Die NPD im Sortiment: verdi-Bezirksboss ruft zu Amazon-Boykott auf

amazonDie Botschaft ist kurz und deutlich. „Geld stinkt nicht – so scheint es Amazon zu halten“, schreibt der Oberpfälzer Bezirksvorsitzende der Gewerkschaft verdi, Manfred Hellwig, in einer E-Mail unter dem Betreff „Amazon Boykott“. Hintergrund von Hellwigs Verärgerung: Der Online-Buchhändler hat mehrere Titel des NPD-Verlags Deutsche Stimme im Sortiment. Der Verlag steht unter Beobachtung des Verfassungsschutzes und ist dem sächsischen Verfassungsschutz zufolge eines der größten rechtsextremistischen Versandunternehmen. Bereits zu Beginn dieses Jahres hatte die Berliner Tageszeitung taz über das fragwürdige Geschäftsgebahren des Amazon-Konzerns berichtet. Ein Auszug: „Unter den 29 Büchern finden sich Titel wie ‚Soldaten wie andere auch: Der Weg der Waffen-SS‘ oder ‚Polen – nicht nur Opfer: Die Verschwörung des Verschweigens‘. Auch eine modifizierte Auflage des ‚Handbuchs für Patrioten und nationale Aktivisten‘ mit dem Namen ‚Funkenflug‘ ist bestellbar, das laut Netz-gegen-Nazis.de in Deutschland wegen Volksverhetzung verboten war.“ Neben Büchern aus dem Deutsche-Stimme-Verlag gibt es weitere rechtsextreme Literatur im Sortiment. So lassen sich auch Bücher einschlägig bekannter Autoren wie Wilfried van Oven über Amazon bestellen. Van Oven war ranghoher Mitarbeiter von Joseph Göbbels im Propagandaministerium und veröffentlichte nach dem Krieg zahlreiche Bücher (meist beim rechtsextremen Grabert Verlag), die im Kern auf eine Verklärung des Nationalsozialismus hinauslaufen. hellwigDieses Geschäftsgebahren von Amazon treibt Hellwig (im Bild) auf die Barrikaden: „Ich habe Amazon angeschrieben und gefordert, dass die Bücher aus dem Sortiment genommen werden.“ Ebenso hat er über verschiedene Mailinglisten eine Großzahl von Empfängern über das „erschreckende Verhalten“ von Amazon informiert. Sein Aufruf: „Schreibt an Amazon, bestellt woanders, protestiert und leitet diese Mail weiter.“ Innerhalb der Gewerkschaft wird der taz-Artikel bereits seit Freitag flächendeckend verbreitet. Allein in der Oberpfalz hat die Gewerkschaft rund 25.000 Mitglieder. Bislang stellt sich der Konzern gegenüber solcher Kritik aber taub. Eine Unternehmenssprecherin erklärte gegenüber der taz: „Amazon vertreibt weder indizierte noch verbotene Titel. Unser Ziel ist es, unseren Kunden die größtmögliche Auswahl an verschiedenen Titeln bereitzustellen.“ Eine Maxime, die zur Unternehmenspolitik gehört. Eine ehemalige Mitarbeiterin (Name der Redaktion bekannt) erklärt gegenüber unserer Redaktion: „Bei Kritik von Kunden an fragwürdigen Artikeln galt immer: Verständnis zeigen, aber betonen: Um ein möglichst breites Sortiment anbieten zu können, müsse der Katalog für alle nicht indizierten Artikel offen gehalten werden.“ Man nehme weder politisch noch ethisch Stellung, solange kein rechtskräftiges Verbot dem Verkauf entgegen stehe. „Es galt immer: Amazon bezieht weder ethisch noch politisch Stellung“, so die Mitarbeiterin. „Die Firma möchte ein möglichst breites Kundenspektrum abdecken und auch Rechtsextreme bezahlen ihre Bestellung.“ Einige Kolleginnen hätten es angesichts dieser Haltung ihres Arbeitgebers vorgezogen, entsprechende Beschwerden nur noch unter Pseudonym zu beantworten. Das Antwortschreiben des Amazon-Kundeservices an Manfred Hellwig ist denn auch keine Überraschung: „Unser Ziel ist es, unseren Kunden die größtmögliche Auswahl an verschiedenen Titeln bereitzustellen“, heißt es in dem vorformulierten Standardtext. Man biete Artikel an, die auf dem deutschen Markt frei erhältlich sind. Aber: „Das bedeutet nicht, dass wir mit dort formulierten Meinungen sympathisieren oder die Aussagen unterstützen. Der Titel wird von Amazon.de in keiner Weise gefördert.“ Lediglich Vertrieb, Verbreitung und seriöser Anstrich. anzeige1

