Nach Boykottaufruf

Wegen „Grenzzaun-Halbe“: Studentenwerk setzt Bestellung bei Röhrlbräu aus

Print page

Das Studentenwerk hat auf den Boykottaufruf der Studierendenvertretung reagiert. Vorerst gibt es keine Nachbestellungen. Dafür lobt die AfD das neue Bier von Röhrlbräu.

"Heimat braucht Bier": Die

„Heimat braucht Bier“: Die „Grenzzaun-Halbe“ von Röhrlbräu. Foto: Facebook

Die „Grenzzaun-Halbe“ könnte die Straubinger Röhrlbrauerei nun richtig Geld kosten. Wie das Studentenwerk Niederbayern/ Oberpfalz heute mitteilt, werden die Bestellungen bei Röhrlbräu ausgesetzt. Damit reagiert das Studentenwerk auf den Boykottaufruf der Studierendenvertretung an der Uni Regensburg.

Im Interview mit unserer Redaktion hatte Dominik Graf, Referent für Ökologie und Mitglied im Mensaauschuss, zudem gefordert, den Exklusivvertrag mit Röhrlbräu zu kündigen. Graf wörtlich: „Es ist populistisch und geschmacklos von Röhrl, die Diskussion um eine Obergrenze, vorhandene Gegnerschaft zu Flüchtlingen und Volkstümelei aufzugreifen, um solche Leute dazu zu bringen, ihr Bier zu kaufen. Ein solches Unternehmen hat bei uns auf dem Campus nichts verloren.“

Die Idee kam „bei einer Feierabendhalbe im Wirtshaus“

Die Moosburger Aktivisten-Gruppe „Erdlinge“ hatte auf ihrer Facebook-Seite auf das neu Produkt von Röhrlbräu aufmerksam gemacht. Neben dem Namen des Bieres und dem Design des Etiketts stoßen sich Kritiker auch an dem Preis von 88 Cent, zu dem das Bier etwa in den Hausler Getränkemärkten verkauft wird – die Zahl 88 steht in rechtsradikalen Kreisen für „Heil Hitler“ und dem Mindesthaltbarkeitsdatum 9. November, dem Datum der Reichspogromnacht.

Geschäftsführer Frank Sillner hatte gegenüber dem Münchner Merkur eingeräumt, dass man mit dem Bier „ein Stück weit provozieren“ und ein „politisches Statement für Bayern“ abgeben wollte, wies allerdings eine rechtsradikale Gesinnung weit von sich. Im Übrigen verkaufe sich die „Grenzzaun-Halbe“ wie „geschnitten Brot“. Die Idee sei ihm „bei einer Feierabendhalbe im Wirtshaus“ gekommen, so Sillner auf der Homepage der Brauerei. „Von allen Seiten erhielt ich großen Zuspruch.“

Vertrag mit Labertaler läuft noch bis Juni

Der Zuspruch des Studentenwerks scheint nun nicht mehr gegeben. Von dort teilt man mit, dass demnächst die Auftragsvergabe für die Getränkelieferungen in Mensen und Cafeterien neu anstehe. In der heutigen Pressemitteilung heißt es dazu:

„Bei der letzten Vergabe im Juni 2015 erhielt die Firma Labertaler Heil- und Mineralquellen Getränke Hausler GmbH den Zuschlag als wirtschaftlichster Bieter, die alkoholische Getränke der Brauerei Röhrl aus Straubing im Sortiment vertreibt. Das Studentenwerk Niederbayern/Oberpfalz bereitet gerade die neue öffentliche Auftragsvergabe vor, die im Juni 2016 erfolgen soll.“ Die „Grenzzaun-Halbe“ werde man im Rahmen des derzeit noch bestehenden Vertrags „ weder beziehen, noch in den Verpflegungseinrichtungen des Studentenwerks anbieten. Wegen der aktuellen Diskussion werden die Nachbestellungen der Produkte der Firma Röhrlbräu ausgesetzt und lediglich die Lagerbestände abverkauft.“

Dafür freut sich die Deggendorfer AfD via Twitter über das neue Produkt aus dem Hause Röhrlbräu.

