Bürgerinitiativen gegen Bebauungspläne für Parkplatz

Jacobi-Gelände: Wohnungen statt Parkhaus

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Ein Parkhaus auf des Gelände des Alten Eisstadions? Zwei altgediente Bürgerinitiative unterstützen den Plan von Oberbürgermeister Joachim Wolbergs. Außerdem fordern sie, die Jugendherberge unter Denkmalschutz zu stellen.

Helmut Wilhelm und Walter Cerull wollen die Jugendherberge unter Denkmalschutz stellen lassen. Foto: as

Helmut Wilhelm und Walter Cerull wollen die Jugendherberge unter Denkmalschutz stellen lassen. Foto: as

Nostalgie schwingt mit, während sich die beiden älteren Herren da vor der Presse die Bälle zuspielen. „Die wollten damals diese Bayerwaldbrücke bauen“, sagt Helmut Wilhelm. „Das konnten wir verhindern“, ergänzt Walter Cerull und zeigt einen Plan des Brückenmonstrums, das damals vom Donaumarkt über den Gries bis zur Bayerwaldstraße in Reinhausen reichen sollte. „Dann gab es da mal in den 80ern Pläne für ein Sheraton-Hotel auf dem Jacobi-Gelände“, fährt er fort. „Shera-Beton war der Titel der Broschüre, die wir damals herausgegeben haben“, erinnert sich Wilhelm. „Bürgerprotest hat das verhindert.“ „Norman Foster wollte den Unteren Wöhrd mal bebauen“, sagt Cerull. „Solar Quarter hat das geheißen“, entgegnet Wilhelm. „Was daran Solar gewesen sein soll, hat wohl auch nur der Foster gewusst“, lächelt Cerull. Und das mit der Ersatztrasse über den Grieser Spitz sei auch so eine komische Idee gewesen. „Jede Dekade wurde eine neue Sau durchs Dorf getrieben, um die Donauinseln zu verändern“, fasst er zusammen. „Aber man sieht: Die Bürger können sehr viel bewirken, wenn sie einig sind und konsequent dabei bleiben.“

Parkhaus-Pläne fürs Jacobi-Gelände sind „Murks“

Aber Wilhelm und Cerull geht es heute nicht darum, in längst vergangenen Schlachten zu schwelgen. Im Namen der mehrfach ausgezeichneten Bürgerinitiative „Forum Regensburg“, die sich seit den 60er Jahren immer wieder erfolgreich gegen Pläne einer autogerechten Stadt und für Belange des Denkmalschutzes eingesetzt hat und des Vereins „Donauanlieger“, die seit 1997 vor allem mit ihrem Kampf gegen eine Ersatztrasse von sich reden machten, haben die beiden die Medien eingeladen, in der Hoffnung, mal wieder etwas zu bewirken. Im Hintergrund sitzt zur Unterstützung Dr. Peter Streck, langjähriger Vorsitzender des Bund Naturschutz. Es geht um die Pläne für ein Parkhaus und den Neubau der Jugendherberge auf dem Jacobi-Gelände. Pläne, die Cerull im Lauf des Termins als „Murks“ bezeichnet.

Im Koalitionsvertrag hat sich die Stadtregierung klar festgelegt. Dort heißt es:

„Die Errichtung der Jugendherberge und eines Parkhauses auf dem Jacobigelände als Ersatz für die am Donaumarkt weggefallenen Parkierungsflächen wird, vorbehaltlich der Rechtskraft der baurechtlichen Genehmigung, unverzüglich in Angriff genommen.“

Doch bereits seit Längerem ist eine Klage gegen die Parkhauspläne vor dem Bayerischen Verwaltungsgerichtshof anhängig, die dieses Vorhaben auf unbestimmte Zeit zumindest verzögert, wenn nicht gar komplett verhindert. Oberbürgermeister Joachim Wolbergs hat angesichts dessen bereits mehrfach signalisiert, dass er den Standort am Liebsten aufgeben und stattdessen auf dem Parkplatz „Altes Eisstadion“ planen würde.

