Podiumsgespräch im Theater zu sexualisierter Gewalt

„Regensburg stehen die Auseinandersetzungen noch bevor“

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Bei einem Podiumsgespräch im Theater Regensburg prophezeit die Journalistin Dr. Ebba Hagenberg-Miliu: Ein gesellschaftliche Debatte zur sexuellen Gewalt bei den Domspatzen steht Regensburg erst noch bevor.

Diskutierten im Theater Regensburg: Rudolf von Bracken, Ebba Hagenberg-Miliu, Meike Sasse, Charlotte Koppenhöfer und Alexander Probst. Foto: rw

Diskutierten im Theater Regensburg: Rudolf von Bracken, Ebba Hagenberg-Miliu, Meike Sasse, Charlotte Koppenhöfer und Alexander Probst. Foto: rw

Was der Regensburger Intendant Jens Neundorff von Enzberg letztes Jahr anlässlich des Stückes „Schlafe mein Prinzchen“(von Franz Wittenbrink) faktisch persönlich verhindert hatte, organisierten die Schauspieldramaturgin Meike Sasse und die Regisseurin Charlotte Koppenhöfer letzte Woche: ein vom Theater veranstaltetes Podiumsgespräch über sexualisierte Gewalt in Institutionen, wie etwa den Einrichtungen der Domspatzen, der Odenwaldschule und dem Bonner Aloisiuskolleg. Meike Sasse führte durch ein zweistündiges Gespräch, an dem sich der Rechtsanwalt Rudolf von Bracken, die Journalistin Ebba Hagenberg-Miliu, der ehemalige Domspatz Alexander Probst und die Regisseurin Charlotte Koppenhöfer beteiligten. Vertreter von Internaten oder der Kirchen waren nicht zugegen.

Für eine Kultur des Zuhörens

Die Veranstalterinnen wollten „Mechanismen von institutionellen Missbrauchssystemen“ beleuchten, herausfinden, was die Aufklärung verhindere, welche Mechanismen bei der Aufarbeitung sichtbar werden und Präventions- und Schutzmaßnahmen erörtern. Angesichts dieser ellenlangen Liste von Aspekten überrascht es nicht, dass der Abend nicht reichte, um all das näher thematisieren zu können. Das anregende und etwas sprunghaft geführte Gespräch steht im Zusammenhang mit dem noch bis Ende Mai laufenden Theaterstück „Bilder von uns“ (Thomas Melle). Das Stück (Dramaturgie: Meike Sasse, Regie: Charlotte Koppenhöfer) zeigt, wie vier Betroffene auf je persönlich unterschiedliche Weise mit erlittenem systematischen Missbrauch umgehen. 

Eingangs plädierte Rechtsanwalt Rudolf von Bracken, der in Hamburg das „Büro für Kinderrechte und Opferschutz“ betreibt, für eine „Kultur des Zuhörens und Anhörens“. Wenn sich ein von sexualisierter Gewalt betroffenes Kind an einen Erwachsenen wende, sei es entscheidend, den Erzählungen des Kindes zunächst zu trauen. Gelingt dies nicht, könnten die Folgen für die Betroffenen fatal sein. In der möglicherweise folgenden juristischen Auseinandersetzung sei es für die betroffenen Kinder von zentraler Bedeutung, dass die Wahrheit ausgesprochen werde: „Ein Geständnis des Täters ist das wichtigste für Kinder“.

Rechtsanwalt von Bracken empfiehlt Opferentschädigungsgesetz

Auf die Regensburger Situation gemünzt appellierte Rechtsanwalt von Bracken dafür, dass anerkannte Misshandlungs- und Missbrauchsopfer der Domspatzen das Opferentschädigungsgesetz (OEG) in Anspruch nehmen sollten, falls noch anhaltende und nachteilige Folgen aus den Straftaten bestehen. Bei vorliegenden Einschränkungen und Nachwirkungen (etwa in gesundheitlicher Hinsicht oder in Form von abgebrochenen Schul- und Berufsausbildungen), die aus gewaltförmigen Übergriffen in den Einrichtungen der Domspatzen herrühren, hätten Betroffenen unter Umständen Anspruch auf eine staatliche Unterstützung.

Eine vom Bistum erhaltene Anerkennungszahlung würde das OEG-Prüfungsverfahren in der Regel erleichtern und beschleunigen, so von Bracken. Denn damit könne der Täter, der Tatort und die Tatzeit plausibel belegt und die erste Hürde des Verfahrens genommen werden. Bei erfolgten Leistungen für Betroffene nach dem OEG könnten, so Rechtsanwalt von Bracken, die Täter oder ihre Institution durch die zuständigen Versorgungsämter in Regress genommen werden.

Was an dem Abend im Theater nicht näher ausgeführt wurde, ist der zweite Schritt des OEG-Verfahrens. Dabei stellt ein Amtsarzt in einem aufwändigen Verfahren das Ausmaß der körperlichen, seelischen, gesundheitlichen Beeinträchtigungen, die aus der Gewalttat resultieren, fest und leitet daraus den sogenannten Grad der Schädigungsfolgen (GdS) ab. Für Übergriffe nach dem 16. Mai 1976 muss dieser mindestens 30 Prozent betragen, damit individuell zu begründende OEG-Leistungen beantragt werden können. Für sogenannte Altfälle, also für Gewalttaten vor diesem Stichtag, muss der GdS mindestens 50 Prozent betragen, der allerdings nur mit sehr gravierenden Beeinträchtigungen erreicht werden kann.

Betroffener beschreibt OEG-Antrag als langwierig und kraftraubend

Auf Anfrage von regensburg-digital erklärte die OEG-Stelle des Bezirks Oberpfalz, dass eine erhaltene Anerkennungsleistung für sexuelle und körperliche Gewalttaten (etwa der Diözese oder für Heimzöglinge) nicht automatisch als Tatbestandsermittlung akzeptiert werde. Ein positiv durchlaufenes Anerkennungsverfahren von Kirchen und Fonds würden im OEG-Verfahren eigene Ermittlungen zu Täter und Gewalttat nicht ersetzen. 

