Ex-Schwager verweigert Aussage

Neue Überraschungen im Mollath-Prozess

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Ein weiterer Zeuge, der seine Aussage verweigert, und eine Attest-Kopie mit fraglicher Herkunft: Das Wiederaufnahmeverfahren gegen Gustl Mollath bleibt spannend. (Alle Prozessberichte gibt es hier.)

Von David Liese

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Nach Gustl Mollath selbst und seiner Ex-Frau verweigert nun auch deren Bruder die Aussage vor Gericht. Foto: ld

Der Mollath-Prozess ist auch an seinem dritten Tag für einige Überraschungen gut. Die erste wartet gleich zu Beginn der Sitzung, als Robert M., der Bruder von Mollaths Ex-Frau Petra M., vernommen werden soll. Aussagen will er nicht: Er macht, genau wie seine Schwester, von seinem Zeugnisverweigerungsrecht Gebrauch. Innerhalb von fünf Minuten darf er den Zeugenstand wieder verlassen.

Fast dreieinhalb Stunden bringt dort im Anschluss seine Lebensgefährtin Petra S. zu. Sie muss aussagen – ob sie will oder nicht. Ein Zeugnisverweigerungsrecht steht ihr nicht zu. Dennoch ist zweifelhaft, ob ihre Angaben die Klärung der Vorwürfe gegen Gustl Mollath in irgendeiner Weise voranbringen werden.

Rückschlüsse und Vermutungen, aber wenig Konkretes

S., die mit Mollaths Ex-Frau befreundet ist, kann allgemein wenig Konkretes sagen. Immer wieder verirrt sie sich in eigenen Rückschlüssen und Vermutungen. Wirklich präzise wird Petra S. nur, als es um den Tag geht, an dem Mollath seine Ex-Frau gegen ihren Willen in seinem Haus eingesperrt haben soll.

Petra S. schildert vor Gericht, mit Petra M. zu Mollath nach Hause gefahren zu sein, „um dort noch einige Sachen zu holen.“ Am Abend davor sei M. völlig aufgelöst in ihrer Wohnung aufgeschlagen. Sie habe nichts dabei gehabt außer den Kleidern, die sie am Leib trug, und einem Hausschlüssel.

„Mollath hat sich richtig vor mir aufgebäumt“

Petra M. habe sie gebeten, sie zunächst alleine mit Mollath reden zu lassen, „weil er mit fremden Menschen Problemen hatte.“ Nach etwa einer Stunde sei Petra S. dann mit ihrem Motorrad nachgekommen, um nach dem Rechten zu sehen. Sie habe „gegen die Tür gehämmert“, bis Mollath ihr schließlich öffnete. Petra M. sei aufgelöst die Treppe herunter gekommen.

An diesem Punkt wird Petra S. im Gerichtssaal fast literarisch. „Herr Mollath hat mich aufgefordert, das Haus zu verlassen. Er hat sich dann richtig vor mir aufgebäumt. Das war beängstigend. Das hat mich sehr beeindruckt.“ Sie habe immer wieder betont, dass sie nur mit Petra M. gemeinsam das Haus verlassen werde. „Ich wusste ja, was schon passiert war, von daher weiß ich gar nicht, woher ich da den Mut hatte.“

Protokolle aus früherem Mollath-Verfahren „falsch“

Später seien die beiden Frauen in Begleitung von Robert M. noch einmal zu Mollaths Haus zurückgekehrt. „Da war er auf einmal wie eine andere Person – sehr bereit, zu helfen. Der Blick war auch ganz anders“, erzählt S. im Gerichtssaal.

Diese Angaben irritieren nicht nur Gustl Mollaths Verteidiger Gerhard Strate. Auch die vorsitzende Richterin Elke Escher hakt nach. Der Grund: Vor dem Amtsgericht Nürnberg hatte Petra S. 2004 angegeben, sie habe Mollath an besagtem Tag überhaupt nicht selbst gesehen.

