Pegida München: Sammelbecken für Schläger und Volksverhetzer

Breites Bündnis gegen braunes Kaffeekränzchen

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Gegen die Pegida-Kundgebung am Samstag in Regensburg formieren sich breite Gegenproteste. Der Münchner Ableger gilt zwar als klein, aber besonders radikal. Zu Rednern und regelmäßigen Teilnehmern gehören einschlägig vorbestrafte Gewalttäter und Neonazis.

2013 standen etwa 20 Neonazis über 2.000 Regensburgerinnen und Regensburger gegenüber. Foto: Archiv/ Herbert Baumgärtner

2013 standen etwa 20 Neonazis über 2.000 Regensburgerinnen und Regensburger gegenüber. Foto: Archiv/ Herbert Baumgärtner

„Regensburg hat einen Ruf zu verteidigen“, sagt der Grünen-Vorsitzende Stefan Christoph und ruft am heutigen Montag gemeinsam mit seiner Vorstandskollegin Maria Simon zum Protest gegen die Pegida-Kundgebung am kommenden Samstag auf. Zuvor hatten von den im Stadtrat vertretenen Parteien bereits Linke und SPD zu einer Gegendemonstration aufgerufen. Auch das 2005 gegründete Bündnis „Kein Platz für Neonazis“, dem unter anderem der DGB, die Sozialen Initiativen, VVN, Linke und Piratenpartei angehören, und der etwas jüngere Zusammenschluss „Initiative gegen Rechts“ mobilisieren gemeinsam gegen den Aufzug, den die Rechtsextremen am Domplatz geplant haben.

Hitlergruß zum Einstand

Wie berichtet, hatte NPD-Mann Karl Richter – bekannt unter anderem, weil er bei seiner Vereidigung als Münchner Stadtrat den Hitlergruß zeigte – via Facebook angekündigt, das Münchner Pegida-Modell nach Regensburg und Augsburg zu „exportieren“. Sein pathetischer Aufruf: „Zusammenschluß, nicht Distanziererei und Ausgrenzungswahn sind das Gebot der Stunde.“

Heinz Meyer, Wortführer von Pegida München. Foto: Witzgall

Heinz Meyer, Wortführer von Pegida München. Foto: Witzgall

In München erreicht dieser „Zusammenschluss“ bei seinen regelmäßigen Kundgebungen dem Rechtsextremismus-Experten Thomas Witzgall zufolge zwar allenfalls die „Größe eines Kaffeekränzchens“, allerdings zeigt ein Blick auf regelmäßige Teilnehmer und Redner, das sich hier ein Sammelsurium an Vorbestraften, Schlägern und Neonazis zusammengefunden hat, die nun am Samstag, von 19 bis 22 Uhr, am Domplatz provozieren wollen.

Heinz Meyer, Wortführer von Pegida München, wurde Anfang des Jahres zu 140 Tagessätzen wegen Körperverletzung verurteilt, weil er eine 75jährige Frau zu Boden geschubst haben soll. Sie erlitt Platzwunden an Stirn und Nase und musste ins Krankenhaus eingeliefert werden. Derzeit läuft die Berufung gegen das erstinstanzliche Urteil.

Notorischer Gewalttäter

Eine führende Figur: Der Nazi-Schläger Walter Strohmeier bei einem Aufmarsch des III. Wegs in Deggendorf im August. Foto: Witzgall

Der Nazi-Schläger Walter Strohmeier bei einem Aufmarsch des III. Wegs in Deggendorf im August. Foto: Witzgall

Zum zweiten „Pegida-Geburtstag“ im Januar 2017 trat Walter Strohmeier als Redner auf. Strohmeier ist „Stützpunktleiter Ostbayern“ für die nationalsozialistische Kleinstpartei „Der dritte Weg“. Der 30jährige ist ein einschlägig vorbestrafter Schläger. 2011 fiel er zusammen mit einem Kumpel über einen Mann her und trat mehrfach auf den am Boden liegenden ein.

Laut einem Bericht der Passauer Neuen Presse zum damaligen Prozess, wo Strohmeier zu drei Jahren verurteilt wurde, erlitt sein Opfer „unter anderem eine erhebliche Gesichts- und Schädelprellung, eine mehrfache Nasenbeinfraktur, die eine Operation erforderlich machte, sowie eine verhängnisvolle Augenverletzung (…) mit durchaus anzunehmenden Dauerschäden, die selbst das Gehirn einschließen und zu einem Pflegefall führen könnten“.

Erst im März wurde Strohmeier – nach einigem Betteln – zu einer Bewährungsstrafe von elf Monaten verurteilt, weil er versucht hatte eine junge Frau zu schlagen und die herbeieilenden Sicherheitsleute mit „Sie Heil“-Rufen und Flüchen bedachte.

