Domspatzen-Abend mit einem mutlosen Intendanten

„Mach doch mal was über das Schloss, Franz…“

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Bis vor kurzem war das noch undenkbar: Ein Stück über Gewalt und Missbrauch bei den Domspatzen am Stadttheater Regensburg begeisterte am Dienstag das Publikum. Eine peinliche Figur machte Intendant Jens Neundorff von Enzberg.

"Da sind wir doch noch gar nicht, Franz." Intendant Neundorff von Enzberg (li. mit Franz Wittenbrink, Christof Hartmann und Maike Schmidt) lieferte eine peinliche Vorstellung ab. Foto: as

„Da sind wir doch noch gar nicht, Franz.“ Intendant Neundorff von Enzberg (li. mit Franz Wittenbrink, Christof Hartmann und Maike Schmidt) lieferte eine peinliche Vorstellung ab. Foto: as

Donnernder Applaus, Bravo-Rufe und zahlreiche Vorhänge für das Berliner Ensemble: Das Gastspiel von „Schlafe mein Prinzchen“ hat am Dienstag am Regensburger Stadttheater wie eine Bombe eingeschlagen. Und dass das Stück von Ex-Domspatz Franz Wittenbrink „endlich an dem Ort, an den es hingehört“ aufgeführt wurde, wie es Schauspielerin Maike Schmidt beim anschließenden sogenannten „Publikumsgespräch“ anmerkt, ist weder der Initiative eines der am besten geförderten Theater Bayerns zu verdanken, noch dem bestens bezahlten Intendanten Jens Neundorff von Enzberg, sondern vor allem dem Zusammenschluss ehemaliger Domspatzen und ihrem „Archiv gegen das Vergessen“. Sie haben das Gastspiel mit einem hohen fünfstelligen Betrag mitfinanziert.

Prototyp für den Umgang mit dem Thema Missbrauch

Es ist beschämend, dass Neundorff von Enzberg diesen Umstand weder bei der Einführung vor Vorstellungsbeginn noch beim anschließenden „Publikumsgespräch“ erwähnt. So wie das Verhalten des Intendanten an diesem denkwürdigen Theaterabend insgesamt beschämend ist und geradezu prototypisch für den Umgang, der in Regensburg über viele Jahre zum Thema Gewalt und Missbrauch bei den Domspatzen gepflegt wurde: am Besten nicht drüber reden, Diskussionen darüber abwürgen und mit Nebelkerzen davon ablenken. Doch mehr dazu später.

Es sei ihm seit Jahren ein Anliegen gewesen, das Thema sexueller Missbrauch auf die Bühne zu bringen, sagt Wittenbrink bei seiner Einführung im gerammelt vollen Foyer Neuhaussaal. Er habe aber lange nicht die richtige Sprache dafür gefunden.

Proppevoll: der Neuhaussaal. Foto: Baumgärtner

Proppevoll: der Neuhaussaal. Foto: Baumgärtner

Wittenbrink war von 1958 bis 1967 selbst ein Domspatz und hat als Kind massive Gewalterfahrungen gemacht. Von sexuellem Missbrauch blieb er verschont. „Mein Onkel war Ministerpräsident.“ Die Missbrauchstäter hätten sich eher „auf die Familien spezialisiert, wo man damit rechnen konnte, dass es keinen großen Skandal gibt“.

„Nichts. Gar nichts. Überhaupt nichts.“

Wittenbrink war 2007 einer der ersten, der offen über diese Erfahrungen sprach. „Doch passiert ist nichts. Gar nicht. Überhaupt nichts.“ Erst 2010 begann das, was landläufig als „Missbrauchsskandal“ bezeichnet wird und in Regensburg dauerte es weitere fünf Jahre, bis die Mauer des Vertuschens und Verschweigens zu bröckeln begann.

Bedrückende Szenen: "Schlafe mein Prinzchen". Foto: Barbara Braun

Bedrückende Szenen: „Schlafe mein Prinzchen“. Foto: Barbara Braun

Dass es so weit kam und das nun – ein Jahr nach seiner Uraufführung am Berliner Ensemble – ein Stück über eben jenen Skandal in Regensburg gezeigt werden kann und auch noch mit so viel positiver Resonanz bedacht wird, ist vor allem jene ehemaligen Domspatzen zu verdanken, die sich über all die Jahre nicht vom Leugnen, von demütigenden Serienbriefen und Beschimpfungen als Lügner und Nestbeschmutzer beeindrucken ließen und auf Aufklärung gepocht haben.