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Kommentare (23)

  • hansdampf

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    Ich glaube bei Amazon Deutschland wird man „Mein Kampf“ nicht kaufen können. Warum? Weil es bei uns verboten ist bzw. der bayr. Staat hat die Rechte am Buch.
    Diese Bücher mögen ideologisch falsch erscheinen, aber das nächste mal kommt die NPD und fordert Amazon auf, linkes Gedankengut aus dem Sortiment zu nehmen.
    Die Haltung von Amazon ist nachvollziehbar. Das muss eine Demokratie auch aushalten, so sehr es manchen nicht passt!

  • Milan Fahrnholz

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    Es wäre anzumerken, dass der Artikel auf dem Screenshot ganz offenkundig nicht bei amazon selbst auf Lager ist sondern nur über Marketplace (drittanbieter von denen Amazon eine Gebühr kassiert) vermittelt wird. Soviel verdienen die dran wohl nicht, könnten also einfach die ganzen Anbieter rausschmeissen ohne großen finanziellen Verlust.

    Boykottieren werde ich sie deswegen trotzdem nicht, dafür kauf ich da seit Jahren viel zu viel Sachen da ein die es sonst nirgends so leicht und günstig zu haben gibt(vorallem über die div. Marketplace Anbieter).

    Solange die Bücher nicht verboten sind, denke ich kann da niemand was machen. Immerhin müsste man dann auch Bücher aus dem Sortiment nehmen die extrem in die andere Richtung gehen, oder? Kann mir vorstellen das es einer Menge Leute nicht in den Kram passt, das es das Kommunistische Manifest überall als Reclam zu erwerben gibt.

    Kann mir vorstellen das es bei E-Bay ähnlich aussieht ohne amazon marketplace und e-bay kann man ja durchaus vergleichen, aber es ist wie gesagt ja nicht so als hätten die bei amazon diese Lektüre bei sich auf Lager und würden sie fleißig nachbestellen wenn sie alle geht(was wahrscheinlich eh nicht passieren würde). Die werden bei marketplace von dritten reingestellt (wie bei e-bay auch) und amazon schickt nicht gleich die ideologiepolizei los, ich find die Bücher zwar selber bescheiden aber halte es auch für unrealistisch das amazon marketplace angebote auf fragwürdige inhalte durchforstet und zensur übt, wo keine rechtsgrundlage vorhanden ist.

    Boykottieren werde ich also lediglich diese „Lektüre“ da man aber bei amazon wie bei e-bay trotzdem auch ganz nette Sachen erwerben kann, werde ich das auch nachwievor tun, was aber nichts an meiner politischen haltung dieser literarischen hirngrütze ändert.

  • Roland Hornung

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    Werter “ Hansdampf “

    es geht hier überhaupt nicht darum, ob es jemand “ passt“ oder “ manchen nicht passt “ !

    Meinungsfreiheit ist ein sehr hohes Gut. Aber: Es gibt klare Regelungen: “ Freiheit ist immer auch die Freiheit des anderen „. Meinungsfreiheit hört dann auf, wenn die Rechte anderer betroffen sind: bei Beleidigung, bei Drohungen, bei Hetze, bei Volksverhetzung, usw…

    So einfach ist das.
    Auch wenn es Ihnen vielleicht nicht “ passt „

  • Theodor Rieh

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    hansdampf schrieb: „Ich glaube bei Amazon Deutschland wird man ‚Mein Kampf‘ nicht kaufen können. Warum? Weil es bei uns verboten ist bzw. der bayr. Staat hat die Rechte am Buch.“

    Bei Amazon bekommt man den gesamten Text nur deshalb nicht, weil Amazon, so weit ich weiß, sich mit antiquarischen Büchern nicht abgibt. Ansonsten kann man das Buch beim Buchhändler oder auch übers Internet kaufen. Als Neudruck darf es halt (noch) nicht in Deutschland vertrieben werden. Die Urheberrechte laufen aber 2015 aus.

    Ich habe mal angefangen, den Schinken zu lesen, bin aber nicht allzu weit gekommen, das Ding ist nicht appetitanregend.

