Regensburg Haber

Konflikt, der kein Konflikt ist, ist doch ein Konflikt

In der Affäre um die deutsch-türkische Zeitschrift Regensburg Haber hat sich nun der Internationale Kultur- und Solidaritätsverein (IKS) erneut zu Wort gemeldet.

Hat Altuner als Experten in den Integrationsbeirat berufen: Oberbürgermeister Joachim Wolbergs. Fotos: Stadt Regensburg/ as

Hat Altuner als Experten in den Integrationsbeirat berufen: Oberbürgermeister Joachim Wolbergs. Fotos: Stadt Regensburg/ as

Wie berichtet, hatte der IKS mehrere Facebook-Posts des Herausgebers Salih Altuner übersetzt, in denen dieser unter anderem den Völkermord an den Armeniern infrage gestellt und verschiedene Gruppen des PKK-Lobbyismus bezichtigt hatte. Damit trat der IKS eine Debatte über die Rolle des angeblichen Integrationsmagazins Regensburg Haber und Altuners Position als vom Oberbürgermeister berufener „Experte“ im Integrationsbeirat los. Oberbürgermeister Joachim Wolbergs ließ nun vergangene Woche nach einem Gespräch mit Altuner erklären, dass es keinen Konflikt gebe und alles so bleibe, wie gehabt. Der IKS hat dem OB einen offenen Brief geschrieben. Wir veröffentlichen ihn im Originalwortlaut.

Sehr geehrter Herr Oberbürgermeister Wolbergs,

leider haben wir nur aus der Presse von dem Ergebnis des Vermittlungsgespräches zwischen Ihnen und Herrn Altuner erfahren.

In einer Demokratie sollte es doch möglich sein, dass Antirassist_innen ablehnen, mit denjenigen an einem Tisch zu sitzen, die rassistisch agieren. So haben wir ausführlich erläutert, warum wir als IKS an diesem Gespräch nicht teilnehmen wollen. Wir bedauern es sehr, dass wir daraufhin keinerlei Antwort erhalten haben, obwohl wir klar signalisiert hatten, dass die Ablehnung nicht an Sie gerichtet ist.

Im Gespräch mit Herrn Altuner haben Sie klargestellt, dass der Völkermord an den Armenier_innen auch als solcher bezeichnet werden muss. Herr Altuner habe den Facebookeintrag gegen Herrn Sarik inzwischen gelöscht. Wir konnten jedoch bislang keine öffentliche Entschuldigung finden. Hinzu kommt, dass in dem Beitrag auf der Facebookseite von Regensburg Haber, der gegen den IKS, die HDP und die Alevitische Gemeinde gerichtet ist, immer noch vom „angeblichen Völkermord“ die Rede ist. Es gibt uns auch zu denken, dass die hetzerischen Beiträge gegen den IKS, die HDP und die Alevitische Gemeinde von Ihrer Seite her keine Erwähnung wert sind.

„Kritiklos gegenüber Rassismus, um oberflächlich Ruhe zu haben.“

Auch wir wünschen uns ein friedliches Zusammenleben in Regensburg – und der ganzen Welt. Dieser Wunsch darf jedoch nicht dazu führen, dass wir kritiklos gegenüber Rassismus sind, um oberflächlich Ruhe in der Stadt zu haben. Regensburg rühmt sich immer wieder, dass es entschieden gegen rechts eintrete. Gilt dies nur für Rassismus, der von „Deutschen“ ausgeht?

Wir haben aufgrund unserer Veröffentlichung der Übersetzungen viel Solidarität und Anerkennung erfahren. Vielen Menschen, Gruppen und Kommunalpolitiker_innen ist es ein großes Anliegen, dass Rassismus jeder Art konsequent bekämpft wird. Es ist uns unverständlich, dass die Stadt Regensburg hingegen ohne echte Auseinandersetzung die kurzzeitig eingestellte Zusammenarbeit mit Regensburg Haber jetzt wieder uneingeschränkt fortführt.

„Hoffen, dass sich der Integrationsbeirat damit auseinandersetzt.“

Das Ergebnis des Vermittlungsgespräches ist für uns als IKS nicht bindend. Wir hoffen auch, dass sich der Integrationsbeirat als eigenständiges Gremium beweisen wird. Dann wird er sich sehr wohl mit dieser Angelegenheit auseinandersetzen. Falls er dies nicht tun sollte, stellen wir seine Bedeutung in Frage. Denn das hieße ja, dass der Integrationsbeirat nur vorgegebene Inhalte diskutieren darf.

