Nach Bericht über Räumungsklage

Debatte: Fehlt es der Stadtbau am Menschlichen?

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stadtbautag

Unsere Berichterstattung über die Räumungsklage der Stadtbau gegen einen Rollstuhlfahrer hat für eine kontroverse Debatte in unserem Forum gesorgt. Wir dokumentieren die Wortmeldung von SPD-Fraktionschef Norbert Hartl zu unserem Bericht, die Erwiderung von Herausgeber Stefan Aigner und die Reaktion des Betriebsrats der Stadtbau, der sich gegen unsere „brandmarkende“ Berichterstattung wehrt. In Kürze werden wir uns nochmal etwas intensiver damit beschäftigen.

Norbert Hartl

Norbert Hartl

Sehr geehrter Herr Aigner, Ihre Kritik an der Stadtbau ist unberechtigt, der Artikel ist einseitig dargestellt. Die Stadtbau, der Herr Oberbürgermeister und auch ich haben uns intensiv um den Mieter bemüht. Der Mieter hat im selben Haus passende Wohnungen angeboten bekommen. Er hatte auch jeweils genügend Bedenkzeit. Der Mieter hat alle Angebote abgelehnt. Es liegt ausschließlich an diesem Mieter, dass seit über einem Jahr kein neuer Aufzug gebaut werden kann. Ich persönlich unterstütze bestimmt die Interessen der Mieter, aber es ist nicht nachvollziehbar, dass ein einzelner Mieter, der eine schöne Wohnung bekommen hätte, den dringend notwendigen Aufzug für das ganze Haus zwei Jahre blockiert.

Gruß Norbert Hartl

Stefan Aigner

C91P9178Sehr geehrter Herr Hartl.

Vielen Dank für Ihre Stellungnahme. Es mag sein, dass dem Mieter geeignete Wohnungen angeboten wurden und dass er genügend Zeit hatte. Der Betroffene sieht das offenbar anders, ebenso mindestens ein weiterer Bewohner im Haus. Aber wenn es dennoch so gewesen sein sollte, bleibt die Frage, was einen Mieter dazu bringt, einen – so wie es sich derzeit darstellt – aussichtslosen Prozess zu führen und nun möglicherweise kurzfristig rausgeworfen zu werden. Kann es vielleicht daran liegen, dass die Stadtbau in der Vergangenheit einen sehr respektlosen Umgang mit Mietern gepflegt hat, der sie dann zu solchen Kurzschlusshandlungen treibt?

Nimmt man das Ehepaar in der Kurt-Schumacher-Straße, das ja seinerzeit öffentlich an den Pranger gestellt wurde, bleibt festzuhalten, dass eine Einigung insbesondere deshalb nicht erzielt werden konnte, weil am Anfang ausschließlich mit Druck, Drohungen und Nebelkerzen gearbeitet wurde. Irgendwann schalteten die Betroffenen dann auf stur.

Auch in diesem Fall hier ist das Kind wohl schon im Vorfeld in den Brunnen gefallen. Die Beschwerden wegen des Aufzugs wurden jahrelang ignoriert, den Bewohnern das Warmwasser aus wirtschaftlichen Gründen zu verweigern, ist an Geringschätzung und Technokratie kaum zu überbieten. Wenn dann – am Ende dieser Kette – ein Mieter auf stur schaltet, weil er jedwedes Vertrauen verloren hat, dann mag er damit (juristisch) Unrecht haben, dann mag das auf den ersten Blick nicht nachvollziehbar sein, aber über den Ausgangspunkt, dass die Stadtbau in diesem Gebäude und nicht nur hier anonyme und respektlose Mieterverwaltung statt Mieterbetreuung betreibt, sollte sich der Aufsichtsrat schon mal ernsthaft Gedanken machen. Der Stadtbau fehlt es am Menschlichen.

Renate Gilde, Betriebsratsvorsitzende der Stadtbau GmbH

stadtbauSehr geehrter Herr Aigner,

als Vertreter der 80 Mitarbeiter der von Ihnen in der Öffentlichkeit so sehr kritisierten „Stadtbau“ , stellen wir im Namen unseren Kolleginnen und Kollegen unsere Sicht der Dinge dar:

Die Behauptung, wir würden einen respektlosen Umgang mit den Mietern pflegen, weisen wir entschieden zurück.

