Uni: Verwaltung besetzt! Rektor droht mit Räumung!

Bereits 2009 besetzen Studis das Verwaltungsgebäude. Damals ging die Sache ohne Polizei am Campus über die Bühne. Foto: Archiv
Viele Studierende waren es nicht, die sich am Mittwoch zur Vollversammlung im Audimax trafen. Dafür war der Beschluss den die breite Mehrheit der Anwesenden fällte um so spektakulärer: Seit dem frühen Abend besetzen etwa 50 Studis das Verwaltungsgebäude. Weg mit den Studiengebühren, mehr Demokratie an der Uni lauten die zentralen Forderungen. Bitter für die Aktivisten: Von den rund 20.000 Studierenden an der Uni Regensburg waren allenfalls 200 anwesend, als die Entscheidung zur Besetzung fiel. Damit war das Gremium eigentlich nicht beschlussfähig, es braucht wenigstens 1.000 Teilnehmer bei der Vollversammlung. Rektor Thomas Strothotte traf sich mit den Besetzern gegen 20 Uhr zum Gespräch. Nach knapp einstündigen Diskussionen drohte der Rektor, das Gebäude von der Polizei räumen zu lassen. Mehrere Ultimaten sind bereits verstrichen. Die Besetzer haben derweil aus dem Gebäude heraus ihre Beweggründe und Forderungen mitgeteilt:
1. Da die Besetzung 2009 in keine konstruktive Veränderung der politischen und gesellschaftlichen Strukturen an der Universität Regensburg mündete, sehen sich die anwesenden Studierenden gezwungen, den Protest fortzusetzen. 2. Wir fordern, dass das bayerische Bildungssystem nicht mit studentischen, sondern vollständig mit staatlichen Mitteln finanziert und verbessert wird. 3. Die durch den doppelten Abiturjahrgang und ausgesetzte Wehrpflicht entstandene Situation wurde durch die Universitätsleitung in den Medien als unproblematisch dargestellt. Da dies aber keinesfalls zutrifft, fordern wir eine Richtigstellung durch den Rektor gegenüber den landesweiten Medien über die aufgetretenen Probleme. 4. Es wird als notwendig erachtet, dass die in der Lehre der Universität Regensburg angestellten Personen gemeinsam mit den Studierenden für eine Verbesserung sowohl ihrer als auch der Situation der Studierenden eintreten. Die am Protest beteiligten Studierenden verpflichten sich zu absoluter Friedfertigkeit.
Für Donnerstag, 14 Uhr, ist eine Demonstration von der Universität in die Innenstadt angekündigt.

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Kommentare (18)

  • domiNO

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    Ein schöner Kontrast zu den Sorgen der Studienanfänger, ezahlbarren Wohnraum zu finden!
    So kann man sich auch entsolidarisieren.

  • Hans

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    Nachbesserung von staatlicher Seite der Zustände resultierend durch die erhöhten Studierendenzahlen aufgrund Aussetzung der Wehrpflicht und des Doppelten Abiturjahrganges. Konsequenzen sind: Raumnot, grotesk überfüllte Seminare, fehlende bzw. unzureichende Wohnräume für Neustudierende sowie nicht ausreichender Zahl an Lehrenden; all das erschwert den Erstsemestern den Einstieg in ihr Studium massiv und hätte, entgegen den Beteuerungen der Universitätsleitung, im Voraus deutlich konkreter angegangen werden müssen.
    Von Entsolidarisierung kann nicht die Rede sein.

  • Cornelius

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    Hi

    also ich habe die Nacht in der Verwaltung verbracht und schreibe auch gerade von dort aus.
    Auch ich kann den Vorwurf der Entsolidarisierung nicht nachvollziehen.
    Dass der Wohnungsmangel nicht konkret angesprochen wurde ist zwar richtig, jedoch heißt das nicht, dass wir dieses Problem nicht vor Augen haben.
    Meiner Meinung nach resultiert der Mangel an Wohnstätten:
    a.) Aus den Kürzungen für die Studentenwerke
    b.) Aus dem massiven Ansturm durch doppelten Abiturjahrgang und andere o.g. Faktoren. Dementsprechend ist dieses Thema also auch Inhalt unserer Forderungen.