„Ausgangspunkt war eine bewusst rassistische Veröffentlichung.“

Abschließend möchten wir noch einmal erwähnen, dass unsere Pressemitteilung keinen Konflikt zwischen „ausländischen“ Gruppierungen in Regensburg dargestellt hat. Im Gegenteil war der Ausgangspunkt eine bewusst rassistische Veröffentlichung von Regensburg Haber. Außerdem sehen wir uns als Teil dieser Stadtgesellschaft und halten die künstliche Trennung in „hier“ vs. „da“ und „wir“ vs. „die“ für politisch zu kurz gedacht.

Der IKS steht seit seiner Gründung für das friedliche Zusammenleben verschiedener Bevölkerungsgruppen. Gerade deshalb treten wir entschieden gegen Rassismus jeder Art ein und werden dies auch in Zukunft tun.
 
Mit freundlichen Grüßen,
 
Necati Güler
stellvertretend für den IKS

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Kommentare (9)

  • joey

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    Hat Herr Altuner die deutsche Staatsbürgerschaft?

    Dann gehört er zu uns. Und sollte sich so benehmen: ein deutscher Politiker wäre längst zurückgetreten. Demokratie macht den Wechsel möglich, lebt von der Alternative. Es gibt sicher noch genügend andere Menschen mit Integrationserfahrung, denen man besser vertrauen kann.

  • hf

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    @joey: wtf? seehofer, söder, demaiziere, alles rassisten, keiner tritt zurück. im gegenteil, die treten jetzt erst richtig an! im übrigen setzen deutsche politker aktuell wieder auf erdogan (ober-genozid-leugner), der soll unsere außengrenzen verteidigen.

    die rede vom „angeblichen integrationsmagazin“ ist übrigens mindestens so verunglückt, wie die vom „angeblichen völkermord“, beides unterstellt verlogenheit. die ganze haber-redaktion, die sich übrigens von den äußerungen altuners distanziert hatte, und damit die gesamte türkische gemeinde so zu verurteilen, das ist nicht statthaft, ob dies nun vom IKS oder von RD stammt.

    necati güler allerdings hat sich mit diesem brief untragbar gemacht.

    erstens wirft er ausgrechnet wolbergs vor, zu wenig gegen rechts und für völkerverständigung zu tun. ausgrechnet wolbergs. spinnt der?

    zweitens, indem er uns deutsche kollektiv zur parteinahme aufruft, in einem konflikt zwischen türkischen ethnien, den wir nicht zu beurteilen haben. wir müssen wohl den völkermord und die unterdrückung der minderheiten festestellen und bedauern, aber auch die gewaltbereitschaft und die tendenz dieser minderheiten, in ihren jeweiligen machtbereichen (soweit vorhanden) ähnlich patriarchalisch, rassistisch und gewalttätig verfasst zu sein. gewalt und gegengewalt, das hat wenig damit zu tun, wer die dickeren panzer fährt.

    drittens kann sich güler seine dialogpartner eben nicht aussuchen. integration bedeutet, dass jeder protagonist sein daseinsrecht unabhängig von der zustimmung des anderen hat. das ist in der tat die hauptlektion, die güler zu verstehen ablehnt. dass man sich sofort auf einen konsens einigen würde, das ist illusiorisch; es kann nur ein langer steiniger weg werden. altuner hat die kreide gefressen und regensburg haber ist laut anordnung wolbergs‘ jetzt auch die bühne für IKS, HDP und die aleviten. güler soll ja nicht gleich altuners bester kupel werden, aber er hat uns deutschen und auch den gemäßigten bis linken türken gegenüber die verdammte pflicht, sich zu erklären. also dialog. verweigert güler das, verweigert er integration.

    dann muss er auch raus aus dem beirat.

  • Anonym

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    Ich habe an der Sache leider nichts beizutragen. Darum nur mal Rande:

    „Völkermord an den Armenier_innen“

    Diese Sprache ist anstrengend. Was wäre so schlimm an „Armeniern“, das schließt alle mit ein. Es hieße auch nicht „Völkermord an den Deutsch_innen“.

  • joey

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    @hf
    Der Völkermord an den Armeniern ist historisch nachgewiesen. Wir haben das zu beurteilen, weil es universale Menschenrechte gibt. Seehofer können Sie bald wieder nichtWählen, Altuner wurde von Stadtrat und Wolbergs berufen.

  • Bert

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    @hf

    1. Necati Güler muss nicht raus aus dem Beirat. Er sitzt da gar nicht drin. Der Vertreter des IKS im Beirat ist – im Gegensatz zu Altuner – gewählt und nicht berufen.