Nach Informationen von regensburg-digital gibt es bereits geschädigte Domspatzen, die OEG-Anträge gestellt haben. Einer davon hat unserer Redaktion gegenüber von langwierigen juristischen Auseinandersetzungen mit den zuständigen Stellen und von der kräfteraubenden Begutachtung berichtet.

Auseinandersetzungen stehen aus

Zurück zum Podiumsgespräch. Die Bonner Journalistin und Publizistin Dr. Ebba Hagenberg-Miliu schilderte einige der zentralen Vorgänge am jesuitischen Aloisiuskolleg (AKO) und die daraus folgenden Auseinandersetzungen. Am AKO mussten von 1945 bis 2010 etwa 60 Schüler sexualisierte Gewalt durch 23 Erwachsene (Stand 2010/ 11), zumeist Jesuiten, erleiden. Weiter berichtete Hagenberg-Miliu, die seit 2010 über die systematischen Übergriffe am jesuitisch geführten AKO schreibt und zum Thema ein weithin anerkanntes Buch („Unheiliger Berg“, 2014) herausgab, von Nacktbildern von AKO-Schülern, die Führungskräfte von ihren Zöglingen anfertigten und im Kolleg aufhängten. Die Bonner Journalistin wertet auch diese „pornographischen Bilder“ als sexualisierte Gewalt, da sie unter Machtmissbrauch innerhalb einer Institution entstanden und gezeigt worden sind.

Bemerkenswert erscheint die Einschätzung von Ebba Hagenberg-Miliu, wonach die eigentliche Auseinandersetzung um die Ursachen, Folgen und Konsequenzen der Übergriffe in den Einrichtungen der Domspatzen erst nach der Veröffentlichung des Aufklärungsberichts von Rechtsanwalt Ulrich Weber beginnen werde. 

Eine gesellschaftliche Debatte habe es jedenfalls, so die Bonner Journalistin, über die Einrichtungen der Jesuiten in Berlin (Canisius Kolleg) und Bonn (AKO) gegeben und für Regensburg stünde eine solche wohl noch aus. Ebba Hagenberg-Miliu verwies hierbei auf die detaillierten Beträge von Jesuiten in ihrem Buch „Unheiliger Berg“ und beispielsweise auf die Erklärung des Bonner Kollegs von Januar 2016, in der sich Führungspersonen zu dem systemischen Versagen in ihren Einrichtungen geäußert haben

Verschleiern statt aktiv Aufklären

Tatsächlich fällt Regensburg in gewisser Weise aus der Reihe. Während andere namhafte Institutionen (wie das Klosterinternat Ettal oder das AKO) schon 2010 und 2011 erste externe Untersuchungsberichte zu den sexuellen und körperverletztenden Übergriffen vorlegen konnten, existiert ein solcher für Regensburg auch über sieben Jahre nach dem Bekanntwerden der Vorfälle immer noch nicht vor. Hier hat sich kein Bischof, kein Schulleiter, kein Chorleiter, kein Vereinsvorstand der „Freunde des Regensburger Domchors“ und kein Domkapellmeister über eine Betroffenheitsgeste hinaus inhaltlich und mit eigenen Gedanken zum Versagen der „Institution Domspatzen“ geäußert und substantielle Selbstkritik geübt. Eher betrieb man aktive Verschleierung und übte sich im Aussitzen. Auch personelle Konsequenzen wurden in Regensburg in diesem Zusammenhang nicht gezogen.

Um ein anderes anstößiges Beispiel für den speziellen Regensburger Umgang zu nennen: Im Januar 2017 kündigte das Regensburger Ordinariat an, auch minderjährige Opfer von körperlicher Gewalt aus anderen kirchlichen Bereichen zu entschädigen. Einen diesbezüglichen Aufruf platzierte man verdruckst auf der Bistumshomepage und der Rubrik „News“ und blendete dabei eventuelle sexuelle Übergriffe durch kirchliche Mitarbeiter vollständig aus. Offenbar war und ist man nicht gewillt und redlich genug, auch für diesen Bereich, der die Schülerzahl der Domspatzen jahrelang weit überstieg, einen externen Rechtsanwalt mit der Aufklärung von körperverletztenden und sexuellen Übergriffen zu beauftragen und entsprechende Angebote offen und breit zu kommunizieren. 

Versagen der „Eliten“ und Aufsichtsbehörden

Kontrovers wurde auf dem Podium diskutiert, inwieweit das elitäre Selbstverständnis eines Aloisiuskollegs oder einer Odenwaldschule die Aufklärung der Übergriffe verhindert oder verzögert hat. Während Ebba Hagenberg-Miliu ein solches für das Bonner AKO als gegeben und problematisch ansieht, betrachtet Charlotte Koppenhöfer, selber ehemalige Oderwaldschülerin und Regensburger Regisseurin des Stücks „Bilder von uns“, ihre damalige Schule als keine elitäre Einrichtung, da sie reformpädagogische Ansätze verfolgt habe. Koppenhöfer bedauert zudem, dass die Aufarbeitung der Vorfälle an der Odenwald-Schule nach ihrer Auflösung brachliege.

Einigkeit bestand unter Gesprächsteilnehmern darüber, dass die Schul- und Heimaufsicht in Bonn, Berlin, Regensburg und an der Odenwaldschule völlig versagt habe. Dies gilt im Übrigen auch für die bereits 1971 in einer Schüler-Broschüre angeprangerten Übergriffe in Regensburger Heimen. regensburg-digital berichtete bereits vor einem Jahr darüber. 

Zuhörer verschieben den Fokus

Nachdem Meike Sasse das Publikum, etwa 50 Zuhörende, in das Gespräch einbezogen hatte, wurde der Fokus auf Einrichtungen gelenkt, die das Podium nicht im Blick hatte. Auf kirchliche, staatliche und private Heimzöglinge, denen definitiv nichts Elitäres anhaftet. Von einem Zuhörer und Zögling eines kirchlichen Heims wurde dabei der undifferenzierte Appell des Rechtsanwalts Rudolf von Bracken bemängelt: „Viele Betroffene aus dem Heimbereich haben gar keine Kraft, die Prozedur des OEG-Verfahrens auf sich zu nehmen“.

