Das viele schöne Geld

Helle Aufregung herrscht im Stadtrat. Der SSV Jahn hat der Stadt aber auch eine saubere Rechnung beschert. Am Dienstag Nachmittag wird der Sportausschuss 275.000 Euro bewilligen, um die – vom DFB geforderten – sicherheitstechnischen Umbauten im Jahn-Stadion zu finanzieren. Werden die nicht gemacht, gibt’s keine Lizenz für die Dritte Liga. Und das will keiner. Insgesamt werden wohl 425.000 Euro fällig werden. Da regt man sich im Stadtrat jetzt maßlos darüber auf, dass der böse, böse SSV die Stadt nicht rechtzeitig darüber informiert hat. Dann hätte man Einspruch einlegen können. Erfolg ungewiss. Die Auflagen des DFB sind ja auch ein Staatsgeheimnis, echt wahr. Die muss man sich als Stadtrat oder Sportbürgermeister glatt im Internet suchen. Oder sogar beim DFB nachfragen. Es ist auch wirklich zuviel verlangt, sich über solche geheimen Sachverhalte zu informieren. Muss man das heutzutage als Kommunalpolitiker, nur weil der Stadt das Stadion gehört? Nur weil man ständig bekundet, wie wichtig der SSV Jahn ist, seit Jahren über ein neues Stadion dampfplaudert und sich noch im März mit Plakaten („Wir kämpfen gemeinsam“, meinten CSU-Schaidinger und SSV-Binder seinerzeit.) im Wahlkampf bei den Jahn-Fans anbiedert, um ein paar Stimmen abzugreifen? Was muss der Jahn auch den Sprung in die Dritte Liga schaffen. Und dieser Jahn-Präsi Nerb es dann auch noch schaffen, das Geld für die Lizenz zusammen zu bekommen. Damit hat doch keiner rechnen können, Kruzifix! Das viele schöne Geld! Das hätte man sich so fein sparen können – für „Jetzt oder Nie“-Stadthallen-Kampagnen, feine Donaumarkt-Architekten-Wettbewerbe und überteuerte Grundstückskäufe. Böser, böser SSV. Dafür gibt es die nächsten zwölf Jahre wahrscheinlich wieder kein Stadion. Strafe muss schließlich sein. Aber: Vielleicht holt sich die Stadt das Geld ja wieder rein. Zum Beispiel, indem sie die Eisbären mal Hallenmiete in der Donauarena zahlen lässt. Diese Miete konnte sich die professionell in die Pleite geführte Eishockey-GmbH ja auch jahrelang sparen. Auf Kosten der Stadt. Genauer gesagt der Regensburger Bäderbetriebe, die wegen ihres hohen Defizits im vergangenen Jahr die Preise für Kinder über ein Meter erhöht haben. Darüber hätte es sich auch mal gelohnt sich aufzuregen. (Ent)spannende Lektüre!

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Kommentare (7)

  • Joachim Datko

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    „Diese Miete konnte sich die professionell in die Pleite geführte Eishockey-GmbH ja auch jahrelang sparen. Auf Kosten der Stadt. Genauer gesagt der Regensburger Bäderbetriebe,“

    Auch das geht wohl in den Erdgaspreis mit ein. Da wird so mancher Euro von mir dabei sein. Die „Bäderbetriebe“ sind zu ungefähr 2/3 Eigentümer der Rewag.
    siehe: http://www.rewag.de/innen.php?id=56
    Erdgas ist überteuert!

    Dem Jahn würde ich den öffentlichen Geldhahn abdrehen, wenn ich könnte.

  • Mike a.R.

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    Das die Stadt für 280.000 Euro die Räume der Touristeninformation im Alten Rathaus umbauen möchte oder das man für den Ausbau des Baseballstadions das Dreifache investieren will, weil ein Tournierspiel mit einer Nationalmannschaft dort ausgetragen wird, finde ich da schon um länger verschwenderischer ausgegeben von der Stadtverwaltung.

    Attraktiver Fussball in der Stadt – und der beginnt mit Liga Drei – bringt viele Gäste aus ganz Deutschland in die Stadt, und davon profitiert die Stadt und vor allem die Gastronomie der Stadt.
    Da rentiert sich dann sogar auch ein Umbau der Touristeninformation der Stadt, wenn auch eine Ausgabe von 280.000 Euro hierfür mir nicht erklärlich ist.