    Wenn Sie es nicht erwarten können: http://www.youtube.com/watch?v=STGLH2htNaI

    Das sind nur wenige Minuten, die Lesung von „Mein Kampf“ von Helmut Qualtinger ist aber auch als Hörbuch erhältlich. Empfehlenswert. Ein Kabarettereignis.

  • Bernd Henneberg

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    Mein Kampf kann man auf jedem gut bestücktem Flohmarkt überall kaufen. Man muss sich nur die Stände ansehen und kann die Verkäufer sofort einschätzen. Ab 75 € bekommt man alles was man nicht braucht. Solange den Käufern und den Verkäufern nicht klar wird, dass Faschismus ein Verbrechen und keine Meinung ist, wird es immer wieder jemanden geben, der glaubt damit ein Geschäft zu machen.

  • Bernd Henneberg

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    „Boykottieren werde ich sie deswegen trotzdem nicht, dafür kauf ich da seit Jahren viel zu viel Sachen da ein die es sonst nirgends so leicht und günstig zu haben gibt(vorallem über die div. Marketplace Anbieter)“.
    vielleicht sollten Sie mal beim hiesigen Buchhandel versuchen fündig zu werden. Sie kaufen gerne im Internet, ist ja gut so, aber finden Sie dort auch alles? Oder nehmen Sie alles mit?

  • Milan Fahrnholz

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    „vielleicht sollten Sie mal beim hiesigen Buchhandel versuchen fündig zu werden.“

    Sind ja nicht nur Bücher sondern auch CDs, DVDs usw.

    Der Buchhändler ist ja schön und gut (wobei ich mir an dieser Stelle die Anmerkung, daß ich den alten Hugendubel nachwievor vermisse nicht verkneifen kann), aber letztendlich kann der auch nur bestellen was nicht vorrätig ist und eine Lieferung dauert der erfahrungsgemäß länger.

    „Sie kaufen gerne im Internet, ist ja gut so, aber finden Sie dort auch alles? Oder nehmen Sie alles mit?“

    Doch, ich habe bislang in dieser Hinsicht sehr gute Erfahrungen gemacht.

  • Klaus Wörle

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    Ein wenig Recherche ergibt, dass dieses Funkenflug-Handbuch sogar bei so renomierten Anbietern wie der akademischen Buchhandlung Lehmanns http://www.lob.de oder bei http://www.buchhandel.de angeboten wird. Ohne das Problem relativieren zu wollen, scheinen wohl einige Anbieter einfach das VLB (Verzeichnis lieferbarer Bücher) in ihren Online-Shop zu integrieren. Und wenn da bedenkliche Werke drin sind, dann sind diese auch in den Shops drin. Den Aufwand der Filterung nach bestimmten Verlagen oder Autoren spart man sich offenbar.

  • Klaus

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    Herr Hellwig! Gehts noch? Sind wir schon wieder soweit, das Gedanken, Meinungen und Interessen zensiert werden?
    Ist das die Diktatur der politisch Korrekten?
    Das Ausgrenzen politisch Andersdenkender ist Faschismus pur.
    Ihr seid schlimmer als die Stasi!