Ein ehemaliger Zögling des Salesianer-Internats im oberpfälzischen Ensdorf wies darauf hin, dass viele, die das Internat mit seinem gewalttätigen Alltagsstrukturen durchlaufen haben, heute zerstörte Persönlichkeiten seien. Das fragwürdige Personal von Ensdorf sei, wie in anderen kirchlichen Einrichtungen auch, aus der vormaligen Schülerschaft rekrutiert worden, wodurch problematische Strukturen aufrecht erhalten würden. Auch hier fehle die Aufklärung der Vorfälle.

Kritik an bisherigen Verhandlungsergebnissen

Die bisherigen Auseinandersetzungen um die sexualisierte Gewalt in den Einrichtungen der Regensburger Domspatzen, die sich spätestens seit ihrem im NS-Regime unter der Gunst des „Führers“ erlangten Weltruhm mit elitären Dünkel umgeben, schilderte der Ex-Domspatzen Alexander Probst. Der neulich mit dem pax-christi-Preis ausgezeichnete Probst wies auf die langen und kräfteraubenden Kämpfe hin, die Betroffene mit der Diözese führen haben müssen, um zu dem im Oktober letzten Jahres bekanntgegebenen Verhandlungsergebnis zu kommen.

Probst stellte sich auch der Kritik eines Zuhörers, der die Höhe der von der Diözese in Aussicht gestellten Anerkennungsleistungen von fünf bis zwanzigtausend Euro „viel zu niedrig“ fand. Probst verteidigte das Verhandlungsergebnis und gab an, dass in besonders schweren Ausnahmefällen von sexualisierter Gewalt auch eine höhere Leistung möglich wäre.

Die ausstehende Aufarbeitung

Eine solche und ähnliche Kritiken an dem Verhandlungsergebnis tauchten bald nach dessen Bekanntgabe von 2016 in diversen Internetforen und Redaktionsstuben auf. Sie wird meist anonym oder im Hintergrund von ehemaligen Domspatzen vorgetragen. Tatsächlich kann die Höhe der Regensburger Anerkennungsleistung die von der Deutschen Bischofskonferenz empfohlene Summe um ein Vielfaches übersteigen. Darüber hinaus bleibt es unzufriedenen Betroffenen ausdrücklich unbenommen, weitere Forderungen gegen die „Institution Domspatzen“ und noch lebende Täter zu stellen.

Der vielerorts sehnlichst erwartete Aufklärungsbericht des vom Bistum im Frühjahr 2015 beauftragten Rechtsanwalts Ulrich Weber dürfte auch jenen Kritikern, die dem Regensburger Bischof Voderholzer aus verständlichen Gründen kein Vertrauen schenken, nochmals Munition liefern. Die eigentliche sozialwissenschaftliche Aufarbeitung der sexuellen und körperverletzenden Übergriffe und ihrer sozialen Bedingungen bei den Domspatzen ist für Anfang 2019 zu erwarten. 

Mit der entsprechenden Studie wurde die staatliche Kriminologische Zentralstelle (KrimZ) in Wiesbaden beauftragt, die vom Bund und den Ländern getragen wird.

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Kommentare (35)

  • Mathilde Vietze

    |

    Das Verhalten des Intendanten ist für mich nicht nachvollziehbar,
    um nicht einen härteren Ausdruck zu gebrauchen. Dieses Thema
    ist zu wichtig, als daß man es damit abtut „da hat höchstens mal
    einer eine Ohrfeige bekommen.“ Damit kriecht man nämlich de-
    nen auf den Leim, die das Ganze gerne kleinreden oder gar ver-
    tuschen möchten. Und das darf unter keinen Umständen pas-
    sieren.

  • Angelika Oetken

    |

    Das Verfahren nach dem Opferentschädigungsgesetz ist langwierig und relativ aufwändig, aber für Missbrauchsbetroffene, die über irgendwelche Unterlagen bzw. Dokumente verfügen, aus denen sich Hinweise auf die an ihnen verübten Sexualstraftaten ableiten lassen bedenkenswert. Fachberatungsstellen und Opferhilfevereine können bei der Antragstellung unterstützen. Betroffene der Einrichtungen des Bistums Regensburg sollten wegen dessen besonderen regionalen Dominanz besonders darauf achten, wie unabhängig der Anbieter von Hilfen ist. Hier kann man sich orientieren
    https://beauftragter-missbrauch.de/nc/hilfe/beratung-und-hilfe/

  • Angelika Oetken

    |

    Inwieweit das, was das Bistum in seinen Presseerklärungen zu Hilfen bzw. Anerkennungsleistungen deklariert, als Ergebnis von Verhandlungen im eigentlichen Sinne bezeichnet werden kann, werden uns wohl erst die Recherchen der Zukunft zeigen. Was aber jetzt schon klar ist: alles ist unverbindlich, vage und letztlich einseitig.
    Bemessungsgrundlagen für die Höhe von Zahlungen könnten die Differenzen zwischen dem, was für die Unterbringung der Schüler gezahlt wurde und dem, was die Institutionen dann tatsächlich ausgegeben haben bilden. Selbstverständlich ab dem ersten Datum der Misshandlungen verzinst, ergänzt um ein angemessenes Schmerzensgeld. Wer als eingesperrtes, von der Außenwelt isoliertes Kind dem ausgesetzt war, was in ihrer Persönlichkeit auf das unterste Niveau reduzierte Priester und deren Adlaten sich unter „Sex“ vorstellten, wird daran sein Leben lang laborieren. Die Folgen des Terroregimes, der schlechten Versorgung und der Frühsexualisierung noch gar nicht einberechnet.

  • Herbert Turetschek

    |

    „Vertreter von Internaten oder der Kirchen waren nicht zugegen.“
    Offener Brief an Bischof Voderholzer:

    Sehr geehrter Herr Bischof,

    im Schreiben vom 22. Juli 2016 wird mir mangelnde Zusammenarbeit vorgeworfen (meine Angaben wären angeblich „nicht nachvollziehbar“, da ich angeblich nicht oft genug auf Sie eingegangen sei). Diese Stellungnahme, grundlegend falsch und beleidigend, weise ich energisch zurück.
    Ich war ein braver, anständiger, angepasster, katholischer Junge, der niemals Schwierigkeiten machte, weder ein Rabauke, noch ein Querulant (zu dem werde ich aber allmählich, weil die katholische Kirche meinen Fall in der Öffentlichkeit bewusst anders darstellt).
    Die Behauptung in Ihrer Stellungnahme ist insofern auch unrichtig, weil ich an der Aufarbeitung bei RA Ulrich Weber und im Männerinformationszentrum in München (MIM München) mitmachte.
    Ich bitte um Richtigstellung und um Information darüber, ob Herr Dr. Linder und Generalvikar Fuchs mich weiter verunglimpfen wollen oder, ob wir zu einer tatsächlichen Aufarbeitung kommen.

