Niedrigster Stand seit zehn Jahren

Die Gewaltkriminalität sinkt

Premiere für den neuen Polizepräsidenten Gerold Mahlmeister (li. neben seinem Stellvertreter Michael Liegl): die Vorstellung des jährlichen Sicherheitsberichts. Foto: as

Premiere für den neuen Polizepräsidenten Gerold Mahlmeister (li. neben seinem Stellvertreter Michael Liegl): die Vorstellung des jährlichen Sicherheitsberichts. Foto: as

Erfreuliche Botschaft im Sicherheitsbericht des Polizeipräsidiums: Sowohl in der Oberpfalz wie auch in Regensburg liegt die Gewaltkriminalität im vergangenen Jahr auf dem niedrigsten Stand seit zehn Jahren.

„…und im Bereich der Betäubungsmittelkriminalität haben wir einen Anstieg um erfreuliche zehn Prozent.“ Ähm…Moment – bringt der stellvertretende Polizeipräsident Michael Liegl da nicht etwas durcheinander? Nein – keineswegs. Weil es sich bei Rauschgiftkriminalität um ein sogenanntes „Kontrolldelikt“ handelt, es also umso mehr Ermittlungserfolge gibt, je mehr kontrolliert wird, sei dieser Anstieg durchaus „so gewollt“, sagt Liegl bei der Vorstellung des polizeilichen Sicherheitsberichts 2014.

Über die Hälfte der Rauschgiftdelikte: Cannabis

Fast 51 Prozent der 1.596 Drogendelikte, die für das vergangene Jahr ausgewiesen werden, betreffen übrigens „Cannabisprodukte“. Ein Fall, der explizit vorgestellt wird, betrifft eine Ehepaar, das in seiner Wohnung eine kleine Plantage betrieb, um sich die Hochzeit zu finanzieren. 2,3 Kilogramm Marihuana stellten die Beamten sicher – die beiden wurden zu einer ein- bzw. zweijährigen Haftstrafe auf Bewährung verurteilt. Solche Fälle im „Kilobereich“ habe es zwar ein paar gegeben, aber zum größeren Teil seien es eher Klein- und Kleinstmengen, die sichergestellt werden, so Liegl auf Nachfrage. Insgesamt hat die Polizei in der Oberpfalz 2014 knapp 60 Kilo Marihuana sichergestellt, mehr als doppelt so viel als noch 2013. Metamphetamine – größtenteils Crystal Speed – rangieren in der Statistik mit 23,4 Prozent (rund sieben Kilogramm), wenn man so will, abgeschlagen auf Rang 2. Die übrigen Drogenfunde bewegen sich im Hundert-Gramm-Bereich. Man werde die Anstrengungen im Kampf gegen Drogenkriminalität „künftig noch intensivieren“, kündigt Liegl an. Hier gebe es – Stichwort Beschaffungskriminalität – einen direkten Zusammenhang zu Diebstahls- und Einbruchsdelikten. „Und jeder Betäubungsmittelkonsument, der eine Therapie macht oder in Haft sitzt, ist nicht in der Lage, solche Delikte zu begehen, um sich so seine Sucht zu finanzieren.“

Schwerpunkt Wohnungseinbrüche 

Die Wohnungseinbrüche sind es denn auch, die einen Großteil der knapp zweistündigen Pressekonferenz einnehmen. Diese sind mit oberpfalzweit 548 Fällen – davon etwas weniger als die Hälfte Versuche – zwar „kein Massenphänomen“, allerdings, das erklärt der 2015 neu ernannte Polizeipräsident Gerold Mahlmeister, hätten diese Delikte erhebliche Auswirkungen auf das Sicherheitsgefühl der Bevölkerung. Mit einem „ganzen Bündel repressiver als auch präventiver Maßnahmen“ werde man dagegen vorgehen. Insbesondere verstärkte Streifen durch Bereitschaftspolizisten in gefährdeten Gebieten gehören dazu. Mahlmeister rät auch dazu, den „kostenlosen Service“ der kriminalpolizeilichen Beratungsstelle in Anspruch zu nehmen und die eigene Wohnung unter die Lupe nehmen zu lassen. Er selbst habe dies getan und selbst bei ihm habe sich noch der eine oder andere Verbesserungsbedarf in punkto Sicherheit ergeben.

Gewalttäter werden weniger und sind oft besoffen

Etwas erstaunlich ist es, wie wenig Zeit Mahlmeister bei der Pressekonferenz einer durchaus erfreulichen Entwicklung widmet: Die Gewaltkriminalität – dazu zählen Mord, Totschlag, Vergewaltigung, Raub, gefährliche und schwere Körperverletzung – ist sowohl in der Oberpfalz, wie auch in Regensburg auf den niedrigsten Stand seit zehn Jahren gesunken. 1.292 Delikte wurden 2014 registriert. Dabei sei insbesondere die Gewaltkriminalität in Regensburg im Vergleich zum Vorjahr um fast 15 Prozent auf 376 Delikte zurückgegangen. Den Schwerpunkt der Gewalttaten in Regensburg bildet – wie üblich – die Innenstadt. 133 Fälle sind hier verzeichnet – ein Großteil davon – auch das kennt man schon – unter Alkoholeinfluss. Fast 40 Prozent der Gewalttäter in der Oberpfalz haben Alkohol im Blut.