  • Michael

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    In einer Körperschaft des öffentlichen Rechts gibt es auch NPD-Mitglieder. Sie werden gar Zwangsrekrutiert.
    Namlich in den Kammern ( IHK, Handwerkskammer, etc.)
    Rechtsextreme Mitglieder sind auch Mitglieder der Handwerks-, Industrie- und Handelskammern, etc.
    Ohne jemandem zu Nahe treten zu wollen, so möchte ich doch auch einmal darauf aufmerksam machen, dass Rechtsextreme auch als Mitglieder der Handwerkskammern, Industrie. Und Handelskammern, etc., also einer Körperschaft des öffentlichen Rechts angehören. Niemandem ist es in diesem Land verwehrt ein Gewerbe anzumelden und selbständig unternehmerisch tätig zu sein. Automatisch ist jeder, der ein Gewerbe anmeldet auch (Zwangs-)Mitglied mindestens einer Kammer. Folglich auch Neonazis und andere extreme Gruppierungen, die ein Unternehmen gründen. Als Zwangsmitglied bekomme ich von den Kammerbefürwortern immer dieselbe Antwort: Die Kammer als Körperschaft des öffentlichen Rechts,… vertritt die Gesamtinteressen der Wirtschaft. Die Kammern vertreten somit auch die Interessen der obigen Gruppierungen. Sehe ich das falsch? Ich werde als Zwangsmitglied auch darauf verwiesen kostenlos die Existenzgründungs- und Betriebsberatungen der Kammern in Anspruch nehmen zu können. Was ich aber gar nicht will. Warum soll ich mich von einer Institution beraten lassen, die nicht einmal nach marktwirtschaftlichen Erkenntnissen eigenständig existieren kann, ohne auf Zwangsbeiträge angewiesen zu sein? Auf der anderen Seite, sind somit auch Neonazis „eingeladen“ sich bei den Kammern kostenlos beraten zu lassen ( um somit Ihren Gewinn steigern und Ihre Parteikassen füllen zu können?). Jedes Mitglied ist sogar „aufgefordert“ sich nicht nur an den Wahlen zur Vollversammlung zu beteiligen, sondern auch sich aufstellen zu lassen, um seine Interessen besser vertreten und durchsetzen zu können. Somit auch Neonazis. Aber auch diese Gruppierungen sind oft nicht einmal freiwillig Mitglied bei der HWK/IHK etc. Die Kammern scheint es nicht zu kümmern, von wem sie Ihre Beiträge kassieren. Da sich die Kammerbeiträge aus einem Grundbeitrag und einer Umlage zusammensetzen, finanziert aus meiner Sicht sogar jeder Bürger diese Gruppierungen mit. Umlage heisst: die Kammer beansprucht einen prozentualen Anteil des Gewinns eines Unternehmers und schreckt auch vor Kontopfändung, Haftandrohung und gar Inhaftierung nicht zurück. Und den Gewinn bestimmt bekanntlich der Kunde/Konsument. Aus diesem und vielen weiteren Gründen, die gegen demokratische Grundsätze verstoßen, weigere ich mich freiwillig Zwangsbeiträge an die Handwerkskammer zu zahlen.

    Michael Pramann
    Tischlermeister
    Eschershausen

  • britt

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    @klaus

    das ausgrenzen politisch andersdenkender?
    sorry, aber die npd, die sich über diese bücher mitfinanziert is ein sammelbecken an gewalttätern, rassisten, antisemiten und bekennenden nazis. da sind worte wie „denken“ oder „meinung“ fehl am platz. faschismus – und dafür steht die npd – ist keine meinung, sondern ein verbrechen.

    wenn schon gerichte und politik nicht in der lage sind, diese partei zu verbieten, es konzernen wie amazon egal ist, wen man unterstützt, kann man froh sein, dass es noch eine zivilgesellschaft gibt, die den mund aufmacht.

    wozu führt ein politischer opportunismus a la amazon? die könnten auch in einer faschistische gesellschaft gut weiter existieren. man hat keine haltung, sondern passt sich einfach den umständen an, um weiter profit zu machen.

  • Fritz Ehrlich

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    Vielleicht schließt sich der Kreis ja so:
    Die Buchhändler und die Verlage unterstützen die NPD? Ebenso den Faschismus?
    Das wäre wirtschaftlich ihr gutes Recht.

    Ich stelle mir in der Zukunft eine Lagerfeuerromantik bei der Bücherverbrennung vor.
    Eine größtmögliche Nachfrage an Büchern wird sich einstellen.
    Dadurch entstehen Umsatz und Gewinn!!!
    Ist doch nicht schlecht, oder?
    Wenn es einem eh schon egal ist mit was er handelt, dann wird es doch den Verlagen nicht schwer fallen den neu entstehenden Markt zu bedienen.

  • hansdampf

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    Sehr geehrter Herr Hornung,
    ich gehe davon aus, dass bei einem verbotenen Buch Amazon nicht zögern wird und es aus dem Angebot entfernt, wie gesagt: Mein Kampf ist dort auch nicht zu finden!
    Aber solange dieses Verbot nicht besteht hat Amazon das gute Recht, die Bücher im Angebot zu führen. Ich kann mit dieser Ideoligie und dem rechten Gedankengut absolut nichts anfangen, um das klar zu stellen. Aber solange ein solches Buch nicht verboten ist, warum sollte Amazon da handeln?

