Flashmob am Bezirksklinikum

Protest gegen Personalmangel

Der Personalmangel an Krankenhäusern gefährdet die Gesundheit von Patienten und Beschäftigten, kritisiert die Gewerkschaft ver.di. An einer bundesweiten Protestaktion beteiligten sich am Mittwoch auch die Regensburger Krankenhäuser. Am Bezirksklinikum gibt es nach dem Pflegeförderprogramm der Bundesregierung gerade einmal eine neue Stelle.

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Es ist selten, dass Arbeitgeber und Beschäftigte einmütig miteinander protestieren. Am Mittwoch ist das anders. Auf einer Grünfläche in der Nähe des Schlaflabors beim Bezirksklinikum Regensburg haben sich gut 300 Krankenschwestern und Pfleger versammelt. Ein paar Ärzte sind dabei, aber auch Horst Meisinger und Dr. Fried Seier stehen stellvertretend für Vorstand und Direktorium der Medizinischen Einrichtungen des Bezirks Oberpfalz (medbo) zwischen den Beschäftigten, die Gewerkschaftstransparente und weiße Zettel mit aufgedruckten Zahlen in die Höhe halten.

Solche oder so ähnliche Bilder gibt es am Mittwoch vor zahlreichen Krankenhäusern bundesweit. In Regensburg beteiligen sich neben dem Bezirksklinikum auch die Uni- und Hedwigsklinik, das Evangelische Krankenhaus, Barmherzige Brüder und das Caritas-Krankenhaus an dieser „breit getragenen Aktion“, die es laut einer Pressemitteilung der Gewerkschaft ver.di „bisher im Gesundheitswesen in Deutschland noch nicht gegeben hat“. Zwischen Schichtwechsel und Mittagspause protestieren die Beschäftigten mit diesem kurzen Flashmob gegen den Personalmangel an Krankenhäusern.

„Pflegeförderprogramm“: Eine Stelle mehr fürs Bezirksklinikum…

162.000 Stellen fehlen laut Erhebungen der Gewerkschaft, die auch von den Arbeitgebern bestätigt werden. 70.000 davon im Pflegebereich. Entsprechend sind auch die Zettel mit den Nummern limitiert. Am Bezirksklinikum wurden 220 verteilt – so viel Personal soll also fehlen. „Nach dem Pflegeförderprogramm der Bundesregierung wurde hier aber gerade einmal eine Stelle bewilligt“, sagt der Personalratsvorsitzende Bruno Lehmeier.

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Wozu das führt, zeigt ein „Nachtdienstcheck“, dessen Ergebnisse Anfang März veröffentlicht wurden. Befragt wurden dabei mehr als 3.000 Beschäftigte an 237 Krankenhäusern, das sind etwa elf Prozent aller Kliniken bundesweit. Die Ergebnisse sind erschreckend.

Mangelnde Hygiene, kaum Pausen und gefährliche Situationen

An mehr als der Hälfte der untersuchten Kliniken ist eine Pflegekraft nachts für mehr als 25 Patienten zuständig. 59 Prozent der Pflegekräfte gaben dabei an, dass es in ihrem Nachtdienst aufgrund von Personalmangel eine „gefährliche Situation für Patienten“ gegeben habe. Fast 30 Prozent erklärten, dass die Handdesinfektion wegen des hohen Arbeitsdrucks vernachlässigt werde. Über 55 Prozent räumten ein, dass erforderliche Leistungen für Patienten nicht erbracht werden könnten. Bei nicht einmal acht Prozent der untersuchten Intensivstationen wird der Fachstandard von einer Intensivpflegekraft pro zwei Patienten eingehalten. Das Personal selbst könne aufgrund dieser Unterbesetzung kaum noch Pausen einhalten, so ein weiteres Ergebnis des Checks.

„Es muss endlich eine gesetzliche Regelung für eine ausreichende Personalbemessung an Krankenhäusern geben“, ruft Lehmeier den medbo-Beschäftigten am Mittwoch durchs Megaphon zu. Die applaudieren, warten noch kurz bis Fotos geschossen sind und eilen dann zurück auf ihre Stationen.

Gesetzentwurf sieht 7.000 Stellen vor

Die Aktion soll ein Signal sein für die Gesundheitsministerkonferenz der Länder, die am Mittwoch und Donnerstag in Bad Dürkheim (Rheinland-Pfalz) tagt. Die Tagesordnung für das Treffen ist umfangreich. Personalmangel gehört allerdings nicht zu den Schwerpunkten. Zeitgleich tagte in Berlin der Gesundheitsausschuss des Deutschen Bundestags. Den bislang vorliegenden Entwurf für ein Krankenhausstrukturgesetz, der am 11. Juni veröffentlicht wurde, kritisiert ver.di als unzureichend. Der sieht vor, bis 2018 lediglich 7.000 neue Pflegestellen zu schaffen.

