Bischof Müller: „Ich bin die Wahrheit und das Leben“

Das Datum könnte nicht besser gewählt sein. Zum Internationalen Tag der Pressefreiheit hat Bischof Gerhard Müller, ansonsten eher ein Gegner derselben, sich vehement für die grundgesetzlich garantierte Meinungsfreiheit ausgesprochen, genauer gesagt: für seine ganz persönliche Meinungsfreiheit. In einer am Dienstag veröffentlichten Erklärung kündigt Müller – zum zweiten Mal – an, gegen das Urteil des bayerischen Verwaltungsgerichtshofs vorzugehen, das ihm bestimmte Passagen einer Predigt untersagt, in der er gegen den atheistischen Buchautor Michael Schmidt-Salomon hetzte. Müller hatte (neben anderen Unwahrheiten) behauptet, Schmidt-Salomon würde Kindstötungen legitimieren und hatte dafür ein Zitat ins Gegenteil der Original-Aussage verkehrt (Mehr darüber). Schmidt-Salomon klagte. In zweiter Instanz bescheinigte der Verwaltungsgerichtshof München dem Regensburger Bischof, seine „Pflicht zur Sorgfalt, Sachlichkeit und Wahrhaftigkeit nicht erfüllt“ zu haben. Er habe Michael Schmidt-Salomon mit seinen Aussagen „in seinem Persönlichkeitsrecht verletzt“. Eine Revision ließ das Gericht nicht zu.

Nicht zitiert, nur zugespitzt?

Dagegen legt die Diözese Regensburg nun Beschwerde ein. Die Begründung ist bestechend. Er habe Schmidt-Salomon überhaupt nicht zitiert, so Müller, sondern sich „kritisch und zugespitzt“ mit dessen Thesen auseinandergesetzt. Gleich zu Beginn seiner Erklärung zitiert der Regensburger Bischof Schmidt-Salomon übrigens erneut, der eine mag es „kritisch und zugespitzt“ nennen, eher muss man es als bewusst verfälschend oder manipulativ bezeichnen. Im Wesentlichen aber legitimiert Müller seine Predigt mit dem Argument, in Besitz der alleinigen Wahrheit zu sein. Das Lebensrecht für Menschen sei allein aus Gott heraus zu begründen: „Menschen sind zum Leben berufen und berechtigt, weil jeder einzelne von einem liebenden Schöpfer gewollt ist.“

Atheisten bedrohen das Lebensrecht?

Wer dagegen wie Schmidt-Salomon nicht an Gott oder einen Schöpfer glaubt und das Lebensrecht des Menschen stattdessen mit Vernunft oder praktischen Erwägungen begründet, der, so formuliert es Müllers Sprecher Clemens Neck, bedrohe mit seinen Moralvorstellungen „das unantastbare Lebensrecht wie es etwa das Grundgesetz formuliert“ und liefere „den Menschen menschlicher Verfügung aus“.

Müller: „Habe die Pflicht und auch das Recht“

Entsprechend haben die Kirche „die Pflicht und auch das Recht, auf solche bedrohlichen Entwicklungen für jeden Menschen hinzuweisen“, glaubt Müller. Notfalls auch durch „zugespitzte“ bzw. falsche Behauptungen. Das Urteil des Verwaltungsgerichtshofes stelle denn auch „einen erheblichen Eingriff (…) in die Meinungsfreiheit und speziell in das Verkündigungsrecht“ dar, heißt es abschließend in der Erklärung. „Das darf und kann die Kirche nicht hinnehmen.“ Der heilige Krieg geht weiter.

Bitte unterstützen Sie eine unabhängige Berichterstattung in Regensburg.

 
Verein zur Förderung der Meinungs- und Informationsvielfalt e.V.
IBAN: DE14750900000000063363
BIC: GENODEF1R01

Kommentare (16)

  • Neuromancerr

    |

    Ich bin mal der Erste der es schreibt:
    Wieso gilt die Meinungsfreiheit für einen Bischof der einen Atheisten diffamiert,
    aber nicht für einen Journalisten der seine Sicht vom Umgang der (-selben) Diözese mit Missbrauchsopfern (die Wahrheit?) schreibt???
    Das würde mich schwer interessieren.