Ein Antisemit als „glühendes Vorbild“

Regelmäßiger Teilnehmer ist auch Karl-Heinz Statzberger, ebenfalls beim Dritten Weg aktiv. Er wurde 2005 zu vier Jahren und drei Monaten verurteilt, weil er zusammen mit dem Rechtsterroristen Martin Wiese einen Sprengstoffanschlag auf das jüdische Kulturzentrum in München geplant hatte.

Schlägt gern zu und verehrt den rasenden Antisemiten Horst Mahler: Philipp Hasselbach. Foto: Archiv

Schlägt gern zu und verehrt den rasenden Antisemiten Horst Mahler: Philipp Hasselbach. Foto: Archiv

Redner bei Pegida München war auch schon Philipp Hasselbach, Landesvorsitzender der Partei „Die Rechte“. Der 29jährige gilt als führender Kader der neonazistischen Kameradschaftsszene. Wegen mehrerer Körperverletzungsdelikte, aber auch wegen Volksverhetzung und Betrug ist Hasselbach mehrfach einschlägig vorbestraft. Im Terroristen und Holocaustleugner Horst Mahler sieht Hasselbach unter anderem ein „glühendes Vorbild“.

Ein Potpourri des Irrsinns

Im vergangenen Jahr trat mit Thomas Fügner auch zwei Mal ein Mitglied des Landesvorstands der AfD bei Pegida München auf. Im August 2016 teilte er sich das Rednerpult mit dem Nürnberger Neonazi Dan Eising, Ex-Funktionär bei „Die Rechte“. 2015 veranstaltete der damals von ihm geführte Kreisverband nach Angaben des bayerischen Landesamts für Verfassungsschutz einen Vortrag mit dem Rechtsterroristen Karl-Heinz Hoffmann („Wehrsportgruppe Hoffmann“). Seit dem Auftritt mit Eising wurde Fügner laut Auskunft von Thomas Witzgall nicht mehr öffentlich bei Pegida gesichtet.

Die Themenauswahl bei den Auftritten von Pegida München ist ein Potpourri von braunem Irrsinn. Das ließ sich zuletzt Ende Juli beobachten. München müsse wieder „Hauptstadt der Bewegung“ werden, schwelgte da etwa Heinz Meyer in Hitler-Nostalgie. Ein selbsternannter Pater las aus den antisemitischen „Protokollen der Weisen von Zion“ und beschwerte sich darüber, dass es heute verboten sei, gleichgeschlechtliche Lebenspartnerschaften als „pervers“ zu bezeichnen.

„Das Parteikürzel ist völlig egal“

Ob NPD oder Pegida: Karl Richter (re.) ist das "völlig egal". Foto: Archiv/ as

Ob NPD oder Pegida: Karl Richter (re.) ist das „völlig egal“. Foto: Archiv/ as

Mehrere Gesichter – unter anderem Karl Richter, Philipp Hasselbach, Walter Strohmeier und Karl-Heinz Statzberger – wurden in den zurückliegenden Jahren unter verschiedensten Überschriften gesichtet, wenn Neonazis versucht haben, in Regensburg öffentlich Raum zu gewinnen. NPD-Mann Richter kommuniziert dies recht offen. Auf Facebook schreibt er, „das Partei- oder Organisationskürzel, unter dem solche Aktionen stattfinden“, sei „im Rückblick völlig egal“.

Unter welchem Kürzel sich die Neonazis treffen, dürfte auch den meisten Regensburgern egal sein. Stets waren die Kundgebungen und Aufmärsche von breiten Gegenprotesten begleitet. Und das ist dann wohl auch der Ruf Regensburgs, den es laut Stephan Christoph am 9. September zu verteidigen gilt.

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Kommentare (18)

  • Mathilde Vietze

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    Ich finde es richtig und wichtig, diesem braunen Pack die Stirne zu
    bieten und eine breit angelegte (friedliche) Demonstration anzustreben.
    Mene Angst geht allerdings auch dahin, daß sich wieder ein paar Ver-
    rückte, denen es nicht um die Sache geht, sondern nur um Gewalt,
    sich „anhängen“ und so die Absicht der Friedlichen kaputtzumachen
    versuchen.

  • Mr. T

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    Demonstrieren diese kleinen Geister deswegen immer vor dem Domplatz weil sie da hoffen, auch über die Rattenlinie durch die Hintertür im Dom über Rom den Rückzug antreten zu dürfen? Wie seinerzeit ihre großen Vorbilder?
    Die Liste der Teilnehmer an den Münchner Idiotentreffen liest sich schon erschreckend. Da dürfen verurteilte Rechtsterroristen und einschlägige Straftäter einfach so mittanzen. Und kaum einen störts …

  • otto

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    Eine traurige Demokratie, in der Andersdenkende angefeindet werden. Das sind die wahren Nazis und Demokratiefeinde, Linke, Grüne und Konsorten.