Labertaler hatte das Bier zunächst auch im Netz beworben. Die entsprechenden Seiten wurden mittlerweile offline genommen. 

Trackback von deiner Website.

Bitte unterstützen Sie eine unabhängige Berichterstattung in Regensburg.

 
Verein zur Förderung der Meinungs- und Informationsvielfalt e.V.
IBAN: DE14750900000000063363
BIC: GENODEF1R01

Kommentare (18)

  • Mr. T

    |

    Rechtsradikale Gesinnung weit von sich weisen ist natürlich meist ein aussagekräftiger Hinweis auf eine rechtsradikale Gesinnung. Für solche Leute sind natürlich nur die Rechts, die noch weiter rechts von Ihnen stehen, also die Glatzen mit tätowierten Hakenkreuzen. Kommt natürlich immer auf den eigenen Standpunkt an. Da ist so ein geschmackloses Bier mit offenen Nazianspielungen auch nur ein lustiger Stammtischspaß. Und wenn dann nach dem Stammtisch noch ein ganz lustiger Spaßvogel einen Molli in die Flüchtlingsunterkunft wirft, hats halt einer übertrieben mit dem Spaß.

  • XYZ

    |

    Die Röhrlbräu verkauft das Bier nicht für 88 Cent, sondern für 80 Cent. Korrekte Recherche ist auch eine journalistische Pflicht. In einem gewissen sehr alten, nicht näher genannten Buch wird übrigens offen zum Mord an Ungläubigen (insbes. Juden ud Christen) aufgerufen. Dieses Buch wird allerdings seltsamerweise nicht boykottiert. Vielleicht sollte sich das Studentenwerk um wichtigere Dinge kümmern, als um Bier und angeblich rechtsradikale Intentionen einer Brauerei!

  • Stefan Aigner

    |

    @xyz

    Die. Hausler Getränkemärkte, wo das Bier für 80 Cent plus acht Cent Pfand verkauft wird, arbeitet mit Röhrl eng zusammen. Geschäftsführer Sillner hat gegenüber dem Merkur selbst erklärt, dass man den Preis nun ändern wolle.

  • Mr. T

    |

    Die arbeiten nicht nur eng zusammen, sondern haben sogar denselben Geschäftsführer – Sillner.

  • blauäugig

    |

    @xyz Das Dezimieren andersgläubiger haben sich ja viele Religionen auf die Fahnen geschrieben. http://www.unmoralische.de/morden.htm
    Sie mögen das Mindesthaltbarkeitsdatum als puren Zufall sehen, und hinter den anderen Vorwürfen eine Verschwörungstheorie. Ich gehe davon aus, dass die Brauerei bewusst ein Feld beackert, um neue Kunden zu gewinnen, und dafür auch in Kauf nimmt, dass sie andere Kunden verliert – es ist halt eine „Neupositionierung der Marke“.
    Schon allein der Begriff Grenzzaun – Bayern hatte nach Norden hin einen mit Selbstschussanlagen, in der aktuellen Diskussion geht es mehr um den Nato- als um einen Maschendrahtzaun.

  • Ziander

    |

    Das ist „antifaschistischer „Kampf…eine Provinzposse der politischen Onanie in Reinkultur
    Nicht vergessen alle Wirtshäuser boykottieren die ein „Zigeuner“ schnitzel anbieten…

  • Regensburgerin

    |

    @XYZ
    Wenn das nicht rechtsradikal ist, was ist es dann? Regensburg hilft?
    Manche Menschen versuchen alles schön zu reden: eigentlich meinte ich nicht so, was ist daran so schlimm usw. Mann soll die Sachen richtig benennen und das hier ist fremdfeindlich! Darüber dürfen gar keine Diskussion geführt werden. So ein Name grade am Stammtisch gibt gleich die Stimmung an, leider die falsche. Respekt für Studentenwerk. Ich wünsche mir noch mehr solche Aktionen von unseren jungen Menschen. Jugend, die weltoffen und religonfrei sowie keine Nationalität- und Rassezugehörigkeit hat.