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Kommentare (5)

  • neuerdings GartenPFLEGER

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    was in Berlin grade an der Charité abgeht muss JETZT bundesweit Schule machen. unbefristeter Streik mit weiterlaufender Notversorgung.
    Nur wenn bundesweit ein sinnvoller und realistischer Personalschlüssel / Mindestbesetzung gefunden wird, kann man im KH noch weiterarbeiten, ohne sich selbst und Patienten zu gefährden.
    Was den oftmals zitierten Fachkräftemangel betrifft : Meiner Meinung nach ein Ammenmärchen, was sich politisch gut für andere Zwecke verkaufen / instrumentalisieren läßt.
    Unter den derzeitigen Umständen ist es einfach kein Wunder, wenn qualifizierte Krankenpfleger/innen aus dieser Zwickmühle aussteigen und umsatteln auf andere Berufe oder nochmal das Studieren anfangen. Denn wenn man in dem Beruf
    Eines lernt, dann ist das die simple Wahrheit, dass man nur EINE Gesundheit hat – und die für einen Hungerlohn und `nen feuchten Händedruck zu opfern, sehen heutzutage die meisten einfach nicht mehr ein.

  • Hans

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    Es ist aber auch allerhöchste Zeit sich in den Branchen Gesundheit, Pädagogik, Post und Bahn vehement gegen Herrn Schäubles Streichorgien zur Wehr zu setzen. Er hat sich zu sehr daran gewöhnt dass in den Dienstleistungsberufen Friedhofsruhe herrschte. Soll er nun den Sturm ernten, den er und seine neoliberalen Konsorten gesät haben !

  • Toribio

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    Wer schon des öfteren im Klinikum Donaustauf war oder gar mal einen Verwandten dort stationär, vor allem auf der Pulmologie liegen hatte, kann bestimmt bestätigen, dass es dort so ist, wie im Bericht beschrieben.
    Scheinbar überlastetes Arbeits- und Pflegepersonal, vielleicht sogar wie oben beschrieben auch in Unterbesetzung?
    Da kam es schon des öfteren vor, dass sich das gebrauchte Geschirr von Früh, Mittag und Abend mal im Isolierzimmer stapelte, so dass die/der Patient(in) das Pflegepersonal darauf aufmerksam machen musste.
    Keine eigene, abgeschlossene Isolierstation für infektiös Erkrankte, sondern nur Isolierzimmer, verteilt über die Station, die dann später u. U. auch wieder für nicht mehr infizierte Patienten hergenommen wurden.
    Die Station war nicht abgeschlossen und es konnte jeder dort ein und aus gehen.
    Da bräuchte man sich nicht wundern, wenn es dort zu Keimbesiedelungen und Verschleppungen sowie zu resitenter Keimbesiedelung kommen könnte.
    Ich jedenfalls habe mich an den Besuchstagen dort nicht wohl gefühlt.
    Gänge vollgestellt mit Stationsbetten , die aus meiner Sicht von nicht sehr umgänglichen Personal gereinigt wurden.
    Ob später an den Betten und in den Zimmern Flächendesinfektionsmaßnahmen durchgeführt wurden entzieht sich meiner Kenntnis.
    Eine für mich sehr unfreundliche, aus meiner Sicht abgehobene, hochnäsige Stationsärztin , mit scheinbar wenig Gefühl für Patientenzuwendungung, Göttin ähnlich, ganz in Weiß, mit scheinbar geringer Angehörigen- und Patientenempathie, ließ mich mir schon die Frage stellen, ob die nun für die Patienten da war oder die Patienten für sie, als Platzhalter ihres Arbeitsplatzes.
    Gesprächstermine mit Stationsärztin, Oberärztin und Chefarzt für Verwandte erschienen mir eher als ein Lotteriespiel, deshalb habe ich es auch nur einmal verucht.
    Dies war nur einiges von vielem, was mir dort negativ auffiel, sodass ich zu dem Schluss kam, dort niemals Patient sein zu wollen.
    Ich könnte mir auch sehr gut vorstellen, dass unangemeldete Kontrollen seitens der Beziksverwaltung dort sehr wirksam und heilsam sein könnten.
    Aber ich befürchte fasst, dass da keine Krähe der anderen ein Auge aushacken und deshalb eher der Schleier des Schweigens und Wegsehens dort darüber gezogen wird.
    Vielleicht habe ich ja auch nur zu genau dort hingesehen?
    Zu denken aber gibt mir das auch heute noch.
    Zum Schluss aber nach Aussage von Patienten noch drei gute Aspekte:
    – geschmackvolles, ausreichendes Essen mit Menüwahl
    – kostenloser Internet-Anschluss
    – gepflegter und gut bepflanzter Außenbereich, sogar mit schmuddeliger Raucherecke (aber, was nützt das einem Raucher, der z. B. infektiös erkrankt ist und im Isolierzimmer lebt?).

  • Toribio

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    Kurzer Nachtrag

    Nur zur Klarstellung und zum besseren Verständnis:
    – Das Klinikum Donaustauf ist eine Außenstelle und somit Bestandteil des Bezirks-Klinikums Regensburg/Opf.

  • Krech Harald

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    Ich frage mich schon seid einiger Zeit, ob wir für den Arbeitskampf in Krankenhäusern und Pflegeheimen nicht eine alternative zum Streik brauchen. Wenn in einem privaten Altenheim in Nittenau der Spätdienst auf 4 Stationen von einer Bufdi, einer Pflegehelferin ohne Ausbildung, 2 Pflegehelferinnen, einem AzuBi im 3. Lehrjahr und einer examinierten Fachkraft aufrechterhalten wird (mindestens 3 Tage im Juli 2014!) ist ja die offizielle Besetzung schon schlechter, als es der Notdienst während eines Streiks wäre…

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