Archiv für 15. Februar 2008

Seit Mittwoch erinnert am Weißgerbergraben 7 ein Stolperstein an das Schicksal des kleinen, rundlichen Fräulein Hahn, mit dem feinen Lächeln und dem schweren Gang.	Alle Fotos: AignerKleine Geschichte über einen von 18 Stolpersteinen Fast ein wenig schüchtern wirkt Fritz Sautner, als er am Mittwoch an Dieter Weber herantritt. Er wär jetzt da, meint er knapp. Und Dieter Weber freut sich. Weber ist einer der Organisatoren bei der Verlegung der 18 Stolpersteine für von den Nazis ermordete Regensburger. Gerade geht die Gruppe von etwa 20 Menschen den Weißgerbergraben hinunter. Es ist kurz vor 14 Uhr und bei der Hausnummer 7 wird gerade der 7. Stolperstein verlegt. Für Hedwig Hahn. Sie hat in dem Haus gelebt, bis sie 1942 nach Piaski deportiert wurde. Außer, dass sie damals 53 Jahre alt war, wüsste man nichts über sie, gäbe es nicht Fritz Sautner. Der war damals sieben Jahre alt, hat schräg gegenüber gewohnt und kann sich noch gut an „das Fräulein Hahn” erinnern. Während der Bildhauer Gunter Demning den Stein professionell ins Pflaster hämmert, unterhält sich Fritz Sautner mit den Umstehenden. Fritz Sautner am Stolperstein für Hedwig Hahn. Auf seine Initiative hin wurde der 1942 ermordeten Frau dieses Andenken gewidmet.Aus der netten Nachbarin wurde der „Volksschädling” Der heute 73jährige Unternehmer erzählt, dass er ein „Glasscherbenviertler” war und unter dem kleinen grünen Haus, in dem das Fräulein Hahn gelebt hat, immer mit den anderen Kindern gespielt hat. Sie hat immer am Fenster gesessen „wissend herunter gelächelt”, erinnert Sautner sich. Dann liest er eine Passage aus der Geschichte über das Fräulein Hahn vor, die er schon vor Jahren aufgeschrieben hat und legt schließlich zwei Rosen am fertig installierten Stolperstein nieder. Losgelassen hat es den Fritz nie, dass er als Kind von einen Tag auf den anderen mit der kleinen rundlichen Frau nicht mehr reden durfte. Und als kleiner Bub konnte er auch nicht verstehen, warum aus der freundlichen Nachbarin plötzlich ein „Volksschädling ” geworden sein sollte. Fritz Sautner hat als Siebenjähriger in der Nachbarschaft von Hedwig Hahn gewohnt und seine Erinnerungen zu Papier gebracht.Warum sich Fritz Sautner so gut an Hedwig Hahn erinnern kann… Das „feine, freundliche Lächeln” des Fräulein Hahn ist dem siebenjährigen Fritz immer aufgefallen. Mit dem saß sie immer am Fenster ihres kleinen, grünen Hauses am Weißgerbergraben 7 und sah den Kindern zu, wenn sie auf der Straße Fußball oder „Reiber und Schandi” spielten. Klein und etwas rundlich sei sie gewesen, das Fräulein Hahn, erzählt Fritz Sautner heute. Und einen etwas schweren Gang habe sie schon gehabt. Ihr Vater Jonathan war erst vor kurzem gestorben. Sie war alleinstehend. Und in das kleine grüne Haus sah der Fritz nie einen Besucher kommen. Hedwig Hahn war Jüdin. „Sie lebte ein Leben auf Zeit”, weiß Fritz Sautner heute. „Jeden Tag konnte man sie abholen und es war sowieso ein kleines Wunder, dass man sie immer noch in dem kleinen grünen Haus wohnen ließ”, schreibt er in seiner vor 13 Jahren verfassten Geschichte über Hedwig Hahn. Hier befand sich das zwangsarisierte Kaufhaus Dietz.Auf ihrem dunkelblauen, schon etwas zerschlissenen Mantel prangte groß und gelb der Davidsstern und das Wort „Jude”. Die wenigen Male, wenn der Fritz sie aus dem Haus kommen sah, trug sie immer einen gleichfalls blauen Schal, mit dem sie versuchte, Stern und Aufschrift ein wenig