Subkultur weggentrifiziert

Das L.E.D.E.R.E.R. muss schließen!

Mit hunderten Veranstaltungen – Konzerten, Lesungen, Vorträgen, Vernissagen und Podiumsdiskussionen, als Treff für Gruppen von Attac bis zur FAU, dem gemeinsamen Kochen bei der „Küche für alle“ ist der soziokulturelle Verein LEDERER in den letzten acht Jahren eine Institution für Regensburger Subkultur geworden. Ende April muss der Verein seine anbgestammten Räume verlassen. Wir veröffentlichen das Statement, das der Verein auf seiner Seite veröffentlicht hat. (Disclaimer: Herausgeber Stefan Aigner ist Gründungsmitglied des Vereins.)

Liebe Freunde, Bekannte, Bands, Interessierte, Förderer, Künstler, Autoren, Gäste und und und… Nach knapp neun Jahren muss das LEDERER die Räume in der Lederergasse verlassen. Ende April ist Schluss! Jetzt feiern wir noch ein paar Aufwertungswochen! Schließlich kann das Wohnen in der Lederergasse nun endlich richtig teuer werden!

Vertrösten, Hinhalten, Zusagen, Absagen…

In den vergangenen beiden Jahren wurden die Wohnungen in dem Gebäude nach und nach luxussaniert. Da scheint ein soziokultureller Verein jetzt bei dem Ansinnen, Höchstmieten zu erzielen, zu stören.  Sobald wir weg sind kann Lederergasse reibungslos „aufgewertet“ und totgentrifiziert werden. Unser Verpächter Hans-Peter Schleicher hat uns monatelang, hingehalten, vertröstet, widersprüchliche Botschaften gesandt, dann erklärt dass es nur noch ein Nutzungskonzept brauche und wir dann einen neuen Vertrag bekommen würden.  Diese Botschaft gab er auch Oberbürgermeister Joachim Wolbergs, der sich dankenswerterweise für uns eingesetzt hatte. Leider erfolglos!

Kanal noch nicht voll!

Nachdem wir unser Konzept vorgelegt hatten, wurde uns am 17. Dezember per E-Mail mitgeteilt, dass wir die Räume Ende April verlassen müssen. Das hätten Gespräche von Herrn Schleicher und dem Miteigentümer des Gebäudes – MZ-Herausgeber Peter Esser – ergeben. Bis Ende April wird es nun noch eine Reihe von Veranstaltungen im LEDERER geben. Schließlich muss diese Aufwertung des Quartiers gebührend gefeiert werden (Ideen auch an: vorstand@lederer-ev.de). Schaut noch vorbei und feiert mit! Wir sind optimistisch, dass sich dann ein Mitgliederstamm finden wird, um mit dem LEDERER an anderer Stelle weiterzumachen. Was soll man groß jammern – gegen Gentrifizierung in der Regensburger Innenstadt ist anscheinend kein Kraut gewachsen. Noch viel Spaß beim Geld verdienen und Stadt kaputt machen!

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Kommentare (15)

  • Sub Kulturboy

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    Wer von Euch hat eigentlich geglaubt, dass es nicht so endet? Schleicher, Esser und Wolbergs interessieren sich 0 für unsere Unter-Kultur.

  • Peter Williger

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    @Sub Kulturboy: Wie passt Ihr Beißreflex mit der obigen Aussage:
    „Diese Botschaft gab er auch Oberbürgermeister Joachim Wolbergs, der sich dankenswerterweise für uns eingesetzt hatte. Leider erfolglos!“ zusammen?

    Anscheinend hat sich der OB durchaus für den Erhalt eingesetzt, wenn auch nicht mit einer Finanzspritze oder einer Mietübernahme oder einem anderen Almosen, den man dann einem L.E.D.E.R.E.R an anderer Stelle verübeln würde.
    Nein. Wir Regensburger sind – wie in jeder anderen Stadt auch! – aufgefordert, den Stadtraum für uns zu erobern. Subkultur – wie auch immer sie sich präsentiert – ist eine Art Pionierpflanze, die oftmals im Mainstream ankommt oder in Vergessenheit gerät.
    Gegen den Geldhaufen hilft nur Kreativität und Improvisation. Das Jammern um den fehlenden städtischen Mutterrock hilft niemanden. Maximal den Apothekern, ihren Umsatz an Antidepressiva und den Gastronomen den Alkoholgehalt in die Höhe zu schrauben.

  • Radlertölpel

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    Impressionen von der Gruppenausstellung „Bèaüfvré“ des fuüiuf. 2013 im LEDERER, wo sonst hätten wir so bedenkenlos unsere neuersten bildenden Kunstwerke zeigen, so hart an der Schamgrenze arbeiten und dabei auch noch über Monumentalbildhauerei in Skopje referieren können? Alle anderen hätten verstanden worum es uns ging und uns sofort disqualifiziert. http://jakob-friedl.de/?p=3638

  • Bernd Lauert

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    Schade, einfach nur schade!

    Bald ist die ganze Innenstadt kulturlos bzw es gibt höchstens Schicki-Kneipen mit dem Charme einer Zahnarztpraxis wie dem Lola.
    Regensburg verkommt zu einem Plastik-Disneyland nur für Touristen und Zugezogene.
    Ich könnte mir aber auch vorstellen das die Anwohner der Lederergasse Druck gemacht haben da es im Lederer bzw. vor der Tür nicht immer leise zuging.
    Auch wollte man wohl keine bunthaarigen Menschen sich dort aufhalten sehen…

  • Taxifahrer

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    „Gentrifizierung“ ist auch so ein Modewort, wenn irgendein Verein andere Räumlichkeiten benötigt.

