„Bischof Müller und andere Islamisten“

wiener„Gegen Schaidinger, gegen die Mittelbayerische Zeitung und gegen den Bischof Müller“ – das skandierte Willi Wiener (Foto) bei der fünfstündigen Demonstration durch die Regensburger Altstadt immer wieder. Der inhaltsleere Schwachsinn gipfelte gegen Ende des spukhaften Aufzuges in dem Spruch „Bischof Müller und andere Islamisten“. Würde die Stiftung Warentest auch politischen Parolen auf den Zahn fühlen, dann hätten sie sicher mit „Arme Wiener Würstchen“ getitelt. Aber in der August-Ausgabe 2009 von Stiftung Warentest ging es lediglich um das essbare Wienerle und nicht um die Auseinandersetzung mit Willi Wieners Äußerungen. Die Zusammenrottung von rechten Demonstranten, die gegen eine „Moschee neben dem Dom“ mobilisieren wollten, kann ohnehin schwerlich als politisch bezeichnet werden. Zu diffus, zu widersprüchlich sind die Schimpf- und Hasstiraden, die durch die Megafone geschickt werden. Der „Nationale Widerstand“ spielt sich als Retter des christlichen Abendlandes auf und attackiert gleichzeitig den Regensburger Bischof. Für was steht die Rechte, wie sieht ihr Programm aus und wie eine Zukunft, die unter dem Signum der NPD stehen würde? Populistisch werden Themen besetzt wie Kapitalismus, Gentechnik und Globalisierung. Und das einfache Rezept auf die komplexen Fragestellungen lautet: Ausländer raus, Heimat und Volk. Dümmer geht’s nicht mehr. Den rechten Drahtziehern geht es darum, eine bestimmte Elite ins Amt zu setzen, die von Unterdrückung und Ausgrenzung profitiert. Dafür werden Mitläufer rekrutiert, Menschen, die sozial benachteiligt sind und die für ihren Frust ein Ventil gefunden haben, indem sie noch Schwächere und Minderheiten zu Sündenböcken abstempeln und diese verfolgen. Diese Verfolgung reicht von verbalen Attacken wie „Ausländer raus“ bis zu Mordanschlägen, die von Rechten verübt werden. hitlergrußKeinesfalls darf man das Gefährdungspotenzial durch die Rechte unterschätzen. So lächerlich der Aufzug in Regensburg auch war; rechte Schläger und Kameradschaften schüren anderorts ein Klima der Einschüchterung, in dem die Verteidigung der demokratischen und grundgesetzlichen Prinzipien nur noch schwer gelingt. Mindestens 138 rechtsextrem motivierte Morde seit 1990 zählt der Opferfonds cura. Gewalt braucht keine Argumente, ein demokratisches Gemeinwesen ist dagegen auf Bildung, Verständigung und persönliches Urteilsvermögen angewiesen. Regensburg hat mit seinen engagierten Bürgern am 3. Oktober, am Tag der Einheit, das richtige Zeichen gesetzt. Sie haben das Erreichen des Demonstrationszieles durch die Versperrung der Zugänge verhindert. Die Einsatzkräfte der Polizei haben, bis auf wenige unschöne und völlig überflüssige Übergriffe auf minderjährige Gegendemonstranten, hervorragende Arbeit geleistet: Sie haben für Deeskalation gesorgt, der Presse ihre Arbeit erleichtert und sich nicht instrumentalisieren lassen. Denn eines darf nicht übersehen werden: Das staatliche Gewaltmonopol ist dazu da, um das Staatswesen zu schützen und nicht, um gegen Menschen vorzugehen, die für dessen Schutz auf die Straße gehen.DSC3357 Fotos: Aigner/ Staudinger

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Kommentare (11)

