….. Demokratiekrümmer.

    Weil ich heute so gut drauf bin, gebe ich noch ein Einwortgedicht zum Besten. Gewidmet meinen Freund Dr. Konrad Brenninger. “DemokratiekrümmungsseilschaftsanhängerInen“

  • Desperado

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    So ist der Lauf der Dinge! Einst waren der Rainer (Gottl) und der Hans (Schaidinger) gute Parteifreunde, die sich duzten, was vielleicht auch damit zusammenhing, dass der Rainer Ortsvorsitzender der Schwabelweiser CSU war und sich der Unterstützung des ehemalgen Stadtbau-Chefs Winkler Rudolf erfreute. Der Rainer lieferte seinen Freunden von der CSU die notwendigen Infos, die benötigt wurden, um den Nachfolger des Winkler Rudi bei der Stadtbau den GF Brand los zu werden. Dass der Brand gehen muss, da waren sich der Winkler Rudi, der Schlegl Franz, der Schaidinger Hans und man staune der Hartl Norbert, der selber gerne Direktor der Stadtbau geworden wäre, einig. Der Rudi wollte seinen Protege Bach zum GF machen und der Rainer sollte Prokurist werden. Die Geschäftsführerstelle wurde ausgeschrieben und welch ein Zufall der ehemalige Mitarbeiter der LWS, das ist die Gesellschaft, die Probleme bekam und derentwegen Minister Sauter gehen musste, Martin M. Daut wurde Geschäftsführer. Hat da der Schaidingerfreund Sauter mit geholfen? Daut schlug Gottl zum Prokuristen vor und begab sich mit ihm gemeinsam in den vom Rudi geleiteten Verein der damischen Ritter. Wie im Märchen hätte es eine neverendingstory werden können, wenn der Rainer nicht versucht hätte am Stuhl des Daut zu sägen. Er hatte wohl die Unterstützung durch den Hans und weiterer Parteifreunde falsch eingeschätzt. Außerdem hat der Rainer intime Details aus dem Privatleben des Martin erzählt. Von dan waren sie sich gar nicht mehr gut. Nun traf man sich ständig vor Gericht und der ainer verzweifelte an seinen Parteifreunden, legte seinen Parteivorsitz nieder und wandte sich dem politischen Gegner dem Norbert (Hartl) und dem Lothar (Strehl) zu. Beide freute es dem Hans ab und an Schwierigkeiten bereiten zu können. Letztmals mit der Bestechungsgeschichte kurz vor der Kommunalwahl 2008. Der Rainer nutzte die Gelegenheit dem Martin nochmals eine reinzuwürgen und den Hans zu ärgern. Er trat der CSB bei, kandidierte für die CSB auf der Stadtratsliste auf Platz 2 und breitete in den Zeitungen seine Geschichte aus. Das ärgerte den Hans, deshalb ließ der von der städtischen Pressestelle verbreiten, dass der Rainer vor dem Landesarbeitsgericht einen Prozess verloren hattte. Das ärgerte den Rainer wieder, weil es eine Sauerei ist, wenn einer von der städtischen Pressestelle an den Pranger gestellt wird. Das meinte auch der Martin, der inzwischen ein erbitterter Feind des Hans ist und ankündigt dreckige Wäsche waschen zu wollen. Das wollte anscheinend der Rainer vor der Kommunalwahl 2002 auch, aber er hat aufgrund des Hinhaltens durch den Hans verzichtet und plötzlich war es zu spät. Aufgrund dieser Vorgeschichte ist die Entscheidung des Stadtrates nur eine logische Konsequenz. Der Rainer hat außerdem lernen können, wie sehr er sich auf den Norbert verlassen kann. Wer soll und kann und leid tun?

  • Huber

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    Lieber Desperado, ihre Ableitung zur Entscheidung des Planungausschusses ist schon sehr kurios. Können Sie dem überhaupt noch selbst folgen oder haben Sie über Jahre hinweg Informationen gesammelt?

  • Wisser

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    Zur Klarstellung:
    Bach hat 1996 unter Geschäftsführer Brand die Stadtbau verlassen. Er erhielt eine Professur. Gottl rückte als Vertreter von Bach auf dessen Posten nach. Kurz darauf erhielt Gottl auf Vorschlag von GF Brand vom Aufsichtsrat Prokura. Genauso wie der Vorgänger Bach. Mit Intrigenspielen und Postengeschachere hat das nichts zu tun.
    Lieber Desp. ein ganz normaler Vorgang, damit müssen Sie sich abfinden. Ihr Dossier sollten Sie in diesem Punkt berichtigen.

  • desperado

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    Hallo Wisser,

    die Grundstruktur der Darstellung wird von Dir auch nicht bezweifelt. Danke für die klare Aussage! Ein Gschmäckle bleibt und wirklich leid kann uns keiner der Beteiligten tun. Dem Rainer sei gesagt, Wisser, zuerst überlegen, mit wem man sich anlegt. Was andernfall herauskommt habe die jüngsten Ereignisse gezeigt. Das Regensburger Geflecht von Interessen und Beziehungen ist undurchschaubar.

  • Wisser

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    Lieber Desp.
    Ein Entscheidungsträger muss in der Lage sein, fachliches und persönliches trennen zu können. Das vermisse ich hier.

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