Das entsprechende Protokoll wird ihr daraufhin von der Richterin vorgehalten. „Ist dieses Protokoll von damals dann falsch?“, will Strate von Petra S. wissen. Sie bestätigt das. „So, wie ich das heute gesagt habe, stimmt es.“ Sie könne sich nicht einmal mehr daran erinnern, damals zu diesen Vorfällen vor Gericht vernommen worden zu sein. Strate quittiert dies mit missmutigem Brummen.

Nicht nur Freundin der Ex-Frau, sondern auch Angestellte beim Attest-Arzt

Ein weiteres heikles Thema ist Petra S.s Verstrickung in die Frage nach dem ärztlichen Attest, dass Mollaths Ex-Frau im August 2001 von einem Nürnberger Arzt ausgestellt bekam. Für das Wiederaufnahmeverfahren spielt dieses Dokument eine entscheidende Rolle: Das Oberlandesgericht Nürnberg hatte die Ungültigkeit des Attests, das im Ausgangsverfahren nur als Faxkopie vorlag, als Grund angegeben, warum der Fall Mollath neu aufzurollen sei.

Petra S. arbeitete nun als Arzthelferin in ebenjener Praxis, in der das Attest angefertigt wurde. Heute sagt sie aus, sie habe sich damals mit Petra M. in der Eisdiele unterhalb der Praxis getroffen. Dort habe sie die Verletzungen gesehen, die Mollath seiner Frau zwei Tage zuvor zugefügt haben soll. S. beschreibt „Abdrücke am Hals“, eine „Bissverletzung“ und blaue Flecken an der Schläfe.

„Wie haben Sie dieses Dokument in die Hand bekommen?“

Dann zaubert sie eine weitere Überraschung aus dem Hut, besser gesagt aus ihrer Handtasche. Es handelt sich um eine Kopie des Originalattests, wie es Petra M. nach der Untersuchung überreicht wurde – mitsamt Stempel und Datum der Erstausstellung. Da staunt nicht nur Rechtsanwalt Strate.

Denn für den Fall ist das durchaus brisant. Das originale Attest galt lange Zeit als verschwunden, bis es der Staatsanwaltschaft im vergangenen Jahr über Umwege zuging. Dass Petra S. eine Kopie davon besitzt, könnte auf den zwischenzeitlichen Verbleib des Papiers hindeuten. „Wie haben Sie dieses Dokument in die Hand bekommen?“, will Strate wissen. Das müsse aus dem Besitz von Mollaths Ex-Frau stammen, vermutet Petra S. sichtlich irritiert. „Hat sie ihnen das gegeben? Woher haben Sie diese Kopie?“, bohrt Strate nach. S. entgegnet nur, das könne sie „so jetzt nicht beantworten“.

Eine fast mütterlich-fürsorgliche Richterin

Es ist schon weit nach Mittag, als Richterin Escher Petra S. nach Hause schickt. Am Nachmittag soll unter anderem noch der Arzt vernommen werden, der das Attest 2001 ausgestellt hatte. Er hatte dies in Vertretung seiner Mutter, der Praxisbesitzerin, getan – der entsprechende Vermerk „i. V.“ war auf der Faxkopie, die im Ausgangsverfahren vorlag, aber nicht erkenntlich gewesen.

Escher, der die Leitung des Prozesses ob ihrer fast mütterlich-fürsorglichen Art heute in so mancher Situation zu entgleiten drohte, verlängert die Mittagspause auf Anraten des Staatsanwaltes großzügig. Zumindest eine Erkenntnis also ist nicht überraschend: Der Tag wird noch lang.

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Kommentare (3)

  • Joachim Bode

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    Bei jedem, der mit Gerichtsverfahren auch nur einigermaßen vertraut ist, gehen angesichts der geschilderten Zeuginnenaussage alle roten Lichter an. Da biegen sich wieder mal alle Balken….

  • Veronika

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    Wenn das so weitergeht, altert die Richterin pro Prozeßtag um 10 Jahre! Arme Frau!

  • „Das war eher ein Urteilsentwurf” | Regensburg Digital

    |

    […] damaligen Verhandlung vor. Die Qualität der Mitschrift wurde im Wiederaufnahmeverfahren schon bei der Vernehmung von Petra S., der Freundin von Mollaths Ex-Frau, kritisiert. Zwischen ihren heutigen Angaben und denen im […]

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