  • kritischer Noch CSUler

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    Fast alles richtig !
    Es gab leider wieder Übergriffe auf friedliche Demonstranten. Das habe ich gesehen und auch mich wollten diese Schutzkräfte einschüchtern. Es ist dennoch zu sehen das sich bei der bayerischen Polizei und beim SEK eine Besserung eingestellt hat. Sie haben nur stellenweise mit unverhältnismäßigen Mitteln versucht den Weg für die Würstchen frei zu machen !
    Wir waren eben stärker und werden dies dem braunen Mob so oft beweisen wie es nötig ist.
    Als wirklich sehr schlimm empfinde ich, dass diese komische Stadtverwaltung eine Demo gegen eine grundgesetzlich verbriefte Religionsausübung zugelassen hat. Dann läuft der Weber in Front mit und Schaidi wird noch persönlich auf der Gegendemo begrüßt !
    Diesen unfähigen Politikkomikermob haben wir es zu verdanken das diese Steuermittel überhaupt in die Hand genommen werden mussten.
    Über Woli mag ich gar nichts sagen, denn der würde auch bei einer Christbaumversteigerung sein Gesicht verleihen.
    Der Schlegl Christian lief in der zweiten Reihe, ach wie lächerlich.
    Also es war alles sehr gut, medienwirksam grinsten viele in die Kameras und in die Mikrofone.
    Wo waren diese Grinsköpfe als es darum ging den Würstchen die Plätze streitig zu machen?
    Zivilcourage sieht anders aus.
    Das waren andere Demonstranten und Regensburger! Dank dafür!

  • Huaba Zenzi

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    Dass sich eine Elite mit der Hilfe Frustrierter und Benachteiligter ins Amt setzen will, ist von sich (Linke) auf andere (Rechte geschlossen). Trifft aber letztlich wohl tasächlich auf beide zu. Leute die nichts zu erwarten haben, verlieren nichts, wenn sie die Gesellschaft zerstören.

  • Joachim Datko

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    Die Grundversorgung ist sehr gut!
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    Zitat: „Leute die nichts zu erwarten haben, verlieren nichts, wenn sie die Gesellschaft zerstören. … 05. Okt 2009, 08:44“
    ==========================================
    Auch die sich benachteiligt fühlenden Menschen würden verlieren. Jeder kann eine Grundversorgung erwarten, wenn er den Lebensunterhalt nicht selbst bestreiten kann.

    Die Grundversorgung der Gesellschaft funktioniert sehr gut.

    Auch wenn auf „Harz IV“ häufig geschimpft wird, die Grundversorgung ist nicht schlecht: Geld für den Lebensunterhalt, Wohnung, medizinische Versorgung usw.

  • Mathilde Vietze, Erikaweg 76, 93053 Regensburg

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    Mich wundert ja, daß so ein „Genie“ wie Wiener
    nicht schon längst für den Nobelpreis entdeckt
    wurde!

  • Objektivus

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    @kritischer Noch CSUler:
    Wo war denn da das SEK?

  • Stefan D. Christoph

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    Ich denke mal er meint die netten Herren, die in schickes Schwa… äh „Paris Blau“ gekleidet sind vom USK.

  • Fritz

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    Liebe Mathilde,
    vielleicht nächstes Jahr.
    Barack Obama, der sicherlich ein guter Freund von Wiener ist, hat ihn auch nicht wirklich verdient, wobei bei Obama eine gewisse Hoffnung besteht das er ihn sich in der Zukunft verdient. Bei Würstchen ist das nicht der Fall.

  • Joachim Datko

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    Und wer bezahlt den Polizei-Einsatz? So kann man auch Kosten verursachen, die auf die Allgemeinheit umgelegt werden.

    Mehr Verstand und weniger Emotionen, da könnten wir kostengünstiger leben.

  • Bert

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    @joachim datko

    und wie soll das „mehr verstand“ aussehen? fordern sie den von den nazis („spart euch eure aufmärsche“) oder den gegendemonstranten („demonstriert nicht, dann brauchts keine polizei“), der polizei („lasst die nazis alleine gehen, dann löst sich das problem ganz schnell“) oder dem staat („verbietet nazi-aufmärsche. das spart geld“)? ich bitte um erläuterung.

  • Mathilde Vietze

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    Zu „Fritz“ – Also Obama ist sicher kein „guter Freund“ von Wiener; ich glaube, Sie
    haben sich da im Namen und in der Person geirrt.

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