Candis Bergfest

Der Turmbau zu Regensburg – Schmack feiert Schmacks Visionen

Das Candis Bergfest der Immobilienfirma Schmack zur Entwicklung eines neuen Stadtviertels im Bereich des Gleisdreiecks im Osten Regensburgs fand vergangenen Samstag zum zweiten Mal statt. Mit allerlei Einfällen und Attraktionen versuchte man der Stadt und der Stadtgesellschaft das aktuell ambitionierteste Bauprojekt Regensburgs schmackhaft zu machen. Besonderes Augenmerk galt dabei einem Turmbau mit Panoramablick.

"Kunst im Rahmen" auf dem Candis Bergfest. Foto: om

„Kunst im Rahmen“ auf dem Candis Bergfest. Foto: om

Es ist eine unwirtliche Brache, die sich im Osten Regensburgs, im Bereich des ehemaligen Geländes der Südzucker AG erstreckt. Ein künstlich aus Schutt und Erdreich aufgeschütteter Hügel türmt sich inmitten des Gleisdreiecks auf. Rundherum befinden sich Gleise, Schrottreste, Schotter, ein paar Büsche und allerlei Überbleibsel aus ehemals langjähriger industrieller Nutzung.

Hier soll, geht es nach dem Immobilienunternehmen Ferdinand Schmack jun. GmbH, in den kommenden Jahren ein neues Stadtviertel entstehen. Mit den Bauprojekten „Candis I“ und dem sich gerade im Bau befindenden „Candis II“ an der Straubinger Straße, wurden und werden erste und architektonisch doch eher eintönige Schritte zu einer weitreichenden Quartiersentwicklung bereits gegangen.

Ein neues Stadtviertel mit künstlichem Berg und Aussichtsturm?

Der große Wurf mit Vervollständigung des Viertels und seiner Einbettung in ein zusammenhängendes Stadtbild soll durch die Bebauung der Innenfläche des Gleisdreiecks im Rahmen des Projekts „Candis-Dreibrücken“ und der Errichtung eines mit Reihenhäusern flankierten Erlebnisgartens „Ostiense“ geschehen. So zumindest stellt es sich die Firma Schmack vor, eine Baugenehmigung seitens der Stadt Regensburg gibt es hierfür allerdings noch nicht.

Und das obwohl das Bauvorhaben gemeinsam mit OB Joachim Wolbergs bereits vor über zwei Jahren vorgestellt wurde. Damals schien Wolbergs noch begeistert von „Candis-Dreibrücken“. Mittlerweile hält er sich hierzu auffallend zurück. Die Stadtverwaltung allerdings scheint dem Projekt ingesamt eher skeptisch gegenüberzustehen. Besonders dürfte das für den geplanten Aussichtsturm gelten.

Die Planungen sehen nämlich neben der Gestaltung von Wohn- und Gewerbeflächen auch die Versetzung des jetzigen „Candis-Berges“ in Richtung Süden, seine Erhöhung (um etwa das Doppelte) auf 25 Meter und die Errichtung eines Aussichtsturms vor, der einen Panoramablick auf die Stadt Regensburg ermöglichen soll.

Der Plan zur Gestaltung des Gleisdreiecks und umliegender Gebiete. Foto: Schmack GmbH

Der Plan zur Gestaltung des Gleisdreiecks und umliegender Gebiete. Foto: Schmack GmbH

Schmacks Visionen von einem „großartigen Ort“

Vergangenen Samstag fand nun zum zweiten Mal ein von Schmack veranstaltetes Bergfest statt. Im Vordergrund stand dabei die Vermittlung der schmackschen „Vision“, dass „dies ein schöner und großartiger Ort sei“, der als Gelenk Stadtteile zusammenführen und das Hohe Kreuz aus seiner isolierten Insellage befreien werde, so Martin Schmack bei einer kurzen, aber pathetisch-engagierten Ansprache, bei der er im Übrigen mit keiner einzigen Silbe auf die Ermittlungen der Staatsanwaltschaft im Zuge der Spendenpraxis an OB Wolbergs einging. Überhaupt scheint die Schmack GmbH von den Ermittlungen bisher ziemlich unbeeindruckt.

Das Bergfest solle laut Schmack den Beweis antreten, dass es sich um einen lebenswerten Ort handle. Zu Beginn der Ansprache bat Schmack die Anwesenden für zehn Sekunden zu schweigen, um sich davon zu überzeugen wie geräuscharm es entgegen den Behauptungen der Stadt Regensburg auf dem Gelände sei. „Menschen in 83% der Wohnungen in Regensburg leben mit mehr Lärm als hier“, fasste Schmack eigene in Auftrag gegebene Untersuchungen zur Lärmbelastung zusammen. Das Stadtviertel solle überdies mit dem Aussichtsturm ein Wahrzeichen und damit eine eigene Identität bekommen.