    Mit freundlichen Grüßen
    Herbert Turetschek

  • Ein Beobachterin

    |

    Es gab ja doch einige Veranstaltungen und öffentliche Auseinandersetzung in Regensburg zu sexueller und körperlicher Gewalt. Ich habe zwar nicht alle besucht, aber die unter dem Theaterchef Neundorf scheint die peinlichste gewesen zu sein. Ich denke, der hat das Thema schlicht nicht drauf, was ja nun wirklich keine singuläre Erscheinung ist. Nur, dann hätte er das Thema halt einfach kompetenten Leuten überlassen sollen!

    Wenn ich mich recht entsinne, saß damals der Chormanager Hartmann auf dem Podium und da auch er zum eigentlichen Thema nix zu sagen hatte, fabulierte er davon, dass nun alles anders und besser bzw. damals nicht alles schlecht war usw. usf. Ähnlich verlief die Mehltau-Veranstaltung im Presseclub, bei der Hartmann auch auftrat und wieder glätten und positiv in die Zukunft schauen wollte.
    http://www.regensburg-digital.de/ein-mehltau-von-feigheit/04032016/

    Leute wie Hartmann sind m.E. biografisch oder persönlich massiv in den Komplex sexualisierte Gewalt verstrickt, vermutlich war er als Domspatzenschüler zumindest Zeuge von Übergriffen. Von daher müsste er zunächst einmal über seine eigenen Erfahrungen reden, bevor er als (eh ungeschickter) Krisenmanager des Domchors öffentlich auftritt. Mehr als Krisenmanager war und ist er in diese Sache nicht.

    Letzte Woche saß Hartmann nur still im Publikum und deshalb war die Podiumsdiskussion im Haidplatz-Theater eine der besseren, vor allem wegen der RednerInnen von auswärts.

  • Angelika Oetken

    |

    @Ein Beobachterin,

    vermutlich haben die für die Domspatzeneinrichtungen Verantwortlichen ihre Rollen verteilt. Eine davon beschreiben Sie ja in ihrem Kommentar oben.

    Die Sache ist wirklich komplex, denn es geht längst nicht „nur“ um sexualisierte Gewalt. Wenn irgendwo über einen längeren Zeitraum systematisch missbraucht wird, dann hat das mit dem Geist einer sozialen Gruppe zu tun. Der Missbrauch und das Wegsehen sind feste Bestandteile der Kultur des Gefüges, das ihn durchführt, duldet und verheimlicht. Bei organisiert betriebenen und vertuschten Missbrauchsstraftaten gibt es immer einen mehr oder minder offenen Gewinn für Teile der Gruppe oder das Ganze. Manchmal besteht der konkret in Barem oder ökonomischen Vorteilen, oft ist diese verbreitete und gewöhnliche menschliche Boshaftigkeit der Grund, warum niemand einschreitet. Ab und an sind die Verantwortlichen aber auch einfach intellektuell zu minderbemittelt oder charakterlich zu schwach, um TäterInnen Grenzen zu setzen. In den meisten Fällen besteht eine Mischung aus Allem.

    Selbstverständlich wäre es sinnvoll, wenn die für die Institution „Domspatzen“ Verantwortlichen ihren Anteil reflektieren könnten. Aber: wären sie dann überhaupt geeignet, in dem Laden mitzumischen?!?! Dafür braucht man doch eine entsprechende Gesinnung. Warum rekrutieren die „Domspatzen“ und das Bistum Regensburg sich wohl vorwiegend aus ihren eigenen Reihen?

    VG
    Angelika Oetken

  • B.R..

    |

    1. Wenn pro Jahr pro Schüler tausende DM an Pensionsgeldern gezahlt wurde, dazu
    noch Geld vom Land Bayern für den Betrieb des Internats Etterzhausen: wie
    viel mag die Stiftung Etterzhausen, bzw. der Internatsleiter dann pro
    Schüler in Wirklichkeit ausgegeben haben? Wohin floß der Gewinn, der
    erheblich gewesen sein muss?
    2. Komplextraumatisierungen bei Kindern im Grundschulalter haben häufig sehr
    schwere Folgen: psychische Erkrankungen, Suchterkrankungen. Wie viele
    Ehemalige Etterzhauser sind heute wohl schwer psychisch krank? Dauerhaft
    arbeitsunfähig? Wie viele sind alkoholabhängig oder konsumieren andere
    Drogen? Wer leidet an Aids? Wie viele haben es nie geschafft, eine
    dauerhafte Partnerschaft einzugehen, ggf. eine Familie zu gründen? Wie sieht
    es mit der Rate an Gewalttätern unter den Ehemaligen aus? Wer wiederholt an
    Frau und Kindern, was ihm Meier und Co. früher in der Kindheit angetan
    haben? Wie viele Insassen des Kinderlagers Etterzhausen haben später
    Selbstmord begangen?
    Diese Fragen werden auch für die heutige Institution Domspatzen unbeantwortet bleiben……

  • Angelika Oetken

    |

    Zwei Fragen in die Runde:

    A) Gibt es eigentlich in der Oberpfalz Organisationen, Institutionen, Initiativen oder Privatpersonen, die unabhängig von Bistum Regensburg und kirchennahen Stellen biopsychosoziale Daten sammeln und auswerten? Also über den Gesundheitszustand der Bevölkerung, typische Lebensläufe, deren Kriminalität, Art und Ausmaß von Erkrankungen, Lebenserwartung, Todesursachen?

    B) Was ist eigentlich mit den Papieren, die in Etterzhausen während des jahrzehntelangen Betriebs des Kinderlagers „Domspatzenvorschule“ angefallen sind geschehen? Mit den Schulakten, aber auch Kassen- bzw. Wirtschaftsbüchern? Wo liegen die? Im Archiv des Bistums oder an andere(n) Stellen?