  • Veits M.

    |

    Es ist das gute Recht des Bischofs GLM Nichtzulassungsbeschwerde zu erheben.
    Diese wird jedenfalls einen Beschluss des Bundesverwaltungsgerichts zeitigen.
    Darin – und da braucht man kein Hellseher zu sein – werden die beiden in Rede stehenden Grundrechte gegenübergestellt und „abgewogen“.
    Dieser Abwägungsprozess wird mit dem Hinweis beginnen, dass auch das Recht der Meinungsäußerung nicht schrankenlos ist. Und dass das auch für den Regensburger Bischof gilt.
    Diese zu erwartende Klarstellung ist trotz ihrer Redundanz doch erfreulich.
    Sie wird Rechtssicherheit für alle Zweifler schaffen.
    mkv

    P.S.
    Nicht unerwähnt darf aber bleiben, dass es vom Grundsatz der Gleichheit vor dem Gesetz, na ja, doch hin und wieder Ausnahmen zu geben scheint: dieser greifbare Verdacht drängt sich dem gemeinen Bürger immer dann auf, wenn aus Gründen von Machtraison nicht sein darf, was offen-sicht-lich ist. Es scheint dann die normative Kraft des Faktischen eine Art „übergesetzlichen Notstand“ zu kreieren …
    Auf der Strecke bleiben freilich Glaubwürdigkeit und Legitiamation der Verantwortlichen; der Respekt vor dem Gesetz und jenen, die für seinen ordnungsgemäßen Vollzug berufen sind, nimmt ab; die einsetzende Verwahrlosung und am Ende die Untergrabung des Rechtsstaats wären eine Folgewirkung.
    Insoweit sei die MONITOR-Sendung am Donnerstag – http://www.monitor.de – wohl 22 Uhr empfohlen.

  • thoams

    |

    das wäre doch alles nur zum lachen, wenn es nicht so traurig wäre.
    ich habe da eine these:
    ich glaube da war im weihrauch irgendwas drin, dass der mann nicht so ganz vertragen hat….
    oder es ist der dauerkonsum….

  • Lügen-Müller

    |

    Das Lügen und Manipulieren des Bischofs geht weiter.

    Am 28. April gab Müller ein Interview, in dem er auf die Protestanten einprügelt.

    Heute veröffentlicht er auf seiner Homepage einen Dankesbrief des bayerischen evangelischen Landesbischofs und erweckt damit den Eindruck, dass die Zusammenarbeit bestens wäre.

    Das Blöde daran istz, dass der Brief vom 27. April stammt, also vor dem Interview geschrieben wurde, seitdem sich jeder fragt, ob Müller noch alle Tassen im Schrank hat.

  • Barbara Junghans

    |

    @ Lugen-Müller

    …das Pikante an der Sache ist, dass dieser Bischof, der da so unverblümt auf die Protestanten einprügelt, ausgerechnet von der kath. Bischofskonferenz zum Ökumenebeauftragten gekürt wurde. Da hat man doch den Bock zuzm Gärtner gemacht!

  • „Wer leichter glaubt, wird schwerer klug“ «

    |

    […] sondern sogar die Pflicht, Atheisten anzugreifen. Er wähnt sich in Besitz der absoluten Wahrheit. In einer Presseerklärung, die an Schärfe nichts zu wünschen übrig lässt hat Bischof Gerhard Ludwig Müller am Dienstag den atheistischen Buchautor Michael Schmidt-Salomon […]

  • wollwirker

    |

    Jesus spricht: „Wenn zwei oder drei in meinen Namen zusammen sind, so bin ich mitten unter ihnen“

    Also, es ginge auch ohne den Klerus…….
    Ist man eigentlich gläubig, wenn man seinen Glauben auf Ritualen, Obrigkeiten, Angst und Geld gründet?

  • Der Bischof, der Müller…

    |

    […] des Unbelehrbaren. Wieder informiert regensburg-digital darüber, dass Müller der Meinung ist, die Weisheit gepachtet zu haben: Müller hatte (neben anderen Unwahrheiten) behauptet, Schmidt-Salomon würde […]

  • Wolfgang Weege

    |

    Und auch die, die keine Kirchensteuer mehr zahlen, alimentieren diesen Herrn mit seinem fetten Gehalt:

    Gehälter von kirchlichen Amtsträgern, Pensionen 830 Millionen Euro
    Quelle: http://www.stop-kirchensubventionen.de/

  • Matthias

    |

    Dass sich dieser senile alte … seinen Privatwohnsitz für zig Millionen Euro umbauen lässt, passt klar hier dazu. „Ich habe die Macht, ich bin der Größte, ich bin der Beste, da muss ein Palast einfach sein“… Für irgendwas müssen die Spenden und Klingelbeutel, die von den armen alten Mütterchen in den Kirchen eingesammelt werden, ja ausgegeben werden, und ein wahrer Herrscher braucht einfach einen Palast…

  • Dodi

    |

    Scheiß Kirchenpower in Bayern,……….. das hört nie hier wohl nie auf!