Martin Schmack bei seiner Ansprache. Foto: om

Martin Schmack bei seiner Ansprache. Foto: om

Vielseitiges Programm beim Promotionsfest

Um besagten Beweis tatsächlich anzutreten, hat sich die Firma Schmack einiges einfallen lassen und die Brache zumindest für einen Tag in einen lebendigen Ort verwandelt. So wurde die Anhöhe stellenweise provisorisch begrünt, mit Hebebühnen versehen, um die spätere Aussichtshöhe zu simulieren und mit dem Kunstprojekt „Kunst im Rahmen“ und Arbeiten der Ferienbaustelle Dreibrücken des Vereins Regensburger Eltern dekoriert. Daneben fanden Konzerte, Lesungen, allerlei Kinderbespaßungen, Führungen und Vorführungen und abends eine Feuershow statt.

Bei sonnigstem Wetter und gedeihlicher Atmosphäre geriet das Bergfest zu einer Promotionsveranstaltung wie aus dem Bilderbuch und dürfte zur Besänftigung der Nachbarschaft und der Skeptiker durchaus etwas beigetragen haben. Die Strategie der Schmacks ist hierbei so nachvollziehbar wie offensichtlich: Die Stadtgesellschaft soll davon überzeugt werden, dass es sich bei „Candis-Dreibrücken“ um weit mehr handelt als um eine städtebauliche Goldgrube für die Firma selbst.

Bekommt Regensburg seinen babylonischen Turm?

Stadträtinnen wie u.a. Bernadette Dechant (CSU) und Margit Wild (SPD) sowie Bürgermeisterin Gertrud Maltz-Schwarzfischer (SPD) zeigten sich neben einigen weiteren Bürgern durch den Besuch beim Fest zumindest interessiert an dem ambitionierten Projekt. Ob die Stadtverwaltung den Visionen Schmacks letztlich jedoch etwas abgewinnen kann, darf nach wie vor bezweifelt werden, sprechen die Entscheidungsträger und die Beteiligten bisweilen unterschiedliche Sprachen.

Ob es Fatalismus oder Selbstironie Schmacks ist besonders mit dem „Wahrzeichen Aussichtsturm“ als gewichtigem Argument für die Realisierung des Projekts gegenüber der Stadtgesellschaft und damit auch der Stadtverwaltung ins Feld zu ziehen? Die Ankündigung jedenfalls, dass es auch nächstes Jahr ein Bergfest geben wird, lässt darauf deuten, dass bis zum Turmbau noch einige Zeit ins Land ziehen dürfte.

Ein provisorischer Turm aus Holz steht zumindest schon. Foto: om

Ein provisorischer Turm aus Holz steht zumindest schon. Foto: om

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Kommentare (13)

  • beobachter

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    bei Bergfesten ist zu bedenken, von nun an geht´s bergab

  • Lothgaßler

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    Irgendwohin muss der Aushub ja, warum nicht einen Hügel aufschütten? Mit etwas Pech kann das Erdreich nicht einfach auf den nächsten Äckern im Landkreis entsorgt werden. Stören dürfte der Aussichtsturm die Anwohner, denn wer will schon Schaulustige mit Blick ins eigene Immoglück auf einem nahen Hügel stehen sehen?
    Wahrscheinlich wird Schmack vollkommen falsch verstanden. Der Hügel ist sicherer Zufluchtsort im Falle des Jahrtausendhochwassers.

  • joey

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    ich wüßte nicht, was gegen einen schönen Aussichtsturm spricht. Ein Präzedenzfall, mit dem man letztendlich ein Hochhaus durchdrücken will? Man könnte fragen: gibt es nicht schon Hochhäuser in R… wie schön waren denn die Zuckersilos?

    Wie werden diese weißen Kisten in 20 Jahren aussehen, wenn sie nicht mehr trendig sind, die weiße Farbe rußig ist und die bioziden WDVS Putze nachlassen… kommt dann ein Satteldach drauf und Holzbalkon davor, der neue Landhausstil…

    Die Margaretenau ist natürlich kein Muster für alle Zeiten, aber sie hält sich im Wandel dieser Zeiten ganz gut. Konservative Architektur in einem teutschen Style, aber technisch ganz vernünftig auf die hiesigen Klima- und Umweltbedingungen eingerichtet.

  • gustav gans

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    babylonischer Turm?
    In unserem Dorf hatte ich schon länger den Verdacht das ein ‚confusio linguarum‘ zwischen Bürgern und dem elitären Persönlichkeiten ausgebrochen ist.

  • Matthias B.

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    @gustav gans
    … zumal wenn M. Schmack seine verschwurbelten lyrischen Ergüsse absondert. Generell, die Investoren- und Immobilienmogul-Poesie ist entlavend. Und unerträglich. Wobei auch das Stadtplanungsamt hier „preisverdächtige“ Dichtungen hervorgebracht hat.