    Bleibt mir nur noch zu sagen: Kommt alle zur Demo heute Nachmittag!

  • Randolph Kaspar

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    Das Problem ist seit 20 Jahren das Gleiche: Chronisch unterfinanzierte Universitäten, die aus dem letzten Loch pfeifen. Bildung als Stiefkind der Politik. Ökonomisierung von Forschung und Lehre. Privatisierung der Kosten.

    Der Kampf darum ist ebenfalls seit 20 Jahren der Gleiche:

    Auf der einen Seite diejenigen, die glauben, nur Grenzüberschreitungen könnten deutlich machen, wie groß die Misere ist. (Nur) solche Protestformen Aufmerksamkeit bei den Mitstudenten und den Medien. Auf der anderen Seite diejenigen, die glauben, Anpassung, Wohlverhalten und Kooperation mit den Hochschullehrern und der Verwaltung sei der einzig sinnvolle Weg. Ziviler Ungehorsam und radikale Protestformen würden die grundsätzlich bei der Bevölkerung und den Medien existierende Sympathie gefährden und seien kontraproduktiv – oder im besten Falle sinnlos.

    Meinung Nr. 2 neigen oft diejenigen zu, die vorrangig an ihrem Vorankommen, ihren höchstpersönlichen Studien- und Lebensbedingungen und an einer erfolgreichen Berufsausbildung interessiert sind. Das ist angesichts scharfer Konkurrenz auf dem Arbeitsmarkt verständlich. Meinung Nr. 1 wird oft von Studenten vertreten, die bereit sind, für ihre Überzeugungen auch ein persönliches Risiko einzugehen. Naivität, Wut, Frust und Verzweiflung kommen hinzu. Und – vielleicht – auch über die Uni hinausreichende politische Überzeugungen. Diese Gruppe ist derzeit scheinbar ziemlich klein.

    Es fällt in beiden Fällen auf – jedenfalls gemessen am Forderungskatalog der Besetzer – dass es vorrangig immer um Partikularinteressen geht. Bessere Bildung, bessere Lehre, bessere Studienbedingungen. Legitim, notwendig. Keine Frage.

    Über die Uni hinausreichende Forderungen sind aber daraus nicht ersichtlich. Anlass gäbe es dafür genug. Aber die akademische Klasse konnte in den letzten 20 Jahren nicht mehr wirksam ein allgemeinpolitisches Mandat geltend machen. Die Universitäten als Hort gesellschaftlicher Veränderung sind passé. Damit erleiden sie letztlich das gleiche Schicksal wie ein anderer gesellschaftlich bedeutender Bereich: das Gesundheitssystem. Hier wie da entscheiden neoliberale Denkmodelle, ökonomische und Partikularinteressen der Akteure auf dem Rücken von Patienten und Beschäftigten. Unmut, Wut und Verzweiflung laufen ins Leere, da politische Alternativkonzepte fehlen.

    So wird auch die Besetzung ins Leere laufen. Außer an den Universitäten entwickelt sich im Zuge von Banken-, Finanz-, Euro- und Kapitalismuskrise die Keimzelle einer großen gesellschaftlichen Bewegung, die nicht nur die Irrationalität von politischem und ökonomischem Handeln erkennt, sondern auch Konzepte entwickelt, wie daraus erfolgreich ausgebrochen werden kann. Außerhalb der Universitäten wird schon von vielen (angehenden) Akademikern daran gearbeitet. Doch selbst in VWL- und BWL-Vorlesungen wird auf die Gründe der Finanzkrise kaum eingegangen – vermutlich, weil die neoliberal und neoklassisch geprägten Professoren keine überzeugenden Antworten haben. Hier kritisch nachzufragen und Diskussionen einzufordern wäre ein erster Schritt.