Doch für Wittenbrink ist sexueller Missbrauch kein exklusives Thema der Kirche. „Das gab es in reformpädagogischen Einrichtungen, in Sportvereinen und vor allem in Familien.“ Entsprechend ist sein Stück zwischen Theater und Musikrevue keine Anklage gegen die Kirche.

Während es im ersten Teil offensichtlich um die Domspatzen geht, folgt im durchaus notwendigem zweiten Teil, der inhaltlich aber leider merklich abfällt, das reformpädagogische Pendant Odenwaldschule. Und wenn Wittenbrink hofft, „dass das Publikum ein bisschen nachempfinden kann, wie man sich als Kind da fühlt“, dann ist ihm das vor allem (aber nicht nur) im ersten Teil vollends gelungen. Die bedrohliche Atmosphäre wird zum Beispiel greifbar, wenn zwei Präfekten zum Agnus Dei die Schlafräume der Buben abschreiten und sich dann einer nach dem anderen zu zwei Kindern ins Bett legen, um es sich „richtig schön“ zu machen (Eine ausführliche Rezension gibt es hier.).

Diskussionsvermeidung statt Diskussion

Den minutenlangen Applaus, der den knapp zwei Stunden folgt, würgt der Intendant selbst ab, indem er mittendrin auf die Bühne tritt und zum „Publikumsgespräch“ bittet. Und dieses Abwürgen ist auch die passende Einleitung für seine anschließende Moderation. Über das eigentliche Thema, den sexuellen Missbrauch bei den Domspatzen, der doch in Regensburg den Stoff für Diskussionen abgeben müsste, will Neundorff von Enzberg offensichtlich auf keinen Fall reden.

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Wie groß denn der Domspatzen-Chor heute sei, will er von Chormanager Christof Hartmann wissen. Ob die Domspatzen früher mehr auf Reisen gewesen seien, fragt er. „Da sind wir doch noch gar nicht, Franz“, fällt er Wittenbrink ins Wort, als dieser zum ersten Mal ausholen will. Ja selbst, dass er – Neundorff – seinen ersten Satz als Statist nie vergessen werde, darf das geneigte Publikum erfahren und allerlei sonstige Belanglosigkeiten. „Ich musste den Saal verlassen, sonst wäre ich ausgeflippt“, sagt Udo Kaiser, einer jener jahrelang aktiven Ex-Domspatzen, im Anschluss an die Diskussion.

„Ich will das jetzt gar nicht thematisieren…“

Immerhin schafft es Wittenbrink, die mutlose Moderation des Intendanten etwas auszuhebeln und den üblich ausweichenden Formulierungen von Chormanager Hartmann etwas entgegenzusetzen. Der, Hartmann, ist seit 1969 „mit Leib und Seele“ bei den Domspatzen dabei und seit langem in leitenden Funktionen eingebunden. Aber Hartmann will nie von irgendetwas gewusst haben. Stets zog er sich bei öffentlichen Auftritten mit billigen Betroffenheitsbekundungen und angeblichem Nichtwissen aus der Affäre.

„Das wird ja jetzt aufgearbeitet“, sagt er irgendwann, als dann doch über das Unsagbare gesprochen werden muss. „Ich glaub, das muss man ja jetzt gar nicht thematisieren. So auf der Bühne.“ Und überhaupt gebe es ja auch Domspatzen, denen etwas widerfahren sei, die jetzt aber ganz zufrieden seien. „Das war tolle Musik und das waren schlimme Dinge. Aber das wird jetzt gesehen und aufgearbeitet.“

Dass das jetzt aufgearbeitet werde, sei den Opfern zu verdanken, die seit Jahren keine Ruhe gegeben haben, erwidert Wittenbrink. „Und das obwohl sie jahrelang von den Domspatzen fertig gemacht worden sind.“ Er erhält den ersten Applaus des Abends bei dieser Diskussion.