Widerstand von der FDP

Doch bislang kann er sich dabei nicht der ungeteilten Unterstützung der Koalition sicher sein. Widerstand gibt es dem Vernehmen nach vor allem von der FDP, die mit dem Thema altstadtnahe Parkplätze in den Wahlkampf gezogen ist. Zwischenzeitlich hat auch die CSU das Thema für sich entdeckt. Sie bezeichnet den Standort „Altes Eisstadion“ für ein Parkhaus als „völlig ungeeignet“ und sehen den Untergang des Einzelhandels in der Altstadt heraufdämmern.

Die Spirituosenfabrik Jacobi gab dem jetzigen Parkplatz seinen Namen. Das Gebäude wurde durch Bomben zerstört und in den 50er Jahren abgebrochen. Foto: Stadt Regensburg

Die Spirituosenfabrik Jacobi gab dem jetzigen Parkplatz seinen Namen. Das Gebäude wurde in den 70er Jahren abgerissen. Foto: Stadt Regensburg

Aktuell verhandelt die Koalition über eine Fortschreibung des Koalitionsvertrags. So gesehen haben Cerull und Wilhelm genau den richtigen Zeitpunkt gewählt, um an die Öffentlichkeit zu gehen und Wolbergs‘ Verlegungsplände für das Parkhaus zu unterstützen. „Ein Parkhaus am Alten Eisstadion könnte auf dem großen und tiefliegenden Gelände nahezu unendlich erweitert werden“, sagt Cerull. Die angeblich zu weite Entfernung von der Altstadt sei herbeigeredet. „Luftlinie ist das genau so weit weg vom Domplatz wie der Hauptbahnhof.“ Und spätestens mit einem Shuttle-Bus sei das sowieso kein Problem mehr. Ein Parkhaus auf dem Jacobi-Gelände führe dagegen zu mehr Verkehr in der Wöhrdstraße und werde die derzeitige „traumhafte Atmosphäre“ am Donauufer empfindlich beeinträchtigen, sind sich Wilhelm und Cerull sicher.

Jugendherberge: „repräsentativer Bau des Heimatstils“

Ähnlich beurteilen Cerull und Wilhelm die Pläne eines Neubaus der Jugendherberge auf dem Jacobi-Gelände. Sie plädieren dafür, das bestehende Gebäude am Alten Eisstadion zu erhalten und dort weiter auszubauen. Die 1938 fertiggestellte Jugendherberge sei ein repräsentativer Bau des Heimatstils, wie man ihn ansonsten in Regensburg kaum noch finde, sagt Wilhelm. „Wir haben beim Landesamt für Denkmalpflege angeregt, den Bau unter Denkmalschutz zu stellen.“ Auch mit dem Deutschen Jugendherbergswerk haben die Donauanlieger und das Forum Regensburg Kontakt aufgenommen. „Wir kennen die Bausubstanz der jetzigen Herberge und sind überzeugt, dass dieses Haus sehr wohl kostengünstig als auch den modernen Ansprüchen gemäß saniert werden kann“, heißt es darin unter anderem.

Die Jugendherberge am Alten Eisstadion. Foto: Stadt Regensburg

Die Jugendherberge am Alten Eisstadion. Foto: Stadt Regensburg

Auf dem Jacobi-Gelände solle dagegen moderaten Wohnbebauung entstehen. „Das entspricht auch der Geschichte des Areals“, so Cerull.

Dass sie mit ihren Vorschlägen bei der Stadtspitze auf offene Ohren stoßen werden – davon sind er und Wilhelm überzeugt. Unter OB Wolbergs versuche man sich jetzt zumindest ernsthaft mit den Argumenten von Bürgerinitiativen auseinanderzusetzen, so Cerull. „Wenn es so bleibt wie jetzt, wären wir hochzufrieden.“ Ansonsten setze man bei der Debatte um Parkhaus und Jugendherberge wie schon in der Vergangenheit auf zwei Faktoren – „die Vernunft und die Bevölkerung“.

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Kommentare (25)

  • corazondemelon

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    Der Vorschlag ist die einzig zukunftsträchtige Lösung. Von Norden kommende KFZ werden schon auf der Nibelungenbrücke abgefangen und haben dort eine komfortable Möglichkeit zu parken, ohne in der Kern- Altstadt herumirren zu müssen.
    Im nächsten Schritt muss diese unsägliche Rennbahn Wöhrdstraße – Dachauplatz vom Durchgangsverkehr befreit werden. Das Museum der Bayern sollten nur noch Busse passieren dürfen. Dann wäre die großzügige neue Platzgestaltung an der Donaulände auch für Einheimische ein Gewinn. Aber wenn hier, wie von der CSU und der FDP gewollt, wieder der gesamte Verkehr beidseitig auf der Nord- Südachse durchgeleitet wird, wird das Museum mit Vorplatz durch den Verkehr abgetrennt und als unförmiger Klotz nicht angenommen werden.