zu überdecken. „Diese Leute waren damals Freiwild”, erzählt Sautner heute. Reden durften die Kinder nicht mit ihr. Der Kontakt zwischen Juden und Nichtjuden war streng verboten. Und wirklich erklären konnte es dem Fritz keiner, warum die Frau Hahn, die als eine von wenigen immer lächelte, wenn sie die Kinder spielen sah, „die niemals jemand auch nur mit einem lauten Wort entgegen getreten war auf einmal zu einem ,Volksschädling’ geworden sein sollte”. „Hinter leicht vorgehaltener Hand wurde mir erklärt, dass ich das halt noch nicht verstehe und dass der Führer schon weiß, was er tut.” Fritz hat noch das Bild vom Hampelmann im Kopf, der hinter den Scheiben des Kaufhauses Dietz in der Gesandtenstraße hing. Er weiß auch noch, dass er sich als kleines Kind wunderte, weil der Hampelmann dort auch noch hing und funktionierte, als die Scheiben eines Morgens zersplittert und die Räume verwüstet waren. Geraume Zeit später war der Hampelmann weg, neues Glas eingesetzt und aus dem Kaufhaus Dietz war was Kaufhaus Benno Bauer geworden. Dass das die Reichspogromnacht war und das jüdische Kaufhaus Dietz damals „zwangsarisiert” wurde, wusste erst der erwachsene Fritz. Und erst dem wurde schließlich bewusst, „wie schwer es für das Fräulein Hahn war, ganz alleine in ihrem kleinen grünen Haus zu sitzen und jeden Tag damit zu rechnen, abgeholt zu werden.” Die Annahme, dass so etwas heute nicht mehr passieren könnte, hhält Sautner für „ganz schön naiv”, sagt er uns. Einmal kam der Fritz dem Fräulein Hahn ganz nahe. An einem der wenigen Tage, an dem sie noch ihr Haus verließ, fiel sein Blick auf den Stern, über den sie – wie immer – ihren Schal ganz leicht gelegt hatte. Vor lauter Starren stieß er fast mit ihr zusammen. „Als ich mich erschreckte und in ihr Gesicht sah, war da wieder dieses feine, wissende und an diesem Tag fast etwas traurige Lächeln.” Das alles dauerte nur wenige Sekunden, doch Fritz Sautner ist dieser Moment bis heute im Gedächtnis geblieben. Es war das letzte Mal, dass er Hedwig Hahn sah. Ein paar Tage später bemerkte er, dass sie nicht mehr wie sonst am Fenster saß und die Kinder beim Spielen beobachtete. „Sie haben sie abgeholt”, sagte man dem kleinen Fritz. Im Lager Theresienstadt solle sie sich nun „ihr tägliches Brot wie alle anderen durch körperliche Arbeit verdienen”, erzählten ihm die Erwachsenen. „Ich stellte mir in meiner Phantasie vor, dass an einem Ort mit einem so schön klingenden Namen dem Fräulein Hahn nichts passieren konnte”, schreibt Sautner. Heute weiß er, dass Hedwig Hahn am 2. April 1942 abgeholt wurde und ins polnische KZ Piaski gebracht werden sollte. Fräulein Hahn soll bereits auf dem Weg dorthin gestorben sein. Die kleine rundliche Frau mit dem schweren Gang und dem feinen Lächeln, an das sich Fritz Sautner bis heute erinnert, war damals 53 Jahre alt. Am Weißgerbergraben 7 gibt es seit Mittwoch einen Stolperstein, der auch andere an das Fräulein Hahn erinnert.

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Darf Daut kommen?

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Morgen, Regensburg

Haben Sie’s noch nicht gehört? Gott hat noch einiges vor – mit Hans Schaidinger. „Alles Liebe und auf bald! Gott.”, schreibt er höchst selbst (Gott, nicht Hans Schaidinger) in einem Liebesbrief, der ihm (Hans Schaidinger) gestern von Stadtdekan Alois Möstl zum Valentinstag zugestellt wurde. Was wird Gott wohl mit Hans Schaidinger vorhaben, fragen wir uns […]