  • Lenzerl

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    Also jetzt mal ganz abgesehen von der Marketing-Veranstaltung Schmack. Das was da für einen Tag investiert wurde, an künstlerischer Gestaltung und mit der Förderung der Ferienbaustelle der Regensburger Eltern war eine feine Sache, die man nicht durchweg schlecht reden darf. Schmack war hier ein echter Mäzen und was die 23 Kinder (meine auch!) hier innerhalb von vier Tagen geschaffen haben, war echt eine Show! Allerdings zeigt auch die Besucherzahl (mittags gegen 14:00 nur 50 Leute – ob abends mehr los war, weiß ich nicht), dass die Regensburger es schon einschätzen können, was hier für Interessen am Werk sind. Trotzdem war es ein schönes Event, das irre Geld gekostet hat.

  • Helmine

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    Darf man auch erfahren, warum die Verwaltung gegen einen Aussichtsturm ist?

  • A.O.

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    Wenn die Anwohner neben dem Jakobi Gelände alle wegen Feinstaub tot sind,
    können sie den Turm ja mit den Leichen anhäufen !

    Wolli sagte im TVA , man müsse eine Klage abwarten …..
    Das ist falsch, weil es muss erstmal abgewartet werden ob Wolli
    noch OB sein darf die nächsten Jahre.

    Jakobi = Steuerverschwendung und fahrlässige Gesundheistgefährdung !

    Eine Frechheit was die Stadt sich hier leistet !

  • A.O.

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    PS.
    Nachtrag:

    Wollis Ausage im TVA ist insofern falsch,weil die Nachbarhäuser sich auf eine schönere Lösung eingelassen hätten.
    Sie wollen ja selbst ,dass dieser Zustand von „Parkplatz “ endlich ein Ende hat.

    (Hier ist zu bemerken ,dass die Verordnung der Stadt ja bereits staubfreie öffentliche Plätze vorschreibt !!!!! )

    Die Stadt hat aber niemals vernünftige Lösungen gebracht !

    Die Stadt schafft es immer wieder sich selbst zu blockieren und unnötig Steuern zu verschwenden.

    Grund: Sturheit und fehlende Kompetenzen in den Planungsämtern.

  • Hoher kreuzler

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    Hallo,

    Bin amwohner am hohen kreuz. Ich begrüße den berg sehr. Die fläche muss und sollte ja eh begrünt werden. Die viertel auch verbunden.
    Die alternative berg ist dabei doch die wesentlich attraktivere lösung, als eine flache fläche.
    Ich geniese jetzt schon ab und an den blick aus halber höher (bisherige höhe) und ohne turm.
    Hoffentlich wird das etwas und geht bald voran.

  • doro

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    Ein Schelm, der das Wort „Korruption“ in den Mund nimmt.
    Hierzu schreibt der Spiegel: „Die Goldgrube liegt im östlichen Bayern, in der Oberpfalz, wo der Dialekt für Besucher oft schwer verständlich ist. Das stört hier kaum jemanden, denn in Regensburg bleibt man gern unter sich. Vielleicht haben deshalb alle anderen noch nicht gemerkt, wie viel in der Stadt zu holen ist.
    Bauland in Bestlage, reiche Auftraggeber und solvente Mieter, Bauaufträge für
    viele Millionen Euro. Die blaue Donau nimmt hier zwei andere Flüsse auf, das
    Zentrum darf sich Unesco-Welterbe nennen, Konzerne wie BMW und Infineon garantieren Jobs und Gewerbesteuereinnahmen.
    Da können es sich vermögende Gönner auch leisten, den einst so stolzen und
    dann etwas glücklosen SSV Jahn am Leben zu erhalten. Der Verein spielt nur in der
    dritten Liga, aber in einem großen Stadion, dank der Herren, die gern unter sich
    bleiben.
    In Regensburg machen seit Jahren drei große Bauträger (Schmack, Tretzel, IZ) aus der Region das Geschäft weitgehend unter sich aus. Sie bauen Wohnungen, Hotels, Büroräume, Läden, Kindergärten. Das war so, als die CSU fast 20 Jahre lang im Rathaus regierte, und das setzt sich fort, seitdem die SPD 2014 die Oberbürgermeisterwahl gewonnen hat.
    Viele wunderten sich darüber, nachgefragt hat niemand.“ aus dem Spiegel Nr.40

  • Rentnerin

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    an Doro:
    Danke für die Darstellung zur Erinnerung an uns Regensburger.
    Diesen Sumpf gab es also schon fast 20 Jahre unter der CSU.
    Die SPD regiert jetzt kaum 2 Jahre und hat zu tun, hier eine Linie reinzubringen, woran ich glaube.
    Wahrscheinlich wird die CSU bis zur nächsten Wahl alles unternehmen um der SPD das Leben besonders schwer zu machen.
    Deswegen müssen wir alles tun, um der SPD eine Chance zu geben.
    Wir Rentner sind sehr sehr gut vernetzt und tauschen uns 1000-fach über das Internet aus.
    Auch auf Ihre Stellungnahme werde ich hinweisen.

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