  • da_Moartl

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    Die verkehrsgerechte Altstadt spukt noch immer in vielen Köpfen herum. Wann begreifen jene Herren endlich, dass die Altstadt nur rettet, wer den KFZ- und Busverkehr konsequent verbannt – und zwar in der GESAMTEN Welterbezone. Da darf nur noch der Altstadtbus hineinfahren; auch alle anderen Busse können über die Süd-Spange über Kumpfmühler- und Margaretenstraße um die Altstadt geleitet werden. Sie werden dadurch im übrigens sehr viel schneller. Die Parkplätze der Zukunft sind nicht Dachauplatz, Bismarckplatz, Arnulfsplatz, Peterstor oder Jakobi-Gelände. Die Parkplätze der Zukunft sind Eisstadion, Jahnstadion und möglichst noch ein richtig großer Parkplatz irgendwo im Umfeld der Barmherzigen Brüder. Von diesen Großparkplätzen muss der Altstadtbus die Menschen NonStop in die Altstadt bringen – und zwar mit dem Parkplatz-Ticket. Andernfalls ersäuft die Altstadt im Verkehr – und die Geschäfts gleich mit. Ach und noch was: Die Altstadt geht vor allem deshalb „den Bach runter“, weil sie vollends in die Hände von Immobilienspekulanten geraten ist. Wenn inzwischen der qm Wohnfläche schon mit über 6.000 Euro gehandelt wird – wer wundert sich da, wenn da niemand mehr wohnen kann/will. Wie man DAS verhindern kann, das wäre mal eine Aufgabe für eine findige Stadtverwaltung.

  • Johanna Bertele

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    Freier Blick in den Altstadtgassen; das Jacobiparkhaus als Ersatz für die Autos der Altstadtbewohner. Der erste Schritt für eine verkehrsfreie Altstadt wäre, dass die Altstadtbewohner im eigenen Interesse ab sofort auf die Bewohnerparkplätze verzichten.

  • Dieter

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    @Johanna: Am Besten gleich komplett ohne Anwohner oder? Der Touristen/Shopping/Partyvolk Traum würde endlich wahr werden…ist ja ärgerlich dass im regionalen Disney World auch Leute leben.

  • Horst Meierhofer

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    …um die „autogerechte Stadt“ geht es seit Jahrzenhten schon nicht mehr, aber das klingt natürlich schön griffig!
    Es geht darum, dass es neben Menschen, die sich eine Doppelhaushälfte für € 1 Mio. am Unteren Wöhrd kaufen können und den Glücklichen, die dort schon lange leben (beiden Gruppen gönne ich es übrigens von Herzen!), auch Menschen gibt, die ins Oberzentrum Regensburg von weiter außerhalb als Fahrraddistanz kommen.
    Ich habe gehört, manche beabsichtigen sogar immer noch, in der Altstadt einzukaufen!
    Vom Donaumarkt auf das Jacobigelände als Parkmöglichkeit auszuweichen, war keine Verbesserung für Autofahrer, es war nur der Versuch, einen Kompromiss zu finden!
    Wer fährt denn mit dem Auto aus der Umgebung zum Eisstadion, steigt in den Bus in die Altstadt, kauft ein, steigt wieder in den Bus zum Eisstadion, steigt ins Auto um und fährt wieder heim?
    Das wäre nichts anderes als ein Subventionsprogramm für DEZ und Arcaden, und noch mehr Innenstadtgeschäfte würden verschwinden; der Trend ist derzeit schon ungut genug…
    Aber Hauptsache, man kann aus seinem eigenen kleinen Revier, einen beschaulichen ZEN-Garten basteln. Verständlich, aber mehr auch nicht.