  • domiNO

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    bin gespannt auf die Demo. Klasse übrigens ausnahmsweise die Bilder in der Örtlichen direkt aus dem Streikzentrum. Ohne ibook geht da gar nix.

  • Peter

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    noch nichts für die gesellschaft geleistet, aber schon forderungen stellen – unverschämt

  • domiNO

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    was ich kritisiere, ist ja gerade, dass die Priorität der drängendsten Probleme der Erstsemester (= Dach überm Kopf) hinter allgemeinen Forderungen (die nicht notwendig falsch sein müssen) versteckt werden. Wieso nicht klar erst die größten Mßstände benennen?
    Vielleicht doch, weil man selber andere Probleme hat. Vielleicht auch, weil man zu arrogant ist, sich zu bemühen, die Forderungen allgemeinverständlich zu formulieren. Und 50 oder 60 Streikende sind mit Verlaub nicht repräsentativ.

  • Heribert

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    Interessante Ansicht…aber auch lächerlich irgendwie ;)

  • Peter

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    ist nicht lächerlich sondern entspricht den tatsachen, erst was leisten und dann forderungen stellen!!!!

  • Bert

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    Ja klar! Darum sollten Kinder, Jungendliche und junge Erwachsene am besten einfach die Fresse halten und brav den „Leistungsträgern“ hinterherdackeln, die das Feld ja so wohl bestellt haben. Was für eine dumme Aussage.

  • tom

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    nur konsequent, da ein ibook mindestens 5 Jahre ist…

    kopfschütteln meinerseits, wie sich fraktionen der gleichen seite gegenseitig zerfleischen, statt sich zu unterstützen.

  • Karl-Heinz

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    Repräsentativ bist du aber auch nicht, Darling. Klar hat jeder eigene Probleme. Die Wohnungsnot wird schon seit Christi Geburt (dramatisiert, muss nicht stimmen) von Asta und anderen angesprochen. Wurde sie gestern übrigens auch, sogar in Form eines (leider Altenfeindlich geratenen) Antrags in der Vollversammlung.

    Ich rate darum dringend: Erst denken, dann stänkern!

    Ach und: Was denn DIE „größten“ Missstände? Magst uns da mal aufklären?

  • domiNO

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    Also erstens wenn das Bild dich zeigt bist du nicht mein Typ, also lass das Darling. Zweitens halte ich es für legitim, dass sich die Studerenden für die Belange die Studierenden einsetzen und nicht erst die ganz großen Mißstände wie Fukushima etc lösen. Aber diebeengten Verhältnisse in Seminaren hat doch wohl nicht dieselbe Auswirkung auf die Studienbedingungen wie die anhaltende Suche nach bezahlbaren Wohnräumen! Und drittens kann jeder, der denkt, auch eine andere Meinung haben als du, das ist in der Demokratie sogar zulässig. Vielleicht solltest du das auch mal kapieren!

  • domiNO

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    kleiner Nachtrag: 14 Uhr Demo, du postest um 14:52 Uhr. Demo schon aus oder zu kalt gewesen oder r-digital interessanter als was die Organisatoren sagen?

  • Pragmatiker

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    Hey Leute, das soll (vermutlich) Ironie sein! – Emotional hilflos ohne Smileys als Krückstock, oder was?

  • Immanuel K. Anti

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    Das soll vermutlich eine altehrwürdige Tradition aufrechterhalten: Man dackelt auf einer Demo brav durch die Straßen, wie es die Verfassung vorsieht, am Rand stehen alte Grantler, die sich nicht mit den Forderungen auseinandersetzen und mosern was von Arbeiten, Lagern oder dass es das früher nicht gegeben hätte, weil man da eh nicht lange gefackelt hätte.

    Das habe ich schon lange so nicht mehr gehört – ich hab es ehrlich gesagt schon vermisst. Und diese Lücke führt in meinen Augen dazu, dass sich die Studierenden immer wieder totapplaudieren lassen.

