Entdecke Veranstaltungen in Regensburg Alle Kultur Oekologie Soziales Kino

Unterstützen Sie unabhängigen Journalismus für Regensburg!

Hallo. Schön, dass Sie hier lesen oder kommentieren. Fast noch mehr freuen würden wir uns, wenn Sie die Arbeit von regensburg-digital mit einem kleinen (gern auch größerem) Beitrag unterstützen. Wir finanzieren uns nämlich nur zu etwa einem Drittel über Werbeanzeigen. Und für die gibt es bei uns auch ausdrücklich keine zusätzliche Gegenleistung, etwa in Form von PR-Artikeln oder Native Advertising.

Mehr als zwei Drittel unseres Budgets stammt aus Spenden – regelmäßige Beiträge von etwa 300 Mitgliedern im Verein zur Förderung der Meinungs- und Informationsvielfalt e.V.

Anders ausgedrückt: Wir bauen auf Sie – mündige Leserinnen und Leser, die uns freiwillig unterstützen. Seien Sie dabei – mit einem einmaligen oder regelmäßigen Beitrag. Herzlichen Dank.

Spenden Sie mit
Kolumne

Morgen, Regensburg! Vielleicht charmant, sicher teuer

Ob nun bei der Anklage gegen die frühere Tafel-Chefin oder den Ermittlungen wegen Korruptionsverdachts bei der Regierung – manchmal dauert es einfach etwas länger. Lange gedauert hat es auch bis der AfD-Abgeordnete Nolte vom Verfassungsschutz überwacht wurde und ich bin gespannt, wie lange es dauert, die charmanten Zimmer einer WG am Fischmarkt zu vermieten. 

1. Anklage gegen frühere Tafel-Chefin noch nicht zugelassen

Der Schock saß tief, nachdem im August 2025 bekannt wurde, dass die frühere Vorsitzende der Tafel Regensburg Gelder im hohen fünfstelligen Bereich veruntreut haben soll. Mitvorstände in der Tafel konnten es zunächst gar nicht fassen.

Die CSU, auf deren Stadtratsliste Jonah L. stand, distanzierte sich nach anfänglichem Zögern. OB-Kandidatin Astrid Freudenstein lud zur Kaffeefahrt mit Medien durch soziale Einrichtungen ein, um zu zeigen, dass es nicht so schlimm sei, wenn die Tafel wegen der Ermittlungen ein paar Monate schließen muss.

WERBUNG

Geriet letztes Jahr groß in die Schlagzeilen: die Tafel Regensburg Foto: as

Nach kurzer Untersuchungshaft legte die Tatverdächtige ein Geständnis ab – am 12. Januar 2026 erhob die Staatsanwaltschaft Regensburg schließlich Anklage. Demnach soll die 50-Jährige 68.000 Euro veruntreut haben – 255 Fälle zwischen 2021 und 2025. Zudem gibt es weitere Vorwürfe in Zusammenhang mit einer Erbstreitigkeit.
 
Ob die Anklage zugelassen wird und es zu einer öffentlichen Hauptverhandlung kommt, ist allerdings nach wie vor nicht klar. Wie uns ein Sprecher des Amtsgerichts Regensburg mitteilt, ist mit einer Entscheidung „nicht vor Oktober“ zu rechnen.

2. Korruption bei der Regierung – es wird immer noch ermittelt

Noch länger ziehen sich die Ermittlungen wegen Korruptionsvorwürfen gegen Mitarbeiter bei der Regierung der Oberpfalz und einen schillernden Unternehmer und Tierarzt hin. Im Dezember 2024 durchsuchte die Staatsanwaltschaft Regensburg sechs Objekte in Regensburg, Schwandorf und Cham, darunter auch Büros der Bezirksregierung.
 
Der Vorwurf: Im Gegenzug für die vorzeitige Vertragsverlängerung einer Flüchtlingsunterkunft in Nittenau (Landkreis Schwandorf) soll Geld geflossen sein. Von 50.000 Euro ist die Rede. Regensburg-digital hatte zunächst exklusiv darüber berichtet.

Gilt als Vorzeigeobjekt: die Flüchtlingsunterkunft in Nittenau. Foto: as

Wurde ein Regierungsmitarbeiter geschmiert, um den Vertrag für eine Flüchtlingsunterkunft vorzeitig zu verlängern? Foto: Archiv/as

Gegen den Unternehmer, dessen Firmengruppe die Unterkunft 2015 errichtet hat, wird wegen Bestechung ermittelt. Ein pensionierter Regierungsmitarbeiter wird der Beihilfe zur Bestechung beschuldigt. Er soll angeboten haben, das Geld an einen unbekannten Entscheidungsträger bei der Regierung weiterzuleiten.
 
Doch nach bald einem Jahr und neun Monaten scheinen die Ermittlungen festzustecken. Im September 2025 teilte die Staatsanwaltschaft noch mit, dass die möglicherweise bestochene Person bei der Regierung bislang nicht ausfindig gemacht werden konnte. Es liefen noch Zeugenvernehmungen.
 