  • Günther

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    Herr Meierhofer, wie so viele Autofahrer parke ich gerne am alten Eisstadion und gehe die wenigen Hundert Meter zu Fuß in die Altstadt. Erst dort beginnt der Ärger. Es gibt mittlerweile genügend Studien, die nachweisen, dass eine Fußgängerzone erst dort die gewünschte Wirkung hat, wenn sie eine Fußgängerzone ist. Das ist in Regensburg nie der Fall gewesen. Neben den immer noch stinkenden Bussen fahren die Autos immer noch ungeniert durch Gesandtenstraße, über den Neupfarrplatz etc. Die Fahrradfahrer stören weniger, die scheiben ja alle oder fahren ganz rücksichtsvoll!. Also, Herr Meierhofer, machen sie erst die Fußgängerzone zu dem, was sie angeblich ist, dann bietet die Alt-stadt das Einkaufserlebnis, ohne das sie in der Konkurrenz zu den peripheren Einkaufs-
    zentren nicht überleben kann.

  • joey

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    Heimatstil – ach wie schööön. 1938 hat man wenigstens wieder mal genau gewußt, was DEUTSCH ist, schließlich wollte man Deutschland ausdehnen „morgen die ganze Welt“… das nennt man Leitkultur gell!
    Die ganze Moderne mit den sozialistischen Bauhaus Architekten will doch keiner, da ist ein steiles Satteldach die einzig richtige Version. Deshalb der Nazi Gruß… ach das ist die Dachneigung!

    Man kann bemerken, daß die Bauhaus Architektur in allen Ecken undicht war und schon wegen völlig ungenügender Wärmedämmung Kondensfeuchte mit Schimmelwirkung erzeugt hat.
    Manchmal ist die alte Art doch nicht so blöd gewesen. Das geneigte Dach haben ja nicht die Nazis erfunden, das hat etwa 7000 Jahre Evolution hinter sich.

    Der Heimatstil muß trotzdem im historischen Kontext betrachtet werden. Die blonden Jugendlichen aus der Herberge mußten bald in die Flakkaserne (auch im Heimatstil!) einrücken und später irgendwo (ver)bluten.

    Mag die Jugendherberge tatsächlich qualitätvolle Architektur sein, ich habe bei dieser Idylle ein mulmiges Gefühl.

  • Horst Meierhofer

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    @Günther: Bei der Fußgängerzone gebe ich Ihnen völlig recht, sowohl was unberechtigte Autos betrifft und auch, dass die Koexistenz mit den Radlern funktioniert. Die !kostenlosen! Parkplätze am Eisstadion möchte ich übrigens erhalten wissen, alleine schon wegen der vielen Berufstätigen, die auf den kostenlosen Parkplatz angewiesen sind.

  • Regina

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    @Horst Meierhofer: Es kann nicht mehr das Verkehrskonzept der Zukunft sein, dass man vor der Haustür ein Verkehrsmittel nimmt und es an seinem Ziel stehen lässt. Jeder vernünftige Verkehrsplaner wird Ihnen sagen, dass die Zukunft eine intelligente Verknüpfung verschiedener Verkehrsmittel ist. Z.B. mit Fahrrad zur Bahn, anschließend weiter mit dem Bus; oder mit dem Auto zum nächsten Knotenpunkt und dann weiter im ÖPNV und dem Mietrad – oder zu Fuß. Solche Verknüpfungen sind mit Smartphones, die heute (fast) jeder hat und nutzt, immer leichter möglich.

    Regensburg will sich als Großstadt sehen. Warum haben wir dann ein Verkehrskonzept wie in einer Kleinstadt oder im Dorf. In kaum einer anderen Großstadt ist es möglich, soweit ins Zentrum mit dem eigenen KFZ zu fahren. Warum kann man Menschen, die bei günstigeren Wohnungspreisen als die Stadtbevölkerung im Umland lebt, nicht zumuten, dass sie in der Lage sind, das Auto im Parkhaus am alten Eisstadion stehen zu lassen und mit dem Bus in die Altstadt zu fahren? Seit den 70er Jahren ist das in München selbstverständlich. So unfähig oder rückschrittlich sind die Regensburger Bürger oder Umlandbewohner doch auch nicht, dass sie sich im Bezug auf Verkehr mit der Zeit bewegen können.