    VG
    Angelika Oetken

  • Ein Beobachterin

    |

    @ AO
    Ja die Sache ist wirklich komplex.
    Deshalb glaube ich nicht, dass Sie, werte Fr Oetken, mit Ihrer m.E. unterkomplexen These weiterkommen.

    Ich bekomme sicher nicht alles mit was sie da und dort kommentieren zu ihrer These: bei den Domspatzen gehe es um organisierten Mißbrauch und um gewinngeile Begleit-Kriminalität. Haben Ihre x-fachen Nachfragen in diversen Foren irgendeinen Anhaltspunkt für ihre These ergeben?
    Ganz ehrlich, mir scheint Ihre Rechercheart nicht gerade professionell, eher hilflos und unbedarft zu sein.

    Ich habe Bekannte und Freunde, die im familiären und dörflichen Umfeld missbraucht wurden. Hier gibt es zwar auch „eine soziale Gruppe“, die wegsah, die Teil einer „Vergewaltigungskultur“ ist, aber es ging und geht überhaupt nicht um ökonomischen Vorteil. Hier geht es vielmehr um finanziellen Nachteil, wenn es zur Verurteilung kommt.
    Kurz gesagt: ich finde sie sollten Ihre These geschickter und im Stillen verfolgen und wenn, Sie tatsächlich etwas belastentes haben, entweder zum Staatsanwalt oder zu einer Journalistin ihres Vertrauens gehen.

  • hutzelwutzel

    |

    @Herbert Turetschek:

    Sie müssen über das Verhalten des Bischofs wie auch der anderen Verantwortlichen müde lächelnd hinwegsehen.
    Nicht ohne Grund gibt es die sog genannte „Katholische Sukzession“, was für mich mittlerweile auch bedeutet, dass nicht nur einer des anderen Last trägt, sondern besonders dessen Verbrechen und Vergehen deck(el)t.

    Sehr lange Zeit hatte ich auch Vertrauen in diesen mit besonderen Privilegien ausgestatteten deutschen Verein. Seit Bekanntwerden der Mißbrauchsfälle ist klar, dass man es wirklich nur noch mit der Aussage von Karl Marx erklären kann.
    ———————
    Sie werden doch nicht ernsthaft erwarten, dass jemand der demächst als Kardinal nach Tschechien wechseln könnte, Ihnen gegenüber eine Art „Schuldeingeständnis“ abgeben wird. ;-)

  • Angelika Oetken

    |

    „Ich habe Bekannte und Freunde, die im familiären und dörflichen Umfeld missbraucht wurden.“

    Haben Sie diese Personen zu einer Anzeige ermutigt @Ein Beobachterin? Falls ja, welche Erfahrungen haben Ihre Bekannten und Freunde damit gemacht? Würden die so ein Vorgehen uneingeschränkt weiterempfehlen?

    Zu ökonomischen Vorteilen bei den „Wegguckern“ im familiären Bereich: da gibt es regelrechte Klassiker. Man lässt Opa die Enkelin missbrauchen und der unterstützt im Gegenzug die Eltern des Opfers finanziell. Oder: ein Vater duldet es, dass seine Frau den gemeinsamen kleinen Sohn missbraucht, weil er die wirtschaftlichen Belastungen, die sich durch eine Trennung ergeben vermeiden will und berufliche Nachteile befürchtet, wenn ruchbar wird, was in seiner Familie passiert.

    VG
    Angelika Oetken

  • Angelika Oetken

    |

    „Haben Ihre x-fachen Nachfragen in diversen Foren irgendeinen Anhaltspunkt für ihre These ergeben?“

    Meine Nachfragen sind eher rhetorischer Art @Ein Beobachterin. Der Informationsaustausch verläuft natürlich nicht-öffentlich. Mutmaßlich sind Sie sogar daran beteiligt.

    Ich habe im Übrigen vollstes Verständnis für gewisse Kirchenfunktionäre. Wenn man nicht in der Lage ist, ein gewöhnliches Leben zu führen und deshalb bei „die Kirche“ anheuern muss: was bleibt einem denn dann noch außer ein paar Ersatzbefriedigungen. Und die muss man(n) auch finanzieren.

    VG
    Angelika Oetken

  • Herbert Turetschek

    |

    @hutzelwutzel „Sie werden doch nicht ernsthaft erwarten…“
    Ich erwarte mir nichts, denn, hätte ich mir etwas erwartet, dann wäre ich nur enttäuscht worden ;)

  • hutzelwutzel

    |

    @Herbert Turetschek:

    Gut so! Dann bedauern wir gemeinsam, dass sich eine Organisation wie die Röm.-Kath. Kirche seit der Säkularisierung nicht geändert hat, sondern nichts Besseres zu tun hatte als wieder die Macht auch über die Politik zu erlangen.
    ————————-
    @B.R.
    @Angelika Oetken

    Alles berechtigte Fragen, doch die Antworten liegen mittlerweile schon näher als in der Bayerischen Staatskanzlei, nämlich seit Anfang 2014 bei jemandem der am Emmeramsplatz Amtssitz hat, und als Bezirksregierungspräsident was tun könnte, weil er vorher die rechte Hand des Bayerischen Ministerpräsidenten Dr. Stoiber war.
    Soll mir niemand sagen, die Bayerische Staatsregierung hätte von allen diesen Dingen nicht zeitnah gewußt, und könnte nicht schon lange dem Regensburger Domkapitel, dieses ist hier rechtsverantwortlich für die Diözese, einige Sachen erklären und diese zum Handeln zwingen.

    Eine andere Frage: Warum sah man die Domspatzen nie zusammen mit anderen Knabenchören wie dem Tölzer Knabenchor, den Windsbacher Sängerknaben gemeinsam auftreten?

  • Magno

    |

    Es ist nicht alleine das Problem, dass unter elitären Deckmantel Missbrauch oder Misshandlungen stattfanden. Die Auslegung des Glaubens trägt dazu bei, dass das was passiert oder immer noch passiert maßgeblich daran beteiligt ist. Oft ist Glaube, Gewalt eine unzertrennliche Einheit. In meinem Oberpfälzer Umfeld werde ich oft für das Aufbegehren gegen die Kirche, das Wahnehmen der Entschädigungsleistungen sehr stark geächtet.
    Neutrale Ansprechpartner für Geschädigte oder entsprechende Vereine gibt es nicht. Von der VDK Amberg z.B.wurde ich auf das Niedrigste behandelt. Den Weißen Ring hatte ich angeschrieben jedoch verblieb mein Anschreiben ohne Antwort.