    Wer fest glaubt, dass der Jahn ja eh nicht den Aufstieg schafft, oder falls doch, dann eh nicht die Lizenz bekommt, der braucht sich dann auch nicht zu wundern, wenn man dann vor vollendeten Tatsachen steht.
    …wenn auch abgesehen davon, der DFB schon sehr dominant/unverschämt mit seinen Forderungen ist.

  • Matthias Beth

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    Die Information, dass die Eisbären GmbH keine Hallenmiete zahlen mußte ist interessant, den damit wurden die Kosten, die angefallen sind, auf jeden Regensburger Bürger der Kunde der REWAG ist auf den Strom- und dem Erdgaspreis verlagert!

  • Stefano

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    Der SSV Jahn ist ein Aushängeschild unserer Stadt und bekannter als die Domspatzen. In anderen Städten werden auch Steuergelder für die Stadien ausgegeben, oder hat etwa der FC Bayern alles rund um die Allianzarena (z.B. Infrastruktur) selber bezahlt?
    Der Zustand des Jahnstadions ist seit langem bekannt. Immer wieder wurde Geld in die Anlage gesteckt, immer wieder wurde betont, daß sie nicht mehr DFB-tauglich ist und daß die Auflagen nur in einem neuen Stadion erfüllt werden können. Letztendlich hat man für den Spielbetrieb unter Einhaltung der Mindestvoraussetzungen eine einjährige Ausnahmegenehmigung bekommen. Für die Saison 2009/2010 wird die Stadt wieder Geld in die Hand nehmen müssen, sollte nicht unverzüglich mit dem Bau des neuen Stadions begonnen werden.
    Es könnte aber auch sein, daß der DFB dem Jahn die Lizenz nur wegen der mangelhaften Spielstätte verweigert. Das wäre eine Blamage und eine Negativwerbung für Regensburg!! Und die Verantwortlichen sitzen im Rathaus.

  • Rudolf Knie

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    Es geht doch nicht um die Finanzierung, sondern es ist eine große Unverschämtheit solche wichtigen Briefe dem Eigentümer nicht weiter zu leiten.
    Da müssen doch endlich Köpfe rollen, die
    verantwortlich für solche gravierenden Mißstände sind.

  • Flo

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    Ein Aushängeschild der Stadt Regensburg dürfte wohl der Titel „Weltkulturerbe“ sein. Die Domspatzen haben in der Tat gewisse Popularität,noch bekannter: Der Papst. Ob der SV Jahn zu Regensburg – zu dessen Spielen,wie viele Besucher eigendlich im Schnitt kommen? – da in der gleichen Bekanntheitsliga mispielt, ist bestimmt eine sehr berechtigte Frage. Die Arroganz, mit der Jahnpräsident Nerb zu der Thematik im übrigen Stellung nimmt (siehe: http://www.tvaktuell.com/default.aspx?ID=846&showNews=245502&showSearch=361)
    ist schon erstklassig. Auch in einer 3ten Liga wird es Geld für Übertragungsrechte geben, die der Jahn dan schön einkassiert und die Regensburger Bürger dürfen dafür 425.000 EUR löhnen, mit denen sich diverseste Vereine über Jahre finanzieren könnten. (Nicht nur Sportvereine sondern auch kulturelle und soziale!)Nerb macht sich dann auch noch lustig darüber, die Stadt könne den Verein ja mit Steuergeldern finanzieren… Einfalt statt Vielfalt, Profiliga statt Breitensportförderung, mal wieder typisch.

  • Rudolf Schmitzer

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    Sehr geehrter H. Aigner,

    sehr interessanter Artikel. Sind Sie sicher, dass die Eishockey bzw. Eisbären GmbH die Donauarena kostenfrei zur Verfügung gestellt bekommen hat? Wenn dem so ist, dann hätte jeder andere Gesellschaft, welche in Regensburg Ihren Sitz hat, die Donauarena ebenfalls kostenfrei, z. B. für die Präsentation von Produkten und Dienstleistungen, eventuell für Betriebsfeier zur Verfügung gestellt zu bekommen! Wo kann man seinen Bedarf anmelden?

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