  • Tobias

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    Dieter hat es sehr gut auf den Punkt gebracht.
    Bei vielen Konzepten hat man echt das Gefühl als spiele man Sim City.
    Von der Realität einer so rotierenden Stadt ist so manches (zu laut gedachtes?) Gedankenspiel einfach nur daneben. Ich kann verstehen, dass Tourismus und Handel in der Innenstadt wichtig sind, aber in erster Linie ist es noch Lebensraum der Regensburger, nicht der Durchreisenden und In-Anspruch-Nehmer der viel zu hohen Kneipendichte.

  • Meierhofer

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    @Regina & Tobias:
    Man kann den Menschen alles zumuten. Sie werden es nur nicht machen, denn Alternativen gibt es ja genug: DEZ, Arcaden, Globus in Neutraubling, real in Pentling, Amazon von der Couch,…
    Wenn wir die Altstadt nur für die paar Bewohner schnuckelig halten wollen, dann wäre das tatsächlich einfach: Aber ich höre immer nur, wie schlimm es ist, dass es nur noch Kneipen und Souvenirläden gibt, Touris, die nichts kaufen, junge Leute die gröhlen und saufen, Einzelhändler die dicht machen, weil keiner mehr in der Altstadt einkauft, usw usf.

  • joey

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    Regensburg steht in Konkurrenz zu Straubing und anderen Städten. Viele Umlandbewohner werden da einkaufen, wo man es am leichtesten kann. Das ist übrigens meistens das Internet-)

    Architektur 1×1:
    ein Markt entsteht da, wo sich Verkehrswege kreuzen. Wenn man den Verkehrsweg wegnimmt, bleibt nur ein Mittelaltermuseum übrig, z.B. San Gimignano.

  • Matthias B.

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    Wer nicht in der Altstadt wohnt – und von den Damen und Herren Stadträtinnen und -räten tun das sehr, sehr wenige -, weiß nicht, wie es um sie wirklich bestellt ist. Mieten: exorbitant! Aufenthaltsqualität: durch Verkehr, Kneipen-Auswüchse, Feste, Touristen etc. sehr gering. Nachts ist sie Feierzone, tags Passage für den motorisierten Verkehr. Ein Parkhaus am Jacobigelände bringt hier keine Verbesserung, eher das Gegenteil wird der Fall sein.
    Jugendherberge im Heimatstil: ein wunderschönes Bauwerk und architektonisch äußerst geglückt. Nicht umsonst schneidet sie in Befragungen unter den Gästen bundesweit hervorragend ab und liegt in den Rankings immer sehr weit vorne.
    Ach, das Gebäude hat ein Nazi geplant?
    Die gotisierenden Fenster im ersten Stockwerk des Hauses Heuport sind ebenfalls ein Relikt der braunen Vergangenheit wie übrigens auch der Riegel (Hotel Achat), der Herzogspfalz und Dompost verbindet.

  • corazondemelon

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    @meierhofer
    Also mal vorweg, für Globus und real gibt es in der Innenstadt sowieso keine konkurrenz, allein schon wegen der Größe der Verkaufsfläche. Aber Sie haben auch etwas richtig erkannt, „amazon von der couch“, ist sicher für die Umsatzrückgänge im Einzelhandel mehr verantwortlich, als ein fehlender Parkplatz am Donaumarkt. Oder zalando, weil wir gerade in der Lokalpresse lesen, Schuhhändler am Neupfarrplatz müssen schließen.
    Worauf Sie in Ihren teils polemischen Antworten mit keiner Silbe eingehen (nein, ich bin kein Millionär vom unteren Wöhrd, der sich an seinem Zen Garten erfreut, während daneben alle 40 Sekunden ein Bus vorbeibrettert) ist die Frage, warum entlang der Römermauer, nahe vorbei am Dom und dem Museum der Bayern die meist befahrene Abkürzung von Nord nach Süd und umgekehrt führen muss. Das ist Durchgangsverkehr, kein Gewerbetreibender hat davon irgendeinen Profit.
    Genauso der Domplatz. Kennen Sie eine Stadt in Deutschland mit einem nennenswerten Dom, der direkt vom Individualverkehr umkreist werden kann?
    Herr Meierhofer, so sehr ich Sie sonst schätze, Sie sind mit Ihrer hier geäußerten Meinung erheblich näher an der „autogerechten Stadt“ der 70er als an dem Modell einer lebenswerten Stadt für die Bürger, die Sie wählen.

  • Matthias B.

