Sieben Jahre wegen Einkaufswagen-Attacke

Sie sitzt länger in der Psychiatrie als Gustl Mollath

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Am Dienstag entscheidet sich bei einer Anhörung vor dem Landgericht Landshut, ob die Regensburgerin Ilona Haslbauer weiter in der psychiatrischen Forensik bleiben muss. Dort sitzt sie seit sieben Jahren. Zu einer dort angemeldeten Kundgebung kommt auch Nina Hagen. Aus diesem Anlass veröffentlichen wir einen etwas älteren Artikel über einen Besuch bei Frau Haslbauer.

Von Stefan Aigner

Wegen Einkauswagen-Attacke seit sieben Jahren in der Forensik: die Regensburgerin Ilona Haslbauer. Foto: as

Wegen Einkauswagen-Attacke seit sieben Jahren in der Forensik: die Regensburgerin Ilona Haslbauer. Das Foto stammt aus dem Jahr 2014. Foto: as

Vorbemerkung des Verfassers

Der unten stehende Artikel stammt aus dem Jahr 2010 und wird unverändert veröffentlicht. Er beschäftigt sich mit der Regensburgerin Ilona Haslbauer. Sie sitzt mittlerweile länger in der psychiatrischen Forensik als Gustl Mollath. Der Anlass: eine zweimalige Attacke gegen ihre Nachbarin mit einem Einkaufswagen. Ein Gutachter bescheinigte Haslbauer seinerzeit ein „paranoides Wahnsystem“. Als gemeingefährlich wurde sie in die Forensik Taufkirchen geschickt. Dort verweigert sie bislang jede Therapie und leugnet sämtliche ihr vorgeworfenen Taten. Ob sie diese begangen hat oder nicht, will ich nicht beurteilen. Der Anlass der Unterbringung, deren Dauer und die Aussichtslosigkeit von Haslbauers Situation aber halte ich für einen Skandal.

Heute wird Haslbauer nicht mehr von dem im Bericht erwähnten Rechtsanwalt Robert Hankowetz , sondern von Adam Ahmed vertreten. Der erwähnte Neubau der Forensik Taufkirchen (wo Haslbauer nach einem Intermezzo in Straubing wieder zurückgekehrt ist) wurde zwischenzeitlich abgeschlossen. Mittlerweile geriet Taufkirchen wegen seiner Fixierungspraxis in die Schlagzeilen. Es wurde bekannt, dass das Sozialministerium seinen Kontrollaufgaben nicht nachkommt und auch offensiv lügt, um dies zu verschleiern.

Ein Besuch bei Ilona Haslbauer

Jetzt bin ich hier drin. Nicht als Journalist, sondern als ganz normaler Besucher habe ich mich angemeldet. Und mehrere Türen werden auf- und wieder zugeschlossen, bis wir im Besuchsraum sind. Der Pfleger, der mich dorthin bringt, ist klein und drahtig. Das einzige, was bei diesem Mann auf Autorität hindeutet, ist sein enormer Schlüsselbund am Ledergürtel. Der Raum ist kahl, eng und mit einer Abhöranlage ausgestattet. Nach einem kurzen Vorgespräch mit der behandelnden Ärztin, in dessen Verlauf ich ein Formular unterschreiben muss, kommt Ilona Haslbauer.

Die 56jährige Regensburgerin ist seit erstaunlicher langer Zeit in der Forensik des Isar-Amper-Klinikums Taufkirchen untergebracht. Seit unserem letzten Treffen – damals noch in Regensburg, damals noch als Macherin der „Wilde Weiber Werkstatt“ und wegen eines anderen, völlig harmlosen Termins – ist sie deutlich gealtert. Die ehemals roten Haare sind jetzt grau.

 „Deckmantel der Verschwiegenheit” über den Problemen in der Forensik

Wegen Körperverletzung wurde Haslbauer Ende 2006 nach §63 zu Maßregelvollzug verurteilt. Seit bald drei Jahren ist sie jetzt in Taufkirchen und wann sie wieder entlassen wird, wissen weder sie noch ihr Rechtsanwalt Robert Hankowetz.

Auf dessen Schreibtisch stapeln sich die Akten. Es sind einige Baustellen, auf denen sich Hankowetz als Rechtsanwalt und Betreuer von Frau Haslbauer mit der Klinik auseinandersetzen muss. Um Einsicht in ihre Patientenakte zu bekommen, musste Hankowetz erst Klage erheben. Vorher wurde die Einsicht über Monate verweigert. Eindeutig rechtswidrig sei das, sagt Hankowetz. Wer glaubt, dass es sich dabei um einen Einzelfall handelt, täuscht sich. „Wegen keines anderen Klinikums in Bayern gibt es so viele Rechtsstreitigkeiten wie dem Isar-Amper-Klinikum Taufkirchen”, erzählt der Rechtsanwalt und erwähnt mehrere Kollegen mit ähnlichen Fällen. Ist das nur die Spitze des Eisbergs? Hankowetz spricht von einem „Deckmantel der Verschwiegenheit”, der über die Probleme in der Forensik gebreitet werde.

