Welterbe: Steuerungskomitee startet mit spannender Zusammensetzung

von links nach rechts: Christine Schimpfermann (Planungs- und Baureferentin der Stadt Regensburg), Hans Schaidinger (Oberbürgermeister der Stadt Regensburg), Hofrat Univ. Prof. Dr. Wilfried Lipp (Präsident des ICOMOS Nationalkomitees Österreich), Dr. Birgitta Ringbeck (Delegierte der Kultusministerkonferenz beim Welterbekomitee der UNESCO), Klemens Unger (Kulturreferent der Stadt Regensburg), Matthias Ripp (Welterbekoordinator der Stadt Regensburg), Dr. Andreas Baur (Bayerisches Staatsministerium für Wissenschaft, Forschung und Kunst), Dr. Egon Johannes Greipl (Bayerisches Landesamt für Denkmalpflege).  Foto: Stadt RegensburgEs hat etwas länger gedauert, aber nun ist es endlich da. Das Welterbe-Steuerungskomitee, gedacht als direkte Schnittstelle zwischen der Stadt Regensburg und der UNESCO, war zum ersten Mal für Januar 2007 angekündigt worden, nun – zwei Jahre – später gab es am Mittwoch das erste Treffen. Die Regensburger Schnittstelle hat Modellcharakter. Die Kommunikation zwischen den deutschen Welterbestätten und der UNESCO erfolgt bislang über viele Verwaltungswege. Grund hierfür sind die föderalen Strukturen in der Bundesrepublik mit der Kultushoheit der Bundesländer. Mit dem Steuerungskomitee will Regensburg diese Kommunikationswege „straffen“. Es ist der erste Versuch, ein solches Gremium einzurichten. Interessant ist die Zusammensetzung des Komitees. Im Einzelnen werden ihm angehören: Dr. Josef Stulc (Vorsitzender des ICOMOS Nationalkomitees Tschechische Republik), Dr. Andreas Baur (Bayerisches Staatsministerium für Wissenschaft, Forschung und Kunst), Dr. Birgitta Ringbeck (Delegierte der Kultusministerkonferenz beim Welterbekomitee der UNESCO), Professor Dr. Wilfried Lipp (Präsident des ICOMOS Nationalkomitees Österreich) und Generalkonservator Dr. Egon Johannes Greipl. „Neben den geplanten Baumaßnahmen am Donaumarkt und Arnulfsplatz stand auch die Standortuntersuchung des Regensburger Kultur- und Kongresszentrums am Ernst-Reuter-Platz auf der Tagesordnung der ersten Sitzung des Steering Committee. Weitere Planungen, die besprochen wurden, waren die Neugestaltung des Karmelitenhotels sowie die Umbaumaßnahmen am Parkhaus Dachauplatz“, heißt es in einer offiziellen Mitteilung der Stadt. Dabei dürfte es keine Überraschung sein, dass der Regensburger Brückenstreit (Ersatztrasse für die Steinerne Brücke) ausgespart wurde. Wenigstens offiziell. Bekanntermaßen lehnt Generalkonservator Greipl insbesondere die Westtrasse kategorisch ab. Das stinkt dem Oberbürgermeister, der beim ersten treffen natürlich dabei war. Und man soll sich ja nicht schon beim ersten Treffen streiten … Zweimal im Jahr sollen die Vertreter des Komitees nun an einen Tisch gebracht werden, um mögliche Konflikte städtebaulicher Entwicklungsvorhaben mit dem Welterbe frühzeitig zu erkennen. Einen kennt man ja schon.