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    Nachtrag: Als die Gesandtenstraße seinerzeit „verkehrsberuhigt“ wurde und gepflastert, war sie nach Fertigstellung für etwa 14 Tage für den motorisierten Verkehr gesperrt, damit sich „das Pflaster setzen“ konnte. In diesen wenigen Tagen, so dort ansässige Einzelhändler hinter vorgehaltener Hand (um es sich „mit Schaidinger nicht zu verscherzen“!), hätten sie den Umsatz ihres Lebens gemacht. Die Altstadt wäre bei gutem Wetter das schönste und best frequentierte Einkaufszentrum Regensburgs. Aber dem Götzen Motorverkehr wird bereitwillig und gerne geopfert. Freuen wir uns schon jetzt auf „Regensburg mobil 2016 – die Neuwagenschau“ am 16. und 17. April in unserer Altstadt!

  • Paul

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    Was, jetzt wollen sie auch noch die Jugendherberge wegreißen?!
    Wahnsinn. In der Weltkulturerbe-saubergeleckten Altstadt werden demnächst noch die Pflastersteine denkmalgeschützt und einzeln versiegelt – und alles andere drum herum kann man frohgemut wegreißen und durch 08/15-potthässliche Flachdach-Weißbauten mit eingebauter Gewinnmaximierung ersetzen, wie?

    Aber das ist den Regensburgern ja offenbar wurscht – und auch, dass sich das weiträumlige Gebiet, in dem > 90 % aller Regensburger wohnen, immer weniger von vergleichbaren potthässlichen Wohngebieten in Stuttgart, Gießen oder sonstwo unterscheidet.

    Toll! – bei uns sieht’s allmählich exakt so aus wie überall sonst auch. Verbindet Euch mal die Augen und macht sie in den einschlägigen Flachdach-Neubau-Wohngebieten wieder auf:
    – zwischen Ladehof- und Lieskircherstraße
    – an der Boelkestraße
    – im Westen zwischen „Donaupark“ und Rennweg
    – an der alten Zuckerfabrik („Candis“ – wie bescheuert muss man als Namensgeber sein?)
    – demnächst großflächig auf dem Ex-Bahngelände zw. Dechbettener und Kirchmeierstraße
    – zwischen Ziegetsdorfer und Lohackerstraße
    – und und und…

    Überall überdimensionierte, grundhässliche weiße Schuhschachteln im Einheitsformat mit Minirasenstück und Tiefgaragenstellplatz für Besserverdienende, Preisklasse 400.000 Euronen aufwärts. Nicht, dass ich neidisch wäre (ich wohne in einem Satteldachbau, der teurer war) – aber das ist alles sowas von identisch und Anti-individuell, dass mir jedesmal schlecht wird, wenn ich daran vorbeiradeln muss (und das muss man zwangsläufig).

    Leute, lasst bitte die Jugendherberge stehen! Das ist doch das einzige Gebäude rund um die Nibelungenbrücke, das noch wenigstens ansatzweise was „Regensburgerisches“ hat (rotes Satteldach mit Gauben, Fensterläden, nicht-weiße Wandfarbe, etc) !

  • Lothgaßler

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    Der Untergang vieler Handwerksbetriebe hat nichts mit Verkehrsmaßnahmen zu tun. Bäcker und Metzger wurden von Großfilial-Betreibern und Discountern verdrängt. Schlosser, Schreiner u.a. brauchen Werkstätten, Läger und Garagen. Aber auch hier gibts einen Verdrängungswettbewerb. Dank Internet findet der Kunde Alternativen und dank hervorragend ausgebauter Straßen lohnt es sich für auswärtige Handwerker von weit her nach Regensburg zu gondeln.
    Welcher Betrieb kann es sich leisten in der Altstadt seine Betriebsräume zu unterhalten, wenn ihm die Gebäude nicht gehören? Selbst wenn, ist es nicht viel besser in Autobahnnähe seinen Betrieb anzusiedeln? Lokale Dienstleister (wie Friseure) müssen erst mal die Mieten reinbekommen, sonst werkeln sie unterm Mindestlohn.
    Altstadtkunden sind keine Drive-in-Kunden! So funktioniert es in München auch nicht! Wegen der Überall-Geschäfte verirrt sich auch keiner in die Regensburger Altstadt. Die Tagesgeschäfte erledigt man hoffentlich möglichst wohnungsnah. Die Altstadt muss ein besonderes Flair bieten und mit Geschäften locken, die es so anderswo nicht gibt. Passende Ideen dazu fallen nicht vom Baum.
    Wir Altstadtbewohner erleben die letzten Jahrzehnte wenig positiv. Der Verkehr hat zugenommen (gilt zumindest für meine Lage), die Altstadt wurde zur Event- und Party-Location entwickelt, fantasielose Überall-Läden breiten sich aus, eine Armada von knatternden Motorrollern fährt durch fast jede Gasse, Flanier-Autofahrer drehen lautstark ihre Kurven bis in die Morgenstunden, Lärm- und Feinstaub werden nur halbherzig von der Politik als Aufgaben angenommen, …