Frau Haslbauer geht auf einen Stock gestützt. Sie muss sich Decken und Kissen unterlegen, um sitzen zu können. Bevor sie nach Taufkirchen gekommen ist, wurde sie seit längerem wegen eines schmerzhaften Bandscheibenvorfalls behandelt. In Taufkirchen dagegen wurde Frau Haslbauer eine Behandlung trotz ärztlichen Attests verweigert. „Teilweise ist meine Mandantin nur in der Lage, auf allen Vieren zur Türe zu kriechen”, erzählt Hankowetz. Nach monatelangem Schriftwechsel, der zu nichts führte, zum Teil einfach ignoriert wurde, stellte der Rechtsanwalt Strafanzeige wegen Körperverletzung. Die Staatsanwaltschaft stellte das Verfahren ein. In der Klinik wurde die Behandlung weiter verzögert. Bis heute ist sie unzureichend. Das Fachpersonal dafür gibt es übrigens. Aber freilich kostet eine vernünftige orthopädische Behandlung Geld.

Forensik: Immer mehr Bedarf

Die Isar-Amper-Kliniken sind eine Erfolgsstory für den Bezirk Oberbayern. Rund 100.000 Euro pro Jahr und Patientin kostet die Unterbringung. Und seit der Umwandlung von einer kommunalen Klinik in ein halbprivates Unternehmen, eine gemeinnützige GmbH, erwirtschaften die Isar-Amper-Kliniken offenbar Gewinn. Bezahlt wird das aus Steuergeldern. In den letzten Jahren war die Frauenforensik in Taufkirchen chronisch überbelegt. Drei, manchmal vier Frauen mussten sich ein 15 Quadratmeter großes Zimmer teilen.

Das wird von der Klinikleitung weder bestätigt noch dementiert. In jedem Fall scheint das Geschäft mit der Forensik zu blühen. 2009 wurde der Grundstein für einen Erweiterungsbau in Taufkirchen gelegt. Kosten: 24 Millionen Euro. Zeitpunkt der Fertigstellung: ungewiss.

Wen interessiert schon eine vorbestrafte Hartz IV-Empfängerin?

Frau Haslbauer weint viel, als wir miteinander reden. Sie besteht nach wie vor darauf, die ihr vorgeworfenen Taten nicht begangen zu haben. Sie soll eine andere Frau, mit der sie ein jahrelanger Nachbarschaftstreit verband, an zwei verschiedenen Tagen im Supermarkt mit einem Einkaufswagen „gerammt” haben. Die Frau erlitt eine Prellung. Frau Haslbauer, die zu diesem Zeitpunkt bereits vorbestraft war, landete als schuldunfähig und gemeingefährlich im Maßregelvollzug. Das Ziel: Therapie und Resozialisierung.

Frau Haslbauer verweigert die Therapie. Sie hat Angst vor Zwangsmedikation. Ihrem Betreuer, Rechtsanwalt Hankowetz, verweigert das Klinikum Informationen darüber, wie eine Therapie überhaupt aussehen sollte. Sämtliche Anfragen blieben unbeantwortet. Die Zeit vergeht, täglich sprudelt Geld in die Kassen der Isar-Amper-Kliniken. Und Ilona Haslbauer hat, weil sie die Therapie verweigert, keine Chance auf Entlassung. Aber wen interessiert das schon bei einer vorbestraften Hartz IV-Empfängerin?

„Die Zustände sind bizarr.”

„Frau Haslbauer hat die Wahl zwischen Seidentücher bemalen, Sporttherapie und Zwangsmedikation”, sagt Beate Jenkner. Sie ist Abgeordnete für die Linke im Bezirkstag Oberbayern und macht sich mit ihrem Engagement für die Patientinnen in Taufkirchen nicht gerade beliebt. Als sie das Thema im Bezirkstag aufs Tapet brachte, entzog ihr Bezirkstagspräsident Josef Mederer (CSU) kurzerhand das Wort. Jenkner besucht die Patientinnen in Taufkirchen regelmäßig und bezeichnet die dortigen Zustände als „bizarr”. „Frauen, die sich über die Behandlung beklagen, müssen mit Sanktionen rechnen.” Wie das aussieht: Die Frauen werden in kameraüberwachte „Wachräume” gesperrt. Auch männlichem Pflegepersonal ist es somit möglich, die Frauen selbst beim Umziehen zu beobachten.

