SOZIALES SCHAUFENSTER

Archiv für 11. Mai 2009

amazonDie Botschaft ist kurz und deutlich. „Geld stinkt nicht – so scheint es Amazon zu halten“, schreibt der Oberpfälzer Bezirksvorsitzende der Gewerkschaft verdi, Manfred Hellwig, in einer E-Mail unter dem Betreff „Amazon Boykott“. Hintergrund von Hellwigs Verärgerung: Der Online-Buchhändler hat mehrere Titel des NPD-Verlags Deutsche Stimme im Sortiment. Der Verlag steht unter Beobachtung des Verfassungsschutzes und ist dem sächsischen Verfassungsschutz zufolge eines der größten rechtsextremistischen Versandunternehmen. Bereits zu Beginn dieses Jahres hatte die Berliner Tageszeitung taz über das fragwürdige Geschäftsgebahren des Amazon-Konzerns berichtet. Ein Auszug: „Unter den 29 Büchern finden sich Titel wie ‚Soldaten wie andere auch: Der Weg der Waffen-SS‘ oder ‚Polen – nicht nur Opfer: Die Verschwörung des Verschweigens‘. Auch eine modifizierte Auflage des ‚Handbuchs für Patrioten und nationale Aktivisten‘ mit dem Namen ‚Funkenflug‘ ist bestellbar, das laut Netz-gegen-Nazis.de in Deutschland wegen Volksverhetzung verboten war.“ Neben Büchern aus dem Deutsche-Stimme-Verlag gibt es weitere rechtsextreme Literatur im Sortiment. So lassen sich auch Bücher einschlägig bekannter Autoren wie Wilfried van Oven über Amazon bestellen. Van Oven war ranghoher Mitarbeiter von Joseph Göbbels im Propagandaministerium und veröffentlichte nach dem Krieg zahlreiche Bücher (meist beim rechtsextremen Grabert Verlag), die im Kern auf eine Verklärung des Nationalsozialismus hinauslaufen. hellwigDieses Geschäftsgebahren von Amazon treibt Hellwig (im Bild) auf die Barrikaden: „Ich habe Amazon angeschrieben und gefordert, dass die Bücher aus dem Sortiment genommen werden.“ Ebenso hat er über verschiedene Mailinglisten eine Großzahl von Empfängern über das „erschreckende Verhalten“ von Amazon informiert. Sein Aufruf: „Schreibt an Amazon, bestellt woanders, protestiert und leitet diese Mail weiter.“ Innerhalb der Gewerkschaft wird der taz-Artikel bereits seit Freitag flächendeckend verbreitet. Allein in der Oberpfalz hat die Gewerkschaft rund 25.000 Mitglieder. Bislang stellt sich der Konzern gegenüber solcher Kritik aber taub. Eine Unternehmenssprecherin erklärte gegenüber der taz: „Amazon vertreibt weder indizierte noch verbotene Titel. Unser Ziel ist es, unseren Kunden die größtmögliche Auswahl an verschiedenen Titeln bereitzustellen.“ Eine Maxime, die zur Unternehmenspolitik gehört. Eine ehemalige Mitarbeiterin (Name der Redaktion bekannt) erklärt gegenüber unserer Redaktion: „Bei Kritik von Kunden an fragwürdigen Artikeln galt immer: Verständnis zeigen, aber betonen: Um ein möglichst breites Sortiment anbieten zu können, müsse der Katalog für alle nicht indizierten Artikel offen gehalten werden.“ Man nehme weder politisch noch ethisch Stellung, solange kein rechtskräftiges Verbot dem Verkauf entgegen stehe. „Es galt immer: Amazon bezieht weder ethisch noch politisch Stellung“, so die Mitarbeiterin. „Die Firma möchte ein möglichst breites Kundenspektrum abdecken und auch Rechtsextreme bezahlen ihre Bestellung.“ Einige Kolleginnen hätten es angesichts dieser Haltung ihres Arbeitgebers vorgezogen, entsprechende Beschwerden nur noch unter Pseudonym zu beantworten. Das Antwortschreiben des Amazon-Kundeservices an Manfred Hellwig ist denn auch keine Überraschung: „Unser Ziel ist es, unseren Kunden die größtmögliche Auswahl an verschiedenen Titeln bereitzustellen“, heißt es in dem vorformulierten Standardtext. Man biete Artikel an, die auf dem deutschen Markt frei erhältlich sind. Aber: „Das bedeutet nicht, dass wir mit dort formulierten Meinungen sympathisieren oder die Aussagen unterstützen. Der Titel wird von Amazon.de in keiner Weise gefördert.“ Lediglich Vertrieb, Verbreitung und seriöser Anstrich. anzeige1

50 Tagessätze für NPD-Wiener

Wegen Widerstands gegen Vollstreckungsbeamte muss der Regensburger NPD-Chef einen Strafbefehl von 50 Tagessätzen bezahlen. Wie Anfang Februar berichtet soll Wiener anlässlich der Beerdigung des Altnazis Friedhelm Busse in Passau einem Polizeibeamten gegenüber tätlich geworden sein. Zunächst hatte der Kopf der Regensburger Neonazi-Szene Widerspruch gegen den Strafbefehl eingelegt. Wie ein Sprecher der Staatsanwaltschaft Passau bestätigte, ist […]

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