  • Dolittle

    |

    a) Die Meinungsfreiheit gilt nicht für falsche Tatsachenbehauptungen zu Lasten Dritter. Das war schon immer so und daran ändert auch die Religionsfreiheit nicht. Denn die Behauptung „Jesus lebt!“ oder „Der Papst spricht göttliche Wahrheit!“ geht nicht zu Lasten Dritter. Die Religionsfreiheit würde aber sofort enden, wenn es hieße: „Die Juden haben unseren Herrn ans Kreuz geschlagen, deshalb müssen sie aus Regensburg vertrieben werden.“ Der Herr Bischof hat diesen feinen Unterschied zu beachten, den ihm das sonst so hochgelobte Grundegesetz auferlegt. Nun gut, das Bundesverwaltungsgericht wird eine würdige Antwort darauf finden.

    b) Angesichts von der katholischen Kirche immer wieder gerechtfertigter Kriege frage ich mich, ob das Lebensrecht wirklich so unantastbar ist, wie von Herrn Bischof gemeint. Finde ich ihn auf der nächsten Demo gegen den Afghanistan-Krieg? Höre ich seinen Protest gegen die vorsätzliche Erschießung eines Regensburger Studenten durch Polizeibeamte? Oder gilt Anderes, wenn sich der Staat über das Leben des Einzelnen stellt? Wenn ja (und unsere Rechtsordnung sieht dies z.B. bei Notwehr und Nothilfe vor), dann sollte der Herr Bischof darauf hinweisen, denn sonst sind seine Postulate unvollständig – und er unglaubwürdig.

  • W. Müller

    |

    Verehrte Regensburg Digital, Herr Aigner
    In ihrem Kampf gegen Kinds-Missbrauch haben sie zusätzlich massive internationale Unterstützung erfahren, da das Problem Kindsmissbrauch weltweit vorhanden ist. Vielleicht ist die Lösung wie sie in Russland vor der Einführung steht auch in der Diözese Regensburg praktikabel, auch wenn Bischof Müller aufheulen wird.

    Ruhr Nachrichten 11.05.2011
    Mehr als 2500 Kinder haben Gewaltverbrecher in Russland allein im vergangenen Jahr getötet. Viele dieser Mädchen und Jungen wurden Opfer von Kinderschändern. Deshalb will Russland Pädophile nun härter bestrafen und auch kastrieren – chemisch mit triebmindernden Medikamenten. „Die Strafe sollte so hart wie möglich ausfallen“, betont Kremlchef Dmitri Medwedew. Das Gesetz über die Kastration will er selbst unterschreiben. Die Zustimmung zur Initiative ist groß. Die wenigen Kritiker finden indes kaum Gehör.
    Keine Milde für Kindersficker und deren Vertuscher auch in der Diözese Regensburg
    W.Müller

  • Immanuel K. Anti

    |

    Ketzer auf dem Scheiterhaufen verbrennen, Dieben die Hand abhacken, Triebtäter kastrieren.

    Das ist alles gleichermaßen eklig.

    Noch Fragen?

  • Veronika

    |

    Nett und korrekt ist er, der Glaubenspräfekt Kardinal Müller.
    Er denkt die Verhaltensweise gegenüber seinem Freund Tebartz van Elst als „Menschenjagd“ bezeichnen zu müssen.
    http://kath.net/news/45286

    Nett und äusserst korrekt finde ich, dass er nicht von „Hexenjagd“ spricht, denn solche hat die Behörde, welcher er jetzt vorsteht, vor Jahrhunderten unschuldigen Menschen angedeihen lassen und würde es sicher wieder tun – siehe diesen Artikel hier – wenn es nicht Demokratie geben würde.

  • Angelika Oetken

    |

    Na zumindestens glaube ich jetzt endlich verstanden zu haben, warum die hohen Tiere, die bei der Katholischen Kirche das Sagen haben, sich mit dem Missbrauchsthema so schwer tun. Dank Kardinal Müllers Erklärungen. Sie lauten:

    ,„Das Lehramt der Bischöfe und des Papstes ist unmittelbar von Christus eingesetzt“. In der akademischen Theologie sei die menschliche Vernunft Urheberin einer Lehre. Dies könne man nicht auf die gleiche Ebene stellen wie das Wort Gottes, das von der menschlichen Vernunft ergründet werden wolle, so der Präfekt der Glaubenskongregation.“
    http://de.radiovaticana.va/news/2016/02/29/kardinal_m%C3%BCller_widerspricht_theologieprofessoren/1211828

    Heißt für mich: „Die katholischen Bischöfe und der Papst handeln ohne menschliche Vernunft!“

    Endlich habe auch ich das kapiert.

Kommentare sind deaktiviert