  • Angelika Oetken

    |

    @hutzelwutzel,

    ich bin der Ansicht, dass Handeln eine gewisse Motivation voraussetzt. Deshalb: was hätte die Regierung des Freistaates Bayern davon, das Regensburger Domkapitel zu irgendwas zu zwingen? Daran schließt sich die Frage an, wie die notwendigen Handlungen denn konkret aussehen sollten?

    VG
    Angelika Oetken

  • Benedikt Babinger

    |

    Wer hätte das damals gedacht, an jenem denkwürdigen 12. Juli 2016, als Intendant Neundorff von Enzberg das schaurig-grandiose „Prinzchen“-Gastspiel des Berliner Ensembles im Theater am Bismarckplatz mit einer Podiumsdiskussion krönte, die das Thema des Abends so krampfhaft umschiffte, daß es wehtat – wer hätte das damals gedacht, daß die damals strikt unterbundene Diskussion nun doch noch stattfindet! Übrigens erinnere ich mich noch lebhaft an die Schlußpointe der „Keine Diskussionen!“-Diskussion am 12.7.2016. In der MZ fehlte sie völlig, bei regensburg-digital war sie nur unvollständig wiedergegeben. Da wandte sich der Intendant am Schluß launig an Wittenbrink, um das leidige Thema, an dem man soeben geradezu panikartig vorbeidiskutiert hatte, endgültig vom Tisch zu wischen: „Es gibt ja auch noch andere Themen! Regensburg hat ein Schloß, Regensburg hat die Donau…“ Er meinte damit: Man könnte doch öfter mal einen „musikalischen Abend“ von Franz Wittenbrink in Regensburg auf die Bühne bringen, aber nächstes Mal bitte was unbeschwertes, nettes! Irgendwas mit Schloß und Donau! Was zum mitschunkeln und Schenkelklatschen! – Neundorff von Enzberg hatte nur nicht mit Wittenbrinks Schlagfertigkeit gerechnet. Denn der hatte in Sekundenschnelle auch schon den passenden Titel parat: „Ja genau: Schnackseln an der Donau!“

  • Angelika Oetken

    |

    „Regensburg hat ein Schloß, Regensburg hat die Donau…“

    Stammt Jens Neundorff von Enzberg eigentlich aus der Gegend?

  • Herbert Turetschek

    |

    Ich werde von meinen Grünen-Freunden darauf angesprochen, sie hätten davon nichts gewusst und es wären doch nur ein „paar“ Chaoten gewesen; ich werde von der katholischen Kirche angesprochen, es gäbe doch nur ein „paar“ Pädophile und es hätte doch nie ein System gegeben…
    Die Wahrheit ist
    -es waren nicht nur ein paar Leute
    -das Ganze hatte System.

  • Angelika Oetken

    |

    „Neutrale Ansprechpartner für Geschädigte oder entsprechende Vereine gibt es nicht.“

    Genau das @Magno, halte ich für ein ganz zentrales Problem in Gegenden wie der, in der Sie leben. Dort nämlich, wo so gut wie alle potentiellen AnsprechpartnerInnen oder Stellen, die helfen könnten, von der Institution beeinflusst oder sogar getragen werden, aus der sich TäterInnenkreise rekrutieren.

    Falls es um eine erste Übersicht zu Hilfen geht, kann ich das Hilfetelefon des UBSKM empfehlen https://beauftragter-missbrauch.de/hilfe/hilfetelefon/

    Für Opfer des Bistums Regensburg könnte auch ein Anruf beim „Hilfetelefon Forschung“ sinnvoll sein. Vielleicht können sich einige Opfer des Bistums dazu entschließen, den zum Thema sehr erfahrenen ForscherInnen des Universitätsklinikums Ulm mitzuteilen, wie die systematisch und systemisch betriebene Missbrauchskriminalität aussah, die unter der Verantwortung der Diözese Regensburg geschah, welche direkten Folgen sie hatte und bis heute nach sich zieht.

    VG
    Angelika Oetken

  • Mathilde Vietze

    |

    Das große Problem ist die hinterwäldlerischen Sexualmoral
    der katholischen Kirche. Und die zieht erstens Verklemmte
    an, wie die Motten das Licht und erzeugt dann solche Tanz-
    bären. Man müßte den Reaktionäre klar machen, daß das
    Gegenteil von Verklemmtheit nicht Zügellosigkeit, sondern
    N a t ü r l i c h k e i t bedeutet. Die Reaktionäre schaden
    der katholischen Kirche mehr als 3 Dutzend Atheisten.

  • Angelika Oetken

    |

    Ich stimme Ihnen in dem Punkt zu Frau Vietze, dass es innerhalb der Katholischen Kirche einige Gruppierungen und Einzelpersonen gibt, die sich besondere Mühe geben, eine Sexualmoral zu propagieren, die in der Realität natürlich nicht funktioniert. Was sie vermutlich auch gar nicht soll. Nachdem ich das, aus meiner Sicht von außen, einige Zeit mit Befremden beobachtet hatte, mutmaße ich mittlerweile, dass die Sexualmoralisiererei einen bestimmten Zweck erfüllt. Verbote lassen nämlich auch banalste, kümmerlichste und alltäglichste Angelegenheiten attraktiver erscheinen. Und Frauen, von denen erwartet wird, dass sie nur mit dem Ehemann sexuell interagieren, dürfen ja, offiziell jedenfalls, keine Vergleiche anstellen…. vice versa.

    Was die Täterinnen und Täter angeht, die innerhalb des Verantwortungsbereiches der Katholischen Kirche agierten und teils immer noch ihr Unwesen treiben: so „verklemmt“ konnten bzw. können sie nicht sein. Immerhin waren sie in der Lage, genug sexuelle Triebenergie zu aktivieren, um an ihren Opfern zu wiederholen, was ihnen selbst auch einmal angetan worden ist. Ob von ihren Müttern, Vätern, anderen Angehörigen, Priestern oder sonstwem. Abgesehen davon, fällt auf, wie viele dieser Missbrauchskriminellen sich in Gruppen organisierten, um ihre Taten noch besser planen, vertuschen oder sogar von der Institution, der sie angehörten unterstützen zu lassen.