  • Manfred Hellwig

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    nachdem ich persönlich angesprochen bin:
    zu @ klaus
    # ..Sind wir schon wieder soweit, das Gedanken, Meinungen und Interessen zensiert werden?“

    Zensur ist etwas anderes! Niemand ist gezwungen, Sachen zu verkaufen, die er/sie für unerträglich hält. Und ich bin nicht gezwungen, in Geschäften einzukaufen, die Sachen verkaufen, die unerträglich sind. Und ich rufe dazu auf, es ebenso zu tun, wenn man genau so fühlt! Was hat das mit Zensur zu tun? Sie zensieren, wenn sie mir diese freie Meinungsäußerung nicht gestatten!

    „Ist das die Diktatur der politisch Korrekten?
    Das Ausgrenzen politisch Andersdenkender ist Faschismus pur.“
    Ihr seid schlimmer als die Stasi!“

    Weil ich Gleichgesinnte auffordere, nicht in Geschäften einzukaufen, die Geschäfte mit braunen Parolen machen ist das Diktatur? Sie haben da eine merkwürdige Auffassung von Diktatur, Faschismus und Stasi!

    Übrigens: Zensur findet in Deutschland in riesigem Umfang täglich statt. Es ist die Zensur vieler Medien, die Sachen nur dann abdrucken, wenn es dem Profit nicht schadet, möglichst sogar nutzt. Deshalb werden Aktionen und Informationen sozialer Initiativen und der Gewerkschaften oft totgeschwiegen. Manche Medien fürchten, dass Werbung von großen Unternehmen ausbleibt, wenn sie die Wahrheit über Umweltsünden oder Arbeitsbedingungen in diesen Betrieben berichten. Das ist Zensur und nicht, wenn ich von dem Geschäft, in dem ich einkaufe, verlange, dass es „sauber“ bleibt.

  • Adalbert Singhuber

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    Tatsächlich traurig ist eigentlich die Tatsache, dass wir immer reflexartig ein Verbot oder einen Boykott fordern. Verkennen wir dabei nicht vielleicht die Tatsache, dass verbotene Dinge für so manche Mitbürger besonders interessant erscheinen? Fördern wir dadurch nicht eventuell sogar deren Absatz?

    Auch der Faschismus – auch wenn ich ihn nicht gut heisse – stellt eine politische Meinung dar. Das dies von manchen Mitbürgern unter dem plakativen Spruch „F… ist keine Meinung, sondern ein Verbrechen“ negiert wird, ist wörtlich gesehen schlichtwegs falsch. Allerdings sei diesen Mitbürgern zugestanden, dass unter faschistischen Systemen tatsächlich viele Verbrechen stattgefunden haben und die Nutzer dieses Spruches wohl nur hierauf in plakatierter Weise aufmerksam machen wollen. Eine gelebte Demokratie muss aber mit solchen Meinungen umgehen können, ebenso wie beispielsweise mit der Meinung der Stalinisten (ausdrücklich ohne hierdurch die Verbrechen der Faschisten mit denen Stalins vergleichen oder diese gar verharmlosen zu wollen).

    Bedauerlicherweise findet aber zu wenig wirkliche Auseiandersetzung mit den Extremisten statt. Dies zeigt auch der oben genannte plakative Spruch sehr deutlich, da er eine Diskussion von vorneherein ausschließt. Wenn die Demkratie aber mit verqueren Meinungen und Denkansätzen nicht umgehen kann, dann krankt sie.

    Tatsächlich müsste also die Frage gestellt werden, wie eine funktionierende Demokratie mit solchen Meinungen und den Druckwerken, in welchen diese Meinungen auftauchen, umgehen soll. Dies hat der Gesetzgeber sehr gut geregelt. So ist es prinzipiell jedem möglich, ein wie auch immer geartetes Druckwerk zu erwerben, um sich mit dem Inhalt auseinanderzusetzen. Richtig so. Nur wenn diese Machwerke volksverhetzenden Inhaltes sind, steht deren Verbreitung unter Strafe und wird auch geahndet. Teilweise auch recht schnell. Als aktuelles Beispiel sei auf die Verurteitlung einiger NPD Funktionäre wegen des Druckes eines Fussballkalenders verwiesen, auf welchem unter einem zweideutigen Spruch das Trikot eines dunkelhäutigen Mitbürgers abgebildet war. Gerade an diesem Beispiel wird klar, dass der Staat hier bereits sehr schnell eingeschritten hat, da dieses Urteil – ohne die zugrunde liegende Handlung auch nur in irgendeiner Weise rechtfertigen zu wollen – insbesondere durch den nur Zweideutigen Spruch und ohne die Namensnennung des Fußballspielers, durchaus diskutabel erscheint.