„Die Stadt hat viele Themen…“

Ach. Es gebe ja auch Domspatzen, die mit dem, was jetzt gemacht werde, ganz zufrieden seien, stottert Hartmann. Vor denen habe er auch Respekt. Und man müsse ja immer beide Seiten sehen. Als Wittenbrink etwas erwidern will, geht der sichtlich nervöse Intendant dazwischen. Das Thema werde man ja heute nicht aufarbeiten.

Intendant Neundorff von Enzberg: Lieber mal ein Theaterstück über das Schloss... Foto: Werner

Intendant Neundorff von Enzberg: Lieber mal ein Theaterstück über das Schloss… Foto: Werner

Und als Wittenbrink darum bittet, Publikumsfragen zuzulassen, ignoriert Neundorff von Enzberg das geflissentlich, formuliert seinen Abschiedssermon, wendet sich im vertraulichen Ton an Franz Wittenbrink und meint: „Die Stadt hat viele Themen, Franz. Vielleicht machst Du ja mal was über das, äh, Schloss.“ Beschämend eben.

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Kommentare (18)

  • Angelika Oetken

    |

    „Die Stadt hat viele Themen, Franz. Vielleicht machst Du ja mal was über das, äh, Schloss.“

    Aber da wäre man(n) doch wieder beim Thema!

  • huztelwutzel

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    Yeah! Schade das ich diese Aufführung nicht sehen konnte. Hoffe das Teil kommt man ins Kino, wenigstens regional.

    Übers Schloss? Welches Schloss denn? Vielleicht was über einen Geburtstag, bei dem der Regensburger Bischof Manfred Müller dem Geburtstagskind eine Torte mit ganz besonders geformten Kerzen vorbeigebracht haben soll? ;-)

    Grüße in die Niedermüstergasse! Ja, auch dies – und noch viel mehr (> Schwimmbad) ist mittlerweile bekannt.

  • Matthias B.

    |

    Ein brisantes, ein brennendes und dränges Thema macht noch lange keinen guten und gelungenen Theaterabend. Habe das Stück nicht gesehen, Freunde aus Berlin meinten, es wäre nicht der beste Wittenbrink, eher einer seiner schwächeren Abende, musikalisch nicht überzegend und „das Pinzchen“ hätte doch einige dramaturgischen Mängel.
    Zur Diskussion: War sie zum Theaterabend gedacht? Oder allgemein zum Thema „Missbrauch bei den Domspatzen und Aufklärung“?

  • hutzelwutzel

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    Noch immer nicht mehr Kommentare? Scheint mittlerweile vielen Leuten wo vorbeizugehen, der Domspatzen-Nichtaufklärungswillen mancher Leute! ;-)

    Sehet hier:
    „Interview mit Intendant Jens Neundorff von Enzberg: Theater …
    https://www.br-klassik.de/…/intendant-theater-regensburg-jens-neundorff-von-enzber…
    16.03.2016 – Das Theater Regensburg präsentiert unter dem Motto „anfreunden“ seine neue Spielzeit 2016/2017. “
    —————————————
    Also mit „anfreunden“ hatte dieses „Lust“spiel zu den Domspatzen ja nichts zu tun. Der arme Intendant.
    —————————————
    Muß mich vorsorglich entschuldigen. Mit „das Schloß“ könnte auch ein Einkaufszentrum in Berlin Steglitz gemeint sein. Grüße an Frau Oetken! ;-)

    Oder: der Roman „Das Schloß“ von Franz Kafka – https://de.wikipedia.org/wiki/Das_Schloss
    —————————-
    Dafür wäre ich Feuer und Flamme, oder würde wie WB Prof. Andreas Laun in einem heutigen Artikel unter kath.net forderte „dafür brennen“.
    Kafkaesk ist das Ganze mittlerweile in der Stadt mit so vielen Touristen, dass Regensburg davon genug haben will. Wirklich? Also immer wenn ich dort bin, sehe ich nicht so viele Leute.

  • Lothgaßler

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    Und deshalb wiederhole ich einen Gedanken, den ich schon früher mal eingebracht habe: Beim nächsten Bürgerfest wäre die Gelegenheit einen Wettbewerb für ein Denkmal auszurichten. Dabei könnten dann Künstler (Amateure wie Profis) jeder Richtung ihren Beitrag einbringen. Das wäre allemal sinnstiftender als die 247te Fressbude und ein anschleimendes Papst-Besuchs-Denkmal.

