Hilfe für Flüchtlinge statt Parolen

Wolbergs: „Höchste Vorsicht vor falscher Wortwahl“

Die Clermont-Ferrand-Turnhalle wird im Zuge des Winternotfallplans vorübergehend für die Unterbringung von Flüchtlingen genutzt. Bei einem Pressetermin am Samstag betonte Oberbürgermeister Joachim Wolbergs, wie wichtig es sei, zu helfen – und für wie gefährlich er die Wortwahl von Politikern wie dem Deggendorfer Landrat Christian Bernreiter hält.

Regensburg hilft: In die Clermont-Ferrand-Turnhalle im Stadtwesten ziehen ab kommenden Mittwoch vorübergehend Flüchtlinge ein. Wie schon im Oktober wird die Turnhalle von Rettungsdiensten und ehrenamtlichen Helfern als Notunterkunft hergerichtet. Grund ist die Aktivierung des sogenannten Winternotfallplans durch den Freistaat Bayern. Oberbürgermeister Joachim Wolbergs informierte am Samstag vor Ort Pressevertreter und gewährte einen Einblick in das vorübergehende Zuhause von bis zu 200 Menschen auf der Flucht. Auch zur politischen Beurteilung der Flüchtlingsbewegungen verlor Wolbergs einige Worte.

Wenn Leute aus dem Kosovo flüchteten, habe das „natürlich eine andere Dimension“ als bei Flüchtlingen aus „schweren Kriegsgebieten“. In jedem Falle handle es sich dabei aber um Menschen, die „wenigstens die Chance auf ein besseres Leben mit ihrer Flucht verbinden.“ Darüber sei zunächst einmal gar nicht zu urteilen. „Für uns geht es einfach darum, dass wir uns um die Menschen kümmern.“

Wolbergs hebt sich mit dieser Sichtweise deutlich von vielen seiner politischen Kollegen ab. So kommentierte im Zusammenhang mit Flüchtlingen aus dem Kosovo beispielsweise der Deggendorfer Landrat Christian Bernreiter (CSU) vor wenigen Tagen in einem Interview mit dem Bayerischen Rundfunk: „Wir sind nicht das Sozialamt vom Balkan!“ – ein Satz, der sich nur unwesentlich von NPD- und AFD-Wahlsprüchen unterscheidet. 

„Zunächst mal ist jeder, der hier zu uns kommt willkommen.“ 

„Da ist höchste Vorsicht geboten“, sagt uns Wolbergs, als wir ihn auf das Bernreiter-Zitat ansprechen. Wolbergs habe sich bei solchen Fragen immer sehr zurückhaltend geäußert. „Zunächst mal ist jeder, der hier zu uns kommt willkommen und wir helfen. Deshalb kann ich allen Beteiligten nur raten: Die falsche Wortwahl bei solchen Fragen kann dazu führen dass man Emotionen hervorruft, die schwierig werden können.“
 
Die Flüchtlinge werden in der Clermont-Ferrand-Turnhalle für etwa fünf bis sechs Wochen versorgt.
 

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Kommentare (2)

  • Regensburger

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    Es freut mich immer, wenn ich lese, dass Jemand mit unserem Geld eine humanitäre Großzügigkeit zeigen möchte. Was hat die soziale und humane Stadtpolitik für „unsere“ Bürger, besonders für die Obdachlosen und die, die jeden Morgen die Abfalleimer auf die leeren Flaschen absuchen müssen, damit sie im Winter nicht erfrieren oder verhungern, gemacht? Monatsgehalt im Kosovo, nach den Pressebericht beträgt 300 Euro, im Deutschland ist aber der Harz IV über 400 Euro. 100 Euro ist, für die „Sozial Flüchtlinge“ viel Geld aber auch für die meisten Deutschen.

  • Joey

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    Wir sind auch nicht das Sozialamt vom Balkan. Wenn die NPD behaupten würde, daß die Sonne nachts nicht scheint, wäre das trotzdem richtig, aber kein Grund, die NPD lange zu zitieren oder sonst wie aufzuwerten. Man muß aber sagen dürfen, daß die Sonne…, denn die klassischen Sprechverbote geben Leuten wie der NPD ja gerade Aufwind.

    Das Asylrecht ist kein Sozialinstrument, sondern auf politische Verfolgung ähnlich dem NS Terror bezogen. Das schließt ja nicht aus, daß man legale Einwanderungsmöglichkeiten schafft. Der aktuelle Zustand fördert nur Kriminalität – als Schlepperkriminalität und daraus folgend die Schuldknechtschaft der Geschleppten, die im Zielland der Mafia in irgendeiner Form zu Diensten sein müssen.

    Wenn „die Wirtschaft“ Zuwanderer braucht, kann sie diese auch jetzt schon legal herbringen. Auf eigene Kosten und Risiko. „Wir“ sollten inzwischen freundlich zu allen Menschen sein und trotzdem Leute nach einiger Zeit freundlich bestimmt wieder nach Hause bringen, die sich offenbar verlaufen haben. Und mit Wegweisern dafür sorgen, daß sich das nächste Mal nicht mehr so viele verlaufen.

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