Droben von der Kugel

Die Studiengebühren, die keine sind

Morgen UniAus Studiengebühren mach „Auslagenersatz“: Eine findige Idee der Universität Regensburg.

Kolumne von Hieroymus Mercator

2005 wurden sie eingeführt und 2013 wieder abgeschafft: Studiengebühren. Seit eh und je sorgen die Bestrebungen um kostenfreie Bildung für Konflikte zwischen Politik, Universität und Studenten. Die Universität Regensburg hat sich aber vor knapp zwei Jahren etwas ganz Besonderes einfallen lasse: den sogenannten Auslagenersatz.

Studiengebühren: ein polemischer Überblick

Willkommen im Freistaat Bayern, der Zeit seines Bestehens hauptsächlich von einer einzigen Partei regiert wird: der Christlich-Soziale Union, die etwas lokalpatriotischere und konservative Schwesterpartei der Christlich Demokratischen Union. Obwohl unser regionaler Ableger das Adjektiv „sozial“ im Namen trägt, beschloss dieser im Jahre 2005 mit sehr großer Vorlaufzeit sich stark dafür einzusetzen, dass es in unserem schönen bayerischen Landen Studiengebühren geben soll. Als jedoch die Proteste dagegen immer stärker wurden und ihren Höhepunkt im Volksbegehren „Nein zu Studiengebühren in Bayern“ fanden, da begriffen die Christsozialen, dass es vielleicht doch eine blöde Idee war. Die CSU überredet noch schnell ihren Koalitionspartner, die FDP (Ja, die hatten da noch was zu sagen!), und schwuppdiwupp konnte sich die Union im Jahr 2013 – als die Studiengebühren wieder abgeschafft wurden – als die heimlichen Helden feiern.

Andere Bundesländer lösten dies – ein klein wenig eleganter – durch einen Regierungswechsel. Aber darauf darf in Bayern auf keinen Fall gehofft werden!

Die Uni Regensburg ist nicht dumm

Die Universität Regensburg findet das gar nicht so toll und hat sich einfach etwas ganz Kluges ausgedacht. Am 24. November 2014 beschloss die Universitätsleitung die Einführung eines sogenannten Auslagenersatzes ab dem Sommersemester 2015, der auf die studienbegleitenden Fremdsprachenausbildung (SFA) erhoben wird. Zahlen muss man nicht, wenn der Sprachkurs Pflicht für das Regelstudium ist: zum Beispiel für die Russischkurse für einen Studenten der Slavistik. Das heißt konkret: Jemand, der seinen Horizont im Studium erweitern möchte und beispielsweise während seines Biologiestudiums auch noch eine weitere Sprache erlernen möchte, der wird zur Kasse gebeten.

Es ist ganz einfach: der Drei-Schritte-Plan

Doch wie konnte die Universität Regensburg so einfach etwas derartiges bewerkstelligen?

1. Zuerst erhebt man einen Betrag für Lehrveranstaltungen. Nicht auf alle, versteht sich, sondern nur auf Sprachkurse. Dieser beträgt 12,50 Euro pro Semester je Semesterwochenstunde. Dies bedeutet, da die meisten Sprachkurse vier Stunden die Wochen stattfinden, dass man 50 Euro pro Semester berappen muss. Aufgrund der Tatsache, dass der Betrag viel niedriger ist als die bisher erhobenen Studiengebühren und er nur auf eine Art von Kurs erhoben wird, erweckt dieser auch nicht den Anschein, etwas mit den Studiengebühren gemein zu haben.

2. Dieser Betrag wird Auslagenersatz genannt. Man darf ihn weder „Gebühr“ noch „Beitrag“ nennen. (Deswegen stehen diese Begriffe hier in Anführungszeichen.) Auslage könnte suggerieren, ich schreibe hier bewusst ohne wirtschaftswissenschaftliches Hintergrundwissen, dass man das Geld bei Bestehen oder vielleicht bei Abbruch wieder erstattet bekommt. Dies geht jedoch nur bei einer „längerer Erkrankung.“ Der Namensbestandteil Ersatz lasse ich mal außen vor.

3. Dieser Betrag, den man Auslagenersatz nennt, erhebt man – wie bereits beschrieben – nur auf eine bestimmte Art von Kurs. Bei Bedarf schmiedet man Pläne, einen Auslagenersatz noch auf weitere Lehrangebote auszudehnen. Als mögliche Beispiele, die hier wahllos aufgelistet werden, bieten sich an: die Akademische Schreibberatung, die EDV-Kurse, die Sprecherziehungskurse, Basiskurse usw. usf.

Ergebnis: Ein nettes Hintertürchen vermittels dessen man eine Art Studien“gebühr“ wieder einführen kann. Schlau gedacht.

Doch was bringt das?

In erster Linie das gleiche wie alle Maßnahmen, die der Universität Geld bringen soll. Es soll die Qualität der Lehre verbessern. Der Studentische Sprecher*innenrat führte eine repräsentative Umfrage durch, die deutlich das Meinungsbild aufweist, dass die Studenten sich die Abschaffung des Auslagenersatzes wünschen. Überdies geht aus der Umfrage hervor, dass die Studenten, die Sprachkurse vor und nach der Einführung des Auslagenersatzes belegten, keine qualitative oder quantitative Verbesserung spürten. Die Vielfalt der Kurse hat sich spürbar verschlechtert und die Anzahl der Parallelkurse hat überwiegend abgenommen.

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Ein vorläufiges Ergebnis präsentierte der Sprecher*innenrat auf der Vollversammlung am 8. Juni; das endgültige wird folgen. Bereits zuvor gab es Verhandlungen der Studierendenvertretung mit der Universitätsleitung, den Auslagenersatz abzuschaffen, nachdem 1.154 Unterstützer eine Petition namens „#AUSLAGENERSATZ streichen!“ unterzeichneten.