  • HolzVoderHütten

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    Zur traurigen Rolle des Intendanten Neundorff von Enzberg bei der im Artikel beschriebenen Veranstaltung kann ich mir eine Kritik seiner Person nicht verkneifen. Wer, wie er, versucht, dem Regensburger Publikum mit viel Nacktheit auf der Bühne, flegelhaftem Verhalten und entsprechender Sprache ein so genanntes modernes Theater zu bieten, welches provoziert und wohl zum Nachdenken anregen soll, der tut doch nichts anderes, als die bittere Realität ins Schauspielhaus zu holen. (Mir war seine Art der Inszenierung zu billig und ich habe deswegen mein jahrelanges Abo längst gekündigt.) Was er aber dann beim Domspatzenabend abgeliefert hat, das passt so garnicht ins Bild: Da kann er endlich einmal eine Thematik aufgreifen, die vielen unter den Nägeln brennt, die reale menschliche Abgründe aufzeigt — doch was tut der Mann? Er wiegelt ab, besänftigt, wirk verharmlosend. Er ist halt weiter nichts als ein Rädchen im funktionierenden Getriebe der Stadt, bestehend aus Kirche, Presse, Politik und Wirtschaft.

  • Peter Willinger

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    @hutzelwutzel
    Die Aufzeichnung der Berliner Produktion war im Ostentor Kino zu sehen. Nebst Diskussion. Siehe auch das Dossier auf RD.

    Dass das hiesige Theater sich damit zurückgehalten hat, die Produktion selbst zu inszenieren oder sich gar ein solches Werk in Auftrag zu geben, wird vielerlei Gründe haben. Einer davon ist das Geld (Tantiemen, Rechte usw.), ein anderer das Personaldecke (Ein Stück für 30 Personen lässt sich nicht unbedingt mit 10 Personen darstellen) und natürlich auch, inwieweit sich das Theater zutraut, der Institution Domspatzen Dreck auf die himmlischen Flügel zu schmieren. Denn man weiß ja nie, wann man sich wieder einmal begegnet und aufeinander angewiesen ist…

    Ob man das erwartbare Durchkauen der sich nicht wandelnden Meinungen weiterhin auf der Bühne nachgehen muss, habe ich für mich bereits beantwortet und weiß, dass ich meinen Kindern kein Internat androhe. Zumal ich die musikalische Entwicklung lieber mithilfe städtischer als kirchlicher Struktur fördere. Aus Prinzip gegen die Dominanz der Religionen.

  • chefsache

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    Natürlich hat der kleinlaute Christof Hartmann beschwichtigend, abwiegelnd, relativierend und ausweichend keine gute Figur auf der Bühne gemacht. Er saß nur äusserst ungern da, das konnte jeder sehen. Seine Haltung alles stets als bereits gelöst oder auf auf dem besten Weg der Aufklärung zu sehen und nur stückchenweise das anzusprechen und zuzugeben, was von allen anderen Diskutanten einhellig thematisiert wurde, z.B. das ein Beginn der Mißbrauchsaufklärung nie ohne die vom Bistum über Jahre hinweg verarschten Opfer in Gang gekommen wäre sprach für sich. Die Mauer soll eben nicht einstürzen sondern weiterhin nur bröckeln. Diesen Eindruck vermittelte der Domspatzenchef auf der Bühne des Stadttheaters.

    Es ist jedoch trotzdem eine Frage des Anstands und der Fairness ihm bei der Begrüßung mit allgemeinen und unverfänglichen Fragen einen unbelasteten Einstieg in die Gesprächsrunde zu ermöglichen, so wie allen anderen auch. Auch wenn das komplett uninteressant ist. Was erwartet der Schreiber hier eigentlich vom moderierenden Intendanten?