Pfleger drohen mit Leibesvisitation

Als ich Frau Haslbauer verlasse, will sie mein Hand nicht loslassen. Sie hat Angst, etwas Falsches gesagt zu haben. Angst davor, dass deshalb ihre Telefonzeiten wieder eingeschränkt werden, sie ihre Zeitungen nicht mehr bekommt oder davor, dass sie wieder in den Wachraum muss. Hinaus begleiteten mich zwei Pfleger. Der Schmächtige mit dem Schlüsselbund und ein wesentlich kräftigerer Mann. Kurz vor der Ausgangstür wird dieser plötzlich laut. „Sie hat Ihnen etwas gegeben”, fährt er mich an. Der Schmächtige stimmt ihm flink zu. Ich verneine und bitte sie, nachdem mir mit Durchsuchung gedroht wird, die Polizei zu rufen. Daraufhin lassen sie mich gehen. Im Gegensatz zu Frau Haslbauer, die diese Woche in die Forensik nach Straubing verlegt wird.

Aktueller Nachtrag

Am Dienstag, 15. Juli, findet anlässlich der Anhörung von Ilona Haslbauer vor dem Landgericht Landshut von 12 bis 20 Uhr eine Kundgebung mit Nina Hagen statt.

UPDATE: Ilona Haslbauer wird entlassen. Mehr dazu gibt es hier.

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Kommentare (25)

  • Angelika Oetken

    |

    „Hankowetz spricht von einem „Deckmantel der Verschwiegenheit”, der über die Probleme in der Forensik gebreitet werde“

    Dann werden sich da wohl ein paar Leute was in die Tasche stecken. Solche nahezu rechtsfreien Räume mit Selbstbedienungskassen, wie sie diese bayerischen Forensiken darstellen, ziehen allerlei Gauner und Strauchdiebe magisch an…

    MfG,
    Angelika Oetken, Berlin-Köpenick

  • erik

    |

    der wirtschaftlichen Ausgrenzung folgt die rechtliche Ausgrenzung, das ist für mich ein Merkmal der Hartz-Reformen bzw. Agenda 2010 Politik. Ohne Moos nichts los, ohne Knete keine Fete und keine Gerechtigkeit!

  • Veronika

    |

    Dies erinnert mich in Zusammenhang mit dem „Mauern“, das in Sachen „Schottdorf“, „Mollath“ etc. praktiziert wird, eigentlich nur noch an eine nicht erfolgte Aufarbeitung von über 70 Jahren zurückliegenden Dingen.
    ———————————————–
    Hier scheint man vor allem in Bayern zu glauben, tun und lassen zu können, was man will.

  • Angelika Oetken

    |

    „Hier scheint man vor allem in Bayern zu glauben, tun und lassen zu können, was man will“

    @Veronika,

    ja hat sich einmal eine Kultur des Übergriffs entwickelt, bedarf es besonderer Anstrengungen um sie zu verändern. Sieht man ja am Beispiel: „Goldesel Forensik“.

    In dieser Hinsicht geradezu ein Nachschlagewerk:
    http://www.transparency.de/Schloetterer-Wilhelm-Macht.1575.0.html

    Der organisierte Machtmissbrauch bei den Domspatzen und in Etterzhausen passt nicht von ungefähr dazu.

    Und auch bei allen anderen Missbraucherseilschaften rund um Bayern und umzu, finden Sie Personen wieder, die in Herrn Schlötterers Buch auftauchen.

    Das ist auch kein Wunder. Sexueller Kindesmissbrauch ist ein fester Bestandteil jedweder organisierter Kriminalität. Auch politischer.

    Nur scheinbar skurril: dass die Rädelsführer den KirchenVIPs ganz besonders herzlich die Hand schütteln und bei entsprechenden Veranstaltungen förmlich an denen zu Kleben scheinen.

    Wie sagte meine Oma immer? Irgendwas mit „Packen“ und „Gesellen“ oder so… ;-)

    MfG,
    Angelika Oetken, Berlin-Köpenick

  • Bekannte von I. Haslbauer

    |

    Ich habe Ilona Haslbauer als intelligent, aufsässig und
    uneinsichtig kennengelernt. Mit letzterer „Tugend“ hat
    sie sogar jene vor den Kopf gestoßen, die ehrlich bemüht
    waren, ihr zu helfen.
    Jeder, der ihren Schwarz-Weiß-Malereien, wonach einzig
    und allein die anderen schuld sind an ihrer Lage, wider-
    sprach, war automatisch ihr Feind.
    In dieses Raster paßt auch, daß sie vonvorneherein eine
    Therapie verweigert hat. Eine Therapie bedeutet nicht
    automatisch Zwangsmedikation.
    Aber, was soll eine Klinik tun, wenn eine Patientin – so
    wie Ilona Haslbauer, sich in keinster Weise kooperativ
    verhält?
    Ich muß mich schützen, damit jene Schar von Gutmenschen,
    die Haslbauer zur Märtyrerin hochstilisieren, nicht über
    mich herfällt und mich beschimpft. Deshalb nenne ich
    hier meinen Namen nicht.

