Colosseum: Wann tut sich was?

„Wir arbeiten weiter daran“, sagt Klemens Unger nur. Der Kulturreferent ist von der öffentlichen Diskussion um eine Gedenktafel am ehemaligen KZ-Außenlager Colosseum etwas genervt. Das Ganze zieht sich ja schon eine Weile hin. Genauer gesagt: rund 25 Jahre. Der aktuelle Anlass: Vom Juli 2008 datiert ein Antrag der Grünen im Kulturausschuss, der (erneut) eine Gedenktafel an dem Gebäude in Stadtamhof fordert. Nach einigem Hin und Her wurde seinerzeit das Kulturreferat beauftragt, mit dem Eigentümer des Colosseum Kontakt aufzunehmen und entsprechende Möglichkeiten auszuloten. Die Mitglieder des Kulturausschusses waren zu diesem Zeitpunkt nicht einmal korrekt über die Eigentumsverhältnisse informiert. Ebenso wenig Klemens Unger. Er sprach von einer Eigentümergemeinschaft. Ein Blick unserer Redaktion ins Grundbuch ergab dagegen: Eigentümer ist Michael Durach, CSU-Stadtrat in Unterhaching und Mitinhaber des Senfherstellers Develey. Davon wusste man im Kulturreferat nichts, ebenso wenig vom „internen Schriftverkehr“ mit der „zuständigen Stelle“ und davon, dass das Thema für den – in der Stadtverwaltung unbekannten Eigentümer – „erledigt“ sei (Mehr darüber: Colosseum – Im Tal der Ahnungslosen). Immerhin konnte Klemens Unger dem Stadtrat im November mitteilen, dass Durach zwar „eine würdige Form des Gedenkens“ unterstütze, allerdings nicht an seinem Gebäude. Durach fürchtet „randalierende Gruppen“. Nach einem offenen Brief von Luise Gutmann, Kreisvorsitzende der VVN (Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes), nahm sich schließlich – Ende Januar – auch die hiesige Tageszeitung des Themas an und berichtete über die Haltung des Eigentümers in Sachen Gedenktafel. Nun fühlt sich Michael Durach, wie er der Tageszeitung mitteilte, „missverstanden“. Eine Tafel am Colosseum lehnt er allerdings weiter ab. Neonazis könnten das Gebäude beschädigen. Da scheint es offenbar besser, bereits im Vorfeld zurückzuweichen. Etwas versteckt: Die Gedenkstele für das ehemalige KZ-Außenlager Colosseum. Foto: ArchivAn einer Versetzung der – seit einigen Jahren – versteckt aufgestellten Gedenkstele will sich der Senffabrikant dagegen beteiligen. Wo die stehen wird, darüber läuft nun die Diskussion. Durach selbst hat den Kopf der Steinernen Brücke vorgeschlagen. Stadträtin Kerstin Radler (Freie Wähler) fordert einen Standort unmittelbar vor dem Gebäude – auf öffentlichem Grund. Jürgen Huber (Grüne) moniert, dass der Oberbürgermeister in seiner Rede zum Holocaustgedenktag von „Zivilcourage“ und Nichtzurückweichen geredet habe, im Alltag aber vor den wirtschaftlichen Interessen eines Parteifreundes, CSU-Stadtrat Durach, zurückweiche. Und das Kulturreferat? Das wird, so war im Kulturausschuss zu hören, „dran bleiben“. Was immer das auch heißt.

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