    Im Übrigen scheint der Anteil an pervers gestörten, sadistisch ausgerichteten Missbrauchskriminellen unter Priestern höher zu sein als in der sonstigen Bevölkerung. Vielleicht wird bei Täterpriestern aber auch nur eine sadistische Störung mit dem „Ausrasten“ verwechselt, was manche früh gestörte Menschen zeigen, wenn sie während sexueller Aktivitäten dissoziieren und so außer sich geraten. Man muss sich auch immer vor Augen halten, welch zerstörerische Wirkung Spiritualität haben kann, wenn sie sich in Riten und Kulten ausdrückt.

    VG
    Angelika Oetken

  • Herbert Turetschek

    |

    „Für Opfer des Bistums Regensburg könnte auch ein Anruf beim „Hilfetelefon Forschung“ sinnvoll sein.“ Frau Angelika Oetken
    Das habe ich gerade im Moment getan und ich habe ein langes Gespräch geführt: Sehr empfehlenswert!

  • Coffin Corner

    |

    „Die gesellschaftliche Debatte in Regensburg steht noch bevor“.
    Man mag es kaum glauben, was man hier liest.
    Wurde uns nicht in einer Pressekonferenz im Oktober 2016 die der Bischof persönlich mit zwei Gepeinigten abhielt, erklärt, wie gut nun „aufgearbeitet“ sei bzw. jetzt werde?
    Sagte nicht der eine Gepeinigten so ziemlich wörtlich „Es sei jetzt alles erreicht“ ?
    Nur noch schnell die Zahlungen abnicken, die Schecks ausstellen und um die Psyche kümmern sich Fachleute in München ? Dann noch eine Studie und es wird nie wieder etwas passieren. Alles ist in Butter und und alles ist wieder schön ?

    Oder haben die beiden Herren doch nicht im „Namen aller Opfer“ gesprochen, wie sie vorgaben ? Sie, die Berufenen und Auserwählten ?

    (Wo bleibt eigentlich der Abschlussbericht ?)

  • Angelika Oetken

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    Das freut mich Herr Turetschek!

    Das „Hilfetelefon“ bietet Opfern des Bistums Regensburg die Möglichkeit, anonym das wissenschaftlich dokumentieren zu lassen, was ihnen widerfahren ist. Das Projekt wird vom Unabhängigen Beauftragten für Fragen des sexuellen Kindesmissbrauchs getragen. Da der UBSKM von der Bundesregierung berufen und beauftragt wurde, unterliegt seine Arbeit klaren gesetzlich und parlamentarisch geregelten Vorgaben. Auch, was den Umgang mit Daten und die Wahrung der Persönlichkeitsrechte der Menschen betrifft, die sich an den UBSKM oder seinen Arbeitsstab wenden.

    Es gibt nirgends eine 100prozentige Gewissheit, dass nicht doch Informationen „durchgestochen“ werden. Allerdings bietet es einen gewissen Schutz, wenn Zuständigkeiten klar benannt und Abläufe öffentlich gestellt sind. Hieran kann die Solidität und Seriosität eines als „Aufarbeitung“ bezeichneten Projekts bemessen werden http://www.nina-info.de/hilfetelefon.html

    VG
    Angelika Oetken

  • Angelika Oetken

    |

    „Oder haben die beiden Herren doch nicht im „Namen aller Opfer“ gesprochen, wie sie vorgaben ? Sie, die Berufenen und Auserwählten ?“

    Gute Frage @Coffin Corner. Rein formal betrachtet sprechen die in das Kuratorium der Diözese als Vertretung der Betroffenen berufenen Personen für ihren Auftraggeber. Also das Bistum.

    Wer größere Gruppen wirklich vertreten will, muss von ihnen ein Mandat erhalten. Voraussetzung wäre, dass sich Formationen von Opfern und ggf. Mitbetroffenen bilden, die Mandate erteilen können.

    VG
    Angelika Oetken

  • Angelika Oetken

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    Meiner Ansicht nach ist die Grundlage jeglicher Verhandlung, sofern sie vom Geist eines Bemühens um konstruktive Lösungen bei Konflikten getragen ist, dass alle Parteien in einem gemeinsamen Prozess ihre Positionen bestimmen. Das ist im Falle von komplexen Sexualstraftaten, die ganze Gruppen betreffen sicherlich besonders schwierig. „Sexualität“ gehört neben dem Thema „Geld“ zu den Angelegenheiten, bei denen am hartnäckigsten geschwindelt und gelogen wird, heißt es. Deshalb wäre es interessant zu erfahren, wie dieser Prozess genau beim „Regensburger Missbrauchsskandal“ verlaufen ist.

    Unten ein Zitat aus einem Fachartikel, den zwei Missbrauchsbetroffene zum Thema „Aufarbeitung“ verfasst haben. Titel: „Kindesmissbrauch aufarbeiten – Von der individuellen zur gesellschaftlichen Auseinandersetzung mit einem verbreiteten Unrecht“, Maren Ruden, Jörg-Alexander Heinrich, erschienen in der Zeitschrift „Trauma“, Heft 4/2016 (Themenschwerpunkt „Sexueller Kindesmissbrauch“) S. 74 – 84, Verlag Asanger
    http://www.asanger.de/zeitschriftzppm/themenhefte/2016/heft-4-2016.php

    „(K)eine Satire: Wie Sie als Verantwortliche/r Aufklärung am nachhaltigsten verhindern. Grundlage unserer Aufzählung sind die Erfahrungen aus teils schon Jahrzehnte andauernden Bemühungen um die Aufarbeitung von Missbrauchstaten