    2. Die Entschuldigung der Redaktion ohne namentliche Unterzeichner war ganze drei Tage online und nicht einmal in der Sprache verfasst, in der die Äußerungen Altuners stattfanden. Diejenigen, die Herr Altuner verhetzt hat, wurden damit also gar nicht erreicht. Siehe: http://www.regensburg-digital.de/regensburg-haber-seltsame-entschuldigungen-und-verschwundene-stellungnahmen/14082015/ Für mich sah das Ganze nach einem durchsichtigen, taktischen Manövewr im Vorfeld der Berichterstattung durch die Donaupost aus.

    3. „Angebliches Integrationsmagazin“ trifft es in meinen Augen ziemlich gut. Nur weil Texte auf türkisch und deutsch erscheinen hat das nichts Integratives, v.a. dann wenn die Texte nicht jeweils übersetzt werden. Werbung für und regelmäßige Beiträge der UETD im Magazin…na ja. Inwiefern der Begriff die „gesamte türkische Gemeinde verurteilt“ oder dasselbe sein soll wie die Leugnung eines Völkermords bleibt Ihr Geheimnis.

    4. Nicht der IKS hat den Konflikt angefangen. Herr Altuner hat auf der Facebook-Seite des Magazins hetzerische Parolen verbreitet. Die Aussagen gegen Herrn Sarik stammten vom April und wurden erst gelöscht, nachdem der IKS sie öffentlich gemacht hatte. Wenn Güler darauf verweist, dass es nicht um eine Konflikt zwischen IKS und Altuner geht, dann hat er einfach nur recht.

    5. Weswegen sollte Her Güler auch den Dialog mit Herrn Altuner suchen, nachdem der den IKS auf der RH-Facebookseite als PKK-Lobbyisten und ähnliches bezeichnet? Inwiefern ist er verpflichtet, sich zu erklären? Erklären sollte sich zunächst Herr Altuner. Doch was ist von ihm bislang gekommen? „Wer mich kennt, der weiß, dass ich nicht so bin.“ So, so…

    5. Herr Wolbergs macht sicher vieles richtig, für manche (Sie) mag er sogar unfehlbar sein, aber damit, ihn zu kritisieren, macht man sich längst noch nicht untragbar. Seine Pressemitteilung zu dem Thema liest sich wie ein Dekret aus der Prawda.

  • hf

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    @joey: bitte unterstellen sie mir jetzt nicht, ich würde den genozid leugnen.

    @bert: danke für die info; gut, dass güler nicht im beirat sitzt. dennoch sitzt er seinem vertreter vor. das geht also nicht gut zusammen. er sollte abtreten und jemanden ranlassen, der zu einem dialog bereit ist.
    die entschuldigung altuners, sein bedauern über seine äußerungen und die seiner facebook-freunde sowie dass die redaktion sich davon distanziert hat, stand in einer regensburger zeitung. lesen müssen sie selber.
    güler hat sich ja nicht nur mit altuner, sondern mit dem ganzen medium haber angelegt. dass türkische journalisten mehr oder weniger türkische sichtweisen vertreten ist wichtig und richtig. rassistische äußerungen stehen auch in der bild, in der welt, im wochenblatt und der mz. güler hat die sache mit der freien meinungsäußerung wohl nicht ganz verstanden. das privileg, in einem fremden medium eine ganze ausgabe gewidmet zu bekommen, das ist presserechtlich schon ein starkes stück, eine heftige demütigung für altuner. gülers arroganz schadet beiden seiten.
    und auch die rolle wolbergs‘ besteht nicht darin, altuner das maul zu verbieten, weil dessen poltische feinde es fordern. hätte er regensburg haber die mittel gestrichen, den kommunikationsweg der stadt in die türkische gemeinde gekappt, wäre das noch viel undemokratischer gewesen.
    der prawda-vergelich, naja, das ist halt absicht, alles liest sich so, wie man es eben liest. das schwein liegt im auge des betrachters.

    damit ist die angelegenheit für mich beendet. :-)

  • Straight Outta Oberpfalz

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    Na dann,…..auf eine baldige Kolumne vom Oberbürgermeister in der „Stadtzeitung“.
    Aber nur wegen der Kommunikation,……..mit der Leser-Gemeinde natürlich,
    versteht sich…… Super cool:
    Locker bleiben und keinen auf Schaidinger machen: Super eazy, „Supergeil“!

    R. W. A.

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