    Die Konsequenz auf jegliche extremistische Meinungen kann und muss daher für uns Bürger lauten, dass wir uns aktiv mit den Argumenten der Extremisten auseinandersetzen um diese zu wiederlegen. Und der Staat sollte sich nur in krassen Ausnahmefällen einmischen. So funktioniert Demokratie. Leider sind – wie die jüngste Vergangenheit belegt, nur wenige hierzu willens oder in der Lage. Gerade diese Nichtbeachtung und Ausgrenzung hat aber meines Erachtens erst zum erstarken der Extremisten – ob links oder rechts – geführt.

    Insoweit trete ich für eine aktive Ausandersetzung mit den Extremisten ein. Nicht jedoch in der Art, dass man sich abschottet und sich in Foren über Druckerzeugnisse – deren Inhalt ich zugegebener Maßen nicht kenne (vielleicht kann jemand zum genauen Inhalt Auskunft geben) – eschauffiert. Vielmehr sollte in der Öffentlichkeit, so man auf Extremisten trifft, die Diskussion gesucht werden. Sicherlich ist dies kein bequemer Weg, jedoch nach meiner Einschätzung der erfolgversprechenste.

    Ein Boykott der Vertreiberfirmen hingegen, erscheint mir als sinnloses „Gutmenschendenken“. Dies umso mehr, als die Druckwerke sicherlich auch bei einschlägigen Verlagen zu erwerben sind. Vielmehr schneidet man dadurch eventuell sogar manchem Demokraten, der sich zum Zwecke der Auseinandersetzung mit den Ektremisten informieren will, diese Möglichkeit ab, da dieser sicherlich wenig Bedürfnis verspürt, bei einem einschlägigen „Extremistenverlag“ (ausdrücklich ohne hierbei igendeinen bestimmten bestehenden Verlag zu meinen) bestellt.

    Sollten einige aber tatsächlich den Weg beschreiten wollen, alles zu verbieten oder zu bykottieren, so erreichen wir nur eines. Wir beschneiden unsere Freiheitsrechte (was für einen Demokraten aus grundsätzlichen Erwägungen heraus falsch sein muss) und schotten die Extremisten ab, so dass deren Gedankengut abseits der maßgeblichen Gesellschaftsgruppen gedeihen kann. Dies kann nicht gut gehen.

  • peter sturm

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    „Zensur findet in Deutschland in riesigem Umfang täglich statt. Es ist die Zensur vieler Medien, die Sachen nur dann abdrucken, wenn es dem Profit nicht schadet, möglichst sogar nutzt.“

    damit hat der kollege manfred nur allzu recht.

    aus diesem grund bin ich erfreut über die regensburg digital,

    es gibt damit wenigstens einen kleinen ausblick was unabhängiger

    journalismus sein könnte.

    da dies bestimmt nicht sonderlich ertragreich ist, werde ich

    wohl heute noch fördermitglied werden: http://www.regensburg-digital.de/?page_id=1499.

    freundliche grüße

    peter sturm

  • Stefan Guderian

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    Es wurde ja schon reichlich dazu geschrieben, zwei Hinweise fehlen aber noch:
    1. Amazon verkauft das ja nicht selbst – Händler verkaufen das über Amazon als Plattform. Hier Amazon zu attackieren ist gar nicht so weit davon entfernt, das Internet aus moralischen Gründen (ich habe gehört, dass es da sogar Seiten mit erotischem Inhalt geben soll!) verbieten zu wollen.
    2. Ungeachtet der vielen Dinge, die man über ver.di schreiben könnte (weit mehr als über Amazon, ebay, google oder anderen, auf denen gerne mal rumgehackt wird), muss ich schon nach der Zurechnungsfähigkeit bei Aufrufen wie „Schreibt an Amazon, bestellt woanders, protestiert und leitet diese Mail weiter“ stellen. Schreibt an Amazon bedeutet: Erzeugt da erst mal Kosten für ein hiesiges Unternehmen. Bravo! Bestellt woanders bedeutet noch unmittelbarer: Bringt ein hiesiges Unternehmen mit hiesigen Arbeitsplätzen in Not. Super! Da hat ein Gewerkschafter wieder mal genau erkannt, für was seine Organisation einsteht: Professionelle Arbeitsplatzvernichtung, nichts weiter.