  • Angelika Oetken

    |

    @Bekannte von I. Haslbauer,

    was Sie schildern, kann auf eine ernsthafte psychiatrische Erkrankung hindeuten.

    Aber das rechtfertigt keine Unterbringung über Jahre in der forensischen Psychiatrie.

    Bei Menschen, die aus seelischen oder geistigen Erkrankungen heraus nicht selbst für ihre Gesundheit und Sicherheit sorgen können, gibt es Hilfemöglichkeiten über das Amtsgericht. U.a. gesetzliche Betreuung.

    Die Forensik ist dagegen für Menschen vorgesehen, die im Zuge einer psychiatrischen Erkrankung schwere Straftaten begangen haben und bei denen die Prognose so schlecht ist, dass von einer dauerhaften Gefahr für andere ausgegangen werden muss. Zum Beispiel geisteskranke Serienmörder oder psychisch kranke Gewohnheitskindesmissbraucher.

    Da Sie Frau Haslbauer persönlich kennen: wie schätzen Sie das ein? Gefährdet sie andere Menschen so sehr, dass man sie in einer klinischen Strafanstalt unterbringen muss?

    MfG,
    Angelika Oetken, Berlin-Köpenick

  • Bekannte von I. Haslbauer

    |

    Zu Angelika Oetken: Die Forensik ist sicher nicht die
    beste Möglichkeit, Ilona Haslbauer zu helfen, aber was
    soll man mit einer solch‘ renitenten Person machen, die
    sich allem widersetzt?
    Ich kenne in meinem Umfeld auch psychisch Behinderte,
    die aktiv an ihrem Gesundungsprozeß mitarbeiten.
    Ob H. eine Gefährdung für andere darstellt, kann ich nicht
    beurteilen, aber vielleicht stellt sie eine Gefährdung für
    sich selbst dar.

  • Angelika Oetken

    |

    „Auch männlichem Pflegepersonal ist es somit möglich, die Frauen selbst beim Umziehen zu beobachten“

    Da passieren noch ganz andere Sachen. Sexuelle Gewalt ist in der Psychiatrie ein Kernthema.

    Sexuelle Traumatisierungen sind in vielen Fällen eine biografische Noxe, die zur Entwicklung psychischer Störungen führt.

    Bedingungen wie sie von dieser forensischen Klinik beschrieben werden, fordern sexuelle Ausbeutung von Patienten durch Personal geradezu heraus.

    Da wo es möglich ist, sind Übergriffe von Patienten auf Mitpatienten ebenso an der Tagesordnung.

    MfG,
    Angelika Oetken, Berlin-Köpenick

  • Angelika Oetken

    |

    „Zu Angelika Oetken: Die Forensik ist sicher nicht die
    beste Möglichkeit, Ilona Haslbauer zu helfen, aber was
    soll man mit einer solch’ renitenten Person machen, die
    sich allem widersetzt?
    Ich kenne in meinem Umfeld auch psychisch Behinderte,
    die aktiv an ihrem Gesundungsprozeß mitarbeiten.
    Ob H. eine Gefährdung für andere darstellt, kann ich nicht
    beurteilen, aber vielleicht stellt sie eine Gefährdung für
    sich selbst dar.“

    @Bekannte von I.Haslbauer,

    was Sie beschreiben ist für Helfer, die mit Menschen arbeiten, die unter bestimmten Störungsbildern leiden eine alltägliche Herausforderung
    Bsp.: http://www.onleihe.de/static/content/balance/20080520/978-3-86739-006-4/v978-3-86739-006-4.pdf

    Erfahrene Einzelfallhelfer oder Berufsbetreuer finden in Absprache mit dem Umfeld der Betroffenen, dem Gericht und behandelnden Ärzten und Therapeuten fast immer eine Möglichkeit, den Kranken dazu zu motivieren, Unterstützung zuzulassen.

    Was leider häufig passiert ist, dass zuerst ganz viel „geholfen“ wird und wenn der erwartete Effekt ausbleibt, der Hilfsbedürftige sogar noch zu sabotieren beginnt, dann wenden sich die Helfer erbost ab.

    Bestimmte Borderlinebetroffene reinszenieren so ständig eine destruktive soziale Struktur. Die einzige, in der sie sich sicher fühlen. Echte Beziehungen machen diesen Menschen Angst. Sie mussten häufig schon als Kleinstkind erleben, dass auf Zuwendung ohne Vorwarnung Misshandlung und Missbrauch folgten.

    So etwas therapeutisch in den Griff zu bekommen ist schwer. Aber machbar.

