SOZIALES SCHAUFENSTER

Archiv für 17. Mai 2011

Die Steinerne Brücke zu Regensburg ist ein Ort voller Missverständnisse. „Erst hat es geheißen, das wird 2010 fertig, dann hat es geheißen 2011 und jetzt weiß bald niemand mehr, ob das überhaupt noch was wird.“ Der Stadtführer schmunzelt, als er mit den Touristen auf der Brücke steht und dort über den mit Planen und Gerüststangen eingehausten Abschnitt spricht. „Nein, das ist kein Kunstwerk“, erfahren die staunenden Regensburg-Besucher von ihm. „Das ist eine Baustelle.“ Ungläubiges Staunen bei den Mittfünfzigern, doch der Regensburg-Kenner weiß: Dieser Mann hat recht. Seit über einem Jahr ist das nördliche Ende der Steinernen durch eine stahlverstärkte Plane verhüllt. Seit über einem Jahr, genauer gesagt, seit dem 25. März 2010, werden Radfahrer und Fußgänger über einen Behelfssteg umgeleitet. Und seit knapp einem Jahr ist hinter dieser Plane nichts passiert. Was für die einen eine Baustelle ist, ist für andere einer der ruhigsten Orte von Regensburg, ein unbewegtes Stilleben aus Stein, Stahl und Bretterverhau.

Fachfirma: Keine Zeit für die Steinerne

Auf den Internetseiten der Stadt Regensburg findet man einen „aktuellen Blick in die Einhausung“. Dieser Blick vom Juli 2010 hat bis heute nichts von seiner Aktualität eingebüßt (siehe unseren topaktuellen Blick vom Mai 2011). Im Juni 2010 wurde der Oberbelag der Steinernen Brücke entfernt; seitdem harrt das Bauwerk der Dinge, die da kommen mögen.
Einer der ruhigsten Orte Regensburgs: Bauabschnitt I auf der Steinernen Brücke. Foto: as
Eigentlich hätten die Arbeiten an diesem ersten von insgesamt drei Bauabschnitten spätestens Ende März fortgesetzt werden sollen. Zwei Brückenbögen hätten (bis August) saniert, die Brüstung (bis Juni) erneuert und schließlich (Ende September) das neue Pflaster aufgebracht werden sollen. Im Oktober wollte man – dem offiziellen Zeitplan zufolge – fertig sein und mit dem Behelfssteg weiter ziehen, den nächsten Bauabschnitt verhüllen. Doch im Moment scheint es fraglich, ob in diesem Jahr überhaupt noch etwas passiert. Nach Pflasterstreit, (eben noch gut ausgegangener) Schilderwald-Debatte und eigentlich permanenten Kommunikationsproblemen mit dem Landesamt für Denkmalpflege ist es nun eine Firma, die nicht so spurt wie (nicht nur) die Stadt Regensburg das gerne hätte. Man habe den Auftrag zur Sanierung der Brückenbögen Mitte April an eine Fachfirma vergeben, heißt es auf Anfrage bei der Stadt. Diese habe „das wirtschaftlichste von sechs Angeboten für die Natursteininstandsetzung“ abgegeben. Unstimmigkeiten mit dem Landesamt für Denkmalpflege über Auftragsvergabe hatten für eine einmonatige Verzögerung gesorgt. Ein entsprechender Nachprüfungsantrag im Stadtrat allerdings ergab keine Anhaltspunkte für Unregelmäßigkeiten und wurde zurück gezogen. Doch nun ist es wiederum diese „bekannte und anerkannte fachkundige Firma“, die zwar die Ausschreibung gewonnen und den Auftrag an Land gezogen hat, nun aber nicht anfangen will, zu arbeiten. Der Baubeginn scheint Verhandlungssache zu sein. „Aus Kapazitätsgründen“ möchte man dort „mit den Bauarbeiten erst später beginnen“. Und was „später“ heißt, weiß man offenbar noch nicht so genau. Man führe nach wie vor Gespräche mit den „Verantwortlichen“ über einen „möglichst zeitnahen Baubeginn“, so die Auskunft der Pressestelle. Wann das sein wird? Es ist nicht angeraten, darüber all zu offenisiv zu spekulieren. Die Steinerne Brücke ist nun mal ein Ort voller Missverständnisse.
Die Steinerne Brücke in Regensburg: Ein Ort voller Geheimnisse. Foto: as

Raschelndes Kleid auf nacktem Beton

Wenn schon ökonomische Abhängigkeiten, so die Logik von La Traviata, dann doch bitte mild gedämpft durch rauschende Partys der Pariser Elite und ordentlich viel zu trinken. Der Preis, der dafür zu zahlen ist, ist selbstverständlich alles andere als gering. Die ungleichmäßige Verteilung von Geld und Macht und die damit verbundenen Freiheiten und Abhängigkeiten sind dann auch zentrale bildliche Motive der von Arila Siegert inszenierten Oper, die am Theater Regensburg noch bis zum 21. Juli zu sehen ist.

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