Nun fällt die Antwort knapper aus. Die Ermittlungen dauern weiter an, das Verfahren ist noch nicht abgeschlossen, so ein Sprecher der Staatsanwaltschaft. Wir fragen dann in ein paar Monaten nochmal nach.
 
Sowohl in Sachen Tafel als auch hier gilt selbstverständlich die Unschuldsvermutung.

3. Vielleicht die teuerste WG von Regensburg

Im Frühjahr 2026 lagen die Neuvertragsmieten in Regensburg laut dem Immobilienverband Deutschland bei 13,80 Euro für Altbauten und 16,10 Euro für Neubauten pro Quadratmeter. Auch 20 Euro und mehr pro Quadratmeter sind keine Seltenheit. Doch es geht noch teurer.

Ein charmantes Haus: das Gebäude am Fischmarkt 9.

In einem „charmanten Haus mitten in Regensburg“ wird aktuell „ein kleines Studentenwohnheim“ angeboten. Es geht um das Gebäude am Fischmarkt 9, wo bis vor gut vier Jahren die Metzgerei Kain war.

Ende März 2022 schloss Armin Kain den Traditionsbetrieb und verkaufte das Haus an die Danubia Grundbesitz Gruppe.

Seit Januar 2025 ist klar, dass in der früheren Metzgerei statt Fleisch und Wurst nun chinesische Speisen kredenzt werden. Seit kurzem weiß man auch, was aus dem darüber liegendem Wohnraum wird – besagtes Studentenwohnheim.

Das wird auf dem Portal kleinanzeigen.de als Ganzes angeboten – 6.200 Euro für knapp 250 Quadratmeter. Man kann die Zimmer in der „9-Zimmer-WG“ aber auch einzeln mieten. Dann werden für knapp zehn Quadratmeter Wohnfläche aber fast 600 Euro fällig.

Wer das als Wucher bezeichnet, liegt verkehrt. Schließlich sind die Zimmer alle fertig möbliert und fallen damit nicht unter den Mietspiegel.

4. Überwachung für Bananen-Nolte

Erinnern Sie sich noch an Benjamin Nolte – wegen eines rassistischen Ausfalls bei einer Studentenverbindung auch als „Bananen-Nolte“ bekannt? Der Sauerländer versuchte 2018 erfolglos als Spitzenkandidat der AfD Regensburg in den Landtag zu kommen. Im September desselben Jahres demonstrierte Nolte zusammen mit Gloria von Thurn und Taxis bei einer Kundgebung gegen Sexualkundeunterricht.

„Eine Form von Kindesmissbrauch“. Gloria von Thurn und Taxis mit dem damaligen AfD-Kandidaten Benjamin Nolte 2018 bei einer Demonstration gegen Sexualkundeunterricht. Foto: Archiv/Bothner

2023 später schaffte es der heute 44-Jährige dann über den Wahlkreis Weilheim-Schongau in den Landtag – und nun ist er nach Rene Dierkes (München) und Franz Schmid (Neu-Ulm) der dritte bayerische AfD-Abgeordnete, der vom Landesamt für Verfassungsschutz beobachtet wird. Das berichtet die Augsburger Allgemeine Anfang August.
 
Die rechtlichen Hürden dafür sind hoch, weil mit der Beobachtung in das freie Mandat eines Abgeordneten eingegriffen wird. Die Überwachung ist gerechtfertigt, wenn ein Abgeordneter sich gegen die freiheitliche demokratische Grundordnung wendet oder diese aktiv und aggressiv bekämpft.
 
Das scheint man bei Nolte so zu sehen. Er ist alter Herr der rechtsextremen Münchner Burschenschaft Danubia, forderte in der Vergangenheit die Abschaffung der Unvereinbarkeitsliste der AfD, die unter anderem regelt, dass frühere NPD-Mitglieder der AfD angehören.

Er zählt zum völkischen Flügel der AfD und pflegt enge Kontakt zur Identitären Bewegung und Aktivisten neonazistischer Parteien.

Zumindest haben ihn nicht die Regensburger in den Landtag gewählt, wo er von Steuergeldern finanziert dem Rechtsextremismus frönen darf.

Entspannte Restwoche!

Trackback von deiner Website.

SUPPORT

Ist dir unabhängiger Journalismus etwas wert?

Dann unterstütze unsere Arbeit!
Einmalig oder mit einer regelmäßigen Spende!

Per PayPal:

Per Überweisung oder Dauerauftrag:

 

Verein zur Förderung der Meinungs- und Informationsvielfalt e.V.
IBAN: DE14 7509 0000 0000 0633 63
BIC: GENODEF1R01

Kommentare (1)

  • Thilo B.

    |

    Metzgerei Kain in Regensburg: Im Januar 2022 beantragte Simon Lachner über fragdenStaat die Herausgabe von Kontrollberichten über den Betrieb. Wenige Wochen später, im März 2022, war die Metzgerei Geschichte. Natürlich beweist diese zeitliche Abfolge keinerlei Kausalität. Eine Betriebsschließung kann viele Gründe haben. Auffällig ist sie dennoch – insbesondere, wenn man weiß, dass Lachner aus dem Umfeld der Klimaprotestbewegung „Letzte Generation“ bekannt ist und die Anfrage gezielt auf lebensmittelrechtliche Kontrollunterlagen abzielte.