    Jemanden, der stört in der Forensik zu versenken, nur damit die richtig Kasse macht, ist nicht nur unethisch. Es ist ungesetzlich und ein Betrug an öffentlichen Geldern.

    Heißt im Klartext: da bereichern sich einige Leute vorsätzlich an Geld, was allen gehört. Indem sie ganz bestimmte, sozial schlecht eingebundene, die Umgebung „nervende“ kranke Menschen internieren.

    Eigentlich ein Fall für eine externe Überprüfung der Geschäftsführung des Klinikträgers.

    U.a. wegen Veruntreuung öffentlicher Mittel. In dem Zuge kann gleich wegen des Verstoßes gegen ganz klare Vorgaben zur Unterbringung psychisch kranker Menschen ermittelt werden.

    Dann wird man sicher auch auf Korruption beim Klinikneubau stoßen und auf unerlaubte Vorabsprachen, was das Erstellen von Gutachten betrifft.

    Das ist fast immer so. „Communis corruptus“… wetten ;-) ?

    Wer wettet mit?

    MfG,
    Angelika Oetken, Berlin-Köpenick

  • Dubh

    |

    Bekannte von I. Haslbauer: „……..aber vielleicht stellt sie eine Gefährdung für sich selbst dar…..“

    Wieso? War ihre Wohnung nicht porentief rein?
    Potentieller Suizid durch nicht permanente Totaldesinfizierung rundum?

    „…..aber was soll man mit einer solch’ renitenten Person machen, die sich allem widersetzt?“

    Nicht zuletzt Ihren „weisen“ Ratschlägen offensichtlich.
    Wie kommen Sie überhaupt dazu welche zu geben, da sie ja nur Bekannte sind?
    Wurden SIE um welche gebeten?

    Passen Wilde Weiber nicht ihr Bild vom braven stromlinienförmigen Weibchen, das tut was man ihm sagt?

    Sie sagen weit mehr über sich und das hier nach wie vor herrschende Frauenbild, als über Frau Haslbauer – die angebliche Serienkillerin mit dem Mordinstrument Einkaufswagen!

    Ach, die hat gar niemand gekillt, es war nicht einmal ein Tropfen Blut im Spiel, auch keinerlei sexualisierte Gewalt
    Was macht sie dann in der forensischen Psychiatrie?

    Sagen Sie es mir Bekannte!,

  • Angelika Oetken

    |

    Kommentar gelöscht. Bitte bleiben Sie beim Thema.

  • Bekannte von I. Haslbauer

    |

    Kommentar gelöscht. Keine Kleinkriege abseits vom Thema.

  • Jens

    |

    @Bekannte von I. Haslbauer Der Wahlname heuchelt beiderseits Freiwilligkeit, dabei dürften Sie wohl zu den „Klinik“-Wächtern über Frau H. gehören, die frustriert, dass sie der Eingesperrten nicht helfen konnten – warum auch immer. Sie deuten nur an, „vielleicht stellt sie eine Gefährdung für sich selbst dar“: Machen Sie etwa Selbstmordversuche aus den 2 angeblichen Rammstößen mit einem Einkaufswagen gegen einen anderen Kunden? Dann vermuten Sie ein Aufpralltempo über 100 km/h zu Fuß? Oder hat Ihre „Klinik“ erst eine Selbstmordgefahr bewirkt (oder erhöht), vor der sie gerade schützen sollte?

    Sie wissen genau, dass niemand die Pflicht hat, seine Seele therapieren zu lassen. Die Würde jedes Menschen ist unantastbar! Auch „aufsässig“ sein zu dürfen gehört zur unantastbaren Menschenwürde. Sie jammern als Profi in übermächtiger Position öffentlich darüber und kennen nicht einmal Anzeichen dafür, dass die „aufsässige“ Frau H. in Freiheit eine schlimme Gefahr für die Allgemeinheit wäre? Schreiben Sie dieses Beobachtungsergebnis doch anonym dem Anwalt der Frau H.!

  • wahon

    |

    Das wirkliche Problem in Bayern sind nicht die in der Forensik verwahrten Personen, sondern die Tatsache, dass die Mehrheit der bayerischen Bevölkerung der Überzeugung ist, uneinsichtige und renitente Menschen gehörten so lange „weggesperrt“ und „behandelt“, bis sie „einsichtig“ geworden sind und sich „anpassen“ können.
    Diese Meinung ist traditionell tief verwurzelt im Bewusstsein des bayerischen Bürgers, wie die Vorgänge vor 81 Jahren belegen: Als 1933 das „Schutzhaftlager Dachau“ gegründet wurde, war die bayerische Bevölkerung mehrheitlich der Regierung sehr dankbar dafür, dass die „unzuverlässigen“, „aufsässigen“ und „asozialen Elemente“ – ohne Gerichtsbeschluss und unbefristet selbstverständlich – endlich in Dachau eingesperrt und „umerzogen“ wurden.
    Der gute Bayer hat etwas gegen renitente Querulanten, und wer sich nicht fügt, soll froh sein, dass er in die „Geschlossene“ kommt, bevor ihn der „Volkszorn“ ereilt.