Im Sommersemester 2015 nahm die Universität circa 52.000 Euro durch den Auslagenersatz ein. Die Menge der angebotenen Sprachkurse lag trotzdem hinter der Anzahl der vergangenen Semester. Ein bisher kostenloses Angebot für Studenten, sich nach Interessen weiterzubilden wird kostenpflichtig, während das Angebot zurück geht. Wie kann das sein? Nun gut, die Kurse für Spanisch oder Italienisch werden noch vermehrt angeboten, aber Sprachen, die eh schon weniger angeboten werden, wie Koreanisch, Polnisch oder Chinesisch haben einen starken Kursverlust hinnehmen müssen.

Was der Auslagenersatz wirklich soll, wenn er nicht als Vorbereitung auf weitere Kosten während des Studiums dienen soll? Dieses Frage muss hier leider unbeantwortet gelassen werden. Vielleicht wird uns die Universitätsleitung irgendwann mal aufklären.

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Kommentare (7)

  • gustl

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    Wenn die Studies Auslagenersatz zahlen sollen, dann wäre es folgerichtig, wenn die Universitätsmitarbeiter auch für die von ihnen verbrauchten Materialien (Druckerpatronen, Kopierpapier etc.) einen Auslagenersatz leisten?

  • Ulf

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    Nur 50€ für einen zusätzlichen Sprachkurs? Das ist ja geschenkt, großartig!

  • Lothgaßler

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    Schön ist es nicht, zugegeben, aber Studieren ist kein Freibiergarten und das Angebot der Uni nicht all-inclusive! Zu meiner Zeit gab es, damals an der FH, nur wenig Angebot nebenbei und ohne Gewähr auf freie Plätze. Kenntnisvermittlung bezüglich wissenschaftlichen Arbeitens sowie Schreibens sind für mich allerdings Bestandteil eines Studiums, müssen also ohne Zusatzkosten angeboten werden. Bei Fremdsprachenerwerb nach Gusto sehe ich dagegen einen so geringen Betrag wie oben genannt als zumutbar an. Vielleicht sollte auch nachfrageorientiert ein Auslagenersatz abgenommen werden: was viel nachgefragt wird kostet halt mehr, und was wenig eben wenig bis nix. Damit lässt sich u.U. auch die Breite des Angebots erhalten, denn scheinbar verlieren gerade jene Angebote an Teilnehmern (d.h. Nachfragern), die nur umsonst sexy erscheinen.

  • (Ex-)Student

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    Ich habe zu meinen Studienzeiten mehrere dieser damals kostenlosen Sprachkurse genutzt (und davon profitiert) und finde es ein Armutszeugnis, dass nun an einer Einrichtung, die eigentlich (oder idealerweise) für die Möglichkeit einer umfassenden und breiten Bildung stehen sollte, nun durch eine solche Fremdsprachenmaut dafür gesorgt wird, dass die Nutzung solcher Bildungsangebote unattraktiver wird. Das einzige was ich mir – angesichts der damals tatsächlich recht hohen „Ausfallerquote“ – eingehen lassen hätte, wäre eine Art „Kurspfand“, d.h. eine Teilnahmegebühr, die man aber zurückerhält, wenn man den Kurs auch tatsächlich wie vorgesehen besucht hat und nicht nach der dritten Stunde ferngeblieben ist (nachdem man zuvor einem anderen interessierten Studenten möglicherweise den gewünschten Platz weggenommen hat).
    In dieser Form aber ist die Kursgebühr (ich hasse irreführende Euphemismen wie „Auslagenersatz“) einfach armselig.

  • habbakuk

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    …aber das jeder Nichtstudent für eine sprachliche Weiterbildung zahlen muss ist ok?

    Was ich noch seltsamer finde ist die Tatsache, dass sich über Studiengebühren aufgeregt wird / wurde, aber die Kosten für den Kindergarten (welchen m. M. n. alle Kinder besuchen sollten) als völlig ok angesehen werden. Und das obwohl alle in den Kindergarten gehen (sollten) aber nur ein Teil an die Uni geht für die alle zahlen.

  • Gol

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    Solche Maßnahmen werden eingeführt, damit die Kurse nicht nur gebucht, sondern auch besucht werden. Viele Kurse werden zwar von Studierenden belegt, dies aber nur auf dem Papier, bzw. auf der Anmeldeliste. Viele bleiben der Veranstaltung dann aber doch fern. Und das ohne weitere Konsequenzen. Wer keinen Bock (mehr) auf den Kurs hat, der kommt einfach nicht. Und der Großteil hat leider nicht den Anstand sich auch wieder rechtzeitig abzumelden und schnappt dabei aber anderen, interessierten Studis die Plätze weg. Persönlich finde ich dieses Verhalten sehr unfair, es ist aber wohl leider ein Spiegelbild unserer Zeit. Und genau das führt eben zu solchen Maßnahmen, wie oben beschrieben. Denn reich wird die Uni von den Beträgen, die dort eingefordert werden sicher nicht. Man verspricht sich aber davon, dass die Belegung der Kurse auch wirklich stattfindet.
    Der Dank dafür sollte also an die „Anmelder-und-dann-Nichtbeleger“ der Kurse gehen.

  • Schinkensandwich

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    Zusätzlich 52.000 Euro und dann wundert man sich, dass das Lehrangebot nicht erheblich gestiegen ist? Ist doch ganz klar. Für diesen Betrag kann man maximal zwei Lektoren (TV-L E13) halbtags (oder ein Lektor ganztags) mehr beschäftigen.

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