Gewaltdelikt ist nicht gleich „Gewalt gegen Polizisten“

In diesem Zusammenhang erwähnt Mahlmeister auch das Phänomen der Gewalt gegen Polizeibeamte. Mit der „normalen“ Gewaltkriminalität dürfe man diese zwar nicht gleichsetzen – hierunter fallen bereits Delikten wie Beleidigung, allerdings waren 2014 rund 500 Polizisten davon betroffen. 10 seien leicht, einer schwer verletzt worden. Während diese Zahl seit Jahren auf „gleichbleibendem Niveau“ sei, so Mahlmeister, beobachte man mit Sorge, dass zunehmend auch andere Berufsgruppen – Notärzte, Feuerwehrleute oder Sanitäter – diesem Phänomen ausgesetzt seien. „Vor ein paar Jahren konnte man sich das in dieser Form gar nicht vorstellen“, so der Polizeipräsident. Auch hier stünden die Täter größtenteils unter Alkoholeinfluss.

„Politisch motivierten Kriminalität links“: Anstieg wegen Sitzblockade

Bei der „politisch motivierten Kriminalität“, die Polizeistatistik unterscheidet hierbei zwischen „links“, „rechts“ und „Ausländer“, habe es oberpfalzweit 268 Straftaten gegeben. Bei den 161 rechts motivierten Straftaten (plus 19,3 Prozent) listet die Statistik 38 Fälle mit fremdenfeindlichem bzw. antisemitischem Hintergrund.

Auf den ersten Blick auffällig ist der Anstieg der „politisch motivierten Kriminalität links“ um rund 31 Prozent auf 71 Delikte. Hintergrund dafür sei allerdings das Demonstrationsaufkommen im vergangenen Jahr, so Mahlmeister. Allein 49 dieser Delikte lassen sich etwa auf bei der Sitzblockade gegen die AfD im Mai 2014 in Regensburg zurückführen. Hier wurde gegen die 47 Personen wegen des Verdachts der Nötigung, gegen zwei wegen des Verdachts der Körperverletzung und Widerstands gegen Vollstreckungsbeamte Anzeige erstattet. Die staatsanwaltschaftlichen Ermittlungen bzw. Verfahren gegen die betroffenen Personen sind größtenteils noch nicht abgeschlossen.

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Kommentare (6)

  • erich

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    das wundert mich nicht das die Zahlen gut ausfallen, wenn die Verantwortlichen, die dem bayrischen Staatsgebilde Milliardenschäden in staatlichen Landesbanken verursacht haben nach dem Prinzig von „Par Ordre Du Mufti“ durch ihr selbst erschaffenes Frankenstein-Rechtssystem nie zu Verantwortung gezogen werden, dann erscheinen diese Vorgänge auch nicht in einer Statistik und der Weg ist frei, die Verursacher mit Posten, Auszeinungen und/oder einem Geldregen zu ahnden bzw. zu bestrafen.

  • IpsumDolor

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    „(…) es also umso mehr Ermittlungserfolge gibt, je mehr kontrolliert wird“
    „(…) sei dieser Anstieg durchaus „so gewollt“, sagt Liegl“

    Fast schon gelangt man zu der Ansicht, der Polizei sei in Bayern zu langweilig.

    Hören sie doch endlich auf ansonsten unbescholtene Kleinstkonsumenten „so gewollt“ auf Steuerkosten zu kriminalisieren!

    „(…) zum größeren Teil seien es eher Klein- und Kleinstmengen“
    „Man werde die Anstrengungen (…) „künftig noch intensivieren“ “

    Das macht natürlich Sinn, hauptsache die Statistik stimmt am Ende.

    Der Bundesvorsitzende d. Polizeigewerkschaft Rainer Wendt:

    „Es wäre besser, den Konsum geringer Mengen von Cannabis nicht mehr verfolgen zu müssen – um sinnlose Bürokratie zu vermeiden.“

    (http://www.spiegel.de/politik/deutschland/cannabis-polizeigewerkschaft-will-kiffer-in-ruhe-lassen-a-1004515.html)

    „(…) haben wir einen Anstieg um erfreuliche (sic!) zehn Prozent.“

    Aber Herr Liegl ist scheinbar mehr um seine Karriere bedacht.