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Kommentare (5)

  • Walter Cerull

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    Welterbe – Stadtverwaltung

    Umgang der Stadtverwaltung mit dem Welterbe

    Als Regensburg im Juli 2006 in die Welterbeliste aufgenommen wurde, war ich stolz auf Regensburg und seine Bürger. Ist es doch dem starken Einsatz der Bürger, vor allem in den letzten 40 Jahren zu verdanken, dass die Altstadt in seiner Substanz weitgehend über die Aufbruchzeit der „Moderne“ und der Wirtschaftswunderzeit hinübergerettet werden konnte.
    Ich glaubte, spätestens jetzt, mit der Aufnahme in die Welterbeliste, wird die polit. Verwaltungsspitze und der Stadtrat sensibler mit der Altstadt umgehen.
    Leider ist das so nicht so der Fall. Auch nach der Ernennung unserer Stadt als Weltkulturerbe und nach dem vernichtetem Wahldebakel des OB und der ihn stützenden Parteien CDU und SPD bei der Kommunalwahl geht die Trickserei weiter. Was will der OB bzw. die Stadtverwaltung mit dem Welterbe – Steuerungskomitee erreichen?
    Beispiel: Ersatzbrücke
    Angeblich hat der OB die UNESCO über die Absicht eine Ersatzbrücke zu bauen, schon unterrichtet und erwartet jetzt im Juni von der UNESCO eine Entscheidung – nur welche Entscheidung erwartet er, bzw. wie wurde die UNESCO unterrichtet?
    Auf welcher Grundlage fand die Unterrichtung statt?
    – ist es das Nahverkehrsgutachten? – das ja lediglich den Istzustand beschreibt und keinerlei objektiven Aussagen für oder gegen eine Ersatzbrücke beinhaltet.
    – sind es die Stellungsnahmen der IHK bzw. der einschlägigen Einzelhandelsgruppierungen?
    – sind es die in ihrem Inhalt nicht nachvollziehbaren Stellungsnahmen des Landrates bzw. des Bürgermeisters von Lappersdorf?
    – oder sind es die Forderungen des RVV?
    Was sollen die Mitglieder der UNESCO darauf antworten? Welche Antworten erwarten sich der OB und die Verantwortlichen der Stadtplanung?
    Der Welterbestatus hat keinerlei rechtsstaatliche Bindung, ihre Mitgliederorganisation wie ICOMOS haben keine demokratisch legitimierte Stellung. Sie können nur mit ihrem Ansehen und moralischem Druck auf die Entscheidungsträger einwirken.
    Es ist wie bei jedem Erbe, der Beerbte kann im Grunde mit seinem Erbe innerhalb der Gesetze machen was er will.
    Er kann sein Erbe achten, pflegen, erhalten und eventl. auch vermehren oder er kann es verprassen – genauso ist es mit dem Welterbestatus der Stadt Regensburg.
    Die letzten Jahrzehnte zeigte sich leider viel zu oft, wie die Stadtverwaltung angetrieben von der jeweiligen polit. Spitze und der sie beeinflussenden Lobby versuchte, das historische Erbe der Altstadt aus momentanen wirtschaftl. Erwägungen oder Modererscheinungen zu beschädigen.
    Zum Glück konnte vieles durch die demokratischen Strukturen unseres demokratischen Rechtsstaates wie Bürgerinitiativen, Vereine, Verbände, Denkmalsschutzgesetz, Steuergesetze, Städtebauförderungsgesetz, Stadtrat, Bürgerentscheid, Landesdenkmalsrat, Medien usw. verhindert werden.
    Diese Strukturen waren letztendlich verantwortlich, dass die Stadt in ihrer Substanz doch weitgehend erhalten blieb und nun in die Welterbeliste aufgenommen werden konnte.
    Verprasst die Stadt ihr Welterbe – nun dann wird sie über kurz oder lang eben diesen Status wieder verlieren.
    Es ist also Aufgabe aller Bürger und Entscheidungsträger in der Politik und Verwaltung, mit den Mitteln des Rechtsstaates, unser Erbe zu erhalten.
    D. h. es sind nach wie vor die Bürger und die dafür verantwortlichen gesetzlichen und demokratischen Entscheidungsträger gefordert, unser Welterbe zu schützen und zu erhalten .
    Die UNESCO kann nur beobachten, sie kann und darf sich nicht in die demokratischen Entscheidungsprozesse einmischen – sie muss aber warnend eingreifen, aber nur dann, wenn z. B. durch eine Maßnahme das Welterbe Stadt Regensburg gefährdet ist. Der Zeitpunkt des Eingreifens muss jedoch sehr sensibel und nach genauer Abwägung der demokrat. Entscheidungsfindung gehandhabt werden sonst läuft die UNESCO Gefahr, für bestimmten polit. Kreise lediglich missbraucht zu werden.

