Kochstunde eines Komödianten

Foto: Armin Kübelbeck (Creative Commons-Lizenz Namensnennung-Weitergabe unter gleichen Bedingungen 3.0 Unported)
Da blickt – in Kampfeslust bereit – ein kleines Augenpaar mit hochgezogenen Brauen über den Rand einer randlosen Brille. Bis ganz wenig unterm Ende einer Unterlippe sammelt sich glänzend-blasiger Speichel. Allein die zusammengepressten Zähne verhüllen den Blick in einen Rachen. Das Grau am Stirnhaaransatz zieht scheinbar nahtlos sich herab zur matten bleichen Haut und bis zur Mitte färbt der fahle Ton sich dann in ein zernarbtes Rot. Das Fleisch zwischen Haut und Bein bereits etwas gedunsen. Aus seinem Hemdsärmel hervor – die Hand nach vorn zur Mahnung weit gereckt – drohen farblos-gelbe Knöchel hinter bleichen Nagelbetten, nur an den Kuppen staut sich noch etwas Blut. Den goldnen Ring am rechten Ort flankiert je rechts und links ein blasser Finger, fixiert vom angepressten Daumen, streckt sich ein mahnend krummer Zeiger in die Höh‘. Der Blick lässt keinen Zweifel zu. Er ist zu alledem entschlossen, was seiner und nur seiner Sache dient: Vertrauend auf die Kraft des ihm verliehenen Amtes setzt er auf die sedierende Wirkung seines Wortes bei Massen seiner Untertanenschar. Und dann ist jede Silbe toxisch, Brandstiftung an Aufklärung und Toleranz, vor der uns weder Anästhesist noch Feuerwehrmann retten kann, so seine Vision von Zukunft kommen wird: Weg mit den Mitteln für Kinder, von Anfang an! Konsequent bis zum Finale durchgekämmt wird Geld gemacht für Wichtigeres im Lande: Man nimmt es bei den Kindergärten, Schulen und Universitäten, da kann’s getrost und frei von Folgen eingestrichen werden. Man spart an Berufsausbildung und Hochschulen und steckt es in jene Taschen, in denen längst gierige Pranken ohne jegliche Kontrolle tiefer bohrend in den Säckeln die allerletzten Fäden aus den Nähten ziehend und zerreissend, dort alles greifen, um nun verborgen vor den Augen einer Öffentlichkeit mit Helfershelfern aus Finanz und Börse und ihren Werkzeugen aus Spekulation dann diesen angehäuften Reichtum vorm Zugriff eines derart gebeutelten Souveräns für sich zu mehren. Und bei Bedarf dem eigenen Nutzen dienend, den eignen Sprösslingen zum Wohl, die Schule und Studium privat und exzellent für teures Geld anzuschaffen, dort, wo nur mit hohen Summen abzugelten der Dienst am Zögling überhaupt noch geleistet wird. Wir dürfen diesem fahlen Gespenst nicht erlauben, sich als Fürsprecher der Angelegenheiten von Demos und Gemeinwesen zu präsentieren und seine Worte uns als Wahrheit zu verkaufen. Auch wenn dieses sich wieder und wieder auf die verbliebene Minderheit eines stets schrumpfenden Volksparteienvolkes berufend, die den Narkotisierungswellen verantwortungsloser Wahlkampfprofis (noch) nicht trotzend nach wie vor zur Urne laufend, dem ganzen faulen Zauber korrumpierter Politik sich andienend, so etwas wie legitimierten Mehrheitswillen vorzugaukeln sucht. Und doch vernimmt man schon den Chor der Geister, die er rief: sich mehrend von Stund zu Stund in unsrer Republik weit über Hessens Grenzen hinweg seinem Rezepte folgend uns eine gallenbittre Suppe anzutragen wollend.

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Kommentare (5)

  • Joachim Datko

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    Unser Bildungssystem ist meiner Meinung nach überfinanziert!

    Zitat: „Man spart an Berufsausbildung und Hochschulen“

    Mittlerweile ist bei uns ein regelrechter Bildungsfetischismus ausgebrochen. Mehr Geld für die Bildung, bedeutet die ewig gestrigen Strukturen beizubehalten. Meiner Ansicht nach ist das der falsche Weg. Primär sind Interesse, Intelligenz und Fleiß, der Rest ist sekundär.
    Je mehr Geld wir in den Bildungsbürokratismus stecken, desto mehr wird die Wirtschaft belastet.

    Wichtig wäre es jetzt z.B. die Hauptschüler zu entlasten und ihre Schulzeit um ein Jahr zu kürzen. Wir dürfen die Menschen nicht zu Sklaven des Schulsystems machen.

    Unser Schulsystem ist mit alten Kamellen überfrachtet, der Stoff hat oft Museumsreife. Man denke nur an Religion, da wird ein Weltbild von kriegerischen Hirtenvölkern vermittelt.

  • Roland Hornung

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    Ein grossartiger Artikel !

    “ Wir dürfen diesem fahlen Gespenst nicht erlauben, sich als Fürsprecher der Angelegenheiten von Demos und Gemeinwesen zu präsentieren und seine Worte uns als Wahrheit zu verkaufen…“

    Meine Zustimmung !

    Viele Grüße
    Roland Hornung

  • StuhloderSessel

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    Bei aller Ablehnung der „Politik“ Roland Kochs. Bei aller Wut diesem rechten Hetzer gegenüber. Bei aller Klarheit darüber, was dieser Verbrecher z.B. Flüchtlingen angetan hat…
    Weder seine Augen, seine Ohren, seine Zähne, seine Haut, noch sein Speichel haben irgendetwas mit seiner menschenfeindlichen Politik zu tun!

    Die Darstellung des Herrn Koch und seiner menschenverachtender Politik durch Herrn Mirwald ist weder lyrisch noch politisch.
    Vielmehr ist es eine typisch deutsche Reduzierung reaktionärer Politik auf Äußerlichkeiten in Pseudo-Goethtscher-Manier.

    „Der Blick lässt keinen Zweifel zu..“
    Nein! Der Blick des Herrn Koch ist irrelevant. Die Politik die er macht ist zu kritisieren. Er, Herr Koch, als Charaktermaske, ist verantwortlich zu machen für seine Politik. Sein Blick, seine Lippe, seine Augen etc. sind nicht zu kritisieren!

    Sollte ich ihr „Stilmittel“ nicht verstanden haben, Herr Mirwald, dann klären Sie mich bitte nicht auf: Das war Absicht.

  • grace

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    Immerhin hat Koch jetzt das Handtuch geworfen.
    PK um 12h30

  • gifthaferl

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    „Immerhin hat Koch jetzt das Handtuch geworfen.“

    Das würde ich so wirklich nicht sagen.
    Er macht demnächst einfach das, was er immer getan hat, ohne vorzugeben, dass es um was anderes gehe, und deutlich mehr Kohle gibt es dafür auch ganz offiziell und persönlich.

    Er erntet schlicht die Früchte seiner bisherigen Tätigkeit, wie es längst der allgemeine Brauch ist unter Politikern in Deutschland.

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