  • Mr D.

    |

    Also in Anbetracht der momentanen Situation kann ichs ja schon verstehen, dass man ein bisschen sensibilisiert ist. Insbesondere wenn ma de Wahlergebnisse in Sachsen ansieht. Aber in meine Augen kann ma´s a echt übertreiben. Des Verfallsdatum is reiner Zufall – wird fest vom System vorgegeben. De 88 Cent, setzen sich ja wie scho erwähnt aus 80 Cent und 8 Cent Pfand zusammen – is zwar unglücklich aber mei. Und wenn no a bisserl Insiderwissen hat, dass der Kasten „Grenzzaunhoibe“ eigentlich mit am „Grenzzaunöffner“ (Flaschenöffner) verkauft werden sollte – seh i da absolut kein Grund sich da groß aufzuregen. I finds um ehrlich zu sein sogar a tolle Idee, im Grunde a Bier für Bayern bzw. de bayerische Kultur in der Schafkopf in da Kneipen am Stammtisch gspuid wird und a über Politik diskutiert wird. In der da Urbayer nix mit de „Preußen“ zum doa ham will und etz mit de Flüchtlinge scho gar ned zurechtkemma will/kann. Der Name is provokant, aber regt zu Diskussionen über de momentane Politik an, was wiederum as Interesse weckt, sich genauer zu informieren und vielleicht mal über den Tellerrand zu sehen – was ja ned unbedingt schlecht is. Mei und schmecka dauts ja eigentlich a des Bier, völlig unabhängig was da drauf steht.

  • dugout

    |

    @ Mr.D.: Na dann passts ja. Alles blos a bleder Zufall^^
    Straubinger Dorfdeppen Halbe wär auch ein passender Name

  • El

    |

    Wie nett vom Röhrl Bräu, dass er so aktiv und weltoffen und auf so eine nette bayerische Art zur aktuellen politischen Diskussion beiträgt. Darauf stoß ich an – mit einem Chai allerdings , der stößt mir ned so auf !

  • Dieter

    |

    Wer mit der Grenzzaumhalben kein Problem hat wie Ziander oben, dem geht natürlich auch ein ‚Zigeuner‘ oder ‚Neger‘ leicht über die Lippen. Alles nicht so schlimm, mia san ja in Bayern und da sagt ma des, der Rest sind hysterische linke Saupreissn und Gutmenschen. Man kennt die Argumentation. Wenn aber alle anderen für einen links und gut sind, dann ist man wohl selbst böse und rechts. Oder bestenfalls etwas einfach gestrickt, empathielos und konservativ. In der hochgehaltenen bürgerlichen Mitte ist man damit allerdings nicht mehr.

    Herzlichen Dank an das Studentenwerk für die schnelle und konsequente Reaktion.
    Und nein, das ist nicht die böse, böse politische Korrektheit, sondern Anstand. Und den gibt es in Bayern auch, wenn auch selten bei den selbsternannten anständigen und besorgten Bürgern zu finden.

  • Aus für „Grenzzaun-Halbe“ » Regensburg Digital

    |

    […] breite öffentliche Kritik, dann der drohende Verlust eines Exklusivvertrags für Getränkelieferungen an die Universität Regensburg, mittlerweile droht auch der Labertaler-Konzern, zu dem die Straubinger Brauerei gehört ein […]

  • röööhr

    |

    Die Grenzzaun-Halbe boykottiere ich, weil das Bier von Röhrl nicht schmeckt.

  • peter pan

    |

    mich wundert immer weniger das die bewegung einst in bayer gegründet wurde…

  • fotodrescher

    |

    Ich staune über die Deutschkenntnisse jener Foristen, die an der Biermarke Grenzzaun nichts auszusetzen haben. Bayrisch ist ebenso wie Sächsisch kein Dialekt, sondern einfach nur schlechtes Deutsch. Vermutlich haben auf manchen Dörfern zu viele Buam ihre Cousinen geheiratet, was ja leider nicht verboten ist.

  • Karin Neugebauer

    |

    @fotodrescher
    „Bayrisch ist ebenso wie Sächsisch kein Dialekt, sondern einfach nur schlechtes Deutsch. Vermutlich haben auf manchen Dörfern zu viele Buam ihre Cousinen geheiratet“
    Und welcher Rassismus ist das?

Kommentieren