    Gut, das der Abend von dem Zusammenschluss ehemaliger Domspatzen und ihrem „Archiv gegen das Vergessen“ mitfinanziert wurde hätte von Neundorff von Enzberg an erster Stelle erwähnt werden müssen, erwähnt hat er es. Besser wäre es gewesen die anwesende Domspatzenopfer auf die Bühne zu beten und an der Gesprächsrunde zu beteiligen. Auch ein paar Fragen aus dem Puplikum, wie sie Wittenbrink angeregt hat hätten noch zugelassen werden sollen. Der Intendant hat das übergangen und den Abend schnell beendet, wohl um den Domspatzenchef zu schützen.
    Das es bei der kleinen Gesprächsrunde mit Intendant, Regisseur, 2 Schauspielern und den Domspatzenmanager auf der Bühne auch ein wenig um Musik,Theater und den Austausch von Freundlichkeiten ging – war jedoch nicht anders zu erwarten.

    Ich empfand den 2. Teil des Abends übrigens keinesweges als inhaltlich schwächer- auch wenn er durch die ganze Rock- und Pop-Musik, wie wir sie alle lieben, unbeschwerter und lustiger war. Stark waren z.B. auch die analogen Ansprachen und Argumentationen der überheblichen und (anti)autoritären Internatsleitung gegenüber der Elternschaft und den armen Eltern von Mißbrauchsopfern.

    Es war halt keine Vorlesung und auch kein Gerichtsprozess sondern ein bewegter Theaterabend, der die Zuschauer nach 2/3 der Spielzeit auch wieder aus dem brutalen und bedrückenden Domspatzenabgrund herausholte und das Geschehen an die Odenwaldschule verlagerte.

  • Angelika Oetken

    |

    „Vielleicht was über einen Geburtstag, bei dem der Regensburger Bischof Manfred Müller dem Geburtstagskind eine Torte mit ganz besonders geformten Kerzen vorbeigebracht haben soll? ;-)“

    @hutzelwutzel,

    Sie meinen sicherlich sowas in der Art hier http://www.shop-katholisch.de/shop/geburtstagskerzen-prinzessin.html

    VG
    Angelika Oetken

  • menschenskind

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    Müller torten, das wäre die Idee!
    Danke, Frau Oetken, Sie bringen einen auf die besten Gedanken.

    Hier haufenweise getortete Promis:
    https://www.youtube.com/watch?v=Sb738orQGO4

    Vielleicht erbarmt sich doch noch einer Bischof Müllers?

  • aucheinehemaliger

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    Am 9. Juni ist Helmut Zandt, Spitzname Fassl, gestorben. Er war Ende der 60.-er bis Mitte der 70.-er als Theologiestudent Präfekt im Kaff und später Leiter der Dompräbende. Davor, dass er auspackt über die Vorfälle der damaligen Zeit, brauchen also die Domspatzen und das Bistum keine Angst mehr zu haben.
    Warum aber meldet sich auch sonst keiner öffentlich von den vielen Lehrern, Präfekten und Chorleitern, die im Kaff gearbeitet haben? Es gab doch auch welche mit Anstand und Charakter, die mitbekommen haben, welches Klima herrscht und was für üble Kollegen sie haben. Es muss ihnen doch klar sein, dass sie sich mitschuldig machen, wenn sie von Verbrechen wissen und nichts sagen.
    Einen möchte ich hier namentlich aufführen, da er sowieso recht bekannt ist, den “bayerischen Sprachpapst“ Ludwig Zehetner, ehemaliger Lehrer im Kaff, geschätzt und beliebt bei allen Kafflern.
    “Lumpi“, geh‘ moch’s Mäu aaf, du g’heast doch zu de Guadn!

  • Haimo

    |

    @menschenskind
    Müller Torten, das wäre die Idee!

    Ich denke dieser Gedanke ist vergebene Liebesmüh . Falls sich Franziskus an seine Äusserung hält , dürfte das Problem Müller demnächst erledigt sein. Aber wir wissen ja aus Erfahrung wie der Klerus zu seinen Aussagen steht , nämlich überhaupt nicht , und Müller wird sich in Regensburg leider so schnell nicht mehr für einen Abschuss sehen lassen .
    http://de.radiovaticana.va/news/2016/06/04/entlassung_von_bisch%C3%B6fen_bei_nachl%C3%A4ssigkeit_gegen_missbrauch/1234756
    Da war die Aufführung im Stadttheater schon effektiver . Kommt doch jetzt ans Licht , dass so ein Event von den Betroffenen mitfinanziert werden muss um überhaupt stattzufinden. Warum haben die zuständigen im Bistum da nicht selbst interveniert und versucht Reue zu zeigen ? Geld haben die doch genug. die Ein Hinweis für mich , das der Aufarbeitungsprozess noch Jahre dauern wird , denn das Bistum reagiert nur, wenn ihm was auf den Fuß geworfen wird und nie von sich aus. Es wird ihm noch einiges auf den Fuß fallen , das schwerer als eine Torte ist.
    Haimo
    Etterzhausen 1962 – 1964