    Noch bemerkenswerter erscheint der Fall Alois Rainer. Ja war auch was.

    Am 28. April 2025 wurde zunächst – anonym – nach den lebensmittelrechtlichen Kontrollen bei der Metzgerei und dem Gasthof Rainer gefragt. Als die Angelegenheit nicht ohne Weiteres zum gewünschten Ergebnis führte, trat der Antragsteller später zusätzlich mit einem Presseausweis auf und berief sich auf journalistische Auskunftsrechte. Und während dieser erste Vorgang noch lief, stellte am 9. Mai 2025 ausgerechnet foodwatch selbst eine weitere Anfrage zum selben Betrieb – diesmal mit dem ausdrücklichen Wunsch nach den Kontrollen der vergangenen fünf Jahre.

    Man muss daraus keine Verschwörung konstruieren. Aber man darf sich fragen, wie zufällig solche Abläufe tatsächlich sind.

    Denn bei der Betrachtung zahlreicher VIG-Anfragen auf FragDenStaat fällt ein weiteres Detail auf: Es gibt eine ausdrücklich als „Mission Fleisch“ bezeichnete Kampagne, in deren Rahmen in konzentrierten Zeiträumen eine ganze Reihe von Metzgereien ins Visier genommen wurde. Die Anfragen sind teilweise nur wenige Tage voneinander entfernt und richten sich immer wieder gegen dieselbe Branche.

    Das ist zunächst völlig legitim. Das Verbraucherinformationsgesetz steht jedem offen, und Lebensmittelkontrollen sollen transparent sein. Auch Metzgereien haben keinen Anspruch darauf, dass mögliche Hygienemängel verborgen bleiben.

    Aber Transparenz funktioniert in beide Richtungen.

    Wenn eine Organisation gezielt Kontrollberichte von Metzgereien zusammenträgt, wäre es durchaus interessant zu wissen, nach welchen Kriterien die Betriebe ausgewählt werden. Warum gerade diese Metzgerei? Warum gerade zu diesem Zeitpunkt? Und werden vergleichbare Betriebe anderer Branchen mit derselben Konsequenz untersucht?

    Denn Bio-Supermärkte und Bioläden werden ebenfalls kontrolliert – und auch dort gibt es VIG-Anfragen. Was allerdings auffällt: Eine vergleichbare, ausdrücklich auf Bioläden oder Bio-Supermärkte ausgerichtete Kampagne ist auf FragDenStaat nicht in annähernd gleicher Weise erkennbar.

    Das macht aus den Vorgängen noch keinen Skandal. Aber es macht die Auswahl erklärungsbedürftig.

    Besonders bei Kain und Rainer sollte man deshalb zwei Dinge gleichzeitig festhalten: Eine zeitliche Abfolge ist kein Beweis für einen Zusammenhang. Wer behauptet, eine VIG-Anfrage habe eine Metzgerei zur Aufgabe gezwungen, müsste das auch belegen können. Gleichzeitig wäre es ebenso voreilig, jede auffällige Häufung als bloßen Zufall abzutun.

    Vielleicht ist die Erklärung ganz banal: Metzgereien sind für bestimmte Aktivisten schlicht interessanter als Bioläden, weil die Fleischproduktion aus ethischen oder politischen Gründen besonders kritisch gesehen wird. Dann wäre „Mission Fleisch“ genau das, was der Name vermuten lässt: eine gezielte politische Kampagne.

    Und gerade deshalb sollte man sie auch als solche benennen, insbesondere wenn man sich als Journalist der Informationsfreiheit verspricht

    Denn der eigentliche interessante Punkt ist möglicherweise gar nicht, ob Metzgereien kontrolliert werden. Natürlich werden sie kontrolliert.

    Die interessante Frage lautet vielmehr:

    Warum werden die Kontrollinstrumente bei manchen Branchen systematisch und kampagnenartig eingesetzt – und bei anderen, die denselben gesetzlichen Kontrollmechanismen unterliegen, offenbar deutlich seltener? Und warum wird dies, im Gegensatz zu den Anfeagen nicht auch journalistisch verarbeitet.

    Das darf man fragen, ohne bereits die Antwort vorwegzunehmen. In diesem Zusammenhang wäre auch der Status der Klage um Herausgabe der Kontrollberichte von Alois Rainer interessant.

    0
    0

Kommentieren

Ich bestätige, dass die hier von mir eingegebenen persönlichen Daten auf regensburg-digital.de bis auf Widerruf gespeichert werden dürfen.
drin