    Wenn die CSU so schlau ist, wie ich sie kenne, bietet sie den Besetzern ihrer Parteizentrale einfach 50 Praktikumsplätze an, verspricht, dass sie sich ernsthaft mit den total berechtigten Forderungen auseinandersetzen wird und alle gehen brav nach Hause. Ein gewisser Prozentsatz wird einen JU-Mitgliedsausweis mitnehmen, weil man da prima aktiv werden kann.

  • Luna Schneck

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    Ich möchte dich darauf hinweisen, dass diese jungen Leute lernen wollen, motiviert sind und noch nebenbei arbeiten. Die etlichen Sozialschmarotzer, bekommen von Papi Staat eine eigene Wohnung und noch ihren Lebensunterhalt bezahlt fürs Nichtstun. Die schlafen bis Mittag, hocken vor ihren Ballerspielen.
    So dumme Beiträge kannst du dir sparen. Wohl selbst noch nicht viel Geistreiches für diesen Staat geleistet, oder? Auch wir Eltern sind an der Finanzierung der Studenten beteiligt, ich hab 2 wir müssen sehen wie wir es hinkriegen. Verschon uns in Zukunft mit diesen Dumpfaussagen.

  • Jane Doe

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    Beleidigend zu werden ist definitiv der richtige Weg.

    Nicht jeder der von „Papi Staat“ Geld erhält, ist automatisch Sozialschmarotzer. Es gibt etliche, die diese Situation nicht selbst verschuldet haben, sei es durch Krankheit, nicht selbstverschuldete Arbeitslosigkeit, familiären Verpflichtungen etc.

    Wenn Sie Empfänger staatlicher Hilfen pauschal als Sozialschmarotzer bezeichnen, die bis Mittag schlafen usw. so ist das nur noch bezeichnend.
    Studenten empfangen ebenfalls diese Unterstützung von „Papi Staat“. Oder glauben Sie, dass die 500 € Studiengebühren pro Semester das komplette Studium (Dozenten, wiss. MAs, Lehrbücher, Verwaltung, etc…) abdecken?
    Ich bin selbst Studentin, habe genug Komilitonen, die wirklich bis Mittag im Bett liegen, es nicht für nötig erachten, die von „Papi Staat“ finanzierten Lehrveranstaltungen zu besuchen, BaFÖG beziehen und die Studiengebühren erlassen bekommen.
    Ich studiere und arbeite. Nicht einmal in den Semester“ferien“ ist es mir möglich, bis Mittag zu schlafen. Ich bezahle Studiengebühren, beziehe keinerlei BaFÖG. Meinen Eltern müssen auch „sehen wie sie es hinkriegen“, die ich nicht mit dem goldenen Löffel im Mund gebohren wurde. Sie zahlen Steuern an „Papi Staat“, der dies an mich indirekt weitergibt, indem die Studiengebühren nur 500 € betragen und ich nicht ein komplettes Studium (wie es zB in den USA der Fall ist) bezahlen muss.

    Ihre polemisierenden Aussagen bzgl dieser „Sozialschmarotzer“, die nur vor ihren Ballerspielen hocken, sind hier definitiv fehl am Platz.
    Da sollte doch man doch erstmal beginnen, in den eigenen (Studenten-)Reihen Kritik zu üben. Angefangen dabei, wenn die Studenten der vergangenen Donnerstagsdemo mit einem Bier (Nachmittag 14 Uhr) von der Uni zum Domplatz marschieren, begleited von Kamerateams. Nur noch peinlich.

    Und ich möchte wieder betonen: auch ab und an mal überlegen, woher denn „Papi Staat“ sein Geld für die Bildung nimmt. Die Zahlen der Steuerzahler sind rückläufig, auch aus Gründen der Kinderarmut in Deutschland. Wer soll denn diese Studenten, die ja laut Ihrer Aussage, alle so hochmotiviert und lernbereit sind, finanzieren?

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