Die Mitarbeiter der „Stadtbau“ verhalten sich den Mietern gegenüber respektvoll und korrekt.

Sehr wohl gilt es zu bedenken, dass ein kommunales Wohnungsunternehmen samt Mitarbeitern an vorgegebene Richtlinien gebunden ist.

Ihrer unterstellten „anonymen und respektlosen“ Mieterverwaltung widersprechen wir ebenso.

Jedem Mieter steht es frei, den persönlichen Kontakt zu seinem  Ansprechpartner in unserer Geschäftsstelle zu suchen.

Durch jahrelangen Kundenkontakt sind unseren Kolleginnen und Kollegen viele Mieter der rund 6500 Wohnungen namentlich und persönlich bekannt.

Dass es der „Stadtbau“ am Menschlichen fehlt, weisen wir ebenfalls entschieden zurück.

Mit dieser Behauptung sprechen Sie allen Mitarbeitern soziale Kompetenz ab.

Bei den von Ihnen zitierten Fällen handelt es sich um Ausnahmen, die nicht das Tagesgeschäft widerspiegeln und somit nicht zur Pauschalisierung aller Mietangelegenheiten führen sollten.

Bedenken Sie bitte, dass durch Ihre Art der einseitigen  Darstellung, die Mitarbeiter der „Stadtbau“ öffentlich gebrandmarkt werden.

Im Namen des Betriebsrates der Stadtbau-GmbH

Renate Gilde

Betriebsratsvorsitzende

Nachtrag von Stefan Aigner: Ich räume ein, dass die Bezeichnung „Stadtbau“ zu pauschal alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter betroffen haben mag. So war das nicht gemeint. Es geht hier insbesondere um die Geschäftsführung und deren Unternehmenspolitik/ Richtlinen. Inhaltlich bleibe ich ansonsten bei den Kritikpunkten in meinem Kommentar und werde das in Kürze noch näher ausführen.

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Kommentare (5)

  • Schlaflos in Regensburg

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    Es ist ja durchaus schön und gerechtfertigt, wenn sich der Betriebsrat vor die Mitarbeiter stellt und ihr Handeln aus dem Kreuzfeuer nimmt. Aber wenn der Fraktionschef der SPD wieder mal seine Fähnchen-im-Wind-Sprüche ablässt, dann geht der Rest des Stadtbau-Aufsichtsrat noch tiefer in Deckung. Dabei müssten z.B. Evelyn Kolbe-Stockert, Katja Vogel und Margit Kunc doch auch eine eigene Meinung haben.

  • Mathilde Vietze

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    Gerade Norbert Hartl hat sich noch nie vor der
    Stadtbau geduckt, bzw. sein Mäntelchen nach
    dem Wind gehängt. Alles andere sind bös-
    willige Unterstellungen im „Schutze“ der
    Anonymität.

  • Jürgen R.

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    Da hatte die SPD vor gar nicht so langer Zeit den Wahlslogan „Wer die menschliche Gesellschaft will muß die männliche überwinden!“ – vielleicht hat’s damit zu tun? Für mich ist diese Partei jedenfalls seitdem nicht mehr wählbar

  • Herrn Beckers neue Sachlichkeit » Regensburg Digital

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    […] Nachdem wir diesen „öffentlichen Brief“ veröffentlicht und die zugrundeliegende Debatte dokume…, kommt kurz darauf erneut eine Mail von Frau Gilde. Nun fordert sie uns plötzlich auf, den öffentlichen Brief „mit sofortiger Wirkung zu entfernen“, da von ihrer Seite „keine Freigabe erfolgt“ sei. Dieser Aufforderung sind wir selbstverständlich nicht nachgekommen und was die Motive der Betriebsratsvorsitzenden sind, zunächst einen öffentlichen Brief zu verschicken und dann dessen Veröffentlichung zu untersagen – darüber kann man trefflich spekulieren. Wir haben ihr auf jede Mail geantwortet, die Gründe für unsere Berichterstattung dargelegt und ein Gespräch darüber angeboten. Keine Antwort. […]

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