    1. Spielen Sie auf Zeit und leugnen Sie so lange wie möglich
    2. Währenddessen schüchtern Sie (Opfer-) Zeugen ein und vernichten Beweismittel
    3. Bekämpfen Sie die Whistleblower aus Ihren Reihen, bringen Sie Verantwortliche zum Schweigen
    4. Nutzen Sie Ihren Einfluss auf die Medien, insbesondere falls Sie Plätze in Rundfunkräten besetzen
    5. Gestehen Sie nur ein, was sowieso schon bekannt ist
    6. Platzieren Sie jemanden in der Bewegung, den Sie manipulieren können und machen Sie möglichst viele Opfer und Mitbetroffene von sich abhängig
    7. Reagieren Sie nicht. Es sei denn, es geht um Geld oder drohende staatliche Eingriffe“
    (Punkt 1 – 7 von 21)

  • Angelika Oetken

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    Teil II der halbsatirischen Auflistung, (Punkt 8- 14):

    „8. Wird der öffentliche und/oder politische Druck zu groß, geben Sie sich zerknirscht
    9. Etablieren Sie etwas, das wie „Aufarbeitung“ wirkt, aber Ihnen einen Vorteil verschafft
    10. Zermürben Sie Ihre Kontrahenten
    11. Machen Sie den dritten Schritt vor dem ersten und zweiten. Setzen Sie Präventionskonzepte in die Welt, ohne dass vorher geklärt wurde, wovor sie die Ihnen anvertrauten Menschen eigentlich schützen sollen und ohne Aufarbeitung, warum der Schutz bislang nicht funktioniert hat
    12. Machen Sie viele vage Versprechungen. Halten Sie davon so wenige wie möglich ein
    13. Setzen Sie darauf, dass die Öffentlichkeit schnell das Interesse am Thema verliert
    14. Nutzen Sie PR-Floskeln: Achtsamkeit, Rücksicht, Verantwortung“

    Quelle: „Kindesmissbrauch aufarbeiten – Von der individuellen zur gesellschaftlichen Auseinandersetzung mit einem verbreiteten Unrecht“, Maren Ruden, Jörg-Alexander Heinrich, erschienen in der Zeitschrift „Trauma“, Heft 4/2016 (Themenschwerpunkt „Sexueller Kindesmissbrauch“) S. 74 – 84, Verlag Asanger
    http://www.asanger.de/zeitschriftzppm/themenhefte/2016/heft-4-2016.php

  • Coffin Corner

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    Die Dinge sind (zumindest für die Zukunft) in sämtlichen Details geregelt:

    https://www.youtube.com/watch?v=WjlL8EJZ0ns&feature=youtu.be

    Es ist hochinteressant, wie sich hier ein hochqualifizierter Musikprofessor mit den Details der Prävention abmüht. Zeitweise scheint durch, wie lästig ihm das Thema doch sein muss.

    Mir stellen sich da zwei Fragen::
    1, Gibt es im Orbit der Domspatzen niemanden, der dazu besser geeignet wäre ?
    2. Wie dringend muss doch der Bedarf nach Regelung, Kontrolle und Überwachung sein ?

  • Angelika Oetken

    |

    Dritter und letzter Teil von „(K)eine Satire“, Punkt 9 – 21.

    „15. Setzen Sie die Standards. Bestimmen Sie, wer wie aufarbeitet, was wie aufgearbeitet wird
    16. Legen Sie die Preise fest. Insbesondere die zu Schadenersatz, Schmerzensgeld und Hilfeleistungen
    17. Bitten Sie die Opfer um Vergebung, ohne sich vorher mit ihnen über Wiedergutmachung vereinbart zu haben
    18. Wer Prävention betreibt gehört zu den Guten. Entwickeln Sie etwas, das nach Vorsorge aussieht, aber Ihnen wenig Scherereien bereitet
    19. Lassen Sie sich Ihre Bemühungen wo immer möglich, von der Allgemeinheit bezahlen. Machen Sie auf keinen Fall ein Hehl daraus. Subventionen adeln
    20. Atmen Sie erst auf, wenn die Öffentlichkeit Sie als Experte für Aufarbeitung wahrnimmt. Dann kehrt wieder Ruhe ein
    21. Egal, was oder wie Sie sich auch anstellen: So lange es Ihre Organisation gut aussehen lässt, haben Sie Ihre Vorgesetzten hinter sich.“

    Quelle: „Kindesmissbrauch aufarbeiten – Von der individuellen zur gesellschaftlichen Auseinandersetzung mit einem verbreiteten Unrecht“, Maren Ruden, Jörg-Alexander Heinrich, erschienen in der Zeitschrift „Trauma“, Heft 4/2016 (Themenschwerpunkt „Sexueller Kindesmissbrauch“) S. 74 – 84, Verlag Asanger
    http://www.asanger.de/zeitschriftzppm/themenhefte/2016/heft-4-2016.php

  • Angelika Oetken

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    „2. Wie dringend muss doch der Bedarf nach Regelung, Kontrolle und Überwachung sein“

    @Coffin Corner,

    womöglich hat man(n) etwas implementiert, wovor die InitiatorInnen von „Demo für alle“ und so warnen. Die werden schon wissen warum, es gibt ja genug Mitglieder die Altem Adel entstammen und ganz bestimmt gut informiert sind.

    Gerade darum sollten wir die Aufklärung konsequent fortsetzen. Der Forist hutzelwutzel schrieb am 18.5. um 23, 22 Uhr z. B. „Eine andere Frage: Warum sah man die Domspatzen nie zusammen mit anderen Knabenchören wie dem Tölzer Knabenchor, den Windsbacher Sängerknaben gemeinsam auftreten?“

    VG
    Angelika Oetken

  • B..R..

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    Der total totale Wahnsinn…..
    Ich finde , dass diese katholische Kasanierunsaufzucht daran eine große Schuld hat,
    dass eben so viele Buben seit vielen Jahrzehnten in kath. Heimen missbraucht werden,
    oder wurden.
    In einem alten Fall soll sich sogar ein Pater einen Meineid geleistet haben. Auch ging er dann anschließend mit hochrotem Kopf aus dem Gerichtssaal.

    http://www.general-anzeiger-bonn.de/region/vorgebirge-voreifel/meckenheim/Die-Eingeweihten-h%C3%BCten-das-Geheimnis-article277714.html

    http://www.general-anzeiger-bonn.de/region/vorgebirge-voreifel/meckenheim/Pater-Gerhard-P%C3%BCtz-article384480.html

    http://www.dieterwunderlich.de/Juergen_Bartsch.htm

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