  • Mr. T

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    Schon klar, otto. Aber diese „Andersdenkenden“ oder besser kaum denkenden dürfen ihrerseits wiederum anders denkende anfeinden oder anzünden oder verhetzen usw?

  • KS

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    Domplatz ist super! Dann kann der Bischof wieder die Dom-Glocken läuten, wie beim letzten Mal. Gegen den Gotteslärm haben braune Parolen keine Chance.

  • KS

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    @otto: einfach mal die Klappe halten und Nachdenken. Die rote Linie bei der Meinungsfreiheit setzt das Grundgesetz (die wahrscheinlich beste Verfassung der Welt).

  • otto

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    Aha, das Grundgesetz, na dann hab ich doch recht !

  • R.G.

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    Töne haben keine Schleifchen.

    Wie kann man das beim Hören unterscheiden?: Läuten die Glocken dagegen an oder stimmen sie in den Tenor ein?

  • Lenerl

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    @ otto:
    Mit was genau haben Sie recht?
    Ich kapiere es leider nicht, aber vielleicht können Sie es ja genauer erklären?

  • joey

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    Demonstrationsrecht: Deppen dürfen demonstrieren. Man darf auch dagegen demonstrieren.
    Was ein Bischof nicht darf: mit Glockengeläut die Demonstration stören, auch wenn es Deppen, Verbrecher oder sonstwas sind. Das Recht hier im Land entscheidet nicht ein Bischof oder jemand mit einer Trillerpfeife.

    Man kann sich ja überlegen, ob man der NPD mit so viel Aufmerksamkeit nicht sogar einen Gefallen tut.

  • Tobias

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    PEGIDA sollte sich mit solch lächerlichen Dingen nicht ständig selbst in die Schlagzeilen hieven. Der, sagen wir mal, „Anteil an Interessierten“ ist in Regensburg doch nahe Null. Könnte eine Bank einen Geschäftsmann noch ernst nehmen, nachdem er zum wiederholten Male mit unnötigen Ideen pleite ging und es mal wieder versucht? Außerdem ist vor allem die bayerische Truppe zutiefst unsympathisch auf allen Ebenen. Diesen Gestalten könnte ich nicht einmal begegnen, wenn sie für ein Kinderkrankenhaus sammeln würde.

    Andererseits fände ich eine Demonstration der Falken nicht schlecht, die randaliert früher oder später, dann kommt die böse Polizei und ein ebenso „Nazi“-Richter* verdonnert einen zu 750 EUR Geldbuße wie zur NPD-Demo damals (RD berichtete).^^

    *Grober Wortlaut einiger Kommentare unter besagtem Regensburg-Digital-Artikel

  • R.G.

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    Im Zuge privater Nachforschungen zu einem Hobbythema kam ich beinahe ausschließlich mit sehr alten Herren im Münchner Raum in Kontakt.

    Häufig erzählten sie, ihr Erbe gehe an Leute aus der Rechten Szene, da dies die einzigen Besucher wären. Die Kirche und die Tierschutzvereine kämen nur zum Kassieren.

    Nach dem Zusammenbruch der DDR kauften sich die Rechten bevorzugt in Ostdeutschland ein, was dort allerdings zum Erhalt der erworbenen Gutshöfe, Gasthäuser und Schlösser fehlt, sind die Gönner und Vererber.

    Ich sehe es daher als folgerichtig an, dass die Kräfte vom Politischen Rand speziell nach Regensburg und Augsburg „expandieren“ – wo es mutmaßlich noch finanzielle Unterstützung zu holen gibt, wenn man sich so positioniert, dass es in ganz alten Menschen „Erinnerungen“ weckt.

  • otto

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    Mir genügen die Erinnerungen an 2015, die sich hoffentlich nicht wiederholen ! (Merkel und ihre Sch…Asylanten) Übrigens der Mörder der rum. Frau, von letzter Woche in Regensburg, kam aus Mali, – abgelehnter Asylant ! – Insoferne bleibt nur zu hoffen, dass die AFD mehr Zulauf bekommt.

  • eingeborener

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    @0tto, ihr Mitgefühl mit der ermordeten rumänischen Prostituierten ehrt sie.ich dachte ja immer, rassisten wie sie sehen Rumänen als wirtschaftsfluechtlinge an, die ebenfalls abgeschoben gehören.
    Aber eine rumänische Prostituierte leistet dem Deutschen mannestum gute Dienste, da haben sogar sie mitleid, oder ?

  • otto

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    Kommentar gelöscht. Bitte ersparen Sie uns solche rassistischen Ergüsse.

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