    Walter Cerull

  • tom

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    hoffentlich wird bald die Käseglocke gelkiefert die manche, wie offenbar auch Herr Cerull, für unsere Stadt wünschen.

    Wenn Herr Cerull in Lappersdorf wohnen würde und täglich mit dem Bus in die Stadt müßte wäre er wahrscheinlich der glühendste Verfechter einer Ersatzbrücke. Aber so ist es halt mit St. Florian und den Tellerrandargumentatoren, die immer nur das eigene Interesse, aber nie die größeren Zusammenhänge geleten lassen können.

    Ich will nicht einem Museum (Stichwort Käseglocke) sondern in einer lebenigen Stadt leben und dazu gehört auch ein adäquater ÖPNV mit kurzen Fahrzeiten.

  • karl

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    Deutsch ist eine schwere Sprache Herr Cerull.

    Sie behaupten doch glatt, „der Beerbte kann im Grunde mit seinem Erbe innerhalb der Gesetze machen was er will.“

    Der Beerbte macht in der Regel mit dem Erbe gar nichts mehr, weil er in einer 2 Meter langen Kiste liegt und die Kartoffel von unten betrachtet.
    Wenn einer was mit einem Erbe anstellen kann dann ist es der Erbe.

    Aber irgendwie passt dieser Satz mit dem „Beerbten“ in ihr Argumentationskette, denn der Satz ist genau so unsinnig wie ihre anderen Ausführungen.

  • J.B.

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    Dem Artikel von Walter Cerull kann man nur beipflichten

  • Reinhold Breuer

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    Prof. Wilfried Lipp und Dr. Josef Stulc (ICOMOS) vertrauten wohl darauf, Kollege Greipl kenne Regensburg. Missbrauchte der das Vertrauen?

    Eindeutig – aber nur mit Mühe aus dem Gutachtenbild „Lage der Westtrasse“ S.29 zur Welterbeverträglichkeit erkennbar – betrifft das Südende der Westtrasse den nordwestlichen Randbereich der ausgewiesenen Kernzone des Welterbes und ab der nördl. Brückenrampe sogar den äußersten Rand der Kernzone. Der Großteil der Westtrasse verlässt kurz die Kernzone und bleibt sonst – hier nicht abgebildet – am äußersten Rand. Der Regensburgkenner Greipl musste das mühelos wissen, als er in seiner auch an ICOMOS geschickten Stellungnahme schrieb: „… Unzutreffend ist die Bewertung, es seien durch die Ersatztrassen nur Randlagen der ausgewiesenen Kernzone des Welterbes betroffen (S. 8 und S. 29). Das Gegenteil ist der Fall: Die Trassen liegen zentral im Welterbebereich,…“

    In Greipls Pkt.2 ist dieser falsche „Beleg“ der einzige für seine einleitende Wertung
    „Die Tendenz, das Risikopotential zu verniedlichen, ist in diesem Gutachten nicht zu übersehen.“

    Haben Lipp und Stulc zu kollegial vertraut?

    http://www.regensburg.de/rathaus/aktuelles/neuigkeiten/welterbevertraeglichkeitsgutachten/36789
    http://www.mittelbayerische.de/nachrichten/artikel/stellungnahme_des_bayerischen_/567736/stellungnahme_des_bayerischen_.html

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