  • da_Moartl

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    @Taxifahrer: Lies einfach mal nach, was Gentrifizierung wirklich bedeutet (Wikipedia reicht ja schon), dann kommt auch kein solches Gesabbere dabei raus. Nein, nach der Innenstadt ist jetzt tatsächlich das Westenviertel dran. Wer über ein paar Jahre beobachtet hat, wer da so alles „ausgezogen“ ist oder wurde, und in welchem Umfang da die Häuser „schön“ wurden, der weiß, was das für die Mietpreise bedeutet, und wer sich die dann NICHT mehr wird leisten können. Und nur Geduld, in ein paar Jahren wird das Ostenviertel dran sein. Ich wünsche dem L.E.D.E.R.E.R, dass es ein neues geeignetes Domizil findet, damit dieses „subversive“ Podium der Stadt erhalten bleibt. Ich werde demnächst mal wegen eines Mitgliedsantrages vorbeischauen ;-)

  • Anlieger

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    Für mich als Anlieger eine mehr als erfreuliche Nachricht! Brauche derartige „Vereine“ und ihr sonderbares Publikum gewiss nicht in meiner unmittelbaren Umgebung. Unser Viertel gewinnt durch den Wegzug. Eine gelungene Entscheidung der Hauseigentümer!

  • wahon

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    @ Anlieger

    Gerade wegen so „sonderbarer“ Anlieger, wie Sie einer sind, ist das L.E.D.E.R.E.R. so wichtig im Westenviertel. Und was „unser Viertel“ ist, bestimmen nicht Sie allein.

  • Anlieger

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    @Wahon:

    Wichtig ist für mich, das der Verein raus muss. Und zwar hoffentlich ans andere Ende der Stadt! – Und im Übrigen: Wer seit Geburt und damit fast 4 Jahrzehnte in diesem Viertel wohnt, hat in meinen Augen schon das Recht von „seinem“ Viertel zu sprechen. Früher ist es auch gut gegangen ohne diesen Verein.

  • Mr. T

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    Boah, noch nicht mal 40 und schon so spießig!
    Kann man nicht mal ein Altstadtviertel für die Subkultur, Kneipen, Bühnen, Freisitze ohne Sperrzeit und die Leute, die gerne in so einem Viertel wohnen, widmen? Für die anderen kann man dann ja gerne Altstadtviertel vorhalten, in denen die Gastronomie sofort den Schlüssel umdreht, nachdem der jeweilige Gast, der das Altstadtflair genossen hat, nach Hause gegangen ist. Könnte sich zwar bei verschiedenen Gästen etwas beißen, aber nen Versuch ists wert.

  • Karl-Helmut

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    Solche Vereine werden wohl immer weiter raus müssen, verabschiedet euch von der Altstadt, die wird über kurz oder lang nur noch dufte sein. Aber welches Viertel kann
    man in Regensburg noch okkupieren.
    Westen zu teuer bliebe der Süden, Osten oder Norden da kriegt man aber für gar nichts Genehmigungen, und der Regensburger bewegt sich nicht so gerne, also wird die
    freie nicht gewinnorientierte Subkultur in dieser Stadt über kurz oder lang verschwinden.
    Dann werden alle wieder jammern und die nächste Cocktail und Hamburger Bude macht auf.Jetzt kommen dann bald die Münchner Ketten, am Kohlenmarkt hat es begonnen,
    und alle rennen hin wie die Blöden, die Bude ist Mittags für Abends schon komplett durch reserviert.
    Was meint Ihr wenn die erst mal Blut lecken, die lernen dann der hiesigen Gastro Szene das fürchten, weil die noch mehr Pulver haben.
    Wenn man das nur dem Markt überlässt, wird genau das passieren.
    Das kann nicht im Interesse einer Stadtplanung sein, sonst wird ja auch jeder Furz geregelt und in Verordnungen gegossen.
    Macht euch darüber mal Gedanken

  • Jens Meisels

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    Der Lederer ist gegenüber den Bewohnern des Hauses und gegenüber den Nachbarn immer sehr asozial aufgetreten und hat oft auch an Wochentagen bis 4 Uhr Nachts sehr laut gefeiert. Rücksicht hat man keine genommen. Oft wurde sogar direkt im Hausflur des Wohnhauses gefeiert bzw. dieser sogar als „Raucherbereich“ ausgewiesen! Die Hauseigentümer haben das Viertel jetzt aufgewertet und sind als Helden zu feiern! Da Wohnraum die sozialste aller Nutzungsarten ist, gilt die Aufwertung nicht nur in finanzieller sondern auch in sozialer Hinsicht!

  • Trutz Ratemahl

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    @Jens Meisels
    Sie haben ja so recht. Wie sagte doch OB Wollbergs anlässlich beim
    Empfang ausländischer Studentinnen und Studenten 4.11.14

    ..rufen Sie sich bitte meine Worte ins Gedächtnis: Regensburg, ihre NEUE Heimat, bietet Ihnen unzählige Möglichkeiten Wehmut oder auch Heimweh zu vergessen…
    Ich lade Sie hiermit ein, Ihre neue Heimat ganz bewusst zu erleben und am gesellschaftlichen und kulturellen Leben teilzunehmen….

  • Jens Meisels

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    Die Räume des Lederers können sicherlich zu Wohnraum umgenutzt werden, was dann wieder Platz für mehr ausländische Studenteninnen schafft, die alle am gesellschaftlichen und kulturellen Leben teilhaben können.

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