  • Franz Mahler

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    Zitat: „Fast 51 Prozent der 1.596 Drogendelikte, die für das vergangene Jahr ausgewiesen werden, betreffen übrigens ‚Cannabisprodukte‘. … Fast 40 Prozent der Gewalttäter in der Oberpfalz haben Alkohol im Blut.“

    Das wirft für jeden denkenden Bürger in diesem unserem Lande doch die Frage auf: Warum ist Alkohol dann keine Droge, Cannabis aber schon? Warum ist es ganz legal, sich am Stammtisch, zu Hause, auf der Dult, am Oktoberfest oder wo auch immer nach Strich und Faden die Hucke vollzusaufen, der Konsum von Cannabis aber ein Straftatbestand?

    Und sage jetzt keiner, weil die Produktion bzw. der Konsum von Alkohol in der real existierenden marktkonformen Demokratie der ehemaligen DDR-Opportunistin Angela Merkel viele Arbeitsplätze schafft, man die Flasche Schnaps beim Discounter ganz legal schon für weniger als fünf Euro kaufen kann und damit hierzulande Milliardengewinne gemacht werden. Die aktuellen Preise von Cannabis sind mir leider nicht bekannt. Die Polizeibeamten bei der Regensburger Drogenfahndung wissen das ganz bestimmt. Ich gehe aber davon aus, dass 100 Gramm Cannabis wesentlich mehr als fünf Euro kosten.

    Und was ist, wenn jemand z. B. mit der Droge Spielsucht sich selbst und seine Familie ruiniert? Wo taucht das in der Polizei-Statistik auf oder gibt es in Regensburg keine Spielsüchtigen?

    MfG

    Franz

  • Franz Mahler

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    Zitat: „Auf den ersten Blick auffällig ist der Anstieg der ‚politisch motivierten Kriminalität links‘ um rund 31 Prozent auf 71 Delikte. Hintergrund dafür sei allerdings das Demonstrationsaufkommen im vergangenen Jahr, so Mahlmeister. Allein 49 dieser Delikte lassen sich etwa auf bei der Sitzblockade gegen die AfD im Mai 2014 in Regensburg zurückführen.“

    Warum werden 49 Leute, die öffentlich mit einer Sitzblockade gegen eine diffuse Mischung aus Sozialdarwinisten, Neoliberalen, Nationalisten, Antisemiten und Rassisten demonstrieren, denen die neoliberale Politik und marktkonforme Demokratie der ehemaligen Honecker-Sympathisantin Angela Merkel immer noch nicht neoliberal bzw. marktkonform genug ist, von der Regensburger Polizei automatisch als „politisch kriminell links“ eingestuft?

    Liegt das daran, dass der ordentliche, anständige, fleißige, saubere und pünktliche Ost- und Westdeutsche nur im Gehen oder Stehen demonstriert, wenn der deutsche Untertan denn überhaupt seinen Hintern bewegt und demonstriert? Oder liegt es daran, dass die sogenannte Mitte der Gesellschaft in diesem angeblich so christlichen Lande inzwischen so weit nach rechts gewandert ist und jeder, der nicht nach unten tritt und nach oben buckelt, von der Staatsgewalt in die „linke“ Ecke gesteckt wird?

    Man stelle sich einmal vor, 49 Leute würden eine Sitzblockade vor einem Obdachlosenheim oder einer Notunterkunft für Flüchtlinge machen. Ob diese Demonstranten in diesem christlichen, sozialen und demokratischen Rechtsstaat auch eine Anzeige wegen des „Verdachts auf Nötigung“ erhalten würden? Und sage jetzt keiner, es wäre ein Vorurteil, dass Polizei und Justiz in diesem Lande wieder (oder immer noch?) auf dem rechten Auge blind wären. Es gibt in Regensburg Polizeibeamte, die bezeichnen sogar den derzeitigen OB als „linke Socke“. Natürlich nicht, wenn sie im Dienst sind, sondern in ihrer Freizeit als private Meinungsäußerung. Aber da weiß man, wie manche Polizeibeamte ticken, die angeblich als Freund und Helfer für das Gemeinwohl arbeiten. Oder besser gesagt: für die rechte Ordnung in der real existierenden marktkonformen Demokratie.

    MfG

    Franz

  • Kriminalisierung einer Podiumsdiskussion » Regensburg Digital

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    […] kriminalisieren. Wir werden uns Ihre Kritik auf jeden Fall nochmal durch den Kopf gehen lassen.“ Nach der öffentlichen Präsentation Mitte März (unser Bericht) hat Polizeipräsident Gerold Mahlmeister den polizeilichen Sicherheitsbericht vergangene Woche auch […]

  • Und weiter?

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    -Die Gewaltkriminalität sinkt-
    Ganz toll, und die Einbrüche steigen rasant und immer mehr. Auch wenn die (dann?)weniger unter Drogen (auch Alk) stehen, was bringt uns das denn, wenn man daheim nicht mehr sicher ist? Toll, Polizeipräsidium! Mehr Profi-Kriminelle im Haus statt Deppen auf der Straße?

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