  • Bekannte von I. Haslbauer

    |

    Zu Jens, Wahon usw.:
    Mir ist Untertanengeist und blinder Gehorsam gegenüber
    der „gottgewollten Obrigkeit“ genauso zuwider wie sinn-
    lose Widerspenstigkeit. Und – Kooperationsbereitschaft
    heißt nicht, sich blindlings in alles zu fügen, sondern am
    eigenen Gesundungprozeß mitzuwirken.
    Aber manche Leute sind nicht willens, das zu begreifen,
    sonst müßten sie ja ihre Vorurteile überdenken.
    Und Selbstmitleid ist allemal bequemer, als sich den
    Realitäten zu stellen.
    Ilona Haslbauer ist eine intelligente Frau und sie wäre
    längst wieder in Freiheit, wenn sie sich nicht eigensinnig
    gegen alles sperren würde, was für sie hilfreich ist. Und
    es gibt leider Zeitgenossen, die sie in ihrem Eigensinn
    auch noch unterstützen.

  • Bekannte von I. Haslbauer

    |

    Zu „wahon“ Es ist eine Unverschämtheit, die „Causa Hasl-
    bauer“ mit den Schandtate des 3. Reiches zu vergleichen.
    Gerade ich kämpfe seit Jahrzehnten dagegen, psychisch
    Behinderte unbesehen als Verrückte abzustempeln.
    Ich kämpfe aber umgekehrt auch dafür, daß Geistesge-
    störte, die erkennbar eine Gefahr für andere darstellen,
    entsprechend therapiert werden. Und das muß nicht ein
    Kerker mit Ketten und Folter sein.

  • wahon

    |

    @Bekannte

    Ihre letzten Äußerungen belegen eindeutig, dass Sie auch zu denen gehören, die „Eigensinnigkeit“, „sinnlose Widerspenstigkeit“ und „fehlende Kooperationsbereitschaft“ als „krankhaft“ und „sozial schädlich“ definieren. Das entspricht exakt der traditionellen Mehrheitsüberzeugung, dass man/frau ja selbst „psychisch gesund“ sei und deshalb das Recht habe, „renitente“ Personen so lange wegzusperren, bis sie bereit sind, „am eigenen Gesundungprozeß mitzuwirken“. Sie sollten sich nicht darüber beschweren, dass ich Ihre Auffassung mit der Mehrheitsmeinung von 1933 gleichsetze, sondern darüber nachdenken, was Sie von der damaligen und heutigen Mehrheitsmeinung unterscheidet.

  • Bayrischer Arzt

    |

    Das Problem ist nicht nur die Forensik. All das was hier geschildert wird ist Ausdruck des sog. „Sicherheitswahnes“ bzw. die Unterdrückung der modernen Gesellschaft durch eine Gruppe machtgieriger Scharlatane. Die dieser Frau vorgeworfenen Verbrechen stehen in keinem Verhältnis zu der ihr zugeteilten Strafe bzw. dem was hier als Therapie oder Medizin bezeichnet wird. Ähnlich sind übrigens auch die Zustände in den Bayrischen Psychiatrien an sich und nicht nur die in der Forensik. Im BKH Regensburg sieht man z.B. nur 2 Mal die Woche einen Arzt und die hygienischen Bedingungen sind zum Teil absolut untragbar.

    „Aktengutachten“ und Gutachten auf Basis Hörensagen sind in der Psychiatrie zudem Gang und Gäbe. Überall. Üble Nachrede und Tratsch werden auf diese Art als sog. „Fremdanamnese“ zu Tatsachen gemacht, auf Basis derer Medikamente verabreicht und Gerichtsurteile gefällt werden. „Gelaber“ wir durch diese psychiatrischen Gutachten zu medizinische Tatsachen hochstilisiert, die als Gründe für einen Freiheitsentzug und Dinge wie 5-Punktfixierung und Medikamentengaben herangezogen werden. In einem normalen Strafprozess würde so etwas nie durchgehen. In der normalen Medizin auch nicht.