  • Cerull Walter

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    Herr Meierhofer zur ihrer Information:
    Der Parkpaltz „Altes Eisstadion“ an der Nibelungenbrücke ist vom Neupfarplatz ca. 1300 m entfernt.
    1300 m ist auch der Hauptbahnhof (Eingang), ist auch der Dultplatz und ist auch der Busterminal in Stadtamhof vom Neupfarrplatz entfernt.
    Die Wege zur Altstadt von den oben angesprochenen Parkplätzen bzw. Busterminal ist so erlebnisreich, so schön und auch stressabbauend, dass jeden Tag tausende von Menschen diese „riesige Entfernungen“ (nach Meierhofer) zu Fuß gehen und die Altstadt dann entspannt genießen, dort einkaufen oder ihrer Arbeit nachgehen.

  • Wolkenkuckucksheim

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    Allmählich werde ich den Verdacht nicht los, dass manche ältere Herren eine besondere Art der Realitätswahrnehmung haben. Die Jugendherberge als Denkmal erhalten und im Überschemmungsgebiet ein Parkhaus fordern ist aberwitzig. Es gibt auch manche Forderung ein Hbf-Nebengebäude zu erhalten und gleichzeitig sind anderen baul. Scheußlichkeiten (Donaumarkt, Schlachthof usw) kein Thema. Oder den ÖPNV ausbremsen (Ersatztrasse, Thundorferstrasse) um die Altstadt touristengerecht aufzuwerten.

  • Karl Bernstein

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    @Horst Meierhofer: Sie befinden sich mit Ihren Mobilitätsvorstellungen in der gleichen Steinzeit wie die Altstadtkaufleute, die in jedem Parkplatz einen Strohhalm für das Überleben ihrer überalterten Vertriebskonzepte sehen. (Kostenloser) Parkplatz in fußläufiger Entfernung zum Ladengeschäft oder Arbeitsplatz ist Subvention auf Steuerkosten und zu Lasten der Umwelt.

  • Rentnerin

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    Auf dem Gelände sollten dringend benötigte Wohnungen für Sozialschwache und Flüchtlinge gebaut werden und zwar nicht von teueren Bauunternehmern, sondern das sollten endlich mal die Stadt bzw. die Stadtbau selbst in die Hand nehmen.

    Es muss der Ausverkauf der Stadt an irgendwelche Investoren aufhören.

    Wir haben genug langweilige Luxusgesellschaft in dieser Stadt, die mit dem Bürger nichts zu tun hat.

    Auf der anderen Seiten steht das Personal mit Mindestlohn in den Geschäften und hat 2 Jobs, nur um in dieser Stadt zu überleben.

  • Horst Meierhofer

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    …man muss nicht jedem, der eine andere Meinung vertritt, unterstellen, dass er in der Steinzeit verhaftet ist. Mache ich umgekehrt auch nicht.
    Gestehen Sie mir einfach zu, dass ich durchaus zu differenzierten Ansichten fähig bin:
    Mehr ÖPNV, bessere Möglichkeiten für Fahrradfahrer, weniger CO2, gerne auch einen verkehrsberuhigten Dom, viel härteres Vorgehen gegen unberechtigte Autos in Gesandten- und Ludwigsstraße,…

    Aber deshalb bin ich trotzdem noch nicht der Meinung, dass die Menschen genauso viel auch von außerhalb in die Innenstadt kommen, wenn sich die Zufahrts- und Parkmöglichkeiten deutlich verschlechtern.
    Und den Dultplatz als Beleg dafür zu nehmen, dass das Eisstadion nicht zu weit weg ist, kann man dadurch entkräften, dass dort fast immer hunderte bis tausende Parkplätze ungenutzt sind. Dann bräuchte man gar keine neuen Parkmöglichkeiten.

