Passauer Journalist obsiegt

Volksmusik-Silbereisen scheitert mit Zensur-Versuch

Die Berichterstattung eines freien Journalisten aus Passau schmeckte dem Volksmusikmoderator Florian Silbereisen gar nicht. Jetzt ist er mit seinem Zensurversuch gegen das Magazin Bürgerblick vor dem Landgericht Hamburg gescheitert.

Mit Zensurversuch gescheitert: Florian Silbereisen. Foto: Wikipedia

Passau / Hamburg – Ein Urteil des Europäischen Menschengerichtshofs, das Prinzessin Caroline von Monaco erwirkte, verärgert bis heute die Journalisten. Die Persönlichkeitsrechte von Prominenten werden seitdem auch von deutschen Gerichten meist höher bewertet als die Pressefreiheit. In einem drei Jahre dauernden Zivilstreit zwischen dem Volksmusikmoderator Florian Silbereisen und einem freien Passauer Journalisten hat das Landgericht Hamburg jetzt erstmals seine Sichtweise zugunsten der Medien geändert. Ein Prominenter kann seine Erwähnung in einem unliebsamen Bericht nicht deshalb verbieten, weil es ihm nicht gefällt.

Silbereisen will nur Jubelberichte lesen

Silbereisen wollte im November 2009 verbieten lassen, dass er in einem negativem Bericht über ein Familienmitglied namentlich erwähnt wird. Einem Neffen war ein europäischer Kunstpreis aberkannt worden. Er hatte ein Plagiat verwendet. Im Jubelbericht der Heimatzeitung über die Auszeichnung war die Verwandtschaft mit Silbereisen erwähnt. Die Fortschreibung der Geschichte, also die unglückliche Wende, war exklusiv im Onlineauftritt des Magazins Bürgerblick, das der freie Journalist Hubert Denk in Silbereisens Heimat herausgibt, zu lesen. Doch hier wollte Silbereisen aus den Zeilen gelöscht werden. Er erwirkte, vertreten durch die Hamburger Promi-Kanzlei Prinz, erfolgreich eine einstweilige Verfügung vor dem Landgericht Hamburg. Der Passauer Journalist wollte sich nicht beugen und erlebte erneut eine Niederlage. Sein Widerspruch im Eilverfahren wurde abgelehnt. Es kam noch schlimmer für ihn: Er musste ein Ordnungsgeld von 350 Euro bezahlen, weil er auf seinem Onlineportal trotz des gerichtlichen Verbots andere Medien zitierte, die den Silbereisen-Prozess und dessen Hintergründe beleuchteten.

Prozess verzögert

Die entscheidende Hauptverhandlung ließ drei Jahre auf sich warten, weil der TV-Star an der Klärung offenbar kein Interesse mehr hatte. Sie wurde schließlich vom Beklagten erzwungen. „Der Persönlichkeitsschutz eines Prominenten kann nicht so weit gehen, dass er wahre Tatsachenbehauptungen verbieten darf, zumal sie ihn nicht wirklich verunglimpfen“, meint Bürgerblick-Journalist Hubert Denk. Ende letzter Woche erging das Urteil der Hauptverhandlung vom 12. September: Die Hamburger Pressekammer hat die Klage des TV-Moderators abgewiesen! Der beanstandete Beitrag sei nicht rechtswidrig gewesen. In der siebenseitigen Begründung heißt es unter anderem, der Kläger habe sich in der Öffentlichkeit immer wieder mit seiner Familie, darunter auch seinen Neffen, geschmückt. Der Bericht habe ihm nicht wirklich geschadet.

Urteil noch nicht rechtskräftig

„Das Landgericht Hamburg hat sehr sorgfältig abgewogen und ist zurecht zur der Entscheidung gekommen: Der Eingriff in das Persönlichkeitsrecht ist geringfügig, die wahrheitsgemäße Berichterstattung muss erlaubt sein“, sagt der Münchner Medienanwalt Dr. Klaus Rehbock, der den freien Journalisten vertritt. Das Urteil sei ein Sieg für die Pressefreiheit. Es ist noch nicht rechtskräftig. Die Berufungsfrist läuft bis 23. November.

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Kommentare (10)

  • Bernd Lauert

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    Ehrlich gesagt: Wer Prominent ist muss damit leben das sein Privatleben einfach nicht mehr privat ist.
    Dafür gibts auch Kohle wie Heu.
    Schreibt ein Journalist Wahres muss man sich halt damit herumschlagen.
    Sieht/ Hört man sich auch die Schaffenskraft des Hrn. Silbereisens an geht es da ja auch kaum um wahre Begebenheiten wie man an den apokalyptisch-heiteren Songtexten ersehen kann.
    Kann ich als User dagegen auch vorgehen und Songtexte zensieren lassen?

  • frage

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    @Bernd Lauert

    „Wer Prominent ist muss damit leben das sein Privatleben einfach nicht mehr privat ist.“

    nein muss er nicht!!! ich kann silbereisen nicht leiden, dennoch muss ich ihm auch rechte zustehen. er ist ein produkt. er verkauft heiterkeit und heile welt. und etlichen leuten gefällt das auch. dennoch steht ihm auch das recht (wie jedem anderen auch) zu, gegen sachen vorzugehen, die ihm nicht passen. es sollte schon auch in zukunft im zweifel von einem gericht geklärt werden. und nicht ob ich ihn mag oder nicht. wenn ich mir die prozesse ansehe die ein günther jauch, ein gottschalk, ein stefan raab oder auch hartmut engler (von der gruppe pur) wegen berichterstattung geführt (und teilweise auch verloren haben) dann frage ich mich, warum hier nur silbereisen aufgeführt wird. weil man ihn nicht so sehr mag wie die anderen genannten? auch ein promi hat ein recht auf privatleben.