    Würden andere Ärzte arbeiten wie Psychiater würden die Patienten mit Handschellen auf die Chirurgie kommen und Dinge hören, wie: „Die Polizei hat sie vorbei gebracht, weil die Nachbarin von Gegenüber und der Autohändler gesagt haben, dass sie ein Magen-CA haben und das gefährlich für sie ist. Wir können das nicht beweisen, aber die Nachbarin hat angeblich etwas gesehen, was ein Symptom sein könnte. Zu ihrem eigenen Schutz entfernen wir ihren Magen und Binden sie vorher ans Bett damit sie nicht fliehen können. Wenn sie sich wehren brechen wir ihnen auch noch die Beine, denn sie könnten uns nach ihrer Entlassung damit gefährden. Ein CT oder ein Ultraschallgerät haben wir leider nicht. Aber auch eine Framdanamnese ist eine Anamnese“. Psychiatrische Gutachten und Betreuerbestellungen bringen den Behandelnden Ärzte zudem Geld. Irgendetwas zwischen 34€ und mehreren Tausend. Interessant ist auch, dass die Unterbringungsdauern in den Psychiatrien häufig nicht zu den angeblich begangenen „Gefährdungen“ im Verhältnis stehen. Da wird aus 4 Monaten Haft dann auch mal ein Aufenthalt von 7 Jahren, obwohl es nur um eine Bagatelle, wie eine Rempelei mit einem Einkaufswagen unter älteren Damen geht.

    In eine Forensische Psychiatrie gehören gefährliche und kranke Menschen wie Vergewaltiger und psychisch kranke Mörder, aber keine „Einkaufswagenrambos“ und „Rempel-Omas“., wie die Bild-Zeitung wohl titeln würde Denn es ist krank und pervers Menschen wegen bagatellen so hart zu bestrafen und zu zerstören und wenn die Dauer der Haft nicht zu dem begangenen „Verbrechen“ im Verhältnis steht. Wenn diese Frau gemeingeährlich ist, dann erst seit 7 Jahren Forensik. Interessant ist übrigens, dass gerade die Regensburger Justiz den Kindesmissbrauch bei den Domspatzen und in der katholischen Kirche Jahrzehnte gedeckt hat und immer noch deckt. 5-Punktfixierung und Freiheitsentzug in der Psychiatrie auf unbeschränkte Zeit und Missbrauch von hilflosen Personen durch die Kirche haben meiner Ansicht nach eines gemeinsam: Sadismus. Den Rest kann man sich denken. Selbe Stadt, selbe verantwortliche, selbes Ergebnis. Andererseits können wir der Justiz doch irgendwie danken, dass Frau Halsbauer hinter Schloss und Riegel ist, denn man stelle sich vor sie würde mit einem Einkaufswagen in einer Fußgängerzone Amoklaufen und unbeteiligte anrempeln. Nicht auszudenken. Oder wäre das Selbstgefährdend? Ich weiß es nicht. Ich verstehe unsere heutige Gesellschaft nicht mehr. Deshalb kann ich nicht beurteilen man einfach über die Frau lachen, sie zusammenschlagen oder aus Angst am Schreck sterben würde. Alles 3 könnte ich mir vorstellen. Aber ich glaube es wird wohl eher 2. und 3. passieren.

  • Veronika

    |

    @Bayrischer Arzt:

    Danke für diese umfangreichen Ausführungen! Dies bestätigt, was ich selbst auch von Ärzten und auch Psychologen immer dann gehört habe, wenn es um Bayern und die Psychiatrie ging.

    Danke!

  • Veronika

    |

    @wahon:

    „Der gute Bayer hat etwas gegen renitente Querulanten, und wer sich nicht fügt, soll froh sein, dass er in die “Geschlossene” kommt, bevor ihn der “Volkszorn” ereilt.“
    ——————————–
    Vollste Zustimmung mit Ihrer Aussage, vor allem wenn die Renitenz dann bei Frauen anzutreffen ist. Eine Frau hat sich zu fügen, in Bayern gerne auch mal vergewaltigen zu lassen und zu schweigen. Mehr nicht! Altes „gut katholisches“ Denken: Das Weib sei dem Manne untertan, deshalb kümmert sich dann die RKK so fürsorglich um Frauen, die mit Priesterkindern ausgestattet eine normale eheliche Lebensgemeinschaft wollen.
    Gut dass unser Bayer. Ministerpräsident hier vor Jahren ganz anders gehandelt und vom erzkonservativen Papst BXVI. dennoch die Mundkommunion gereicht erhalten hatte. Dies muss Papa R. fast innerlich verbrannt haben, aber um des lieben Machterhalts in Bayern wegen, gab er Jesus Christus auch ohne vorherige Beichte einem Sünder.
    Ob der mittlerweile wenigstens gebeichtet hat?
    Aber eigentlich egal, denn die vorangegangene Sünde hatte – Gott sei Dank – „Hand und Fuß“.
    So ist eben Bayern, hintenrum h.ren und vorne herum schleimen!

  • Mathilde Vietze

    |

    Wenn es weniger Gutmenschen und dafür mehr gute
    Menschen gäbe, sähe unsere Gesellschaft besser aus.