  • Paul

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    Sag ich doch. Ist der großen Mehrheit sch…egal, wie’s in ihrer Heimat aussieht. Hauptsache alles ist billig und man hat seinen Privatparkplatz vor der Haustür. Wohin gehst Du, Weltkulturerbe-Entenhausen?

  • Dree

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    @ Rentnerin: Das günstiger Wohnraum absolut wichtig ist steht ausser Frage! Dieser hätte aber z.B. auf dem Zuckerfabrikareal entstehen müssen. Und verteufeln Sie bitte nicht die Unternehmer. Wenn das Stadtbauamt selbt eine Wohnanlage planen und erstellen würde, wären die Kosten doppelt so hoch und die Bauzeit dreimal so lang als würde das Projekt von lokalen Bauträgern erstellt. Die Beamten ziehen sich die Unterhosen mit der Spitzzange an und stehen sich mit ihren Vorschriften und Umständlichkeiten selbst im Weg. Wir können hier in Regensburg kein Millionengrab alla Berliner Flughafen brauchen. Regionalbeispiel: Bebauung Donaumarkt – Der Privatbau hinter dem Museum ist fast fertig und der Staatsbau hat gerade mal Teile der EG-Decke betoniert! Also bitte geben Sie sich nicht der Illusion hin, dass Verwaltungsorgane billige Wohnräume schaffen könnten.

  • Constantin

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    Ich arbeite seit über zehn Jahren am unteren Wöhrd und kenne deshalb die Debatte. Meiner Meinung nach gehört der Parkplatz am Jakobigelände aufgelöst und in Wohnungen umgewandelt. Die Jugendherrbeege sollte auch erhalten bleiben, mich stört sie jedenfalls nicht. Der Parkplatz am Eisstadion gehört tatsächlich in ein Parkhaus ungewandelt, da kann dann der Altstadtbesucher und Altstadtarbeitnehmer von Außerhalb sein Auto parken. Alternativen für die Autos aus dem Norden fallen mir keine ein. Natürlich wäre es sinnvoll den Individualverkehr aus dem Norden bereits vor dem Pfaffensteiner Tunnel zu stoppen und via regelmäßiger Tram/Straßenbahn in die Altstadt zu bringen – wie weitwr oben in den Kommentaren bereits der Vergleich mit München Fröttmaning gezogen wurden. Aber ich glaube davon sind wir einfach noch zu weit entfernt und mit Bussen ist das nicht attraktiv genug.

    Zur Altstadt: Hier habe ich längere Zeit sehe gerne gewohnt, bin aber mittlerweile nach Weichs gezogen, wegen des Autos auf welches ich nicht verzichten kann, da ich mit meinem Bein eingeschränkt bin. Als ich in der Altstadt wohnte hatte ich auch schon mein Auto – es war jedoch nicht sinnvoll möglich dort zu parken, selbst mit Anwohnerausweis. Deshalb bin ich der Meinung dass man die Altstadt komplett für Autos sperren sollte, den Anwohnern bringt die Erlaubnis einzufahren eh nicht viel. Mir hat es zumindest nichts gebracht. Der Einzelhandel würde von Autoverbot nur profitieren, da bin ich mir ganz sicher! Man sieht ja wie wunderbar es ist über die Steinerne Brücke zu flanieren – so achön! Das täte auch der gesamten Altstadt gut! Seien wir mal ehrlich, durch die Thundorfer und um den Dom fahren eh nur Bauernplayboys. Keiner fährt aus ernsthaften Gründen in die Altstadt rein. Gerade Domplatz, Thundorfer und Georgenplatz (vorm künftigen Museum der Bayerischen Geschichte) täte das KFZ-Verbot sehr gut.

    Außerdem bin ich der Meinung, dass Regensburg eine Staßenbahn braucht – nur so ließen sich ganze Straßenzüge für den Individualverkehr (einschließlich RVV) sperren.

    Naja, hoffen wir mal das Beste für unsere wunderschöne Stadt! :o)

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