  • Coffin Corner

    |

    @Haimo:
    Um niemandem wegen seiner Vergangenheit weh tun zu müssen und diese Vergangenheit ruhen lassen zu können, hat der Vatikan doch klar gesagt, daß die Regelung auf die Vergangenheit nicht angewendet wird.
    Ob sie jemals konsequent angewandt werden wird, da kann man natürlich auch berechtigte Zweifel hegen.

  • Herbert Turetschek

    |

    „am Besten nicht drüber reden, Diskussionen darüber abwürgen und mit Nebelkerzen davon ablenken“ – das ist es, was ich gerade auch wieder erlebe.

  • udo kaiser

    |

    lieber stefan aigner, liebe redaktion regensburg digital…nie hätte ich gedacht, dass ich dir lieber stefan und deiner grandiosen zeitung, sowie in dankbarkeit deiner gnadenlosen aufklärungsarbeit für unseren kampf gegen bistum und kirche, einmal einen gegenruf als sog. advocatus diaboli, schreiben werde.
    vor 50 jahren stand ich das erstemal auf den brettern des regensburger stadttheaters…viele jahre mit großen magenschmerzen zu besuch bei meiner nun verstorbenen, 97jährigen mutter…in den letzten jahren beschimpft und verleumdet, als lügner und nestbeschmutzer. nun zurückgekehrt in diese stadt als nun anerkanntes missbrauchs-und gewaltopfer….zurück an meine altes haus…ohne magenschmerzen…das erstemal…und hier muss ich eine lanze brechen für den so geschundenen intendanten.
    es ist vieles richtig was da geschrieben wurde…ich aber als opfer empfand es als große genugtuung, dass dieses stück, meines klassenkameraden franz wittenbrink, in dieser stadt gespielt wurde.
    wir alle wissen, welche widerstände zu überwinden waren, wegen der drohungen verschiedener förderer des hauses ob aus kirchenkreisen, kath. organisatoren, das fürstenhaus, die domspatzen, der verein usw, und so fort…keine fördergleder mehr fließen zu lassen.
    und dafür gilt mein dank dem theater und seinem intendanten….
    nun zu dieser unseligen diskussionsrunde. nachher ist man immer klüger und ich glaube auch, dass dies für den intendanten besser gewesen wäre, aber….
    die etwas schwache anfrage über die domspatzen wäre für hartmann eine große chance gewesen, die er nicht genutzt hat. hier hätte er endlich auf das leid der opfer, auf das verschweigen und vergessen, intensiv eingehen können…nein, es wurde nur wieder diese einstudierte suada, die wir aus der presse, kürzlich dem presseclub…abgespult. keinerlei mitempfinden…und so, finde ich, hatte auch diese etwas verunglückte diskussion ihren sinn gefunden…als draufsetzer dann, die so wunderbar zynisch freundliche replik von franz wittenbrink…hinsichtlich der 50jährigen lebens(leistung)arbeit hartmann bei den domspatzen an leitender stelle….und er weiss bis heute nichts davon…bravo! gerne hätte ich aus der requisite eine skulptur der 3 affen überreichen lassen…nichts hören, nicht sehen, nichts sagen!!!
    …und darum, lieber stefan, diese replik….nix fia unguat!

  • Kreuzbrave Opiumträume » Regensburg Digital

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    […] verbannt man die Nacktheit aus Carmen, macht Diskussionen nach einem Missbrauchsstück mundtot (RD berichtete) und inszeniert Cocteau als harmloses […]

  • wo d´Musi spuit..

    |

    Bildunterschrift Neuhaussaal :

    ähh… Das auf dem Bild is nur das Foyee des Neuhaussaals.

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