  • Lothgaßler

    |

    Wenn es ums Geschäft geht, dann hört die Moral auf.
    Selbst wenn Frau Haslbauer rabiat geworden wäre, welche unglaubliche Strafe hat sie dafür bisher verbüßen müssen!?
    Sieben Jahre extrem fremdbestimmt und jeder Entwicklungsmöglichkeit beraubt! Die „Bestrafung“ ist härter als zwei oder vier Jahre ohne Bewährung wegen Körperverletzung (welche wüste Schlägerei müsste das gewesen sein?).
    Tatsächlich sollte es ja keine „Strafe“ sein, sondern eine Begleitung aus einer Krise, um die Menschen möglichst zügig wieder in die Gesellschaft einzugliedern. Faktisch wird hier eine stigmatisierende (Irrenhaus, allgemeingefährlich) Strafe vollzogen, die keine zeitliche Begrenzung erfährt und neben der verlorenen Freiheit auch weitreichende soziale Folgen hat (Erwerbstätigkeit, Freundeskreis u.a.m.). Dafür trägt selbstredend niemand mehr Verantwortung. Der Jurist verweist auf den Arzt, der Arzt auf seine Expertise (medizinische Evidenz kann hier nicht bemüht werden) und die Anstaltsleitung auf die mangelnde Kooperationsbereitschaft der „Patientin“. Keine Lösung in Sicht!

    Die Weigerung eine Schuld einzugestehen ist das gute Recht eines jeden Beschuldigten, und wahrlich keine Seltenheit. Sich einer Therapie zu widersetzen, wenn die Diagnose „paranoides Wahnsystem“ lautet, ist entweder verständlich (wenn eine entsprechende Erkrankung tatsächlich vorliegen würde), oder aber vernünftig und moralisch zum Selbstschutz notwendig, wenn sie Diagnose nicht zutrifft. Nach sieben Jahre in der Forensik darf sich ein Mensch verfolgt fühlen, denn er ist es auch.
    Ein „paranoides Wahnsystem“ lässt sich vermutlich jedem von uns andichten. Kaum etwas ist komplexer und bisher unverstandener als der menschliche Geist und das maßgebliche Denkorgan. Daran zu erinnern tut Not!

    Ärzte tun sich schwer Fehler einzugestehen, zumal in der Öffentlichkeit. Juristen tun sich genauso schwer damit. Eine unheilvolle Kombination an Schwäche dieser „Eliten“. Also muss der Beschuldigte (hier keiner Elite angehörig) sich fügen, und die Schuld auf sich nehmen, damit Ärzte und Juristen ohne Gesichtsverlust aus der Sache raus kommen.

    Was wäre gewesen, wenn statt dieser ärztlich-juristischen Lösung die Konfliktparteien getrennt worden wären, z.B. durch Umzug einer Partei (ein anderer Stadtteil hätte mehr als gereicht)? Konfliktvermittlung und Sozialpädagogik hätten wohl auch zu einer Lösung geführt, wäre in jedem Fall eine Option gewesen, hätten aber weniger gekostet, und die falschen Berufe hätten daran verdient.

  • Mathilde Vietze

    |

    Zu Veronika: Eine Frau soll selbstbewußt sein, sie soll Zivil-
    courage zeigen, Mut zum Widerspruch haben, aber dazu
    auch Argumente bringen. Sie soll – so es nötig – unbequem
    sein, ihre Rechte einfordern, sie soll nicht auf jeden, der
    ihr schön tut, hereinfallen und sie soll nicht jeden, der sie kritisiert, als Feind betrachten. Und – es ist kein Zeichen
    von Schwäche oder gar ein persönlicher Mangel, wenn man
    sich von anderen helfen läßt.
    Berufsquerulanten aber werden nur von denen hochgeju-belt, die selbst von niemanden ernst genommen werden.

  • wahon

    |

    @ pom_muc

    Ein gefälschtes Attest, eine unbrauchbares Luftgewehr, Zeugen, die Vermutungen äußern, statt sich an Einzelheiten zu erinnern, und Psychiater, die oberflächliche Ferndiagnosen stellen, sind keinesfalls gerichtsfeste Beweise für die Straftaten, die Mollath begangen haben soll.
    Die vorsätzliche Beschuldigung eines Menschen, ohne den Beweis für dessen Täterschaft führen zu können, heißt „falsche Verdächtigung“. Sie ist strafbar (§ 164 StGB) und dürfte ein wichtiges Motiv für Mollaths Ex-Frau sein, ihr Aussageverweigerungsrecht in Anspruch zu nehmen.
    Notabene: Auch bei Ihnen konstatiere ich einen „Belastungseifer“ gegenüber Mollath – Sind Sie mit Frau Maske verwandt oder befreundet?

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