  • murks

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    Sehr geehrter Herr Guderian,

    zu 1.: Sie haben recht, Amazon verkauft die Bücher nicht selbst. Es sollte aber kein Problem darstellen, Händler, die Material verkaufen, welches dazu dient, einen neuen Nationalsozialismus zu etablieren, vom Verkauf auf der eigenen Seite auszuschließen. Nur so ist es möglich, antidemokratischen Strömungen Einhalt zu gebieten. Antidemokratie ist mit „demokratischen Mitteln“ (auch überzogene Liberalität genannt) leider nicht zu bekämpfen. Schade, aber so ist es nunmal.

    2. „Schreibt an Amazon“ bedeutet: Schreibt, dass ihr es nicht hinnehmt, dass mittels einem etablierten Unternehmen, gleich welcher Herkunft, Größe, etc., Faschismus gefördert wird. Ihre Argumentation mit „hiesigen Arbeitsplätzen“ kommt, mit Verlaub, einer faschistischen Argumentation sehr nahe: Verkauft Nazibücher, um eine von Zensur (!) und Unterdrückung geprägte Ideologie zu fördern und sichert damit deutsche Arbeitsplätze!
    Im Übrigen werden die Menschen, die nicht bei Amazon kaufen, ihre Bücher woanders kaufen, möglichweise bei einem Unternehmen, welches zu größeren Anteilen seinen Gewinn in Deutschland versteuert (wobei ich mich da zugegebenermaßen nicht auskenne, ich könnte mir aber vorstellen, dass bei Amazon sehr viel in die USA fließt. Es ist mir übrigens relativ lax, wo die Leute Arbeit haben. Es ist für mich eher von Bedeutung, dass möglichst viele Leute auf der ganzen Welt arbeit haben, hier wie auch woanders.

  • Bernhard Segerer

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    Herr Guderian,
    wenn man den Gewerkschaften etwas vorwerfen müsste, wäre es eigentlich ihr manchmal duckmäuserisches Schielen nach „Arbeitsplatzerhalt“ bzw. Imagepflege durch Anbiederung an den neoliberalen Konsens (?)und die daraus resultierenden Kompromisse, die oft nur kurzfristig Erfolg zeigen, langfristig aber den ArbeiterInnen schaden. Gewerkschaften sollten Partner der Arbeitnehmer, nicht der Arbeitgeber sein (die haben ihre eigenen und viel mächtigeren Organisationen und Lobbys). Ihre Aufgabe ist auch nicht der Kapitalismuserhalt sondern die Vertretung von Arbeitnehmerinteressen. Hier verhält sich die Gewerkschaft aber endlich mal wieder so wie sie es sollte – und nimmt Ihren emanzipatorischen Auftrag den sie meiner Meinung neben Tarifverhandlungen etc. durchaus auch noch hat endlich mal wieder wahr.

  • Milan Fahrnholz

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    Find ich ja witzig, daß das Angebot vom Privathändler inzwischen verschwunden ist und nur noch das vom Großhändler aufgelistet ist.

  • Manfred Hellwig

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    Das Amazon-Angebot: da sind inzwischen tatsächlich eine ganze Menge Veränderungen passiert… waren am 10.05. noch wesentlich mehr!

    zu den Kommentaren amazon verkauft nicht selbst:
    stimmt für den Verlag Deutsche Stimme.
    Aber seht mal z.B. unter winkelried-verlag bei amazon nach! Ihr werdet staunen. Leider aber auch bei einer Reihe anderer Online-Händler zu finden (Begründung: sie haben alle die Libri-Plattform, in der alle Bücher…). Der Winkelried-Verlag gehört lt. http://www.netz-gegen-nazis.de angeblich einem Eric Kaden, (ehemals Mitglied der verbotenen Wiking-Jugend,jetzt NPD-Funktionär usw.) googelt mal, geht auf die Winkelried-Verlagsseite (ist übrigens ohne Impressum) und dann zum Shop….

  • Internet-Versandhaus Amazon und die NDP « GPA-djp Bildungsabteilung

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    […] und deutlich. „Geld stinkt nicht – so scheint es Amazon zu halten“, schreibt der Oberpfälzer Bezirksvorsitzende der Gewerkschaft verdi, Manfred Hellwig, in einer E-Mail unter dem Betreff „Amazon Boykott“. Hintergrund von Hellwigs […]

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