  • anonym

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    @ frage: vielen Dank, ich bin froh, auch einml so eine Meinung zu lesen.

    Ich finde, Promis müssen sich schon extrem viel gefallen lassen – dabei sind es doch auch nur Menschen, das scheint oft vergessen zu werden. Man schnuppert in ihrem Privatleben herum, die Klatschpresse erfindet Geschichten, und Aussagen werden oft (absichtlich) falsch gedeutet.

    Da es schon um Florian Silbereisen geht: man muss sich mal vorstellen, was der sich alles gefallen lassen muss. Er wird selten ernst genommen, man belächelt ihn oder macht sich über ihn lustig. In Kommentaren, z.B. auf youtube oder zu Artikeln über ihn, wird er geradezu beschimpft.

    Trotzdem steht er zu dem, was er macht, und ich kann mich nicht erinnern, das er mal ausgerastet wäre – falls doch, wäre das nur allzu verständlich. Ich habe Statistiken gesehen, dass sich die Klatschzeitungen am besten verkaufen, wenn er mit seiner Helene auf der Titelseite zu sehen ist – und es verdienen sich bestimmt noch andere auf seine Kosten viel Geld. Wenn er in Switch oder von Stefan Raab verarscht wird, freuen sich alle, troztdem beschimpfen sie ihn – so scheint es jedenfalls den Kommentaren nach zu sein.

    Ehrlich, ich habe den grössten Respekt vor Florian Silbereisen, dass er das alles mitmacht, sich nicht beirren lässt, und anscheinend nicht dran kaputtgeht, wie schon so manch anderer Promi!

  • Oje...

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    Moment mal, meine lieben Silbereisen-Fans! Wenn FS schon den Bürgerblick verklagt, dann hätte er es auch mit der besagten Regionalzeitung (vermutlich die PNP) machen müssen, die ja ebenfalls schon früher über seine Verwandtschaft zu diesem Neffen berichtet hat.

    Dass er eben genau dies aber nicht getan hat – sondern nur gegen den Bürgerblick vorging – zeigt eindeutig, dass es FS eben nicht um seine Privatsphäre oder um seine Persönlichkeitsrechte ging, sondern um die für ihn unangenehme, wahrheitsgemäße Berichterstattung.

    Nix also mit „schnuppert in FS’s Privatleben herum“. Darum ging es eben nicht, sondern schlicht um nicht gewollte, weil wahrheitsgemäße (negative) Berichterstattung. Wer dies in den Dunstkreis von BLÖD und Klatschpresse zieht, hat nichts verstanden.

  • schorsch

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    @anonym
    bezueglich des kommentars vom 26. Oktober 2012 um 23:56 Uhr :
    ersetze in deinem kommentar Florian S. durch die katholische kirche
    ersetze dann Hubert Denk durch stefan aigner
    und dann noch Onlineauftritt des Magazins Bürgerblick durch regensburg-digital
    dann lies das ganze nochmal ….

  • Mathilde Vietze

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    Für Silbereisen-Fans trifft am besten das Zitat von Oscar
    Wilde zu „Es gibt nur eine Sünde und das ist die mensch-
    liche Dummheit.“

  • Radlertölpel

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    Ein Video vom Weltanschauungsbeauftragten Martin Rudi:
    „Herrmann Joseph Silbereisen bestäubt die Deutsche Frau“

  • Veronika

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    Gott sei Dank! Die Gerichte kommen also doch langsam zur Vernunft!
    Wundert mich nur, dass Silbereisen nicht schon längst die Satiresendung „Switch Reloaded“ verklagt hat. Die ziehen ihn nämlich sehr böse durch den Kakao.
    Aber Silbereisen hat damit – wer lädt sich sonst auch Ordensschwestern in die Sendung ein? – deutlich seine Kirchennähe gezeigt. Die Nähe zu einer Kirche, die ohne Klagen und Prozessieren nicht mehr auszukommen scheint.

  • Bernd Lauert

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    @frage
    (…)gegen Sachen vorzugehen die ihm nicht passen(..)
    so darf ich Sie mal zititeren.
    Was wenn die Sachen der Wahrheit entsprechen?
    Dann ist das schlicht Zensur.
    Und doch, damit muss man leben.
    Ein Arbeitszeugniss hat auch der Wahrheit zu entsprechen. War ich stets unpünktlich und es ist nachweisbar dann darf mein Arbeitgeber die berühmte Floskel“ Ein Vorbild an Pünktlichkeit“ schreiben.
    Nur Unwahres darf ich verbieten lassen.
    Natürlich sollte man nicht über den Künstler herziehen weil man sein Schaffen nicht mag, aber man kann es einfach sagen das die Kunst z.B meines Erachtens nicht grade schön ist.
    Dafür gibt es Presse- und Meinungsfreiheit.

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